Archiv der Kategorie ‘Standard’

März 31st, 2014

Ein Gürteltier, das kein Arsch ist

Ach, es hätte so gut gepasst. Der übermächtige Welt-Fußballverband Fifa als übergroßér Trottel. Weil nämlich das Maskottchen der Weltmeisterschaft “Fuleco” genannt wurde. Und dieses Wort bedeute in Brasilien umgangssprachlich “Arsch”. Welcher Fehltritt!

Reden wir nicht davon, dass Fifa-Maskottchen meistens beschissen ausschauen, Man erinnere sich nur an den völlig verkorksten Zottel-”Goleo”, der 2006 für die WM in Deutschland geworben hat. Diesmal handelt es sich um ein Gürteltier in den brasilianischen Landesfarben, das wie ein Gummi-Schwimmtier vom Discounter erinnert. Bestimmt kein Fan-Produkt, das man sich freiwillig in die Wohnung holen würde.

Aber der Name? Dass es sich um eine Umschreibung für “Anus” handeln soll, meldete in Deutschland zuerst die “Welt”. Ein renommiertes, glaubwürdiges Blatt also. Und so machte die vermeintliche Enthüllung schnell worldwidewebweit die Runde. Witze wie “Leckt’s mich am Fuleco”, “Fuleco auf Eimer” oder “Fifa zieht Fuleco-Karte” wurden getwittert,

Inzwischen hat sich das Blatt gewendet, zugunsten der Fifa. Diese wollte ein Kunstwort aus Kurzformen von Fußball und Ökologie bilden. Weil die Brasilien-WM so umweltfreundlich sein wird. Das ist zwar vermutlich gelogen, immerhin hört man von Säuberungen von Kriminalitätsnestern. Aber das Wort “Fuleco” ist in Brasilien tatsächlich unbekannt. Es bedeutet nichts.

Fazit: Das Maskottchen sieht blöd aus, ist aber kein Arsch, Die Fifa als solche auch nicht. Aber ganz weg ist das Thema nicht, Es soll ja Freunde des Fußball-Weltverbandes geben, die noch nie einen Sklaven in Katar gesehen haben. Und was kommt raus, wenn man am Becken herumbaut? Unter Umständen ein A….

Aber das ist jetzt ein anderer Kontinent.

PS.: Wie sagt man in Brasilien zum Arsch. Laut www.leo.org “Bunda”. Ich geb’s so wieder. Mit aller Vorsicht.

 

März 17th, 2014

Wählen kann auch sexy sein

Absolute Mehrheit für die Nichtwähler! Nach der Kommunalwahl herrschte nicht nur bei uns in Nürnberg unter Politikern und politisch Interessierten totales Unverständnis, wieder einmal. Woher in aller Welt komme diese Wurstigkeit? Was erlaube Wahlvolk?

Wundern kann man sich schon. Das bayerische Kommunalwahlrecht ist Demokratie pur. Man ist an keine Partei gebunden. Man kann einzelne Kandidaten favorisieren oder streichen. Ganz wie man will. Bei uns hatten die Menschen 70 Stimmen zum persönlichen Jonglieren. Das Jammern, dass man ganz und gar den Vorgaben der Parteien ausgeliefert sei, passt hier nicht. Trotzdem lag die Wahlbeteiligung nur bei 44 Prozent.

Wundern muss man sich nicht. Eine hohe Wahlbeteiligung entsteht durch Spannung. Wenn kontroverse Themen fehlen, wenn sich die Stadtbewohnern wohlfühlen, anstatt zu diskutieren, fehlt das Gefühl, dass man als Nichtwähler etwas verpassen könnte. Wenn dann auch noch Sofawetter herrscht, panaschiert man eben lieber mit Kaffee, Chips und Bienenstich.

Wundern muss man sich nicht. Denn wir sind gar nicht so interessiert daran, was vor unserer Haustüre passiert. Wenn der Schnee zuverlässig von der Straße geräumt wird, ist schon viel errreicht. Wir schimpfen über Hundekot, Ratten, Tauben, Müll auf den Straßen, Spielsalons und benzingetriebene Laubbläser. Für die wirklich großen Probleme fehlt uns die Zeit. E läuft ja Bundesliga.

Freuen darf man sich doch. Ein aus Afrika stammendes Ehepaar wählt, frisch eingebürgert, zum ersten Mal. Mit Stolz und strahlenden Gesichtern. Wählen kann also sexy sein. Man muss es nur zu schätzen wissen.

Februar 28th, 2014

Die Verklärung des schwachen Mandats

Nur wenige menschliche Eigenschaften kann ich überhaupt nicht ertragen. Eine davon ist das Verklären niederer Beweggründe, das Vortäuschen höherer Ziele. Wie das geht, beweisen wieder einmal die großen politischen Parteien.

