Archiv der Kategorie ‘Gesundheit’

April 25th, 2012

Lärm als störend wird empfunden…

Flugzeuge, Lastwagen, Rasenmäher, Kinder, Tiere: Lärm ist überall. Und weil dieses Problem alle angeht, ist es auch ein internationales Thema. Am 25. April sind die Menschen weltweit naufgerufen, darüber nachzudenken, wie Krach vermieden werden kann. Und nicht nur dieses.

Am “International Noise Awareness Day” gibt es allerdings ein unlösbares Problem: Jeder empfindet Lärm anders. Während junge Eltern bei ihren herumtobenden Kleinen an die bayerische Verfassung denken, wonach Kinder „das köstlichste Gut eines Volkes“ sind, ist der Nachbar dem Wahnsinn nahe. Der wiederum meint, der Gemeinschaft zu dienen, wenn er mit dem Laubbläser Ordnung schafft. Während zwei Stockwerke höher ein verzweifelter Migränepatient mit dem Kopf gegen die Wände rennt.

Manche Menschen erleben, wie bei Technoklängen die Glückshormone sprudeln, während sie Volksmusik als üblen Lärm empfinden. Der eigene bellende Hund stört Herrschen oder Frauchen gar nicht, während der liebestolle Frosch im Gartenteich des Nachbarn Mordgelüste weckt.

Mit dem Lärm ist es also so, wie immer im Leben: Es kommt darauf an.

So diffus geht es dem gesamten 25. April. An diesem Tag wird an vieles und wird vielem gedacht. Es ist auch der Weltmalariatag und der Tag des Baumes. Auf den Faröern feiern sie den Flaggentag, während Italien den „Tag der Befreiung“ (Ist Berlusconi schon so lange weg?) begeht. In Australien, Neuseeland und Tonga erinnert man sich am „Anzac Day“ an den ersten Einsatz von Soldaten dieser Staaten im Ersten Weltkrieg.

Und schließlich ist der 25. April seit 2006 der Tag der Eltern-Kind-Entfremdung. Womit wir wieder beim Tag gegen den Lärm wären. Bietet doch ein intaktes Verhältnis von Groß und Klein die Aussicht auf weniger Geschrei. Die Anti-Krach-Devise lautet also „Seid nett zueinander“. Selbst wenn der Nachbar Rasen mäht…

April 17th, 2012

Auf See qualmt nur der Dampfer

Käpt'n Söder sorgt für saubere Luft.

Käpt'n Söder kämpft für frische Luft.

Der Kampf schien vorbei, das Problem befriedet: Mit dem schärfsten Rauchverbot aller Zeiten wurde Frieden zwischen den Menschen mit und ohne Mundgeruch geschaffen. Schien es. Doch wir wissen, dass eine funktionierende Bürokratie und eine mitfühlende Politik für jedes Problem stets noch eine offene Frage findet.

In diesem Sinne ist unser Ex-Gesundheitsminister Markus Söder erfolgreich gewesen. Als neuer Finanzminister ist er der oberste Herr über Bayerns Schlösser und Seen. Er trägt damit auch die Verantwortung für die auf den Gewässern kreuzenden Ausflugsdampfern. Dort jedoch trafen bislang Nikotinfreunde und -feinde völlig unkontrolliert aufeinander. Das geht nicht. Also hat Söder ein Rauchverbot auf “seinen” Schiffen erlassen. Zum Schutz der mitfahrenden Kinder, wie es hieß.

An dieser Stelle dürften sich selbst erklärte Rauchgegner gewundert haben. Eine Schifffahrt ist ja in der Regel mit Fahrtwind verbunden. Weshalb der Qualm schnell verschwinden sollte.

Aber vielleicht liegt hier der wahre Verbotsgrund, nämlich der Schutz der an den Seeufern wohnenden Großkopferten á la Edmund Stoiber. Der Tabakqualm wird schließlich an die Berghänge geweht und erreicht die dort grasenden Gemsen. Diese werden krank – und die Metastasen landen über die Nahrungskette auf den Tellern der Kommandeure der Gebirgsschützenkompanien.

