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Billigbier, oder: Wir bejubeln den Stillstand
Wie schön, wir sind bescheiden geworden. Über Jahrzehnte hinweg galt es als wichtiges und richtiges Ziel, für Wachstum zu sorgen. Und das auch in den Geldbeuteln der Menschen. Heute aber feiern wir folgende Meldung: Es geht uns genauso gut wie vor 21 Jahren.
Damals, nach der deutschen Wiedervereinigung, herrschte in der Wirtschaft die pure Euphorie. Mit einem Schlag waren über 16 Millionen hungrige Konsumenten dazugekommen. Menschen, die endlich ein richtiges Auto fahren und in völliger Freiheit Bananen essen wollten. Die es nicht erwarten konnten, die Schlange im HO-Geschäft mit jener bei Aldi oder Lidl einzutauschen. Von nun an, so war man sich sicher, würden alle Statistik-Kurven unserer Wirtschaft nur noch eine Richtung kennen. Nämlich nach oben.
Das ist Vergangenheit. Heute feiern wir den Stillstand.Wie das Institut der deutschen Wirtschaft mitgeteilt hat, sind Nettolöhne und Warenpreise seit 1991 im gleichen Verhältnis zueinander gestiegen. 2011 habe demnach ein Arbeitnehmer für die geleistete Arbeitsstunde netto 45 Prozent mehr Lohn als vor 20 Jahren bekommen. Die Warenpreise seien im selben Zeitraum um 43 Prozent geklettert. Die Kaufkraft sei daher gleichgeblieben.
Ein schlagendes Beispiel für seine Vergleichsrechnung liefert das Institut gleich mit. Eine Flasche erfordere wie früher eine Arbeitsleistung von drei Minuten. Für ein Kotelett reichten pro Kilo Fleisch sogar statt damals 36 heute 30 Minuten.
Nette Statistik, aber was ist mit den Preisen für Benzin oder Gas? Auch andere ausgewählte Produkte haben sich stärker verteuert. Bienenhonig ist innerhalb der letzten zehn Jahre um 134 Prozent teurer geworden, Schokolade um 112 Prozent, italienische Spaghetti um 84 Prozent und Joghurt um 67 Prozent.
Offensichtlich gilt auch hier der Satz: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Solange wir noch billiges Bier haben, ist uns Trost gewiss.
Warum Lebensmittel häufig Müll sind
Sicher liegt es daran, dass wir verlernt haben, die Qualität von Lebensmitteln zu erkennen und diese entsprechend zu verarbeiten. Wir schauen auf dem Preis – und folgen zudem spätestens seit McDonald’s der angelsächsischen “Genuß”-Tradition. Diese hat der britische Literatur-Nobelpreis-Träger von 1932, John Galsworthy, so auf den Punkt gebracht: “Die Franzosen kochen, die Engländer öffnen Dosen.”
Kochen ist andererseits teuer. Das merkt man spätestens dann, wenn man eine Küche braucht. Die zu kaufen, geht gerne mal so: Im Prospekt sieht man eine tolle Genussmöbel-Kombination zum Preis von 4999 Euro. Das hat man gerade, man geht also mit seinem Wohnungs-Grundriss ins Möbelhaus.
Dort erfährt man, dass man beim Betrachten der Werbung den klitzekleinen Zusatz “Angebot wie abgebildet” übersehen hat. Bezogen auf die eigene Wohnung brauche es schon einige Umplanungen. Und das eine oder andere Extra.
Macht dann zusammen 30.000 Euro, also einen Betrag, mit dem man sich zehn Jahre lang jeden Abend eine Pizza kaufen könnte. Oder 27 Jahre lang täglich einen Döner.
Der Küchenkauf lohnt sich also nur bedingt. Zumal wir im Autoland Deutschland immer ein neues Fahrzeug brauchen. Neuwagen kosten hierzulande im Schnitt 45.000 Euro.
