Kommunikation 4.0: Die vorgehaltene Hand

Was ist bloß los? Sind die alle krank? Haben sie Mundgeruch? Immer häufiger sehen wir Menschen, die beim Reden die Lippen abschirmen. Die vorgehaltene Hand ist der große Trend der nicht-virtuellen Kommunikation. Das muss auch sein. Denn es wird zugeguckt und abgehört wie nie zuvor.

Unser aller Bundestrainer Jogi Löw kann davon ein Lied singen. Während des Spiels gegen Gibraltar wurde er beobachtet, wie er sich die Fingernägel feilte. Was ihm als übelste Arroganz ausgelegt wurde – während er es später mit einem abgebrochenen Nagel begründete. Noch mehr jedoch  interessiert, was er während einer Begegnung so sagt. Dies wiederum erforschen Lippenleser, die vor Monitoren sitzend nach Hinweisen auf taktische Finessen spähen. Um sie dann auf die eigene Ersatzbank oder via Twitter dem Rest der Welt zu melden. Löw etwa wurde nachgewiesen, dass er nach einer verpasssten Großchance “Verdammte Scheiße” geflucht hat. Das muss man wissen.

Was hilft? Richtig, die vorgehaltene Hand. Vor allem in den Stadien der erfolgreichsten Fußball-Ligen ist sie zum Kommunikations-Standard geworden. Die dortigen besonders wichtigen Persönlichkeiten tuscheln fast ausschließlich. Denn es könnte ja ein Spiel komplett verändern, es könnte Millionen kosten, wenn bekannt würde, dass der spanische Star-Trainer zum Star-Spieler sagt: “Ramos, hau mal den Messi um”. Oder es drohten  wochenlange Schlagzeilen über Team-Konflikte, wenn herauskäme, dass der Stürmer zum Mitspieler sagt: “Gib doch mal ab, du Depp.”

Nun sind sich Fußballer bewusst, dass sie genauestens beobachtet werden. Bei uns galt das bis vor einiger Zeit nur für frühere DDR-Bürger. Da war klar, dass bestimmte Themen nicht zu laut und schon gar nicht am Telefon besprochen werden sollten. Aber bei uns, im freien Westen? Hier gilt  inzwischen: Man darf zwar sagen, was man will, aber im Zweifelsfall bekommt es irgendeiner mit. Und wenn wir vor dem PC sitzen, sollte klar sein, dass die Kamera laufen könnte, während wir in der Nase bohren.

Heute ist es Luxus, Geheimnisse zu haben. Um die zu bewahren, trifft man sich am besten zum Tuscheln auf einer Lichtung im Wald, während das Handy daheim im datentechnisch abgeschirmten Kühlschrank liegt. Dann ist man sicher. Oder? Die Tücken der menschlichen Kommunikation hat der römische Kaiser Marc Aurel so beschrieben: “Manche Leute verstehen unter Verschwiegenheit, dass sie die ihnen anvertrauten Geheimnisse nur hinter vorgehaltener Hand weitererzählen.”

Fazit also: Nur die Gedanken sind frei. Noch.

 

Alles auf eine Karte? Nein, der freie Mensch zahlt bar

Die Botschaft ist klar: Es muss Schluss sein mit dem Geklimper. Es muss aufhören, dass die Suche nach ein paar Cents für Staus an der Supermarkt-Kasse sorgt. Bargeld hat ausgedient. Die Zukunft gehört dem E-Geld.

So stellt sich das Professor Peter Bofinger vor. Der so bezeichnete “Wirtschaftsweise” sieht im kompletten Umstellen auf Geldkarten aller Art ausschließlich Vorteile. Neben der gewonnen Zeit beim Einkaufen sieht er segensreiche Entwicklungen für die Gesellschaft kommen. Ohne Bargeld würden Schwarzarbeit und Drogenhandel die Basis entzogen.

Ich sehe vor allem folgendenVorteil: Die größere Haltbarkeit der durchschnittlichen Herrenhose. Wer keine Handtasche mit sich herumträgt, wie es bei Männern üblicherweise (noch) der Fall ist, steckt seine Geldbörse in die Gesäßtasche. Das wird immer problematischer. Personalausweis, Führerschein, Krankenkassenkarte, Mitgliedskarten und andere Produkte aus viereckigem Plastik brauchen viel Platz. Sie werden auch immer mehr.

