Archiv der Kategorie ‘Virtuelles Leben’

Mai 9th, 2012

CSU-Party? Seehofer braucht High Heels

Jung, trendy, stylish, sexy: Diese Attribute hat man bisher eher mit Dolce & Gabbana als mit Seehofer & CSU in Verbindung gebracht. Doch das hat sich seit Dienstagabend geändert. Die erste Partei-Facebook-Party hat stattgefunden. Ohne Tote und Verletzte, vielleicht mit einer paar Besoffenen.

Nach Auskunft von Teilnehmern soll die Party ganz nett gewesen sein. Der erwartete riesige Ansturm sowie die Rache der am Einlass Enttäuschten ist ausgeblieben. Die Zahl der Medienvertretert war groß, alles lief in ruhigen Bahnen. Also alles in Butter?

Finde ich nicht. Es gab immer wieder mal Diskussionen über die Frage, ob Parteienwerbung durch öffentliche Gelder finanziert werden darf. Die CSU hat mit ihrer flapsigen Einladung das Versprechen auf ein riesiges Chaos ausgelöst. Belohnt wurde sie mit einem überragenden Medienecho. Der Polizeieinsatz zur Absicherung der Veranstaltung wiederum geht auf Kosten der Steuerzahler. Die Partei zahlte ihren Gästen gerade mal ein Freigetränk.

Ausgeprägte Volks- oder Zielgruppennähe hat die CSU eh nicht bewiesen. Um Horst Seehofer nahe zu sein, musste die Jugend der Welt laut Medienberichten zehn Sicherheitsschleusen passieren. Als Veranstaltungsort wurde eine Nobeldisco ausgewählt, wie sie auch einem Sarkozy gefallen hätte. Schließlich: Jede Salsa- oder High-Heels-Party in einer mittelfränkischen Großdisco lockt mehr Besucher an als die CSU-Facebook-Sause. Schöne Schuhe hätten vielleicht was gebracht.

Der Erfolg bestand letztlich in der öffentlichen Wahrnehmung. Weil man dachte, dass an diesem Abend Dinge zusammenwachsen könnten, die eigentlich nicht zusammengehören. Wahrscheinlich nehmen sich andere Institutionen bald ein Beispiel. Die FDP-Facebook-Party bei der Heilsarmee ist nur noch eine Frage der Zeit.

April 12th, 2012

Der schärfste Breakdance des Planeten

YouTube Preview Image Da wir gerade in Zeiten von “Let’ s Dance” leben: Leider treten dort nur Prominente auf, während famoseste Talente trotz vorzüglicher Verfilmung ihrer Kunst keine Chance auf eine breite Öffentlichkeit haben. Wenn es um diesen Breakdancer geht, will ich, nein, muss ich in Sachen Karriere mithelfen. Nie hat man heißere Moves gesehen…