Umgerechnet wären das weitere dreizehneinhalb Jahre lang ein Döner pro Tag. Aber eben auch acht, neun Jahre in einer neuen Küche gut gekocht.
Das bedeutet: Würde öfter mal ein Auto vor dem Verkauf im Müll landen, könnten wir richtig lecker essen. Wir haben die Wahl.
Chaos? Wir sind zu weich für den Schnee
Ich muss das mal anmerken: Ich mache mir Sorgen. Sorgen über die unübersehbaren Verweichlichungstendenzen in dieser unserer Gesellschaft. Man gebe uns ein gelegentliches Problem - und wir sinken auf die Knie.
Denken wir doch bloß einmal an die Isländer. Als bei ihnen dieser Vulkan mit dem bescheuerten Namen ausgebrochen war, wurde selbst ein Vertreter der einst so testosteron-gesteuerten CSU, nämlich Verkehrsminister Peter Ramsauer, zum braven Hausväterchen und sorgte mit dafür, dass praktisch weltweit alle Flugzeuge am Boden bleiben. Damit nichts passiert. Und die Isländer? Die saßen da und schauten ihrem Vulkan zu. Ansonsten ging das Leben weiter.
Wir haben die Vulkanasche gerade in Form von Schneeflocken. Da ist einiges runtergekommen. Und was ist die Reaktion? Aufregung, Verzweiflung, Panik gar. Trotz Winterreifenpflicht rutschen die Autos kreuz und quer durch die Gegend. Und schuld ist überall die Kommunalpolitik.
Ich stelle hierzu Folgendes fest: Es ist die Natur. Weil Schnee nicht in der Konsistenz von Asphalt, sondern als rutschiges Zeug vom Himmel fällt, kann man nicht so gut laufen und fahren wie sonst. Das war so und das ist so. Und weil es Schneefälle dieses Ausmaßes nur an wenigen Tagen im Jahr gibt, kann eine Stadt auch nicht 1000 Menschen vorhalten, die punktgenau zur Stelle sind, wenn es denn mal schneit.
Genauso wenig, wie nach Überschwemmungen auf der Stelle 200 verbeamtete Sandsackschmeißer ausrücken können. Es kommt eben vor, dass es mal nicht so läuft, wie es immer läuft.
Somit helfen in solchen Zeiten nur zwei Verhaltensweisen: Entweder man zieht die Bettdecke nochmal über den Kopf und weicht der Gefahr durch Nichtstun aus. Oder man zeigt Unerschrockenheit und trotzt mutig den bösen Mächten der Natur.
Das jedoch ist Sache der Isländer, vielleicht auch noch der Finnen, Russen, Schweizer und Kalmüken. Bei uns sind ja schon die Männer zu weich. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass drei von zehn deutschen Männern aus nackter Angst vor dem Zahnarzt nur dann dorthin gehen, wenn sie die Schmerzen nicht mehr aushalten?
Am besten akzeptieren wir das einfach und bemühen uns um Gelassenheit. So, wie es uns Goethe vorschlägt: “Wer will denn alles gleich ergründen! Sobald der Schnee schmilzt, wird sich’s finden.”
Der Tipp: Das megatolle Straßen-Navi 3.0
Manche Ideen sind sowas von innovativ, dass man nicht groß drumherumreden oder -schreiben muss. Also: Hier ist es, das beste Navigationssystem aller Zeiten. (Danke, @jochenjochen)
Sei beruhigt, Dein Auto hört Dir zu
Mal ehrlich: Was fehlt uns mehr, in diesen bewegten, unruhigen Zeiten, als ein treuer Begleiter? Jemand, mit dem wir unsere Träume und Sorgen teilen können. Jemand, der vor allem gut zuhören kann – und nicht immer gleich vom Thema abweicht. So etwas gibt es, die Namen dieser Gefährten sind Sharan, Insignia oder Prius. Richtig erkannt, es sind unsere Autos. Mit ihnen reden mehr Menschen als man denkt.
