5. März 2014 von Klaus Schrage

Reichtum wächst – Verarsche geht immer

Na also, die Welt ist wieder in Ordnung. Bill Gates, als Microsoft-Gründer ein Gottvater unserer modernen Kommunikation, ist wieder der reichste Mann der Welt. 76 Milliarden Dollar lagern nach Recherchen der Zeitschrift “Forbes” in seinen Depots.

Staunen tun wir aber schon. Hatte nicht dieser Bill Gates zusammen mit weiteren stinkreichen Kumpanen einen stattlichen Teil seines Vermögens gespendet? Sollten mit dem Geld nicht Aids und andere Seuchen in Afrika bekämpft werden? Da müsste doch was fehlen. Wurden die Spenden nur vorgetäuscht? Hat es beim Online-Banking mit Microsoft-Produkten einen verheerenden Software-Fehler gegeben, der die Überweisung verhindert hat?

Muss nicht sein. Denn ab einer gewissen Größe des Vermögens ist wachsender Reichtum unvermeidlich. Das Sparschwein wird Mehrschwein. Ein Bill Gates bunkert sein Geld schließlich nicht – wie wir – für 0,15 Prozent Jahreszinsen auf einem  Sparbuch. Sondern er geht vielleicht zur ...weiter lesen

3. März 2014 von Klaus Schrage

Kleider machen Leute – und täuschen uns

Zu den Grundlagen der journalistischen Ausbildung gehört die Erkenntnis, dass die Schlagzeile “Hund beißt Mann” nicht, die Überschrift “Mann beißt Hund” aber sehr wohl interessant sei. Die Spannung ergibt sich also aus dem Unerwarteten, dem Widerspruch. Man könnte es auch Humor nennen. Nun also hat ein Gast des weltberühmten Küss-die-Hand-Opernballs in Wien einem anderen Frack-Träger einen Kinnhaken verpasst. Die Medien sind begeistert. Tolle Story!

Aber: Was gibt uns eigentlich den Glauben, dass auf Opernbällen ausschließlich zivilisierte Menschen unterwegs sind? Die gibt es, richtig nette sogar. Doch das Gegenteil ist nahe liegender. Solche Ereignisse sind, erstens, das Schaulaufen der Mächtigen, die durch die Wähler/-innen sowie durch das skrupellose Wegräumen etwaiger Konkurrenten nach oben gekommen sind. Sie sind, zweitens, der Treffpunkt des Geld-Adels. Warum aber sollte jemand, der durch seine Kompetenz beim Verlegen von Abwasserrohren ...weiter lesen

28. Februar 2014 von Klaus Schrage

Die Verklärung des schwachen Mandats

Nur wenige menschliche Eigenschaften kann ich überhaupt nicht ertragen. Eine davon ist das Verklären niederer Beweggründe, das Vortäuschen höherer Ziele. Wie das geht, beweisen wieder einmal die großen politischen Parteien.

Gerade hat das Bundesverfassungsgericht das Europaparlament für barrierefrei erklärt. Die bisher gültige Drei-Prozent-Hürde ist abgeschafft. Sicher, ich glaube auch nicht, dass es dem Ansehen unseres Landes gut tun würde, wenn die Partei Bibeltreuer Christen, die esoterisch verklärten Violetten oder gar die NPD in diese Volksvertretung einziehen sollten. Aber was aus diesem Thema gemacht wird…

Das Abschaffen der Mindesquote werde, so ließen die großen Parteien verlauten, der Vertretung Deutschlands in der EU schwer schaden. Es werde der ungeheuerliche Zustand eintreten, dass Abgeordnete ziellos umhervagabundierten, weil es für sie kein passendes Sammelbecken gebe.

Fraktionlose in Europa! Welch’Schwächung, in einem ...weiter lesen

27. Februar 2014 von Klaus Schrage

Vertrauen ehrt, aber bringt nicht viel

Wir sind eine merkwürdige Gesellschaft. Wir verehren die edlen Gemüter, die sich ohne Interesse an eigenem Ruhm für andere Menschen einsetzen. Aber mit Geld überschütten wir jene, die uns suspekt oder vielleicht sogar zuwider sind.

Dies ergibt sich aus einer Rangliste der GfK-Marktforschung. Diese hatte in einer Studie  nach den vertrauenswürdigsten Menschen gefragt. Und wie fast  überall auf der Welt liegen auch bei uns die helfenden Berufe vorne. Wir heben den Daumen für Feuerwehrleute, Sanitäter und Krankenpfleger. Wir mögen Lokführer, Polizisten oder Bauern. Über 80 Prozent der Befragten haben solche Menschen für nicht hinterfotzig erklärt.

