Archiv der Kategorie ‘Mann und Frau und umgekehrt’
Keine Sorge, die nackten Mädchen wandern nur
So, Haken dahinter: Der internationale Frauentag ist auch wieder geschafft. Jetzt noch amMuttertag Pralinen verschenken. Dann war’s dann wieder mit der Frauenfreundlichkeit, bis zum Valentinstag 2013. Man darf es mit der Gleichberechtigung nicht übertreiben. ZumGlück haben Aktionstage keine Folgen. Ach! Und was ist mit der Revolution bei “Bild”?
Da hat doch Deutschlands größte Boulevard-Zeitung tatsächlich von einem Frauentag auf den anderen das Seite-1-Mädchen abgeschafft. Dabei war doch die Kombination aus nackter Haut und neckischen Texten eines der wichtigsten Kauf- oder zumindest Hinguck-Argumente. Über 5000 Mal waren hüllenlose Schöne zu betrachten. Was haben sich die Herren der Redaktion (die Frauen hatten am 8. März frei) dabei bloß gedacht?
Vielleicht wollten sie beweisen, dass Frauenrechte auch durch Frauenversteher gewährleistet werden können. Wäre das so, könnte man sich die Debatte um Quoten für redaktionelles Führungspersonal sparen. Und kennen wir es nicht auch von Seminaren oder Unternehmensberatungen, dass die besten Ideen meistens “jemand von außen” hat?
Vielleicht plant “Bild” lediglich Brustvergrößerungen. Da auf der Titelseite wegen zurücktretender Bundespräsidenten, fistelstimmiger Castings-Stars, Helden des Sports und sonstigen Katastrophen immer drangvolle Enge herrscht, eröffnet das Verlegen des Nackig-Girls auf Seite 3 neue gestalterische Möglichkeiten. Man kann dann so ein schönes Strapsbild ja auch mal ganz groß bringen.
Vielleicht geht es aber nur ums Geld. Die Verkaufszahl der “Bild”-Zeitung im vierten Quartal ist von 2010 auf 2011 um 6,8 Prozent zurückgegangen. Glaubt man also, dass die Gelegenheitsgaffer zu zahlenden Kunden werden, wenn sie das Blatt am Kiosk in die Hand nehmen und umblättern müssen? (“Lesen verpflichtet zum Kauf”)
Denken wir in Ruhe drüber nach. Sicher dürfte aber sein, dass es sich bei der großen Frauenaktion um Heuchelei handelt. “Bild” ohne nackte Haut und ohne die Sex-Beichten von A- bis F-Promis ist für das breite Publikum so interessant wie ein Fußballspiel ohne Ball und Zalando ohne Schuhe.
Also Männer: Haken dahinter. Die Bild-Zeitung bleibt, wie und was sie ist. Und der nächste Internationale Frauentag kommt ganz bestimmt.
Rösler und Merkel: Da wird der Prinz zum Frosch
Im harten Alltagsgeschäft gerät allzu leicht in Vergessenheit, dass Angela Merkel eine Frau ist. Auch ihr Vizekanzler Philipp Rösler hat das gerade verdrängt. Er hat seine politische Lebensabschnittsgefährtin mit einem Frosch verglichen. Das ist heftig. So heftig, dass alles unterhalb der ewigen Feindschaft eine Überraschung wäre.
Sicher, man könnte abwinken, “Ach ja, der Rösler” sagen und einfach weitermachen. Ist doch der FDP-Chef für seine Witze berühmt-berüchtigt. Seine Ironie geht oft haarscharf am Ziel vorbei, so dass hinterher jemand beleidigt ist.
Und Verniedlichungen oder gar Kosenamen sind ohnehin so eine Sache. Man kommt sich ziemlich nahe. Nicht jede möchte sich ungefragt Hasi, Engel, Sahneschnitte, Erdbeerpfötchen oder Puddingbrumsel nennen lassen.