Frauen fahren besser – wenn genug Platz zum Einparken ist
Selbstverständlich ist es an diesem heutigen Weltfrauentag völlig undenkbar, Frauen etwas Schlechtes nachzusagen. Es handelt sich bei ihnen ja in letzter Konsequenz um Wesen, ohne die menschliches Leben auf diesem Planeten nicht möglich wäre. Selbst der Papst gibt das zu – auch wenn er dabei vielleicht mit den Zähnen knirscht.
Und was soll denn dieser Satz? “Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist nur möglich, wenn die Frau sich unterordnet.” Das plapperte ein gewisser “Martialis” so etwa 40 vor Christus daher. Wahre spätrömische Dekadenz, also. Es hilft dieser Welt aber auch nichts, wenn eine linke Vereinigung am 8. März am Weißen Turm in Nürnberg den “Goldenen Penis” verleiht: Siehe hier…. Auch der Penis gehört ja irgendwo zum Dasein unserer Spezies.
Machen wir es uns doch lieber einfach. Bringen wir eine gute, frauenfreundliche Nachricht: Als Autofahrerinnen sind Frauen besser als Männer. Wie der Auto Club Europa (ACE) ermittelt hat, verursachen Frauen deutlich weniger Unfälle mit Verletzten als Männer. Und im Osten sind die Frauen am Steuer noch besser. Besonders in Brandenburg. Da bauen 100.000 Einwohnerinnen statistisch gerade mal 187 Unfälle. In Bayern neigen die Frauen allerdings mehr zum Risiko. Hier liegt die Unfallquote bei 257.
Erstmal Glückwunsch, liebe Frauen. Aberein bisschen näher müssen wir schon hinschauen. Denn ist es nicht so, dass Frauen bundesweit eher die kleineren Autos fahren? Und: Zwar wähnt man sich zum Beispiel in München im Sommer im Iran, weil so viele Frauen mit Kopftuch in offenen Cabrios sitzen. Aber das ist Stadtverkehr. Übers Land gefahrvoll brausen – das ist immer noch eher Männersache.
Und ist es nicht so, dass in Ostdeutschland die Abwanderung der Bevölkerung in Richtung Westen so stark ist, dass es viel mehr Platz zum Einparken gibt? Wie Frauen einparken, wissen wir doch. Man(n) schaue hier:
Krise? Hauptsache, wir sind schön
Unsere Wirtschaftsweisen grübeln mit Sicherheit nachhaltigst über der Frage, wie die Deutschen wohl mit den Folgen der weltweiten Finanzkrise umgehen werden. Werden sie wie ihre Regierung frech immer mehr Schulden machen oder werden sie einen Sparstrumpf vollstopfen und resignierend unter einer Matratze verstecken? Die Antwort: Sie hübschen sich auf.
Diese Erkenntnis zieht der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) nach der Auswertung aktuellen Umsatzzahlen der Branche. Demnach hatten die Bereiche Dekorative Kosmetik und Autopflegemittel im zu Ende gehenden Jahr die kräftigsten Zuwachsraten. Aber auch die gesamte Branche habe zulegen können.
Der mit dem Verkauf von Körperpflegemitteln erzielte Umsatz ist laut IKW um 1,7 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro gestiegen. Dabei legte die Dekorative Kosmetik mit einem Plus von 7,8 Prozent auf 1,438 Milliarden Euro
am deutlichsten zu. Der Umsatz von Wasch- und Reinigungsmitteln stieg um 3,7 Prozent auf etwas mehr als vier Milliarden Euro. Hier waren Autopflegemittel ein Umsatztreiber: Der IKW berichtete von einem Zuwachs um 8,7 Prozent auf 250 Millionen Euro.
Was lernen wir daraus? Auf Frauen wirkt die bekannte Devise der Bundeshauptstadt – “Arm, aber sexy” – offensichtlich schlüssig. Männer wiederum entdecken in Krisenzeiten die Reinlichkeit. Nicht an sich selbst, aber immerhin an ihrem Auto. Offenbar gilt für sie ein in die Neuzeit übertragenes Wort von Martin Luther: “Und wenn ich wüsste, dass ich morgen pleite bin, würde ich heute noch mein Auto waschen.”
