Greta segelt. Was bleibt uns?

Greta segelt übers Meer. Und was bleibt uns? In brutaler Offenheit wird uns gerade klargemacht, dass der Mensch ein Problem ist. Jedenfalls dann, wenn er sich fortbewegt. Was uns ja nicht wesensfremd ist.

Wir verspüren Flugscham. Und diese überträgt sich – nachvollziehbar – auf unsere Repräsentanten. Bundestagsabgeordnete sollen auf dem Weg nach und von Berlin auf Inlandsflüge verzichten und stattdessen die Bahn benutzen. Schließlich hat jede*r die magische Bahncard 100.

Vordergründig spricht alles für die Verlagerung der Transporte auf die Schiene. Aber ein bisschen gnadenlos ist es schon. Politiker*innen aus Berlin oder Potsdam oder solche mit einem direkten Zustieg zum Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn können dies leicht fordern.

Aber was ist mit Volksvertretern aus entlegenen Regionen? Soll man diese zwingen, das gelegentliche Elend der Bahn immer und und immer wieder in Überlänge zu erleben? Können notorisch grantige Abgeordnete gute Gesetze für alle machen?

„Die schaffen das“, wird unsere Antwort lauten. Schließlich sind wir selbst Opfer. Als Autofahrer werden wir von Staus und von mit Lastwagen überfüllten Fernstraßen geplagt. Als Radfahrer behelligen uns Pkw oder Lkw derart, dass wir heilfroh sind, gesund am Ziel angekommen zu sein. Als Fahrer von E-Rollern spüren wir die Verachtung aller anderen Verkehrsteilnehmer. Als Fußgänger sind wir sowieso die Deppen.

Eigentlich gibt es nur eine originelle Meldung aus der Welt der Mobilität. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer fordert von der Bahn kostenlose Fahrten für Soldaten in Uniform. Ja, das gab es schon mal. Allerdings für Wehrpflichtige mit Mini-Sold. Warum heutige Soldaten anders behandelt werden sollen als andere Berufstätige, die Zuschüsse vom Arbeitgeber bekommen, wäre noch zu erläutern.

Man sieht: Wo Mobilität ist, ist auch Streit. Nur Greta segelt übers weite Meer. Doch, psst, selbst das nervt. Wenn auch bloß auf Instagram.