Archiv der Kategorie ‘Standard’

Mai 16th, 2012

Wenn sich große Denker täuschen…

Sie geben uns Orientierung, Halt und weisen uns den Weg zu einem besseren Dasein. Allerdings: Manchmal geben die großen Dichter und Denker lebensferne Tipps. Etwa diesen: “Lerne loszulassen, denn das ist der Schlüssel zum Glück.” Mehr kluge Sprüche gibt’s im Video…

Mai 10th, 2012

Pendelwesen retten keine Planeten

Es hilft uns alles nichts: Der Mensch ist ein Pendelwesen. Und deshalb sollten wir uns auf das Schlimmste gefasst machen. Wir werden diesen Planeten nicht retten. Eher schon er sich vor uns. Weil es so kommen muss.

Die Sache mit dem Pendeln steckt nicht nur in unseren Genen, sie wird uns auch von zirka 832 Lebensberatungs-Lexika vorgegeben. “Lassen Sie doch mal die Seele baumeln”, steht da geschrieben. Eine Verheißung ist dieses Bild keineswegs. Wer Schiffschaukeln kennt, weiß auch, dass es einem beim Baumeln ganz schön schlecht werden kann. Oder die Seele baumelt zu arg, die Verbindung zur Verankerung reißt, und sie fällt in ein Loch. Das nennt man dann Burnout, depressives Belastungssyndrom oder noch schlimmer.

Man kennt es auch im Beruf. Schicke Unternehmensberaterinnen in schwarzen Kostümchen geben unseren Chefs allerfeinste Tipps, wie diese ihre Mitarbeiter/-innen mit ein paar Freundlichkeiten und einer Prise Angst zu Höchstleistungen treiben. Da gehen dann einige Gruppen in Klausur und schreiben eine knallharte Agenda mit dem Titel “Kundenglück Zwanzichzwanzich”.

Anschließend laufen alle Beschäftigten breit lächelnd und mit feurigem Blick durch die Gegend. Allerdings nur maximal acht Wochen. Die Beraterin ist über alle Berge, der letzte Hochmotivierte ist weitere 14 Tage später wieder “eingenordet”. Alles ist wie zuvor. Die Belegschaft ist zurückgependelt.

Warum sollte das mit der Energiewende anders sein? Vielleicht hat sich ja jemand als Konsequenz aus Fukushima eine sparsame Gefriertruhe gekauft. Vielleicht lässt jemand öfter das Auto stehen, weil er aus Prinzip nie für mehr als 20 Euro tankt, und deshalb nicht mehr so weit kommt. Aber die große Masse ändert ihre Gewohnheiten nicht. Oder pendelt zurück, sobald der Schrecken überstanden ist.

Letztlich wird nichts anders. Wir sind süchtig nach Energie. Und das wissen auch unsere Kanzlerin, ihr Umweltminister sowie die vielen offenen und verdeckten Atomlobbyisten. Vielleicht ein halbes Jahr noch – und dann geht es rein in die Talkshows. Weil dem Volk erklärt werden muss, dass man trotz Kernkraft gut die Seele baumeln lassen kann. Werden wir’s glauben?

Mai 7th, 2012

Der Präsident bremst an der Dänen-Ampel

Die Wahlen sind gelaufen. Jetzt ist die Stuner, um die Ergebnisse sorgfältig in den Gremien zu analysieren. Da mach’ ich doch mal mit.

Vor allem ist mir Sonntagabend aufgefallen, wie provinziell wir denken. Oder wie wenig internationales Hirn uns die seriösen Medien zutrauen. Entgegen aller Bekundungen, dass Europa für unser Schicksal entscheidend sei, wurden wir fast ausschließlich mit Schleswig-Holstein befasst. Sicher, man darf ein Bundesland mit 2,8 Millionen Einwohnern nicht vernachlässigen. Aber muss tatsächlich bei jeder noch so nebensächlichen Regionalwahl die komplette Demoskopie-, Wählerwanderungsanalyse-, Elefantenrunden- und Talk-Show-Maschinerie in Gang gesetzt werden?