Wirklich wahr: Polizisten können nicht einparken
Wenn es um Risikogruppen im Straßenverkehr ging, hatten wir immer drei klare Favoriten:
Junge Leute, wegen Raserei und allgemeinem Wahnsinn. Alte Leute, wegen schlechten Augen und zu langsamem Fahren. Frauen, wegen Orientierungslosigkeit und Blechschäden beim Einparken.
Nun jedoch ist der hessische Landesrechnungshof mit einer unerwarteten Erkenntnis herausgerückt: Polizisten bauen überdurchschnittlich viele Unfälle.
Ansich leuchtet das ein. Verbrecher haben ja keinen Respekt vor dem Eigentum und dem Leben anderer. Sie fahren also alles über den Haufen, was sich ihnen in den Fluchtweg stellt. Unsere Polizisten müssen trotzdem immer noch ein kleines bisschen schneller sein. Was das an explodierenden Lastwagen und einstürzenden Neubauten bedeuten kann, haben uns Helden wie Bruce Willis oder Mel Gibson immer wieder mal eindrucksvoll vorgeführt.
Die meisten Polizisten verunglücken aber gar nicht auf Verfolgungsjagden. Meistens verursachen sie kleinere Blechschäden. Weil sie schlecht einparken oder ausparken, zu dicht auffahren und Fehler beim Rückwärtsfahren oder Wenden machen.
Das macht uns Grübeln. Liegt es daran, dass bei der Polizei – wie in allen unattraktiven Berufen – der Frauenanteil stetig steigt? Ist das Problem, dass blutjunge Männer verfolgungsjagd-taugliche Autos mit großen Motoren an die Hand bekommen, die sie unmöglich beherrschen können? Oder daran, dass Menschen, die immer Sonderrechte haben, nie gute Autofahrer werden? Geht es Polizisten, die im Zweifel auch im absoluten Halteverbot parken, nicht doch wie den Ostfriesen, die sich ihr ganzes Leben lang vor dem Anfahren am Berg fürchten?
Vielleicht ist es aber auch nur so, dass Polizisten Menschen wie du und ich sind. Das wäre ein gutes Zeichen, Bei einem Unfall einen Polizisten als Gegner zu haben, wid man sich trotzdem nicht wünschen.
Ein Übungsprogramm für Polizisten gibt`s hier:
Merkel und BMW sind unser Weltteam
Eigentlich sollte heute jedem Journalisten der Finger abfallen, wenn er einfach so etwas schreibt. Es ist “Tag der Arbeit”. Und das ist der einzige Feiertag, der von keinem Staat und von keiner Kirche ausgerufen worden ist, aber weltweit gefeiert wird. Eigentlich wäre also Ruhe im Karton.
Aber dann kommt wieder eines dieser tollen Rankings, bei denen der irrsinnige Versuch unternommen wird, eine weltweit gültige Liste für irgendetwas aufzustellen. Diesmal hat das US-Nachrichtenmagazin “Time” die 100 einflussreichsten Menschen der Welt benannt. So wie bei der Wahl des Weltfußballer sind dort zwei Deutsche gelistet.
Da ist – logisch – Bundeskanzlerin Angela Merkel. Jene Frau also, die man am einfachsten zum Lächeln bringt, indem man sie auf den Kopf stellt (siehe Bild). Das Magazin führt sie in der Kategorie “Führungspersönlichkeiten und Revolutionäre”. Unsere Führungspersönlichkeit also – oder ist die Verlängerung des Kurzarbeitergelds schon revolutionär? – bekommt folgendes Zeugnis ausgestellt: “Merkels gutes Gespür und ihre Fähigkeit, mit anderen führenden Politikern Partnerschaften einzugehen, sorgen dafür, dass Deutschlands Stimme bei den Gipfeln und Zusammenkünften dieser Welt selten ungehört bleibt.” Na gut, wen hätten die Amis sonst nehmen sollen? Seehofer etwa?
