Das vorgetäuschte Quötleins-Weinen

Oha, unsere Wirtschaft jault wieder auf. Denn die Frauenquote kommt. Die Politik will, dass die trauten Männerrunden in den Aufsichtsräten der im Dax notierten Unternehmen durch Frauen gesprengt werden. Das ist nicht nur ein Frontalangriff auf die letzten Refugien des Herrenwitzes. Nein, es drohe übelste Zwangswirtschaft, purer Geschlechtersozialismus, sozusagen.

Warum bloß diese Weinerlichkeit? Es geht gerade mal um 200 Jobs. Und an der Qualifikation kann es nicht scheitern. In Krisenzeiten sehen Aufsichtsräte sehr oft schlecht aus und entscheiden falsch. Warum sollte das nicht auch jeder Frau gelingen? Wenn der Begriff “Nieten in Nadelstreifen” zwecks Emanzipation um “Nieten in Nylonstrümpfen” ergänzt wird – bitteschön.

Die Frauen wiederum sollten daran denken: Wo das Licht noch nicht so hell ist, wo also die Sonne tief steht, werfen auch kleine Dinge lange Schatten. Darauf hofft die Wirtschaft insgeheim. Dass nämlich diese Quote, die in Wahrheit ein Quötlein ist, die weiblichen Beschäftigten beruhigt. Indem sie ihnen das Gefühl gibt, dass ihnen beim Verwirklichen ihrer Karrierewünsche auch dann geholfen wird, wenn sie ihre Eizellen nicht einfrieren wollen.

Man will ablenken vom allgemeinen Versagen der Wirtschaft. Bis hinunter in kleinste Unternehmen sind Chefs mit der biologischen Tatsache überfordert, dass Frauen Kinder bekommen können. Erst recht wirft es sie aus der Bahn, wenn diese auch noch frei entscheiden, wann das passieren soll.

Es gibt also kein echtes Problem, weshalb wir jetzt im Advent das Lied singen sollten: “Sah ein Chef ein Quötlein steh’n, Quötlein auf der Heid’n. War so zart und wunderschön. Bracht ihn nicht zum Leiden…”

 

 

Gleich und Gleich: Die Tragödie für dumme Männer

“Gleich und Gleich gesellt sich gern,” Das war wieder mal eine Überschrift zum Drüberstolpern. Sollte damit der Homosexualisierung der Gesellschaft und somit der antiwestlichen Putin-Propaganda neuer Schub verliehen werden? Nein, so war es gar nicht. Es ging vielmehr darum, warum es Frauen bei der Wahl eines männlichen Partners schwerer haben als Männer auf Frauensuche.

Zu ergründen, warum sich Menschen oder nicht finden, gehört zu den klassischen Aufgaben der Psychologen und Soziologen. Es sagt ja einiges über unsere Gesellschaft aus, ob eine Katholikin Probleme mit den Eltern bekommt, wenn sie einen Protestanten anschleppt. Dieses sollte bei uns überwunden sein, während andere Glaubensfragen – Dortmunderin verliebt sich in Schalke-Fan – weniger lässig gesehen werden.

Aber das ist nicht die zentrale Frage. “Gleich und Gleich” bezieht sich auf das Bildungsniveau. Immer häufiger achten Menschen darauf, dass sie die großen Fragen des Daseins mit ihren Liebsten auf Augenhöhe bereden können. Wer “Bauer sucht Frau” spannend findet, kann niemand auf dem Sofa brauchen, der dauernd auf Arte zappt. Wer große Romane liest, braucht ein anderes Bücherregal als jemand, der sich die Welt von bild.de erklären lässt. Da reicht im Zweifelsfall ein Tablet-Ständer.

Spätestens jetzt erkennen wir: Die Partnerwahl wird vor allem für Frauen immer schwieriger. Wissen wir doch, dass gerade junge Frauen den Männern in Sachen Bildung inzwischen deutlich überlegen sind. Gelegentlich verdienen sie sogar mehr Geld. Und sie stehen seitens der Umwelt stärker unter Druck: Der Chefarzt, der seine Ehefrau für eine junge Krankenschwester vom Hof jagt, gilt manchem immer noch als toller Hecht. Die wenigsten Männer schämen sich für eine Hausfrau.

Ist andererseits eine Professorin denkbar, die ihren Bekannten auf dem Opernball stolz ihren sexy Bauarbeiter vorstellt? Nein, die Kombination aus berühmter Frau und dummem  Jüngling ist derzeit nur im Showgeschäft denkbar. Besser ist doch ein Mann, der etwas darstellt. Weil sonst die anderen lästern könnten.

