Gib mir Sicherheit…

Wir brauchen Sicherheit, wenigstens ein kleines bisschen. Genauso wie das Zootier, das für regelmäßiges Fressen bereitwillig seine Wildheit einbüsst, akzteptieren auch wir seltsame Dinge, wenn uns denn nichts passiert. Zum Beispiel im Flugverkehr.

Nehmen wir einen durchschnittlichen Flug mit Chickenwings (Name von der Redaktion geändert). Hier wird der Passagier zunächst bewusst verunsichert. Er kommt mit einem Gepäckstück, welches nur unwesentlich größer ist als der Schminkkoffer einer in Würde gealterten Film-Diva. Weil er Flüssigkeiten mitführt, möchte unser Flugfreund sein Köfferchen aufgeben. 25 Euro würde der Transport kosten. Mehr, als es im Nebensaison-Sale gekostet hat. Keine Alternative also.

Fortgesetzt wird die Konditionierung des Fluggastes an der Sicherheitskontrolle. Auf Höhe des Schildes „Diskretion“ ist quer über den Boden eine gelbe Linie gezogen. Diese darf auf gar keinen Fall überschritten werden. Sonst folgt, so unsere Befürchtung, wie beim olympischen Dreisprung die Disqualifikation durch Ungültigmachung der Bordkarte. Vor allem ältere Ehepaare diskutieren Verstöße schonungslos.

Dann die Sicherheitskontrolle: Man hat also noch Shampoo. Bis zu 100 Milliliter sind erlaubt, sofern sie „sicher“ in einer mit einem Reißverschluss versehenen – und bestimmt explosionssicheren – Plastiktasche verpackt sind. Unser Passagier hat eine 150-Milliliter-Flasche. Also rein damit in den Flüssigkeiten-Sammelkorb.

Man könnte den Kosmetik-Artikel leicht identifizieren. Einfach mal dran riechen, denn es ist doch unwahrscheinlich, dass es einem Terroristen gelingen könnte, das von einem Weltkonzern komponierte Pfirsich-Aroma originalgetreu zu fälschen. Was aber soll ein Bösewicht mit Haarshampoo machen? Landeklappen verkleben, es dem Piloten in die Augen schmieren und ihn auf diese Weise blind machen? Am Sitzplatz Panik-Schaum erzeugen? Pfirsich-Allergiker zu Geiseln machen?

Gut, all das kann nicht mehr passieren. Aber anderseits gibt es viel schlimmere, völlig legale Bedrohungen. Der dem Shampoo-Fläschchen beraubte Fluggast kann nämlich im Airport-Shop einkaufen. Dort gibt es massive Spirituosen-Flaschen oder Monster-Toblerone-Riegel, die man dem Piloten über die Rübe ziehen könnte. Gekauft werden können auch die wunderbaren Produkte der Parfüm-Industrie, die entweder das Cockpit-Personal benebeln oder in einen todbringenden Hormonrausch versetzen könnten.

Im Flugzeug selbst gibt es Ledergürtel und Schals zum Erdrosseln und massive Kugelschreiber, die sich gut als Behelfs-Dolche eignen. Man könnte Terrorist sein, wenn man Terrorist sein wollte. Auch ohne unser Shampoo.

Zum Abschluss folgende Mitteilung: Der Chickenwings-Flug A799 ist sicher gelandet. Immerhin.

 

Gleichberechtigung heißt geteiltes Leid

Wir sind gescheitert. Wenigstens so ziemlich. Seit vielen Jahrzehnten bemühen sich kämpferische Frauen und wohlmeinende Männer um die Chancengleichheit der Geschlechter. Und? Sind wir alle glücklicher geworden? Nicht unbedingt.

Schauen wir auf die Frauen. Nach einer neuen Studie der Techniker Krankenkasse klagen immer mehr von ihnen über wachsenden Stress. Vor allem die Altersgruppe von Mitte 30 bis Mitte 40 sei davon betroffen. Das ist nachvollziehbar, denn der Druck auf diese Menschen nimmt zu. Frauen dieses Alters sollen Karriere machen, eine liebevolle Mutter und unbedingt sexy sein. Kochen sollen sie auch können – und bügeln. Der Überschuss an Forderungen ist eindeutig.

