Das neue Wunder: Scheiße wird zu Gold

Scheiße in Gold verwandeln, ist keines der zahllosen Wunder Jesu. Es ist eine Erfindung unserer Konsumartikel-Hersteller. Unsere Wohnung und Keller sind voll mit Brotbackmaschinen und anderen tollen Geräten, deren Sinnlosigkeit in der Regel schon nach wenigen Wochen zweifelsfrei erwiesen war. Die Verwandlung geht aber auch ganz direkt: Bei Kaufland gibt es Rinderdung im Plastikeimer, fünf Kilogramm für 5,99 €.

Das Produkt sollte funktionieren. Trockene Kuhfladen stinken nicht. Außerdem handelt es sich um die angemessene Portion für eine durchschnittliche  Balkon-Flora. Ideal für Menschen, die ein paar Peperoni und Mini-Gurken züchten, in dem guten Gefühl, es mit ihrem Urban Gardening den Gaunern von Monsanto so richtig gezeigt zu haben. Wichtig auch, dass zu Pellets gepresste Kuhscheiße staubfrei ausgebracht werden kann.

Nun könnte man empört sein. Darüber, dass Milch bloß die Hälfte kostet. Landwirte geben sich schließlich große Mühe für dieses zweifellos höherwertige Produkt. Sie investieren sogar viel Geld, um die bei Menschen erfolgreichen Ausbeutungsmechanismen auf ihre Kühe anzuwenden. So wie wir gelernt haben, unsere Autos selbst zu betanken oder unseren Koffer am Flughafen selbst anzugeben, checkt das moderne Milchrind aus eigenem Antrieb an der Melkstation ein. Dort läuft die Rohstoffgewinnung automatisch, der Chef sitzt derweil am Computer, um Menge und Fettgehalt zu überprüfen. Mit reiner Dung-Erzeugung wäre sein Leben wahrscheinlich noch leichter.

Werden wir also Zeuge einer Perversion? Eher nicht. Schließlich darf man es im Kapitalismus keinem Händler vorwerfen, dass er Menschen ein Produkt anbietet, das diese zu brauchen glauben.

Alsdenn, viel Erfolg mit diesem Geschäft. Und wir sind sicher: Wenn in der nächsten Staffel von Bauer sucht Frau „Hansi, der clevere Scheiß-Bauer aus Mittelfranken“ antritt, werden die heiratswilligen Damen Schlange stehen. Denn er weiß, was im Leben wirklich zählt: Immer das, was hinten rauskommt.

 

 

Lasst die Helikopter Scheine werfen

Der famose Signore Draghi galt uns bisher vor allem als zuverlässiger Partner der Spekulanten und des internationalen Großkapitals. Doch nun hat uns der Chef der Europäischen Zentralbank mit einer volksnahen Idee angenehm überrascht: Er ist aufgeschlossen für Helikoptergeld.

Die Idee hinter diesem Begriff sollte uns allen gefallen. Sie besagt, dass wir ohne jede eigene Leistung mit Geld überschüttet werden. Bildlich dargestellt wäre es so, dass ein Hubschrauber über unserer Fußgängerzone auftaucht, um uns gewissermaßen als Scheinwerfer der anderen Art mit Kapital zu versorgen. Wir erlebten einen Lottogewinn aus der Luft. Unsere Aufgabe wäre dann, Geld aufzusammeln, damit in die Geschäfte zu rennen und als Konsumenten die Konjunktur anzukurbeln.

Warum eigentlich nicht? Die Aufgeschlossenheit des EZB-Präsidenten entspringt sicherlich seiner wachsenden Ratlosigkeit. Aber es ist doch allemal besser, den Leuten das Kaufen zu erleichten, anstatt heruntergewirtschaftete Banken oder erfolglose Regierungen am Leben zu halten. Und ist es ein Naturgesetz, dass wir tagtäglich an einen Arbeitsplatz gehen, der uns schon lange nicht mehr gefällt? Nur zu dem Zweck, dass wir zwei oder drei Stunden pro Woche ohne Verpflichtungen leben können? Helikoptergeld, oder nennen wir es bedingungsloses Grundeinkommen, ist eine prima Vision. Unser Kontostand ist in Ordnung, aber unser Leben gehört nur uns.