April 5th, 2012

Die virtuelle Servicewüste lebt

Eine der ganz großen Verheißungen des Internets ist jene des immerwährenden Vernetztseins und des ununterbrochenen Bescheidwissens. Hol Dir, was du brauchst. Erzähle anderen, was dir einfällt. Immer dann, wenn du es willst.
Wer so redet, hat noch nie Urlaub gemacht. Natürlich, Ferien sollten prinzipiell als Gelegenheit zum virtuellen Heilfasten genutzt werden. Aber ein bisschen direkten Draht zur Heimat zu haben, ist ja auch schön. Und dass das problemlos geht, wissen wir aus der Fernsehwerbung. Von jungen Menschen, die so schön sind, dass man es nie wagen würde, bei einem Verbindungsproblem um Rat und Hilfe zu fragen. Glücklich tanzen sie zu einem Top-Hit aus den Singlecharts – weil das Leben so einfach ist.
Es gibt aber auch eine raue Wirklichkeit, nämlich die Handy-Shops dieser Welt. Einen solchen habe ich gerade in Italien betreten. Nach fünf Minuten Wartezeit habe ich mich gefragt, wie andere Menschen (Kunden) so dumm sein können, dass sie nicht einmal ein Telefon bedienen können. Nach 20 Minuten Wartezeit habe ich überlegt, was in aller Welt so schwer daran sein kann, ein internetfähiges Gerät zu kaufen. Wo es doch nur 18 verschiedene Flatrates gibt. Nach 30 Minuten ging mir durch den Kopf, ob sich dieses Geschäft überhaupt jemals lohnen kann, wenn einem Umsatz von 29 € eine Stunde Beratungszeit gegenübersteht.
Aber das geht. Dann nämlich, wenn man schlecht bezahltes und mies ausgebildetes Personal beschäftigt, das eigentlich nur verkaufen kann. Tja, und ich bin auch an jemand geraten, der, vermute ich, vorher im Shopping-TV Teppiche verkauft hat. Blendende Rhetorik, aber nichts dahinter. Nachdem mein Easy-Internet-Safety-Plug-In-Sim-Card-Flatrate-Stick nicht funktioniert hat, habe ich ihm meinen Laptop vor die Nase gehalten und gefragt, ob er mir helfen könnte. Die Antwort war schlicht und strikt: “No!”
Mir sind da die beiden Menschen eingefallen, die für diesen deutschen Internetprovider mit den niedrigen Ziffern arbeiten. Laut ihrer Werbung ist Qualität alles und ist ausschließlich das Glück des Kunden das Ziel des unternehmerischen Handelns. Mir hat allerdings gerade jemand erzählt, wie er versucht, den 24-Stunden-Vor-Ort-Klick-und-Surf-Service zu nutzen. Seit fünf Wochen. Ohne Erfolg.
Fazit: Die Servicewüste lebt. Sie ist eine globale. Vielleicht sollte man für das Surfen im Urlaub tatsächlich nur ein Brett benutzen.

März 24th, 2012

Ein Buch macht immer klug. Wirklich?

Skeptische Beobachter der kulturellen Entwicklung in dieser Gesellschaft sind sich bei zwei Wahrheiten völlig einig: 1. Lesen bildet. 2. Internet macht doof. Während bedrucktes Papier immer auch geistig-moralischen Gewinn verspricht, gelten virtuelle Botschaften als wenig nahrhaftes Fastfood fürs Hirn.

Aber ist das wirklich so? Schauen wir auf die berühmte “Spiegel”-Bestsellerliste. Und dort steht  zurzeit auf Platz 1  Daniela Katzenberger mit ihrem autobiographischen Lebenshilfe-Ratgeber “Sei schlau, stell dich dumm”. In der Kategorie Sachbuch, wohlgemerkt. Es ist also so, dass es für die vermeintliche Bildungselite dieses Landes an zuallererst an den Erfolgsrezepten einer ulkigen Platin-Blondine Interesse hat.

Sogar noch mehr als an den stets beliebten Anleitungen zum Glücklichsein, die – auf Rang 2 der Bestsellerliste – unser nerviger Frohsinns-Doktor Eckart von Hirschhausen verbreitet. Auf Platz 3 landet der Titel “Ist meine Hose noch bei Euch”. Eine Sammlung lustiger SMS-Nachrichten. Da erfährt man zum Beispiel dieses: “Er hat mir ne apfur gegeben. Bin besoffn.”

Wo, wo, wo, ist bloß das Niveau? Gut, bei den gebundenen Büchern sieht es besser aus. Dort lehrt uns auf Platz 1 unser neuer Bundespräsident Freiheit und Verantwortung. Gefolgt von einem Schmöker zum Thema “Kunst des klaren Denkens” und dem Buch “Jesus”, das sich allerdings nicht mit dem Leben und Wirken von Joachim Gauck befasst.

Doch auch hier lauert das Grauen: Gerade schießt Carsten Maschmeyer mit seiner Autobiographie “Selmade” in den Bestsellerlisten nach oben. Und hier interessiert doch niemand, welche genialen Schachzüge es gibt, um gierig gewordene Kleinsparer gewinnbringend auszunehmen. Wir wollen wissen, wie er Veronica Ferres herumgekriegt hat.

Fazit: Das Triviale macht uns Freude. Schund steht auch in jedem gut sortierten Bücherregal. Die Buchhandlung mag ein Ort der Erbauung sein – wirklich besser als das Internet ist sie nicht.

