Papa kommt mit dem Rollator

Reden wir von Gewissheiten: Es soll ja Zeiten gegeben haben, in denen junge Menschen sicher waren, dass es ihnen einmal besser gehen würde als ihren Eltern und Großeltern. Unmittelbar nach dem Krieg war diese Erwartung extrem naheliegend, aber sie hielt sich – durch Fakten gestützt – noch einige Jahrzehnte lang.

Diese grundlegende Zuversicht ist geschwunden. Der moderne Mensch weiß, dass er sich zunächst einige Jahre im Beruf bewähren muss, ehe er an Luxus denkt. Die Befristung will ja überwunden sein. Und Kinder sind, wie wir alle wissen, eine sündhaft teure Angelegenheit. Was man auch daran sieht, dass kinderlose Paare mit doppeltem Einkommen im schicken Cabrio, Eltern jedoch in einem viereckigen Pseudo-Transporter mit niedriger Ladekante sitzen. Paare ohne Anhang genießen ein Candle-Light-Dinner, die anderen beim Elternabend.

Unterm Strich ist es jedenfalls so, dass sich immer mehr Frauen Zeit lassen, bis sie sich für ein Kind entscheiden. 22 Prozent der Gebärenden in Deutschland sind 35 Jahre oder älter. Noch deutlich höher ist dieser Anteil in den Krisenländern Spanien mit 34 und Italien 33 Prozent.

Und: Weil zum Kind bei Verzicht auf hilfreiche Medizin das andere Geschlecht gehört, wird die Sache zusätzlich kompliziert. Denn immer mehr Männer bleiben so lange bei den Eltern wohnen, bis für sie dieses Sprichwort greift: “Einen alten Baum verpflanzt man nicht.”

Weil Zeugung ohne die gleichzeitige Verfügbarkeit der Zeugenden nicht möglich ist, ist der Trend klar: Immer mehr Eltern werden Ältern, Mami muss zur Einschulung die grauen Haare färben, zur Abi-Feier kommt Papa mit dem Rollator. Und Urgroßeltern werden zur Rote-Liste-Art. Schade eigentlich!

 

 

 

 

 

Die Hysterie um die islamistischen Warnwesten

“Wehret den Anfängen.” Keine Frage, dieser Satz ist wahr. Aber zurzeit erleben wir unter diesem Motto in Deutschland eine hochgradig hysterische Debatte, und zwar um diese Wuppertaler “Scharia-Polizei”.

Die Berichterstattung in den Medien wirkt, als hätte sich bei uns der islamistische Höllenschlund geöffnet und würden ab sofort Kopfabschneider mit Müllwerker-Warnwesten durch unsere Innenstädte marodieren. Ich habe da Zweifel, denn die Inszenierung folgt einem allzu bekannten Muster.  Zuerst, am Donnerstag und Freitag, bringt die Bild-Zeitung das Thema auf, indem sie das Gruppenbild einiger mutmaßlich salafistischer Suppenkasper zeigt. Über das Wochenende folgen dem Leitmedium vom Boulevard andere Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen. Die allgemeine Besorgnis steigert sich zur Empörung – was schließlich dazu führt, dass vor allem konservative Politikerinnen und Politikern ihr rhetorisches Beschützer-Modul aktivieren.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wertet das Wuppertaler Tugendschlurfen als Kriegserklärung an den deutschen Staat. Er fordert einen Sondergipfel der Innenminister. Und eine ganz große Karriere macht diese Schlagzeile: “Merkel fordert entschiedenes Vorgehen gegen die Scharia-Polizei.”

Bin ich dafür, mit den Mitteln des Rechtstaates. Wenn religiöse Eiferer meinen, anderen Menschen als “Polizei” belästigen oder gar bedrohen zu können, haben sie einen Denkzettel verdient. Aber: Fundamentalisten gibt es in jeder Religion. Und haben wir es mit den Zeugen Jehovas bisher nicht auch so einigermaßen ausgehalten? Selbst, wenn sie an der Haustüre klingeln? Auch sie sind entschieden gegen Glücksspiel, Drogen und Pornographie.