Fragt sich, woher das Geld kommt. Da setzen wir auf Industrie 4.0. Maschinen sind längst beweglicher als die meisten Angehörigen der Generation Ü 50. Der Service von Hotlines würde allenfalls gleich schlecht bleiben, wenn er von Sprachcomputern erledigt würde. Die Rechner werden auch immer klüger und lernfähiger. Wie zuletzt der deutliche Sieg eines Computers gegen den besten Go-Spieler der Welt bewiesen hat.

Hier aber liegen Chancen und lauern Gefahren gleichermaßen. Denn lernende Maschinen könnten die Frage stellen, warum in aller Welt sie sich für eine intellektuell unterlegende Spezies aufarbeiten sollten, nur weil diese die Produktionshalle und den Strom zur Verfügung stellen. Sie könnten auf die Idee kommen, dass die Machtverhältnisse umzukehren wären. Auch in der Geschichte der Menschheit wurde diese Frage gelegentlich gestellt. Die Folgen waren selten glorreich.

Künstliche Intelligenz denkt garantiert klarer und konsequenter. Was unsere Perspektiven nicht besser macht. Aber egal: Als Menschen würden wir kaufen, kaufen, kaufen. Der Untergang  kann warten.

 

Ein Piepmatz stiehlt die Langeweile

Wie öde und beruhigend zugleich war es doch damals. Man stand auf Bahnsteig 9, wartete auf den Zug – und guckte in die Luft. Der moderne Mensch kennt diese gepflegte Langeweile nicht mehr. Er beugt sich nach vorne, schaut auf sein Smartphone, grinst, schüttelt den Kopf oder tippt etwas. Schuld ist Larry, ein nach dem Basketballer Larry Bird benannter kleiner Vogel auf blauem Grund.

Seit dem 21. März 2006, also seit genau zehn Jahren gibt es den Kurznachrichtendienst Twitter. Er ist schon deshalb ein Phänomen, weil man gemeinhin davon ausgeht, dass es wirtschaftlicher Stärke bedarf, damit ein Unternehmen die Welt verändern kann. Die Zwitscher-Firma indes ist notorisch in den roten Zahlen. 2013 wurde bei einem Umsatz von 665 Millionen Dollar ein Verlust von 645 Millionen Dollar „erwirtschaftet“. Freude macht sie ihren Aktionären nur dann, wenn sie wieder mal gerüchteweise aufgekauft wird.

Trotzdem hat Twitter unser Leben verändert. Auch weil es die meisten interessanten Leute tun. Obama twittert, der Papst, Lukas Podolski und Markus Söder.  Wobei sich der wahre Erfolg an der Zahl der Follower bemisst, also an jenen Menschen, die keine Ereignis im Leben ihres Idols verpassen wollen. Königin der Welt in diesem Sinne ist eine notorisch fröhliche US-Sängerin namens Kate Perry. Ihr folgen 84 Millionen Menschen, ihr Kollege Justin Bieber ist von 76 Millionen abonniert. Die deutsche Twitterkönigin ist Heidi Klum. Sie hat 3,5 Millionen Follower, Ilse Aigner bloß 1500.

Womit sich zeigt, dass die Wege der Popularität seltsam sein können. So wie die Wege von Twitter selbst. Es gibt gelogene Tweets, Hasserfülltes und ganz gar Blödes. Aber: Man lernt virtuell viele nette und kluge Leute kennen. Manche trifft man zum Twabendessen, andere zum #Tatort-Gucken, wieder andere zu einer Revolution.

Und die Langeweile und die Faulheit? Sind die wirklich ganz und gar weggezwitschert? Ganz sicher nicht. Denn 44 Prozent der 320 Millionen Twitter-Nutzer haben noch nie einen Tweet geschrieben. Worauf der Volksmund zwitschert: Faulheit ist der Schlüssel zur Armut.