Und die Nachfahren Adams? Zum Weltmännertag am 3. November hatte die “Bild am Sonntag” die glorreiche Idee, das Thema “Männer-Mobbing” auf die Titelseite zu stellen. Immer mehr Kerle bekämen Probleme, weil sie so sind, wie sie zwecks Evolution sein müssten. Auch nicht verkehrt. Denn in der globalisierten Arbeitswelt schwindet die Akzeptanz dafür, dass jemand mit komplett von Gedanken entleertem Kopf in die Prärie schaut. Es darf aber auch angenommen werden, dass immer weniger junge Frauen Verständnis dafür haben, dass ihr Freund an jedem Wochenende vier Stunden mit dem Nachbau einer bolivianischen Anden-Eisenbahn verbringt. Früher war ein solches Hobby normal.

Nun ist es die gewisse Tragik des Weltmännertages, dass er von einem umstrittenen Menschen erfunden wurde. Michail Gorbatschow war bei uns als Russe ähnlich beliebt wie zeitweise Barack Obama. Aus Sicht seines Nach-Nachfolgers Waldimir Putin ist er freilich  das größte Weichei in der Geschichte des russischen Riesenreichs. Und tatsächlich geht es ihm mehr um die gesunde Prostata als um gesellschaftliche Umwälzungen.

Was aber läuft grundlegend schief in Sachen Gleichberechtigung? Wahrscheinlich, dass versucht wird, beiden Geschlechtern exakt die gleichen Lasten aufzubürden. Ist der Mann erfolgreich, weil er Überstunden macht, muss auch die Frau später nach Hause gehen. Beide besetzen also mehr als 2,0 Planstellen. Richtig wäre es, das Alltagsleid zu teilen. Also tagsüber Job-Sharing, der Rest des Lebens wird gemeinsam gestaltet.

Fragt sich bloß, wem in diesem Billiglohnland dann noch das Geld reicht. Es bleibt kompliziert. Auch nach dem Weltmännertag 2013.

Pille danach? Okay, aber nicht für alle Fälle

Wie nett: Da hat sich eine Runde von alten Männern tiefgründig mit dem gebärfähigen Körper der Frau befasst. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich ein Thema vorgenommen, das ihre Mitglieder eigentlich ganz und gar nichts angeht. Aber immerhin: Es ist Hirn vom Himmel gefallen. Deutschlands oberste Katholiken haben ihren grundsätzlichen Widerstand gegen die “Pille danach” aufgegeben. Frauen müssen den Zorn Gottes nicht mehr fürchten, wenn sie das Kind ihres Vergewaltigers nicht austragen wollen. Sagen seine angeblichen Stellvertreter auf Erden.

Da hat in aller Nachhaltigkeit die Barmherzigkeit gesiegt, möchte man jubeln. Aber dafür gibt es keinen Grund. Denn es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen selbst über eine Pille gegen eine ungewollte Schwangerschaft entscheiden. Auch ohne Rücksprache mit dem jeweils diensthabenden Exorzisten. Aldenn: Es ward geredet. Es ward gut. Und Gott sah es mit Wohlgefallen. Punkt.

Träumen wir lieber ein bisschen von den vielen wunderbaren Möglichkeiten, die uns die “Pille danach” noch schenken könnte. Wie etwa sähe unser Showbusiness, wie unser RTL-Programm aus, wenn sie gleich nach der ersten Produktion von Dieter Bohlen geschluckt worden wäre? Wie unsere Kommunikation, wenn sie bereitgelegen wäre, als Mark Zuckerberg sein Facebook scharfgestellt hat?

Wie schön wäre diese Pille, wenn sie der Fußballfan nach dem Abstieg seines Lieblingsclubs schlucken könnte? Wie gut wäre es für unser geliebtes Nachbarland Italien, wenn sie nach dem nächsten Wahlerfolg von Berlusconi wirken würde?

Die Einsatzmöglichkeiten wären unbegrenzt. Aber erstmal geben wir die “Pille danach” den Frauen. Doch nur in wirklich bösen Fällen. Was Frauen wirklich wünschen, ist ja klar. Eine Pille danach, die nach sieben Jahren Ehe automatisch zugeteilt wird und optional verwendet werden kann. Hier gilt jedoch: Das gibt es nicht. Das geht zu weit. Das ist Teufelszeug. Sakrament!

Der Mann schrubbt – leider oft vergebens

Männer, auch begabte Sexisten, müssen sich damit abfinden: Die einzige sichere Eigenschaft von Frau ist ihre Widersprüchlichkeit. Da läuft seit gut 30 Jahren unter dem Stichwort “Feminismus” ein riesiger gesellschaftlicher Feldversuch mit dem Ziel der Umerziehung des Mannes zu einem kooperativen, gerechten, sanften, hilfsbereiten Wesen. Und nun das: Ehemänner, die Hausarbeit leisten, verlieren die Lust auf Sex und werden von ihren Frauen als weniger attraktiv eingeschätzt.

