Energie gibt's. Aber die Wende?

Da ich erstens fleißig und zweitens der Zukunft zugewandt bin, habe ich mich diese Woche in die Fortbildung gestürzt. Thema heute: Der Klimawandel als journalistische Herausforderung. Das ist er ohne jeden Zweifel. Schon deshalb, weil wir unsere weltberühmte Energiewende kaum hinbekommen dürften.

Man hofft ja, dass man sich nach einer Tagung anders fühlt als nach dem Konsum einer öffentlich-rechtlichen Talk-Show. Das ist nicht wirklich so. Zwar sind die Informationen fundierter, klüger, inhaltsschwerer. Man ist auch nicht durch Chips und Nüsschen abgelenkt. Aber am Ende bleibt – hier wie dort – dieses unbestimmte Gefühl, dass es vergebene Liebesmüh sein könnte, die Menschen im Detail zu informieren.

Ich habe gerlernt, dass sich Kohlendioxid-Moleküle in der Atmosphäre bewegen und deshalb Wärme auf die Erde zurückstrahlen. Das sei ein Hauptgrund für den Klimawandel. Dieses Wissen hilft mir kaum. Denn den meisten Leserinnen und Lesern wird das Thema an dieser Stelle zu kompliziert. Erst recht, wenn noch erklärt würde, ob ein Molkül-Hüpfen von links nach rechts schlechter ist als ein Molekül-Sprung von oben nach unten. Würde ich wiederum schreiben, dass der Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre aktuell bei 0,04 Prozent liegt, würden viele Leute sagen: „Und wegen diesem bisschen Dreck machen die so einen Aufstand. Deswegen schmilzt doch kein Nordpol.“

Weitere Auszüge aus meiner heutigen diffusen Informationswolke: Man wird sich in der EU nicht einig, weil die Polen auf Atomkraft setzen und die Briten für Fracking sind. Die Chinesen bauen die riesigsten Solaranlagen, kaufen aber immer mehr unserer Autos und verpesten damit die Atmosphäre. Wenn ein Wüstenbewohner einen Europäer auffordern würde, lediglich zehn Mal so viel Wasser zu verbrauchen wie er, würde der Europäer bestenfalls lachen. Die Weltklimakonferenz 2015 in Paris soll unbedingt ein Erfolg werden. Vertreter/-innen von 193 Staaten sehen aber die Dinge naturgemäß sehr unterschiedlich. Schwer zu beantworten ist die Frage, warum wir so fest daran glauben, dass ein Elektroauto Nullkommanull Abgas erzeugt. Und warum wir bei der Verzückung über den sauberen Energieträger Gas völlig ausblenden, dass auch dessen Förderung eine ziemliche Umwelt-Sauerei sein kann. Schließlich sind Parteien wie SPD und Linke eigentlich dem Fortschritt verpflichtet. Aber der Kohleabbau sichert die Arbeitsplätze der eigenen Klientel.

Was sagt uns das? Wir können es drehen und wenden wie wir wollen. Das Einzige, was wir zur Rettung der Welt beitragen können, ist Energiesparen. Das aber bedeutet Veränderung, das Investieren von oftmals nicht vorhandenem Geld und obendrein Verzicht. Vor drei Jahrzehnten hat man die Menschen dazu gebracht, es toll zu finden, wenn sie ihre Fischgräten und Milchtüten in der jeweils richtigen Tonne entsorgen. Wenn es um klimafreundliches Verhalten geht, werden die Glückshormone nicht ausgeschüttet. Irgendwie macht Energiesparen keinen Spaß. Den gilt es zu wecken. Sonst wird das nichts mehr mit einer lebenswerten Zukunft. Wahrscheinlich.