Gerade hat das Bundesverfassungsgericht das Europaparlament für barrierefrei erklärt. Die bisher gültige Drei-Prozent-Hürde ist abgeschafft. Sicher, ich glaube auch nicht, dass es dem Ansehen unseres Landes gut tun würde, wenn die Partei Bibeltreuer Christen, die esoterisch verklärten Violetten oder gar die NPD in diese Volksvertretung einziehen sollten. Aber was aus diesem Thema gemacht wird…

Das Abschaffen der Mindesquote werde, so ließen die großen Parteien verlauten, der Vertretung Deutschlands in der EU schwer schaden. Es werde der ungeheuerliche Zustand eintreten, dass Abgeordnete ziellos umhervagabundierten, weil es für sie kein passendes Sammelbecken gebe.

Fraktionlose in Europa! Welch’Schwächung, in einem Gebilde, von dem ich alle paar Jahr höre, dass es demnächst, aber wirklich demnächst, sämtliche Rechte von Parlamenten bekommen werde. Wo aber, wie bei meinen Abnehm-Versuchen, dem Morgen immer wieder der nächste Tag folgt, ohne dass sich groß etwas geändert hätte.

Warum können diese Großsprecher nicht einfach sagen, dass ihnen dieses Urteil nicht passt? Und zwar deshalb, weil es ein paar Sitze von Pateifreunden kosten wird. Was Macht und Einfluss verringert, aber auch das Versorgen von anderweitig gescheiterten oder abgehalfterten Parteifreunden unsicher macht.

Stattdessen malt man das Bild von schädlichen Spinnern und tut so, als ob man selber keinesfalls auch nur einen seltsamen Vogel in den eigenen Reihen hätte.

Nein, wir loben das Gericht. Schön, wenn jede Stimme gleich viel zählt. Und den großen Parteien sei gesagt: Macht gute Politik. Das sichert eure Jobs am besten.

 

Februar 9th, 2014

“Fuck EU”? Was sind wir doch sensibel…

Ach, wie sind wir doch sensibel. Da rutscht einer US-amerikanischen Diplomatin mit dem internet-verdächtigen Namen “Nuland” der Satz “Fuck the EU!” heraus. Und wir hadern, schimpfen, sind empört. Unsere ansonsten schweigsame Kanzlerin Angela Merkel bewertet die Aussage als “völlig inakzeptabel”. Was soll denn das?

Die Zeiten haben sich doch geändert. Es ist kein Skandal mehr, ein Wort wie “Fuck” auszusprechen. Auch der Mittelfinger sitzt heutzutage locker. Worte wie “geil” oder “schwul”, die man noch in den frühen 80-er Jahren schamesrot geflüstert hätte, sind alltäglich geworden. Man darf derb sein, denn Emotionen sind gefragt.

Außerdem: Wer sagt uns denn, dass der Preisboxer Vitali Klitschko die Ukraine einen kann? Wir in Deutschland haben ihn als einen der Unseren einverleibt. Wahrscheinlich, weil er weder Rumäne noch Bulgare ist. Klitschko ist sowieso der erste Revolutionär mit einer eigenen Kolumne in der Bild-Zeitung. Macht ihn das glaubwürdiger?

Doch lassen wir das. Die Ukrainer werden schon wissen, wem sie vertrauen. Der ominöse Fuck-Satz wiederum wird wohl kaum nur von einer US-Diplomatin ausgesprochen worden sein. Man wird ihn in den jeweiligen Landessprachen auch schon auf Straßen und Plätzen in Griechenland, Spanien und Portugal gehört haben. Also Schwamm drüber. Den Ukrainern wünschen wir gute Entscheidungen, Was “Fuck Klitschko” auf Russisch heißt, wollen wir  gar nicht wissen…

 

Januar 26th, 2014

Kampf-Frauen braucht es wirklich nicht

Es gibt so einen seltsamen Aspekt in unserem Leben: Erwarte das Unerwartete, aber errege dich über das Naheliegende. So geht es mir angesichts der neuen Meldungen über die Bundeswehr. Frauen seien dort – speziell in den Kampftruppen – nicht gerne gesehen, heißt es. Die Studie wird veröffentlicht, und ein Seufzen hebt an. Wie könne es auch heute noch geschlossene Männergesellschaften geben? Ich meine: Es ist nicht notwendig, Frauen zum Töten auszubilden und einzusetzen. Wir sollten uns das sparen.

Wer ehemaligen Soldaten zuhört, wird leicht erkennen, wie wichtig das vermeintlich Männliche für das Funktionieren einer Armee ist. Kaum einer wird davon erzählen, wie toll es war, an einem Nachmittag zehn blutrünstige Taliban erschossen zu haben. Die Legenden des schönen Soldatseins drehen sich um das, was man in diesem Umfeld als “Kameradschaft” versteht. Also zum Beispiel um das kollektive Komasaufen im Bierkeller der Kaserne. Wer zum Töten (was in der Kriegslogik liegt, weil er ansonsten selbst erschossen wird) rausfährt, möchte nicht in die Verlegenheit kommen, der Kollegin die Luke zum Panzer aufhalten zu müssen.