Wir stellen also fest: Die Emanzipation ist weit gekommen. Aber ganz normal ist noch nicht alles…

Aufgepasst, die Dicken sind eine Macht!

Es gehört zu den großen Lebenslügen dieser Gesellschaft, dass es sich bei dicken Menschen um eine Randgruppe handeln soll. Um bedauernswerte Menschen, die sich für ihren Zustand schämen und die alles tun würden, um wieder so begehrenswert zu sein wie die anderen. Tatsache ist: Die Vollschlanken sind nicht die Außenseiter, sie sind eine Macht.

Wie das Statistische Bundesamt meldet, sind 52 Prozent der Deutschen übergewichtig. Würden sie sich selbstbewusst mit ihren Problemzonen arrangieren und daraufhin eine eigene Partei gründen, die BfD, Bauchfett für Deutschland heißen könnte – nichts in diesem Land ginge mehr ohne sie. Die politische Betrachtung überflüssiger Pfunde würde sich komplett ändern. Die Dicken würden ein “Wir sind wir” entwickeln, wie man es ansonsten nur von der CSU kennt. Zumal sie wüssten, dass sie mit Sicherheit immer mehr werden.

Was aber kann diesen Trend – wenn überhaupt – aufhalten? Dazu müssen wir die Details der Statistik betrachten. So wuchten vor allem übergewichtige Männer die Fülligen in die Mehrheitszone. 62 Prozent der Kerle tragen zu viele Kilos mit sich herum. Dagegen gilt das nur für 43 Prozent der Frauen.

Diese wiederum stehen in ihrem Leben unter diätischem Dauerbeschuss. In jeder der 612 Frauenzeitschriften in Deutschland geht es in jeder Ausgabe um folgende Themen:  Mode, Sex, Psychologie, Horoskop und  Diättipps. Ob “Alles für die Frau”, “Frau aktuell”, “Echo der Frau”, “Bild der Frau”, “Frau im Trend”, “Neue Frau” oder “Journal für die Frau” – sie alle spulen immer und immer wieder dieses Programm ab. Und dies sorgt für ein schlechtes Gewissen. Schließlich ist ein schlanker Körper – mindestens nach den Maßstäben der Werbung – die eigentliche Grundlage für Mode, Sex, und, und, und…

Wie anders ist die Lage bei den Männern. Es gibt zwar 225 Do-it-yourself-Hefte, die Zahl der ausgesprochen Männermagazine kann aber überhaupt nicht mithalten. Zumal deren Reiz stark daraus besteht, Körper zu betrachten, die durch Ratschläge der Frauenzeitschriften wohl geformt wurden.

So kommen wir nicht weiter: Wir brauchen mehr Fachblätter für Männer mit figurbedingtem Verzweilungspotential. Sonst wird für die Mageren die Luft bald dünn. Die Riesen schlafen noch. Jedoch, wie lange noch?

 

Papa kommt mit dem Rollator

Reden wir von Gewissheiten: Es soll ja Zeiten gegeben haben, in denen junge Menschen sicher waren, dass es ihnen einmal besser gehen würde als ihren Eltern und Großeltern. Unmittelbar nach dem Krieg war diese Erwartung extrem naheliegend, aber sie hielt sich – durch Fakten gestützt – noch einige Jahrzehnte lang.

Diese grundlegende Zuversicht ist geschwunden. Der moderne Mensch weiß, dass er sich zunächst einige Jahre im Beruf bewähren muss, ehe er an Luxus denkt. Die Befristung will ja überwunden sein. Und Kinder sind, wie wir alle wissen, eine sündhaft teure Angelegenheit. Was man auch daran sieht, dass kinderlose Paare mit doppeltem Einkommen im schicken Cabrio, Eltern jedoch in einem viereckigen Pseudo-Transporter mit niedriger Ladekante sitzen. Paare ohne Anhang genießen ein Candle-Light-Dinner, die anderen beim Elternabend.

Unterm Strich ist es jedenfalls so, dass sich immer mehr Frauen Zeit lassen, bis sie sich für ein Kind entscheiden. 22 Prozent der Gebärenden in Deutschland sind 35 Jahre oder älter. Noch deutlich höher ist dieser Anteil in den Krisenländern Spanien mit 34 und Italien 33 Prozent.

