Die Natur hat uns doch im Griff

Wie man sich doch täuschen. Da waren wir sicher, dass uns in diesen digitalen bloß ein Computer-Virus gefährlich werden könnte. Böse Software, die von grimmig dreinschauenden russischen Hackern in unsere Rechner eingespeist würde und die alles, was wir zum Leben brauchen, lahmlegen würde. Es gäbe kein Wasser, keinen Strom, keine U-Bahn, keine Lebensmittel mehr. Und nun lernen wir: Unterschätzt nie das wahre Leben.

Dieser Corona-Virus bringt es uns bei. Er ist ein außergewöhnlich erfolgreicher Erreger.  Ende des Jahres ist er in China aufgetaucht und macht nun weltweit Karriere.

Millionenstädte im Reich der Mitte und Kleinstädte in Italien werden abgeriegelt. Aktienkurse brechen ein. Flüge fallen aus, Touristen sitzen auf Kreuzfahrtschiffen fest, Gesichtsmasken sind ausverkauft, Fußballspiele finden in leeren Stadien statt. Und in italienischen Supermärkten liegen nur noch jene Waren in den Regalen, die wirklich keiner will. Vollkornnudeln zum Beispiel.

Aber den Virus stört das selbstverständlich nicht. Die Zahl der Erkrankungen steigt stündlich in immer mehr Ländern. Auch in Deutschland ist er angekommen. Die zunächst amtlich verbreitete Zuversicht, dass man der Epedemie entkommen werde, ist längst verschwunden. Stattdessen wächst die Angst, sich mit der neuartigen Lungenkrankheit anzustecken.

12o Nanometer, also 120 Millionstel Millimeter misst dieses Lebewesen, das uns so radikal aus der Bahn wirft. Es ist damit für uns genauso unsichtbar wie ein Computer-Virus.

Wir müssen letztlich akzeptieren: Manchmal sind wir der Natur ausgeliefert, manchmal können wir bloß auf bessere Zeiten hoffen. Selbst wenn die Zeiten digital sind.