 

 

 

 

 

Februar 23rd, 2012

Voll im Trend: Verblöden mit dem Bachelor

In Selbstgesprächen haben sich Menschen seit jeher mit der Erkenntnis konfrontiert, dass sie gelegentlich ziemlich blöd waren. Die Frage unserer Tage lautet anders: Sind wir schon alle blöd? Sind wir auf dem Weg dorthin? Ist dieser Zug noch zu stoppen?

Ein klares Indiz für den Verfall von Geist und Moral ist der Erfolg der RTL-Serie “Der Bachelor”. Der “Bätschalla”, wie die “Bild”-Zeitung ihren Lesern in Lautschrift erklärt hat, durfte sich aus einer Gruppe williger junger Frauen seine zukünftige Gefährtin erwählen. Diese heißt Anja, ist aber drei Monate nach Abschluss der Dreharbeiten schon wieder weg. Weshalb sich unser starker Held namens Paul jetzt voll auf seine Autogrammstunden in Kaufhäusern konzentrieren kann.

Das müsste niemand interessieren, wenn diese Sendung nicht an die Grundfesten unseres Zusammenlebens rühren würde. Früher war es völlig klar, dass Fußball die höchsten Einschaltquoten hat. An diesem Aschermittwoch jedoch wollten 3,45 Millionen Menschen zwischen 14 und 49 Jahren (werberelevante Zielgruppe) der Vereinigung von Paul und Anja beiwohnen. Die Champions-League guckten 800.000 weniger.

Casting schlägt Fußball. Und Tussi schlägt Feministin. Letzterer muss es doch ein Gräuel sein, wenn aufgebrezelte Mädels dem Ruhm an der Seite eines angeblich reichen Schönlings hinterherstöckeln. Und kaum ist der Bachelor vorbei, geht die Party zum Auftakt der Fastenzeit mit “Germany’s Next Top Model” weiter. Nach dem Motto: Junge Frauen präsentieren ihren surrealen Körperbau. Da gab es schon mal andere Ziele.

Aber was macht daran blöd? Ganz einfach: Unser Gehirn bräuchte Ruhe, um sich zu regenerieren. Es möchte anhand neuer, ungewohnter Aufgaben wachsen. Aber es bekommt keine Casting-Verschnaufpausen mehr. Kaum ist ein Top Model gewählt, sucht ein Bauer eine Frau, werden Superstar und Supertalent, Dschungelkönige, Voices, Sänger für Baku oder Schwiergertöchter gesucht. Es ist immer was los. Aber es ist immer das Gleiche.

Und deshalb gilt – auf  Fränkisch gesagt: “Wo der Bädschalla is, is der Baddscha ned weit.”

PS: Das Wort “Baddscha” steht für “Patscher” und steht für einen weitgehenden oder kompletten Ausfall denkrelevanter Gehirnfunktionen bei vollem Bewusstsein.

Februar 22nd, 2012

Nordkorea trauert um Christian Wulff

YouTube Preview ImageSpät, jedoch mit größtmöglicher Hingabe, hat sich das Staatsfernsehen Nordkoreas mit dem Rücktritt unseres geliebten Bundespräsidenten Christian Wulff befasst. Ein wunderbares Internet-Fundstück.

Januar 13th, 2012

Ein DJ braucht saubere Finger und…

Nicht wenige junge Menschen versuchen sich in ihrer Freizeit als DJ´s. Aber sind sie auf diese Tätigkeit ausreichend vorbereitet? Wie es geht zeigt dieses Video aus dem Jahr 1969. Und anders als bei Loriots Jodeldiplom handelt es sich nicht um Satire.
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Dezember 31st, 2011

Die Sterne wissen: Ich werde 2012 viel Zeitung lesen

Wir alle wissen, dass die größte aller bisher bekannten Wirtschaftskrisen für 2012 (nach 2009, 2010 und 2011) beschlossene Sache ist. Mir ist das egal. Denn es steht fest, dass ich in diesem Jahr Spaß und Freude haben werde.

Merkur ist nämlich an meiner Seite. Sagt die Astrowoche. Uns so werde ich beruflichen Erfolg wie nie zuvor haben. Da werde eine tolle Stelle frei, dort gebe es ein prima Geschäft. Ich sollte allerdings, so die Sternendeuter, nicht zu gierig werden. Sonst könnte ich eine enttäuschung erleben. Woraus wir lernen: Es ist nicht nur so, dass in jeder Krise eine Chance steckt. Genauso steckt in jeder Chance eine Krise.

