Archiv der Kategorie ‘Krisen und Aufschwung’

April 11th, 2014

Der Kunde ist Opfer. Teil 1: Der Toner

Achtung, hier beginnt eine Trilogie. Genauer gesagt, eine Kunden-Tragödie in drei Akten. Ich schreibe sie in der festen Erkenntnis, dass die Menschen in diesem Wirtschaftssystem verarscht werden. Aus Gründen der Authentizität sind fränkische Zitate unvermeidbar. Teil eins: Der Toner.

Ehrlich, ich war stolz auf meinen koreanischen Drucker. Ach was, Drucker. Ein Gerät mit Kopier- und Scanfunktion, eine vervielfältigende Wollmilchsau sozusagen. Und zu einem Preis, der noch vor fünf Jahren für einen Laserdrucker bestenfalls als schüchterne Anzahlung gereicht hätte. Irgendwas knapp unter 200 Euro. Ein allerfeinstes Geiz-Geil-Schnäppchen also. Das Gerät arbeitete gut. Aber dann: Blink, blink, der Toner ist leer. Wir wissen: Der Toner ist dem Drucker sein Akku. Also immer futsch, wenn du ihn dringend brauchst. Auf zur Ersatzbeschaffung.

Erste Station: Eine “Tinten-Tankstelle”. Der Verkäufer mustert den mitgebrachten Toner-Behälter und stellt die gnadenlose Frage: “Welcher Dübb iss’n Ihr Druggär?” Die angemessene Antwort “Meistens netter als ich gleich bin, du Hirni” verkneift man sich. Also Schulterzucken und der Hinweis an den Experten, dass der Firmenname draufstehe und dass es doch eine Seriennummer geben müsse. “Waddens. Ja, doh. Iich gebs amohl in mein Kombjuder ei.” Gefühlte zehn Minuten später die erlösende Botschaft: “Dou hammern. Obä, den mäimer beschdelln. Villeichd wär’s ja besser, wenn Sie dahamm noch amohl wecha dem Dübb nochschauerdn. Wall wissns, ma schdeggd ja ned drinn.”

Na gut, fragen wir die Konkurrenz. Zweites Geschäft, der Verkäufer ist sauber gekämmt, ein Scheitel, wie mit der Streitaxt gezogen. Er spricht hochdeutsch. “Grüß Gott, ich bräuchte einen Toner für einen S……. M 2070. Schwarz-weiß reicht.” Verkäufer: “Moment, ich geb’ das mal in meinen Computer ein. Ja, da ist er.” “Bin ich jetzt froh.” “Ja, aber den haben wir nicht im Sortiment.” “Wie? Jetzt?” “Den kriegen Sie bei uns nicht.” “Sie wollen mir also jetzt sagen, dass ich einen Toner, den ich ohne Problem von daheim aus bestellen könnte, bei Ihnen nicht kriege?” “Exakt.” “Sie verarschen mich.” “Nö.” “Sie wollen mich nicht als Kunden?” ” Na ja, das ist zu hart ausgedrückt.” “Sie meinen es ernst?” “Exakt.”

Die anschließende Google-Suche – zwecks Lieferzeiten-Vermeidung dringend angeraten – führt mich zu “flinken Printware-Profis” in meiner Nachbarschaft. Sensibilisiert durch meine Erfahrungen will ich erst mal wissen, ob der Toner vorrätig ist. Telefon wird abgehoben.  ”Trallitralla, Dings, Dings. Wos konni fiehr Sie duhn?” Kurze Problemschilderung. “Ja, den konn ich besorgn. Bis morgn middoch.” Und was kostet der? “44 Euro – und die Schdeuer  gäihd eggsdra.” “Wie? Hallo? Das ist fast teurer als der Drucker.”

“Ja und, wäi mahner nou Sie, dass unsere Kondserne ihr Geld verdienä? Immä iieber die Ersaddsdeile.Als Kosumend willmer a Schnäbbchen – dofür bezohld mer dann hinterher.” “Ja, aber 44 Euro?” “Des is wecherm Badend. Dou is a Badend-Schudds draaf.” “Aber Toner gibt’s seit Jahrzehnten.” “Dann schauers doch, wos heidzudooch alles baddendierd werd. Sie könna genauso goud die Badroner von Ihr’m Fülla baddendiern. Und wenn der La Rosch am Amaddsonas a Unkraud find, des gecha Durchfall hilfd, nou kummd a Schdembbl draaf midd der Aufschrifd ‘Erfundn von Farmaindschenör Wilhelm Dell’. Des machds hald erschd amohl deirer.” “Gibt’s keine Alternative?” “Ned werggli. Groud däi von Ihrer Firma sinn voll aggressiv, wos Badendverleddsungen ohgäid. Do sogn mir Finger wech.”

“Na gut, ich komme gleich vorbei.” “Na, besser ned. Wall, där Dohner is draußn im Lohcha. Den bringerd unsä Fohrer vorbei. Nou hammsn schneller.”

“Unser Fahrer” arbeitet für die DHL. Die Lieferung kostet 2,90, Endpreis 55,75 Euro. Handelt die Post jetzt auch mit Druckerbedarf? Egal, wenigstens war auf dem Transporter kein “Badend” drauf.


 

 

 

 

 

 

April 4th, 2014

Die lustigen Rentner sind unser Ruin

Ach, diese Rentner. Sie werden uns ruinieren. Sie sind unser Verderben. Wollen bezahltes Nichtstun schon mit 63. Obwohl der Zusammenbruch der Ökonomie droht. Widerliche Egoisten!

Erstmal: Die Debatte ist aufgeblasen. Wer mit 63 ohne Abschläge gehen will, muss ja 45 Jahre als Beitragszahler/-in gearbeitet haben. Daran dürfte der schnelle Abgang öfters scheitern. Aber das ist eine Randbemerkung.

