Archiv der Kategorie ‘Gesundheit’

März 28th, 2014

Lebenskraft muss billig sein

Wieder ist es da, das ultimative Sonderangebot: Drei Rinder-Minutensteaks für 3,49 Euro, drei Schweine-Riesenschnitzel für 4,49. Nein, in diesem Land muss niemand hungern. Irgendein fettiges Brett kriegt jeder zwischen die Zähne.

Fleisch ist eben ein Stück Lebenskraft. Daran glauben wir seit der Zeit des Wirtschaftswunders. Das Hungern nach dem großen Krieg war vorbei. In jeder Küche durfte nun täglich gebrutzelt werden. Und wenn nicht, gab es ja immer noch Wurst für das Abendbrot. Sicher, viele Menschen haben dieses Muster überwunden. Auf unseren Italienreisen lernten wir, dass man Nudeln nicht nur für die Buchstabensuppe brauchen kann. Wir mögen auch das Besondere. Wir rollen unser Sushi selbst und kratzen kleine Köstlichkeiten aus Tapas-Schüsselchen.

Essen und Trinken in Deutschland haben sich gewandelt. Davon kündet gerade auch eine große Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn. Curry- und Bratwurst sind unsere Favoriten geblieben, aber den Toast Hawaii mit Ananas-Ring und Deko-Kirsche bestellt kaum noch jemand. Pizza geht immer, vietnamesische Gerichte sollen unbedingt gesund sein.

Man könnte also sogar auf vegetarische Gedanken. Doch davor bewahren uns die Discounter. Bei ihnen herrscht immer Preiskampf. Und gerade geht es nicht um Duschgel, Zahnpasta oder Pferdeabschwitzdecken, sondern um Fleisch. Aldi hat jüngst entdeckt, dass es seine Lieferanten noch ein bisschen mehr melken kann. Die Konkurrenz heult kurz auf, zieht aber nach. Ob die Viecher vor der Fahrt zum Schlachthof Müll gefressen haben, interessiert keinen mehr.

Es gibt richtig leckere Fleischgerichte, die sich immer lohnen. Aber zu viele Menschen belegen ihre Teller nach dem Motto “Billiges muss nicht gut sein”. Und tragischerweise stimmt auch dieses: Viereckiges Essen macht kugelrunde Menschen. Erst recht als Sonderangebot.

Februar 4th, 2014

Wer länger isst, ist früher tot

Oh Welt, wie bist du grausam. “Die Zahl der Krebserkrankungen steigt weltweit dramatisch”, meldeten gerade die Medien dieser Republik.  Uns schaudert, es wächst die Angst vor Geschwüren, Tod und Verderben. Aber zurecht?

Ich meine nicht. In einer Welt, in der immer mehr Menschen leben und zudem immer älter werden, ist eine Zunahme der Krebserkrankungen ganz normal. Der Horror ist, so gesehen, klein. Zumal medizinischer Fortschritt – wir lieben Siemens! – sicher zu erwarten ist.

Ärgerlich ist allerdings, dass mit der bösen Zukunftsvision der mahnende Zeigefinger erhoben wird. Wir seien nämlich, so heißt es, an unseren Krebserkrankungen selber schuld. Weil wir uns ja völlig falsch ernähren. Zu viel Fett, zu viel Süßes, zu viel Alkohol – all dieses ruiniere unsere Körperzellen. Wir können viel, viel älter werden. Wenn wir nur wollten und nicht jede Kalorienbombe in uns hineinschaufeln würden.

Damit sind wir allerdings bei der Frage angelangt: Wozu eigentlich? Warum in aller Welt sollten wir ein freudlos-asketisches Dasein wählen, nur um sozial unverträglich steinalt zu werden? Zumal das Geld dafür eh nicht reichen wird. Die frühere Idee, die Lebensversicherung einzustreichen und mit den Zinsen die Rente aufzuhübschen, funktioniert ja nicht mehr. Die Banken legen bestenfalls Nullkommaeinbisschenwas drauf, weshalb man nur die Chance hat, das Ersparte bis zum Ableben aufzubrauchen. Erben werden in Zukunft traurige Gesellen sein.

Alsdenn: Pfeifen wir auf den Krebs. Hauen wir rein. Wer länger isst, ist früher tot. Und alle, alle freuen sich.

Dezember 21st, 2013

Die Krise beim Fliegen

Der beste Freund des Menschen ist…??? Natürlich, es ist nicht mehr der Hund. Es ist das Smartphone, unser  treuer Begleiter, der uns immer in Kontakt mit der Welt hält, der uns die Zeit vertreibt und uns zuverlässig mit nutzlosen Informationen versorgt. Falls nicht der Akku leer ist. Oder falls wir nicht abheben.

Tatsächlich, im Flugzeug ist alles anders. Hier verblasst die Flatrate zugunsten des Flugmodus. Viele Menschen sind in diesen Tagen über den Wolken unterwegs. Aber ist die Freiheit wirklich grenzenlos, wenn die Luftaufsichtsbaracke außer Sichtweite kommt? Wahrscheinlich  ist es genau andersrum. Falls Professor Dr. Tilmann Allert richtig liegt.