Unbedingt vermeiden sollte man aber Vergleiche, welche der oder die andere garantiert nicht mag. Wie das beim Frosch der Fall ist. Dieses Tier ist bestenfalls lustig (in der Inkarnationsform Kermit), sitzt aber ansonsten dumm, aufgeblasen und dick auf einem Seerosenblatt oder auf einem Stein herum, quakt und wartet darauf, dass Beute vorbeifliegt. Frösche gelten zwar als schöner als Kröten. Trotzdem haftet ihnen etwas Glitschiges an.
Selbst als Märchenfigur ist der Frosch nur zweite Wahl. Wir alle haben als Kind gelernt, dass etwas ganz Schönes herauskommt, wenn man ihn ganz lieb küsst. Was also will Philipp Rösler? Merkel küssen und Nahles bekommen? Oder Sigmar Gabriel? Oder Claudia Roth?
Wahrscheinlicher ist da schon dieser Fall: Merkel küsst Rösler und verwandelt ihn in einen Frosch. Und dann wird sie ihn kochen. Ganz langsam. Mit Genuss. Ganz bestimmt.
Voll im Trend: Verblöden mit dem Bachelor
In Selbstgesprächen haben sich Menschen seit jeher mit der Erkenntnis konfrontiert, dass sie gelegentlich ziemlich blöd waren. Die Frage unserer Tage lautet anders: Sind wir schon alle blöd? Sind wir auf dem Weg dorthin? Ist dieser Zug noch zu stoppen?
Ein klares Indiz für den Verfall von Geist und Moral ist der Erfolg der RTL-Serie “Der Bachelor”. Der “Bätschalla”, wie die “Bild”-Zeitung ihren Lesern in Lautschrift erklärt hat, durfte sich aus einer Gruppe williger junger Frauen seine zukünftige Gefährtin erwählen. Diese heißt Anja, ist aber drei Monate nach Abschluss der Dreharbeiten schon wieder weg. Weshalb sich unser starker Held namens Paul jetzt voll auf seine Autogrammstunden in Kaufhäusern konzentrieren kann.
Das müsste niemand interessieren, wenn diese Sendung nicht an die Grundfesten unseres Zusammenlebens rühren würde. Früher war es völlig klar, dass Fußball die höchsten Einschaltquoten hat. An diesem Aschermittwoch jedoch wollten 3,45 Millionen Menschen zwischen 14 und 49 Jahren (werberelevante Zielgruppe) der Vereinigung von Paul und Anja beiwohnen. Die Champions-League guckten 800.000 weniger.
Casting schlägt Fußball. Und Tussi schlägt Feministin. Letzterer muss es doch ein Gräuel sein, wenn aufgebrezelte Mädels dem Ruhm an der Seite eines angeblich reichen Schönlings hinterherstöckeln. Und kaum ist der Bachelor vorbei, geht die Party zum Auftakt der Fastenzeit mit “Germany’s Next Top Model” weiter. Nach dem Motto: Junge Frauen präsentieren ihren surrealen Körperbau. Da gab es schon mal andere Ziele.
Aber was macht daran blöd? Ganz einfach: Unser Gehirn bräuchte Ruhe, um sich zu regenerieren. Es möchte anhand neuer, ungewohnter Aufgaben wachsen. Aber es bekommt keine Casting-Verschnaufpausen mehr. Kaum ist ein Top Model gewählt, sucht ein Bauer eine Frau, werden Superstar und Supertalent, Dschungelkönige, Voices, Sänger für Baku oder Schwiergertöchter gesucht. Es ist immer was los. Aber es ist immer das Gleiche.
Und deshalb gilt – auf Fränkisch gesagt: “Wo der Bädschalla is, is der Baddscha ned weit.”
PS: Das Wort “Baddscha” steht für “Patscher” und steht für einen weitgehenden oder kompletten Ausfall denkrelevanter Gehirnfunktionen bei vollem Bewusstsein.
Glückwunsch an “unsere” First Lady

Daniela Schadt ist die neue First Lady.