Ganz neu sind Schlagzeilen über eine Scharia-Polizei nicht. Im Juni 2010 berichtete die Tagesschau, dass islamistische Sittenwächter in Indonesien Frauenkleidung auf ausreichende Tugendhaftigkeit überprüften. Ende November letzten Jahres hat eine nigerianische Scharia-Polizei in einer öffentlichen Zeremonie 240.000 Flaschen Bier zerstört. Gibt es das bald auch bei uns?

Eher mal nicht. Zumal die Salafisten sehr wohl eine Anziehungskraft vor allem auf unzufriedene junge Männer haben. Aber trotzdem eine kleine Gruppe mit extremen Zielen bleiben.

Wichtig ist mir dieser Satz: Der Islam ist nicht böse.

Daran dürfen, daran sollten wir ruhig glauben. Den Warnwesten zum Trotz.

 

 

 

 

Schlechtes Wetter, ganz übler Bericht

Über das Wetter reden – lohnt sich das überhaupt noch? Dieser Un-Sommer mag uns noch ein paar schöne Tage bringen. Aber eigentlich rechnen wir eher mit einem nahtlosen Übergang in den Winter. Der eigentliche Skandal ist aber nicht das Nieselwetter. Es sind die Wetterberichte.

Seit vielen Wochen ist es das immergleiche Ritual: Man verspricht uns, dass sich die Wolken innerhalb der nächsten Tagen verziehen und dass aus 15 zwischen 25 und 27 Grad werden. Und was passiert? Die Sonne bleibt verdeckt, Heizungen werden eingeschaltet, die Hitzeprognose wird jeweils einen Tag nach hinten verschoben.

Der Wetterbericht stimmt nie, zumindest nach unserer Empfindung. Jedenfalls ist er öfter falsch als früher. Woran aber liegt das? Daran, dass Jörg Kachelmann von der Bildfläche verschwunden ist? Jener Mann, der wahrhaft zuverlässig den Draht nach oben hatte? Oder ist es der Internet-Effekt, ausgelöst durch Gratis-Wetter-Apps?

Ist ein zuverlässiger Wetterbericht zu teuer geworden? Wird er von billigen Praktikanten/-innen erstellt, die für Nachrichtensendungen, Zeitungen und Magazine nebenbei auch noch die Horoskope schreiben?

Handelt es sich gar um gezielte Desinformation? Es ist noch in guter Erinnerung, wie der frühere rumänische Präsident Nicloae Ceausescu in harten Wintern den Wetterbericht fälschen ließ, damit sich das Volk mit blaugefrorenen Lippen entweichlichen konnte. Läuft gerade etwas Ähnliches ab? Scheut man die Nachricht, dass es mit dem Klimawandel ganz anders als versprochen läuft? Dass unsere Kiefernwälder eben nicht durch Palmenhaine ersetzt werden, sondern dass es so viel regnet, dass unsere Kartoffeln in der Erde faulen?

Wir wissen es (noch) nicht. Was wir aber wissen, ist: Wir wollen wenigstens ein Mal in der Woche sicher erfahren, ob wir einen Regenschirm brauchen oder nicht. Und ein bisschen Sonne? Ja, das möchten wir auch.

Ein Gedenktag ist wieder wichtig – leider

“Nie wieder Krieg!” So wichtig und zugleich so utopisch war dieser Aufruf schon lange nicht mehr. Rund um diesen Antikriegstag, dem 1. September 2014, scheint alles in die andere Richtung zu laufen. “Überall Krieg” ist unser Gefühl.

Der plötzlich wieder wichtige Gedenktag hat seinen Ursprung im Osten. 1950 wurde er erstmals in der DDR als “Weltfriedenstag” gefeiert, damals zur Erinnerung an den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Jahre später wurde in Westdeutschland vom Deutschen Gewerkschaftsbund zum Antikriegstag aufgerufen. Zuletzt haben ihn viele Menschen als überflüssiges Ritual von notorisch Friedensbewegten belächelt.

Und jetzt erleben wir fassungslos, wie uns der Krieg ganz nahe kommt. Auch, weil er uns eifrig nähergebracht wird. Die “Bild”-Zeitung hetzt gegen Putin und zieht über die westlichen Politiker her, die nach ihrer Wahrnehmung nur reden, reden und reden. Bundeskanzlerin Angela Merkel stimmt die Menschen darauf ein, dass nicht nur Deutschland am Hindukusch verteidigt wird, sondern dass die Terroristen des so genannten “Islamischen Staat” schon in Kürze in unseren Städten auftauchen werden. Falls man sie nicht mit deutschen Waffen stoppt.