Auf der anderen Seite schaffen die Mächtigen der großen Politik, wie auch die Stars, die Profifußballer, Fernsehmoderatoren und Schauspieler, nicht einmal die 50-Prozent-Vertrauensquote. Was lehrt uns das? Vielleicht ist Mitleid im Spiel. Die aufrichtigen Helfer wirken auf uns, bei aller Zuneigung, letztlich uninteressant. ...weiter lesen

23. Februar 2014 von Klaus Schrage

Nicht nur Diäten – auch Löhne überprüfen

In diesen kräftezehrenden, globalisierten Zeiten tun wir gut daran, uns gelegentlich selbst etwas Gutes zu tun. Frei nach dem Motto “Man gönnt sich ja sonst nichts”. Genau so haben es jetzt die meisten Bundestag-Abgeordneten gesehen und eine kräftige Erhöhung ihrer Diäten, beschlossen. Es gibt bis 2015 zehn Prozent mehr, auf dann 9082 Euro.

Längerfristig betrachtet ist der Zuwachs noch beachtlicher. 6878 Euro haben die Abgeordneten im Jahr 2002 bekommen. Der jetzt beschlossene Satz bedeutet also eine Anhebung um ein knappes Drittel.

Das riecht stark nach Selbstbedienung. Aber wundern müssen wir uns nicht. Schließlich ist der Verdienstausgleich für Volksvertreter von einem Griechen (!) namens Perikles erfunden worden. Die ominöse Expertenkommission wiederum wurde von einem gewissen Edzard Schmidt-Jortzig geleitet, einem im Rentenalter befindlichen FDP (!)-Politiker.

Empörung ist also angebracht. Schließlich predigt Vizekanzler Sigmar Gabriel ...weiter lesen

20. Februar 2014 von Klaus Schrage

Raubtierkapitalisten fürchten nur Schnee

Sicher, Habgier zählt zurecht zu den Todsünden. Aber es ist verkehrt, den Kapitalismus für alles Schlechte in der Welt verantwortlich zu machen.

Wir sollten da auch unseren Lieblingspapst Franziskus zur Ordnung rufen, der diese Wirtschaftsordnung als “an der Wurzel ungerecht” bezeichnet hat. Denn rein materiell haben von diesem System auch die Beschäftigten profitiert. Der Unterschied zwischen sozialer Marktwirtschaft und real existierendem Sozialismus lässt sich so darstellen: VW Golf statt Trabant und Doppelhaushälfte statt Plattenbau.

Bei dieser Betrachtung darf allerdings das Wort “sozial” nicht übersehen werden. Es soll Unternehmer gegeben haben oder noch geben, die es gut und richtig fanden, dass die Beschäftigten am Erfolg der Firma teilhaben. Also war man Lohnforderungen gegenüber  aufgeschlossen, Verhandlungen über Tarife wurden mit dem Willen geführt, zu einer Einigung zu kommen. Zusätzliche Urlaubstage oder verrückten Ideen ...weiter lesen

17. Februar 2014 von Klaus Schrage

Monstermasten? Schon lauert das Atom

Erinnern wir uns noch an ihn, den Regierungssprecher im blauen Schutzanzug? Vor knapp drei Jahren haben uns die Japaner ein verrücktes Schauspiel geboten. Es hatte eine atomare Katastrophe gegeben, aber die Retter sahen aus wie in einem Godzilla-C-Movie. Trotzdem: Wir alle, unsere Bundeskanzlerin vorneweg, haben schnell erkannt, dass es mit der Kernenergie bei uns nicht mehr weitergehen dürfe. Im Wetterbericht lernten wir die wesentlichen Winde des Pazifischen Ozeans kennen – einstige verbissene Befürworter des Atomstroms drehten sich darin in kürzester Zeit um 180 Grad. Wir wussten: Wenn eine Nation dieser Welt die Energiewende schaffen könnte, dann wir.

Was ist aber ist passiert, um dieses überragende Projekt tatsächlich zu schaffen? So viel doch nicht. Vielleicht haben wir uns eine sparsame Gefriertruhe gekauft. Vielleicht sind wir von unseren Stadtwerken zu einem mutmaßlichen Ökostrom-Anbieter gewechselt. Aber die als Fortschritt gepriesenen Elektroautos lassen ...weiter lesen

16. Februar 2014 von Klaus Schrage

Der Flüsterer ist oft der Dumme

Es ist tragisch. In der schwarz-gelben Koalition war Hans-Peter Friedrich das Montagsauto unter den Ministern. Sein Überleben als Innenminister war er vor allem dadurch gesichert, dass sein  Parteichef Horst Seehofer ausschließlich selbst entscheidet, ob und wann er sich – auch in Personalfragen – getäuscht hat. Mit Ackerbau und Viehzucht, mit Schulobst und Imkerei war nun ein Aufgabenfeld gefunden worden, das sich auch mit beschränkten Fähigkeiten beackern lässt. Und nun stolpert der arme Mann über den Skandal eines anderen. Dabei hatte er es doch bloß gut gemeint.