Achtung, hier kommt Nürnberg! Jetzt, wo es so gut wie sicher ist, dass Joachim Gauck neuer Bundespräsident wird, steht es wohl auch fest, dass die neue First Lady aus unserer Stadt kommt. Ich gratuliere meiner Kollegin Daniela Schadt und wünsche ihr für die kommenden fünf Jahre viel Glück und vor allem gute Nerven.
Joachim Gauck ist seit zirka zwölf Jahren mit Daniela Schadt liiert. Bei der „Nürnberger Zeitung“ leitet sie das Ressort Innenpolitik. Zwar verfügt die 51-jährige einen hessischen Migrationshintergrund, hat aber längst bedeutende fränkische Eigenschaften angenommen.
Als da wären ein großer Fleiß sowie die Fähigkeit, widrige äußere Umstände bei Bedarf zu ignorieren. Vor allem aber auch ein feiner, hintersinniger Humor. Ich selber habe Daniela Schadt als offen, interessiert, schlau und richtig nett erlebt. Ihre unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen loben ihre Fähigkeit, herzlich zu lachen und heben ansonsten ihre Freude an klassischer Musik sowie ihren enormen Hunger auf Bücher hervor.
Sollte Joachim Gauck gewählt werden, wäre sie die erste „Präsidentengattin“ ohne Trauschein. Auch ansonsten dürfte sie lockerer auftreten als ihre Vorgängerin. Edle Kostümchen oder Fototermine mit Glamour-Bekanntschaften sind nicht so ihr Ding. Die Gesellschaftsreporter werden es bei ihr nicht so ganz leicht haben.
Schade ist aus hiesiger Sicht, dass Daniela Schadt ihren Job vermutlich aufgeben muss. Es ist ja schwer vorstellbar, dass die First Lady die deutsche Innenpolitik kommentiert. Sollte sie ihre Beziehung zum künftigen Präsidenten unkonventionell fortsetzen wollen, bliebe wohl bloß der Wechsel ins weitestgehend politikfreie Sportressort.
Vielleicht hieße es dann der Fußball-EM nicht mehr “Was sagt der Kaiser?”, sondern “Was denkt die First Lady?”. Eigentlich ist das gar kein dummer Plan…
Jetzt mehrt Euch! Oder es wird teuer

- Da ist er aber wieder mal in den Fettnapf getreten, der Bundestagsabgeordnete Wanderwitz, Marco. Für seine Idee, Kinderlose oder Einzelkinderzeuger zwecks Sicherung der Renten mit einer Demografie-Abgabe zu belegen, hat der CDU-Mann aus Chemnitz fast ausschließlich böse Kommentare geerntet. Angela Merkel hat das Projekt offiziell beerdigt. Endgültig muss das nicht sein.
Denn es gehört zu den Spielregeln der Politik, dass man ein Thema austestet. Da die Kanzlerin sowie ihre Kabinettskollegen - Ausnahme: Kristina Schröder - aus Respektsgründen auf allzu absurde öffentliche Vorschläge verzichten, werden Hinterbänkler nach vorne geschickt. Diese bringen als realpolitische Trüffelschweine revolutionäre Gedanken in die Diskussion. Und falls die öffentliche Reaktion nicht zu hundert Prozent vernichtend ausfällt, wird die Geschichte irgendwann erneut aus der Schublade geholt. Nach dem vierten Sturm der Entrüstung ist die Gesetzesreife erreicht.
In Sachen Demografie-Rücklage war Wanderwitz (drei Kinder) als Freund verrückter Ideen die Idealbesetzung. Von ihm stammte auch der Vorschlag, dass Griechenland seine Inseln verkaufen könnte, wenn es seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen könne. Ein weiterer Treppenwitz aus Chemnitz war die Idee, dicke oder fettleibige Menschen stärker zur Finanzierung der Krankenkassen heranzuziehen. Das gilt als erledigt, dürfte aber irgendwann wieder hochkommen.
Genauso wie die Kinderlosen-Steuer. Denn eigentlich ist es doch eine Ungeheuerlichkeit, wie sehr sich die junge Generation auf einen Gebärstreik verständigt hat. Milliardenbeträge sind in den vergangenen Jahren in die Finanzierung der Elternzeit gepumpt worden. Doch gereicht hat das nur für einen Geburtenanstieg von 0,05 pro Frau. Ungefähr.
