Guter Kaffee für falsche Zähne

Schau an, bei  Tchibo gibt es jetzt auch falsche Zähne, auf Anfrage zügig geliefert aus Manila. Diese Nachricht überrascht, denn Kaffee verursacht  weder Parodontose, noch muss er risikoreich gebissen werden. Aber so ist das heute.  Produktdiversifizierung ist alles. Und sei sie noch so absurd.

Tchibo als Kaffeehändler einzuschätzen ist sowieso ähnlich absurd wie der Gedanke, dass man ein Telekom-Handy hauptsächlich zum Telefonieren verwendet. Diese Firma hat es geschafft, sich mit teilweise nutzlosen Produkten ins Herz der Menschen zu handeln. Ich weiß nicht, ob es eine elektronische Saftpresse mit Solarmodul gibt. Aber falls ja, dann von Tchibo.

Ich gehe außerdem davon aus, dass mindestens acht Prozent der T-Shirts  und zwölf Prozent der Unterhosen in Deutschland bei Tchibo gekauft worden sind. Ein Großteil der Terracotta-Gartenfrosch-Population geht vermutlich ebenfalls auf diese Firma zurück.

Aber falsche Zähne? Aus Manila? Dieses Angebot hätten wir doch eher als Wiedergutmachung des Herstellers von Storck-Riesen angesehen. Aber gut, Amazon hat auch einmal mit Büchern angefangen, seine Belegschaft auszubeuten und tut es heute sozusagen mit allen Gütern dieser Welt. Währenddessen Praktiker, berühmt für die Slogan-Zusatz „Außer Tiernahrung“ (als ob Baumärkte Katzenfutter verkaufen müssten), offenbar das Zeitliche segnet. Wobei einen, wie bei anderen Todesfällen auch, das Gefühl beschleicht, dass man etwas verpasst hat. Nämlich, den zukünftig arbeitslosen Baumarkt-Mitarbeitern dafür zu danken, dass sie die famosen Billigaktionen durch Lohn- und Provisionsverzicht erst ermöglicht haben.

Karstadt taumelt, Zalando schreit vor Glück. Es ist, wie es ist. Fragt sich nur, wie die Angehörigen der neuen Krisenbranche, die Autohersteller, die Kurve kriegen. Ich empfehle Rundum-Sorglospakete zum Thema Mobilität. „Audi. Vorsprung durch U-Bahn“, „Volkswagen. Der Wanderschuh“ – wir werden diese Slogans erleben.  Darauf eine Tasse Kaffee.