Aber den “Time”-Leuten gelingt dann doch eine Überraschung. Der zweite Super-Deutsche ist Filmemacher Werner Herzog. Gut, er hat mit Klaus Kinski zusammengearbeitet, ohne selbst wahnsinnig zu werden. Er war auch dieses Jahr für seine tolle Antarktis-Dokumentation “Encounters at the End of the World” für einen Oscar nominiert. Aber weltweiter Einfluss?
“”Shooting-Star” würde man in der Sprache der Charts Obamas Frau Michelle nennen. Amerikas neue First Lady zählt auf Anhieb zu den “Helden und Ikonen”. In dieser Rubrik finden sich auch Golf- Legende Tiger Woods, Hollywood-Star George Clooney und Flugkapitän Chesley Sullenberger, dessen spektakuläre Notlandung auf dem Hudson River in New York allen 155 Passagieren das Leben gerettet hatte.
Als “Künstler und Entertainer” werden neben Herzog unter anderem die britische Sängerin M.I.A. und der chinesische Pianist Lang Lang genannt.
Besser als bei der Suche nach den tollsten Menschen steht Deutschland bei der Hitparade der wertvollsten Marken weltweit da. Hier führt Google vor Microsoft, Coca-Cola, IBM und McDonald`s. Zur Erläuterung: Es geht um den Wert auf den Kapitalmärkten und nicht um den Wert ansich. Neun deutschen Firmen sind dabei. Den 18. Platz schaffte BMW vor SAP (19), Porsche (35) und Mercedes (40). Ferner gelten Siemens (51), T-Mobile (63), die Post-Frachttochter DHL (68), der Discounter Aldi (74) und Nivea (96) .
Damit es wirklich wieder aufwärts geht, sollte Angela Merkel also BMW fahren. Beide sind unser Weltteam.
Objektiv nachprüfbar ist das aber nicht. Anders als bei (Stand: 1. Mai 2009) der Reihenfolge Greuther Fürth (2) und 1. FC Nürnberg (4) ist das anders. Hier zählen Punkte und Tore. Und das ist der Wahrheit!
Adieu, ihr Autos. Eine große Liebe ist vorbei
Seufz, eine große Liebe geht dahin. Was gab es nicht an Hingabe, tiefen Gefühlen, an Bereitschaft, großzügig viel Geld zu investieren?Alles vernichtet in den Schrottpressen dieser Republik: Unsere Autos haben ihr Sex-Appeal verloren. Sie werden abgewrackt.
Es war doch vorneherein klar, dass mit dieser Aktion etwas nicht stimmen konnte. Schrotthändler reiben sich verwundert die Augen, dass TÜV-taugliche Autos einfach weggeworfen werden, Menschen verjubeln ihr Erspartes, um künftig einen koreanischen Kleinwagen zu fahren. Es wird bunter auf unseren Straßen, und vielleicht mangels PS-Zahlen langsamr gefahren. Das mag ein Vorteil der Prämie sein. Aber sonst?
Hier geht etwas an unseren Seelen kaputt. Ich hatte schon vor vier Monaten eine Studie des Kompetenzzentrums “Frau und Auto” aufgegriffen, wonach modernen Fahrzeugen aus weiblicher Sicht die Emotionen verlorengegangen seien. Zu perfekt, zu kalt, zu lösungsorientiert – so werden die Audis und BMW`s von heute gesehen. Wenigstens konnten sie so noch die Männer begeistern. Aber die müssen ja jetzt auf Kia und Co. umsteigen.
Noch wüsste ich nicht, was wir in Zukunft lieben werden. Überzeugt bin ich bloß davon, dass die nächste Abwrackprämie kommen wird. Gestern bei “Hart aber fair” durfte unsere berühmte Freie Wählerin Gabriele Pauli ihre Idee von der “Ehe auf Zeit” propagieren. Wie das geht, wissen wir. Autos wirft man nach neun Jahren weg, der Ehepartner darf gleich drin sitzenbleiben.