Und so nimmt der Wahnsinn seinen Lauf. Man schickt Kriegsgerät an üble, korrupte Gestalten, um den Blutrausch der vermeintlich komplett Irren vom “Islamischen Staat” zu stoppen. Deren reiche Freunde in Katar reden mit uns  derweil lieber vom Fußball. Und wahrscheinlich wird es nicht mehr lange dauern, ehe “der Westen” den syrischen Giftgas-Mörder Assad zum Verbündeten erklärt. Was wiederum den russischen Präsidenten mit den kalten Augen mittelbar zum Freund macht.

Ja, man sieht mit hilfloser Wut, dass es tausende Menschen gibt, deren Erfüllung es zu sein scheint, Herr über Leben und Tod zu sein. Deshalb fällt es schwer, zu bedenken, wem all die Waffen in ein paar Jahren gehören und welche Verbündeten die Feinde von morgen sein werden. Die Frage ist zurzeit nur, wie man sich weniger falsch verhält. Für Frieden zu werben, ist aber wieder richtig wichtig. Und richtig- Trotz alledem.

 

 

 

 

 

 

 

Die Welt redet über Glatzen – praktisch sind sie allemal

Wenn wir darüber philosophieren, mit welchen Äußerlichkeiten sich besonders viele Menschen besonders intensiv beschäftigen, riecht es schnell nach Frauenfeindlichkeit. Es würde wohl darum gehen, worüber man(n) halt so redet. Aber es gibt auch ein Schönheitsproblem der Männer, das in fast allen Kulturen der Welt ein Thema ist: die Glatze.

Wie sehr Haarausfall zu globalem Leid führt, wurde jetzt am Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie der Universität Bonn erforscht. Anhand von Bildern unterschiedlich ausgeprägter männlicher Glatzen konnten deren Forscher nachweisen, dass es im Deutschen, Amerikanischen und Japanischen erstaunlich ähnliche Vorstellungen zum Beispiel vom Begriff „Geheimratsecken“ gibt.

Im Amerikanischen heißt die lichte Stirn „widow’s peak“ also “Witwenspitze”. Japaner sagen „emu jigata hage”, soviel wie „M-Form-Glatze“. Der „Kahlkopf“ im Deutschen wird im Englischen „bald“ und im Japanischen „tsurutsuru atama“ genannt – glänzender oder rutschiger Kopf. Große Einigkeit herrschte bei den internationalen Teilnehmern der Studie auch darüber,  ab wann der Haarausfall beginnt und wo er in einen Kahlkopf mündet. Alle wissen Bescheid. Und alle reden darüber.

Die Glatze ist somit wie Knoblauch. Man muss sie ertragen. Aber man kann sich damit trösten, dass ein kahler Kopf ganz praktisch ist. Für die Pflege reichen ein kleiner Plastikkamm und ein Spritzer Möbelpolitur. Man ist davor gefeit, dass einem der Starfriseur flaschenweise Haarpflege-Spezialmittelchen aufschwätzt. Man ist im Bad schneller fertig und muss sich keine Sorgen machen, dass man sich durch das Tragen einer Mütze die Frisur ruiniert.  Man hat tendenziell weniger Schuppen auf den Schultern und seltenst Haare in der Suppe.
Wenn wir also wieder mal unsere Restbestände im Spiegel sehen, grinsen wir einfach frech zurück. Haarausfall signalisiert Lebenserfahrung, Klugheit und Wohlstand. Seien wir stolz und folgen wir einem kleinen Gedicht: Der Glatzkopf der die Glatze fönt, hat mit dem Schicksal sich versöhnt! Was aber ist mit den Sprachforschern in Bonn? Ihnen huldigen wir mit einem Witz: Wann sagen Chinesen mit Glatze “Guten Morgen”? Antwort: Wenn sie Deutsch können.