Das behauptet Medien zufolge das Center for Advanced Studies am Juan-March-Institut in Madrid. Mittels einer Befragung von 7002 Teilnehmern will es herausgefunden haben, dass insbesondere das Erledigen von Arbeiten, die als typisch weiblich gelten, die Libido beeinträchtigen. Wogegen Männer, die im Garten arbeiten oder Rechnungen bezahlen, gemäß dieser Studie häufiger Tanzkarten verteilen.

Ich gebe zu bedenken: Hinter den meisten Umfragen steckt ein Auftraggeber. Und selbst Professoren sind bestechlich. Einen Geldgeber wird es auch hier gegeben haben, zumal es sich bei diesem bislang völlig unbekannten Institut entweder um eine frische Existenzgründung oder um eine betrügerische Briefkastenfirma handeln könnte. Wer weiß, vielleicht stecken die Baumärkte in der Umsatzkrise und wollen Hornbach-Erotik mit Nachdruck salonfähig machen. Eventuell wollen uns die darbenden Handelskonzerne einbleuen, dass das Abzeichnen von Quittungen ein majestätischer, mega-männlicher Akt ist. Oder die von einbrechenden Verkaufszahlen gebeutelte Autoindustrie wollen den Männern wieder klar machen, dass das Einseifen der verdreckten Karre schärfer macht als das Schrubben der Toilettenschüssel. Zumal Letzteres zwangsläufig den Anteil der Sitzpinkler steigert.

Vielleicht aber leben wir nur in seltsamen Zeiten. Wenn das RTL-Dschungelcamp für einen angesehenen Fernsehpreis nominiert wird, kann es ja sein, dass in unserer Wahrnehmung die Grenzen zwischen blöd und originell verwischen. Was auch für Umfragen gelten könnte.

Zumal es auch andere Studien gibt. Demnach hängt die Zufriedenheit von Frauen in der Ehe stark davon ab, ob und wie stark sich ihre Männer im Haushalt beteiligen. Tja. Frauen sind eben so – unbestimmt. Und für den Mann des 21. Jahrhunderts gilt wohl ein schöner fränkischer Satz. “Wäimers machd, is verkährd.” (Wie man es macht, ist es verkehrt) Und so putzen wir vergebens. Das ist die Tragik des Lebens.

Der unbarmherzige Rosenkranz-Konzern

Ist doch famos: Kardinal Joachim Meisner, ranghöchster Erleuchtungsschauspieler im Kölner Dom und nach bisheriger Einschätzung der erzkonservativste Erzbischof dieser Republik, hat sich entschuldigt. Bei Frauen! Ja, diese Welt hat etwas ganz Besonderes erlebt. Papst wird der Mann nach dieser unerhörten Demutsgeste allerdings nicht mehr.
Zwei katholische Krankenhäuser in Köln hatten Probleme mit dem Behandeln eines Vergewaltigungsopfers. Der Kardinal fand das beschämend. Gut so! Doch im gleichen Atemzug machte er deutlich, dass es in den Kliniken seines Rosenkranz-Konzerns keinesfalls in Frage komme, einer vergewaltigten Frau die “Pille danach” zu verabreichen. Denn heilig sei die Leibesfrucht!
Es liegt wohl in den tiefsten Tiefen des katholischen Glaubens, dass das nicht möglich sein soll. Man verehrt ja die Jungfrau Maria, die sich als verheiratete Frau weigerte, ihrem Mann den eigenen Leib hinzugeben. Um ihm dann ein durch eine minimalinvasive Befruchtung entstandenes Kind zu gebären. Seitdem gilt sie als heilig. Von Josef redet keiner mehr.
Weil also eine ungewollte Schwangerschaft zum Markenkern des katholischen Glaubens gehört, wurde mit Blick auf die “Pille nach Gewalt” die ganze theologische Sachkunde in Gang gesetzt, um den Vorrang des soeben gezeugten Lebens vor dem Schutz des Vergewaltigungsopfers nachzuweisen. Priester, Domkapitulare, Theologieprofessoren forschten nach, und haben vielleicht herausgefunden, dass der damals unfehlbare Papst Zebulon der Vierunddreißigste im Gespräch mit Kaiser Karl dem Großen eine Bemerkung fallen ließ, die den weiblichen Bauch als solchen zum Eigentum der Kirche erklärte.
Wirklich wertvoll ist dieser Besitz aber nicht. Darüber wird nur ein paar Tage lang gestritten. Wenn es dagegen darum geht, kleinen Jungs ein Stück Vorhaut abzuschneiden, damit sie den Weg zu Gott leichter finden, diskutieren nicht nur die Theologen. Dann wird die komplette Gesetzesmaschinerie in Gang gesetzt, um auf höchster staatlicher Ebene festzustellen, dass Glauben vor Körperverletzung geht, wenn das maskuline Seelenheil zu sichern ist.
In großen Weltreligionen ist es also so: Den Männern gehört das Paradies. Das sündige Weib kehrt die Zufahrt oder fegt gleich den Vorhof zur Hölle. Wie langweilig. Streicht mich ruhig von Gottes ewiger Gästeliste.