Der Frankfurter Soziologe hat gründlich über Flugreisen nachgedacht. Er kam zur Erkenntnis, dass es für den Menschen gar nicht so einfach ist, in einem Jet zu sitzen. Als Passagier habe dieser seine raumzeitliche Verortung verlassen. In seiner transitorischen Krise entwickle er unterschiedliche Strategien, um sich damit zu arrangieren, dass er zur Untätigkeit verdammt in einer Gruppe von wildfremden Leuten sitzen muss.

Wir kennen diese Airbus-Nebenleute (und uns selbst). Da gibt es die scheinbar Tiefenentspannten, die mit geschlossenen Augen ihren Tagträumen nachhängen. Da ist der meckernde Querulant.  Vielleicht noch schlimmer sind diejenigen, die ihre Zwangslage mit übertriebener Geschwätzigkeit. Die dir das Du anbieten, sobald nach dem Start das Anschnallzeichen ausgeschaltet wird.

Andere lassen ihren schlechten Manieren freien Lauf, pöbeln herum und saufen literweise  holländisches Industriebier anstatt Tomatensaft. Wieder andere kaufen auf ihrem Fernflug den Bordshop leer. Und schließlich gibt es, so unser Professor, die Gruppe, die wirklich Panik hat. Ihre Flugangast sieht er als Sehnsucht nach Verortung.

Es gibt aber noch einen Aspekt. Einen, der dieses Land noch massiv verändern könnte. Zum Wesen des Fliegens gehört, so Allert, “der scharfe Kontrast zwischen maximaler Überwindung von Raumgrenzen und dem Minimum an Eigenanstrengung. Kann es demnach sein, dass das böse Wort vom “anstrengungslosen Wohlstand” während eines transitorischen Tagtraumes entstanden ist? Wie wäre die Bundestagswahl ausgegangen, wenn Guido Westwelle nicht vielfliegender Außen-, sondern Justizminister gewesen wäre? Und wie viel weniger hätte die NSA über Angela Merkel erfahren, wenn sie neben Smartphones auch Hunde lieben würde?

Das Reisen in großer Höhe erscheint uns selbstverständlich. Und doch steckt es voller tiefgründiger Fragen. Wo, bitte, war nochmal der Notausgang?

 

Dezember 8th, 2013

Wie lange wollen wir leben?

Zum Wesen unseres Daseins gehört das Dilemma. Wir stehen vor Entscheidungen, die uns zuwider und dabei nicht mal mit Gewissheit richtig sind.

So geht es den SPD-Mitgliedern, die gerade entscheiden müssen, ob sie Angela Merkel als Bundeskanzlerin ertragen wollen. Es geht noch schlimmer: Würde man, wenn man in einem überfüllten Boot sitzt, zehn Menschen ins Wasser stoßen, um 70 andere zu retten? Grundsätzlich lautet die Frage so: Wie lebe ich am wenigsten verkehrt?

Gerade hat die Regierung von Großbritannien ihre neuesten Pläne für die Sozialversicherung bekannt gegeben. Das Renteneintrittsalter soll demnach anhand der durchschnittlichen Lebenserwartung ermittelt werden. Werden die Leute älter, bleiben sie auch länger im Job. Auf der Insel würde die aktuellste Berechnung dazu führen, das heute 20-Jährige mit 70 Jahren in den Ruhestand gehen könnten.

Das schockt uns. Schließlich vermuten wir (ohne statistische Absicherung), dass die Briten eine geringe Lebenserwartung haben. Das Essen ist schlecht, der Bierkonsum ist hoch, der Linksverkehr ist eine Gefahr an sich. Wenn dort schon das Rentenalter 70 gelten soll – was blüht dann uns?

Und schon sind wir mittendrin im Dilemma. Wir haben ja schon viel getan. Unseren Lungen zuliebe mit dem Rauchen aufgehört, dem Übergewicht trotzend mit dem Joggen begonnen. Wir schieben schon das zweite Bier zur Seite und trinken missmutig linksdrehendes Vogesen-Wasser oder schlabberigen Holundersprudel. Wir achten auf ausreichend Schlaf, unterbrechen unsere Büroarbeit alle drei Stunden für dreiminütige Dehnübungen. Statt Bratwurst gibt es Tofu. Auch weitere Gefahren des Alltags vermeiden wir, so gut es irgendwie geht.

So werden wir es schaffen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in diesem Land auf 90Jahre und mehr steigen wird. Zum 115. Geburtstag wird man über uns berichten: “Er liest noch jeden Tag seine Zeitung.”

Es fragt sich: Ist es gut, ein gesundes, aber langweiliges Dasein auszudehnen? Oder würde es sich mehr lohnen, wenn wir alle immer wieder mal die Sau rauslassen und dafür ein paar Jahre früher sterben würden? Früherer Renteneintritt inklusive?

