Dringend gesucht: Der deutsche Panda

Angela Merkel hat es getan: An der Seite des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping hat sie das neue Panda-Gehege im Berliner Zoo besucht. Das hilft ungemein. Denn in Gegenwart von Jao Qing und Ming Ming verblassen die Probleme dieser Welt. Selbst ein Staat, der Opposition und Meinungsfreiheit unterdrückt, seine Menschen im schlimmsten Smog leben und viele Menschen hinrichten lässt, wirkt da gemütlich und wie ein richtig guter Freund.

Was ist eigentlich dran an diesen Pandas? Warum sind sie so beliebt und treiben die Besucherzahlen von Zoos in fantastische Höhen? Warum strömen kurz nach deren Ankunft Zehntausende zum Gehege, als stünde morgen die Apokalypse vor der Tür? Wahrscheinlich mögen wir sie, weil sie uns ähnlich sind oder wenigstens Eigenschaften vereinen, die uns gut bekannt sind. Pandas sind fett, faul, fressen pausenlos und haben nur ganz selten, nämlich 72 Stunden im Jahr, Lust auf Sex. Das soll es auch beim Menschen öfters geben.

Andererseits sind sie schwierige Schützlinge. Wenn der chinesische Staat ein Land so gern mag, dass er Pandas abgibt, tut er das nur leihweise. Was zu diplomatischen Verwicklungen führen kann. Als der Dalai Lama in Wien empfangen wurde, drohte China damit, die beiden Pandas vom dortigen Zoo abgezogen würden. 800.000 Zuschauer weniger pro Jahr hätte das bedeutet. Jedes Bären-Duo hat seinen eigenen Pfleger. Die bis zu 70 Kilogramm Bambus Tagesration pro Panda müssen erst einmal besorgt und bezahlt sein.

Diplomatisch ist die Existenz dieses Tieres allerdings ein Hauptgewinn. Weshalb auch gefragt werden darf, wie Deutschland hier mithalten könnte. Nun ja: Der deutsche Schäferhund ist berühmt, aber als Zootier eher ungeeignet. Der Hannoveraner oder das Sachsenross sind Pferde, wie es sie in vielen Ländern gibt. In unseren Wappen gibt es Adler (sitzen da und schauen desinteressiert), Hirsche (stehen meistens in 100 Meter Luftlinie sinnlos herum), Schwäne (na und?) und Braunbären (zu gefährlich).  Auch der Aischgründer Karpfen wird die Welt auf YouTube nie erobern.

Der Dackel entspricht dem globalen Deutschland-Bild, würde allerdings in bestimmten Regionen Ostasiens als Essen angesehen. Aber der literarische  Pudel? Gut, doch wer kennt heute noch Goethe?

Somit hilft bloß der Blick in die Politik. Mit Norbert Blüm und Rainer Brüderle haben wir zwei Gute-Laune-Pandas durch Ruhestand verloren. Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat eine zu schlanke Silhouette. Bleibt unter den gängigen Kriterien – füllig, drolliges Äußeres, mürrisch und mutmaßlich sexfrei lebend – bei uns nur einer, nämlich AfD-Chef Alexander Gauland. Er wäre eine gute Leihgabe für China, wobei die Frage auftaucht, wie man ihn vom Reden abhalten kann. Nun ja, ein guter Zentner Bambus täglich will erst einmal gekaut sein.