Pegida: Das Unbekannte nährt die Wut

“Pegida”, was soll das denn bitte? Stimmt, es fiele leicht, den Zulauf zu den Patriotischen Europäern als Ausdruck kollektiver Verwirrung abzutun. Tatsächlich ist es unerklärlich, warum ein mehrfach vorbestrafter Koch, der sich auf der Flucht vor der deutschen Justiz nach Südafrika abgesetzt hatte, nach seiner Rückkehr gegen kriminelle Ausländer hetzt. Er war ja selber einer. Taugt ausgerechnet er als Retter des Abendlandes? Bestimmt nicht.

Freudig stimmen wir allerdings der Analyse zu, dass der Zorn auf Muslime gerade in Dresden oder Sachsen absurd sei. Dort gebe es ja kaum Ausländer. Aber hier hakt es. Denn diese Argumentation würde bedeuten, dass eine Bedrohung durch den Islam dort besonders hoch sei, wo viele seiner Anhänger leben. Tatsächlich erlebt, wer Muslime kennt, dass es sich um ganz normale Menschen handelt. Es gibt Liebenswerte, Fröhliche, Nachdenkliche – aber auch Arschlöcher.

Normalität macht keine Angst. Gerade das Unbekannte ist es, das für dumme Parolen wie  “Keine Sharia in Europa” oder “Alibaba und die 40 Dealer. Ausweisung sofort” benutzt werden kann. Je diffuser die Bedrohung, desto größer sind offenbar die Sorgen.

Woran von interessierter Seite seit vielen Jahren gearbeitet wird. Mit Parolen wie “Das Boot ist voll” traktieren uns Parteien seit den 80-er Jahren. Anfang der 90-er wurde uns suggeriert, eine Flut von Kriegsflüchtlingen vom Balkan würde alle Sozialsysteme sprengen. Und das mutmaßlich nur vernunft- und faktengesteuerte Magazin “Der Spiegel” brachte im Frühjahr 2007 folgende Titelgeschichte: “Mekka Deutschland. Die stille Islamisierung.”

Das Feindbild Ausländer wird seit langem gepflegt. Und dies trifft nun auf ein verbreitetes Unbehagen. Arbeitnehmer erleben zum Beispiel, dass sie keine geschätzten Mitarbeiter mehr sind, sondern Teil des Humankapitals. “Wir hatten nichts zu tun und haben ein bisschen geplauscht.” Wer traut sich das noch zu sagen, denken – oder gar zu machen? Zugleich erfahren viele Menschen, dass ihre wirtschaftliche Zukunft ungewisser wird. Auch das speist dieses Gefühl, dass sich niemand richtig um die große Masse kümmert, während Fremden geholfen wird, sobald sie aus ihrer Heimat geflüchtet sind.

Und so bringt Pegida selbst mit absurd dummen Parolen auch so genannte Normalbürger auf die Straße. Harmloser macht das die Sache nicht. Im Gegenteil. Und das bedeutet: Man darf die Hetzer nicht ignorieren. Man muss hinsehen. inormieren, und: Widersprechen.

 

Das Wunder der schadstofflosen Autos

Die Zunft der Alchemisten galt den Menschen früherer Zeiten als reichlich dubios. Sagte man ihnen doch nach, dass sie unter Einsatz fragwürdiger Kräfte minderwertiges Metall in Gold verwandeln würden. Wunderbares aus dem Nichts zu zaubern, soll es in diesem Jahrtausend wieder geben. Nennen wir es Elektromobilität.

Die Selbstverständlichkeit, mit der ein Elektroauto in die Kategorie “Null Emissionen” eingestuft wird, ist so groß, dass die öffentliche Meinung wie ein Teil eines Hexenwerkes wirkt. Denn würde stimmen, was die Kanzlerin sagt, wäre ein uralter Menschentraum real in Erfüllung gegangen: Fortbewegung ohne Anstrengung und ohne Folgen für die Umwelt wären möglich geworden. Nicht, dass dieser Gedanke völlig neu wäre. Das Auffahren gen Himmel nach dem Tod gehört allerdings in die Abteilung “Glauben und Zweifeln”, das Beamen von Raumschiff zu Planet ist Science-Fiction.

Aber zurück zum Elektro-Auto. Um zuverlässig fahren zu können, benötigt es keinen Zapfhahn, wohl aber einen Stecker. Mit dessen Hilfe wird Strom übertragen, der, weil er unsichtbar, geruch- und geschmacklos ist, nach allgemeiner Einschätzung aus dem Nichts kommt. Tut er aber nicht. Manchmal wird er von einem stinkigen ostdeutschen Kohlekraftwerk geliefert, weshalb unser Ministerpräsident Horst Seehofer neue Stromleitungen aus seinem Bayernland heraushalten möchte.