Gleichzeitig gibt es Bares. Und wer schon einmal einen U-Bahn-Einzelfahrschein mit einem 20-Euro-Schein gekauft hat, wird das zusätzliche Kleingeld kaum noch unterbringen können. Beim Sitzen auf dem taschenbuchdicken Geldbeutel drohen Haltungsschäden. Vor allem aber geht die Hose schneller kaputt.

Klarer Vorteil also für Plastik. Aber sonst? Zunächst darf man annehmen, dass sich die konkrete Erfahrung eines Wirtschaftsweisen mit Einkäufen im Supermarkt in Grenzen hält. Männer dieser Kategorie lassen besorgen. Zudem hat ein Professor seltener als andere Menschen mit Kleinstbeträgen zu tun. Eine Breze mit Kreditkarte kaufen? Für die breite Masse wirkt das zurecht absurd.

Bofingers Vorschlag ist zudem ein Anschlag auf die Rest-Barmherzigkeit in dieser Gesellschaft. Für Bettler hätte man ja nichts mehr übrig. Es sei denn, die Banken geben an ihre Kunden mehrere “Hast-Du-Mal-nen-Euro”-Karten aus. Oder die Sozialverwaltungen statten Obdachlose mit Kartenlese-Geräten aus.

Schließlich: Das Austrocknen illegaler Umtriebe durch Elektro-Cash hat eine üble Kehrseite, nämlich eine Rundum-Shopping-Überwachung. Es würden eine Unmenge von Daten über unseren Umgang mit Geld entstehen. Die monatliche Abrechnung würde uns in die Verzweiflung stürzen. Schließlich würden wir nachlesen, dass wir doch zu viele Kugeln Eis gegessen und zu viel Wein und Bier getrunken haben. Wir wüssten den Grund unseres Übergewichts – und unsere Gesundheitswächter bei der Krankenkasse würden selbstredend den Beitrag verbrauchskonform anpassen.

Was geht es den Staat oder überhaupt andere Leute an, was wir mit unserem Geld machen? Selbstverständlich nichts! Also ab in die Kneipe, ungesundes Essen und Getränke bestellt und mit Bargeld bezahlt. Man hat gesündigt und keiner wird je davon erfahren. Wenn sich für dieses schöne Gefühl ein bisschen Warten nicht lohnt – wofür denn dann?

 

 

Du böser, böser Souvlaki-Finger!

Diese, unsere Welt hat schon viele schlimme Dinge gesehen und gehört. Kriege, Massaker, religiös verbrämten Wahnsinn, verheerende Wirbelstürme. Doch nun ist die Schmerzgrenze überschritten. An heiligen Sonntag saßen wir vor dem Fernsehgerät und haben das denkbar Übelste erlebt: den Souvlaki-Finger!

Da hat also der supercoole Athener Finanzrocker Yanis Varoufakis in einem Youtube-Video im Jahr 2013 über Deutschland geredet und dabei mutmaßlich den Stinkefinger nach oben gestreckt. Ganz so, also wollte er in griechischer Manier zwei Fleischbrocken darüber schieben. Zu besichtigen war das Ganze in der Talkshow von Günther Jauch.

Varoufakis dementierte sofort. Er behauptete, das Video sei gefälscht, weshalb nun nicht nur der Macher des Filmchens, ein gewisser Alessandro del Prete, beleidigt ist. Zusätzlich lässt es die Redaktion des Talkmasters Jauch von gewieften Video-Forensikern sezieren. Das Ziel: Schnellstmöglich soll die ganze Wahrheit ans Licht.

Bei dieser Gelegenheit sollte aber auch gleich geklärt werden, ob der ausgestreckte Mittelfinger in Griechenland tatsächlich als dramatische Beleidigung gilt. Die Verletzungsgrade durch Gesten und Worte sind ja regional sehr unterschiedlich.

Ein Beispiel: Sagt ein Grieche Kolotripida, heißt das Arschloch und ist böse gemeint. In meiner fränkischen Heimat kann Arschloch, oder besser Oorschluuch, bei entsprechendem Kontext und Sanftheit der Stimme eine Liebkosung sein. Der nach oben gestreckte Daumen wird in Deutschland, den USA und bei Facebook als “sehr gut” verstanden. In Russland und im Mittleren Osten  ist er eine Aufforderung zum Sex, in Griechenland gilt er als Beschimpfung. Wer sich an die Stirn tippt, zeigt bei uns den Vogel, in Rumänien jedoch seine Bewunderung für eine gute Idee.