Zu allem Überfluss betritt Anfang April Liebesplanet Venus mein Sternzeichen. Das soll mir traumhafte Stunden der Zweisamkeit bescheren. Allerdings nur bis Juli. Logisch, denn im Laufe des Juni beginnt die Fußball-EM. Vielleicht werde, so das Horoskop, jemand von früher wieder in mein Leben treten. Das muss nicht unbedingt sein, liebe Venus.

Auch gesundheitlich soll bei mir dank Merkur alles in Butter sein. Ich müsste also regelmäßig Energie tanken. Das klingt nach einem ganz bestimmten Schokoriegel, was dramatisch gegen meinen guten Vorsatz spricht, im neuen Jahr 5,7 Kilogramm abzunehmen. Ich frag mal Pluto, wie ich diesen Konflikt lösen kann.

Aber das ist ja auch egal, schließlich sind Horoskope eh nur inhaltsleeres Gebrabbel. Dachte ich auch. Bis ich auf www.kostenlos-horoskop.de mein “50plus-Horoskop gelesen habe. “Das tägliche Zeitunglesen ist ein Muss”, steht da wie in Stein gemeißelt. Und das stimmt tatsächlich. Na denn…

Dezember 30th, 2011

Mein Adrenalinschub durch kaltes Licht

Nein, ich möchte dieses Blog nicht zum Diskussionforum über Qualiätsjournalismus machen. Aber was qualitätsloser Journalismus anrichten kann, ist enorm. Ich hatte wegen eines leichtfertigen Schiefmelders heute einen völlig ungeplanten Adrenalin-Kaufrausch-Schub.

Da fahre ich also auf der Autobahn Richtung Heimat. Mit dem Ziel, diesen Tag sowie das Jahr als solches lässig ausklingen zu lassen, als im Radio gemeldet wird: “Was sich zum Jahreswechsel ändert: Ab 2012 ist es mit Glühbirnen vorbei.” Und schon war es mit der eingebetteten Staubeobachtung (embedded traffic jam watching) vorbei. Nur eine Frage ging mir noch durch den Kopf: Wie lange haben die Geschäfte am 31. Dezember offen? Wo könnte es noch ausreichende Bestände an Glühbirnen geben? Wo kann der Lichthamster vor 2012 noch zuschlagen?

Ich finde nämlich das Licht von altmodischen Glühbirnen viel schöner als die kalte Beleuchtung von Energiesparlampen. Ich meine auch, dass es für jeden Menschen gewisse Nischen für kleinere, bezahlbare Umweltsünden geben sollte. Ich rauche nicht mehr, fahre kein SUV, habe keine Yacht und keinen Privatjet. Warum bekomme ich also nicht wenigstens alte Glühbirnen oder mais- und getreidefreies Normalbenzin?

Im zähfließenden Verkehr angelangt, hörte ich eine Live-Reportage von der Trauerfeier für Johannes Heesters. Wenn ich es recht mitbekommen habe, hielt sich die Hysterie in Grenzen. Der bayerische Fachminister für Operetten, Ludwig Spaenle, soll allerdings gesagt haben, der 108-Jährige habe das vergangene Jahrhundert “wie kaum ein anderer geprägt”. Ich habe mich spontan gefragt, ob der Redner nicht eher den anderen Mann aus Heesters’ Bekanntenkreis gemeint hat, den der Verstorbene vor nicht allzu langer Zeit einen “netten Kerl” genannt hat.

Aber lassen wir die Toten ruhen. Das Beispiel zeigt allerdings, dass es wenigstens bei Trauerreden sinnvoll sein kann, beim Beleuchten eines Lebens auf Energiesparlampen zu setzen. Die Radiomeldung vom allerbaldigsten Aus der Glühbirne war übrigens nur schlampig formuliert. Richtig ist, dass ab September 2012 keine 40-Watt-Birne mehr produziert werden darf. Weggeworfen wird aber nichts – wir haben noch viel Zeit zum Kaufen. Das stand klipp und klar in meiner Qualitätszeitung.

