Die Wahrheit zählt. Alles andere ist Käse

Die Wahrheit – sie ist das einzige was zählt. Ganz im Sinne dieses Lehrsatzes hat jetzt der Europäische Gerichtshof zugeschlagen. Pflanzliche Produkte dürfen nicht mehr als Käse oder Butter verkauft werden. Denn: Der Verbraucher muss wissen, was er kauft. Und Milch stammt eben vom Tier.

Gutes Urteil, sagt man sich spontan. Aber dann kommen die Zweifel. Denn es passiert ja nichts Schlimmes. Der Käufer der Fake-Butter mag sich hintergangen fühlen. Aber er hat etwas gegessen, das jedenfalls nicht ungesünder ist als das wahrhaftiger tierbasierte Produkt. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Geschmacksnerven beleidigt werden. Wer ein industriell modelliertes Sojaschnitzel mit einem echten Schweineschnitzel vergleicht, wird einen Unterschied allenfalls am jeweiligen Geschmack der Panade feststellen können.

Im Sinne der freien Entfaltung der Persönlichkeit ist auch zu fragen, warum es Veganern oder Vegetarier untersagt sein soll, sich beim Kauf von Falschmilch glücklich zu fühlen. Wenn jemand Tofu als Käse anschauen möchte – wen muss das eigentlich stören?

Andererseits hat sich der Europäische Gerichtshof auf einen guten Weg begeben. Für den Kampf gegen Täuschungen gibt es noch viele Felder. So könnte sich das Hohe Gericht mit der Behauptung befassen, dass es sich beim Profi-Fußball hauptsächlich um Sport handelt. Es könnte hinterfragen, ob Großbanken behaupten dürfen, dass sie an der Seite kapitalschwacher Kunden stehen.

Das Gericht könnte die Behauptung untersuchen, dass die CSU nie gegen Flüchtlinge gehetzt hat und dass die SPD erklärt, den Bundeskanzler stellen zu wollen. Es könnte darüber urteilen, ob die FDP bei ihrer Sozialpolitik auch an Menschen mit weniger als 250.000 Euro Jahreseinkommen denkt und ob die AfD in ihrem Wahlprogramm die Interessen der kleinen Leute über jene des Großkapitals stellt.

Es wird sich herausstellen: Es gibt in dieser Welt noch jede Menge kuhmilchfreien Käse.

Wie eben auch die Frage, ob es nicht zu beanstanden ist, dass sich ein Donald Trump Präsident nennen darf. Aber gut, das ist Weltpolitik. Unser Gerichtshof urteilt europäisch. Da geht es um die Ehre von Kuh, Schaf und Ziege. Seien wir froh. Die Probleme könnten größer sein.