Nehmen wir aber mal an, dass der ominöse Mittelfinger eine global Wüstheit darstellt: Dann wäre immerhin noch zu berücksichtigen, dass der griechische Finanzminister heute für eine (dementierte) Geste aus einem früheren Leben an den Pranger gestellt wird. Die Schwere jeder Tat verblasst jedoch mit der Zeit. Außerdem: Hat nicht ein Politiker namens Peer Steinbrück im Wahlkampf den Mittelfinger ausgestreckt?

Dieser wiederum war deutscher Finanzminister. Und könnte ein Grieche unserer Tage auf diesem Planeten überhaupt ein größeres Vorbild als einen Träger dieses hohen Amtes haben?

Hinzu kommt, dass der Grieche im Sonntags-Talk wie gewohnt behandelt wurde, nämlich herablassend. Er möge doch nicht so viele Interviews geben, sondern seine Hausaufgaben machen, lautete der Auftrag des bayerischen Amtskollegen Markus Söder. Und der als politischer Journalist wie immer überforderte Günther Jauch attestierte Varoufakis am Ende des Gesprächs höchst generös: “Sie haben sich tapfer geschlagen.”

Mal ganz ehrlich: Wenn da ein Finger zuckt – könnte man es nicht verstehen?

 

 

Seien wir faul. Zeit verschwenden wir sowieso

Wer kennt nicht dieses Gefühl? Man hat von seinem Grundrecht auf Faulheit Gebrauch gemacht – und plagt sich nun mit seinem schlechten Gewissen herum. Hätte man nicht in der Zeit des Nichtstuns etwas tun müssen? Darf Stillstand sein? Gerne würde man aus vollem Herzen “Ja” sagen. Aber ein bisschen Magengrummeln bleibt eben doch.

Dabei kommt es oft noch schlimmer: Unser Dasein ist prallvoll mit erzwungenen Pausen. Das hat gerade der ADAC ermittelt. Nach seiner Darstellung gab es auf Deutschlands Autobahnen im vergangenen Jahr 475.00o Staus mit einer Gesamtlänge von 960.000 Kilometern. Dies sei, so der Automobilclub, ein neuer Rekord. Das Volk sei in Staus ziemlich gealtert. Die Autobahn-Stillstände hätten nämlich 285.000 Stunden gedauert. Dies seien umgerechnet mehr als 32 Jahre.

Zwar hat sich der ADAC zuletzt nicht durch ein seriöses Auswerten von Daten hervorgetan. Aber in diesem Fall glauben wir gerne, dass es immer schlimmer wird. Mehr Staus sind logisch in einer Zeit, in der schon die einfachsten Produkte im Onlinehandel bestellt und wieder zurückgeschickt werden. Irgendeiner muss die ganzen Sachen ja fahren.

Zwangspausen gehören dazu. Wenn wir davon ausgehen, dass der durchschnittliche Mensch etwa ein Fünftel seines Arbeitslebens mit dem Warten auf den Feierabend verbringt, gehen auf dem Weg bis zur Rente zirka sieben Jahre. Eltern pubertierender Mädchen vergeuden viel Lebenszeit damit, auf den Einlass ins Bad zu warten.

Aber tun wir nicht so, als würden wir mit unserer Zeit streng haushalten. So haben in den guten Zeiten von “Wetten, dass…?” zirka zehn Millionen Fernsehzuschauer pro Jahr rund 250 Millionen Stunden Lebenszeit vergeudet. Das sind 10,4 Millionen Tage und 28.520 Jahre. Und wenn wir an die Fußballfans denken, die dank Bezahlsender an sieben Tagen pro Woche im Schnitt um die drei Stunden ihres Lieblingssports sehen, wird uns endgültig schwummrig. Die öffentlich-rechtlich ausgestrahlten Spiele kommen schließlich noch dazu. Würden Männer diese Zeit zum Arbeiten verwenden, die Rente mit 42 wäre möglich.

Doch das ist nicht der Punkt. Vielmehr lernen wir gerade, dass wir kein schlechtes Gewissen haben müssen. Zeit verschwenden wir sowieso. Seien wir also faul – und fühlen wir uns richtig gut dabei. (Der Verfasser wechselt hiermit auf’s Sofa.)

 

Wir werden angefüttert – analog und digital

Es soll immer noch Leute geben, die an das Gute im Kapitalismus glauben. Die meinen, dass unsere versammelten Weltmarktführer und sonstigen Großunternehmen vor allem das Wohl der Menschen im Auge haben. Welch ein Irrtum!