Wie man es macht, ist es verkehrt. Auch dieser Satz hat seinen Charme. Das Dilemma, es bleibt uns!

Oktober 18th, 2013

Zu Hilfe, wir werden immer müder

Es passiert selten, aber es passiert: Eine Nachricht wird in die Welt gesetzt – und plötzlich sind Dir die Augen geöffnet. Du liest, hörst und verstehst. So geschehen mit dieser wissenschaftlichen Erkenntnis: “Schlaf reinigt das Gehirn.”

Demnach dürfen wir sicher davon ausgehen, dass wir alle dümmer oder grantiger werden. Woran das Fernsehen schuld ist. Zwingt es uns doch dazu, lange wach zu bleiben. Es ist doch so, dass es bis tief in die Nacht dauert, ehe der quotenträchtige Sendeschrott abgearbeitet ist. Wen nicht interessiert, wer eine nette Schwiegermutter bekommt oder welcher Prominente das größte Wissen über australische Beuteltiere hat, braucht Geduld. Interessante Reportagen laufen bevorzugt kurz vor Mitternacht.

Um diese Uhrzeit enden die sensationellen Shows der privaten Kanäle. Was nicht anders sein kann, weil es jeweils 30 Minuten braucht, die Hotline-Nummern und den Hauptgewinn des Abends vorzustellen. Von der Stunde weiterer Werbung ganz zu schweigen.

Zweites Drama: Unser geliebter Fußball. Früher haben Spiele um 19 Uhr begonnen, die Interviews dauerten maximal drei Minuten. Heute ziehen sich Länderspiel- oder Champions-League-Berichte gerne mal bis kurz vor Mitternacht. Wenn, wie diese Woche, Armenien und Russland erst um 23.30 Uhr gezeigt und hinterher noch “Pelzig hält sich” läuft – wer soll da mit sauberem Gehirn in den neuen Tag starten? Bald kaum jemand mehr, denn: Wir sind übermüdet, wir werden immer müder. Wir werden denkfaul und grantig. Unsere Gehirne verstauben, es knirscht im Kopf.

Und einen Ausweg gibt es nicht. Für Politik, Kultur und sonstiges Niveau gibt es nur die späten Sendeplätze. Und so bleibt uns, wie so oft im Leben, nur der flehende Blick nach oben. Wir beten also “Herr, lass’ Hirn vom Himmel regnen” und hoffen auf frisches Material. Denn wacher werden wir nicht.

September 12th, 2013

Einerseits wachsen wir, andererseits…

Wer in einer schwachen Stunde über sein Leben nachdenkt, wird das Prinzip dieses Daseins vielleicht ergründen. Es lautet “Einerseits – Andererseits”. Was bedeuten soll, dass es nur wenige rundum glückliche Leute gibt, bei denen es immer nur aufwärts geht. Rückschläge gehören dazu. Erfolg und Wachstum sind nie unendlich.

So ist dasauch in unserer Produktwelt. Die Autohersteller erzielen famose Erfolge mit protzigen SUV’s, in denen auch die winzigsten Knilche dasitzen wie Hannibal auf seinem Elefanten. Andererseits fährt mancher mit dem Smart durch die Gegend. Wenngleich es mitunter ein erzwungener Dienstwagen ist. Fernsehbildschirme werden tendenziell immer größer, Handys wiederum schrumpfen so stark, dass sich der männliche Breitdaumen beim Simsen rettungslos verrenkt. Wegen des Abnehmens werden die Wurstdosen kleiner, während andernorts ein Wirtshaus deswegen gerühmt wird, weil die riesigen Pfannenschnitzel nicht auf die Teller passen.

Es geht kreuz und quer. Nur eine Konstante scheint es zu geben. Der Mensch als solcher wird immer größer. Wie eine wissenschaftliche Studie aus dem englischen Oxford über die Körpergrößen in fünfzehn Ländern ergeben hat, sind die Europäer binnen eines Jahrhunderts um elf Zentimeter größer geworden. Dabei sorgt beileibe nicht nur sozialer Frieden für Wachstumsschübe. Nein, gerade auch in Krisenzeiten sind wir nach oben geschossen. Alles in allem sind die Forscher aber überzeugt, dass eine im Durchschnitt verbesserte Volksgesundheit dafür verantwortlich ist, dass junge deutsche Männer inzwischen im Schnitt 1,80 Meter groß sind.

Aufhören wird das nicht. Einerseits haben wir – gerade bei jungen Männern – ein wachsendes Körper- und Gesundheitsbewusstsein. Die Zeiten, in denen ein Mann ohne Bauch als krank galt, sind vorbei. Andererseits kann es gut sein, dass uns die ewige Krisenmanagerin Angela Merkel für wenigstens vier weitere Jahre erhalten bleibt. Sie wird schon dafür sorgen, dass uns die ständige Bedrohung unseres Wohlstands ausreichend bewusst ist. Ab zwei weiteren Amtszeiten der jetzigen Kanzlerin wird es somit dazu kommen, dass die Kirchweihburschen vom Land ihr gemeinsames Bier aus der Dachrinne trinken.

