Der Mörderhund berührt die Seele

Der Ruf nach Barmherzigkeit war vergebens. „Chico“, der Kampfhund, der zwei Menschen totgebissen hat, ist eingeschläfert worden. Fast 300.000 Online-Unterschriften haben ihn nicht gerettet. Die Trauer seiner Beschützer ist groß.

Wie erklärt sich dieses Mitgefühl? Der Staffordshire-Terrier-Mischling hatte seine 52-jährige Besitzerin und deren 27-jährigen Sohn getötet. Nun gilt in Deutschland kein Sühnerecht mehr, aber mutmaßlich gefährliche Tiere wurden und werden exekutiert. Man denke an Problembär Bruno oder an die Wildschweine, die zurzeit massenhaft ihr Leben lassen müssen, weil Menschen die Afrikanische Schweinepest einschleppen.

Tja, aber so ein Terrier ist eben unser bester Freund. „Ein Hund hat die Seele eines Philosophen“, schwärmte zum Beispiel Platon. Ein anderer kluger Mann sah den Hund als „Herz auf vier Pfoten“. Und das bedeutet, dass wir die Liebe eines Vierbeiners als rein und pur vermuten. Sollte er jedoch gefährlich sein, so wäre es die Schuld von Herrchen oder Frauchen. Er habe eben, heißt es sinngemäß in der Chico-Petition, eine schwere Hundekindheit gehabt.

Das bedeutet, frei nach Schiller: Verderblich ist des Kampfhunds Zahn, doch der schrecklichste aller Schrecken ist der Mensch in seinem Wahn. Und seien wir ehrlich: Kann ein Tier so schlimm sein, wenn es ein Fernseh-Hundeprofi schafft, jeden verkorksten Vierbeiner innerhalb von 60 Minuten Sendezeit auf Kurs zu bringen?

Chico & Co., sie brauchen Liebe von Anfang an. Weshalb wir stets erschüttert und empört sind, wenn wir von illegalen Welpentransporten erfahren. Wir schauen liebevoll auf die winselnden Fellknäuel. Und übersehen den Lastwagen, der Schweine zum Schlachthof bringt.

Schnitzel haben keine Seele. So ist das eben auch.