Jüngster Beweis: Aldi hat die Preise für Pommes frites, Kroketten und Zucker dramatisch gesenkt. Der Discounter setzt damit einen Trend, dem sich, nach allem was wir wissen, die anderen Händler anschließen werden.

Ausgerechnet Pommes! Ausgerechnet Zucker! Diese Preissenkungen bedeuten doch nichts anderes, als dass die Lebensmittelhändler die Zeit des Abnehmens für beendet erklären. Man will uns anfüttern für die beginnende Vorweihnachtszeit. Wir sollen uns mit billigen Kohlehydraten zudröhnen, wir sollen Lust auf Süßes bekommen, sollen bereit sein für Kroketten, Nuss  und Mandelkern.

Derart auf Kalorienzufuhr konditioniert werden wir an Gewicht zulegen – um dann nach den Festtagen wieder in eine der zahllosen Diät-Programme einzusteigen.

Jede Wette: Aldi und Co. werden uns ab Februar mit stark verbilligten Sportklamotten überraschen. Vielleicht stellen sie selbst Fatburner in Dosen ins Regal. Oder sie bekommen Erfolgsprämien von Apotheken und halbseidenen Eiweiß-Versendern.

Womit wir bei Jaron Lanier wären. Der Web-Pionier und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels prangert die Auswüchse in der digitalen Welt an. Insbesondere kritisiert er, dass die großen Internetkonzerne schamlos Geld mit Daten verdienen, die ihnen eigentlich nicht gehören. Indem sie unsere Bedürfnisse ausforschen und dieses Wissen an Verkäufer aller Art weitergeben.

Ja, empören wir uns ruhig über die üblen Machenschaften der Googles und Facebooks. Denken wir aber auch daran: Verarsche funktioniert nicht nur über Algorithmen. Sondern auch über Essbares, das in Pappkartons in Blechregale gestellt ist.

Was bleibt, ist eine ewige Wahrheit. Die Händler dieser Welt, ob analog oder digital, wollen immer unser Bestes: unser Geld.

Wenn Messi und Ronaldo sterben

Es ist diese Zeit der müden Augen. Du sitzt weit nach Mitternacht vor dem Fernseher und schaust Fußballern in Brasilien bei der Arbeit zu. Um nicht einzuschlafen, liest du nebenbei die Twitter-Meldungen zur Weltmeisterschaft. Die meisten sind lustig – aber plötzlich ist alles ganz anders.

Mit einem Tweet, der dich irgendwie erreicht hat, wurden Bilder verschickt. Du siehst junge Männer in Fußballtrikots. Ronaldo ist zu lesen, Ibrahimovic, Messi, Müller…

Aber diese jungen Männer jubeln nicht. Sie liegen neben vielen anderen mit dem Kopf nach unten im Staub. Und warten darauf, erschossen zu werden. Über ihnen stehen Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien, die Gewehre im Anschlag. Weitere Bilder zeigen das Mündungsfeuer.

Es ist so traurig und so absurd. Du siehst Menschen, die während dieser WM-Tage die gleichen Interessen haben wie du, die vielleicht diesselben Stars gut finden. Die, wie du auch, ohne große Sorgen ein gutes Leben führen wollen. Aber die eben zur falschen Zeit am völlig falschen Platz gewesen und deshalb Mördern in die Hände gefallen sind.

Sicher, es gibt die Hoffnung, dass diese Massenexekution so nicht stattgefunden hat, dass es nur eine Propaganda-Aktion der Islamisten war, mit der Angst und Schrecken verbreitet werden sollen. Trotzdem: Wenn ich nach diesem Tweet den Fußballern zugeschaut habe, schossen mir diese Bilder immer wieder durch den Kopf.

 

 

 

Ob Mick Jagger oder Frosch: Die Kraft liegt in der Zunge

Woher nur nehmen sie die Kraft? Wenn es um die Rolling Stones geht, taucht diese Frage unweigerlich auf. Jenseits der 70 sind diese Männer, haben Frauen und andere Drogen in enormen Mengen genossen – und springen trotzdem vergnügt und agil über die Bühne. Wie geht das?

Vielleicht ist es ja das provozierende Symbol dieser Band, die herausgestreckte, knallrote Zunge. Unser Geschmacksorgan wird gemeinhin unterschätzt. Sicher, es entscheidet maßgeblich darüber, ob uns ein Essen schmeckt oder nicht. In der Inkarnation Pressack bereitet sie Nahrungs-Traditionalisten sowieso größte Freuden. Sie macht unser Leben aber manchmal auch schwerer. Etwa dann, wenn sie Raucher/-innen für Nichtraucher unküssbar macht.