Das Igelchen beweist: Print wirkt

Das Igelchen zeigt Reue

Verrückt, verrückt: Da stöhnt und ächzt die Zeitungsbranche seit vielen Jahren angesichts der Krise. Immer weniger Leser, immer weniger Werbeerlöse, immer höhere Papierpreise. Blätter verschwinden vom Markt, ganze Redaktionen werden gefeuert. Und dabei gäbe es die Rettung. Nämlich durch großflächige Beziehungskrisen-Inserate.

Da hat also in den Nürnberger Nachrichten ein unbekannter Ehemann seiner “lieben Ehefrau” mit einer annähernd halbseitigen Anzeige mitgeteilt, dass es ihm leid tue. Und dass er es rückgängig machen würde, wenn es gehen würde. Die Anzeige ziert ein süßer Igel. Mit einer deutlich kleineren Anzeige verabschiedet sich der Inserent weiter unten auf der Seite von seiner Geliebten.

Der Effekt? Den Menschen zerreißt es das Herz. Eine ganze Region hat ein gemeinsames Gesprächsthema. Andere Medien sind aufgewühlt. Wer immer in Stadt und Region als Mitarbeiter der Verlags-Anzeigenabteilung bekannt ist, wird ausgefragt, wer denn dieser reumütige Gatte sei. Und was ihn seine Versöhnungsaktion gekostet habe. Ein Zeitungsleser forderte in einer eigenen Anzeige, dass “Igelchen” doch bitte öffentlich erklären möge, was denn da passiert sei. Ein lokaler Radiosender flehte in einem Inserat “Bitte melde dich”.

Letztlich beweist die Geschichte Folgendes: Print wirkt. Auch in diesen ultradigitalen Zeiten ist es möglich, mit einem gedruckten Text oder einer Anzeige einen riesigen Effekt zu erzielen. Den Verlagen wird somit von dieser Stelle in aller Vertraulichkeit angeraten, Projektgruppen für fingierte Beziehungskrisen-Inserate zu gründen. Diese wären beste Werbung für’s Produkt und bestes Entertainment für’s Volk.

Aber zurück zu “Igelchen”. Seine Chancen auf ein Herzerweichen bei der Angetrauten sind eher gering. Es fällt nämlich auf, dass seine Abschieds-Anzeige zwei wesentlich kleiner, aber dafür viel inniger formuliert ist. Wendet er sich oben als “Dein Ehemann” an die “Liebe Ehefrau”, so steht unten folgender Text: “Sommersprosse, Sonnenschein. Die Liebe ist vorbei. Die Liebe gehört meiner Frau. Ade Igelchen.”

Kommentar einer lieben Ehefrau, in diesem Fall meiner: “So ein Depp!”

Glamour in Großburgwedel

Es ist so furchtbar: Abschied, Trennung, Niedergang, Phantomschmerz, wohin das Auge blickt. Barbie van der Vaart trennt sich von ihrem Fußballer, die FDP in Kürze von Philipp Rösler und Bettina Wulff vom früheren Bundes-Christian. Das Weibliche verstößt das Männliche.

Gerade bei letzterer Trennung frage ich mich, warum das überhaupt jemand interessiert. Angeblich – so wurde es zumindest über die Medien transportiert – handelt es sich bei den beiden um ein “Glamour-Paar”. Was bitte? Christian Wulff, der Mann mit der Kermit-Stimme, verstrahlt so viel Glanz wie eine Milchglasscheibe im sanften Gegenlicht. Manches wäre mir zu ihm eingefallen. Aber Glamour?