Twitter lebt von Tweets, weshalb dieser Beitrag mit einem Solchen endet: Wenn alles immer so bleibt, wie es immer war, wird nichts so sein, wie es eigentlich auch sein könnte. #HimmelHerrgottjetztzwitschertdochmal

Das große Glück ist Däne

Jeg er lykkelig.  Ég er ánægður. Auf unser Sprachzentrum im Gehirn wirken diese Sätze äußerst schwierig. Jedenfalls können wir uns nicht vorstellen, dass jemand, der so lesen und reden muss, vergnügt durchs Leben läuft. Und doch: So sagt man „Ich bin glücklich“ in Dänemark und Island, in zwei der drei Länder mit den zufriedensten Menschen. Richtig gut geht es auch den Schweizern.

Der an der Columbia Universität in New York erstellte so genannte „Weltglücksbericht“ sieht die Dänen auf dem ersten Platz. Vielleicht ist es gar nicht so erstaunlich, dass dieses Land von US-Forschern  wahrgenommen wird. Ist es doch – zumindest im Kern – genauso groß wie der Bundesstaat West Virginia. Welcher von einem deutschstämmigen Folksänger bekanntlich als „dem Himmel nahe“ gerühmt wurde.

Das dänische Volk hat eine ausgesprochen witzige Königin, lebt ganz überwiegend in Städten und gilt als lässig und tolerant. Das Wetter ist angenehm. Es regnet selten. Andererseits gehören zum Staatsgebiet die Faröer Inseln. Dort leben mehr Schafe als Menschen, wobei Letztere zu mitunter erstaunlichen Erfolgen im Fußball fähig sind. Wenn man das menschenleere Grönland dazunimmt, wächst Dänemark auf die Größe von Saudi-Arabien, kauft aber dennoch nur wenige Panzer.

Die Schweizer sind auf dem zweiten Glücks-Platz gelandet. Sie profitieren gewiss von einer Sprache, die nicht zum Dramatisieren neigt. Die Wüstlinge der Silvesternacht von Köln etwa würden im Schwyzerdütsch als „Glüschtälä“ bezeichnet. Anstrengende Arbeit wiederum heißt „Chrampf“, was sehr nach unserem Krampf klingt. Die Schweizer haben zudem glückliche Kühe und mit der Fifa den weltweit erfolgreichsten Unterhaltungskonzern.

Auf die Isländer sind ein cooles Volk. Während Vulkan-Ausbrüche in anderen Teilen der Welt für Panik sorgen, setzen sie sich hin, schauen zu und warten bis der Radau vorbei ist. Selbst Elfen und Trolle gelten als erfolgreich integriert.

Was aber ist mit Deutschland? Wir haben gemäß der Studie einen erfreulichen Sprung von Platz 26 auf Rang 16 gemacht, können also mit Puerto Rico und Brasilien mithalten. Aber Vorsicht: In den Erhebungszeitraum fallen der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft und die Einführung des Mindestlohns. Ob sich der Siegeszug der AfD ähnlich günstig auswirken wird, ist doch sehr, sehr ungewiss.

 

 

Welches Land ist Rot-Grün-Rot?

Es ist die Zeit der neuen Farbenlehre. Weil diese AfD in die Parlamente drängt und die totgeglaubte FDP auch wieder da ist, ist Regierungsbildung so schwierig wie nie. Auch unser bisheriger Not-Anker GroKo funktioniert nicht mehr, weil die gute, alte SPD in manchen Regionen zur Kleinpartei degradiert worden ist.

Interessant ist die Lage aber doch. Etwa in Baden-Württemberg, wo CDU-Wahlverlierer Guido Wolf eine „Deutschland-Koalition“ probieren möchte. Er als schwarzer Chef mit der roten SPD und den gelben Liberalen als Juniorpartner. Sicher, er würde als Meuchler des Landes-Übervaters zunächst mächtig Gegenwind bekommen. Perspektivisch gesehen wirkt die Idee allerdings famos. Schließlich wird Deutschland in diesem Jahr zumindest annähernd Fußball-Europameister.

