VW-Affäre: Auch Herbie hat gestunken

Wer erinnert sich noch an Herbie? An diese sympathische Variante von „Das Auto“? Ein Volkswagen mit Startnummer 53, der seine Besitzer in Kinofilmen ab Ende der 60-er Jahre mit turbulenten Aktionen durch die Gegend kutschierte. Er bot autonomes Fahren mit Knuddelfaktor. Der Käfer war der Mops unter den Autos. Nicht sportlich, sondern ziemlich rund und nicht so wirklich praktisch. Aber treu, nett und lustig. Der ideale Begleiter für die Überquerung der Großglockner-Hochalpenstraße.

Bloß, mit einem solchen Modell war die Zukunft nicht zu gewinnen. Mit dem Golf ging es in die Richtung „nicht schön, aber praktisch“. Weniger Emotion, mehr Verstand, lautete die Devise. Und weil das zum Zeitgeist passte, wurde dieses Modell zur Gewinnmaschine. Das machte es möglich, dass man heute bei einem Autohändler, der früher bloß VW-Händler war, Fahrzeuge von acht Marken bekommst. Vom Kleinstwagen aus tschechischer Produktion, über die Ingolstädter Edel-Limousine bis hin zum Bugatti mit 1001 PS.

Aus diesem gewaltigen Rundum-Sortiment hat sich logisch der Anspruch ergeben, der größte und beste Autobauer der Welt zu sein. Derjenige, der zum Beispiel die von Staaten vorgegebenen Abgas-Grenzen am lockersten einhält.

Wir Konsumenten haben all das gerne geglaubt. Ein VW war Baldrian für’s Umwelt-Gewissen. Wir waren sicher, dass bei einem deutschen Qualitäts-Diesel-Auto schon wegen des geringen Verbrauchs hinten kaum was rauskommt. Stickstoffdioxid im Diesel-Abgas? Erhöhte Lungenkrebsrate entlang unserer Hauptverkehrsstraßen? Nie gehört. Mega-Smog in Peking? Kommt von den offenen Wok-Küchen ohne Dunstabzugshauben.

Verabschieden wird uns doch von unserer Illusion. Autos waren und sind nie so sauber, wie sie hochglanzpoliert auf der IAA stehen. Wirklichen Fortschritt wird es hier nur geben, wenn wir Konsumenten kritischer werden. Vergessen wir nicht: Auch Herbie hat gestunken.