Das Ende des Bekenntnis-Beutels

Wir haben das Böse erkannt, wir haben das Böse besiegt. Es ist immer schön, wenn man mit diesem Gefühl durchs Leben gehen kann. Wenn man weiß, dass man Fehler der Vergangenheit korrigiert hat und der einst vertrauten Gefahr entkommen ist. WAs ist passiert? Die Plastiktüte wird geächtet!

Es ist erstaunlich, in welcher Geschwindigkeit aus einem hilfreichen Begleiter ein verabscheuungswürdiges Produkt geworden ist. Plastiktüten sind ja äußerst praktisch. Sie eignen sich für Schuhe, Bücher, Äpfel und gebrauchtes Katzenstreu. Wer der Welt mitteilen wollte, dass er beim Discounter einkauft, musste nur mit seiner Tüte durch die Stadt laufen. Die Plastiktüte ist und war somit immer auch ein Bekenntnis-Beutel.

Aber: Schon in den 70-er Jahren war das Material umstritten. „Jute statt Plastik“ lautete die Parole, die aber hauptsächlich von Langhaarigen in Batikhemden oder von den Teilnehmern kirchlicher Jugendferienlager gerufen wurde. Die große Kunststoff-Epoche sollte erst noch beginnen.

Doch nun geht es dahin. Videos von Tauchern, die Fische beobachten wollen, aber stattdessen durch bunt bedruckte Tüten schnorcheln, schockieren uns. Wenn wir hören, dass im Magen eines gestrandeten Pottwals 29 Kilogramm Plastikmüll gefunden wurde, wird es uns schwummrig. Erst recht, wenn die Information nschgeschoben wird, dass jedes Jahr mindestens acht Millionen Tonnen Kunststoffabfall in den Meeren landet. Es läuft etwas schief.

Also weg damit. Das ist gut so, wobei es aber völlig anders läuft, als bei anderen Themen. Als es vor einigen Jahren um ein strenges Rauchverbot ging, klangen die Proteste, als würden nunmehr sämtliche Freiheitsrechte durch eine Öko-Diktatur ersetzt. In der Abwägung, ob es ethischer ist, Mitmenschen oder Meerssäuger zu vergiften, gewinnen Tümmler und Buckelwal. Vielleicht wird es auch bloß als Recht angesehen, sich selbst zu schaden. Meine Lungen gehört mir. Und trotz Abgasskandal rollen die SUV’s durch die Wohnstraßen der Innenstädte. Das Gift trifft dort vor allem Menschen.

Das wirkt wie ein Zeichen für wachsende Zweifel an der eigenen Spezies. Der Mensch schadet ja bloß sich selbst. Jetzt retten wir die Schildkröte. Die nächste Stufe der Vernunft kommt. Hoffentlich nicht zu spät.