Nicht so bewusst ist uns, dass es sich bei Zungen von Fall zu Fall um hoch wirksame Präzisionwerkzeuge zum Zwecke der Jagd handelt. Anders als 99 Prozent der zurzeit in Brasilien eingesetzten Fußballer gelingt es Tieren, auch das kleinste Beutetier exakt zu treffen.

Und zwar mit enormer Kraft. Forscher der Universität Kiel haben gerade ermittelt, dass der südamerikanische Schmuckhornfrosch mit seiner Zunge das bis zu 3,4-fache seines Körpergewichts zu sich heranziehen kann. Was ungefähr so wäre, als würde Manuel Neuer einen 300 Kilogramm schweren Ball aus der Luft pflücken. Im Schnitt meisterten die Frösche das 1,45-fache ihres Körpergewichts.

Überraschend für die Wissenschaftler war, dass die beim Angriff eingesetzte Menge an Schleim nicht entscheidend für den Jagderfolg war. Das allerdings unterscheidet den Schmuckhorn-Frosch von einem beachtlichen Teil der Menschheit.

Wir lernen daraus: Wer weniger schleimt, hat am Ende mehr Kraft. Halten wir es also mit Mick Jagger und leben nach der Devise: Zunge raus! Auch wenn du älter wirst.

Wie der Frosch seinen Job erledigt, sieht man hier: YouTube Preview Image

 

Amazon, Igelchen und Papst: Mein Best-of-2013

Eingeweihte wissen es: Ich bin nicht Günther Jauch. Deshalb bringe ich meinen Jahresrückblick nicht schon vor dem ersten Advent, sondern nach Neujahr. Welches also waren meine meist gelesenen Blog-Einträge in 2013?

Die größte Resonanz hat dee Botschaft “Nieder mit Amazon! Hoch auf Aldi!” gefunden.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2013/03/12/nieder-mit-amazon-ein-hoch-auf-aldi/

Kleine Anmerkung: Ich rufe nicht zum Boykott von Amazon auf. Meine Gewerkschaft ver.di hat schon viel für die ausgebeuteten Mitarbeiter/-innen dieses Unternehmens erreicht. Und die Konditionen werden zusehends besser. Wie bei der Ostpolitik. Annäherung durch Wandel.

Und wer war das Igelchen?

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2013/01/24/das-igelchen-beweist-print-wirkt/

Bis heute wissen wir nicht, welcher Ehemann sich per Zeitungsanzeige bei seiner Ehefrau für einen Fehltritt entschuldigt hat. Print wirkt. Klicktechnisch war’s Platz zwei.

Man kann auch über’s Wetter schreiben – und den dritten Platz ernten.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2013/02/21/lass-die-sonne-wieder-scheinen/

Jedenfalls war im Februar die Sonne weg. So wie auch im November, Dezember…

Zumal der Eintrag “Hilfe, der Frühling hat Burnout”, einen Monat später geschrieben, viertmeistgelesener Eintrag geworden ist,

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2013/03/23/hilfe-der-fruhling-hat-burnout/

Und: Ich hasse den Begriff “Schlecker-Frauen”. Noch mehr aber die Parole vom Zeitungssterben. Platz fünf

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2013/01/15/schlecker-frauen-mein-unwort-ist-zeitungssterben/

Und hier – unkommentiert, also zur freien Beurteilung – die Plätze sechs bis zehn:

6. http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2013/04/12/wenn-bei-haarausfall-der-porsche-hilft/

7. http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2013/02/17/wenn-uns-der-himmel-auf-den-kopf-fallt/

8. http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2013/02/28/9701/

9. http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2013/04/05/der-tod-lauert-in-der-badewanne/

10. http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2013/03/15/messi-nasenbar-und-neuer-papst/

 

 

 

 

 

 

Der Akku ist dem Mensch sein Blinddarm

Treue Begleiter. Welcher Mensch bräuchte sie nicht? Und, oh Glück, es gibt sie. Wir nennen sie kurz Akkus. Sie sind immer in unserer Nähe, sie sichern uns den Strom für all unsere globalen kommunikativen Verrichtungen. Ohne sie geht nichts. In Worten: Nichts.