Und: Weil zum Kind bei Verzicht auf hilfreiche Medizin das andere Geschlecht gehört, wird die Sache zusätzlich kompliziert. Denn immer mehr Männer bleiben so lange bei den Eltern wohnen, bis für sie dieses Sprichwort greift: “Einen alten Baum verpflanzt man nicht.”

Weil Zeugung ohne die gleichzeitige Verfügbarkeit der Zeugenden nicht möglich ist, ist der Trend klar: Immer mehr Eltern werden Ältern, Mami muss zur Einschulung die grauen Haare färben, zur Abi-Feier kommt Papa mit dem Rollator. Und Urgroßeltern werden zur Rote-Liste-Art. Schade eigentlich!

 

 

 

 

 

Gib mir Sicherheit…

Wir brauchen Sicherheit, wenigstens ein kleines bisschen. Genauso wie das Zootier, das für regelmäßiges Fressen bereitwillig seine Wildheit einbüsst, akzteptieren auch wir seltsame Dinge, wenn uns denn nichts passiert. Zum Beispiel im Flugverkehr.

Nehmen wir einen durchschnittlichen Flug mit Chickenwings (Name von der Redaktion geändert). Hier wird der Passagier zunächst bewusst verunsichert. Er kommt mit einem Gepäckstück, welches nur unwesentlich größer ist als der Schminkkoffer einer in Würde gealterten Film-Diva. Weil er Flüssigkeiten mitführt, möchte unser Flugfreund sein Köfferchen aufgeben. 25 Euro würde der Transport kosten. Mehr, als es im Nebensaison-Sale gekostet hat. Keine Alternative also.

Fortgesetzt wird die Konditionierung des Fluggastes an der Sicherheitskontrolle. Auf Höhe des Schildes „Diskretion“ ist quer über den Boden eine gelbe Linie gezogen. Diese darf auf gar keinen Fall überschritten werden. Sonst folgt, so unsere Befürchtung, wie beim olympischen Dreisprung die Disqualifikation durch Ungültigmachung der Bordkarte. Vor allem ältere Ehepaare diskutieren Verstöße schonungslos.

Dann die Sicherheitskontrolle: Man hat also noch Shampoo. Bis zu 100 Milliliter sind erlaubt, sofern sie „sicher“ in einer mit einem Reißverschluss versehenen – und bestimmt explosionssicheren – Plastiktasche verpackt sind. Unser Passagier hat eine 150-Milliliter-Flasche. Also rein damit in den Flüssigkeiten-Sammelkorb.

Man könnte den Kosmetik-Artikel leicht identifizieren. Einfach mal dran riechen, denn es ist doch unwahrscheinlich, dass es einem Terroristen gelingen könnte, das von einem Weltkonzern komponierte Pfirsich-Aroma originalgetreu zu fälschen. Was aber soll ein Bösewicht mit Haarshampoo machen? Landeklappen verkleben, es dem Piloten in die Augen schmieren und ihn auf diese Weise blind machen? Am Sitzplatz Panik-Schaum erzeugen? Pfirsich-Allergiker zu Geiseln machen?

Gut, all das kann nicht mehr passieren. Aber anderseits gibt es viel schlimmere, völlig legale Bedrohungen. Der dem Shampoo-Fläschchen beraubte Fluggast kann nämlich im Airport-Shop einkaufen. Dort gibt es massive Spirituosen-Flaschen oder Monster-Toblerone-Riegel, die man dem Piloten über die Rübe ziehen könnte. Gekauft werden können auch die wunderbaren Produkte der Parfüm-Industrie, die entweder das Cockpit-Personal benebeln oder in einen todbringenden Hormonrausch versetzen könnten.

Im Flugzeug selbst gibt es Ledergürtel und Schals zum Erdrosseln und massive Kugelschreiber, die sich gut als Behelfs-Dolche eignen. Man könnte Terrorist sein, wenn man Terrorist sein wollte. Auch ohne unser Shampoo.

Zum Abschluss folgende Mitteilung: Der Chickenwings-Flug A799 ist sicher gelandet. Immerhin.

 

Gleichberechtigung heißt geteiltes Leid

Wir sind gescheitert. Wenigstens so ziemlich. Seit vielen Jahrzehnten bemühen sich kämpferische Frauen und wohlmeinende Männer um die Chancengleichheit der Geschlechter. Und? Sind wir alle glücklicher geworden? Nicht unbedingt.