Nichts gegen diese fürsorgliche Regelung, aber so etwas wünscht sich auch das Volk. Und das geht so: Während der Öffnungszeiten von Biergärten wird ab sofort die Vorbeifahrt von Lastwagen strikt unterbunden. Erst dann wird abgasfreier Genuss richtig schön. Herr Söder, übernehmen Sie!

März 1st, 2012

Fasten macht glücklich, oder?

Die Fastenzeit läuft – und viele Menschen kämpfen wieder einmal gegen die Pfunde. Aber wie speckt man richtig ab? Und lohnt sich die ganz Mühe? Ich hab’ dazu ein paar Ideen…

Februar 8th, 2012

Vergesst Alzheimer! Denkt an die Achillesferse!

Es gibt eine ganz besondere Form von Burnout, den geistig-moralischen Nachbrenner. Da schreibe ich etwas über Fußball und Alzheimer und merke kurze Zeit später, dass das eigentliche Thema ein ganz anderes ist. So gewaltig ist der Einfluss der Kick-Branche auf die öffentliche Debatte nämlich doch nicht.
Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass meinungsbildende Zeitungen oder Zeitschriften jemals den Kreuzbandriss zum Titelthema gemacht hätten. Dabei handelt es sich hier um eine der schlimmsten Verletzungen, die Männern in kurzen Hosen passieren können. Auch Mittelfußbrüche oder Adduktorenprobleme kommen allenfalls in der Apothekenumschau prominent zum Zuge.
Gleiches gilt für den Jochbeinbruch, obwohl es gerade diese Verletzung verdient hätte, in schärfster Sprache verurteilt zu werden. Entsteht sie doch durch den massenhaften Einsatz des Ellenbogenchecks, welcher die Blutgrätsche als fiestestes Foul abgelöst zu haben scheint.
Auch das Schambein, das – entweder aufgrund neuer Trainingsmethoden oder evolutionärer Veränderungen im Körperbau des Mannes – immer häufiger auftritt, führt in der öffentlichen Wahrnehmung ein unerklärliches Schattendasein. Man nimmt zur Kentniss, dass es sich gelegentlich schmerzhaft entzündet, macht sich aber keine Gedanken darüber, dass hier der vordere Teil der Hüftgelenkpfanne geschädigt ist.
All dies zeigt die ganze Gnadenlosigkeit des Publikums. Wir jubeln den Fußballern zu, interessieren uns aber nicht für ihre wahren Probleme. Alzheimer ist somit ein – wie wir Journalisten sagen – typisches Hund-beißt-Mann-Thema. Nur das Ungewöhnliche, in diesem Fall der Held, kann uns bewegen. Wohingegen andere Themen für nicht vorhanden erklärt werden. Weshalb Fußballer zwar wie Cristiano Ronaldo aussehen, aber keinesfalls schwul sein dürfen.
So geht das nicht weiter. Besinnen wir uns auf die Antike! Wir brauchen wieder ein Bewusstsein für die Achillesferse. Bald! Schnell! Jetzt!

Februar 6th, 2012

Wenn der Fußball Alzheimer hat…

Fußball regiert die Welt? Das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, aber der Einfluss des Spiels der elf Freunde auf die öffentliche Meinung ist schon beeindruckend. Kaum gibt der ehemalige Manager von Schalke 04, Rudi Assauer, bekannt, dass er an Alzheimer leidet, schon hat die Republik kaum ein anderes Thema.
In seinem Fall passt aber auch die Dramaturgie. Rudi Assauer war ein Kicker und später ein Sportmanager auf Testosteron. Im Jahr 1974 nannte man ihn den schönsten Fußballer Deutschlands. Als gesunder Mann war er einer der letzten authentischen Machos, der mit dicken Zigarren und einer zeitweise dramatischen Selbstüberschätzung in finanziellen Angelegenheiten seiner Leidenschaft für Fußball und schöne Frauen frönte.
Wie aber kann es gerade einen derartigen Kämpfer und Niederringer erwischen? Die Antwort: Es ist ganz normal. Auch ein Charles Bronson musste erfahren, dass es nicht vor Alzheimer schützt, wenn man massivstmöglich unter den Bösewichten aufgeräumt hat. Die ehemalige englische Premierministerin Maggie Thatcher kann sich vielleicht gar nicht mehr daran erinnern, wie sie die Argentinier von den Falklandinseln-Inseln vertrieben hat. Und der frühere US-Präsident Ronald Reagan konnte zwar die Berliner Mauer überwinden – gegen den Verfall im Kopf hat ihm das nicht geholfen.
Die Krankheit Alzheimer holt sich ihre Opfer wie es ihr gefällt. Sie nimmt auch die scheinbar Unverletzbaren nicht aus. Das mach sie zu einem großen, faszinierenden Thema. Und wenn der Fußball mithilft, müsste die Diskussion doch in Gang kommen. Wirklich? Nachdem sich Ex-Nationaltorhüter Robert Enke vor einen Zug geworfen hatte, war Depression in aller Munde. Das Schicksal von Trainer Ralf Ragnick führte dazu, dass sich Millionen von Menschen als Burnout-Patienten fühlten.
Doch die Nachrichtenflut hält an. Selbst der Fußball bringt nur noch selten nachhaltige Legenden hervor, wenn fast täglich ein neues Spiel im Fernsehen läuft. Das verbindet ihn mit Alzheimer. Alles wird schnell vergessen. Und schon bald heißt es: “Das nächste Schicksal bitte!”