Hätte ich nicht das mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium besucht, hätte ich den Akkumulator wahrscheinlich für eine Dinosaurier-Art gehalten. Einen mit dünnen Beinen, großenFüßen, spitzem Kopf und Fleischfresser-Gebiss. Bei uns aber gehörten diese handlichen Stromspeicher, nach meiner Erinnerung, zum Lehrplan der zehnten oder elften Klasse. Ich wusste um ihre Existenz und um ihren Sinn. Mir war bewusst, dass es sich um eine wiederaufladbare Ausführungsform galvanischer Zellen handeln würde. Allerdings hatte ich nur selten mit solchen Geräten zu tun. Für meine damals favorisierte Medien-Hardware bevorzugte ich herkömmtliche Batterien. Wie etwa für den Grundig-Radiocassettenrecorder für das Sommerpicknick am Baggersee.

Heute sind diese meist viereckigen schwarzen Dinger in ihrer Inkarnation Ladegerät (also mit Schnur) zum Suchtobjekt geworden. Denn die Lebenserfahrung des modernen Menschen lehrt: Immer dann, wenn man ein Smartphone, ein Tablet oder einen Laptop besonders dringend braucht, ist der Akku leer oder leert sich unerwartet schnell. Der Akku ist unser Diener, bestimmt aber auch über unser Dasein. Er ist sozusagen ein externes Organ, unser virtueller Blinddarm.

Bloß, warum helfen uns Apple. Samsung und andere Geräteproduzenten nicht wirklich? Warum gibt es noch keine Geräte für erneuerbare Energien? Warum gibt es Taschenrechner mit Solarzellen, aber keine Handys, die man aufladen kann, indem man es in den Wind oder in die Meeresbrandung hält?  Warum wird kein Laptop verkauft, den man nur zehn Minuten in die Sonne legen muss, damit er wieder vor Kraft strotzt?

Ist doch klar: Die Hersteller wollen Geld verdienen. Mit Zubehör geht das. Deshalb achten sie auch strikt darauf, dass ihre Akkus nicht für Geräte anderer Firmen verwendet werden. Der Stecker ist mal kleiner, mal größer, mal rund, mal eckig. Hauptsache, man braucht zum Handy für 29 € einen gleich teuren Akku.

Es liegt auf der Hand, dass das so nicht sein müsste. Aber das ist das Wesen unserer Wirtschaft. So lange sich Konsumenten verarschen lassen, wird auch mit sinnlosen Produkten Kasse gemacht. Tja, Akku, bei dieser Sachlage müsste ich dich zur Strafe auf der Stelle entsorgen. Aber keine Sorge. Ich kann nicht ohne Dich. Und ein paar Milliarden andere Menschen auch nicht.

Der 1000. Hirndübel – und nix passiert

Es ist ein Drama. Da schreibe ich alle paar Tage so vor mich hin – und übersehe beinahe mein famoses Jubiläum: Dieses ist mein 1000. Hirndübel-Beitrag.

Gelegentlich habe ich an dieses Ereignis gedacht. Und hatte durchaus meine Pläne. Ich dachte an eine W-Lan-Party, bei der ich Blogpost Nummer Tausend gemeinsam mit wenigstens 20 Mitautoren/-innen schreiben wollte. Eine Facebook-Party mit Polizeihubschrauber und verbeamteten Schäferhunden war in der Überlegung. Auch ein virtueller Tod mit anschließender Wiederkehr in einer neuen Inkarnation erschien reizvoll. Zumindest wollte ich über ein ganz besonderes Thema schreiben.

Und jetzt? Ich sitze da, und habe nichts Spezielles auf der Pfanne. Mein Blog fügt sich somit nahtlos ein in meine sonstige Lebenserfahrung. Zum Beispiel hatte ich gedacht, dass der 50. Geburtstag ein ganz besonderes Ereignis wäre. Tatsächlich gehst du am Abend davor ins Bett, um beim Aufwachen festzustellen, dass du dich kein bisschen anders fühlst.

Jawohl, mein Hirndübel-Jubiläum habe ich verkackt. Wobei ich noch die Hoffnung habe, dass es vielleicht eine islamische, chinesische oder vodookultische Zählweise gibt, die einen neuen, baldigen Anlauf möglich macht. Die andere Option, die zehn unbeliebtesten Beiträge zu löschen, um in zwei, drei Wochen strahlend zur Jubiläumsfeier einzuladen, habe ich aus Gründen der Authentizität verworfen.

Lieber ehrliche Verzweiflung als verlogene Freude. Dann verlege ich das Spezial-Event eben auf Beitrag Nr. 1111. Im Jahr 2014, ungefähr um diese Zeit, müsste es soweit sein. Bitte erinnert mich dran. Vorschläge sind willkommen.