"Anstrengungsloser Wohlstand": Nervensäge Guido und Papa Boris

Seufz! Es wäre doch, gerade weil`s draußen so unaufhörlich schneit, höchste Zeit für eine gute, schöne, lustige, hoffnungsvolle Nachricht. Jedoch, diese Welt ist grausam. Wunderschöne Tier- und Pflanzenarten sterben aus – die Existenz der FDP dagegen ist möglich. Deren Ober-Lautsprecher Guido Westerwelle hat es jetzt geschafft, in Zusammenhang mit Hartz IV von Wohlstand zu reden.

Gut, man soll mit den Liberalen ein bisschen Nachsicht üben. Etwa mit Blick darauf, dass der junge Doktor Philipp Rösler offenkundig gar nichts auf die Reihe bekommt. Das ist okay, denn unser Gesundheitssystem ist dermaßen durchgeknallt, dass kaum jemand unter einer Einarbeitungszeit von mindestens drei Jahren zurechtkommen kann. Das ist halt so.

Aber uns Guido! In einem Zeitungsbeitrag attestiert er der Diskussion um Hartz IV „sozialistische Züge“. Leistung sei wichtig. Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspreche, lade zu „spätrömischer Dekadenz“ ein. O-Ton Westerwelle hier…

Abgesehen davon, dass „anstrengungsloser Wohlstand“ ein erster Kandidat für das Unwort des Jahres 2010 ist, muss man doch auch fragen, was einer wie Westerwelle für Wohlstandskategorien im Kopf hat. Hartz-IV-Empfänger bekommen zehn Prozent vom nationalen Durchschnittslohn. Hält Westerwelle diese 323 Euro für Luxus, weil er als Politiker bei seinen Reisen und Terminen sowieso alles geschenkt bekommt? Weil es seine bisherige Haupt-Lebensleistung war, gegen Bezahlung durch seine Partei schlaue Reden zu halten?

Nein, da ist uns einer seiner Kollegen, der Berliner FDP-Bundestagsabgeordnete Martin Lindner geradezu  sympathisch. Er sagte dieses: „Ich möchte nicht, dass wir über ein neues System Anreize schaffen, dass man übers Kinderkriegen Geld verdienen kann.“ Er darf das, weil er selbst sechs Kinder in die Welt gesetzt hat und ja auch auf Staatskosten lebt. Wobei er in Münchens Nobel-Stadtteil Grünwald aufgewachsen ist, also eher nicht weiß, wie sich sechs Kinder in einer Zwei-Zimmer-Wohnung anfühlen.

Jedenfalls hat Lindner – versehentlich wahrscheinlich – auch eine scharfe Medienkritik geübt. Dass man mit Kinderkriegen Geld verdienen, zeigen uns nämlich gerade die „Bunte“ und ein Ex-Held namens Boris Becker:  „Baby ist da!“

Womit wir dann doch noch bei den netten Nachrichten wären…