An dieser Stelle erhebt der Elektroauto-Produzent entschieden Einspruch. Heutzutage werde doch der Strom nahezu komplett aus Wind und Sonne produziert. Aber: Entstehen beim Herstellen von Windrädern und Solarzellen keine Schadstoffe? Und ist die Rechnung so falsch, dass beim Produzieren eines Autos mit Metallkarosserie so viel klimaschädlicher Dreck erzeugt wird, dass es selbst Benzinern kaum möglich ist, beim Herumfahren während ihres Autolenens eine vergleichbare Schadstoffmenge zu erzeugen?

Es ist kompliziert. Weshalb wir alsbald verschärft eine ganz andere Botschaft bekommen dürften: Kohlendioxidfreien Strom gibt es nur aus dem Kernkraftwerk. Die Alchemisten der Atomindustrie gelten als besiegt. Ganz weg vom Fenster sind sie aber nicht.

 

Gleich und Gleich: Die Tragödie für dumme Männer

“Gleich und Gleich gesellt sich gern,” Das war wieder mal eine Überschrift zum Drüberstolpern. Sollte damit der Homosexualisierung der Gesellschaft und somit der antiwestlichen Putin-Propaganda neuer Schub verliehen werden? Nein, so war es gar nicht. Es ging vielmehr darum, warum es Frauen bei der Wahl eines männlichen Partners schwerer haben als Männer auf Frauensuche.

Zu ergründen, warum sich Menschen oder nicht finden, gehört zu den klassischen Aufgaben der Psychologen und Soziologen. Es sagt ja einiges über unsere Gesellschaft aus, ob eine Katholikin Probleme mit den Eltern bekommt, wenn sie einen Protestanten anschleppt. Dieses sollte bei uns überwunden sein, während andere Glaubensfragen – Dortmunderin verliebt sich in Schalke-Fan – weniger lässig gesehen werden.

Aber das ist nicht die zentrale Frage. “Gleich und Gleich” bezieht sich auf das Bildungsniveau. Immer häufiger achten Menschen darauf, dass sie die großen Fragen des Daseins mit ihren Liebsten auf Augenhöhe bereden können. Wer “Bauer sucht Frau” spannend findet, kann niemand auf dem Sofa brauchen, der dauernd auf Arte zappt. Wer große Romane liest, braucht ein anderes Bücherregal als jemand, der sich die Welt von bild.de erklären lässt. Da reicht im Zweifelsfall ein Tablet-Ständer.

Spätestens jetzt erkennen wir: Die Partnerwahl wird vor allem für Frauen immer schwieriger. Wissen wir doch, dass gerade junge Frauen den Männern in Sachen Bildung inzwischen deutlich überlegen sind. Gelegentlich verdienen sie sogar mehr Geld. Und sie stehen seitens der Umwelt stärker unter Druck: Der Chefarzt, der seine Ehefrau für eine junge Krankenschwester vom Hof jagt, gilt manchem immer noch als toller Hecht. Die wenigsten Männer schämen sich für eine Hausfrau.

Ist andererseits eine Professorin denkbar, die ihren Bekannten auf dem Opernball stolz ihren sexy Bauarbeiter vorstellt? Nein, die Kombination aus berühmter Frau und dummem  Jüngling ist derzeit nur im Showgeschäft denkbar. Besser ist doch ein Mann, der etwas darstellt. Weil sonst die anderen lästern könnten.

Wir stellen also fest: Die Emanzipation ist weit gekommen. Aber ganz normal ist noch nicht alles…

Mein Mauerfall: Showgirls tanzten zum Trabi-Korso

“Wie hast Du den Mauerfall erlebt?” Die große Frage dieser Tage will auch ich gerne beantworten: Der umjubelte Trabi-Korso von Berlin war in meinem Fall flankiert von schönen Frauen in kurzen Kleidern.

Wegen einer Hochzeitsfeier war ich Anfang November 1989 in Italien. Und dort laufen die Abende eben so: Erst kommt eine Fernseh-Show, die von zwei Frauen auf hohen Schuhen und einem altersgeilen Deppen moderiert wird. Dann laufen die Nachrichten, denen eine Show folgt, bei der Showgirls mit langen Beinen zwischen den Ansagen zweier geiler Deppen tanzen.