Und die Kleinen? Sie werden sich wehren, und den Hilfsgiraffen alle denkbaren Beine stellen. Ganz so, wie Silvio Berlusconi gerade vor dem Europäischen Gerichtshof Gott und den Rest der Welt verklagt. Das Leben ist ein Kampf, der selten gerecht ist. “Einige werden groß geboren, einige erlangen Größe, und einigen wird die Größe hinterhergeworfen”, sagte William Shakespeare irgendwann um 1600 herum. Wer Gewinner oder Verlierer ist, weiß keiner. Das “Einerseits – Andererseits” wird es also immer geben.

August 6th, 2013

Die Revolution im Gemüse-Staat

Ganz sicher: Ein lachendes Hacksteak will keiner.

Ganz sicher: Ein lachendes Hacksteak will keiner.

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft. Dieser Spruch gehört nicht nur zu den absoluten Klassikern der deutschen Werbeslogans. In ihm steckt auch für die meisten von uns eine tiefe Wahrheit. Ohne Essen vom Tier, so unsere Überzeugung, werden wir dünn, schwach und schrullig. Somit ist unser Feind, wer uns diesen Genuss wegnehmen will.

Das erfahren gerade die Grünen. Sie hatten im Wahlkampf erklärt, dass es gut wäre, wenn es in Kantinen ein Mal pro Woche einen Tag mit ausschließlich vegetarischem Essen gäbe. Die Bild-Zeitung, die ihrer Lieblingskanzlerin zuliebe jeden vermeintlichen oder tatsächlichen Fehltritt der Opposition mit großen Buchstaben anprangert, hatte ihr Fressen gefunden. “Die Grünen wollen uns unser Fleisch wegnehmen”, lautete der Aufschrei.

So groß ist die Empörung, dass man sicher davon ausgehen kann, dass einzig eine von oben verordnete Zwangs-Vegetarisierung in diesem Land für eine blutige Revolution sorgen könnte. Das schafft nicht einmal das Steuerrecht.

Unser Fleisch, unser Genuss: Was für ein Quatsch. Es zeigt sich ja, dass wir tierische Nahrung zwar für wichtig halten, dass wir aber streng darauf achten, dass dieses Essen nicht nach Tier aussieht. Ein Hamburger hat mit einem Rind ungefähr so viel gemein wie eine Diskusscheibe mit einem Hubschrauber. Ein Schweineschnitzel ist von einem panierten Putzlappen optisch kaum zu unterscheiden.

Wir wollen Steak oder Muskeln. Ein Menü, das Nase oder Ohren hat, ist undenkbar. Frischen Fisch mit offenen Augen lassen wir stehen, während uns das viereckige Fischstäbchen suggeriert, dass das mit dem Leerfischen der Ozeane vielleicht doch nicht so schlimm ist.

Das ist verkehrt, und Vegetarier leben sogar länger. Aber falls wir uns umstellen – was wird aus unserer geliebten Currywurst? Mein Vorschlag: Nehmen wir eine Extraportion Pommes dazu. Das kompensiert.

 

 

 

 

 

 

 

Juli 16th, 2013

Mit Rollator-Pizza und Parkinson-Frisur

Elf Prozent. Das ist sie, die aktuelle Chiffre für die wahrhaftige Altersteilzeit in Deutschland. Dieser Anteil der Rentner/-innen – jede/r Neunte – geht nebenher arbeiten. Einige aus Lust, die meisten aber, weil das Geld nicht reicht. Uns allen ist klar: Die Tendenz ist steigend.

Wenn Abschiedsbriefe an ausscheidende Beschäftigte verschickt werden, ist gerne vom “wohlverdienten Ruhestand” die Rede. Dieser Begriff soll ausdrücken, dass es völlig in Ordnung ist, wenn jemand, der über 40 Jahre gearbeitet hat, fortan nur noch die Füße hochlegt und keinen Finger mehr krümmt. Außer für seine Hobbys. In Zukunft könnte “wohlverdient” für etwas Anderes stehen. Dafür, dass der sorglose Ruhestand nur solchen Menschen gilt, die ihn sich “wohl verdient” haben. Ein Durchschnittseinkommen wird da kaum reichen, ein Mindestlohn schon gar nicht.

Die Politik sagt es noch nicht in dieser Schärfe, Aber im Hintergrund laufen die Vorbereitungen. Die Zahl der in Deutschland lebenden Hundertjährigen hat sich seit dem Jahr 2001 verdreifacht. Und dies ruft die Forscher am Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg auf den Plan. Sie haben jetzt ihre zweiten “Heidelberger Hundertjährigen-Studie” fertiggestellt.  In dieser wollen sie der Welt ein umfassendes Bild der deutschen Hochaltrigen und ihrer Lebenssituation zeigen. Neben den Herausforderungen des Alltags werden darin auch “die Stärken der Hundertjährigen” dargestellt.