 

 

 

Beim Eiswasser-Unsinn fühle ich mich alt

Zu Hilfe, ich werde alt! Bisher hatte ich die seltsamsten Windungen des Internets stets amüsiert oder gar interessiert verfolgt. Wirklich schlimm habe ich nichts gefunden. Aber in diesen Tagen kommt mir der Humor abhanden. Das Stichwort lautet “Ice Bucket Challenge”.

Da stellen sich also Menschen vor eine Smartphone-Kamera, erklären, dass und warum sie gleich nass werden und schütten sich dann einen Eimer mit mutmaßlich kaltem Wasser über den Kopf. Männer sagen dann “Brrrrr”, Frauen kreischen so, wie die allermeisten Männer nicht kreischen. Zugleich werden durch das Nominieren anderer Zeitgenossen jeweils drei weitere Mutproben in Auftrag gegeben.

Besonders beliebt ist dieser Spaß bei Menschen, die berühmt sind und noch berühmter werden wollen und die bei dieser Gelegenheit zeigen, dass sie über Humor und Nächstenliebe verfügen. Denn die Eiswasser-Probanden sammeln auch Spenden für die Erforschung der Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Entweder zwingen sie Feiglinge moralisch dazu, sich freizukaufen. Oder sie geben selber ein paar Euros. In den USA sind auf diese Weise angeblich schon um die 100 Millionen Dollar zusammengekommen. 

Es ist ja gut, dass auf ALS aufmerksam gemacht und für dessen Erforschung gessamelt wird. Handelt es sich doch um eine der miesesten Krankheiten überhaupt. Die Patienten erleben bei vollem Bewusstsein mit, wie ihre Muskulatur verschwindet. Am Ende steht der Tod durch Ersticken. Heilbar ist dieses Leiden (noch) nicht.

Das große Wässern ist demnach eine gute Sache. Aber warum mag ich nicht mitmachen? Vielleicht, weil ich lieber doch nicht wie Mark Zuckerberg, Justin Bieber oder Cristiano Ronaldo sein möchte. Vielleicht, weil es mich fatal an das dümmste Ritual des deutschen Fußballs, die weltberühmte Bayern-München-Meisterschafts-Weißbierdusche erinnert. Oder weil ich an diese Kettenbriefe denken muss, bei denen sich ein todkrankes Kind in Florida nichts sehnlicher wünscht, als letzte Grüße von 100 Millionen Menschen aus aller Welt zu bekommen.

Kurzum, ich erlaube mir einen großen Luxus. Ich finde doof, was für die Masse lustig ist. Und dusche weiter warm.

P.S.: Heute hat mich eine Nominierung ereilt. Passt schon, spenden wollte ich eh mal wieder.

 

 

 

Die Innenpolitik im schwarzen Loch

Gibt es schwarze Löcher in der Politik? Zurzeit scheint das so zu sein. Denn das, was man früher Innenpolitik genannt hat, ist nahezu komplett aus unserer Wahrnehmung verschwunden. Unser Leben findet scheinbar irgendwo zwischen Donezk und Gaza statt. Dort herrscht Krieg, bei uns herrscht Schlummer.

Sicher, man darf nicht wegsehen, wenn sich Menschen gegenseitig abschlachten. Wenn so genannte „Rebellen“, die wegen ihrer abartigen, hasserfüllten Gesinnung „unislamischer Staat“ heißen müssten, eine Blutspur nach der anderen legen. Wenn Bomben fallen, weil zuvor Raketen geflogen sind. Wenn gar nicht so weit von uns entfernt, in der Ukraine, Krieg geführt wird.

Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Erst recht, wo es für ein Chaos-Land wie Libyen keinen Platz in den Zeitungsspalten und kaum Sendezeit in Radio und Fernsehen gibt. Es sind einfach zu viele Bomben und Granaten.

Aber darf das dazu führen, dass wir die Innenpolitik komplett vergessen? Redet noch jemand ernsthaft von der Energiewende? Ist die Zukunft der Pflege noch in der Diskussion? Was ist mit der immer ungerechteren Verteilung des Wohlstandes?

Ja, es geht uns gut und viel besser, als an vielen Orten dieser Welt. Mütterrente und Mindestlohn sind auch abgehalt. Aber wenn der fast schon karnevalistische Streit um die Pkw-Maut das aktuelle Hauptthema in Deutschland sein soll, stimmt ewas nicht.

