Keine Sieger, dafür Beleidigte

Vorhang auf: Es ist Zeit für Duelle. Jetzt, wo der Wahltermin in Sichtweite kommt, steigert sich unsere Lust auf den direkten Clinch unter Politikern. Wir wollen Sieger sehen. Wir erleben Beleidigte.

Das Duell als finalen Zweikampf kennen wir schon aus dem Alten Testament. An der Legende von David und Goliath bewegt uns die Idee, dass der hoffnungslos Unterlegene einen übermächtigen Gegner mit List und Mut zu Fall bringen kann. Würde Martin Schulz zum Bundeskanzler, er hätte es in diesem Sinne geschafft.

Und ist nicht die Geschichte voll mit Beispielen unerwarteter Triumphe? Wie könnte man rational erklären, dass der spanische Eroberer Cortez mit einer dreistelligen Zahl von Mitstreitern das damals mächtige Azteken-Reich zerstören konnte? Ohne das Nutzen unerwarteter Gelegenheiten wäre es undenkbar gewesen, dass die englische Brexit-Insel und das holländische Königreich über weite Teile der Welt herrschten?

Vieles ist möglich, nicht aber das klassische Duell unter Politikern. Im 19. Jahrhundert zielten die Kontrahenten mit tödlichen Waffen aufeinander. Wer hierzu den Mut hatte, konnte einen aus irgendeinem Grund verlorene Ehre wiederherstellen. Viele fanden das gut, der ansonsten verehrungswürdige Dichter Heinrich Heine sah darin „eine Blüte edler Menschlichkeit“. Auch Bilder aus Wild-West-Filmen schießen uns beim Stichwort Duell in den Kopf.  Die Gemeinsamkeit: Am Ende lag jemand im Sarg.

Politiker aber werden gebraucht, also kann das heute niemand wollen. Zumal Angela Merkel und Martin Schulz wie ein nur mäßig zankendes  Ehepaar gewirkt hat. Ein nörgelnder Mann wurde von seiner Gattin mit sanftem Druck auf das wahre Leben hin eingenordet. ES gab Momente der Unsicherheit gesehen? Das erträgt eine kluge Frau.

Mehr Gift ist dort im Spiel, wo Augenhöhe herrscht. Also unter jenen Akteuren, die für ihre Partei den dritten Platz erreichen wollen. Ihre  Debatten waren heftiger, ihr Auftreten verbissener. Es gab sogar einen Skandal, als AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel mit dramatischem Blick aus einem ZDF-Studio stürzte, weil sie von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer wegen ihrer Partei-Rechtsausleger attackiert wurde.

Beim edlen Duell würde man sagen: Wer davonrennt, hat verloren. Die Menschen sind gerne mit den Opfern. Die Scheinbeleidigten sollten sie durchschauen.