Nach dem Brexit: Indien muss in die EU

Man muss sich das einmal vorstellen: 47,11 Jahre hat Großbritannien der Europäischen Union angehört. Ein Zeitraum, nach dem man normalerweise beginnt, die Goldene Hochzeit zu planen. Scheidung sollte da keine Option mehr sein. Aber es sind eben die Briten.

Wir sollten sie vermissen. Denn sie sind, auch nach vielen Jahren, innerhalb der Staatengemeinschaft immer Exoten geblieben. Wer hat sonst noch so eine glamouröse und an Dramen reiche Königsfamilie? Wer fährt sonst noch im Linksverkehr? Wer in Europa begreift noch Kricket-Regeln? Wo ist es noch möglich, Tee zum Kultgetränk zu erklären? Wo noch tragen Männer karierte Röcke? Und wo ist ein verrückter Kerl wie Boris Johnson noch als Regierungschef denkbar?

Die Antwort: Seltsames gibt es überall. Aber in dieser geballten Form nur auf dieser Insel. Und dann auch noch so, dass uns diese Abtrünnigen irgendwie sympathisch sind. Trotz alledem.

Aber es hilft nichts: Die EU braucht Ersatz. Der Verlust an Fläche – Großbritannien erstreckt sich auf  248.572 Quadratkilometern – wäre schnell ausgeglichen. Die Aufnahme von Moldau und Weißrussland würde genügen. Man könnte den Verlust auch durch die gleichzeitige EU-Erweiterung auf Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien und Nordmazedonien ausgleichen.

Bei der Zahl der Köpfe wird es schon schwieriger. 66,6 Millioen verlorene Bürger, dss kriegt man mit dem Balkan nicht geregelt. Basis müsste die Ukraine mit ihren 44 Millionen Einwohnern sein. Serbien und der europäische Tel der Türkei dazugedacht, würde es annähernd reichen. Zwei Drittel von Euro-Russland gingen auch.

Aber das Geld: Durch den Brexit verliert die EU ein Bruttoinlandsprodukt von 2,42 Billionen Euro. Und da wird’s aussichtslos. Man müsste schon Frankreich klonen, um diesen Schwund auszugleichen. Helfen würde allenfalls die finale Rache am British Empire, nämlich die Aufnahme dessen ehemaliger Kolonie Indien in die EU.

Es hilft nichts. Eine Lücke bleibt. Aber andererseits: Keine Insel schwimmt davon. Bis zur Goldenen Hochzeit mit der EU wären es noch gut 1000 Tage. Falls sich die Schotten beeilten, könnte es zumindest mit einem Fest für die Patchwork-Familie klappen. Und Männer in karierten Röcken hätten wir auch wieder.