Erstaunlicher ist die Verlogenheit unserer Wirtschaftsbosse. Vor ein paar Jahren wurde das Thema noch ganz anders gehandhabt. Ältere Beschäftigte wurden als Problem gesehen. Sie seien unflexibel, könnten dem technologischen Fortschritt nicht mehr folgen. Außerdem seien sie ständig wochenlang krank oder auf Reha. Und teurer seien die Alten sowieso.

„Jung und dynamisch“ war angesagt. Also wurde in vielen Firmen aufgeräumt. Die Generation Ü50 wurde weggschickt, bevorzugt mit hoch subventionierten Altersteilzeitverträgen.

Inzwischen fehlen die jungen Kräfte – und schon entdeckt unsere Wirtschaft neue Werte. Ältere Beschäftigte verfügten über unersetzliche Erfahrungswerte. Sie seien genauso lernwillig wie ihre jungen Kollegen. Und meldeten sich auch nicht häufiger krank. Was übrigens stimmt.

Vielleicht sind die Alten aber auch selber schuld daran, dass sie neu entdeckt werden. Würden sie sich, wie es sich für Rentner gehört, auf eine Parkbank setzen und mit ihrem Altersgenossen über ihre neuesten Wehwehchen reden, würde man voll des Mitleids an ihnen vorbeigehen. Stattdessen sitzen sie zur besten Arbeitszeit beim Latte Macchiato im Café, schwimmen, fahren Rad, klettern und kleben sich für’s Rockfestival eine Rolling-Stones-Zunge an den Rollator.

Diejenigen, die von den Controllern in computergestützte Vollstress-Jobs gepresst worden sind, können so viel gute Laune natürlich nicht ertragen. Also, liebe Rentner, zeigt endlich Demut! Dann lassen wir euch gerne gehen. Wenn’s sein muss, auch schon mit 63.

 

März 5th, 2014

Reichtum wächst – Verarsche geht immer

Na also, die Welt ist wieder in Ordnung. Bill Gates, als Microsoft-Gründer ein Gottvater unserer modernen Kommunikation, ist wieder der reichste Mann der Welt. 76 Milliarden Dollar lagern nach Recherchen der Zeitschrift “Forbes” in seinen Depots.

Staunen tun wir aber schon. Hatte nicht dieser Bill Gates zusammen mit weiteren stinkreichen Kumpanen einen stattlichen Teil seines Vermögens gespendet? Sollten mit dem Geld nicht Aids und andere Seuchen in Afrika bekämpft werden? Da müsste doch was fehlen. Wurden die Spenden nur vorgetäuscht? Hat es beim Online-Banking mit Microsoft-Produkten einen verheerenden Software-Fehler gegeben, der die Überweisung verhindert hat?

Muss nicht sein. Denn ab einer gewissen Größe des Vermögens ist wachsender Reichtum unvermeidlich. Das Sparschwein wird Mehrschwein. Ein Bill Gates bunkert sein Geld schließlich nicht – wie wir – für 0,15 Prozent Jahreszinsen auf einem  Sparbuch. Sondern er geht vielleicht zur Nummer 4 der Welt-Reichenliste, dem Herrn Buffet (53,3 Milliarden Dolar). Und sagt “Warren, kümmer’ dich drum.” Der kümmert sich, überreicht dem Bill am Buffet die neuesten Kontoauszüge und fragt lächelnd “Na, Gates?”. Ja, es geht bestimmt.

Schließlich ist der Reichtum der Reichsten zu einem erheblichen Teil auf Verarsche begründet. Die geht immer. Die irren Vermögen sind der Ertrag der irremachenden Hotlines, die Dividende des schlechten Service, der schamlosen Ausbeutung und des immer wiederkehrenden Verdrusses. Die Nummer 2 der Milliardäre, Carlos Slim Helu, ist mit seinen 72,1 Miliarden Dollar der Chef der Mexico-Telekommunikation. Die Nummer 3, der Spanier Amancio Ortega (Zara-Chef) verkauft billig produzierte Mode, ist also ein analoger Exot. Auf Platz 6 allerdings rangiert Larry Ellison, Chef des Software-Konzerns Oracle.

Wenn uns also all diese Herrschaften wieder einmal mit einem zuckersüßen Singsang-Werbespot klarmachen wollen, dass ihre neueste All-Net-For-Ever-Family-Friends-Flatrate ein Geschenk an die Menschheit sei, dann vermeiden wir bitte eines: den Rückzugsbefehl an den Mittelfinger. Öffentlich müssen wir ihn ja nicht zeigen.

Februar 20th, 2014

Raubtierkapitalisten fürchten nur Schnee

Sicher, Habgier zählt zurecht zu den Todsünden. Aber es ist verkehrt, den Kapitalismus für alles Schlechte in der Welt verantwortlich zu machen.

Wir sollten da auch unseren Lieblingspapst Franziskus zur Ordnung rufen, der diese Wirtschaftsordnung als “an der Wurzel ungerecht” bezeichnet hat. Denn rein materiell haben von diesem System auch die Beschäftigten profitiert. Der Unterschied zwischen sozialer Marktwirtschaft und real existierendem Sozialismus lässt sich so darstellen: VW Golf statt Trabant und Doppelhaushälfte statt Plattenbau.

Bei dieser Betrachtung darf allerdings das Wort “sozial” nicht übersehen werden. Es soll Unternehmer gegeben haben oder noch geben, die es gut und richtig fanden, dass die Beschäftigten am Erfolg der Firma teilhaben. Also war man Lohnforderungen gegenüber  aufgeschlossen, Verhandlungen über Tarife wurden mit dem Willen geführt, zu einer Einigung zu kommen. Zusätzliche Urlaubstage oder verrückten Ideen wie das Weihnachtsgeld ließ man sich durch Streiks abringen. Aber hinterher herrschte Frieden.