Friedrichs Sturz ist ein neuerlicher Beweis für die uralte Erkenntnis, dass Überbringern schlechter Nachrichten Ungemach droht. Der Agrarminister erlebt gerade eine Art Edward-Snowden-Gefühl. Eigentlich müssten ihm Staat und Regierung dankbar dafür sein, dass er einen bösen Verdacht angesprochen und somit einem GroKo-Skandal vorgebeugt hat. Stattdessen steht er selber im Abseits. Man kann ...weiter lesen

13. Februar 2014 von Klaus Schrage

Wenn Schweine lange Hälse hätten…

Wenn Schweine lange Hälse hätten, wären wir alle Vegetarier. Diese These ergibt sich aus dem Aufruhr der vergangenen Tage. Da war im Zoo von Kopenhagen ein überzähliger Giraffen-Jüngling getötet und vor den Augen des Publikums zerlegt worden. Seitdem herrscht Wut, seitdem wird diskutiert. Erst recht, da bekannt geworden ist, dass in unserem sonst so friedliebenden Nachbarland eine weitere Giraffe geschlachtet und verfüttert werden soll.

Das Drama ist doch: Giraffen sind aus unserer Sicht kein Fall für den Metzger. Wir ordnen diese Spezies in die Kategorie “Süßes Tier” ein. Woraus sich ergibt, dass man davon die Finger lassen muss. Katzen sind für uns ebenso unschlachtbar wie Hunde oder Erdmännchen. Was in unserer Nähe schnurrt, mit dem Schwanz wedelt oder einfach nett erscheint, soll bitteschön ungeschoren bleiben.

Aber steht uns das Schwein nicht näher? Es ist  – wie wir – ein meistens sympathischer Allesfresser, mit dem man als ...weiter lesen

9. Februar 2014 von Klaus Schrage

“Fuck EU”? Was sind wir doch sensibel…

Ach, wie sind wir doch sensibel. Da rutscht einer US-amerikanischen Diplomatin mit dem internet-verdächtigen Namen “Nuland” der Satz “Fuck the EU!” heraus. Und wir hadern, schimpfen, sind empört. Unsere ansonsten schweigsame Kanzlerin Angela Merkel bewertet die Aussage als “völlig inakzeptabel”. Was soll denn das?

Die Zeiten haben sich doch geändert. Es ist kein Skandal mehr, ein Wort wie “Fuck” auszusprechen. Auch der Mittelfinger sitzt heutzutage locker. Worte wie “geil” oder “schwul”, die man noch in den frühen 80-er Jahren schamesrot geflüstert hätte, sind alltäglich geworden. Man darf derb sein, denn Emotionen sind gefragt.

Außerdem: Wer sagt uns denn, dass der Preisboxer Vitali Klitschko die Ukraine einen kann? Wir in Deutschland haben ihn als einen der Unseren einverleibt. Wahrscheinlich, weil er weder Rumäne noch Bulgare ist. Klitschko ist sowieso der erste Revolutionär mit einer ...weiter lesen

7. Februar 2014 von Klaus Schrage

Uli Hoeneß, Du bist der beste Mann!

Jetzt springen wir doch mal über unseren Schatten und sagen laut und vernehmlich: Danke, Uli Hoeneß! Denn der Präsident des FC Bayern München hat sich als bester Steuerfahnder der Republik erwiesen. Seitdem den Menschen klar geworden ist, dass selbst Erschaffer von Triple-Gewinnern ins Gefängnis gesperrt werden können, regnet es Selbstanzeigen von Betrügern. Kein noch so wilder Finanzbeamter hätte das je erreicht.

Ja, wir haben verstanden: Wenn selbst ein Monument des Fußballs im Angesicht der eigenen Schuld tränenreich zu wanken beginnt, ist Gefahr in Verzug. „Rette sich, wer kann“ ist die Devise der Stunde. Und das erst recht, seitdem bekannt ist, dass Steuerbetrug im Zweifel nie verjährt. Man frage Alice Schwarzer – und die hat ja ein unermessliches Selbstvertrauen, wenn es darum geht, ihr kriminelle Energie mit Verschwörungstheorien zuzukleistern.

Man darf aber schon fragen, warum es so weit kommen muss. Eigentlich sollte es für jede/n Bürger/in ...weiter lesen

4. Februar 2014 von Klaus Schrage

Wer länger isst, ist früher tot

Oh Welt, wie bist du grausam. “Die Zahl der Krebserkrankungen steigt weltweit dramatisch”, meldeten gerade die Medien dieser Republik.  Uns schaudert, es wächst die Angst vor Geschwüren, Tod und Verderben. Aber zurecht?