Januar 26th, 2012

Wir wollen alle anders sein

“Ich will so bleiben, wie ich bin. Du darfst.” In der Rangliste der verlogensten Werbeversprechen stünde dieser Vorschlag für mich ganz oben. Ich kenne nämlich nur ganz wenige Menschen, die das überhaupt wollen. Die große Mehrheit verwendet eine ungeheuere Energie darauf, anders zu sein oder zu werden.

Wir leben in Zeiten der Castings und des Benchmarkings, also der vergleichenden Forschung. Und so finden wir uns fast alle zu dick. Das ist angesichts der fortschreitenden Fettleibigkeit unserer Gesellschaft nicht verwunderlich. Aber hilft dieses Problem letztlich nicht vor allem den Verfassern von Abnehm-Ratgebern und den Herstellern von Diät-Kost? Es mag ja sein, dass wir mal unter Schmerzen zehn oder zwanzig Kilo abspecken. Das Problem ist bloß, dass wir nach einem halben mindestens genauso viel wiegen wie vor unserer Kur. Anstatt Bücher und neue Regale zu kaufen, könnten wir also gleich ein paar Flaschen Wein aufmachen.

Das mit den Haaren ist auch so ein Problem. Wir möchten sie auf dem Kopf sehr zahlreich und dicht haben, auf dem Körper aber weniger. Leider ist das vor allem bei Männern im fortgeschrittenen Alter meistens umgekehrt. Da wachsen neue Haare im Kopfbereich nur noch aus den Ohren. Also wird transplantiert, rasiert und epiliert was das Zeug hält.

Wer aber glaubt, das schöne dünne Menschen keine Probleme hätten, sieht sich auch getäuscht. Das zarte Frauenwesen gilt erst dann als wirklich sexy, wenn es die Brüste einer sizilianischen Pastaköchin hat. Und schon klingeln bei den Silikonschnipplern im Arztkittel die Kassen gar wunderbar.

Wir wären zufriedener und reicher, wenn wir einsehen würden, dass nicht einmal wir in jeder Hinsicht perfekt sein können. Aber das werden wir nicht schaffen, zumal das Erreichen jeden Zieles den Hunger auf ein neues Ziel weckt. Unter den gegenwärtigen Anforderungen unserer Gesellschaft wird am Ende der brasilianische Arzt und Nobelpreisträger Dr. Drauzio Varella richtig liegen.

Er hat so in die Zukunft geschaut: “In der heutigen Welt wird fünfmal mehr in Medikamente für die männliche Potenz und Silikon für Frauen investiert als für die Heilung von Alzheimerpatienten. Daraus folgernd haben wir in ein paar Jahren alte Frauen mit grossen Titten und alte Männer mit hartem Penis, aber keiner von denen kann sich daran erinnern wozu das gut ist.”