Genau in diese Richtung gehen aber die Verlautbarungen unserer “Flinten-Uschi” (Quelle: heute-show). Die Bundeswehr solle einer der modernsten Arbeitgeber werden. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf solle gefördert werden. Gut, es kann ja sein, dass ein Cyber-Soldat, der per Joystick Drohnen über den Jemen lenkt, unsere Demokratie lieber in Teilzeit verteidigt. Weil er auch mal bei den Kindern sein will. Gleiches gilt für die Vorschriftenverwalter in den Stäben. Aber ansonsten ist der Soldatenberuf dem Wesen nach familienfeindlich. Oder ist es wirklich so gedacht, dass Papa seine Zwillinge auf dem Weg zur Front in der Montessori-Kinderkrippe “Afghanenzwerge” abgibt?

Ich halte das für reine PR für einen Beruf, den keiner mehr machen will. Viel wichtiger wäre es, dass die Politik dafür sorgt, dass Soldaten nach Kampfeinsätzen ins normale Leben zurückkehren können. Zum Beispiel durch eine sichere Zusage für geeignete Jobs nach dem Ende der Dienstzeit. Der Attraktivität der Bundeswehr würde es helfen.

Ja, und was ist mit den Soldatinnen? Da bin ich komplett von gestern. Rein evolutionstechnisch sehe ich Frauen als Wesen, die Leben schenken. Und nicht nehmen. Gleichberechtigung an der Waffe? Das braucht es wirklich nicht. Weniger Soldaten überhaupt – das wäre das richtige Ziel.

 

 

 

 

Januar 21st, 2014

Die Flucht vor den Gelben Engeln

Es ist immer tragisch, wenn Institutionen bröckeln. Jetzt also geschieht dies mit dem ADAC. Einem Verein, von dem ich schon als Kind wusste: Er ist zuverlässig und hilft den Menschen. Seine politischen Parolen mögen manchmal blöd sein. Aber ehrlich ist er.

Ich habe den ADAC tatsächlich als rettende Organisation erlebt. Vor allem denke ich an die Benzingutscheine. Sprit war in Italien schon in den 70-er Jahren ausgesprochen teuer. Der “Allgemeine Automobilclub” sorgte durch kräftige Rabatte dafür, dass die Überquerung der Großglockner-Hochalpenstraße nicht durch übermäßige Treibstoffkosten belastet wurde. Und wenn ein Mann seinen ersten Schutzbrief gekauft hatte, wusste man, dass Liebesbriefe fortan selten würden. Die Jugend war zu Ende. Man war Autofahrer geworden, der jeweils samstags die rollende Gefährtin einseifte, während die Gattin daheim den Boden schrubbte. Die “Gelben Engel” wiederum beeindruckten nicht durch wallende Gewänder oder Leuchtschwerter, sondern durch die besten Starthilfekabel der Welt.

In den 80-er Jahren wiederum bin ich – wirklich wahr – aus dem ADAC ausgetreten. Unter den damaligen Umständen ein ungeheurer Akt der Rebellion. Mich hatte die Haltung des Clubs zum Thema Tempolimit elendig genervt. Also habe ich nachgefragt, wo man denn in diesem Verein eine andere Meinung unterbringen könnte. Es gab keine Möglichkeit. Ich hätte wohl nur über einen Motorsportclub den Zugang zu den Entscheidern bekommen können. Ich habe für mich den Schnitt vollzogen. Das Röhren von Sportwagen wurde mir gleichgültig. Stattdessen lauschte ich den Gesängen der Buckelwale.

Im Ernst: Der ADAC ist schon lange kein Verein mehr, der in erster Linie den Menschen dient. Er ist ein astreines Wirtschaftsunternehmen, das sich wegen seines gemeinnützigen Status Vorteile gegenüber der Konkurrenz verschafft. Was nur geht, weil er wegen seiner enormen Zahl an Mitgliedern ein Machtfaktor ist, mit dem sich die Politik nicht anlegen möchte. Ein lausiger Arbeitgeber ist er – zumindest in einigen Regionen – obendrein. So hatte und hat das Arbeitsgericht Hannover reichlich Arbeit mit den Aktionen einer ziemlich durchgeknallten Gschäftsführung.

Aber wird der “Allgemeine Automobilclub” jetzt untergehen? Das sicher nicht. In der “Motorwelt” sind heute deutlich mehr Anzeigen für Treppenlifte als für Auto-Tuning abgedruckt. Das dazugehörige Publikum geht nicht so einfach. Alte Bäumre verpflanzt man nicht. Ein paar Tausend Leute werden gehen, doch das ist bei Groß-Institutionen normal. Den Kirchen geht es nicht anders. Somit ist alles gut: Engel sind ans Davonlaufen gewöhnt.

 

Dezember 24th, 2013

Gott liebt die Außenseiter

Frohlocket! Jauchzet! Uns ist ein Kind geboren! Wir freuen uns zu Recht. Allerdings ist auch festzuhalten, dass dieser Jesus von Nazareth einen ziemlich verqueren Lebenslauf hatte. Heutzutage hätte er nur schwerlich Karriere gemacht.

Es soll hier nicht darum gehen, dass der Messias für den Rest der Ewigkeit zur Rechten seines Vaters sitzen muss. Was ja durchaus ein Schicksal für sich sein kann. Beginnen wir am Anfang, bei der Geburt.