Na, wenn da nicht was dahintersteckt. Zum Beispiel die Überlegung der Märkte, dass die ärgerliche produktivitätsfreie Lücke zwischen Kinderkrippe und G-8-Abitur über einen Generationenvertrag durch die Alten geschlossen werden könnte. Und Stärken haben sie doch: Keiner kann so gut zuhören wie ein alterstauber Psychologe. Keiner kommt mit der Pizza so schnell durch den Stau wie der Rollator-Kurier. Und keiner zaubert ähnlich kreative Fransen wie der Parkinson-Friseur.

Es warten noch viele Herausforderungen. Und irgendwann wird auch die Politik  - kurz nach einer Wahl – mitteilen: Liebe Leute, Ihr habt Euch den Ruhestand verdient. Aber Ihr kriegt ihn nicht. Macht aber nix. Man lebt ja nur einmal.

P.S.: Der Hundertjährige (Kalender) meint für die Zeit vom 15. bis 31. Juli: “Schön bis schwül warm”. Sie haben Stärken, die Alten.

 

März 3rd, 2013

Pessimisten leben länger

Habe, ach, studiert 25 Bücher über Glück und über Wege dorthin. Habe die zehn Gebote für angehende Optimisten auswendig gelernt. Und jetzt dies: Allzu großer Optimismus im Alter kann zu einem erhöhten Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiko führen. Das zeigt eine Studie von Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gemeinsam mit weiteren schlauen Leuten aus Berlin und Zürich. Demnach leben ältere Menschen, die ihre künftige Zufriedenheit gering einschätzen, offenbar länger und gesünder als ältere Menschen, die für sich eine rosige Zukunft sehen.

Herausgefunden haben die Forscher Folgendes: Im Gegensatz zu den älteren Menschen zeichneten junge Erwachsenen dabei meist ein unrealistisch rosiges Bild von ihrer Zukunft. Menschen im mittleren Erwachsenenalter dagegen waren weitgehend realistisch. Je älter die Befragten waren, umso pessimistischer schätzten sie ihre Zukunft ein. Überraschend sei gewesen, dass die Befragten umso pessimistischer in die Zukunft sahen, je stabiler ihre Gesundheit und je höher ihr Einkommen war. Meinen die Erlanger Experten.

Was bitte ist an diesen Erkenntnissen überraschend? Es ist doch klar, dass jeder Mensch als grenzenloser Optimist anfängt. Kinder lernen jeden Tag Neues und unterliegen somit naiv und fröhlich dem Trugschluss, dass das Leben unbegrenzte Möglichkeiten böte. Ein Problem ist die Pubertät. Nachdenklichen jungen Menschen wird in dieser Entwicklungsphase bewusst, dass sie in naher Zukunft zu den Erwachsenen gehören. Das muss nicht zwangsläufig als erstrebenswert angesehen werden. Erst wenn dieser Stress überwunden ist, ist wieder für ein paar Jahre Platz für grenzenlose Zuversicht.

Danach, so ab 30, greift jedoch das Sprichwort “Ein Pessimist ist ein Optimist mit Lebenserfahrung”. Denn immer dann, wenn wir glauben, dass die größten Sorgen abgehakt sind und somit der Weg zum Glück bereitet ist, tauchen neue Probleme auf. Unser Pessimismusanteil steigt mit jedem Lebensjahr, zumal uns die ersten Optimisten schon viel zu früh verlassen haben. Etwa ab 70 sind wir endgültig zu Realisten geworden.

Ist das jetzt zum heulen? Aber nicht doch. Auch hier kommt es, wie immer im Leben, sehr darauf an, was man daraus macht. Der Pessimist hat also ein längeres Leben. Das ist aber nur schlecht, wenn er nicht weiß, was er damit anfangen soll. Tatsächlich ist es so: Wer düsterer nach vorne schaut, wird seltener enttäuscht und ist am Ende – jawoll – glücklicher.

Sehen wir die Dinge also ganz anders als Nina Ruge: Alles wird schlecht. Aber vielleicht nicht so schlimm wie man denkt.

PS: Unser Sterblichkeitsrisiko liegt bei 100 Prozent. Bei Optimisten und Pessimisten. Das müssen auch Forscher akzeptieren.

Februar 14th, 2013

Das Pferd, das sie Rind nannten

Kennen Sie diesen Film? “Das Pferd, das sie Rind nannten.” Anlässlich des aktuellen Lebensmittelskandals könnte dieser Streifen gedreht werden. Mit zahlreichen dokumentarischen Einschüben aus Nachrichtensendungen und empörten Stellungnahmen von Politikern. Ich frage mich? Warum eigentlich diese Aufregung?