November 19th, 2011

Merkel im Weltall, und andere große Fragen

Ist es nicht gut, dass wir unsere Politiker(innen) haben? Sie sind unsere zuverlässige Zielscheibe für Spott und Schimpf und Schande. Und sie übernehmen kraft Amtes die Verantwortung für Themen, die sie selbst kaum, wir aber schon gar nicht verstehen. Ja, sie erklären uns alles. Wir hingegen können es uns leisten, dass uns die Zukunft des Euro-Rettungsschirmes gelegentlich egal ist. Darum kümmern sich ja die Gewählten.

Aber: Steckt nicht auch in Angela Merkel ein kleiner, ganz normaler Mensch? Jemand, der sich nach Antworten auf wirklich bewegende Fragen sehnt. Warum ist der Himmel blau? Sind wir alleine im Weltall und falls nein, was ändert sich dadurch? Gibt es Äpfel, die weit vom Stamm fallen? Erschrecken Mitarbeiter der Deutschen Bahn, wenn ein Zug pünktlich ankommt? Warum wurde die Currywurst nicht vom Asiaten erfunden? Warum gerät der 1. FC Nürnberg immer dann in Abstiegsgefahr, wenn alle denken, dass es nur noch besser werden kann?

Die Kanzlerin verzichtet offenbar auf solche Gedanken. Sie tut, was sie zu tun hat: Sie gibt Antworten. Auf dem youtube-Kanal der Bundesregierung hat sie sich jetzt zu Fragen von Usern geäußert. Die wollten wissen, wie es sein kann, dass sich ausgerechnet Gut- und Großverdiener aus dem sozialen System der gesetzlichen Krankenkasse ausklinken dürfen. Oder warum die Bundestagsabgeordneten selbst über ihre Diäten bestimmen dürfen.

Ich finde das gerade sehr langweilig. Ich würde lieber wissen, warum Sekundenkleber überall klebt, bloß nicht in der Tube. Ich will auch wissen, warum am Ende meiner Supermarkt-Schlange immer die langsamste Kassiererin sitzt oder warum Ampeln immer dann auf Rot schalten, wenn ich darauf zufahre.

Gäbe es eine Partei, die sich endlich diesen existenziellen Fragen widmen würde – ich würde sie auf der Stelle wählen. Bis dahin lauschen wir eben unserer Frau Merkel…

http://www.youtube.com/user/bundesregierung?v=jstPfMyM5rw&feature=pyv&ad=8690663199&kw=bundesregierung

November 6th, 2011

“Ich moderiere Wetten, dass…?. Oder nicht.”

Na, bitteschön, da ist es doch – das Erfolgs-Fernsehformat der nächsten Jahre. Thomas Gottschalk moderiert seine Show weiter wie gewohnt und konfrontiert jeweils einen Studiogast mit der Aussage “Ich moderiere Wetten, dass…?. Oder nicht.” Das sorgt so lange für Hochspannung im Publikum, bis jemand “Ja, ich will” sagt. Am Samstag hat das schon mal prima funktioniert.

Das ZDF hatte ein klares Wort des bislang heißesten Gottschalk-Nachfolgekandidaten angekündigt. Und schon hatte “Wetten, dass…?” fast genau zehn Millionen Zuschauer, während die Konkurrenz-Show “Das Supertalent” 6,40 Millionen Fans verzeichnete. Hansi Hinterseer wollten in der ARD sogar nur 0,21 Millionen sehen.

Kerkeling lehnte ab. Wahrscheinlich, weil er klug genug ist, um zu erkennen, dass diese Show derart mit dem Moderator Gottschalk verwoben ist, dass andere Moderatoren/-innen sowieso scheitern müssen.

Aber warum nicht so weitermachen, wenn es Quote bringt? Im Fernsehen wird alles Mögliche gecastet: Sänger und Musiker, Song-Contest-Teilnehmer, Top-Models, Dackeldompteure, Jongleure oder notgeile Agrarökonomen. Warum also nicht auch den Super-Moderator suchen?

Das ZDF hätte eine neue Showidee etabliert. Und “Wetten, dass…?” würde den denkbar besten Mann für die Promis-präsentieren-ihr-neuestes-Produkt-Party bis auf Weiteres behalten. Alsdenn.