Jesus wird also als Nachkomme einer verheirateten(!) Jungfrau geboren. Diese muss ihrem offenbar  schüchternen Ehemann die Ankunft eines Kuckuckskindes beichten, welches allerdings ohne Sex gezeugt worden sei. Der Satz „Wer’s glaubt, wird selig“ muss bei dieser Gelegenheit entstanden sein.

Das Baby liegt schlummernd in seiner Krippe in einem Stall, als drei stinkreiche Handelsvertreter auftauchen. Sie überbringen feierlich Weihrauch und Myrrhe, was unter den gegebenen Umständen ähnlich sinnvoll erscheint, als würde man einem hungernden Säugling unserer Tage ein Smartphone ins Bettchen legen.

Gut, der Knabe wächst heran und erweist sich bald als ziemlich rebellisch. Er tobt gegen übertriebenen Konsum, proklamiert das Recht auf Faulheit sowie Nächsten- und gar Feindesliebe. Er verwandelt Wasser in Wein und sieht konsequent das Gute in jenen Menschen, die für die Anderen Abschaum sind

Und wie auch sonst im Leben schaut die Obrigkeit nicht endlos zu und bringt das störende Element um die Ecke. Am Ende allerdings war das Opfer der große Held.

Was lehrt uns das alles? Gott liebt die Außenseiter, die Kämpfer für Gerechtigkeit. Wenn Euch also Unrecht begegnet, schaut nicht weg. Sondern kneift die Pobacken zusammen, drückt das Kreuz durch und seht zu, dass Ihr etwas ändern könnt. So handelt Ihr im Auftrag des Herrn. Amen!

 

 

Dezember 21st, 2013

Die Krise beim Fliegen

Der beste Freund des Menschen ist…??? Natürlich, es ist nicht mehr der Hund. Es ist das Smartphone, unser  treuer Begleiter, der uns immer in Kontakt mit der Welt hält, der uns die Zeit vertreibt und uns zuverlässig mit nutzlosen Informationen versorgt. Falls nicht der Akku leer ist. Oder falls wir nicht abheben.

Tatsächlich, im Flugzeug ist alles anders. Hier verblasst die Flatrate zugunsten des Flugmodus. Viele Menschen sind in diesen Tagen über den Wolken unterwegs. Aber ist die Freiheit wirklich grenzenlos, wenn die Luftaufsichtsbaracke außer Sichtweite kommt? Wahrscheinlich  ist es genau andersrum. Falls Professor Dr. Tilmann Allert richtig liegt.

Der Frankfurter Soziologe hat gründlich über Flugreisen nachgedacht. Er kam zur Erkenntnis, dass es für den Menschen gar nicht so einfach ist, in einem Jet zu sitzen. Als Passagier habe dieser seine raumzeitliche Verortung verlassen. In seiner transitorischen Krise entwickle er unterschiedliche Strategien, um sich damit zu arrangieren, dass er zur Untätigkeit verdammt in einer Gruppe von wildfremden Leuten sitzen muss.

Wir kennen diese Airbus-Nebenleute (und uns selbst). Da gibt es die scheinbar Tiefenentspannten, die mit geschlossenen Augen ihren Tagträumen nachhängen. Da ist der meckernde Querulant.  Vielleicht noch schlimmer sind diejenigen, die ihre Zwangslage mit übertriebener Geschwätzigkeit. Die dir das Du anbieten, sobald nach dem Start das Anschnallzeichen ausgeschaltet wird.

Andere lassen ihren schlechten Manieren freien Lauf, pöbeln herum und saufen literweise  holländisches Industriebier anstatt Tomatensaft. Wieder andere kaufen auf ihrem Fernflug den Bordshop leer. Und schließlich gibt es, so unser Professor, die Gruppe, die wirklich Panik hat. Ihre Flugangast sieht er als Sehnsucht nach Verortung.

Es gibt aber noch einen Aspekt. Einen, der dieses Land noch massiv verändern könnte. Zum Wesen des Fliegens gehört, so Allert, “der scharfe Kontrast zwischen maximaler Überwindung von Raumgrenzen und dem Minimum an Eigenanstrengung. Kann es demnach sein, dass das böse Wort vom “anstrengungslosen Wohlstand” während eines transitorischen Tagtraumes entstanden ist? Wie wäre die Bundestagswahl ausgegangen, wenn Guido Westwelle nicht vielfliegender Außen-, sondern Justizminister gewesen wäre? Und wie viel weniger hätte die NSA über Angela Merkel erfahren, wenn sie neben Smartphones auch Hunde lieben würde?

Das Reisen in großer Höhe erscheint uns selbstverständlich. Und doch steckt es voller tiefgründiger Fragen. Wo, bitte, war nochmal der Notausgang?

 

November 26th, 2013

Große Koalition? Lasst es Liebe sein!

Mit Liebesheiraten ist es so eine Sache. Paare streifen sich die Ringe über, während sie hoch oben in der Gefühls-Stratosphäre schweben. Alles ist gut. Doch dann kommt der raue Alltag und das junge Glück landet beim Scheidungsanwalt. Ist es demnach vielleicht sogar gut, wenn sich Menschen aneinander binden, die sich gar nicht leiden können? Ist die Zweckehe überlegen? Ist die Große Koalition, anders als die als Traumehe gestartete schwarz-gelbe Beziehung, das Beste für dieses Land?