Ich meine nicht. In einer Welt, in der immer mehr Menschen leben und zudem immer älter werden, ist eine Zunahme der Krebserkrankungen ganz normal. Der Horror ist, so gesehen, klein. Zumal medizinischer Fortschritt – wir lieben Siemens! – sicher zu erwarten ist.

Ärgerlich ist allerdings, dass mit der bösen Zukunftsvision der mahnende Zeigefinger erhoben wird. Wir seien nämlich, so heißt es, an unseren Krebserkrankungen selber schuld. Weil wir uns ja völlig falsch ernähren. Zu viel Fett, zu viel Süßes, zu viel Alkohol – all dieses ruiniere unsere Körperzellen. Wir können viel, viel älter werden. Wenn wir nur wollten und nicht jede Kalorienbombe in uns hineinschaufeln würden.

Damit sind wir allerdings bei ...weiter lesen

31. Januar 2014 von Klaus Schrage

Kehren für Bier – Der Lohn der Sucht

“Was Krupp in Essen sind wir in Saufen”. Der alte Spontispruch bekommt gerade eine neue Bedeutung. Denn die Ruhrgebietsstadt lässt mit einem Sensations-Modellprojekt aufhorchen. Arbeitslose Alkoholiker/-innen sollen die Straßen reinigen. Ihr Lohn: Fünf Dosen Bier am Ende der Schicht. Ist das nun genial? Oder gaga?

Alkoholkranke zu heilen,ist keine leichte Aufgabe. Nehmen wir bloß das Arbeitsleben: Vorgesetzte wollen sich ein solches Problem nicht aufhalsen und schauen weg. Kolleginnen und Kollegen wollen niemand anschwärzen. Und überhaupt, so lautet eine beliebte Beschwichtigungsparole, arbeiteten Trinker/-innen mit einem gewissen Promillepegel besser. Für Suchtkranke ist somit der Absturz wahrscheinlicher als eine erfolgreiche Therapie.

Wer den Kampf gegen den Alkohol verloren hat, könnte also, so das Kalkül im Essener Rathaus, durch den Spezialjob zumindest einen strukturierten Tag bekommen. Er/sie würde während der Arbeit weniger trinken als auf ...weiter lesen

29. Januar 2014 von Klaus Schrage

Obamas Ehestress ist unser Trost

Er ist schon ein Pechvogel, dieser Barack Obama. Einst lagen wir ihm zu Füßen, weil wir glaubten, dass er damit über’s Wasser laufen könnte. Inzwischen hat er sich selbst weitestgehend entzaubert. Und jetzt hat er nicht mal mehr seine Ehe im Griff.

Hätte er bloß nicht dieses Foto mit der blonden Dänin gemacht. Noch dazu vor all den Leuten. Das kränkt die stolze First Lady grässlich. Zumal sich der Rest der Welt köstlich über ihren grantigen Blick amüsiert.

Andererseits: Das lustige “Selfie” war kein wirklich schlimmer Fehltritt. Sowas passiert. Barack Obama ist mit 52 im besten Midlife-Crisis-Alter. Das Fahren von Harley Davidsons ist ihm aus Sicherheitsgründen verwehrt, für Triathlon fehlt ihm die Zeit. Dafür fristet er – bei aller Macht, die er hat – ein recht freudloses Dasein. Seinem Staat fehlt das Geld, böse Konservative funken ihm dauernd dazwischen, alle paar Tage muss er mutmaßliche Terroristen töten lassen. Und: ...weiter lesen

26. Januar 2014 von Klaus Schrage

Kampf-Frauen braucht es wirklich nicht

Es gibt so einen seltsamen Aspekt in unserem Leben: Erwarte das Unerwartete, aber errege dich über das Naheliegende. So geht es mir angesichts der neuen Meldungen über die Bundeswehr. Frauen seien dort – speziell in den Kampftruppen – nicht gerne gesehen, heißt es. Die Studie wird veröffentlicht, und ein Seufzen hebt an. Wie könne es auch heute noch geschlossene Männergesellschaften geben? Ich meine: Es ist nicht notwendig, Frauen zum Töten auszubilden und einzusetzen. Wir sollten uns das sparen.

Wer ehemaligen Soldaten zuhört, wird leicht erkennen, wie wichtig das vermeintlich Männliche für das Funktionieren einer Armee ist. Kaum einer wird davon erzählen, wie toll es war, an einem Nachmittag zehn blutrünstige Taliban erschossen zu haben. Die Legenden des schönen Soldatseins drehen sich um das, was man in diesem Umfeld als “Kameradschaft” versteht. Also zum Beispiel um das kollektive Komasaufen im Bierkeller der Kaserne. Wer zum Töten (was ...weiter lesen