Ich kann zwar gut über den Begriff “Dänen-Ampel” schmunzeln, aber es ist es mir reichlich egal, wie viele Krabbenfischer zu den Piraten übergelaufen sind. Und dass der “Genosse Trend” nicht stramm marschiert, sondern eher mit dem Rollator herumschlurft, sollte der SPD inzwischen auch ohne Kieler Ergebnisse klar sein.

Da ist die Wahl in Frankreich doch erheblich schicksalshafter. Immerhin haben einige Atomraketen den Besitzer gewechselt. Ex-Präsidenten-Gattin Carla Bruni hat gerade dies an ihrem Nicolas très sexy gefunden. Der sitzt nun, seines Phallus’ beraubt, beschäftigungslos auf dem Sofa. Meine Prognose: Von dieser Ehe werden wir noch einiges hören und lesen.

Tja, und dann Griechenland. Dieser Staat ist für Europa von der Einwohnerzahl ungefähr so bedeutend wie Schleswig-Holstein für Deutschland. Das dortige Wahlergebnis sollten wir uns aber ganz genau anschauen. Offensichtlich wird der politische Kurs, der die einen kaputt macht, während sich andere im Glanz ihrer Exporterfolge sonnen, nicht mehr akzeptiert.

Erschreckend viele Griechen haben radikalen Politikern Vertrauen geschenkt. So haben Revolutionen oder sogar Bürgerkriege begonnen. Alsdenn: Diese Wut sollte uns viel mehr interessieren, als die Frage, ob ein norddeutscher Landtag künftig in Jamaika liegt.

Mai 2nd, 2012

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt

Manchmal wäre ich gerne altmodisch. Es würde mir gefallen, wenn ich zur Maikundgebung nur deshalb gehen würde, weil ich das als Lebensritual so gewohnt bin. Es würde mir gefallen, wenn ich sicher sein könnte, dass es Fahnen, Transparente, Parolen und Reden eigentlich nicht mehr braucht. Weil für die Menschen alles gut geregelt ist. Dummerweise stimmt das nicht.

Ich denke da an die Situation junger Menschen. Bei uns, mehr aber noch in anderen EU-Staaten. Da gibt es gerade eine Generation mit äußerst mäßigen Zukunftsaussichten. Manchmal kommt es mir so vor, als hätten unsere Weltkonzerne das “alte Europa” abgeschrieben. Da gibt es noch eine Generation, die anständig Geld verdient hat und verdient. Die darf ihren Erben über die Runden helfen. Die wahren Zukunftsmärkte sind aber woanders.

Zur heutigen Lage fällt mir Karl Marx ein. Er hat geschrieben, dass der Ochse dem Bauern keineswegs seine Arbeitskraft verkauft, sondern dass der Ochse dem Bauern ganz gehört. Und so hätten es viele Chefs gerne mit ihren jungen Beschäftigten. Nicht nur, dass die modernen Kommunikationsmittel eine ständige Erreichbarkeit nach Feierabend ermöglichen. Man macht sich die Menschen auch durch Befristungen gefügig.

Fragt man einen Chef, warum er feste Jobs nicht gleich vergibt, wird er vielleicht sagen, dass das üblich und letztlich doch gar nicht so schlimm sei. Oder er wird sagen, dass es gut sei, gerade junge Menschen durch eine Befristung zusätzlich zu motivieren.

Tatsächlich aber will er eine größere Macht über seine Nachwuchskraft. Und wenn diese erst einmal zum Gehorsam erzogen ist, wird sie später nicht mehr aufmucken. Der Mitarbeiter ist gut, wenn er zum Ochsen geworden ist.

Mich widert das an. Aber es zeigt auch, dass niemand darauf warten sollte, dass Fairness quasi von oben herunterregnet. Wer alleine keine Macht hat, muss gemeinsam auftreten. Also ist klar, wo ich am 1. Mai 2013 sein werde. Auf der Straße. Schön wär’s, wenn es dabei nur um Rituale ginge.

April 30th, 2012

Der letzte Tango in Vietnam

Das elende Internet-Chaos um uns herum schreit danach, dass wir Struktur in unseren Alltag bringen. Wir brauchen aber auch Ideen, die unser Dasein bereichern und aufregender machen. Und die gibt esin Form der Gedenk- und Aktionstage dieser Welt.