Fragen wir nach, was uns Paarbeziehungsexperten raten. Lehrsatz 1: “Was auch kommen mag. Ziehen Sie immer an einem Strang.” Vordergründig betrachtet, könnte man an dieser Stelle einen Schlussstrich ziehen. Denn wie sollte Schwarzen und Roten diese Übung gelingen? Jedoch, es ist möglich. Die Großkoalitionäre werden bestimmt an einem Strang ziehen. Wenn auch nur selten am selben Ende. Erfolgschance also 50:50

Beziehungs-Hinweis Nummer 2: “Sich ab und an zu streiten, gehört zum Lieben dazu. Aber vergessen Sie nie, dabei fair zu bleiben.” Die Prognose fällt leicht, dass unsere Spitzenpolitiker/-innen das mit dem gelegentlichen Zank sicher hinbekommen werden. Fair wird es nicht immer zugehen. Erfolgschance 50:50.

Dritter Tipp: “Verlernen Sie nicht, auch mal allein zu sein.” Dafür gibt es Parteitage, Regionalkonferenzen und Ortsvereinssitzungen. Klappt also zu 100:0 Prozent.

Vierter Tipp: “Die richtigen Worte, eine kleine Geste und Leidenschaft. Verlernen Sie nicht, sich zu überraschen.” Überraschungen wird es geben, manchmal sogar mit den richtigen Worten. Aber Angela Merkel und Leidenschaft? Sagen wir 30:70.

Fünfter Tipp: “Macken, Hobby, Eigenschaften: Tolerieren Sie weiterhin, was sie zu Beginn entzückend fanden.” Macken gibt es, wie die soziale Gerechtigkeit bei der SPD oder die Pkw-Maut bei der CSU. Allerdings hat noch niemand von der Gegenseite diese Geschichten als entzückend empfunden. Und: Alexander Dobrindt am Kabinettstisch ist für niemand tolerierbar. Erfolgschance 10:90.

Hinweis Nummer 6: “Zusammen lachen, Spaß haben, Blödsinn machen. Seien Sie manchmal unvernünftig.” Für gemeinsame Späße scheinen die Groß-Koalitionäre nicht geschaffen. Den Witz, den Andrea Nahles Horst Seehofer erzählen würde, gibt es nicht. Das gemeinsame Produzieren von Blödsinn auf der Basis unvernünftiger Beschlüsse sollte allerdings problemlos gelingen. 80:20 für die Große Koalition.

Und die siebte Kostbarkeit der Liebe: “Verlernen Sie nicht, den anderen jeden Tag aufs Neue für etwas zu bewundern.” Sicher ist, dass  erfolgreiche Politiker/-innen zuallererst und ausschließlich sich selbst bewundern. Es mag auch vorkommen, dass man am Todfeind reizvollere Eigenschaften erkennt als am Parteifreund. Aber bewundern geht kaum bis gar nicht. Erfolgschance 10:90.

Die Prognose für eine gelingende Partnerschaft liegt somit bei 330:370. Also bitte, quält uns nicht und verzichtet. Lasst es Liebe sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

November 10th, 2013

Wir Franken und die Suche nach Glück

Zwei Aspekte treiben jeden modernen Menschen um: Die Suche nach dem Glück und das so genannte Benchmarking. Wir wollen unseren Sorgen die lange Nase zeigen. Wir wollen aber auch wissen, wie wir im Vergleich mit anderen dastehen. So gesehen hat es uns Franken zuletzt böse erwischt. Laut einer wissenschaftlichen Studie sind wir die unglücklichsten Menschen in Westdeutschland.

Die Ossis der alten Bundesländer möchten wir nicht gerne sein. Aber so haben sie uns eben eingestuft, die Macher/-innen des “Glücksatlas 2013″. Tja, woran kann es liegen? Zunächst ist festzuhalten, dass die Daten für die Studie vor dem Beschluss für Markus Söders Heimatministerium gesammelt wurden. Der davon ausgehende Glücksschub sollte nicht unterschätzt werden. Der Umstand, dass Greuther Fürth mit einer tragischen Bilanz abgestiegen ist, kann ganz Franken nicht unglücklich machen. Ebenso wenig die ständige Krise beim 1. FC Nürnberg. Die kennt man.

Oder lag es daran, dass die Forscher/-innen aus Freiburg vor Ort recherchiert haben? Wer unsere Stimmung erkunden möchte, und sich zu diesem Zweck ohne schlüssige Begründung an einen mit einem Einheimischen besetzten Wirtschaftstisch setzt, wird keine Glückgefühle erspüren. Wer wiederum beim Biohändler die für uns typische Konsumenten-Frage “Gell, an Sellerie hamm Sie heid net?” hört, macht schnell den Haken im Kästchen “Volksgruppe hadert mit gesundem Essen”. Warum am Ende die Schleswig-Holsteiner als glücklichste Volksgruppe im deutschen Glücksatlas stehen, ist indes erklärbar. Die Einheimischen sind notorisch schweigsam und somit komplett undurchsichtig. Auskünfte haben lediglich Dänen auf Durchreise gegeben, ihres Zeichens Spitzenmenschen im Weltglücksverzeichnis.