Schauen wir auf die Frauen. Nach einer neuen Studie der Techniker Krankenkasse klagen immer mehr von ihnen über wachsenden Stress. Vor allem die Altersgruppe von Mitte 30 bis Mitte 40 sei davon betroffen. Das ist nachvollziehbar, denn der Druck auf diese Menschen nimmt zu. Frauen dieses Alters sollen Karriere machen, eine liebevolle Mutter und unbedingt sexy sein. Kochen sollen sie auch können – und bügeln. Der Überschuss an Forderungen ist eindeutig.

Und die Nachfahren Adams? Zum Weltmännertag am 3. November hatte die “Bild am Sonntag” die glorreiche Idee, das Thema “Männer-Mobbing” auf die Titelseite zu stellen. Immer mehr Kerle bekämen Probleme, weil sie so sind, wie sie zwecks Evolution sein müssten. Auch nicht verkehrt. Denn in der globalisierten Arbeitswelt schwindet die Akzeptanz dafür, dass jemand mit komplett von Gedanken entleertem Kopf in die Prärie schaut. Es darf aber auch angenommen werden, dass immer weniger junge Frauen Verständnis dafür haben, dass ihr Freund an jedem Wochenende vier Stunden mit dem Nachbau einer bolivianischen Anden-Eisenbahn verbringt. Früher war ein solches Hobby normal.

Nun ist es die gewisse Tragik des Weltmännertages, dass er von einem umstrittenen Menschen erfunden wurde. Michail Gorbatschow war bei uns als Russe ähnlich beliebt wie zeitweise Barack Obama. Aus Sicht seines Nach-Nachfolgers Waldimir Putin ist er freilich  das größte Weichei in der Geschichte des russischen Riesenreichs. Und tatsächlich geht es ihm mehr um die gesunde Prostata als um gesellschaftliche Umwälzungen.

Was aber läuft grundlegend schief in Sachen Gleichberechtigung? Wahrscheinlich, dass versucht wird, beiden Geschlechtern exakt die gleichen Lasten aufzubürden. Ist der Mann erfolgreich, weil er Überstunden macht, muss auch die Frau später nach Hause gehen. Beide besetzen also mehr als 2,0 Planstellen. Richtig wäre es, das Alltagsleid zu teilen. Also tagsüber Job-Sharing, der Rest des Lebens wird gemeinsam gestaltet.

Fragt sich bloß, wem in diesem Billiglohnland dann noch das Geld reicht. Es bleibt kompliziert. Auch nach dem Weltmännertag 2013.

Pille danach? Okay, aber nicht für alle Fälle

Wie nett: Da hat sich eine Runde von alten Männern tiefgründig mit dem gebärfähigen Körper der Frau befasst. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich ein Thema vorgenommen, das ihre Mitglieder eigentlich ganz und gar nichts angeht. Aber immerhin: Es ist Hirn vom Himmel gefallen. Deutschlands oberste Katholiken haben ihren grundsätzlichen Widerstand gegen die “Pille danach” aufgegeben. Frauen müssen den Zorn Gottes nicht mehr fürchten, wenn sie das Kind ihres Vergewaltigers nicht austragen wollen. Sagen seine angeblichen Stellvertreter auf Erden.

Da hat in aller Nachhaltigkeit die Barmherzigkeit gesiegt, möchte man jubeln. Aber dafür gibt es keinen Grund. Denn es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen selbst über eine Pille gegen eine ungewollte Schwangerschaft entscheiden. Auch ohne Rücksprache mit dem jeweils diensthabenden Exorzisten. Aldenn: Es ward geredet. Es ward gut. Und Gott sah es mit Wohlgefallen. Punkt.

Träumen wir lieber ein bisschen von den vielen wunderbaren Möglichkeiten, die uns die “Pille danach” noch schenken könnte. Wie etwa sähe unser Showbusiness, wie unser RTL-Programm aus, wenn sie gleich nach der ersten Produktion von Dieter Bohlen geschluckt worden wäre? Wie unsere Kommunikation, wenn sie bereitgelegen wäre, als Mark Zuckerberg sein Facebook scharfgestellt hat?

Wie schön wäre diese Pille, wenn sie der Fußballfan nach dem Abstieg seines Lieblingsclubs schlucken könnte? Wie gut wäre es für unser geliebtes Nachbarland Italien, wenn sie nach dem nächsten Wahlerfolg von Berlusconi wirken würde?