Das hat sich vielfach geändert. Spendabel sind Unternehmen heutzutage vor allem bei den Gehältern der Chefs. Oder bei deren Abfindungen. Ansonsten sitzen die Controller derart auf dem Geld, dass unser Euro-Adler quietscht. Das Humankapital ist in jedem Fall negativ zu bewerten. Nur Lohnverzicht kann uns retten. Zumal er auf lange Sicht in den wohltuenden Rentenverzicht mündet. Die Senioren der nicht mehr so sozialen Marktwirtschaft werden ihre Kreuzfahrt nicht mehr in die Karibik oder ans Nordkap unternehmen. Sie werden, begleitet von mittelmäßigen Blaskapellen, über unsere Binnengewässer gondeln.

Das ist die Zukunft. Aber wer, bitteschön, ist denn zurzeit der größte denkbare Renditeheld? Wer ist das ultimative Raubtier unter den Kapitalisten? Antwort: Es ist der Inhaber einer Firma für Schneeräumdienste. Monat für Monat bekommt er die Überweisung seiner Kunden aufs Konto. Tun muss er dafür Null und Nix.

Kein Aufwand, hoher Ertrag. 97 Prozent Umsatzrendite, im Zweifelsfall ohne jede Habgier. Dieser Mann ist unser Vorbild, unser Held. So lange das Wetter eben hält…

 

 

 

November 28th, 2013

Ein Rutsch geht durch Deutschland

Monstertaifune, Tsunamis, Erdbeben, Dürreperioden: Naturkatastrophen plagen diese Welt, und sie werden, wie es scheint, immer häufiger. Auch wir leiden. Denn wenn es passiert, steht alles still. Knochen bersten, Nerven und Sehnen reißen. Was aber ist diese vernichtende Urgewalt? Die Antwort: Drei Zentimeter Neuschnee.

Bei uns in Nürnberg war es gerade wieder soweit. Die Schneeflocken fielen, hatten sich aber als Zeitpunkt ausgerechnet den morgendlichen Berufsverkehr ausgesucht. Die Folge: Die Männer in den Räum- und Streufahrzeugen meinten es zwar gut, standen aber mit den gestressten Zeitgenossen in den Autos einträchtig im Stau. Es gab kein Entrinnen, dafür aber Einsätze mit seltsamen Geräten. Kleinen Traktoren etwa, an die vorne eine gelbe Bürste gespannt war. Damit sollten Fußgängerüberwege freigemacht werden. Stattdessen wurde der frische Schnee plattgewalzt, so dass eine richtig glatte Fläche zurückblieb. Wir sahen den Laubsauger des Frostes.

Das Gesamtergebnis: Jammer, wohin das Auge blickte. Selbst deutscheste Autofahrer drückten die Verzweiflungshupe. Es war wie immer beim ersten Wintereinbruch. Wobei man sich wundern darf. Denn Schneefall verlängert nicht die Länge der Strecken. Wenn alle Menschen 20 Minuten früher losfahren würden und entsprechend langsamer unterwegs wären, müsste doch alles wie sonst auch sein. Meint man – als schlichtes Gemüt.

Man fragt sich auch, wie jene Menschen unsere Probleme anschauen würden, die in den Weiten der USA oder Kanadas leben und schon deshalb mächtige Geländewagen fahren, damit sie sich bei Schneefall eine minimale Chance bewahren, oben rauszuschauen. Vielleicht würden sie sich wundern. Spätestens aber dann verstehen, wenn man ihnen erklärt, dass vom Parlament des lustig-derben Lederhosenlandes Bayern wegen eines einzigen Tieres dieser Spezies ein Braunbärenbeauftragter ernannt wurde.

Geben wir es zu. Wir sind verweichlicht. Wir halten nichts aus. Wir drehen durch, wenn es anders kommt als gewohnt. Worin ein Auftrag für unsere famose Industrie liegt. Kann man nicht Autos erfinden, die durch den Auspuff Streusalz versprühen? Wie wäre es mit kleinen Schaufeln, die bei Schnee und Matsch vor den Reifen heruntergelassen werden? Wo bleibt das Allwetter-Luftkissen-Elektro-Nullemissions-SUV? Brauchen wir Salz-, Sand- und Blähton-Drohnen, die das rettende Material von oben verstreuen? Rüstungskonzerne müssten das können. Schwerter zu Schneepflugscharen.

Oder aber wir reißen uns zusammen. Begreift es endlich: Es muss ein Rutsch durch Deutschland gehen.

 

 

Oktober 2nd, 2013

Klima wandelt sich, der Mensch nicht

„Klimawandel immer schlimmer“. So haben Schlagzeilen der vergangenen Tage gelautet. Wir haben erfahren, dass in hundert Jahren riesige Gebiete nicht mehr bewohnbar sein werden. Und dass auch wir in unserem schnuckeligen Landstrich damit rechnen müssen, dass uns zirka drei Mal im Jahr durch Regen und Sturm das Dach abgedeckt wird. Sofern unsere Häuser nicht umgeweht werden.
Und nun? Passiert was? Wird sich etwas ändern? Ich sage Nein. Denn wir sind bloß Menschen. Unsere Vorstellung von der Zukunft trügt, sie hängt auch stark von der allgemeinen Stimmung ab. Nach der Mondlandung 1968 war für uns klar, dass im Jahr 2000 die erste Mars-Kolonie Richtfest feiern und unsere Autos zehn Meter über dem Grund schweben würden. Als 1990 die Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen wurde, glaubten wir gerne Franz Beckenbauers Prognose, dass die wiedervereinigte deutsche Nationalelf auf viele Jahre hinaus unschlagbar sein würde.
Heute sind uns Visionen jedweder Art abhanden gekommen. Bundesumweltminister Peter Altmaier etwa ließ zu den neuesten Klima-Katastrophenberichten Folgendes verbreiten: “Das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, sei nur mit den richtigen Weichenstellungen zu erreichen.” Diese billige Sprechblase wird es bestimmt nicht in die Stratosphäre schaffen. Wir wissen, dass uns, spätestens aber unserer Nachfolge-Generation, kollektive Altersarmut drohen wird. Wir sehen, dass wir kein Vermögen aufbauen können, weil es keine Zinsen mehr gibt. Was sollen uns da ein paar Naturkatastrophen schrecken? Die Zukunft wird öde, wir kriegen Hartz Fünf bis Zehn. Aber das ist halt so. Sollen sich die Eisbären eben anstrengen, dass ihnen Kiemen wachsen.
Wir Menschen sind nicht für den Wandel gemacht. Wer von uns schafft es schon, Gewohnheiten ersatzlos aufzugeben? Es mag sich ja mancher Ex-Raucher die Zigaretten abgewöhnen. Aber er lutscht dann eben Bonbons und wird dick und dicker. Durch die Super-Wahnsinns-Spezial-Diät verlieren wir 30 Kilogramm. Um innerhalb von sechs Monaten 40 Kilogramm zuzunehmen. Wir sind Pendelwesen, die den Drang haben, nach einer Phase der Veränderung in die Ausgangsposition zurückzukehren.
Ist demnach alle Zukunftshoffnung dahin? Nicht unbedingt. Nehmen wir an, die Klimaforscher seien ähnlich kompetent wie die so genannten Wirtschaftsweisen. Hoch angesehene Professoren, die der Politik das Handeln diktieren, aber mit ihren Prognosen meistens falsch liegen. Dann kommt alles ganz anders und der Klimawandel macht aus dieser Erde ein Paradies für alle. Das ist die Vision. Ansonsten möchte man kein Kind sein.