Ich habe gerade wieder einen verpasst. Gestern war der Welttanztag. Was für ein verlogenes Datum! Da siehst du im Fernsehen, wie irgendwelche Promis rhythmisch, biegsam und geschmeidig werden. Sie haben nicht mal eine wesentlich besser Figur als du selbst, mutieren aber innerhalb weniger Wochen vom tapsigen Zirkusbären zum annähernden Turniertänzer. Während du dir bereits im Kurs für fortgeschrittene Anfänger einen mittleren Knoten in die Füße tanzt.

Du suchst das Glück – und bekommst das Leid. Und so sind ritualisierte Balzrituale wie Tango, Samba und Rumba ganz so wie das sonstige Leben. Ob man das als Freizeitvergnügen braucht, ist die große Frage.

Aber ab heute wird alles anders. Ich werde sehen, was anliegt. Und kräftig mitfeiern. Zum Beispiel beim heutigen Nationalfeiertag der Niederlande. Finde ich gut, denn ein Land das uns Rudi Carrell und Sylvie van der Vaart geschenkt hat, kann nicht so ganz schlecht sein. Außerdem ist Walpurgiusnacht. Also ein Event für wilde Hexen, dass schwer nach wilder Orgie, aber auch nach einem bösem Ende für die daran beteiligten Männer klingt.

Und dann ist dieser 30. April der “Tag der Vereinigung”. Allerdings nur in Vietnam. Ist mir recht. Sollen sie doch dort Tango tanzen.

Ich gehe morgen zum “Tag der Arbeit”. Denn mit sowas kenne ich mich aus…

April 25th, 2012

Lärm als störend wird empfunden…

Flugzeuge, Lastwagen, Rasenmäher, Kinder, Tiere: Lärm ist überall. Und weil dieses Problem alle angeht, ist es auch ein internationales Thema. Am 25. April sind die Menschen weltweit naufgerufen, darüber nachzudenken, wie Krach vermieden werden kann. Und nicht nur dieses.

Am “International Noise Awareness Day” gibt es allerdings ein unlösbares Problem: Jeder empfindet Lärm anders. Während junge Eltern bei ihren herumtobenden Kleinen an die bayerische Verfassung denken, wonach Kinder „das köstlichste Gut eines Volkes“ sind, ist der Nachbar dem Wahnsinn nahe. Der wiederum meint, der Gemeinschaft zu dienen, wenn er mit dem Laubbläser Ordnung schafft. Während zwei Stockwerke höher ein verzweifelter Migränepatient mit dem Kopf gegen die Wände rennt.

Manche Menschen erleben, wie bei Technoklängen die Glückshormone sprudeln, während sie Volksmusik als üblen Lärm empfinden. Der eigene bellende Hund stört Herrschen oder Frauchen gar nicht, während der liebestolle Frosch im Gartenteich des Nachbarn Mordgelüste weckt.

Mit dem Lärm ist es also so, wie immer im Leben: Es kommt darauf an.

So diffus geht es dem gesamten 25. April. An diesem Tag wird an vieles und wird vielem gedacht. Es ist auch der Weltmalariatag und der Tag des Baumes. Auf den Faröern feiern sie den Flaggentag, während Italien den „Tag der Befreiung“ (Ist Berlusconi schon so lange weg?) begeht. In Australien, Neuseeland und Tonga erinnert man sich am „Anzac Day“ an den ersten Einsatz von Soldaten dieser Staaten im Ersten Weltkrieg.

Und schließlich ist der 25. April seit 2006 der Tag der Eltern-Kind-Entfremdung. Womit wir wieder beim Tag gegen den Lärm wären. Bietet doch ein intaktes Verhältnis von Groß und Klein die Aussicht auf weniger Geschrei. Die Anti-Krach-Devise lautet also „Seid nett zueinander“. Selbst wenn der Nachbar Rasen mäht…

April 10th, 2012

Wer motzt, muss draußen bleiben!

Wer hat Angst vor’m alten Mann? Die Regierung Israels ganz öffensichtlich. So zumindest lässt sich das gegen Günter Grass verhängte Einreiseverbot am ehesten erklären. Es ist ein absurdes Ereignis in einer Affäre, die für manche zum Skandal wurde.