Tja, und wenn das Zuckerbrot nichts bringt, greift man zur Peitsche. Dann gibt es eben keine Geschenke mehr, sondern gezielte Wohlstandsverringerung.
Aber wirklich motivieren wird das niemand. Beim Kinderkriegen geht es ja letztlich nicht ums Materielle, sondern um die Sehnsucht. Marco Wanderwitz sollte daran denken, dass in seiner Geburtsurkunde “Karl-Marx-Stadt” steht. Und da liegt die Lösung. Würde die Regierung ein Gesetz erlassen, wonach der Marx’sche Leitspruch “Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!” über allen Betten hängen muss – die Sorgen um unsere Zukunft wären schon nach wenigen Jahren nur noch ganz, ganz klein.
Hurra, die Liebe bricht herein!
Es ist doch schön, dass es in all dem Leid, in all dem Stress, der auf dieser Welt ist, Tage gibt, an denen die Liebe dramatisch über uns hereinbricht. So auch heute. Es ist Valentinstag. Überall werden die Sendboten der Innigkeit zu Bündeln verschnürt und in Papier oder Folie verpackt.
Man kann am Sinn dieses Tages zweifeln. Mann sowieso, denn ein solches Ereignis bringt die eigene Routine völlig durcheinander. Schließlich muss zu Arbeitsplatz, Heimweg, Sofa, Abendessen und Champions League ein Abstecher zum Floristen hinzugefügt werden. Immerhin, man leistet etwas für ärmere Regionen. 30 Prozent der in Deutschland verkauften Schnittblumen kommen aus Entwicklungsländern. Das findet Dirk Niebel gut, den im Pestiziddampf arbeitenden Frauen und Kindern hilft es wenigstens zum Teil.
Ein weiteres Gegenargument: Blumen schenken hat etwas vom Jahr der Behinderten oder vom Jahr der Frau. Man(n) geht, besorgt etwas, bringt es durch Schnee und Matsch nach Hause. Frau freut sich. Aber dann muss es auch wieder gut sein. Bis zum Muttertag.
Auf jeden Fall sollten Schenkende die Sprache der Blumen kennen. Es hat eine bittere Ironie wenn der Sofahocker, der jeden Abend nach dem dritten Bier vergisst, dass er nicht alleine lebt, mit roten Rosen daherkommt. Die damit signalisierte Leidenschaft ist vermutlich schwer einzulösen, weshalb die Beschenkte dazu neigen könnte, ein schlechtes Gewissen zu vermuten. Nelken sind modern, werden aber auch gerne für Trauerkränze benutzt. Das kann falsch verstanden werden.
Die Gerbera sieht hübsch aus, ist aber eine Blume, die man völlig leidenschaftslos auch an die eigene Oma verschenken kann. Recht clever ist es, die Iris in den Valentinstag-Strauß einzubauen. Sie steht für echte Liebe, worunter man ja durchaus auch den gemeinsamen Kartoffelchips – und Erdnussverzehr verstehen kann. Wer aber ganz sicher nichts verkehrt machen will, sollte zur Kamille greifen. Diese Blume steht für Hoffnung. Die können alle brauchen, Mann und Frau, zu jeder Zeit, an jedem Ort.
Wie dem auch sei: Ich war, Stand heute, 13.30 Uhr, noch nicht im Blumenladen. Aber ich werde tun, was ein Mann tun muss. Und vielleicht werde ich sogar überrascht, wenn Bier und Chips schon bereitstehen. Das ist dann mein schönes Geschenk. Bis zum Vatertag.
Bussi, Bussi? Hier küsst der bayerische Finne

Almog Cohen (li.) und Robert Mak vom 1. FC Nürnberg vollziehen den neuesten Bussi-Bussi-Trends.