So irrsinnig hat mich der Mauerfall damals nicht berührt. Wahrscheinlich deshalb, weil ein Drei-Minuten-Beitrag in italienischer Hochgeschwindigkeits-Sprache eine deutsche öffentlich-rechtliche Rundum-Informationsbestrahlung in keinster Weise ersetzen kann. Ich habe das für mich mit fränkischer Euphorie kommentiert, also etwa so: “Das ist im Großen und Ganzen eine ziemlich erfreuliche Entwicklung”. Sehr unangemessen, wäre aus heutiger Sicht festzustellen.

Vielleicht lag es auch daran, dass ich die DDR gut gekannt habe. Zwecks Verwandtschaftsbesuchen war ich schon als Kind immer wieder in Dresden. Als Tourist nimmst du eine Diktatur nicht so wahr. Ich kann mich gut an den speziellen DDR-Geruch aus Plaste und Elaste und Öl-Benzin-Gemisch-Abgas erinnern. Ich war fasziniert von den Oberleitungs-Bussen, habe darüber gestaunt, dass man in volkseigenen Straßenbahnen Fahrscheine auch ohne Bezahlung ziehen konnte.

Ich fand den Namen “Immergut” für Kondensmilch lustig, würde aber auch heute noch das Milcheis mit Schoko-Überzug als lecker bezeichnen. Meine ehrliche Bewunderung gilt dem Komponisten der Erkennungsmelodie für das Fernseh-Sandmännchen. Ihm ist ein echter Ohrwurm gelungen. Ich habe den Sportteil der Zeitung meiner Verwandten gelesen, und dabei überlegt, welcher Vereinsname der Witzigste sei. Bei uns um Eck war das kleine Stadion von “FC Tabak”, was schon absurd wirkte. Und würde es die DDR-Straßen heute noch geben, hätte www.schlaglochmelder.de vermutlich mehr Klicks als spiegel-online.

Da ich keine Dissidenten in der Familie hatte, habe ich den Unrechtsstaat nicht so unmittelbar erlebt. Mich hat es eher amüsiert, wie sich die Grenzbeamten bei Ein- und Ausreise aufgeblasen haben. Ich wusste aber auch, dass es besser war, das nicht zu zeigen. Mein Gerechtigkeitssinn wurde mehr durch die Erzählungen meiner Cousine verletzt. Sie hatte die beste Zeit ihres Berufslebens als Verkäuferin im Delikat-Westwaren-Geschäft. Mit Hilfe der dort abgezweigten Dosenananas sicherte sie sich die besseren Schnitzel beim Metzger.

Lassen wir es bei diesen Erinnerungen. Der Mauerfall war ein wunderbares Ereignis. Aber ich finde auch: Ein bisschen mehr DDR – ohne Unrecht – hätte überleben dürfen. Darauf ein Glas Rotkäppchen-Sekt!

 

 

 

 

Aufgepasst, die Dicken sind eine Macht!

Es gehört zu den großen Lebenslügen dieser Gesellschaft, dass es sich bei dicken Menschen um eine Randgruppe handeln soll. Um bedauernswerte Menschen, die sich für ihren Zustand schämen und die alles tun würden, um wieder so begehrenswert zu sein wie die anderen. Tatsache ist: Die Vollschlanken sind nicht die Außenseiter, sie sind eine Macht.

Wie das Statistische Bundesamt meldet, sind 52 Prozent der Deutschen übergewichtig. Würden sie sich selbstbewusst mit ihren Problemzonen arrangieren und daraufhin eine eigene Partei gründen, die BfD, Bauchfett für Deutschland heißen könnte – nichts in diesem Land ginge mehr ohne sie. Die politische Betrachtung überflüssiger Pfunde würde sich komplett ändern. Die Dicken würden ein “Wir sind wir” entwickeln, wie man es ansonsten nur von der CSU kennt. Zumal sie wüssten, dass sie mit Sicherheit immer mehr werden.

Was aber kann diesen Trend – wenn überhaupt – aufhalten? Dazu müssen wir die Details der Statistik betrachten. So wuchten vor allem übergewichtige Männer die Fülligen in die Mehrheitszone. 62 Prozent der Kerle tragen zu viele Kilos mit sich herum. Dagegen gilt das nur für 43 Prozent der Frauen.