Was aber helfen uns diese Erkenntnisse? Eigentlich nichts. Denn es gibt auch anderslautende bis verwirrende Erkenntnisse. Nach einer ganz frischen Untersuchung hat Franken – wenn auch dank der Innovationskraft in Erlangen – gute Zukunftschancen. Die Versorgung mit Prostituierten ist in Nürnberg auffällig hoch. Wir haben ja auch die Internationale Waffenmesse. Dramatisch verbessert, nämlich von Platz 19 auf 13, hat sich Nürnberg im europäischen Zoo-Ranking. Obwohl das Lieblingstier der Deutschen, der Elefant, bei uns nicht herumsteht. Im “Niveau-Ranking’” der unsäglichen Initiative Soziale Marktwirtschaft wiederum landet Nürnbergauf Platz 11 von 50.

Aufschlussreich auch das Städteranking der Zeitschrift “Wirtschaftswoche”. 94,7 Prozent der Befragten bewerteten dabei die öffentliche Sicherheit positiv. Wenn man nun noch sieht, dass im nationalen Faulheits-Ranking Nürnberg auf Platz 40 von 50 gelistet ist, kommen wir zu folgendem Fazit: Wir leben langweilig, aber wir arbeiten hart dafür.

Die Städter mit dem größten Drang zum Totschuften sind übrigens die Münchner. Da sagt der Franke “Das gönnen wir denen”, grinst zufrieden – und hat auf der Stelle einen Glückspunkt mehr. Man sieht, es geht doch.

 

 

November 2nd, 2013

Der 1000. Hirndübel – und nix passiert

Es ist ein Drama. Da schreibe ich alle paar Tage so vor mich hin – und übersehe beinahe mein famoses Jubiläum: Dieses ist mein 1000. Hirndübel-Beitrag.

Gelegentlich habe ich an dieses Ereignis gedacht. Und hatte durchaus meine Pläne. Ich dachte an eine W-Lan-Party, bei der ich Blogpost Nummer Tausend gemeinsam mit wenigstens 20 Mitautoren/-innen schreiben wollte. Eine Facebook-Party mit Polizeihubschrauber und verbeamteten Schäferhunden war in der Überlegung. Auch ein virtueller Tod mit anschließender Wiederkehr in einer neuen Inkarnation erschien reizvoll. Zumindest wollte ich über ein ganz besonderes Thema schreiben.

Und jetzt? Ich sitze da, und habe nichts Spezielles auf der Pfanne. Mein Blog fügt sich somit nahtlos ein in meine sonstige Lebenserfahrung. Zum Beispiel hatte ich gedacht, dass der 50. Geburtstag ein ganz besonderes Ereignis wäre. Tatsächlich gehst du am Abend davor ins Bett, um beim Aufwachen festzustellen, dass du dich kein bisschen anders fühlst.

Jawohl, mein Hirndübel-Jubiläum habe ich verkackt. Wobei ich noch die Hoffnung habe, dass es vielleicht eine islamische, chinesische oder vodookultische Zählweise gibt, die einen neuen, baldigen Anlauf möglich macht. Die andere Option, die zehn unbeliebtesten Beiträge zu löschen, um in zwei, drei Wochen strahlend zur Jubiläumsfeier einzuladen, habe ich aus Gründen der Authentizität verworfen.

Lieber ehrliche Verzweiflung als verlogene Freude. Dann verlege ich das Spezial-Event eben auf Beitrag Nr. 1111. Im Jahr 2014, ungefähr um diese Zeit, müsste es soweit sein. Bitte erinnert mich dran. Vorschläge sind willkommen.

 

Oktober 25th, 2013

Merkelgate? Die Leiden des NSA-Manns

Abhängig Beschäftigte wissen es: Nichts beschleunigt Veränderungen mehr, als wenn auch Chef oder Chefin betroffen sind. Somit können wir sicher davon ausgehen, dass nach dem Anzapfskandal um Angela Merkels Handy das Thema Datenschutz mit Macht auf die politische Agenda kommt. Bis hin zum Verbot von Smartphones – man denke an Fukushima – scheint derzeit alles möglich zu sein. Schließlich leben wir in einem Land, dem das Abhören befreundeter Mächte ganz und gar fremd ist. Das macht kein BND nicht, oder????

Aber hier geht es um etwas anderes, nämlich um Mitgefühl. Der NSA-Skandal sollte uns auch an jene Menschen denken lassen, die diesen dreckigen Job erledigen. Da wird also dieser kurzgeschorene Jüngling, den Sie bei den Marines wegen einer Bandscheibenverkrümmung aussortiert haben, an seinen neuen Arbeitsplatz geführt. Der Dschennerell ruft ihn und bellt: “Constable, are you ready to attack Germany?” “Sir, yes, sir, yes!” “Are you ready to späh out the migthiest women of this world?” “Sir, yes, sir, yes.” “So do it!” “Sir, yes, Sir, yes!”.