November 1st, 2011

Das unfassbare Sieben-Milliarden-Kind

Ja, ich hab’s kapiert. Ein erheblicher Teil unsere Daseins besteht daraus, dass uns jemand verarscht. Mal übel, mal nett. Jetzt waren es die Vereinten Nationen, die uns mitgeteilt haben, dass ein neugeborenes Mädchen namens Danica aus Manila der siebenmilliardste Mensch auf unserem Planeten sein soll. Das ist doch Krampf.

Mit dieser Botschaft begibt sich der gewiss seriöse UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf das Niveau der Leiters eines Provinz-Supermarktes, der sich korrekt gescheitelt, mit Anzug und Krawatte, einem lapprigen Blumenstrauß und seiner hübschesten Verkäuferin vor den Laden stellt, um der angeblich 10.000. Kundin ein ausgefülltes Rabattmarken-Heft ins Konsumentenhändchen zu drücken.

Weil die Volkszählung schon lange her ist, wissen wir doch nicht mal genau, wie viele Menschen in Deutschland leben. Woher also will die Uno wissen, wie viele Leute tatsächlich in einer ostasiatischen Mega-City unter den Brücken schlafen? Und woher wollen die Statistiker wissen, dass es 1804 die erste, 1927 die zweite, 1960 die dritte und jetzt die siebte Milliarde Mensch gegeben hat?

Schon klar. Hier geht es nicht um exakte Daten, sondern um das große Ganze. Und da muss ich zugeben, dass ich mir eine Milliarde Menschen ähnlich schlecht vorstellen kann, wie die 55,5 Milliarden Euro, die bei Hypo Real Estate völlig überraschend nicht verschwunden ist. Ich kann mir überlegen, dass diese Menschen, sauber aufeinandergestellt, ungefähr die halbe Strecke bis zum Mars ausmachen.

Ich kann es auch mit meiner engen fränkischen Sicht versuchen und diese Zahl auf Nürnberg übertragen. Eine Milliarde Menschen sind die 2000-fache Einwohnerzahl von Nürnberg. Um sie zu versorgen, bräuchte es also 6000 U-Bahn-Linien, 2000 Opernhäuser, zirka 50000 Brezen- und 800000 Dönerbuden. Unsere Standesämter müssten 4,4 Millionen Paare trauen, Krematorien und Friedhöfe müssten jedes Jahr 10,7 Millionen Leichen bestatten, durch den Tiergarten würden sich 118 Millionen Besucher drängen. Und, und, und…

Ich gebe zu, dass mich solche Zahlen beunruhigen. Einerseits. Und traurig machen. Andererseits.

Denn wieder einmal frage ich mich: Warum bin ich Journalist geworden? Und nicht doch der Weltmarktführer für Babyschnuller? Was wär das doch für ein Markt.

Oktober 23rd, 2011

Das Wort zum Sonntag

Ja, liebe Brüder und Schwestern, es ist Zeit für mein Wort zum Sonntag. Über den sechsten Tag der Schöpfung und Gottes ganz besondere Probleme.

Oktober 16th, 2011

Cindy & Bert sollen Deutschland retten

How, Sie haben gesprochen! Auf meine jüngst gestellte Frage, welches Traumpaar im Stil des Duos Putin/Medwedew Deutschland übernehmen sollte, gab es zwei klare Favoriten. Es siegte das Schlagerpaar Cindy & Bert mit 38,1 Prozent der Stimmen vor Motsi und Mabuse mit 28,5 Prozent. Alle anderen, etwa Angie und Peer, fielen durch.
Ich respektiere das Leservotum, weil sich im gewaltigen Gesamtwerk von Cindy & Bert immer wieder Lieder finden, die sich auf Euro-Krisenstaaten beziehen. “Spaniens Gitarren” zum Beispiel oder “Addio, bella musica” (das Lied, das Berlusconi gerade übt).
Griechenland hat das Duo sein Lied “Rosen aus Rhodos” gewidmet. Nicht eben feurig, dieser Schlager. Aber vielleicht ist just diese träumerische Besonnenheit der richtige Weg aus der Krise. YouTube Preview Image

Oktober 7th, 2011

Ein Leben als Frau? Lieber nicht!

Franz Beckenbauer redet davon, dass er sich vorstellen könnte, als Frau wiedergeboren zu werden. Ich sage: Hier irrt die Lichtgestalt. Denn das Leben der Frau ist viel zu kompliziert und viel zu ungerecht.