Ob das alles glücklich macht, ist freilich eine andere Frage. Wie auch die bereits vorhandene Abwrackprämie zeigt: Was nachkommt ist nicht zwingend besser.
Feuerwehrleute sind Helden – Journalisten holen auf
Und die Frage ist? Wer rettet uns in diesen schweren Zeiten? Wer schützt uns vor dem Fegefeuer der Börsenhölle? Richtig: die Feuerwehrleute. Laut einer Umfrage des Magazins “Reader`s Digest” stellen sie für die Bundesbürger die vertrauenswürdigste Berufsgruppe dar. Ganz übel schaut es dagegen für die Politiker aus.
Vorneweg muss ich aber einen ganz persönlichen Sektkorken abschießen: Journalisten werden immer beliebter. Hatten wir uns früher mit den Buchhändlern um den letzten Platz geblagt, so sagen inzwischen schon 24 Prozent der Bundesbürger, dass sie uns vertrauen. Das passt zwar gar nicht zu den Entlassungswellen, die durch verschiedene Medienhäuser rauschen. Verleger vertrauen uns nicht mehr so. Aber die Bürger mögen uns genauso gerne, wie jene wunderbaren Menschen, die ihnen ein “belebtes Hotel” zubuchen, das sich in der Realität als architektonisch interessanter Mittelpunkt einer Großbaustelle erweist.
Aber die Feuerwehrleute: 93 Prozent der Bundesbürger setzen in sie ein „ziemlich hohes“ oder „sehr hohes“ Vertrauen. Was ja verständlich ist. Es soll zwar in dieser Zukunft einen gewissen Anteil von Pyromanen geben. Dieser ist allerdings äußerst gering, weshalb die Gefahr, dass ein Feuerwehrmann mutwillig Mist baut, sehr gering ist. Schon auf Platz zwei folgen die Piloten mit einem Vertrauenswert von 91 Prozent. Naja, Abstürze sind äußerst selten und im Gegensatz zu Bus- und Straßenbahnfahrern bekommt man ihre schlechte Laune als Passagier nicht mit.
Und auch auf den Folgeplätzen heißt es: Wer hilft, gewinnt. Wir finden Krankenschwestern (90), Apotheker (86), Ärzte (84 Prozent) und Polizisten (75). Die Landwirte werden mit der Traum-Vertrauensquote von 70 Prozent bezahlt, kriegen aber zum Ausgleich viel zu wenig Geld für ihre Milch.
Doch wo lauert das Grauen dieser Gesellschaft? Hier geht es los mit den Finanzberater mit 19 Prozent. Es folgen Gewerkschaftsführer mit 16 Prozent und Fußballspieler mit zwölf Prozent und – trotz Abwrackprämie!!! – Autoverkäufer mit zehn Prozent.
Darunter aber gibt es nur noch die Politiker. Nur jeder 14. Bundesbürger vertraut dieser Berufsgruppe. Zwar sind sieben Prozent regierungsfähig, falls man es in die richtige Koalition schafft. Aber den Menschen fehlt allzuoft eben die Übereinstimmung von Reden und Handeln. Wie man es richtig macht, zeigt uns gerade Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi. Er hat Opfern des Erdbebens in den Abruzzen gerade empfohlen, sie möchten den Aufenthalt in den Notzelten als Campingurlaub betrachten. Zynisch? Nein, man weiß, dass Berlusconi andere Menschen verachtet. Da redet also einer, wie er ist. Und das mögen wir!
Such, such – Lierhaus, Klum und DSDS
Was bewegt die Menschen wirklich? Nun, der Zeitgeist weht am heftigsten im Internet. Und das Schöne ist, dass man die Nachfrage nach Themen kontrollieren kann. Weil Klicks leicht zu zählen sind. Die wahren Bedürfnisse der Menschen erkennt man jedoch bei den Suchmaschinen. Was dort eingegeben wird, wird dringendst gebraucht.