Es gab Zeiten, in denen der Deutsche so etwas wie der Finne von heute war. Geküsst wurde im Normalfall bestensfalls die eigene Frau. Sonst aber niemand. Der schnelle, beidseitige Wangenkuss hat somit einen Migrationshintergrund. Ich sehe einen wesentlichen Grund in der massenhaften Brenner-Überquerung ab der Wirtschaftswunderzeit. Die Deutschen brachten von diesen Reisen neben Aufklebern, mit denen die erfolgreiche Bewältigung der Großglockner-Hochalpenstraße nachgewiesen werden konnte, vor allem auch den Traum mit, selbst einmal ein bisschen Italiener zu sein.
Wer aber die Glückwunsch- oder Abschieds-Zeremonien in Italien kennt, weiß, dass es bei einem dortigen Festessen einer Großfamilie mindestens 45 Minuten dauert, ehe jede/r jede/n geküsst hat.
Dieses ansich flüchtige Zuneigungs-Ritual machte alsbald in der italienischten Großstadt Deutschlands, in München, die Runde. Es kam zur Bildung der so genannten “Bussi-Bussi-Gesellschaft”. Da aber das Geschehen in der Glitzer-City an der Isar von Menschen in anderen Gebieten stets mit einem gewissen Minderwertigkeitskomplex verfolgt wurde und wird, sah auch die fränkische Bevölkerung Nachholbedarf.
Von der Mentalität her ist der Franke zwar eher ein bayerischer Finne. Er küsst von sich aus erst dann, wenn es einen geistig-mentalen Hintergrund hat. Aber man will ja nicht hinter den Münchnern zurückstehen, selbst wenn es einen beim “Bussi, Bussi!” innerlich gottserbärmlich graust. Es muss halt sein.
Erstaunlich ist eigentlich nur, dass sich der Wandel in den Urlaubsgewohnheiten noch nicht auf die Küsserei ausgewirkt hat. Immer mehr Menschen fahren in die Türkei. Dort wird eifrigst gebusselt. Allerdings küssen in der Regel Männer andere Männer und keine Frauen. Und umgekehrt. Man sieht das zwar immer öfter. Aber alles muss man auch nicht kopieren.
Wie zählt Schnaps in der Ehe?
Eine kleine Frage zum 11. November: Welche Menschen schauen heute Abend in besonders müde Augen? Antwort: Es sind die Angehörigen von Standesbeamtinnen und Standesbeamten. Denn diese hatten Zwecks Spezial-Datum irrsinnig viel zu tun.
Man überlegt sich schon, warum Paare so wild darauf sind, an einem Schnapszahl-Tag zu heiraten. Ist es die Hoffnung, dass der angenehme Effekt des gegenseitigen Schönsaufens auf diese Weise dauerhaft in der Beziehung verankern ließe? Will man Verwandten und Freunden zeigen, dass man den festen Willen zu einer ganz einmaligen Ehe hat? Oder glaubt man daran, dass man diesen Hochzeitstag selbst niemals vergessen wird?
Hofft man gar darauf, dass sich der latente Frohsinn, der dem Datum 11.11. innewohnt, auf die große Liebe übertragen lässt? Glaubt man daran, dass ein Streit weniger schlimm ist, wenn er, wie eine Büttenrede, in Reimform ausgetragen wird? Hat es mit der Vision des Mannes zu tun, dass die Angetraute fortan ausschließlich in superkurzen Röckchen durch die Wohnung hüpfen wird?
Wir können die Motive wohl nur erahnen, müssen aber der Vollständigkeit halber darauf hinweisen, dass sich an früheren Schnapstagen nicht alle Hoffnungen erfüllt haben. So hat das Berliner Standesamt mitgeteilt, dass die am 9.9.09 geschlossen Ehen überdurchschnittlich häufig geschieden wurden.
Die Schnapsdrosseln auf Freiersfüßen werden wieder am 12.12.12 in Scharen unterwegs sein. An einem Tag also, der auch Nationalfeiertag von Kenia ist. Was für die Liebe in Westeuropa natürlich gar nichts bedeutet. Egal. Wir sehen uns am nächsten Red Nose Day der Traualtare!