Dezember 13th, 2011

Reiche in Not – Arme früh tot

Ich schreib jetzt einfach mal, was ziemlich viele denken: Eure Armut kotzt mich an! Seit dem Abschied von Sabine Christiansen sind die Reichen aus den Talkshows verschwunden. Nur einige viel zu junge FDP-”Politiker” halten das Fähnchen unserer Leistungselite hoch. Ansonsten gibt es nur noch ein bisschen Rettungsschirm, tonnenweise Ungerechtigkeit sowie Not, Not, Not und nochmals Not.

Leute, begrift doch: Reiche Menschen haben es schwer. Sie haben etwas zu verlieren. Sie werden vom Staat geschröpft. Brutalstmöglich, nachdem sie ihr Luxusauto und die selbstverständlich für das Büro angeschafften teuren Skulpturen von der Steuer abgesetzt haben. Nachdem sie nachweisen konnten, dass sie beim Restaurantbesuch mit der hübschen Sekretärin auch einen Geschäftsfreund getroffen und im Rotlichtviertel von Rio de Janeiro eine umfangreiche Markterkundung vorgenommen haben.

Das alles kommt erst mal weg – aber was dann zu zahlen ist, ist immer noch viel zu viel. Man sagt nicht umsonst, das man Steuern “abführt”. Diese Gesetze sind doch fürs Klo.

Dagegen die Armen. Schon Jesus hat sie als die eigentlich Glückseligen beschrieben. Leben von Luft und Liebe. Gut, sie rauchen mehr als unsereins. Was bedeutet, dass sie die asozialste Steuer dieser Republik berappen, die Tabaksteuer. 4,90 € kostet die Schachtel. 3,58 € kriegt der Staat. Macht zusammen 13,5 Milliarden.

Aber dafür sterben die Armen auch früher. Sagt eine neue Statistik. Ihnen bleibt es also erspart, in einem sündhaft teuren Wohnstift dement dem Ende entgegen zu dämmern. Sie haben kein schlechtes Gewissen, weil sie ihr Rentenwegfallalter (veritabler Fachbegriff) viel zu spät erreichen.

Ja, wir sollten den kapitalschwachen Menschen für alles danken, was sie für diese Gesellschaft leisten. Dazugehören will ich aber nicht. Sag ich mal, sozial schwach wie ich bin.

Dezember 1st, 2011

Bussi, Bussi? Hier küsst der bayerische Finne

Almog Cohen (li.) und Robert Mak vom 1. FC Nürnberg vollziehen den neuesten Bussi-Bussi-Trends.

Almog Cohen (li.) und Robert Mak vom 1. FC Nürnberg vollziehen den neuesten Bussi-Bussi-Trends.

Selbstverständlich, der heutige Welt-Aids-Tag ist ein wichtiges Datum. Jeder Mensch, der sich informiert und deshalb vor einer Infektion geschützt hat, ist ein Erfolg. Die meisten von uns haben als Durchschnitts-Party- oder -Theater-Gänger aber ein ganz anderes Problem. Es besteht aus zwei Worten, nämlich “Bussi, Bussi!”.

Es gab Zeiten, in denen der Deutsche so etwas wie der Finne von heute war. Geküsst wurde im Normalfall bestensfalls die eigene Frau. Sonst aber niemand. Der schnelle, beidseitige Wangenkuss hat somit einen Migrationshintergrund. Ich sehe einen wesentlichen Grund in der massenhaften Brenner-Überquerung ab der Wirtschaftswunderzeit. Die Deutschen brachten von diesen Reisen neben Aufklebern, mit denen die erfolgreiche Bewältigung der Großglockner-Hochalpenstraße nachgewiesen werden konnte, vor allem auch den Traum mit, selbst einmal ein bisschen Italiener zu sein.

Wer aber die Glückwunsch- oder Abschieds-Zeremonien in Italien kennt, weiß, dass es bei einem dortigen Festessen einer Großfamilie mindestens 45 Minuten dauert, ehe jede/r jede/n geküsst hat.

Dieses ansich flüchtige Zuneigungs-Ritual machte alsbald in der italienischten Großstadt Deutschlands, in München, die Runde. Es kam zur Bildung der so genannten “Bussi-Bussi-Gesellschaft”. Da aber das Geschehen in der Glitzer-City an der Isar von Menschen in anderen Gebieten stets mit einem gewissen Minderwertigkeitskomplex verfolgt wurde und wird, sah auch die fränkische Bevölkerung Nachholbedarf.