Und dann geht es los. Da hört dieser junge Mann 26 Mal pro Tag den Satz “Deutschland geht es gut”. Oder diesen: “Man kann sich nicht darauf verlassen, dass, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt, und wir müssen damit rechnen, dass sich das in verschiedenen Weisen wiederholen kann.” Oder: “Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben.” Oder: “Die Beschäftigung mit nicht vorrangigen Dingen darf aber kein Ersatz dafür sein, dass wir auf die eigentlich bedrängenden Fragen keine Antwort haben.” Oder: “Seehofer ist ein Arsch.”

Am Abend schließlich muss der kurzgeschorene Ex-Marine zum Chef. Er soll die aktuellen weltpolitischen Pläne Deutschlands erklären, aber er wird sich fühlen wie Maybritt Illner, Anne Will, Peter Klöppel und Stefan Raab zusammen. Auf die entscheidende Frage seines Chefs wird er sagen. “Sir, sorry, Sir. I don’t know. And who the fuck is Seehofer?”

Wie der BND soeben meldet, hat sich ein NSA-Mitarbeiter freiwillig für Guantanamo gemeldet. Als Häftling.

Oktober 23rd, 2013

Wo Respekt ein Fremdwort ist

Kennen Sie das? Respekt? Es ist ein Wesenszug, der unserer Gesellschaft mehr und mehr abhanden kommt. Besonders deutlich zeigt sich das in der Wirtschaft.
Wenn Angela Merkel die Hände vor den Kanzlerinnen-Nabel legt, spricht sie auch gerne von der sozialen Marktwirtschaft. Abhängig beschäftigte Menschen seien den Ausbeutern nicht hilflos ausgeliefert. Dies sei in vielen Jahrzehnten Demokratie erreicht worden.
Stimmt schon, bloß: Bei uns wird die Uhr zurückgedreht. Es war doch die Verheißung eines humanen Wirtschaftens, dass Arbeitnehmer/-innen keine Zukunftsangst haben müssten. Wer sich in seinem Betrieb etabliert hatte, konnte davon ausgehen, dass seine Treue geschätzt und er seinen „wohlverdienten Ruhestand“ mit einer auskömmlichen Rente verbringen konnte. Die Grundbotschaft lautete „Du bist Dein Geld wert“.
Da hat sich der Tonfall grundlegend geändert. Wer arbeitet, ist für viele Arbeitgeber in erster Linie ein Kostenfaktor, der minimiert beziehungsweise prekarisiert werden muss. Wer eine faire Bezahlung fordert, muss zumindest ein schlechtes Gewissen haben, weil er damit seine Firma ruinieren könnte. Die Botschaft 2013 lautet: „Du bist Dein Geld nicht wert. Jedenfalls nicht jetzt.“
Unter diesem Motto ist eine neue Währung entstanden, nämlich die Aussicht auf späteren Ruhm. Daran kann mit Gratis-Praktika bei öffentlichen Einrichtungen wie Kulturbüros oder bei namhaften Architekten gearbeitet werden. Oder auch mit freier Mitarbeit in der Medienbranche.
Ein gutes aktuelles Beispiel ist die gerade gestartete deutsche Ausgabe der „Huffington Post“. Diese Internet-Zeitung war in den USA entstanden, um George W. Bush und seinen konservativen Medienjüngern als Fackel der Freiheit Paroli zu bieten. Bei uns wird sie vom konservativen Burda-Verlag herausgebracht. Wobei dieser nicht die Welt verbessern, sondern möglichst schnell Geld verdienen möchte.
Das Geschäftsmodell funktioniert aus Verlagssicht so: Du gibst uns Deine Texte und Bilder gratis. Wir bekommen die Vermarktungsrechte. Falls es mit einem Text rechtliche Probleme gibt, musst Du das selber regeln. Als Gegenleistung versprechen wir, dass Dich so viele Menschen lesen werden, wie nie zuvor in Deinem Leben. Was Du schreibst, ist uns nicht so wichtig.
Ist das Respekt? Sicher nicht, denn dieser drückt sich auch dadurch aus, dass arbeitende Menschen an der Wertschöpfung ihrer Firma beteiligt werden.
Jedoch, dass das Gegenmodell funktioniert, liegt auch in unserer Natur. „Aus Angst, mit Wenigem auskommen zu müssen, läßt sich der Durchschnittsmensch zu Taten hinreißen, die seine Angst erst recht vermehren“, formulierte schon der griechische Philosoph Epikur. Womit wir auch lernen: Wer keine Achtung vor sich selbst hat, wer alles mitmacht, ist des Ausbeuters bester Freund. Wir brauchen Respekt!