Hierbei handelt es sich laut Wikipedia um eine spezielle Attraktivität beziehungsweise ein Faszinosum. Zum Beispiel also ein besonders prunkvolles oder elegantes Auftreten in der Öffentlichkeit, welches sich von Alltag und Durchschnitt abhebt.

Nun mag seine verflossene Bettina, je nach Geschmack des Betrachters, eine hübsche Frau sein. Mehr aber doch nicht. Die glamourösesten Aspekte an ihr sind die Gerüchte über ihr Vorleben oder ihre Tätowierung.  Aber eigentlich würde sie nicht mal auf einem fränkischen Opernball  sonderlich auffallen.

Dieses Paar wird trotzdem glamourös genannt. Weil die interessierte Guckloch-Presse eine Bezeichnung braucht, die nach etwas Besonderem klingt. Ich bleibe lieber sachlich, und stelle im Einvernehmen mit mir selbst fest: Die Wulffs waren das glamouröseste Paar von Großburgwedel. Mehr Faszinosum war aber nicht.

 

 

 

Lothar, Du Sysiphus der Silikonhügel

Liebe Leute, Ihr könnt lästern, schwatzen und flüstern wir ihr wollt. Ich stecke den Sand nicht in den Kopf. Ein Hirndübel lässt sich seine Meinung nicht von der Schwarmintelligenz der Boulevardpresse diktieren. Für mich ist Lothar Matthäus ein Held. Ein tragischer zwar, aber er ist einer. Punkt. Aus. Ende.

Wie jetzt bekannt wurde, ist auch sein Dessous-Model Joanna Tuczynska nach gut eineinhalb Jahren gemeinsamer Zusammengehörigkeit beziehungstechnisch dahingeschieden. So wie vor ihr Ariadne, Liliana, Marijana, Maren, Lolita und Silvia. Wieder war es nix. Und was sagt Loddar dazu? “Wir haben uns einvernehmlich getrennt. Ich hege keinen Groll und wünsche Joanna alles Gute für die Zukunft.”

Genau das ist die dem Franken eigene Größe in Reinkultur. Schauen wir doch einmal herum, wie andere Männer reagieren, wenn sie verlassen werden. Sie randalieren, demolieren Autos,  zertrümmern Wohnungseinrichtungen, brechen die Nasenbeine der Nebenbuhler oder fallen in Suff und Depression. Gute Wünsche für die Ex? Nie und nimmer.

Wir lernen daraus: Lothar Matthäus geht mit verflossener Liebe extrem großzügig um. Er ist eine wahre Diva, gewissermaßen die Zsa Zsa Gabor des Weltfußballs. Nein, dieser Mann glaubt an sich und sein Glück. Er wird nie aufgeben, wird nie zweifeln – und doch immer wieder scheitern. Man könnte ihn auch den Odysseus der Schlauchbootlippen oder den Sysiphus der Silikonhügel nennen. Dieser unverbesserliche Romantiker steht parabelhaft für das Leben und Leiden von uns allen, für unser immerwährendes suchen, finden und verlieren.

Nur eines kann ihn erlösen: Wenn der Sexualtrieb der Altersweisheit weicht. Das dauert noch ein bisschen. Gebt ihm also erstmal einen netten Verein, wie etwa 1860 München. Loddar braucht jetzt Fußball. Denn wie heißt es so schön? Ein Tor würde dem Spiel gut tun.

 

 

 

 

Schöner Körper – böser Geist

In manchen Dingen sind wir richtig dumpf im Kopf. Nehmen wir das Thema Schönheit. Es ist nichts, gar nichts dagegen zu sagen, dass man sich am Anblick perfekt zurechtoperierter Wahnsinnsfrauen aus Venezuela freut. Unser Fehler ist nur: Wir glauben daran, dass äußerlich attraktive Menschen netter und klüger sind.

Ein israelisches Forscherteam hat das gerade wieder nachgewiesen. 118 Frauen mit einem Altersdurchschnitt von 29 Jahren machten zunächst Angaben zu Persönlichkeitsmerkmalen und Werten. Anschließend wurden Videos gedreht, in dem jede Frau einen Raum betrat, einen Tisch umrundete und einen Wetterbericht vorlas.

