Gute Idee: Facebook soll bezahlen

Geben wir es doch zu: Als Mark Zuckerberg zur öffentlichen Anhörung in den US-Kongress einbestellt wurde, haben wir gehofft, dass er dort so richtig gegrillt würde. Die Senatoren sollten sein Geschäftsmodell in kleinste Teile sezieren. Er sollte ins Stottern und ins Schwitzen kommen. Kurzum: Der Facebook-Chef sollte für all die Daten-Schweinereien seines Unternehmens bestraft werden. So ist es nicht gekommen.

Es war auch nicht zu erwarten. Denn Zuckerberg ist nicht doof, sein Netzwerk-Konzern ist nicht bloß böse.  Facebook, Instagram und WhatsApp bringen tatsächlich weltweit irrwitzig viele Menschen in Kontakt. Das  beeindruckt – trotz beunruhigender Deppenquote – jede/n Gewählte/n. Er  recht, wenn diese mächtigen Plattformen ihren Sitz im eigenen Land haben.

Man muss dem Facebook-Chef zugestehen, dass er ein außerordentlich erfolgreicher Unternehmer ist. Auf die Idee, zum größten Medienunternehmen der Welt aufzusteigen, ohne eigene Inhalt zu liefern, muss man erst einmal kommen. Wer als 33.Jähriger bereits viele Milliarden gescheffelt hat, erntet den Respekt der (politischen) Entscheider. Und Akzeptanz unter Kapitalisten. Die großen Stars des Silicon Valley glänzen nicht durch Empathie, sondern damit, mit der jeweils modernsten Technik möglichst viel Ertrag zu erzielen.

Ethik ist nicht so ihr Ding. Der erste Artikel unserer Verfassung, wonach die Würde des Menschen unantastbar sei, gilt ihnen als überlesenswert. Interessant wird es für sie dort, wo freies Unternehmertum erlaubt wird. Und je weniger es von einem Staat reguliert wird, desto besser geht es voran.

Bei seiner Anhörung hat Mark Zuckerberg erklärt, dass er an ein werbefreies Bezahl-Facebook denkt. Ein drollige Idee. An Thema Paywall arbeiten sich andere Medien wie etwa die Tageszeitungen seit Jahren ab. Der Erfolg ist insgesamt überschaubar, obwohl sie vertrauenswürdige Inhalte bieten. Der Ruf von Facebook dagegen ist mies. Eigene Inhalte fehlen, man  würde demnach für nichts bezahlen.

Falsch gedacht! Fair wäre es andersrum. Die Nutzer müssten für ihre Inhalte bezahlt werden. Sofern sie klug und brauchbar sind. Vielfach gelikte Hetzer als neue Multimillionäre braucht niemand. Wer aber soll Qualität bestimmen? Vielleicht gelingt es irgendwann mit künstlicher Intelligenz.

Zuckerberg sollte daran arbeiten, sonst muss er auf andere Art bezahlen: Mit Strafen für Daten-Schweinereien.