Diese wiederum stehen in ihrem Leben unter diätischem Dauerbeschuss. In jeder der 612 Frauenzeitschriften in Deutschland geht es in jeder Ausgabe um folgende Themen:  Mode, Sex, Psychologie, Horoskop und  Diättipps. Ob “Alles für die Frau”, “Frau aktuell”, “Echo der Frau”, “Bild der Frau”, “Frau im Trend”, “Neue Frau” oder “Journal für die Frau” – sie alle spulen immer und immer wieder dieses Programm ab. Und dies sorgt für ein schlechtes Gewissen. Schließlich ist ein schlanker Körper – mindestens nach den Maßstäben der Werbung – die eigentliche Grundlage für Mode, Sex, und, und, und…

Wie anders ist die Lage bei den Männern. Es gibt zwar 225 Do-it-yourself-Hefte, die Zahl der ausgesprochen Männermagazine kann aber überhaupt nicht mithalten. Zumal deren Reiz stark daraus besteht, Körper zu betrachten, die durch Ratschläge der Frauenzeitschriften wohl geformt wurden.

So kommen wir nicht weiter: Wir brauchen mehr Fachblätter für Männer mit figurbedingtem Verzweilungspotential. Sonst wird für die Mageren die Luft bald dünn. Die Riesen schlafen noch. Jedoch, wie lange noch?

 

Vorsicht, Smartphones machen traurig

Es ist rätselhaft: Wenn wir uns die Krisen dieser Welt vor Augen führen, sollte es uns hier blendend gehen. Wir müssten beschwingt durch unser Leben laufen, andere dürften uns ausschließlich lächelnd erleben. Doch stattdessen wirken immer mehr Menschen, als wären sie mit ihrem Leben überfordert. Depression ist die Krankheit unserer Zeit.

Gut, da sind Lebenslügen, die man uns von interessierter Seite gerne unter die Nase reibt. Wir hätten Freizeit und Urlaub wie nie zuvor, die Flugzeuge, Züge und Kreuzfahrtschiffe seien übervoll. Da müssten wir doch glücklich sein. Fragt man bestimmte Unternehmer, werden sie sagen, dass unser Bruttosozialprodukt ein Wunder sei. Wo sich ihre Mitarbeiter doch nur widerwillig zwischen zwei Ferienreisen ein bisschen Zeit für die Firma nähmen. All die Faulenzer sollten doch mal an das Wirtschaftswunder denken. Mit den heutigen kraftlosen Arbeitnehmern wäre unser Aufstieg zum Exportweltmeister nie gelungen.

Vergessen wird dabei zum Beispiel: Der 50er-Jahre-Spruch “Samstags gehört Papi mir” war kein Slogan einer erfolglosen Nachkriegs-AfD. Darin spiegelte sich das damals übliche Leben. Papi war Ernährer der Familie, Mami war zuhause und kümmerte sich um Heim und Herd. Für die Firma gearbeitet wurde maximal 48 Stunden von einer Person, statt 55 bis 80 Stunden von zwei Personen. Sofern das Geld ohne Zusatzjob reicht.

Aber: Der Mammon macht sowieso nicht froh. Also muss es da noch etwas anderes geben, was uns die Seele eintrübt. Die heiße Spur liefert uns Professor Dr. Johannes Michalak. Der Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke hat gemeinsam mit einigen Kollegen in Kanada erforscht, wie sich unsere Art zu Gehen auf unser Denken auswirkt. Und tatsächlich: Wer mit hängenden Schultern herumschlurft, erinnert sich eher an negative Dinge. Wer fröhlich läuft, kann sich eher positive Dinge merken.

Sofern das stimmt, wundert uns nichts mehr. Denn das Herumschlurfen mit gesenktem Kopf ist die typische Fortbewegungsart des frühen 21. Jahrhunderts. Der moderne Mensch ist ja nicht einfach so unterwegs ist, sondern schaut immer wieder in sein Smartphone. In unserer Zeitnot dürfen wir ja nichts verpassen.Der aufrechte Gang wird zum Auslaufmodell, wir gucken nach unten, die schlechten Gedanken bleiben hängen.

Wir danken dem Professor, wir wissen um die Therapie. Das Handy ausschalten, Kopf nach oben, Brust raus, Pobacken zusammen. Und schon erkennen wir: Es gibt zwar Krisen. Aber noch mehr Spannendes und Schönes. Einen Test ist es wert.

 

 

Das große Geld für geduldige Mütter

Eigentlich, so denkt man, ist das Undenkbare das Arbeitsfeld der Drehbauchautoren für Science-Fiction-Filme oder der Verfasser von Fantasy-Romanen. Aber so ganz stimmt das nicht. Denn ist gibt ja Unternehmen wie Google und Facebook.  Deren Chefs glauben daran, dass alles machbar ist, wenn es den eigenen Zielen dient. Zumal diese Ziele – nach deren Überzeugung – weitestgehend identisch mit den Bedürfnissen der Weltbevölkerung ist. Die neueste Vision: Hoffnungsvolle Mitarbeiterinnen werden mit 20.000 Dollar belohnt, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen, um ihren Kinderwunsch erst dann zu verwirklichen, wenn es in die Karriereplanung passt.