Von der Mentalität her ist der Franke zwar eher ein bayerischer Finne. Er küsst von sich aus erst dann, wenn es einen geistig-mentalen Hintergrund hat. Aber man will ja nicht hinter den Münchnern zurückstehen, selbst wenn es einen beim “Bussi, Bussi!” innerlich gottserbärmlich graust. Es muss halt sein.

Erstaunlich ist eigentlich nur, dass sich der Wandel in den Urlaubsgewohnheiten noch nicht auf die Küsserei ausgewirkt hat. Immer mehr Menschen fahren in die Türkei. Dort wird eifrigst gebusselt. Allerdings küssen in der Regel Männer andere Männer und keine Frauen. Und umgekehrt. Man sieht das zwar immer öfter. Aber alles muss man auch nicht kopieren.

November 5th, 2011

Die Männer und ihr unverstandener Gedenktag

Es ist tragisch. In diesen wirren Zeiten gibt es sogar unverstandene Gedenktage. Der Weltmännertag gehört dazu. Und das liegt – unter anderem – an Deppen wie mir.

Am Donnerstag stand dieser Spezialtag im Kalender. Ich habe mir da einen witzig-emanzipatorischen Akt eingebildet. Einen Tag, an dem es den Männer erlaubt wäre, sich auf dem Sofa fläzend am ganz persönlichen Lagerfeuer zu wärmen und in die weite Steppe deiner Seele zu schauen. Ohne dass dich eine wohlvertraute Stimme fragt: “Schatz, geht’s Dir nicht gut?”

Ich hatte an eine Art Vatertag auf höherem intellektuellen Niveau gedacht. An einen Tag, an dem es kein Problem wäre, mit einem SUV auf die Jagd nach etwas Unbestimmtem zu gehen. An dem ungesundes Essen eine Freude sein und schlechte Manieren toleriert würden. Mit anderen Worten: Ich träumte von 24 Stunden der evolutionsgerechten sinnvollen Verortung des Mannes in dieser Gesellschaft. Und aus all diesen Gründen hielt ich die Wahl von Markus Söder zum bayerischen Finanzminister für ein starkes Signal der CSU zu diesem Anlass. Mehr Testosteron hat ja keiner.

Aber es ist ganz anders: Der Weltmännertag soll das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern. Das sagt sein Erfinder, Michail Gorbatschow. Jawoll, jener Gorbatschow, der das große russische Reich in den Untergang getrieben hätte, wenn Putin nicht gekommen wäre. Wir sollen weniger Wodka oder Bier saufen, sollen stattdessen mehr auf unseren Körper achten – und uns so in Sachen Lebenserwartung Zug um Zug an die Frauen heranpirschen.

Ich frage: Ist das wirklich die richtige Reaktion auf den wackeligen Zustand der Sozialsystems im Allgemeinen sowie der Rentenkassen im Besonderen? Ich bin skeptisch. Genauso, wie ich skeptisch bin, was der Erfolg des Weltmännertages angeht.

Ich denke da an den Weltfrauentag. Dieser hat jede Menge Forderungen, mit denen sich die Welt verbessern ließe. Bloß: Am Muttertag ist trotzdem viel mehr los.

Oktober 21st, 2011

Warum Lebensmittel häufig Müll sind

Es lebe die Dose! Es werde Müll!

Es ist ein Skandal, ein Mega-Skandal, ein Wahnsinn: In Deutschland landen jedes Jahr 6,6 Millionen Tonnen genießbare Lebensmittel im Müll. Zum Großteil originalverpackt. Essbares im Wert von 25 Milliarden Euro. Was ist da los?

Sicher liegt es daran, dass wir verlernt haben, die Qualität von Lebensmitteln zu erkennen und diese entsprechend zu verarbeiten. Wir schauen auf dem Preis – und folgen zudem spätestens seit McDonald’s der angelsächsischen “Genuß”-Tradition. Diese hat der britische Literatur-Nobelpreis-Träger von 1932, John Galsworthy, so auf den Punkt gebracht: “Die Franzosen kochen, die Engländer öffnen Dosen.”