Yahoo hat jetzt seine Knüller-Begriffe des zurückliegenden Quartals veröffentlicht. Demnach darf man davon ausgehen, dass Politik die Internet-Gemeinde nur dann interessiert, wenn es darum geht, wie man für Schrott einen Haufen Geld bekommt. Das Stichwort “Abwrackprämie” landete im Januar auf Platz vier, die für die Abwicklung zuständige Behörde “Bafa” im Februar auf Platz Fünf.
Es heißt ja immer, dass nichts den männlichen Teil der Menschheit mehr fasziniert, als die Kombination “Der Tod und die Frau”. Stimmt: ”Monica Lierhaus”, also der Name der ganz böse erkrankten Sportmoderatorin, war im Januar bei “Yahoo” der häufigste Suchbegriff. Heidi Klum rangierte im Februar auf Platz zwei, die Show mit ihren im Wochentakt dahinscheidenden Möchtegern-Top-Models landete auf dem vierten Rang. Die neuerdings wohl ruinierte Ex-Werbe-Ikone Verona Pooth und die gestorbene britische Big-Brother-Kandidatin Jade Goodey wurden im März am dritt- und viertmeisten gesucht.
Ebenfalls hoch im Kurs stand mit Platz zwei im Januar das “Dschungelcamp”. Passt ins Bild, ist es doch die Fernsehshow der todgeweihten Abgewrackten. Und auch DSDS, Sieger-Suchwort im März, dreht sich bis zum Finale vor allem um die Frage, wer auf dem Weg zum Superstar vom Publikum gekillt wird. Welche Karriere einen jähen Tod findet.
Wie aber passt das Yahoo-Sieger-Stichwort des Monats Februar, nämlich “Valentinstag”, in diese Reihe? Ganz hervorragend. Denn der männliche Teil der Menschheit weiß genau: Wer diesen Tag vergisst und keine Geschenkidee hat, ist für seine Frau irgendwann gestorben.
GM: Die Abwrackprämie ist serienmäßig
Man hat sich ja in dieser Wirtschaftskrise schon an einige unglaubliche Zahlen gewöhnt. Aber den Vogel schießt General Motors ab. Dieser Konzern hat im vergangenen Jahr 30,7 Milliarden Dollar Verlust erwirtschaftet. Wie kann das gehen?
Gut, in Euro sieht es freundlicher aus. Da fällt “nur” ein Verlust von 24,25 Milliarden an. Aber man muss doch mal dagegenhalten, dass General Motors im Jahr 2008 geschätzte acht Millionen Autos verkauft hat. Das heißt, dass jede GM-Karosse, wenn sie ausgeliefert wird, ein Minus von 3000 Euro im Kofferraum hat. Es handelt sich also um Pkw mit serienmäßig eingebauter Abwrackprämie.
Übertragen auf andere Produkte würde das bedeuten, dass unser Bäcker um die Ecke für jede Breze 1500 Euro drauflegt. Jeder Liter Diesel, der bei ihm gezapft wird, würde den Tankstellenbesitzer 3000 Euro kosten. Aldi Süd müsste für sein Sonderangebot der kommenden Woche, die “Gartenline” Gartenpumpe zu 45,99 Euro, stolze 137.970 Euro zuzahlen. Und sogar der top-aktuelle Handtuch-Turban aus Micro-Cotton würde Anbieter Tchibo pro Stück fast 1800 Euro zusätzlich kosten.
Mit welchen Gefählen arbeiten eigentlich Menschen, die um diese Horrorbilanz wissen? Wie halten die durch? Einzige Möglichkeit: Sie fühlen sich als Künstler. Ähnlich wie GM arbeitet zum Beispiel das Staatstheater. Für jede verkaufte Karte muss die öffentliche Hand nochmal kräftig zubuttern.