Ein echter Skandal ist es doch, wenn man etwas Schlechteres bekommt, als versprochen wurde. Pferdefleisch jedoch ist grundsätzlich besser als das Fleisch von Rindern oder gar von hormongemästeten Superschweinen. Sein Verzehr ist bloß ungewohnt. Und natürlich ist uns das Ross eher ein geschätzter Freund. Kühe werden keine Olympiasieger. Aber kühl betrachtet lautet unser Aufschrei so: “Ich wollte einen Opel. Und musste einen BMW nehmen.”

Kein Vergleich jedenfalls zu den früheren Lebensmittelskandalen. An Glykol im Wein sind Menschen gestorben. Fischwürmer und Gammelfleisch-Döner haben Übelkeit ausgelöst. BSE galt als Frontalangriff auf unsere Hirngesundheit, in Schweinefutter wurde das Ultragift Dioxin gefunden. Und, und, und…

Lebensmittel als solche galten deshalb immer wieder als grundsätzlich lebensvernichtend. Obwohl wir doch dank “Dschungelcamp” wissen, dass der Mensch viel mehr verträgt, als man allgemein so denkt.

Womit wir beim Kern des Problems wären: Wie kann jemand, der im Supermarkt tiefgekühlte Fertigkost kauft, empört sein, weil er betrogen wurde? Das ist gar nicht möglich, denn dieser ganze Fraß ist ein einziger Beschiss. Wer das nicht glauben will, lese bitte die Zutatenliste. Nein, wir essen alles, ohne groß nachzudenken. Weil wir den Geschmack verschiedener Essen eh nicht mehr auseinander halten können.

Wir sind also auch selber schuld. Martin Luther würde sich mächtig über uns wundern und in seiner Verwirrung vielleicht diesen Satz sagen: “Wenn ich wüsste, dass meine Lasagnenudel ab morgen aus Styropor ist, würde ich heute ein Pferd schlachten.” Amen.

Dezember 29th, 2012

Vorsätze sind gut – sie müssen bloß passen

Preissturz? Sale? Ja, gut, das gibt es in diesen Tagen auch. Aber wenn bei uns, und nicht in England, demnächst Pfunde purzeln sollten, ginge es um etwas anderes: Wir hätten das Unmögliche geschafft. Wir wären unseren guten Vorsätzen gerecht geworden.

Es gibt offenbar kein Entkommen vor dem Drang, ab Gültigkeit einer neuen Jahreszahl unser Leben zum Besseren zu wenden. Wir wollen schlanker, schöner, sportlicher, tabak- und alkoholfreier, mitfühlender, freundschaftlicher und hilfsbereiter werden, als wir es vielleicht jemals zuvor gewesen sind. Und selbst im fortgeschrittenen Alter fragen wir uns nicht, warum wir immer wieder vor den selbst gestellten Aufgaben versagt haben. Am 1.1. muss was passieren. Am Veränderungs-Feiertag.

Ein nachweisliches Erfolgsrezept ist der persönliche Jahreswechsel-Relaunch aber nicht. Eine englische Studie mit 3000 Teil­nehmern hat ergeben, dass 88 Prozent ihre guten Vorsätze nicht einhalten. Das ist sehr viel. Andererseits: 12 Prozent sind auch etwas. Hierzulande können sie reichen, um einer Bundesregierung anzugehören. Als Verzinsung von Guthaben sind sie ein Traum, bei der Verzinsung von Dispokrediten Realität. Stellen wir uns doch nur vor, Jahr für Jahr würden 12 Prozent der Fettleibigen schlank. Schon nach fünf Jahren hätten wir nur noch halb so viele Dicke. Die Änderungsschneidereien würden zur Boombranche.

Doch das passiert nicht. Auch deshalb, weil wir uns die falschen Ziele setzen. Warum müssen wir immer gut und besser werden? Warum können wir uns nicht vornehmen, wenigstens ein Mal im Monat ordentlich mit Freunden zu saufen? Warum versprechen wir uns nicht, konsequent ein Jahr lang jede Sportschau vom Anfang bis zum Ende zu schauen? Warum schwören wir nicht, 2013 einen Wälzer von Umberto Eco nicht zu lesen? Warum nehmen wir uns nicht vor, dass wir uns auch im neuen Jahr auf gebratenes Fleisch und Vollbier freuen?

Setzen wir uns doch Ziele, die zu uns passen. Erst dann entfaltet die Weisheit, dass es zum Optimismus keine sinnvolle Alternative gibt, ihre wundersame Wirkung.  Und übrigens: Ich habe zwischen dem 15. und 17. November 2007 mit dem Rauchen aufgehört. Das Jahr hat also 365 Veränderungstage. Wenn man nur will.

November 30th, 2012

Wenn das Baby wie ein Schnupfen kommt…

Wir alle leben ein Leben in ständiger Ansteckungsgefahr.Wir fangen uns etwas ab, das wild herumschwirrt, das jemand anders abgeschickt hat und das nicht in unseren Körper gehört. Wir werden zum Wirtstier – und sind froh, wenn der Spuk vorbeigeht.