Kochen ist andererseits teuer. Das merkt man spätestens dann, wenn man eine Küche braucht. Die zu kaufen, geht gerne mal so: Im Prospekt sieht man eine tolle Genussmöbel-Kombination zum Preis von 4999 Euro. Das hat man gerade, man geht also mit seinem Wohnungs-Grundriss ins Möbelhaus.

Dort erfährt man, dass man beim Betrachten der Werbung den klitzekleinen Zusatz “Angebot wie abgebildet” übersehen hat. Bezogen auf die eigene Wohnung brauche es schon einige Umplanungen. Und das eine oder andere Extra.

Macht dann zusammen 30.000 Euro, also einen Betrag, mit dem man sich zehn Jahre lang jeden Abend eine Pizza kaufen könnte. Oder 27 Jahre lang täglich einen Döner.

Der Küchenkauf lohnt sich also nur bedingt. Zumal wir im Autoland Deutschland immer ein neues Fahrzeug brauchen. Neuwagen kosten hierzulande im Schnitt 45.000 Euro.

Umgerechnet wären das weitere dreizehneinhalb Jahre lang ein Döner pro Tag. Aber eben auch acht, neun Jahre in einer neuen Küche gut gekocht.

Das bedeutet: Würde öfter mal ein Auto vor dem Verkauf im Müll landen, könnten wir richtig lecker essen. Wir haben die Wahl.

August 1st, 2011

Die Welt riecht besser – aber früher war sie cooler

Als James Dean qualmte, galt rauchen noch als cool.

Als James Dean qualmte, galt rauchen noch als cool.

Seit einer kreativen Sternstunde des Sängers Elton John wissen wir, dass “Sorry” das härteste Wort der Welt ist. Wir tun uns schwer, einfach so mal zuzugeben, dass wir auf dem falschen Dampfer waren. Heute ist für mich der Tag dieser Demutsgeste gekommen: Das Rauchverbot in Bayern war nicht völlig falsch.

Fast drei Jahre hatte bei uns ein Glaubenskrieg getobt. Seit genau einem Jahr nun gibt es die vom gesundheitsbewussten Teil des Volkes gewollten strikten Regeln. Und es hat sich viel verändert. Die Raucher sind – der billigen Schmuggelware sei Dank – zwar noch nicht zur völlig unbedeutenden Randgruppe geworden. Aber sie sind netter und rücksichtsvoller als noch vor ein paar Jahren. Sie stellen sich zum Beispiel in die Rauchfrei-Quadrate auf den Bahnhöfen und nehmen mit bewundernswertem Gleichmut in Kauf, wie bescheuert das aussieht.

Und doch fehlt etwas. Nämlich diese mit Unbelehrbarkeit und Krebsverachtung gepaarte Lässigkeit der Raucher. Es fehlen die Qualmer, die in ihrer Stammkneipe beim Abfackeln ihres Tabaks den Gang der Dinge analysierten, kreativ-sarkastisch in die Zukunft schauten, dabei ordentlich becherten und am nächsten Tag mit einem schweren Kopf und dunklen Augenringen aufwachten. Oder die sich bei einem Glas Rotwein an kubanischen Pralinen verlustierten. Menschen, die anders waren, als die heute so sehr als Vorbild gepriesenen Marathonläufer.

Kurzum, die Welt riecht besser – aber früher war sie cooler. Die Zeiten für Dichter und Denker sind schwierig geworden. Aber in einem Land, in dem sich die Leute freiwillig von Merkel, Westerwelle und Seehofer regieren lassen, muss das vielleicht so sein.

Juni 17th, 2011

EHEC und andere Essens-Katastrophen

EHEC ist vielleicht vorbei. Doch neue Essens-Katastrophen kommen sicher. Aber: Wollen wir es auf unseren Tellern überhaupt ganz anders? Mein Beitrag – mit einem Filmstar und einem anderen Hasen.

Juni 5th, 2011

Böse Sprossen – jetzt wird’s im Baumarkt billig

Wenn sie am Anfang dieser Woche Ihre Zeitung auseinanderklappen, ist klar, was rausfällt: Prospekte von Baumärkten, die die Preise für Fenster und Leitern gesenkt haben. Denn es gibt neue Hauptverdächtige für die EHEC-Pest. Die Sprossen aus Uelzen.

