Wer zähmt die Konzerne? Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen

Dieses Leben ist ungerecht. Das merken jene Menschen, die an einem 1. November von ihrem Berliner Büro aus jemand in Bayern erreichen wollen. Die Finger wund gewählt, doch die Person, die man callte, ist nicht available. Tja, im Freistaat ist Allerheiligen, ein gesetzlicher Feiertag. Auch Dreikönig, Fronleichnam und Mariä Himmelfahrt sind solche religiös begründeten Dreingaben an Freizeit.

Unmittelbar spürbar wird die Ungerechtigkeit, wenn Menschen in einer Firma mit mehreren Standorten beschäftigt sind, aber unterschiedliche Feiertage haben. Zeit dies zu ändern, beschlossen die beiden Geschäftsführer einer Agentur für digitale Kommunikation und Marketing. Der eine ein Nordlicht, der andere gebürtiger Bayer, legten sie fest, dass für ihre 60 Mitarbeiter_innen in Lübeck, Hamburg und Berlin künftig dieselben Feiertage gelten wie für deren Kollegen_innen am Standort Nürnberg. Einbußen beim Gehalt gibt es nicht:

„Als Bayer, der in den hohen Norden gezogen ist, hat es mich schon immer genervt, dass ich die Feiertage nicht mit Freunden und Familie in meiner Heimat verbringen konnte“, berichtet einer der Agenturchefs der Zeitschrift „werben & verkaufen“. Wirtschaftlich sei die Zusatz-Freizeit sowieso kein Nachteil. Die guten Wirtschaftsdaten Bayerns sprächen da für sich.

Die netten Agentur-Chefs hoffen nun, dass ihr Vorbild Nachahmer findet. Gerne, aber wollen wir es bitte nicht übertreiben. Denn sollte die Devise „Gleiche Firme – Gleiche Feiertage“ Schule machen, führte dies unvermiedlich zum baldigen Ende der Globalisierung.

Man stelle sich vor, dass alle kik-Filalien am Nationalfeiertag von Bangladesch schließen würden. Man stelle sich vor, dass sämtliche Apple-Mitarbeiter am höchsten religiösen Feiertag des Kongo zum Surfen gehen könnten. In einem Weltkonzern wie Siemens würde alles gefeiert, was es irgendwo auf dem Globus an hohen Festen gibt.

Die unablässige Produktion von Überfluss, welche ja wegen des damit zusammenhängenden Neides ein weltweites Problem ist, würde aufhören. Alle Menschen würden Brüder, jeden Tag aus einem anderen Grund.

Und selbst Donald Trump würde zahm. Denn auch der Präsident hätte das Recht, an Feiertagen an den Arbeitsorten seiner Soldaten und Agenten zum Golfplatz zu jetten. Und das sind ja ziemlich viele.

Wir sagen danke. An all die Heiligen.