August 18th, 2013

Unser Wachstum wächst verkehrt

Sauber haben wir die Kurve gekriegt: Es gibt wieder Wachstum in Europa! 0,3 Prozent! Ist demnach die Eurokrise dabei, ähnlich geräuschlos zu verschwinden, wie seinerzeit der Rinderwahnsinn? Geht es endlich wieder aufwärts? Bekommen wir blühende Landschaften von Lissabon bis Mykonos?

Interessierte Kreise haben natürlich sofort den Verdacht gestreut, Angela Merkel habe die neuesten Zahlen für die Eurozone als Wahlkampfhilfe angefordert. Lassen sie sich doch so lesen, als haben die harte Hand unserer Kanzlerin die Wirtschaft unseres Kontinents wieder auf Kurs gebracht. Das ist schwer zu glauben, denn so glänzend sind die Zahlen und Perspektiven auch wieder nicht. Andererseits leben wir auch nicht in Zeiten der unbestechlichen Wissenschaft. Wer einem Universitäts-Professor eine Studie finanziert, darf auf ein Ergebnis seiner Wahl zumindest hoffen.

Mit den Zuwachsraten ist das ohnehin so eine Sache. Manche Sparbriefe früher waren wie Gelbwurst in der Landmetzgerei. Es galt das Motto “Derf’s a bissala mehr sei?”. Ja, acht Prozent pro Jahr, komplett risikofrei, hat es mal gegeben. Zwar war die Inflationsrate höher als heute, doch es war gut für’s Lebensgefühl, wenn sich Geldbeträge sichtbar vermehrt haben. Das ist vorbei, vermutlich auf ewig.

Die Sehnsucht nach Wachstum hat aber auch irrationale Züge. Ist es überhaupt gut, wenn das Bruttosozialprodukt nach oben schießt? Die Antwort lautet, wie so oft im Leben: “Es kommt darauf an.” Denn es gibt Wachstum, dass wir besser nicht haben. Wenn die Menschen rauchen oder immer dicker werden und deshalb öfter zum Arzt gehen und immer mehr Tabletten fressen, steigert das die Wirtschaftsleistung. Wenn Strom und Benzin teurer werden, passiert das auch. Wenn zehn dicke SUV’s verkauft werden, ist das gut für’s Bruttosozialprodukt, macht aber das Leben nur für wenige Menschen schöner.

So ganz wird man den Eindruck nicht los, dass das Wachstum an der falschen Stelle wächst. Sechs Prozent Inflation bei Lebensmitteln, Preiserhöhungen im Nahverkehr, immer mehr schlecht bezahlte Jobs. Wenn man dagegen hält, dass am Ende – alles in allem – 0,3 Prozent Plus herauskommt, dann ist für die große Masse wenig bis nichts erreicht. Aber wir haben es ja so gewählt/gewollt.

 

 

August 11th, 2013

Seehofer, Guardiola und die Pkw-Maut

Also sprach der  große Vorsitzende Horst Seehofer: Er werde einen neuen Koalitionsvertrag nur dann unterschreiben, wenn darin die Pkw-Maut für Ausländer enthalten sei. Ist das nun mehr als eine Stammtisch-Parole? Denken wir mal nach.

Interessant ist zunächst, dass der CSU-Chef an mehreren Stellen seines Interviews in der Bild am Sonntag so redet, als sei die Bundestagswahl entschieden. Der Gedanke, dass seine Unterschrift auf dem künftigen rot-grünen Regierungsfahrplan gar nicht gebraucht werden könnte, kommt in seinem Denken offenbar überhaupt nicht vor. Es scheint, dass die Wahl für ihn als gewonnen abgehakt ist.

Aber stellen wir die entscheidende Frage: Müsste Pep Guardiola Autobahn-Maut zahlen, wenn er Uli Hoeneß zum Steuerflüchtlings-Seminar im Hause Beckenbauer nach Kitzbühel fahren sollte? Eher nein, denn er ist kein Ausländer. Nach EU-Recht gelten Staatsangehörige als Inländer. Also werden Portugiesen genauso wenig Pkw-Maut zahlen wie Österreicher oder Bulgaren. Blechen müssten allerdings stinkreiche Leute, nämlich die Schweizer, Russen und Chinesen. Auch Papst Franziskus müsste sich die Vignette auf sein Papamobil kleben lassen.

Es lauern aber noch mehr Probleme: Ist die Pkw-Maut an den Ort der Zulassung gebunden? Wird sie also für Autos mit deutschen Kennzeichen auch dann nicht erhoben, wenn ein Brasilianer am Steuer sitzen sollte? Was, andererseits, ist mit neuen deutschen Staatsbürgern, die ihre Verwandten auf der Heimreise mit einem türkischen Wagen zum Familientreffen nach Deutschland fahren? Die Sache wird derart kompliziert, dass ein gerechtes Gebühreneinzugssystem selbst von Siemens und SAP gemeinsam kaum programmiert werden könnte.