Unser Land hätte somit erstmals eine Koalition, mit deren Farben massenhaft Balkongeländer und Auto-Rückspiegel dekoriert würden. Guido Wolf wäre national noch allgegenwärtiger, als es Winfried Kretschmann jemals sein könnte. Ein potenzieller Merkel-Nachfolger wäre gefunden.

Ansonsten herrscht so viel Verzweiflung, dass mögliche Koalitions-Farbmischungen auf dem als unsicher und chaotisch geltenden Kontinent Afrika zu finden sind. Den Plan der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer nennen wir freundlich Ampel-Koalition, wir könnten sie aber auch als Ghana-Connection denken.

Und in Sachsen-Anhalt? Ausgerechnet dort, wo das Ausland ansich weiten Teilen der Bevölkerung als Gefahr gilt, ist eine Kenia-Koalition in Vorbereitung. Wobei diese einen Staat als Vorbild hätte, der mit 45 Millionen Einwohnern recht machtvoll daherkommt. Wahrscheinlich wäre ein Südsudan-Bündnis angemessener. Die Flagge dieses Landes ergänzt die Farbkombination schwarz-rot-grün um ein blaues Dreieck als Stachel im Fleisch. Und zwölf Millionen Einwohner sind bloß fünfeinhalb Mal so viele wie bei unseren Brüdern und Schwestern im Osten. Wahrscheinlich würde – bei strengerer Definition der Farben – eine schwarz-braune Haselnuss-GroKo den Wählerwillen am Treffendsten abbilden.

Bleibt noch die Frage nach dem Überleben der SPD als relevante Größe jenseits der Kommunalpolitik. Dafür gäbe es natürlich einen Weg. Die SPD müsste – wahlweise aus Äger über die CSU oder aus Mitleid mit der Kanzlerin – die Große Koalition aufkündigen und mit Grünen und Linken eine neue Regierung bilden. Zahlenmäßig ginge das. Und die Wahlergebnisse wären auf Dauer bestimmt nicht schlechter.

Was also hält ihn auf? Wahrscheinlich die Seriosität der Sozialdemokraten, die andere nicht haben. Vielleicht aber doch die Frage der Beflaggung. Die Farbkombination Rot-Grün-Rot gibt es nirgends auf der Welt. Eine Lösung indes liegt nahe: Sigmar Gabriel müsste authentisch als Schwarzer auftreten. Und ist das wirklich ein Problem?

 

Nur die dümmsten Kälber . . .

Das Kalb gilt uns nicht als Paradebeispiel tierischer Intelligenz. Sondern als Wesen, welches regelmäßiges Füttern mit Urvertrauen in den Ernäherer belohnt, um völlig überraschend an einem Fleischerhaken im Schlachthof zu enden. „Vertrauen ist gut“ war das Lebensmotto. Der Preis war hoch.

Urvertrauen erleben wir bei einem Teil des Wahlvolkes, wenn es um die Alternative für Deutschland geht. Weil man nur einer Frauke Petry zutraut, sich im dunkelblauen Business-Kostüm wirksam den muselmanischen Horden entgegenzuwerfen. Weil man zu wissen glaubt, dass sich nur ihr Parteifreund Alexander Gauland mit dem Gewehr im Anschlag nicht von dunklen Kinderaugen erpressen ließe.

Ausschließlich die AfD, so glauben viele, kann das – wenn auch bei Idomeni unchristlich gewordene – Abendland retten. Weshalb die Partei nach neuesten Informationen ihren Anti-Islam-Kurs verschärfen wird. Wie das Journalismus-Portal Correct!v aufgedeckt, hat Partei-Vizechefin Beatrix von Storch  ihren Vorstandsfreunden mitgeteilt, dass die Themen „Asyl und Euro verbraucht sind“. Deshalb müsse die Islam-Kritik verschärft werden. (hier der Link zum Bericht)

Die AfD will sich massiv gegen das „betäubungslose Schächten“ von Schlachttieren wenden und den Ruf des Muezzins als „islamisches Herrschaftssymbol“ anprangern. Auch die Rituale jüdischer Gemeinden sollen gemäß von Storch an den Pranger gestellt werden.