PS.: Zur sehr wahrscheinlichen Schicksalshaftigkeit eines Datums kommt eine aktuelle Meldung aus Köln. Dort soll es am 11.11 genau um 11.11 Uhr die Geburt eines Zwillingskindes gegeben haben. Alles andere als eine Karriere im Karneval wäre in diesem Fall sehr erstaunlich.
Die Männer und ihr unverstandener Gedenktag
Es ist tragisch. In diesen wirren Zeiten gibt es sogar unverstandene Gedenktage. Der Weltmännertag gehört dazu. Und das liegt – unter anderem – an Deppen wie mir.
Am Donnerstag stand dieser Spezialtag im Kalender. Ich habe mir da einen witzig-emanzipatorischen Akt eingebildet. Einen Tag, an dem es den Männer erlaubt wäre, sich auf dem Sofa fläzend am ganz persönlichen Lagerfeuer zu wärmen und in die weite Steppe deiner Seele zu schauen. Ohne dass dich eine wohlvertraute Stimme fragt: “Schatz, geht’s Dir nicht gut?”
Ich hatte an eine Art Vatertag auf höherem intellektuellen Niveau gedacht. An einen Tag, an dem es kein Problem wäre, mit einem SUV auf die Jagd nach etwas Unbestimmtem zu gehen. An dem ungesundes Essen eine Freude sein und schlechte Manieren toleriert würden. Mit anderen Worten: Ich träumte von 24 Stunden der evolutionsgerechten sinnvollen Verortung des Mannes in dieser Gesellschaft. Und aus all diesen Gründen hielt ich die Wahl von Markus Söder zum bayerischen Finanzminister für ein starkes Signal der CSU zu diesem Anlass. Mehr Testosteron hat ja keiner.
Aber es ist ganz anders: Der Weltmännertag soll das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern. Das sagt sein Erfinder, Michail Gorbatschow. Jawoll, jener Gorbatschow, der das große russische Reich in den Untergang getrieben hätte, wenn Putin nicht gekommen wäre. Wir sollen weniger Wodka oder Bier saufen, sollen stattdessen mehr auf unseren Körper achten – und uns so in Sachen Lebenserwartung Zug um Zug an die Frauen heranpirschen.
Ich frage: Ist das wirklich die richtige Reaktion auf den wackeligen Zustand der Sozialsystems im Allgemeinen sowie der Rentenkassen im Besonderen? Ich bin skeptisch. Genauso, wie ich skeptisch bin, was der Erfolg des Weltmännertages angeht.
Ich denke da an den Weltfrauentag. Dieser hat jede Menge Forderungen, mit denen sich die Welt verbessern ließe. Bloß: Am Muttertag ist trotzdem viel mehr los.
Frauen für die Chaosbanken
In Nürnberg war der Protest für mich noch nicht so ganz überzeugend. Man durfte einen alten VW Bus mit Anti-Globalisierungs-Sprüchen bemalen, es gab einen Einradfahrer, kostenlose Umarmungen und eine Frau im Clowns-Kostüm, die Turnübungen mit Kindern von Passanten veranstaltete. Dazu gab’s reichlich Reaggae, was für mich auch nicht der schnurgerade Weg zum Glück ist.
Aber unsere Geldinstitute. Ich habe den Eindruck, dass viele Investmentbanker weniger ein Fall für die Machtkontrolle als für die Suchthilfe sind. Die Arbeitsplätze dort sind doch wie gemacht für notorische Spieler. Du kannst wenig Geld mit einem Schweinehälften-Jackpot unwahrscheinlich stark vermehren. Geht es aber schief, gibt es immer noch den Steuerzahler. Der setzt sich eine bunte Perücke auf, fährt stinksauer Einrad vor der Lorenzkirche, bezahlt dann aber die Rechnung – und die Party kann weitergehen.