Aber erstens sind die Fabrikhallen von Autofirmen keine Opernhäuser. Und zweitens ist das Nürnberger Staatstheater einzigartig. Autos gibt es dagegen wie Sand am Meer.
Also: Kann mir einer erklären, wie das mit GM weitergehen soll?
Gute Tat: Ein Job für D-Promis
Über die mäßige Promidichte in Nürnberg habe ich gerade gejammert.
Aber es gibt auch hier jene Anlässe, bei denen ein buntes Völkchen fröhlich gestimmt zusammenkommt. Beim Neujahrsempfang der Stadt, bei dem die Sparda-Bank Essen und Trinken bezahlen. wenn Wirtshäuser aufmachen, wenn Autohäuser ihr neuen Flaggschiffe vorstellen oder in der VIP-Lounge eines Box-Events. Kurzum, immer dort, wo man aus gutem Grund sein Freibier-Gesicht aufsetzen kann.
Wie diese beiden Herrschaften: Die Namen nenne ich erst nach der Auflösung. Man kann aber sagen, dass beide bei ihren wichtigsten Karrierestationen nicht viel geredet haben. Die blonde Dame war zunächst sogar ganz stumm. Der Herr ließ zwei andere Körperteile sprechen.
Aber wofür können wir sie gebrauchen? Die Frage lautet also:









Immer Kaffee – weil der Russe nicht kam
Kurt Beck geht, Peer Steinbrück kommt. Alles ändert sich. Was aber hilft in diesen turbulenten Zeiten? Selbstverständlich: Eine gute Tasse Kaffee. Das schwarze Gebräu ist – mit oder ohne Zucker, Milch und Sahne – unser Rettungsanker und/oder unser Aufputschmittel. Jedenfalls ist dieses Getränk Kult. Also war es gut, dass am 28. September der “Tag des Kaffees” gefeiert wurde.
In meiner Jugendzeit gab es das noch nicht. Alles war anders. Unter der Woche gab es Kaffee als Pulver, das sich in heißem Wasser auflöste. Nescafé war eine beliebte Hausmarke. Anders an den Sonntagen. Dann holte Oma das feinste Geschirr aus dem Schrank. Heißes Wasser- wurde über einen mit Kaffeepulver – bevorzugt Marke Onko – gefüllten Filter – meistens Marke Melitta – in einer feierlichen Prozedur in die schicke Kanne geträufelt. Und beim Einschenken meinte Oma: “Trinken wir und essen wir noch eine Torte. Bevor der Russe kommt.”
Der Russe kam nicht, dafür tauchten zum Beispiel dieser Italiener ohne Auto oder eine gewisse Stephanie, Gräfin von Pfuel auf, welche uns Eduscho Gala schmackhaft machen wollte. Der Verzicht auf die “Krönung” belastete das Gewissen ähnlich schwer wie ein Weichspüler-Boykott.
Aber dann tauchte er auf, der Kaffee-Vollautomat. Wir haben viel gelernt. So etwa, dass sich kleine, bunte Alubehälter und wahrhaftige Romantik nicht ausschließen. Die Nespresso-Produkte nennen sich Capriccio, Levanto oder Fortissio, was uns verheißt, dass jeder Kaffee wie eine große Arie aus einer italienischen Oper ist. Und dank der Fernsehwerbung können Frauen davon träumen, dass sich Georg Clooney für ihre Wäsche interessieren könnte. Für solche Visionen investieren wir gerne viel Geld. Der Kaffee-Vollautomat ist statusmäßig das iPhone unserer Haushaltsgeräte.
Ein Knopfdruck genügt – und es zischt, schäumt und duftet gar wunderbar. Zu jeder Tag- und Nachtzeit. Wann immer wir wollen.
Zugegeben: Gut schmeckt er, dieser Kaffee. Aber mit Ritual, so wie damals bei Oma, war der Genuss trotzdem größer. Böser Russe, Du fehlst uns. Irgendwie.