Die Filmchen wurden 118 Frauen und Männern vorgespielt. Das Urteil der Juroren war eindeutig: Sie stuften die attraktiveren Kandidatinnen als freundlicher, gewissenhafter, extrovertierter, als offener für neue Erfahrungen und als emotional stabiler ein. Doch die Selbsteinschätzung der Test-Frauen war eine andere. Schönere Frauen erwiesen sich als angepasster und stärker daran interessiert sich selbst in ein gutes Licht zu rücken. Ihre Mitmenschen kümmerten sie weniger. Fazit der Forscher: Unabhängigkeit und Toleranz stehen bei schönen Menschen weniger hoch im Kurs.

Das hätten wir ohnenhin wissen können. Es ist doch klar, dass es kein Ausdruck von Freiheitsliebe sein kann, wenn sich bildschöne Frauen 40 Stunden in der Woche als Verkäuferinnen dauerlächelnd vor Parfümregale stellen. Und zeigen uns nicht die Beziehungsprobleme der Models, Gesangsstars und Schauspielerinnen, dass nicht in jedem schönen Körper ein schöner Geist wohnt?

Wir aber irren uns trotzdem. Und der Fehler liegt beim Lieben Gott. Wie wäre denn die Menschheitsgeschichte verlaufen, wenn er Adam kein Vollweib vom Typ Eva, sondern einen Paradiesdrachen vom Typ Andrea Nahles aus den Rippen geschnitten hätte? Hätte es einen unüberlegten Sündenfall gegeben? Müssten wir unser Brot auch dann noch im Schweiße unseres Angesichts verdienen? Würde nicht stattdessen der Urtraum der katholischen Kirche wahr, wonach Sex nur und ausschließlich der gelegentlichen Fortpflanzung zu dienen hat?

Kann sein. Aber bekanntlich ist es anders gekommen. Damit müssen wir uns arrangieren. Und überhaupt: Seien wir froh, dass Angela Merkel keine Schönheit ist. Sonst wäre schon bald alles zu spät.

 

Nichts ist heißer als Landlust

Was ist schön? Man weiß es nicht. Tatsächlich reagieren Menschen auf sehr unterschiedliche Reize. uf jedem Gebiet. Da ist jemand verzückt beim Anblick einer Walmdachvilla im Grünen, während der andere ein viereckiges Ding aus Glas und Stahl bewundert. Mancher findet ein zweisitziges Cabrio wunderhübsch, während sich ein anderer in ein sechs Meter langes SUV verliebt. Aber wie ist das jetzt mit der Schönheit, wenn es um Mann und Frau geht?

Kluge Philosophen warnen seit jeher davor, dem Reiz des Äußerlichen zu erliegen. Schönheit sei vergänglich. Und entscheidend sei ohnehin nicht das Gesicht, sondern das Licht im Herzen. Trotzdem gibt es ein mutmaßliches Schönheitsideal. Nämlich die 1,80 Meter große Frau mit Größe 34, die auch auf 20 Zentimetern hohen Schuhen unfallfrei unterwegs ist. Das ist Schönheit aus dem Hause Klum.

Der angebliche Traum vieler Männer wiederum sieht so aus: Langhaarig, superschlank, trotzdem mit Doppel-D-BH und den Mund 24 Stunden am Tag zum Kuss geformt. So dass auch der Verzehr eines Hiffenmark-Krapfens lasziv aussieht. Hier handelt es sich um die Schönheit vom Typ Pirelli-Kalender samt seiner meist billigen Kopien.

Seltsam ist allerdings: Nicht die erotischen Jahresplaner sind die Verkaufsschlager. Für größtes Aufsehen sorgen vielmehr die Landjugend-, Landfrauen- oder Bäuerinnen-Kalender. Kaum sind solche Machwerke auf dem Markt, stürmen die Menschen Kioske und Buchhandlungen. Dabei wirken die abgebildeten Frauen selten besonders aufregend. Die Erotik besteht manchmal nur darin, dass an der Arbeitsbluse ein Knopf zuviel geöffnet wird. Oder sie gipfelt, wie im neuen Knoblauchsland-Kalender, darin, dass eine Landfrau ihr Nachthemd mit Karpfenfischer-Stiefeln kombiniert.

Warum also ist “Landlust” nicht nur als Zeitschrift irrsinnig begehrt? Vielleicht denken Männer pragmatisch. Sie wissen, dass schöne Frauen anfangs teuer und später anstrengend sind, wenn sie älter werden. Sie wissen, dass es hilfreich sein kann, wenn eine Frau das Kaminholz hacken kann, falls die eigene Bandscheibe klemmt. Wer ein Herz für Schönheit hat, findet Schönheit überall. Alsdenn, im Kuhstall brennt noch Licht…