Preisverfall und Heimwerkersorgen sind allerdings überflüssig, die Frage “Muss ich die Schuhe desinfizieren, wenn ich meinen Kirschbaum abgeerntet habe?” darf mit Nein beantwortet haben. Denn natürlich geht es um Essbares wie Brunnenkresse oder Sojasprossen. Aber das wird in einer Panik schon mal übersehen.

Ist auch egal, denn man darf sicher sein, dass die Regierung und das Robert-Koch-Institut schon bald die nächste EHEC-Sau durchs globale Dorf treiben werden. Erst waren es Gurken aus Spanien, dann ein Wirt aus Lübeck, jetzt gerade die Sprossen – aber das wird nicht reichen. Denn eines hat in dieser schweren Stunde unserer Nation allerhöchste Priorität: Die Politik muss beweisen, dass sie auf der Höhe des Geschehens ist und die Situation im Griff hat. Obwohl sie vielleicht gar nichts weiß.

Dass Opfer wie insolvente Gemüsebauern hierfür in Kauf zu nehmen sind, ist seit jeher Bestandteil zeitgemäßer Regierungskunst. Und deshalb sieht es vermutlich schlecht aus für Spargel aus der Hallertau, für Schinken aus Parma oder für Pommes aus Fritz. Und was ist mit Sommersprossen aus Irland?

Lassen wir uns überraschen. Ich hingegen denke wieder an die großen Worte eines Kommunalpolitikers, den ich irgendwann in den 90-ern zu seinem Abschied interviewt habe: “Das Wichtigste ist doch, dass die Leute anständig kacken können.” Mir scheint, der Mann hatte recht.

Mai 31st, 2011

Aussteigen ist möglich – das zeigen die Raucher

Dieses Bild findet keiner mehr lustig oder sexy...

Dieses Bild findet keiner mehr lustig oder sexy...

Ausstieg? Geht das überhaupt? Ein Teil-Ausstieg auf jeden Fall. Am heutigen Welt-Nichtrauchertag kann man getrost feststellen. Der Versuch, den Menschen die Lust aufs Rauchen zu nehmen, war erfolgreich. Wer qualmt, ist heute Mitglied einer Randgruppe. Schick ist die Zigarette im Mundwinkel überhaupt nicht mehr.

Wenn man zurückdenkt, welch gewaltige Seelenwallungen die Diskussion um das bayerische Rauchverbot ausgelöst hat, ist das kaum zu glauben. Damals dachte man, die Freiheit würde zu Schutt und Asche verfallen, die Demokratie würde durch einen reinen Bevormundungsstaat abgelöst. Ich habe das auch lange Zeit gedacht.

Aus heutiger Sicht wissen wir, dass das Nichtraucherschutzgesetz, absehen von einigen Regelungs-Auswüchsen, insgesamt funktioniert hat. Die meisten Menschen haben sich damit arrangiert, der tägliche Konsum fertiger Ziga­retten sank von 391 Millionen Stück im Jahr 2001 auf 229 Millionen Stück im Jahr 2010. Das ist ein stolzer Rückgang, der allerdings durch eine Zunahme bei selbst gedrehten und geschmuggelten Zigaretten zu einem ordentlichen Teil konterkariert wird.

Ja, es gibt noch reichlich “Stand-by-Raucher”. Bis 2022 werden es aber noch viel weniger sein. Veränderungen durch Abstinenz sind möglich. Rückfälle aber auch…

Mai 29th, 2011

EHEC: Händewaschen hilft mehr als Hysterie

Ach, seufz! Immer werden wir verarscht. Von der Politik. Von den Medien. Vom Bankberater. Vom Autohändler. In dieser Welt, auf der wir leben, ist unser Dasein, so scheint es, ein einziger Kampf gegen die Angriffe des allgegenwärtigen Bösen.  Jedoch – und dieser Hinweis muss mal erlaubt sein: Mit unserem Hang zur Hysterie machen wir es den Desinformations-Zynikern und Panik-Architekten aber auch wirklich leicht.

Das neueste Beispiel ist EHEC (Escherichia (E.) coli-Bakterien, der Hirndübel)