Vielleicht ist ja die Geschlechterverteilung in den Zocker-Abteilungen der Banken ein Problem. Komischerweise habe ich noch nie von einer Brutalstbankerin gehört und gelesen. Ich habe noch nie eine solche Frau auf einem Foto oder in einem Fernsehbeitrag zur Bankenkrise gesehen.
Ich finde also, dass man die Banken zur Ausrichtung eines “Derivat-Girls-Day” verpflichten sollte. An diesem Nachwuchs-Aquirierungsprogramm sollten ausschließlich Frauen teilnehmen, die erfolgreich einen Realhaushalt mit Kindern undsoweiter geführt haben. So könnte die Bodenhaftung der Finanzwirtschaft gesteigert werden.
Eine schöneThese. Bloß: Können wir wirklich sicher sein, dass nicht auch eine Frau zum kapitalistischen Turbo-Raubtier wird, wenn sie erstmal bonusmäßig Blut geleckt hat? Ich weiß es nicht. Dieser Text trägt somit den Zusatz “Ohne Gewähr”
Ein Leben als Frau? Lieber nicht!
Franz Beckenbauer redet davon, dass er sich vorstellen könnte, als Frau wiedergeboren zu werden. Ich sage: Hier irrt die Lichtgestalt. Denn das Leben der Frau ist viel zu kompliziert und viel zu ungerecht.
Frau am Steuer – einfach unsexy
Aber der Reihe nach: Wir erfahren zum Beispiel, dass laut Umfrage die Restaurantwirtin auf dem zehnten Platz des Unsexy-Rankings liegt. Also fragt man sich doch, warum ein Frau, die Pils zapft und Schnitzel serviert, langweiliger ist, als eine Frau, die in einem Flugzeug Kaffee ausschenkt. Rätselhaft. Die Erotik-Studie ist auch eine klare Absage an “Mädchen in Männerberufen”. Handwerkerinnen und Kfz-Mechanikerinnen landen auf den Plätzen 9 und 8. Na gut, hier ist wohl die natürliche Autorität des Durchschnittsmannes tangiert.
Erstaunlich hingegen ist der siebtletzte Platz der Verkäuferinnen. Das kann eigentlich nur daran liegen, dass Männer zu selten sehenden Auges zu Douglas oder in Schuhgeschäfte gehen. Hormontechnisch unbedeutend sind ebenfalls Schaffnerinnen und Büroangestellte, die keine Sekretärinnen sind.
Dass Macht und gegebenfalls Klugheit Frauen nicht sexy machen zeigen die Plätze vier bis zwei: Sie gehen an Programmiererinnen, Beamtinnen und Politikerinnen.
Die Anti-Sex-Frau schlechthin ist jedoch die Taxifahrerin. Logisch: Sie dringt in die Männerdomäne des Fahrens ein, trägt ausschließlich bequeme Kleidung, muss nicht mal nach dem Weg fragen, soll möglichst nicht zu sehr vollgequatscht werden und verlangt für ihre Dienstleistung in aller Regel viel zu viel Geld. Schlechte Papiere. Allerdings geht es den Herren am Steuer nicht besser. Auch Frauen gilt der Taxifahrer als besonders unsexy.
Ich stelle also abschließend fest, dass ich Liebesbeziehungen von Taxifahrerinnen und -fahrern für sehr wahrscheinlich halte. Sonst will sie ja keiner.
Das “köstlichste Gut”, das keiner haben will
Trotz gewaltiger staatlicher Fördergelder will sich ein echter Kindersegen bei uns einfach nicht einstellen. Woran liegt’s. Kinder sind das köstlichste Gut eines Volkes. Aber wer muss wen wann köstlich finden, damit das alle auch so sehen?
Die Saftschubse verleiht den Hormonen Flügel
So allmählich müsste doch auch dem schlimmsten Betonkopf klar sein, dass es keine Frage des Geschlechts ist, ob jemand Spitzenleistungen bringt oder auf der ganzen Linie versagt. Die Weltpolitik etwa hat sich doch nicht wirklich verändert, seit immer mehr Frauen am Ruder sind. Außer vielleicht, dass in immer mehr Ländern das Haushaltsgeld fehlt.