Die Sache ist somit ein Rohrkrepierer. Aber das ist Horst Seehofer und seinen Parteistrategen egal. Sie bauen darauf, dass sich nach dem Kirchgang in Mausgesees folgende Stammtischrede entwickelt:

“Des mid därrer Maud bassd scho. Mir hamm doch die andern Völger erschd zeichd, wäi mer Audobahner baud. Und die Schbageddifresser hulnsi unser Geld doch scho lang. Na, a su a Maud mou scho sei. Und där Horsd schaud, dass mir nix zohln müssen, sondern blouß die andern. Goud, dassmer unser CSU hamm.” Ich glaube, auf unserem Bierdeckel können wir das so unterschreiben…

 

 

 

 

 

Juli 31st, 2013

Prima, wir sind alle reich!

Haben Sie schon bemerkt? Wir sind reich, jawohl! Und werden immer reicher. Um sagenhafte 52 Milliarden Euro ist nach offiziellen Angaben das Geldvermögen der Menschen in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres gewachsen. Also: Seien wir dankbar. Machen wir Schluss mit unserem Gejammer.

Mit 4992 Milliarden Euro hat unser Vermögen einen neuen Rekordwert erreicht. Das meldet nicht etwa die Propagandaabteilung der Bundesregierung, sondern die selbstverständlich in jeglicher Hinsicht unabhängige und vertrauenswürdige Bundesbank. Im Vergleich dazu nehmen sich die Schulden mit 1594 Milliarden Euro absolut überschaubar aus. Es geht aufwärts. Wohin auch immer.

Wir könnten jubeln, wenn diese famose Statistik nicht kleine Widerhaken hätte. Das Geldvermögen ist im Quartal um 1,1 Prozent gestiegen. Das ist zwar ein Vielfaches dessen, was es auf das Sparbuch gibt. In der Rechnung berücksichtigt sind aber zum Beispiel auch die Ansprüche gegenüber Versicherungen. 4,4 Prozent jährliche Rendite erwarten wir da schon. Zudem existiert dieses Phänomen namens Inflation. Das frisst uns ein knappes Prozentchen weg. Bei Nahrungsmitteln, die für das Überleben nicht unwichtig sind, lag die Preissteigerungsrate zuletzt bei 5,7 Prozent. Wenn wir schließlich ans Gesamtvermögen denken, spielen auch Immobilien eine Rolle. Wenn deren Marktwert steigt, erhöht das den allgemeinen Reichtum, ohne dass der Mensch, der die nächsten 20 Jahre seine Wohnung abzuzahlen hat, auch nur einen Cent mehr in der Tasche hat.

Statistik besteht immer aus objektiver Wahrheit und mehr oder weniger stark gesteuerter Lüge. Wer etwa die Zahl der Hartz-IV-Aufstocker kennt, wird das deutsche Jobwunder kaum noch mit Verklärung anbeten. Wer liest, dass die deutsche Wirtschaft neuerdings den älteren Arbeitnehmern zu Füßen liegt, mag bejubeln, dass ein wachsender Anteil der 60-Jährigen noch täglich seinen Job ausübt. Wenn es darum geht, wie viele Menschen das tatsächliche Rentenalter als Arbeitnehmer erreichen, ist die Quote aber nach wie vor erbärmlich.

Ihre Stimmung ist jetzt erfolgreich versaut? Grämen Sie sich nicht. Denken Sie an Papst Franziskus und daran, wie sehr diesen frommen Mann sein eigener Reichtum ankotzt. Ihm reicht es völlig, wenn jemand da ist, der ihm zuverlässig das weiße Gewand bügelt. Mehr braucht er nicht. Von ihm lernen wir: Selig sind die zufriedenen Armen. Denn sie machen den Reichen das Leben leicht.

 

Juli 3rd, 2013

Ägypten: Die zwangsläufige Gegenrevolution

Wir schauen nach Ägypten,wir sind beeindruckt und fassungslos. Das hatten wir schon mal vor knapp zweieinhalb Jahren. Damals wurde Präsident Hosni Mubarak von seinem Volk verjagt. Doch der Neustart ist schief gegangen. Es hat sich nichts Wesentliches verbessert. Weshalb der aktuelle Militärputsch nicht überraschend kommt.

Ich zitiere mich einfach mal selbst. Am 28. Januar 2011 lautete mein Statement so: “Über Jahre hinweg hatten uns vor allem die Fernsehbilder westlicher Sender ein sehr einseitiges Bild der Araber(innen) eingetrichtet. Nämlich eines von dumpfen religiösen Fanatikern, die irgendwelche Mullahs anbeten und laut schreiend dänische oder andere Fahnen verbrennen. Und denen durch Geistesgrößen wie Georg W. Bush erst einmal die Demokratie beigebracht werden muss.

Nun zeigt sich urplötzlich dieses: Anscheinend haben Menschen überall auf der Welt die gleichen Träume. Sie wollen möglichst frei über ihr Leben entscheiden, gleiche Chancen haben und gerecht behandelt werden. Auch in Ländern wie Tunesien oder Ägypten. Es sind, so gesehen, Menschen wie Du und ich. Warum eigentlich ist das für uns erstaunlich?”.

Mitte Juli 2011 hatte sich gezeigt, dass wir mit der Revolution in Ägypten nicht so recht umgehen konnten. Ich habe es so formuliert: “Als Touristen sind wir eine seltsame Spezies. Fragt jemand nach dem Demokratie-Index an unserem Traumstrand? Nehmen wir Kuba. Eine tolle Insel, tolle Leute, tolle Musik, tolle Zigarren. Aber auch – zum Beispiel – der größte Journalistenknast der Welt. Schöne, heiße Gegenden wie der Oman oder das künftige Fußball-WM-Gastgeberland Katar sind keine freien Länder.