Vieles kann infektiös sein. Schnupfen, Darmgrippe, aber auch Freude und ein nettes Lachen. Übel befallen können uns allerdings Lungenentzündung, Hirnhautentzündung, Malaria, Fußpilz, Schnupfen, Hepatitis und BSE. Eigentlich ist es ein Wunder, dass ein paar Menschen zwischendrin immer wieder mal gesund sind. Oder sich zumindest so fühlen.

Aber auch Schwangerschaften können ansteckend wirken. Zu dieser Erkenntnis sind Forscher/-innen der Universität Bamberg gekommen. Aber nicht so, wie man denkt.

Es handelte sich keineswegs um Sexualwissenschaftler. Diese hätten die Idee verfolgen können, dass es beim Kinderzeugen nicht maßgeblich um das Werk eines Erregers, wohl aber mindestens eines Erregten handelt. Die Studie aus der oberfränkischen Domstadt stammt jedoch vom Staatsinstitut für Familienforschung. Und da betrachtet man die Dinge nicht erotisch, sondern soziologisch.

Deshalb wurden unter dem Arbeitstitel “Fertiliät und soziale Interaktion am Arbeitsplatz” Daten von etwa 42 000 Frauen in 7600 Betrieben ausgewertet. Wobei die Frage lautete, ob die Geburt eines Kindes bei einer Kollegin den eigenen Wunsch, Mutter zu werden, so richtig beflügeln kann. Die Forscher sehen verschiedene Indizien für diese Vermutung. Und sie kommen zu verblüffenden Erkenntnissen. So könne die Ansteckung von Fertilität, also Fruchtbarkeit, am Arbeitsplatz sowohl bedürfnis- als auch überzeugungsvermittelnd verlaufen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine bis dahin kinderlose Frau vom Babybauch am Schreibtisch gegenüber zum Kinderkriegen motiviert werde, sei wesentlich höher, als dass eine Mutter von einer erstmals schwangeren Kollegin zur Nachahmung animiert werde. Letzten Endes haben die Wissenschaftler, wie sie selbst schreiben, “ein Hazardratenmodell mittels einer logistischen Regression approximiert”. Woraus sie lernen, dass die Schwangerschaftsneigung bei Frauen mit zunehmendem Alter und zunehmendem Abstand von der letzten eigenen Geburt abnimmt.

Erstaunt nehmen wir also zur Kenntnis, dass es im Leben oft auf Mutmacher im eigenen Umfeld oder gute Vorbilder ankommt. Und wir erinnern uns an eine Studie von schwedischen Forschern aus der Spätphase des letzten Jahrtausends. Damals war aufgefallen, dass die Zahl der Geburten mit ähnlichen Quoten zurückging wie die Klapperstorch-Population im Land. Es gibt also auch noch sie – die Fertilität der Lüfte.

 

 

 

November 25th, 2012

In Stadion oder Ballsaal: Der Alkohol lenkt alles

Unsere Gesellschaft könnte so friedlich und ausgeglichen sein. Wenn da nicht der Teufel Alkohol wäre. Er wirft selbst hoffnungsvollste Menschen aus der Bahn, ist der Grund für sinnlose Aggression, für ungebremste Ausschweifungen.

Es sind ja auch immer die selben Leute. Schwitzende Fußballfans, die auf dem Weg zum Stadion kästenweise Bier zum Vorglühen mitschleppen. Junge Männer, die sich erst ab 1,5 Promille an junge Frauen heranwagen. Und Schulmädchen, die sich die Handtäschchen mit Wodka-Flachmännern vollstopfen, um sich in einer langen Freitagnacht in sexhungrige Schnapsdrosseln zu verwandeln. Wir sehen wieder einmal: Die Jugend und die Unterschicht – an diesen beiden Gruppen wird diese Gesellschaft irgendwann zugrunde gehen.

Aber dann lesen wir die Berichte vom Bundespresseball. In Berlin haben demnach 2500 Gäste “ausgelassen gefeiert”.  Wobei die trockenen Kehlen mit 3000 Litern Bier sowie mit dem Inhalt von 3000 Flaschen Weiß- und Rotwein und 600 Magnum-Flaschen Champagner benetzt wurden.

Und jetzt rechnen wir doch mal. Diese Zahlen bedeuten, dass jeder Gast, ob männlich oder weiblich, ob jung oder alt, 1,2 Liter Bier, einen knappen Liter Wein und 0,36 Liter Champagner gepichelt hat. Im Durchschnitt! Würde ein vergleichbarer Konsum von einem Hauptschüler bekannt, wäre der Weg zur nächsten Kampagne wider das Komasaufen nicht weit.

In der besseren Gesellschaft heißt dasselbe “ausgelassen feiern”. Wir lernen daraus, dass ein erheblicher Teil unserer Politik besoffen oder mit reichlich Restalkohol im Blut gemacht wird. Ja, aber war es nicht der Presseball? Wird auch in einem solchen Zustand berichtet?