Ich habe die heftige Diskussion über den von Günter Grass verfassten Text vom Ausland aus mit einigem Erstaunen verfolgt. Überraschend war für mich, dass in Deutschland ein Dichterwort überhaupt eine derartige Aufregung auslösen kann. Es ist ja selten geworden, dass Schriftsteller in politischen Fragen beachtet werden.

Auch ich finde, dass dieses Gedicht nicht klug formuliert ist. Israel kann Iran gar nicht “auslöschen”, umgekehrt ist das wegen der geringen Fläche des Landes denkbar. Mir kommt vor allem zu wenig zur Geltung, dass der Text die derzeitige Regierung Israels attackieren soll. Diese hat reichlich Kritiker im eigenen Land. Es gibt eben nicht “das Israel”. Genauso wenig, wie es “den Iran” gibt.

Doch Günter Grass ist weder Politiker noch Diplomat. Ein Dichter muss sich nicht staatstragend, sorgsam ausgewogen oder mehrheitsfähig äußern. Er soll auch provozieren, um eine Debatte anzustoßen. Dass er das mit einem relativ müden Text tut, dem er mit dem Hinweis “mit letzter Tinte” den Rang eines Vermächtnisses gibt, wirkt aber schon sehr um Aufmerksamkeit bemüht.

Das Einreiseverbot kann ich nicht verstehen. Was hätten die Regierungen dieser Welt zu tun, wenn sie jeden Menschen zwangsweise fernhalten wollten, durch den sie sich zu Unrecht kritisiert oder beleidigt fühlen? Eine Demokratie muss das ertragen.

Gut, dass das auch respektable Persönlichkeiten in Israel so sehen. Unter unseren Politikern war bisher nur der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, anderer Meinung. Israel entscheide selber, “wer willkommen ist und wer nicht”, lautete seine Stellungnahme. Aber Mißfelder kennen wir ja. Er wurde unter anderem dadurch bekannt, dass er Kritik aus den Reihen der Union an Plagiator zu Guttenberg “unanständig” nannte. Auf ihn muss niemand hören – auch wenn er noch nicht alt ist.

April 5th, 2012

Die virtuelle Servicewüste lebt

Eine der ganz großen Verheißungen des Internets ist jene des immerwährenden Vernetztseins und des ununterbrochenen Bescheidwissens. Hol Dir, was du brauchst. Erzähle anderen, was dir einfällt. Immer dann, wenn du es willst.
Wer so redet, hat noch nie Urlaub gemacht. Natürlich, Ferien sollten prinzipiell als Gelegenheit zum virtuellen Heilfasten genutzt werden. Aber ein bisschen direkten Draht zur Heimat zu haben, ist ja auch schön. Und dass das problemlos geht, wissen wir aus der Fernsehwerbung. Von jungen Menschen, die so schön sind, dass man es nie wagen würde, bei einem Verbindungsproblem um Rat und Hilfe zu fragen. Glücklich tanzen sie zu einem Top-Hit aus den Singlecharts – weil das Leben so einfach ist.
Es gibt aber auch eine raue Wirklichkeit, nämlich die Handy-Shops dieser Welt. Einen solchen habe ich gerade in Italien betreten. Nach fünf Minuten Wartezeit habe ich mich gefragt, wie andere Menschen (Kunden) so dumm sein können, dass sie nicht einmal ein Telefon bedienen können. Nach 20 Minuten Wartezeit habe ich überlegt, was in aller Welt so schwer daran sein kann, ein internetfähiges Gerät zu kaufen. Wo es doch nur 18 verschiedene Flatrates gibt. Nach 30 Minuten ging mir durch den Kopf, ob sich dieses Geschäft überhaupt jemals lohnen kann, wenn einem Umsatz von 29 € eine Stunde Beratungszeit gegenübersteht.
Aber das geht. Dann nämlich, wenn man schlecht bezahltes und mies ausgebildetes Personal beschäftigt, das eigentlich nur verkaufen kann. Tja, und ich bin auch an jemand geraten, der, vermute ich, vorher im Shopping-TV Teppiche verkauft hat. Blendende Rhetorik, aber nichts dahinter. Nachdem mein Easy-Internet-Safety-Plug-In-Sim-Card-Flatrate-Stick nicht funktioniert hat, habe ich ihm meinen Laptop vor die Nase gehalten und gefragt, ob er mir helfen könnte. Die Antwort war schlicht und strikt: “No!”
Mir sind da die beiden Menschen eingefallen, die für diesen deutschen Internetprovider mit den niedrigen Ziffern arbeiten. Laut ihrer Werbung ist Qualität alles und ist ausschließlich das Glück des Kunden das Ziel des unternehmerischen Handelns. Mir hat allerdings gerade jemand erzählt, wie er versucht, den 24-Stunden-Vor-Ort-Klick-und-Surf-Service zu nutzen. Seit fünf Wochen. Ohne Erfolg.
Fazit: Die Servicewüste lebt. Sie ist eine globale. Vielleicht sollte man für das Surfen im Urlaub tatsächlich nur ein Brett benutzen.

