Das Leid der Milliardäre

Arm sein ist in unserem Land ein echtes Schicksal. Wer von unten nach ganz oben kommen will, braucht Lottoglück, eine fantastische Geschäftsidee samt williger Geldgeber oder die aktive Mitgliedschaft in der richtigen Partei. Doch lassen wir den Neid. Grausam ist auch, wenn all das Geld keinen sicheren und ertragreichen Hafen findet.

Und das wird immer schwieriger. Die Immobilienpreise sind so nach oben geschossen, dass „Betongold“ keine Rendite-Garantie mehr darstellt. Auf dem Kunstmarkt werden selbst für minderwertige Werke Mondpreise bezahlt, so dass keiner weiß, ob sich die Investition jemals rechnet. Bei mittelmäßigen Fußballern ist es ähnlich.

Als wäre das alles nicht schlimm genug, kommt eine neue Schock-Nachricht: Rolex-Uhren sind knapp geworden. Die Auslagen führender Juweliere sind leergekauft. Man darf annehmen, aus schierer Verzweiflung der Vermögenden auf der Suche nach dauerhaftem Wertgewinn.

Aber, so möchte man fragen, warum sind Milliardäre nicht gelassener? Wenn jemand mit Sparbuch-Zinsen von 0,05 Prozent zurechtkommt, dann doch sie. Sie alle besitzen mehr Geld, als sie selbst unter größten Anstrengungen verprassen könnten.

Wozu also der Stress? Die Antwort lautet: Es geht ums Renommée. Und wer viel hat, kann viel verlieren. Wenn Amazon-Chef Jeff Bezos durch eine superteure Scheidung um 38 Milliarden Dollr erleichtert wurde, erträgt er den Spott wohl bloß deshalb so einigermaßen, weil er trotzdem reichster Mann der Welt geblieben ist.

Wie der Finanzdienst Bloomberg meldet, liegt er mit 116 Milliarden Dollar Vermögen nur noch läppische drei Milliarden vor Microsoft-Gründer Bill Gates und zehn Mlliarden Dollar vor dem Franzosen Bernard Arnault, welcher mit Luxusartikeln und Mode handelt. Was offenbar mehr bringt als Lidl oder Kaufland, die Dieter Schwarz als reichsten Deutschen auf Rang 40 der Weltrangliste gebracht haben.

Doch lassen wir die Erbsenzählerei. Denn es gibt Trost. Die 500 reichsten Menschen haben seit dem 1. Januar 2019 ungefähr 1,2 Billionen Dollar (in Zahlen 1.200.000.000.000 Dollar) hinzubekommen. Vor allem steigende Aktienkurse haben hier geholfen. Es geht also voran.

Und, noch was: Sollte jemand massivste Milliardärs-Depression plagen, kann er sich an mich wenden. Ich besitze eine Rolex. Gekauft habe ich sie in den 80-er Jahren auf einem Basar in Izmir. Hat 10 Mark gekostet, sieht aber super-klobig aus. Für gute Gebote bin ich offen…