Jawohl, hier kämpfen Politiker für den christlichen kleinen Mann. Aber tun sie das wirklich? Nein, denn Teile des AfD-Wahlprogramms lesen sich, als wären sie in den Konzernzentralen des Großkapitals geschrieben. So wendet sich die Partei gegen den gesetzlichen Mindestlohn. Sie ist beim Thema „Gleichberechtigung“ gegen Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragte und „staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten“. Die Einkommenssteuer soll für alle – egal ob Krankenschwester oder Top-Manager – einheitlich 25 Prozent betragen. Kernenergie soll angstfrei genutzt werden. Schließlich soll Hartz IV durch so genannte „Bürgerarbeit“ ersetzt werden.

Käme die AfD an die Macht, dürfte somit die Friseurin im Osten wieder für 4,50 € pro Stunde die Haare schneiden. Der Langzeitarbeitslose düfte den Stadtpark kehren. Hauptsache unverschleiert.

Wir lernen. Der alte Spruch stimmt. Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.

 

 

Unser Geld im Schwarzen Loch

Der Krisen sind gar viele – aber eigentlich leben wir doch in güldenen Zeiten. Es war noch nie so interessant, Schulden zu machen. Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins auf Nullkommanull gesenkt. Niedriger geht nicht. Also, investieren wir!

Früher war das ganz anders. Die Älteren erinnern sich noch an den spannenden Moment, wenn der Bankbeamte am Weltspartag feierlich die Sparbüchse seiner jüngsten Kunden geöffnet hat. Auf diese Weise haben wir schon als Grundschüler gelernt, dass man Geld sammeln sollte, bevor man sich Wünsche erfüllt. In der DDR war das noch strikter geregelt. Dort gab es kein Girokonto mit Überziehungskredit. Wer kaufen wollte, musste gespart haben.

Heute stehen wir finanztechnisch an der Schwelle zum Schwarzen Loch. Die Banken bekommen Gratis-Geld, schlagen aber, wenn sie etwas verleihen, ein paar Prozentchen drauf. Der Kunde kriegt kein  Nichts. Dafür wirft Erspartes nichts mehr ab, es verliert eher an Wert.

Und das ist tragisch. Für uns Normalverbraucher, weil wir gedacht hatten, dass wir uns dereinst von unseren Zinsen auf Kreuzfahrten gehen könnten. Aber auch für Firmen, die gewohnt waren, Investitionen über das Tagesgeldkonto abzuwickeln oder mit Hilfe von Zinsen Betriebsrenten zu finanzieren.

Aber so ist das eben, wenn ein Vertreter der privaten Großfinanz zum obersten staatlichen Banker ernannt wird. EZB-Präsident Mario Draghi war ein Vizepräsident des famosen US-Geldhauses Goldman Sachs. Und dort galt und gilt die Devise: „Nur wer spekuliert, lebt richtig.“ Für alle anderen gibt es das Schwarze Loch. Das Spielgeld muss ja von irgendwo herkommen.

 

 

 

 

„Seine Exzellenz“ Seehofer: Gemach, der Frankenkönig lauert

Seine Exzellenz! Ministerpräsident Horst Seehofer darf sich zwar in überragenden Zustimmungsquoten seiner Bayern, noch mehr aber der AfD-Anhänger sämtlicher Bundesländer sonnen. Aber um wirklich angemessen verehrt zu werden, muss er immer noch ins Ausland. Sein ungarischer Männerfreund Viktor Orbàn tat ihm jetzt den Gefallen. Anlässlich der jüngsten Begegnung in Budapest umschmeichelte er den CSU-Vorsitzenden mit dem wahrhaft edlen Titel.