März 26th, 2012

Das Saarland wird abgeschafft

Als Angehöriger einer im eigenen Bundesland unterdrückten Minderheit, den Franken, sollte man ich mit Schmähungen von Randgruppen zurückhalten. Aber ich kann es nicht anders schreiben: Seit gestern lehne ich das Wort “Saarland” in allen Schreibweisen und Darstellungsformen ab. Es war einfach zu viel.

800.000 Menschen leben in diesem “Bundesland”. Das ist hierzulande das Format einer Großstadt, das würde aber zum Beispiel in Istanbul nur für einen weniger bedeutenden Stadtteil reichen. Trotzdem: Im Fernsehen gab es Sonntagabend stundenlang Prognosen, Hochrechnungen, Interviews, Analysen, Kommentare und eine Elefantenrunde.

Kurzum, es wurde das seit Jahrzehnten erprobte komplette Repertoire für Landtagswahlen abgespielt. Endlos lange wurde geredet, um den Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass diese bessere Kommunalwahl irgendeine Bedeutung für Deutschland, Europa und die Welt hätte.

Aber das ist falsch. Vom Saarland wissen wir doch bloß, dass es deswegen mal Ärger mit den Franzosen gegeben hat, dass Erich Honecker dort geboren wurde und dass die Leute einen eigenwilligen Dialekt sprechen. Wir wissen, dass der alte Oskar Lafontaine dort immer noch Politik macht, dass die Landesmutter einen Doppelnamen hat, der in kein Überschrift passt und dass die FDP dort nur wenige Stimmen mehr bekommt als die NPD. Ansonsten kommt dieses Land nicht mal in der Zweiten Fußball-Bundesliga vor. Als Ort für umwälzende Ereignisse ist es somit völlig überschätzt.

Und noch etwas wissen wir: Aus Saarbrücken kommt Deutschlands schlechtester “Tatort”. Aus Franken dagegen gar keiner. Lasst uns zeigen, dass wir es besser können. Das Saarland wird abgeschafft. Dann werdet Ihr schon sehen.

März 22nd, 2012

Benzinwucher: Wir wollen Rache!

Haben Sie es auch schon bemerkt? Man geht auf die Straße. Da, plötzlich, hört man diesen leisen Ruf, der überall durch die Lüfte weht: “Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen.” Und ausgesendet wird er von jenen Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind.

Eine neue Studie hat also ergeben, dass die Mineralölkonzerne die Krisen dieser Welt zum Wucher nutzen. Bei fairer Berechnung könnten nur 60 Prozent der aktuellen Verteuerung begründet werden. Ja, aber was glauben wir denn? Haben wir jemals etwas anderes vermutet? Es ist nicht das vorrangige Ziel kapitalistischer Unternehmen, den Menschen Gutes zu tun. Sondern es geht darum, mit möglichst geringem Aufwand einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen.

Und wir senden ja selbst Signale aus, dass wir das hinnehmen. An der Tankstelle, indem wir den billigeren Pflanzenfusel ignorieren. Aber ganz grundsätzlich auch dadurch, dass wir uns in eine Schlange stellen, um ein Apple-Produkt im Wert von 200 € für 500 € kaufen zu dürfen. Das signalisiert: Es ist immer noch genug Geld da, um es zu verprassen. Die Ölgeier glauben das nur zu gerne. Zumal sie ein ziemlich konkurrenzloses Produkt haben.