Aber gerade beim Blick nach Arabien wird es absurd. Ein Land wie Ägypten war wegen seiner reichen Kultur, der günstigen Preise und wegen der gastfreundlichen Menschen immer ein beliebtes Reiseziel. Auch in Tunesien ließen sich deutsche Touristen gerne in der Sonne grillen.

Bis, ja bis in beiden Ländern die Demokratie ausgebrochen ist. Seitdem gehen die Gästezahlen nach unten, in Tunesien stärker als im Land der Pyramiden. Das wirkt, als wären uns von verlässlichen Diktatoren kontrollierte Urlaubsgebiete  lieber, als Regionen, in denen freie Menschen leben. Als fänden wir es schöner, wenn uns billige Sklaven bedienen als Gastgeber, die uns auf Augenhöhe begegnen.

Warum helfen wir den jungen Demokratien nicht, indem wir gerade jetzt hinfahren? Warum bestrafen wir Diktaturen nicht durch Urlaubsboykott? Wenn es nicht reine Ignoranz ist, muss es wohl eine Angst vor der Freiheit geben. In diesem Sinne: Bloß gut, dass Weißrussland nicht am Meer liegt”.

Am 6. Dezember 2012 habe ich geschrieben:  ”Seit einiger Zeit sind mir bestimmte Textzeilen aus der “Internationalen” ins Hirn gedübelt. In diesem Arbeiter-Kampflied heißt es:  “Es rettet uns kein höh’res Wesen. Kein Gott, kein Kaiser, noch  Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen, müssen wir schon selber tun.” Über 100 Jahre ist dieser Text alt. Und trotzdem hoch aktuell. Denn er sagt auch: Wenn die Wirtschaft nicht richtig funktioniert, wenn Wohlstand nicht gerecht verteilt ist, wächst die Sehnsucht nach höheren Wesen.

Ein Beispiel dafür ist für mich Ägypten. Dort hat das Volk einen Diktator aus dem Amt gejagt. Es gab die Hoffnung, dass dort die Demokratie ausbrechen würde. Aber die Wirtschaft ist am Ende, auch deshalb, weil die Touristen, aus Angst vor unkontrollierten freiheitlichen Umtrieben, weggeblieben sind. Kein Geld, keine Perspektive – also hilft vielleicht der liebe Gott. Man baut auf die Religion und auf jene, die sie für Machterwerb und -erhalt nutzen. Solche Kräfte haben zudem die reichsten Sponsoren. Wahrscheinlich wird eine Diktatur durch eine andere ersetzt.”.

Es ist traurig, dass die Menschen in Ägypten so wenig von ihrer Revolution profitiert haben. Wünschen wir, dass der neue Anlauf besser gelingt. Und:Irgendwann ist der große Stress vorbei. Dann fahren wir mal wieder hin.

 

 

 

 

 

Juni 29th, 2013

Merkels Nudelholz trifft Iren-Schädel

Nichts ist strafender für Männer, als die ehrliche Verachtung des Weibes. Jetzt hat ausgerechnet die sonst so rationale Angela Merkel dieses geistig-moralische Nudelholz hervorgeholt. Sie hat sie mit Wucht auf die Schädel irischer “Dumm-Banker” (Bild-Zeitung) gedonnert. Wir wissen nun: Jähzorn ist Mutti fremd. Aber wenn Schluss ist, ist Schluss.

Na gut, dieser Bowe, dieser Drumme und dieser Fitzgerald, früher Chefs der Pleite-Bank AIB, haben ganz böse danebengelangt. Wenn da vor knapp fünf Jahren gesagt wurde, man habe sich die Zahlen über nötige Not-Kredite  „aus dem Arsch gezogen“, um die Behörden zu täuschen, ist das fast schon deutscher Humor (traditionell analfixiert). Unsere Anleger als “Scheiß-Deutsche” zu beschimpfen, ruft nach der Arschkarte. Unerhört auch, dass sich die irischen Geldmanager darüber lustig machen, dass sie ihre Schulden höchstwahrscheinlich nie zurückzahlen würden.

Solche Leute müssen mit aller Härte bestraft werden. Wobei mildernde Umstände zu gewähren sind. Banker sind nicht Volk und Staat, sondern ihren Aktionären verpflichtet. Falls Politiker/-innen samt Beamtenapparat in einem Finanzchaos den Überblick verlieren, kann man nicht erwarten, dass private Geldvermehrungs- beziehungsweise Geldvernichtungsmaschinen die Kohlen aus dem Feuer holen. Wenn der Staat schwächelt, muss man dies ausnutzen. Dies ist der Wille der Kundschaft. Außerdem hätten die Iren-Banker durchaus recht, sollten sie darüber schimpfen, dass es beim Bewältigen der Schuldenkrise ihres Landes immer auch darum ging, die Werte deutscher Anleger beziehungsweise von Kunden der Deutschen Bank zu schützen.

Man fragt sich noch etwas: Warum werden diese Telefonate gerade jetzt bekannt? Stattgefunden haben sie 2008. Jetzt aber, knapp drei Monate vor der Wahl, geben sie der Bundeskanzlerin die Gelegenheit, sich als energische Regierungschefin zu präsentieren. Die Bild-Zeitung zeigt sie mit ernstem Blick, offensichtlich entschlossen, den frechen Guiness-Knilchen und allen anderen Raff-Bunkern den Garaus zu machen. Bisher war das nicht ihre Spezialität. Nun aber erahnen die Betrachter, wie sehr Angela Merkel charakterlose Geldstrategen verachtet. Wie sehr sie ausschließlich vom Wohl ihres Volkes beseelt ist.