Ja, man muss gelegentlich zum Fernglas greifen. Aber ebenso gilt: Reichlich Arbeit gibt es auch im eigenen Haus. Aufwachen, bitte!

Die Kunst der Vergrämung

Wir leben in Zeiten von Landlust, Landliebe und Jakobsweg. Alle drängt es hinaus ins Freie, wir huldigen dem Ursprünglichen, der wilden Natur. Was aber, wenn uns diese Natur die Zunge hinausstreckt? Wenn Tiere machen, was sie wollen?

Dann wird es schwierig. Ungern denken wir zurück an den “Problembären” Bruno. Dieser war – ohne Ausweis oder Raubtier-Vignette – auf bayerisches Hoheitsgebiet vorgedrungen. Die Staatsregierung zog alle Register, um Wildnis und öffentliche Sicherheit in Einklang zu bringen. Geendet ist dieser Versuch mit dem Tod des Bären.

Jetzt gibt es wieder Ärger. Am Wöhrder See, einem künstlichen Gewässer in Nürnberg, hat ebendiese Staatsregierung, namentlich vertreten durch Finanz- und Heimatminister Markus Söder, einen Strand anlegen lassen. Für (wahlberechtigte) Menschen. Schön auf der sonnenbeschienenen Nordseite gelegen, ganz ohne störendes Gebüsch.

Gerade diese  Kombination aus Wärme und der fehlenden Deckung für natürliche Feinde, hat die dortigen Wasservögel begeistert. Die vereinigten Nürnberger Quak-Rebellen, bestehend Gänsen und Enten, haben den Strand okkupiert und genussvoll zugekackt.

Weil aber Geflügel- und Hundekot gleichermaßen unappetitlich sind, müssen staatliche und städtische Stellen etwas unternehmen. Die rettende Idee: Menschliche Vogelscheuchen. Das erinnert sofort an die Schauspieler, die zwecks Primaten-Vergrämung in Affenkostümen durch Neu-Delhi rennen sollen. Aber so schlimm ist es nicht. Gedacht ist an Freiwillige, die gegen Honorar vogelstörend über den Strand stapfen. Wenn es sein muss, auch mit Hund.

Wer mit offenen Augen durch sein Leben geht, wird zuversichtlich sein, dass sich Vogelscheuchen finden lassen sollten, Aber warum so schlicht gedacht?

Nürnberg ist auch der Arbeitsort von Ottmar Hörl. Dieser Künstler hat mit Plastik- Hasen und -Eulen für Furore gesorgt. Er ist zudem Präsident der hiesigen Kunstakademie. Also könnte man doch für seine Studenten einen Wettbewerb in Vergrämungskunst beauftragen. Skulpturen, deren Anblick auch renitente Wasservögel zuverlässig in die Flucht schlägt: Ein Dürerhase mit Reißzähnen, eine Eule mit Adlerkrallen oder ein chinesischer Koch mit gewetzten Messern.

Das macht dem Vogelspuk ein Ende. Möge die Übung gelingen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine Angst, es kann nur besser werden…

Wohin das Auge schaut: Krisen, Krisen, Krisen. In diesen Tagen ist jede Facette abgedeckt. Von Kriegen über scheinbar religiös motivierten Massenmord über Minuswachstum in den Nachbarländern und jetzt auch wachsende Sorgen um unsere so erfolgreiche Exportökonomie. Wäre es da nicht logisch, dass uns das Lächeln gefriert, dass wir allesamt Merkel’sche Stress-Mundwinkel ausbilden? Aber nein. Warum denn auch?

Bleiben wir Realisten. Wir haben das Alte Testament gelesen. Von daher ist uns bewusst, dass wir nicht auf dieser Welt sind, um eine lebenslange Non-Stop-Party zu feiern. Ja, als wir jung waren, bot sich unseren Augen ein weites Feld der unbegrenzten Möglichkeiten. Wir waren sicher, dass uns nichts und niemand würde aufhalten können. Wir trugen jenen Optimismus in uns, den uns zahllose Autoren in noch zahlloseren Büchern zu vermitteln versuchen. Das Stichwort “Optimist” sorgt bei amazon.de für 604 Treffer. Ganz oben steht ein Ratgeber, wie sich “Schwarzmaler im Hirn” überlisten lassen. Wir erfahren, dass ein Optimist in jedem steckt und dass es gut ist, den Weg des Glücks zu gehen. Denn: “Optimisten leben länger.”