Wie also reagieren?  Blockieren wir Tankstellen-Zufahrten mit Lichterketten? Besuchen wir die Tankstellen mit einem Fahrradkorso und stoppen den Betrieb, indem wir eine lange Schlange am Luftmessgerät bilden? Stellen wir die Tiger eines Wanderzirkus vor die Tür und fordern frisches E10-Futter?

Reagieren wir darauf, dass die Tankstellen sechs Mal pro Tag den Preis verändern und bleiben demonstrativ so lange an der Zapfsäule stehen, bis der beste Preis angezeigt wird? Ketten wir uns so lange an die Zapfsäulen, bis die Polizei mit Bolzenschneidern kommt?

Alles ist möglich, alles rettet uns nicht wirklich aus unserer Not. Am Ende hilft uns wohl nur das Beispiel der antiken Heldin Lysistrate. Sie hatte eine Sex-Verweigerung der Frauen organisiert. Verabreden also auch wir uns zum Liebesstreik. Solange Wucher herrscht, wird nichts mehr eingeführt. Und wenn es, wie in unserem Fall, die Zapfpistole ist…

März 11th, 2012

Die Energiewende als Kreisel

Das ist es nun also: Ein Jahr Fukushima. Deutschland ist auf dem Weg zur atomkraftfreien Republik. Weil unsere Bundeskanzlerin und Physikerin damals so entschieden und aus vollster Überzeugung gehandelt hat. Aber war das wirklich so?

Heute loben viele Menschen Angela Merkel für ihren Mut, die Kernkraft zu beerdigen. Zu oft wird dabei vergessen, dass sie mit ihrer Energiewende nichts Neues hat beschließen lassen. Den Atomausstieg gab es schon vor ihrer Amtszeit. Die Kanzlerin hat nur den Mut zum Zurückrudern bewiesen. Sie hat zuerst mit den Kernkraft-Lobbyisten gekuschelt, um ihnen dann abrupt die kalte Schulter zu zeigen. Die Bezeichnung “Energiedrehung” träfe ihre Politik also besser.

Ungewöhnliche Dinge sind damals passiert. Ein Regierungssprecher trug einen blauen Schutzanzug wie aus einem Godzilla-Film. Die Fernseh-Nachrichtensendungen wurden um das “Japan-Wetter” verlängert. Damit auch die Deutschen wussten, ob wegen der jeweiligen Windrichtung Großstadtmenschen, Reisplantagen oder Pottwale besonders strahlungsgefährdet waren. Hätte es Atomausstieg II ohne Fukushima gegeben, hätte möglicherweise Schriftstellerin Charlotte Roche ein Problem gehabt. Sie hatte  Christian Wulff kostenlosen Sex angeboten, falls sich dieser dem Gesetz zur Laufzeitverlängerung verweigern würde. Eine gefährliche Offerte, wie man angesichts der Vorliebe des Ex-Bundespräsidenten für Geschenktes aus heutiger Sicht weiß.

Zwei Anti-Atom-Aspekte wirken erstaunlich: Obwohl der japnische Super-Gau inzwischen ein Jahr zurückliegt, hat sich an der breiten Ablehnung der Atomenergie in Deutschland nichts verändert. Erstaunlich in einer Zeit, in der sich die Themen beziehungsweise Empörungen ansonsten sehr rasch verändern.

Erstaunlich ist aber auch, dass so wenig passiert, um das atomkraftfreie Leben wirklich zu ermöglichen. Zuletzt hat die Regierung das Umsteigen auf erneuerbare Energien eher erschwert. Die Stromkonzerne wollen ihre Aktionäre befriedigen und rufen nach dem Klimafeind Kohle. Kann es also sein, dass irgendwann wieder gerudert wird? Dass die Energiedrehung zum Energiekreisel wird? Dann wird es uns noch richtig schwindlig. Auch ohne Strahlung.

März 6th, 2012

Wie endet Putin? Wie Stoiber oder wie Rasputin?