Dazu ist zu sagen: Falsche Fragen sind selten hilfreich. Allerdings wissen wir aus der Kommunikationswissenschaft, dass man anderen Menschen dann besonders nahe kommt, wenn man ihre Verhaltensweisen und ihre Art sich mitzuteilen, irgendwie kopiert.

Wie fast alle meine Kolleginnen und Kollegen verachte ich Alkohol zutiefst. Aber ohne kommst du in dieser Gesellschaft offenbar nicht wirklich weit. Also: Auf Ihr Wohl, Herr Minister!

 

Oktober 30th, 2012

Wer lacht, schnieft nicht

In diesen Zeiten jäh abstürzender Temperaturen bewegt uns unter anderem dieses Problem: Wie schützen wir uns vor der zwangsläufigen Erkältung? Eine Antwort lautet: Lachen Sie und glauben Sie an eine gute Zukunft. Denn Optimisten sind seltener verschnupft.

Untersucht wurde diese Frage an Studenten und an den Beschäftigten eines Altenheimes. Hier wie dort zeigte sich, dass unser Immunsystem stark von unserer Laune abhängt.  Studenten, die in ihren Prüfungsphasen locker geblieben sind, mussten sich in dieser wichtigen Phase ihres jungen Lebens kaum schneuzen. Die optimistischen Pflegekräfte wiederum waren im Schnitt zwei Tage weniger krankgeschrieben als die von Trübsal Beladenen.

Wer aber ist Optimist? Zum Beispiel jemand der sagt: “Was auch immer kommen mag, ich krieg das schon hin.” Das klingt nach feinen Perspektiven für Heimwerker.

Jedenfalls muss Fröhlichkeit für Viren einen abscheulichen Gestank verströmen. Weshalb sie sich lieber traurige Zeitgenossen suchen, die es in dieser Republik ja auch zahlreich gibt. Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt und steigt. Wobei niemand wirklich weiß, woran das genau liegt. Nackte Not herrscht ja nicht.

Wahrscheinlich liegt es am steigenden Durchschnittsalter der Bevölkerung. Laut kluger philosophischer Betrachtungen handelt es sich bei einem Optimisten um einen Pessimisten mit Lebenserfahrungen. Je älter die Gesellschaft wird, desto grießgrämiger werden wir. Das beste Schnupfenmittel, noch dazu rezeptfrei, wäre demnach unsere Familienministerin Kristina Schröder und ihr ambitioniertes Programm zur Steigerung der Geburtenrate. Das aber funktioniert nicht. Denn wer als wirkungsloses Placebo im Kabinett sitzt, kann nur wenig bewirken. Vor allem nicht, wenn die Menschen kein Vertrauen haben.

Verzwicktes Dilemma, das Ganze. Lasst uns Taschentücher kaufen!

Oktober 10th, 2012

Wir werden alt. Wir brauchen Roboter.

“Tut mir leid. Ausverkauft.” Diese Entschuldigung höre ich, wenn bei der Schreibwaren-Zeitschriften-Lotto-Frau meines Vertrauens nach der neuesten Ausgabe der “Landlust” frage. Die Sehnsucht nach sattem  Grün, fröhlichen Schweinen und nach Bauerngärten, in denen die wackere Landfrau das Arzneipflanzenbeet nach den Visionen von Hildegard von Bingen pflegt, hat uns kollektiv erfasst. Wir wandeln auf Asphalt und wünschten, es wäre ein mit Jaucheresten aromatisierter Feldweg. Natur ist groß in Mode. Technik ist uns zuwider.

Diese Einstellung ist ganz nett. Aber, meine Herrschaften, sie muss schleunigst geändert werden. Denn wir alle werden älter, noch älter, am ältesten. Zwar lassen wir uns schon heute unseren Spargel von Wanderarbeitern aus früheren Ostblockstaaten stechen. Aus Bequemlichkeit. Aber es kommt die Zeit, in der wir auch objektiv den Rücken für diesen Job nicht mehr krümmen können. Dann brauchen wir Hilfe. Doch von wem?

Denn andere Menschen betreuen oder gar pflegen – das wollen nicht mal Schlecker-Frauen. Bereits in wenigen Jahren werden für die entsprechenden Job bis zu 300.000 Arbeitskräfte fehlen. Das wird kaum zu vermeiden sein. Die wenigen Könner werden so viel Geld kosten, dass das bisschen Rente futsch ist.

Was kann da noch helfen? Klar doch, mehr Produktivität. Klar doch, unser guter deutscher Maschinenbau. Wir sollten uns dringend daran machen, Maschinen zu konstruieren, die Routinearbeiten in der Pflege übernehmen. Und vielleicht ein bisschen kommunizieren. Das können wir, mit technischen Produkten ist die Wirtschaft dieses Landes groß geworden.

Seien wir stolz auf unsere Pflege-Ingenieure. Und freuen wir uns auf die ausverkauften neuen Zeitschriften der Zukunft: “Roboter und Hund”, “Focus-Humanoid”, “”Pflegen und Blinken” oder “Welt der Wunder – Robo Sapiens”. Das Leben wird schön.