Eine ganze Stunde! Wir sind beschenkt

Welche Wohltat: Man schenkt uns eine Stunde. Einfach so, ohne Gegenleistung. Und so sollten wir das Ende der Sommerzeit mit Genuss betrachten. Wenigstens an einem Sonntag im Jahr dürfen wir uns als Chef fühlen.

Auch wenn wir uns über diesen Kokolores ärgern. Die Zeit verändern bringt erwiesenermaßen nichts, sie schafft vor allem Verwirrung. Das merken am Tag der Umstellung ganz bestimmt die Besitzer von Haustieren. Eine Katze verlangt ihr Futter pünktlich und zeigt das auch. Ein Terrier hat Harndrang, wenn es ihm sein Körper sagt.

Das bringt uns auf eine Spur: Im größeren Teil der Menschheitsgeschichte hat die Uhrzeit keine Rolle gespielt. Die Menschen haben ihre Lebensweise nach der Natur gerichtet. Wenn es hell war, waren sie wach. Ansonsten machten sie es gemütlich. Aber so wird niemand Exportweltmeister. Wer produktiv arbeiten will, braucht klar vereinbarte Arbeitszeiten. Auf die Idee einer Nachtschicht käme ohne Gewinnerzielungsabsicht kein normaler Mensch.

Und wer in die Arbeit fahren muss, braucht Zug oder Bus. Ohne Uhrzeit aber kein Fahrplan. Man kann schauen, wohin man möchte. Unser Leben funktioniert nur, wenn alle Uhren gleich gestellt sind. So wie früher den besonders gefährlichen Einsätzen von James Bond und anderen Agenten stets der Uhrenvergleich vorausging.

Aber was gibt uns in diesen Tagen so ein Chef-Gefühl? Nun, Arbeitgeber bekommen immer Zeit geschenkt. Unerhört viele Menschen leisten unbezahlte Überstunden. Geschenkte Zeit, die nicht registriert oder honoriert wird.

So ist das am Ende unserer Sommerzeit. Die Uhr steht still. Mehr Ruhe geht nicht.

Genießen wir es. Und fassen wir, sofern uns das gelingt, gleich einen guten Vorsatz. Unsere Zeit soll uns gehören. Verschenken wir sie ruhig. Aber nur an die, die sie auch wirklich schätzen.