Die Heimat ist mal so, mal anders

So, Niedersachsen ist gelaufen. Mehr SPD, aber schwierige Regierungsbildung. Ab morgen werden „die Gremien“ analysieren und die Verhandler verhandeln. Aber dann richtet sich der Blick wieder auf das aktuelle Mega-Thema für Gesamtdeutschland: Was ist Heimat? Wer ist für Heimat? Denn ohne Heimat kein Jamaika.

Es wird eine Debatte, die länger laufen könnte als die Diskussion über Pkw-Maut und Obergrenze. Denn die „Heimat“ kommt in vielfältigen Erscheinungsformen daher. Sie ist völlig von gestern in den Inkarnationen Heimatdichter, Heimatfilm und Heimatroman. Heimatfeste, über die Heimatzeitungen mit Hingabe berichtet, sind in den Weiten Niedersachsens oder Niederbayerns durchaus zeitgemäß. In wichtigen Großstädten wird sich am ehesten Heimatministerien etablieren.

Aber wie ist das für die Menschen? Eine wachsende Zahl von ihnen hat mehr als eine Heimat. Sie ist dort, wo er geboren und aufgewachsen ist. Aber immer auch dort, wohin er gezogen oder geflüchtet ist und wo er sich üblicherweise aufhält. Niemand wird seine Herkunft verleugnen wollen. Weshalb eine gewisse Nicht-Anpassung auch positive Veränderungen erzeugt.

Ohne die lockeren US-Soldaten der 50-er oder 60-er Jahre wäre das Herumliegen und Grillen in deutschen Parks vielleicht immer noch verboten. Bratwurst wäre unser einzig herausragendes Fastfood, denn Döner gäbe es nicht. Und die leckere Nummer 57 vom Asiaten wäre keine Konkurrenz zur fränkischen Schlachtschüssel.

Es kommt bei der Heimat einfach darauf an, was man daraus macht. Wird sie geliebt, mit Offenheit für Neues, ist sie etwas Wunderbares. Wird sie propagiert, um vor dem Fremden zu warten, wird sie also zum Sperrgebiet erklärt, ist sie Mist.

Die mutmaßlichen Jamaika-Partner sehen das bestimmt sehr unterschiedlich. Die Frage ist bloß, wie lange gestritten. Möge es bald vorüber sein.