Sie riechen eine Verschwörungstheorie. Na gut. Wahrscheinlich aber ist das alles nur ein Zufall und eben ein Beispiel dafür, dass investigativer Journalismus immer etwas Zeit braucht. Wer den “Dumm-Bankern” zuhören möchte, klickt hier: http://www.independent.ie/business/irish/inside-anglo-the-secret-recordings-29366837.html

 

 

 

 

 

Juni 11th, 2013

Gipfel-Mutti Merkel besiegt die Flut

Ganz oben stehen, den Blick bis zum fernen Horizont schweifen lassen, gütig hinabsehen ins Tal der Tränen mit all seinen kleinen und großen Problemen. Welcher Mensch möchte das nicht genießen? Ja, der Gipfel ist der Platz der großen Lenker(innen) dieses unseres Daseins. Und wir Deutschen sind gebenedeit unter den Völkern. Denn für uns sorgt die treue Gipfel-Mutti.

Es ist eines der großen Erfolgsrezepte der Angela Merkel, dass sie weitgehenden Politikverzicht durch eine vermeintliche Höhe ihres Denkens und Handelns kaschiert. In ihrer Regierungszeit ist unsere Demokratie zu einem mittleren Hochgebirge herangewachsen. Wohin das Auge blickt, gibt es Gipfel. Integrationsgipfel, Bildungsgipfel, Elektromobilitätsgipfel, Eurokrisenbankenrettungsgipfel, und, und, und…

Nun plant sie den nächsten Coup, den Flutgipfel. Es ist also angedacht, dass sich wichtige Menschen ganz oben treffen, ein wenig miteinander plaudern, ehe Angela Merkel sowie vermutlich der einzig wahrhaftige Nettozahler Markus Söder den Hahn aufdrehen, so dass sich ein Strom von Geld heilend ins versunkene Land ergießt. Spontan wirkt dieses Bild beängstigend. Die Flut durch eine Flut zu bekämpfen, ist schon verwegen. Doch andererseits: Es gibt ja noch Wolfgang Schäuble. Und der wird schon dafür sorgen, dass der Strom der Rettung ein Rinnsal bleiben wird.

Andererseits: Gelingt die Übung, ist der Weg endgültig frei für Politik aus der Höhenluft. Wir freuen uns auf den Mietpreisbremsengipfel, den Gammelfleischvernichtungsgipfel, den Windkraftgipfel und den Wetten, dass…?-Moderatorensuchegipfel. Die Näherinnen in Bangladesh werden glücklich sein, wenn sie einen Großauftrag mit schwarz-rot-goldenen Gipfelmützen nähen dürfen. Mit 20 Prozent Neoprenanteil, so dass eine ganze Nation an den Rockgipfel der Kik-Ikone Verona Pooth hängt.

Es wird schön werden, wenn Philipp Rösler ein Gamsbart wächst. Während seine Chefin endgültig in die Daseinsform der unabwählbaren Regentin hinübergleitet. Nie mehr Hektik im Bundeskanzleramt, sondern nur noch Goethe: “Über allen Gipfeln ist Ruh, in allen Wipfeln spürest du, kaum einen Hauch. Die Opposition schweigt im Walde. Warte nur, balde
ruhest du auch.” Amen.

Juni 3rd, 2013

Wir nach der Sintflut

“Das ist ja wie die Sintflut!” Das rufen die Menschen gerade überall. Selten hat es eine derartige massenhafte Wiederentdeckung des Alten Testaments gegeben. Was die meisten übersehen: Es ist tatsächlich eine neue Sintflut. Gott hat es mit dem Bestrafen der Menschen heute bloß schwerer.

Der Herr hat gute Gründe für seinen Zorn. Wir glauben immer noch fest an Angela Merkel, die CSU könnte trotz der Verwandtenaffäre die absolute Mehrheit bekommen. Die FDP ist völlig grundlos wieder bei fünf Prozent – und Bayern München gewinnt alles, was es zu gewinnen gibt. Wer fressen die sinnlosesten Lebensmittel und bereiten uns durch den Kauf von Vierrad-Fahrzeugen auf die schwierigeren Straßenverhältnisse durch Starkregen und Wüstenausbreitung vor. Die Nation glotzt “Wer wird Millionär?” oder “Germany’s Next Top Model”, während in Südeuropa zwecks Jobmangel eine junge Bürgerkriegsgeneration herangezüchtet wird. Und, und, und…

Sicher, zur Zeit des Alten Testaments gab es reichlich Unrecht und Barbarei. Wer sich mit dem Nachbarn über einen falsch gesetzten Gartenzaun gestritten hat, hat ihm mit dem Knüppel die Rübe weggehauen. Heute schickt man Drohnen los. Diese töten mit dem Bösewicht zwölf unschuldige Zivilisten. Sie arbeiten aber sauberer.

Recht hat er also, der liebe, wütende Gott. Er hat bloß ein Problem: Er kriegt das mit der Höchststrafe – dem Ausradieren aller Sünder – nicht mehr hin. Denn seit Noah hat sich einiges geändert. Es wurden Deiche gebaut, in jedem Baumarkt gibt es Hochleistungspumpen. Und schließlich sind überall aktive Ortsgruppen von Feuerwehr oder Technischem Hilfswerk im Einsatz.

Man fragt sich doch: Wie wäre es in der Bibel weitergangen, wenn es zu Noahs Zeiten schon Talsperren und Regenrückhaltebecken gegeben hätte? Wenn die freiwilligen Abpumper schon gelebt hätten? Wären vielleicht nur die Nagetiere ersoffen und die Menschen hätten Gott besiegt und wären noch schneller böse geworden?

Wir werden darauf, wie auf viele Fragen des Glaubens, keine eindeutige Antwort finden. Wir wissen allerdings, dass Angela Merkel und Horst Seehofer das überflutete Passau besuchen werden. Gemeinsam, wahrscheinlich in Gummistiefeln. Das ist der endgültige Sieg des modernen Menschen über das Alte Testament. Fürchtet Euch nicht!

Mai 30th, 2013

Drohnen sind gar nicht so schlimm

Mit allem Nachdruck möchte ich diesen Beitrag einem missverstandenen Lebewesen widmen. Nämlich der Drohne, die ja gerade einem politischen Skandal ihren Namen gibt. Rund 600 Millionen Euro soll das Bundesverteidigungsministerium mit seinen verkorksten Versuchen zum Kauf von unbemannten Horch-Guck-und-Tötungsfliegern in den Sand gesetzt haben. Ich stelle hierzu Folgendes fest: Drohnen sind gar nicht so.