Die Einsatzmöglichkeiten wären unbegrenzt. Aber erstmal geben wir die “Pille danach” den Frauen. Doch nur in wirklich bösen Fällen. Was Frauen wirklich wünschen, ist ja klar. Eine Pille danach, die nach sieben Jahren Ehe automatisch zugeteilt wird und optional verwendet werden kann. Hier gilt jedoch: Das gibt es nicht. Das geht zu weit. Das ist Teufelszeug. Sakrament!

Der Mann schrubbt – leider oft vergebens

Männer, auch begabte Sexisten, müssen sich damit abfinden: Die einzige sichere Eigenschaft von Frau ist ihre Widersprüchlichkeit. Da läuft seit gut 30 Jahren unter dem Stichwort “Feminismus” ein riesiger gesellschaftlicher Feldversuch mit dem Ziel der Umerziehung des Mannes zu einem kooperativen, gerechten, sanften, hilfsbereiten Wesen. Und nun das: Ehemänner, die Hausarbeit leisten, verlieren die Lust auf Sex und werden von ihren Frauen als weniger attraktiv eingeschätzt.

Das behauptet Medien zufolge das Center for Advanced Studies am Juan-March-Institut in Madrid. Mittels einer Befragung von 7002 Teilnehmern will es herausgefunden haben, dass insbesondere das Erledigen von Arbeiten, die als typisch weiblich gelten, die Libido beeinträchtigen. Wogegen Männer, die im Garten arbeiten oder Rechnungen bezahlen, gemäß dieser Studie häufiger Tanzkarten verteilen.

Ich gebe zu bedenken: Hinter den meisten Umfragen steckt ein Auftraggeber. Und selbst Professoren sind bestechlich. Einen Geldgeber wird es auch hier gegeben haben, zumal es sich bei diesem bislang völlig unbekannten Institut entweder um eine frische Existenzgründung oder um eine betrügerische Briefkastenfirma handeln könnte. Wer weiß, vielleicht stecken die Baumärkte in der Umsatzkrise und wollen Hornbach-Erotik mit Nachdruck salonfähig machen. Eventuell wollen uns die darbenden Handelskonzerne einbleuen, dass das Abzeichnen von Quittungen ein majestätischer, mega-männlicher Akt ist. Oder die von einbrechenden Verkaufszahlen gebeutelte Autoindustrie wollen den Männern wieder klar machen, dass das Einseifen der verdreckten Karre schärfer macht als das Schrubben der Toilettenschüssel. Zumal Letzteres zwangsläufig den Anteil der Sitzpinkler steigert.

Vielleicht aber leben wir nur in seltsamen Zeiten. Wenn das RTL-Dschungelcamp für einen angesehenen Fernsehpreis nominiert wird, kann es ja sein, dass in unserer Wahrnehmung die Grenzen zwischen blöd und originell verwischen. Was auch für Umfragen gelten könnte.

Zumal es auch andere Studien gibt. Demnach hängt die Zufriedenheit von Frauen in der Ehe stark davon ab, ob und wie stark sich ihre Männer im Haushalt beteiligen. Tja. Frauen sind eben so – unbestimmt. Und für den Mann des 21. Jahrhunderts gilt wohl ein schöner fränkischer Satz. “Wäimers machd, is verkährd.” (Wie man es macht, ist es verkehrt) Und so putzen wir vergebens. Das ist die Tragik des Lebens.