Ach, Wladmir! Da gibt es so viele Menschen auf dieser Welt, die so gerne gewählt werden möchten.  Du, Putin, zeigst ihnen, wie es richtig geht. Mache ein Land zu deinem Besitz. Mache den Menschen klar, dass das genau und nur so richtig ist. Und sie werden dir folgen.

Ein klein bisschen erinnerst Du uns EU-Europäer an den großen Demokraten Silvio Berlusconi. Auch er war nach außen nie von Selbstzweifeln geplagt. Auch er war körperlich klein, aber in seiner komprimierten Form ein ganzer Kerl. Die schönsten Frauen lagen ihm (und seinem Geldbeutel) zu Füßen.

Der letzte lupenreine Demokrat, der bei uns ein annäherndes Ergebnis wie Du geschafft hat, hieß Edmund Stoiber. Und deshalb sei vorsichtig. Beim weißen Ritter von Wolfratshausen mündete die Zwei-Drittel-Mehrheit in eine absolutistisch-durchgeknallte Phase. Bis sich eine rothaarige Hexe aus dem Fränkischen daran machte, dessen wilden Treiben einen Rücktrittsfluch entgegenzusetzen. Das Ende ist bekannt: Stoiber kämpft jetzt in Brüssel gegen die Demokratie und muss in Passau reden, wenn in Berlin ein Bundespräsident zurückgetreten ist.

Und denke daran, Wladimir, es gab schon einen, der deinen Namen in seinem Namen trug.  Rasputin, Grigori Jefimowitsch, ein Wanderprediger und Geistheiler, dem breiten Publikum auch als “Lover of the Russian Queen” bekannt. Nicht zuletzt dank der immensen Kraft seiner Lenden erarbeitete er sich am Hof der Zarin einen enormen Einfluss. Im Laufe des Ersten Weltkriegs wurde er aber  zum Sündenbock für die militärische Schwäche des großen russischen Reiches. Am 17. Dezember 1916 wurde Rasputin unter Führung von engen Verwandten von Zar Nikolaus II. ermordet.

Darum, merke, Wladmir. Alle Macht ist endlich. Pass auf, sonst endest Du wie Edmund Stoiber. Im besseren Fall.

Februar 9th, 2012

Sture Münchner? Dürer hängt auch in Hamburg

So hängt unser Albrecht mitten in Hamburg.

So hängt unser Albrecht mitten in Hamburg.

Haben Sie’s gewusst? Im Jahr 2011 wurde das im holländischen Eindhoven beheimatete, millionenteure Picasso-Gemälde “Buste de Femme” in einer Ausstellung in Ramallah präsentiert Also in Palästina, einem Land ohne gewählte Regierung, ohne gesicherten Frieden, mit großer Hitze und reichlich Staub.
Warum ich das schreibe? Weil die Idee, eines der berühmtesten Dürer-Gemälde in Nürnberg auszustellen, auf scheinbar unüberwindliche Hindernisse trifft. Weil man uns Franken nicht zutraut, das Werk unseres großen Landsmannes anständig zu behandeln.
Liebe Münchner, vielleicht könnt Ihr es akzeptieren, dass Ihr es nicht mit hochkultur-fernen Südsee-Insulanern zu tun habt. Dürers Bild heißt nicht “Selbstbildnis im Bastrock”, sondern “im Pelzrock”. Hinter diesem Titel darf Wohlstand vermutet werden.

 

Es gab nämlich eine Zeit, in der Nürnberg erheblich bedeutender war, als Eure “Weltstadt mit Herz”. München war nicht wichtig genug, um es mit Stadtmauern und Burg vor bösen Feinden zu schützen. Deshalb ist die bayerische Landeshauptstadt bis heute eher eine Ansammlung von Dörfern, in denen die Wohnungsmieten alerdings irreal überhöht sind.

Wir Nürnberger verwenden seit jeher in unserer Bratwurst das edle Gewürz Majoran. Während Ihr in Eurer Weißwurst gerade mal ein bisschen Petersilie unterbringt. Bei uns fuhr die erste Eisenbahn im Jahr 1835, während bei Euch die erste Straßenbahn 1876 in Betriebs genommen wurde. Als Pferdebahn, deren vierbeinige Lokomotiven nach Feierabend im Englischen Garten, den Jagdgründen der Wittelsbacher, grasen durften.