Aus feministischer Sicht sind Drohnen die wahrhaftigen Männer. Während andere schuften, sitzen diese fetten Viecher herum, lassen sich füttern und haben nur eines im Kopf: Sex mit der Königin. Sie sind genau diese nutzlosen Lustmolche, wie sie auf vielen Sofas dieser Republik lümmeln. Und weil es um spätrömisch dekadente Intimitäten geht, wenden sich auch die Gläubigen und Gelehrten von dieser Lebensform ab. In der Lyrik kommt die Drohne so gut wie gar nicht vor. Der englische Theologe und Baptistenprediger Charles Haddon Spurgeon formulierte am Ende des 19. Jahrhunderts voller Abscheu diese Sätze: “Besser wilde Feuer als gar kein Feuer. Besser ein Eiferer genannt zu werden, als eine Drohne im Bienenstock Christi.”

Damit lieferte der fromme Kämpfer aber auch den Beweis dafür, wie sehr der Drohne heute Unrecht zugefügt wird. Man darf davon ausgehen, dass diese männliche Biene ihre arbeitenden Artgenossinnen überhaupt nicht beobachtet. Nie käme es ihr in den Sinn, darauf zu achten, ob gewisse Honigbienen ihre Waben mit Minaretten oder anderen muslimischen Symbolen versehen. Der Bienenmann ist vielmehr ein wahrer Märtyrer. Selbstlos bis zum Letzten kümmert er sich um die Erhaltung seiner Art. Er opfert das Kostbarste, was er hat. Sobald er seinen Penis einsatzbereit gemacht hat, hat er sein Dasein verwirkt.

Somit ist die Existenz der wahren Drohne ganz und gar dem Leben und nicht dem Töten gewidmet. Gewiss wäre es ihr auch zutiefst zuwider, beim Akt der Königinnen-Begattung von einem kettenrauchenden Nerd gesteuert zu werden.

So könnte es weitergehen, wenn es nicht die Evolution gäbe. Sie hat es vermocht, die Unterart “Politische Drohne” hervorzubringen. Wie etwa Eckhart von Klaeden. Dieser CDU-Politiker, der immer wie einer wirkt, mit dem in der Kindheit keiner spielen wollte, wird als heute 47-Jähriger seit fast 20 Jahren als Bundestagsabgeordneter von der Gemeinschaft der Steuergelder reich genährt. Als Staatsminister im Bundeskanzleramt lebt und wirkt er seit Oktober 2009 im engsten Umfeld der Königin.

Um nun bekanntzugeben, dass er Ende dieses Jahres als Cheflobbyist zur Daimler AG wechseln wird. Er nimmt sein Wissen und seine Kontakte mit, lässt sich noch besser ernähren – und wird alsbald den Kommunikationspenis ausfahren, um staatliche Subventionen für Elektroautos zu fordern. Man darf fest davon ausgehen, dass er all das überleben wird. Ach, wie herzensgut ist doch die echte Drohne!

Mai 25th, 2013

Kauflust ist nur die pure Verzweiflung

Die Zeiten für die Märkte sind schwer. Aber es gibt, so heißt es neuerdings, sehr viel Hoffnung. Denn die Konsumenten machen den ganzen Pessismus angeblich nicht mit. Die Kauflaune der Deutschen, behaupten die einschlägigen Forscher, sei überragend gut. Es gebe keine Rezession, weil das Geld herausgehauen werde. Und zwar mit Herzenslust. Ach Leute, was für ein unglaublicher Quatsch! Gekauft wird doch vor allem aus Verzweiflung.

Ich habe gerade Post bekommen. Von meiner Genossenschaftsbank, die ich eigentlich wirklich schätze. Beigelegt war ein Prospekt, mit dem mir “Starke Zinsen” versprochen werden. Zu erreichen durch einen famosen neuen Sparbrief. Daneben stand ganz groß die Zahl “1,5″. Wie bitte, Einskommafünf?

Wenn das starke Zinsen sein sollen, dann bedeutet das, dass es heutzutage spezieller Bankprodukte bedarf, um die schleichende Enteignung durch die Inflation zumindest einzudämmen. Das Sparbuch hingegen unterscheidet sich vom Sparstrumpf nur noch dann, wenn die eigene Bank keine Gebühren verlangt. Eigentlich ist es aber egal, ob man Geld im Tresor oder unter dem Kopfkissen ablegt. Es ist so oder so totes Kapital, viel öder als ein neues Sofa.

Also ziehen wir die Scheckkarte und helfen den Konjunktur-Gesundbetern. Oder ist das alles nur ein Irrtum?

So hat das Nürn­berger Marktforschungsunterneh­men GfK beobachtet, dass sein “Konsumbarometer” im Mai auf den höchs­ten Stand seit fast sechs Jahren gestiegen sei. Kein Wunder. Dieses Barometer hängt wahrscheinlich vor dem Fenster des für Kaffeesatzleserei zuständigen Abteilungsleiter. Es ist so geeicht, dass es kräftig nach oben ausschlägt, sobald das Wetter weihnachtlich wird. Und was haben wir? Einen klimatischen Bockmist, der uns davon abhält, in Freibädern herumzuliegen oder im Biergarten herumzusitzen. Wir bekämpfen unsere Nachtfrost-Depression, indem wir uns wenigstens was Schönes gönnen. Jacken und Smartphones sind aber teurer als die Currywurst am Stausee.

Somit haben wir gelernt: Der Umsatz passt – aber von Lust keine Spur. Stattdessen Verzweiflung, wohin das Auge blickt. Gegen die Inflation hilft uns wahrscheinlich nichts. Ansonsten flehen wir mit lauter Stimme: “Verzeih’ uns endlich! Kachelmann hilf!”