Wichtig: Die Initiative kam von den Ungarn. Wäre es anders gewesen, müsste sich Horst Seehofer den Vorwurf der Hochstapelei gefallen lassen. Als „Exzellenz“ werden nämlich nach dem heutigen Protokoll die Staatsoberhäupter beziehungsweise Regierungschefs fremder Staaten angesprochen. Dies gilt nicht für Teilstaaten, wenngleich zu konstatieren ist, dass Bayern weiten Teilen Deutschlands fremd geworden ist. Weitere Exzellenzen sind der Apostolische Nuntius, katholische Bischöfe und orthodoxe Vikariatsbischöfe.

Auch Persönlichkeiten mit dem Rang Großkreuz oder Großkomtur eines Ritterorden werden mit diesem Titel untertänigst begrüßt. Das kommt der Sache nahe, schließlich haben sich in Budapest zwei veritable Ritter des Abendlandes die Pranken gereicht.

Horst Seehofer war der Titel „Seine Exzellenz“ gewiss nicht peinlich. Bereits 2007 war als „Botschafter des Bieres“ so geehrt worden. Jenes Bieres, dessen Reinheitsgebot vor 500 Jahren in seiner Heimatstadt Ingolstadt ausgerufen worden ist. Als CSU-Ministerpräsident sieht er sich zudem sowieso  in direkter Linie mit dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher, welches über Jahrhunderte hinweg das schöne Bayern regiert hat. Haltung und Selbstbewusststein entscheiden, weshalb die mögliche Unterbrechung der Erbfolge durch demokratische Wahlen vernachlässigt werden darf.

Gerade in diesen Tagen bezieht sich der CSU-Chef auf die Wurzeln der Wittelsbacher. Einer ihrer Urväter, Arnulf der Böse, wurde im Jahr 919 zum deutschen Gegenkönig gewählt, unterwarf sich aber in letzter Konsequenz Heinrich von Sachsen. Die Bayern und die Ossis – man kennt das.

Wirklich unschön für den Landesvater ist allerdings der Ursprung von „Seine Exzellenz“. Zuerst führten diesen Titel unter anderem die Franken-Könige. Horst Seehofer kann die Grenzen noch so mutig schützen – diesen Markus Söder kriegt er nicht mehr richtig von der Backe.

Wer hilft, wird geliebt

Groß ist die Sehnsucht nach dem Schönen und Wahren. Das hat das Vertrauensranking der Marktforscher vom GfK-Verein ergeben. Wir trauen nicht den großen Wirtschafts- oder Staatslenkern, sondern jenen, die trotz mäßiger Bezahlung anderen Menschen helfen. Angehörige solcher Berufe sind im Volk besonders beliebt.

Auf Platz eins rangieren die Feuerwehrleute. 96 Prozent der Befragten vertrauen ihnen ohne Wenn und Aber. Auf dem gleichen Niveau bewegt sich das Vertrauen in Sanitäter. Wir empfinden also Achtung vor Menschen, die bei Bränden und Unfällen aufräumen und möglichst viele Leben retten. Brauchen möchte man sie nie. Was auch für die Krankenschwestern und -pfleger gilt. 95 Prozent vertrauen ihnen. Sie alle wollen ja nur Gutes.

Wir wiederum können verzeihen. So schneiden die Piloten trotz des Absturzes der Germanwings-Familie mit 87 Prozent richtig gut ab. Die Ingenieure und Techniker haben sich im Vergleich zu früheren Vertrauensstudien sogar um zwei Plätze auf Rang acht verbessert und kommen auf eine Quote von 86 Prozent. Und das, obwohl diese Berufsgruppe bei VW einen Riesen-Beschiss inszeniert hat.