Womit wir bei den Wittelsbachen wären. Die Landesstiftung der ehemaligen bayerischen Könige ist die Eigentümerin des Dürer-Selbstbildnisses. Dass sie durch einen Betrüger und Fälscher in den Besitz des Werkes kam, passt ins Bild. Wissen wir doch, dass der Adel durch schamlose Raffsucht zu dem wurde, was er war. Und je schamloser und raffsüchtiger, desto höher wurde der Adel, der sich fortan Hochadel nannte.

Die “Süddeutsche Zeitung” nun hat den fränkischen Bürgern und ihren Politikern empfohlen, den sinnlosen Streit um den Pelzrock-Dürer aufzugeben und diesen stattdessen in der Alten Pinakothek in München zu besichtigen. Dazu sagen wir: Beutekunst bunkern und dann auch noch Geld von Tagestouristen kassieren? Nix, da bleibt Euch der Schnabel trocken.

Wir fahren nach Hamburg. Denn dort, genauer am Haus Neuer Pferdemarkt 21, hängt unser Albrecht auch. Leicht verrückt wirkt das Dürer-Bildnis an dieser Stelle schon. Aber das passt, schließlich beherbergt das Gebäude eine Handelsfirma für Hanfzüchterbedarf.

Und da sagen wir Franken: Lieber ein hanseatischer Kiffer, als ein oberbayerischer Schnupftabak-Grantler. Hamburg, wir kommen!

Januar 20th, 2012

Guttenbergs Brief: Bis Ende 2013 gescheitert

“Vorerst gescheitert” lautet der Titel des Buches mit dem Männergespräch zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Seit heute wissen wir, dass das Scheitern bis Ende 2013 anhalten wird. Der ehemalige Politik-Star hat den CSU-Mitgliedern einen entsprechenden Brief geschrieben. Hier ist er. Sprachanalytiker, Graphologen und sonstige Kommentatoren bitte vortreten…

Dezember 31st, 2011

Die Sterne wissen: Ich werde 2012 viel Zeitung lesen

Wir alle wissen, dass die größte aller bisher bekannten Wirtschaftskrisen für 2012 (nach 2009, 2010 und 2011) beschlossene Sache ist. Mir ist das egal. Denn es steht fest, dass ich in diesem Jahr Spaß und Freude haben werde.

Merkur ist nämlich an meiner Seite. Sagt die Astrowoche. Uns so werde ich beruflichen Erfolg wie nie zuvor haben. Da werde eine tolle Stelle frei, dort gebe es ein prima Geschäft. Ich sollte allerdings, so die Sternendeuter, nicht zu gierig werden. Sonst könnte ich eine enttäuschung erleben. Woraus wir lernen: Es ist nicht nur so, dass in jeder Krise eine Chance steckt. Genauso steckt in jeder Chance eine Krise.

Zu allem Überfluss betritt Anfang April Liebesplanet Venus mein Sternzeichen. Das soll mir traumhafte Stunden der Zweisamkeit bescheren. Allerdings nur bis Juli. Logisch, denn im Laufe des Juni beginnt die Fußball-EM. Vielleicht werde, so das Horoskop, jemand von früher wieder in mein Leben treten. Das muss nicht unbedingt sein, liebe Venus.

Auch gesundheitlich soll bei mir dank Merkur alles in Butter sein. Ich müsste also regelmäßig Energie tanken. Das klingt nach einem ganz bestimmten Schokoriegel, was dramatisch gegen meinen guten Vorsatz spricht, im neuen Jahr 5,7 Kilogramm abzunehmen. Ich frag mal Pluto, wie ich diesen Konflikt lösen kann.

Aber das ist ja auch egal, schließlich sind Horoskope eh nur inhaltsleeres Gebrabbel. Dachte ich auch. Bis ich auf www.kostenlos-horoskop.de mein “50plus-Horoskop gelesen habe. “Das tägliche Zeitunglesen ist ein Muss”, steht da wie in Stein gemeißelt. Und das stimmt tatsächlich. Na denn…