Das Männerleid in der Fußballprärie

Es gibt Tabus, letzte Tabus – und allerletzte Tabus. An eines davon hat sich jetzt das ZDF herangewagt. Eine Frau, jawohl eine Frau, kommentiert Spiele der Fußball-Europameisterschaft. Viele Fans haben die Fassung verloren. In den Sozialen Netzwerken tobt der Shitstorm. Dort schimpfen, geifern und hetzen  sie und wüssten doch bloß gerne: ZDF! Warum?

Claudia Neumanns Reportagen sind weder schlechter noch besser sind als die Beiträge ihrer männlichen Kollegen. Aber um inhaltliche Qualität oder ähnliches Gedöns geht es beim aktuellen Aufruhr gar nicht.

Sondern darum, dass hier eine Frau in eines der letzten Refugien des Mannes eindringt. Fußball bedeutet Lagerfeuer. Der grüne Rasen ist die Prärie, auf die der Held des Alltags am Ende eines harten Tages schauen will. Und zwar am besten ungestört. Der männliche Kommentator ist der große Verbündete. Seine Stimmlage schwingt ideal mit dem kehligen Raunen der Fans.

Frauen hingegen ist in der Fußball-Galaxie eine andere Rolle zugedacht. Es ist okay, wenn sie sich über die Farben der Trikots, über die Frisur von Jogi Löw oder kurz vor dem Spiel über die schlampige Rasur von Mehmet Scholl aufregen. Sie dürfen auch nach der Abseitsregel fragen. Jedoch nur zur passenden Zeit. Pünktlich zum Anpfiff muss es aber gut sein.

Nicht hinnehmbar hingegen ist eine Einmischung in spezifischen Fachfragen. Wie man Räume enger macht, Zuspiele antizipiert, wie ein Stürmer einnickt, ohne einzuschlafen – all das ist Männersache. Deutschland gegen Nordirland, das ist kein Familienausflug. Es ist wie das Duell von Holzkohle und Bratwurst an Papas Grill.

„Den Weibern bringt Schweigen Ehre“, sagte schon der philosophische Linksverteidiger Sophokles im 5. Jahrhundert vor Christus. Lasst also Frieden herrschen unter den Geschlechtern. Bloß: Ist es nicht so, dass unsere Fußballfrauen reihenweise Titel sammeln, also doch so manches gut verstehen? Gut, darüber reden wir gerne wieder. Nach dem Finale, ab 11. Juli…