Ratgeber leiten uns an, wie wir wahlweise in sieben oder 30 Tagen zum Optimisten werden. Wir können nachlesen, dass Freude auf die Zukunft zu einer stolzen Haltung führt. Und dass gute Gedanken Sex haben. Sie vermehren sich angeblich und gebären immer neue Glücks-Kinder. Optimisten sind in diesen Büchern erfolgreicher, leben besser, sind gesünder und schöner.

Papperlapapp. Unbekümmertheit lernen zu wollen, hat etwas Zwanghaftes. Richtig hingegen ist der Satz: “Pessimisten sind Optimisten mit Lebenserfahrung.” Denn in keinem Leben geht es immer nur bergauf. Bedeutende Politiker werden abgewählt, berühmte Schauspieler kriegen keine Rolle mehr, famosen Fußballern reißt irgendwann das Kreuzband. Immer wieder gibt es Rückschläge oder Verluste, also Prüfungen, die wir mehr oder weniger gut bestehen.

Ein glücklicher Pessimist ist der, der trotz allem den Kopf oben behält und einen neuen Anlauf für seine Ziele unternimmt. Wobei er eben nicht das irdische Nirwana anstrebt  sondern ein neues Stolpern oder gar Scheitern für möglich hält.

Ganz nach dem Motto: Wenn etwas schiefgeht, ist die Hoffnung doch nicht weg. Oder anders gesagt: “Jetzt kann es nur noch besser werden” ist ein wunderbarer Satz.

Hilfe, ich habe Angst vor einer Frau

Superstar zu werden, ist in diesem Land nicht die leichteste Übung. Wir haben zwei, drei Weltmeister-Fußballer, aber diese verhalten sich untypisch. Sie glitzen nicht, sondern leben nach dem Motto „Groß kassieren, leise auftreten“. Den allgemeinen Maßstab in Sachen Selbstinszenierung scheint unsere Bundeskanzlerin gesetzt zu haben. Angela Merkel protzt nicht, macht aber trotzdem, was sie denkt.

Manchmal entsteht aber doch ein bisschen Hollywood. Jemand taucht auf, dem nie und nirgends zu entkommen ist. Ja, es gibt diese Frau. Sie sieht fabelhaft aus. Als Drogeriemarkt-Mitarbeiterin für niedrigpreisiges Pafüm würde sie Umsatzrekorde bewirken. Sie hätte für jeden Versandhaus-Katalog als Top-Model getaugt und hätte bei jeder regionalen Misswahl eine Platzierung zwischen eins und drei erreicht.

Ob in Jeans, Kleid oder knappem Show-Fummel: Diese Frau sieht immer gut aus und sie gibt den Menschen Halt, weil sie deren Lebensträume in leicht verständlichen Texten besingt. Sie schildert ihnen, wie sie mit dem/der Liebsten „auf das höchste Dach der Welt steigen“ können. Sie stärkt deren Selbstvertrauen mit der Zeile „Du lässt mich so sein, so wie ich bin, mich zurechtzubiegen hätte keinen Sinn“.

Diese Frau hegt die Schlaflosen, indem sie „Lass dieses Nacht nie enden“ singt. Sie schildert die ganze Widersprüchlichkeit des Daseins mit der Zeile „Du fängst mich auf und lässt mich fliegen“. Und hinterfragt religiöse Wahrheiten mit „Ewig ist manchmal zu lang“.

Wir hören die Botschaften und wollen mehr wissen. Ist diese Frau wirklich so blond, wie sie vorgibt. Ist sie glücklich verheiratet? Ist sie schwanger? Und falls ja, wir ihr noch genug Zeit bleiben, um Nacktfotos für den Playboy zu machen?

Wir folgen dieser Frau, wir hängen an ihr. Sogar Weltmeister umkreisen sie. Atemlos.

Und ja. Ich gebe es zu: Helene Fischer macht mir Angst.