Aber die Männer haben diese Erkenntnis geistig-moralisch noch nicht vollzogen. Dies beweist gerade eine neue Umfrage zum Thema „Welche Frauenberufe finden Männer sexy?“.
Hier zeigt sich, dass es den Herren völlig ausreicht, wenn sie die Chefin daheim haben. „Managerin“ kommt in den Top Ten nämlich nicht vor. Dafür beflügelt das Gesundheitswesen die Phantasie der Männer. Wobei das erotische Wesen besser als Krankenschwester (Platz 4) denn als Ärztin (Platz 7) daherkommt. Die Sekretärin (Platz 6) landet erstaunlicherweise hinter der Pilotin.
Naheliegend war die Einschätzung der Umfrage-Teilnehmer, dass Hostessen meistens sexy sind (Platz3). Auf dem zweiten Platz sind die Fitnesstrainerinnen gelandet.
Aber dann, die Siegerinnen: Stewardessen! Da überlegt man sich doch, was so unfassbar scharf ist an Frauen, die gestenreich die Notausgänge erklären, immer den kürzesten Weg zum Klo zeigen können und kistenweise Tomatensaft durch die Gegend fahren.
Ich weiß es nicht. Und finde das Umfrage-Ergebnis sowieso tragisch. Denn wir Männer finden uns damit ab, dass die die tollsten Frauen in 10.000 Metern Höhe herumschweben. Ach, wer verleiht uns Flügel?



Wo kein Weib, ist immerhin noch Wein
Wenn das keine Verheißung war: „Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang“. Dies erklärte unser großer Reformator Martin Luther und machte so der katholischen Lustfeindlichkeit ein Ende. Vor allem aber vermittelte er damit das Bild, dass das alles zusammengehöre. Männliche Fruchtfliegen können da nur süß-sauer lächeln.
Aber zurück zum Motto: Der galante Wiener Walzerkönig Johann Strauß machte den Wahlspruch zum Titel eines seiner Werke. Damals war die Welt von Mann und Frau offenbar noch wohlgeordnet. Als aber ein gewisser Ian Dury 1977 seine Punk-Folk-Version unter dem Titel “Sex and Drugs and Rock´n Roll” herausbrachte, konnte man schon den Eindruck haben, dass alles zusammen schwer erreichbar sein könnte. Der Mann war einfach zu hässlich und hatte auch noch richtig schlechte Zähne.
Außerdem hatten Udo Jürgens mit “Griechischer Wein” und Peter Alexander mit “Die kleine Kneipe” schon 1974 und 1975 davon gesungen, dass Saufen auch mit anderen, ernsteren Themen zu tun haben könnte.
Das Thema “Ersatzbefriedigung” rückt seitdem mehr und mehr in den Blickpunkt der Gelehrten. Womit wir bei der Fruchtfliege wären. Forscher der University of California haben nämlich herausgefunden, dass sich männliche Fruchtfliegen mit Alkohol trösten, wenn sie keinen Sex bekommen. Sie hatten im Labor männliche Fliegen mit Weibchen zusammengebracht, die sich zuvor gepaart und folglich kein Interesse mehr an Sex hatten.
Die zurückgewiesenen Männchen hatten im Anschluss die Wahl zwischen normalem und Ethanol-haltigem Futter. Sie stürzten sich auf den Alkohol.
Nun versprechen sich die Forscher von ihrer Studie neue Erkenntnisse über das Suchtverhalten beim Menschen. Mit Verlaub: Ich mag daran nicht glauben. Dazu ist sie einfach zu unvollständig. So wurde den Fruchtfliegen als Alternative weder Halbmarathon, Harley-Davidson, Bundesliga-Dauerkarte noch eine Mitgliedschaft im Golfverein vorgeschlagen.
Und es fehlen Hinweise auf die geheimen Gelüste verschmähter Fruchtflieginnen. Unser singender Menschenkenner und -freund Udo Jürgens hatte dafür im Jahr 1976 eine Idee. Torte – “Aber bitte mit Sahne!”.