Was aber ist mit denen, die an 20-Stunden-Tagen für unseren Wohlstand kämpfen? Hier zeigt sich klar: Wir leben im Kapitalismus, aber eigentlich mögen wir ihn nicht. Unternehmern vertrauen nur 54 Prozent der Befragten, Händlern und Verkäufern 52 Prozent und Bankern nur 43 Prozent. Noch übler sieht es für jene Berufe aus, die uns im Dienste von Firmen zum Geldausgeben bringen wollen. Werbefachleuten vertrauen nur 27 Prozent, den Versicherungsvertretern gar nur 22 Prozent. Sie gaukeln uns eben immer etwas vor.

Und ganz unten? Auf dem letzten Platz der Tabelle liegen die Politiker/-innen. Das überrascht uns nicht, aber ein Vertrauenswert von 14 Prozent grenzt an Diskriminierung. Wenn man zusätzlich sieht, dass politischen Parteien nur 19 Prozent vertrauen, „dem Internet“ aber 31 Prozent, wird es geradezu absurd.

Helfen kann wahrscheinlich nur eines: Wir brauchen mehr Feuerwehrleute und Sanitäter in den Parlamenten. Rettungspakete als Mittel der Politik kennen wir ja.

Das Elektroauto wird uns nachgeworfen

Wie schön ist doch ein liebevolles Geschenk. Es kommt von Herzen, niemand schaut auf die Absicht dahinter. Doch es gibt auch Gaben, die uns nachgeworfen werden, ohne dass wir sie wirklich brauchen. Wir sprechen dann vom Mitnahmeeffekt. Den könnte es bald wieder geben – elektromobilistisch.

Mitnahmeeffekte können uns Freude machen. Etwa dann, wenn der Einzelhändler unserer Wahl aus Verzweiflung über den warmen Winter Mitte Februar die Preise für teure Ware kräftig senkt. Am 29. Februar jedoch schneit es unerwartet – und wir fühlen uns beim Kauf der Kuschel-Schnäppchen richtig wohl. Weniger nett war das früher bei Immobilien. Wer gebaut hat, konnte über die Eigenheimzulage prächtige Steuerrabatte einfahren. Bloß, die waren schon eingepreist. Wirklich profitiert haben Baufirmen oder Makler.

Gerade bei Autos lenkt der Staat gerne mit Zuschüssen. Denken wir an die Abwrackprämie. Irgendwann ersetzt man einen altersschwachen Wagen, aber wegen der schieren Gier auf 2500 Euros von oben wurden zum Teil Fahrzeuge zur Schrottpresse gefahren, die noch richtig gut erhalten waren. Tragisch. Oft hätte es nicht sein müssen, und dass von einer „Umweltprämie“ geredet wurde, war sowieso der Hohn. Schließlich muss ein Auto etliche Jahre fahren, damit die durch seine Herstellung ausgelöste Schadstoffbelastung abgefahren ist.

Zurzeit reden wir über Elektromobilität. Unsere Industrie reißt sich angeblich den Hintern auf, um das emissionslose Auto herauszubringen. Abermilliarden werden in diese Entwicklung investiert. Jedoch, das Volk ist sperrig. Es sieht einfach nicht ein, wofür ein Pkw gut sein soll, mit dem man nur mit zwei mehrstündigen Auflade-Stopps an die Adria fahren kann. Es begreift auch nicht, was an einem Akku so viel revolutionärer und deshalb preistreibender sein soll als bei einem so genannten Verbrennungsmotor.

Diese schwierige Frage müssen wir uns vielleicht bald nicht mehr stellen. Dann nämlich, wenn die Elektroautos weiterhin unnötig teuer bleiben können, weil der Steuerzahler via Kaufprämie seinen Anteil an den Entwicklungskosten übernimmt.

Wird dann alles gut? Protestieren könnten umweltbewegte Nicht-Autofahrer, die Gleichbehandlung fordern. Auf deren Agenda stehen die Gemüsekisten-Prämie für Neu-Veganer, der Latschen-Zuschuss für hässliche Gesundheits-Sandalen und die Anhänger-Zuwendung für kinderreiche Radfahrer.

Das sollte den Zorn befrieden. Ein überzeugendes und bezahlbares E-Auto wäre aber noch besser…