Oktober 2nd, 2013

Klima wandelt sich, der Mensch nicht

„Klimawandel immer schlimmer“. So haben Schlagzeilen der vergangenen Tage gelautet. Wir haben erfahren, dass in hundert Jahren riesige Gebiete nicht mehr bewohnbar sein werden. Und dass auch wir in unserem schnuckeligen Landstrich damit rechnen müssen, dass uns zirka drei Mal im Jahr durch Regen und Sturm das Dach abgedeckt wird. Sofern unsere Häuser nicht umgeweht werden.
Und nun? Passiert was? Wird sich etwas ändern? Ich sage Nein. Denn wir sind bloß Menschen. Unsere Vorstellung von der Zukunft trügt, sie hängt auch stark von der allgemeinen Stimmung ab. Nach der Mondlandung 1968 war für uns klar, dass im Jahr 2000 die erste Mars-Kolonie Richtfest feiern und unsere Autos zehn Meter über dem Grund schweben würden. Als 1990 die Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen wurde, glaubten wir gerne Franz Beckenbauers Prognose, dass die wiedervereinigte deutsche Nationalelf auf viele Jahre hinaus unschlagbar sein würde.
Heute sind uns Visionen jedweder Art abhanden gekommen. Bundesumweltminister Peter Altmaier etwa ließ zu den neuesten Klima-Katastrophenberichten Folgendes verbreiten: “Das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, sei nur mit den richtigen Weichenstellungen zu erreichen.” Diese billige Sprechblase wird es bestimmt nicht in die Stratosphäre schaffen. Wir wissen, dass uns, spätestens aber unserer Nachfolge-Generation, kollektive Altersarmut drohen wird. Wir sehen, dass wir kein Vermögen aufbauen können, weil es keine Zinsen mehr gibt. Was sollen uns da ein paar Naturkatastrophen schrecken? Die Zukunft wird öde, wir kriegen Hartz Fünf bis Zehn. Aber das ist halt so. Sollen sich die Eisbären eben anstrengen, dass ihnen Kiemen wachsen.
Wir Menschen sind nicht für den Wandel gemacht. Wer von uns schafft es schon, Gewohnheiten ersatzlos aufzugeben? Es mag sich ja mancher Ex-Raucher die Zigaretten abgewöhnen. Aber er lutscht dann eben Bonbons und wird dick und dicker. Durch die Super-Wahnsinns-Spezial-Diät verlieren wir 30 Kilogramm. Um innerhalb von sechs Monaten 40 Kilogramm zuzunehmen. Wir sind Pendelwesen, die den Drang haben, nach einer Phase der Veränderung in die Ausgangsposition zurückzukehren.
Ist demnach alle Zukunftshoffnung dahin? Nicht unbedingt. Nehmen wir an, die Klimaforscher seien ähnlich kompetent wie die so genannten Wirtschaftsweisen. Hoch angesehene Professoren, die der Politik das Handeln diktieren, aber mit ihren Prognosen meistens falsch liegen. Dann kommt alles ganz anders und der Klimawandel macht aus dieser Erde ein Paradies für alle. Das ist die Vision. Ansonsten möchte man kein Kind sein.

September 27th, 2013

Wo ist Röslers Grab auf Facebook?

In diesen virtuellen Zeiten ist das der schlimmste Tod überhaupt. Der zurückgetretene FDP-Vorsitzende Philipp Rösler und sein Ex-Spitzenkandidat Rainer Brüderle sind auf Facebook verschwunden. Einfach weg. Sie hinterlassen eine kleine, aber umso ratlosere Fangemeinde.
Praktisch ist das Verschwinden der gewesenen Spitzenpolitiker leicht zu erklären. Man kann von keiner Partei-Mitarbeiterin und keinem –Mitarbeiter verlangen, dass sie/er noch das Hohelied der liberalen Großpolitiker singt. Diese Menschen sind frisch arbeitslos geworden. Die Suche nach einer Anschlussverwendung hat selbstverständlich Vorrang.
Das mysteriöse Ende der beiden Liberalen wirft aber auch ein Schlaglicht auf ein ganz anderes Problem: Diesem Internet fehlt die Bestattungskultur. Wer von unseren 2000 Twitter-Followern wer von unseren 1000 Facebook-Freunden erfährt es eigentlich, wenn wir das Zeitliche gesegnet haben? Der Betrieb läuft doch weiter. Und nicht wenige soziale Netzwerker kennen das Phänomen, dass die Zahl ihrer Freunde eher steigt, wenn sie einmal vier Wochen lang den Mund halten. Was wiederum erst recht als Lebenszeichen aufgefasst wird.
Die virtuelle Nachsorge ist bislang völlig vernachlässigt worden. Ein Problem, das auch unsere Geheimdienste umtreiben sollte. Wenn einer drei Jahre lang den Staat beschimpft hat, und dann plötzlich wie abgetaucht ist: Kann so einer einfach als tot abgehakt werden. Oder ist er nicht eher zum Schläfer geworden, der bei passender Gelegenheit umso härter zuschlägt?
Womit wir wieder bei Rösler und Brüderle angekommen sind. Ja, sie sind verschwunden. Aber wir alle wissen auch: Das Internet vergisst nichts. Facebook schon gar nicht. Was letztlich bedeutet, dass diese Geschichte noch nicht zu Ende ist. Muhammed Ali, Silvio Berlusconi, Terminator und Howard Carpendale. Sie alle haben famose Comebacks gefeiert. Heben wir uns also unsere Trauer noch ein bisschen auf.