Der unbarmherzige Rosenkranz-Konzern

Ist doch famos: Kardinal Joachim Meisner, ranghöchster Erleuchtungsschauspieler im Kölner Dom und nach bisheriger Einschätzung der erzkonservativste Erzbischof dieser Republik, hat sich entschuldigt. Bei Frauen! Ja, diese Welt hat etwas ganz Besonderes erlebt. Papst wird der Mann nach dieser unerhörten Demutsgeste allerdings nicht mehr.
Zwei katholische Krankenhäuser in Köln hatten Probleme mit dem Behandeln eines Vergewaltigungsopfers. Der Kardinal fand das beschämend. Gut so! Doch im gleichen Atemzug machte er deutlich, dass es in den Kliniken seines Rosenkranz-Konzerns keinesfalls in Frage komme, einer vergewaltigten Frau die “Pille danach” zu verabreichen. Denn heilig sei die Leibesfrucht!
Es liegt wohl in den tiefsten Tiefen des katholischen Glaubens, dass das nicht möglich sein soll. Man verehrt ja die Jungfrau Maria, die sich als verheiratete Frau weigerte, ihrem Mann den eigenen Leib hinzugeben. Um ihm dann ein durch eine minimalinvasive Befruchtung entstandenes Kind zu gebären. Seitdem gilt sie als heilig. Von Josef redet keiner mehr.
Weil also eine ungewollte Schwangerschaft zum Markenkern des katholischen Glaubens gehört, wurde mit Blick auf die “Pille nach Gewalt” die ganze theologische Sachkunde in Gang gesetzt, um den Vorrang des soeben gezeugten Lebens vor dem Schutz des Vergewaltigungsopfers nachzuweisen. Priester, Domkapitulare, Theologieprofessoren forschten nach, und haben vielleicht herausgefunden, dass der damals unfehlbare Papst Zebulon der Vierunddreißigste im Gespräch mit Kaiser Karl dem Großen eine Bemerkung fallen ließ, die den weiblichen Bauch als solchen zum Eigentum der Kirche erklärte.
Wirklich wertvoll ist dieser Besitz aber nicht. Darüber wird nur ein paar Tage lang gestritten. Wenn es dagegen darum geht, kleinen Jungs ein Stück Vorhaut abzuschneiden, damit sie den Weg zu Gott leichter finden, diskutieren nicht nur die Theologen. Dann wird die komplette Gesetzesmaschinerie in Gang gesetzt, um auf höchster staatlicher Ebene festzustellen, dass Glauben vor Körperverletzung geht, wenn das maskuline Seelenheil zu sichern ist.
In großen Weltreligionen ist es also so: Den Männern gehört das Paradies. Das sündige Weib kehrt die Zufahrt oder fegt gleich den Vorhof zur Hölle. Wie langweilig. Streicht mich ruhig von Gottes ewiger Gästeliste.

Das Igelchen beweist: Print wirkt

Das Igelchen zeigt Reue

Verrückt, verrückt: Da stöhnt und ächzt die Zeitungsbranche seit vielen Jahren angesichts der Krise. Immer weniger Leser, immer weniger Werbeerlöse, immer höhere Papierpreise. Blätter verschwinden vom Markt, ganze Redaktionen werden gefeuert. Und dabei gäbe es die Rettung. Nämlich durch großflächige Beziehungskrisen-Inserate.

Da hat also in den Nürnberger Nachrichten ein unbekannter Ehemann seiner “lieben Ehefrau” mit einer annähernd halbseitigen Anzeige mitgeteilt, dass es ihm leid tue. Und dass er es rückgängig machen würde, wenn es gehen würde. Die Anzeige ziert ein süßer Igel. Mit einer deutlich kleineren Anzeige verabschiedet sich der Inserent weiter unten auf der Seite von seiner Geliebten.

Der Effekt? Den Menschen zerreißt es das Herz. Eine ganze Region hat ein gemeinsames Gesprächsthema. Andere Medien sind aufgewühlt. Wer immer in Stadt und Region als Mitarbeiter der Verlags-Anzeigenabteilung bekannt ist, wird ausgefragt, wer denn dieser reumütige Gatte sei. Und was ihn seine Versöhnungsaktion gekostet habe. Ein Zeitungsleser forderte in einer eigenen Anzeige, dass “Igelchen” doch bitte öffentlich erklären möge, was denn da passiert sei. Ein lokaler Radiosender flehte in einem Inserat “Bitte melde dich”.

Letztlich beweist die Geschichte Folgendes: Print wirkt. Auch in diesen ultradigitalen Zeiten ist es möglich, mit einem gedruckten Text oder einer Anzeige einen riesigen Effekt zu erzielen. Den Verlagen wird somit von dieser Stelle in aller Vertraulichkeit angeraten, Projektgruppen für fingierte Beziehungskrisen-Inserate zu gründen. Diese wären beste Werbung für’s Produkt und bestes Entertainment für’s Volk.

Aber zurück zu “Igelchen”. Seine Chancen auf ein Herzerweichen bei der Angetrauten sind eher gering. Es fällt nämlich auf, dass seine Abschieds-Anzeige zwei wesentlich kleiner, aber dafür viel inniger formuliert ist. Wendet er sich oben als “Dein Ehemann” an die “Liebe Ehefrau”, so steht unten folgender Text: “Sommersprosse, Sonnenschein. Die Liebe ist vorbei. Die Liebe gehört meiner Frau. Ade Igelchen.”

Kommentar einer lieben Ehefrau, in diesem Fall meiner: “So ein Depp!”