Spontan hat diese Idee auf mich geradezu faschistisch gewirkt. Ein Unternehmen schickt sich an, über die Körper seiner Beschäftigten zu herrschen. So lange die Frauen jung, lern- und leistungsfähig sind, sollen sie unbelastet von Kinder- und Familien-Gedöns arbeiten. Es soll auch nicht ihr Schaden sein. Erst dann, wenn die steile berufliche Karriere in den Gleitflug übergegangen ist, soll Nachwuchs dazukommen. Nach einem sauber geplanten Zeugungszeitpunkt, der sich zum Beispiel nach Mondphasen und weiteren (pseudo-)wissenschaftlichen Erkenntnissen richten kann.

Wie soll das aber gehen? Zunächst muss man fragen, ob sich Google- oder Facebook-Mitarbeiterinnen per Eizellen-Einfrier-Vertrag zum Verzicht auf spontanen Sex verzichten. Es wird sich auch noch zeigen müssen, ob die Unternehmen bei der Auswahl eines internet-affinen Samenspenders behilflich sind. Vielleicht ist sogar noch eine höhere Prämie möglich. Nämlich dann, wenn sich die Frauen dazu verpflichten, ihre Omas einzufrieren, die die Kinder später von Kindergarten oder Schule abholen.

Es gibt aber einen Aspekt, weshalb die Idee des “Social freezing” nicht völlig absurd wirkt: Die Phantasielosigkeit der allermeisten Unternehmen, wenn es um die Karriere von Eltern und/oder Teilzeitkräften geht. Wer behauptet, dass Kinder kein Karrierehindernis darstellen, lügt. Viele Frauen, die eingestellt wurden, weil sie besonders klug und talentiert waren, verschwinden aus dem Blickfeld der Chefs, sobald sie wegen ihrer Familienpflichten keine Überstunden mehr klopfen. Statt voranzukommen erleben sie einen dauerhaften Stillstand.

So gesehen, müsste man Google oder Facebook dafür danken, dass sie Frauen die Chance geben, ihr berufliches Schicksal nachhaltig zu beeinflussen. Müsste man, wenn man glauben könnte, dass diese Konzerne zuallerst aus Nächstenliebe handeln.

Wer, bitteschön, ist so naiv? Also, lassen wir das. Verändern wir lieber die Arbeitswelt für Menschen mit Familie. Und vermerken wir aufmerksam, wie viel Geld Unternehmen für schockgefrostete Eizellen auszugeben bereit sind. Gute Mitarbeiter/-innen sind offenbar mehr wert, als uns unsere Chefinnen und Chefs üblicherweise sagen.

 

Opernball futsch. Wer wird nun unsere Seele streicheln?

Armes Nürnberg! Nur zu gerne hätten deine Menschen ein bisschen mehr Glamour. Wenigstens etwas Glanz, der über das Funkeln der Rauschgoldengel auf dem Christkindlesmarkt hinausgeht. Und nun dieses: Der Opernball, einst großer Stolz der Kommunalpolitik, des Bildungsbürgertums und des neureichen Mittelstands, steht vor dem Aus.

Das ist kein wirkliches Wunder, denn der Opernball war seinem Wesen nach immer sinnlos. Schon vom Publikum her gab es zumeist zu wenig große Oper. Selbst ein Günther Beckstein als bayerischer Ministerpräsident war bestenfalls Operette – wenn überhaupt. Aber Sinnlosigkeit allein ist kein Grund für Misserfolge. Den größten Teil der Fernseh-Unterhaltung braucht niemand – und trotzdem gefällt sie vielen Menschen. Kartoffel- oder Weißkohl-Könginnen müssten angesichts der weltpolitischen Lage nicht sein. Aber sie sind eben doch schön anzuschauen. Wir Nürnberger freuen uns sogar darüber, dass die deutschen Nationalelf in unserem Stadion gegen Gibraltar spielt. Als ob das spannender Sport wäre.

Aber nicht nur für Fußball-Länderspiele gilt: Überflüssiges wird wertvoll, wenn es etwas Seltenes bietet. Und das waren beim Opernball die auswärtigen Promis. Es streichelte die vom Minderwertigkeitskomplex geplagte Nürnberger Seele, wenn man wusste, dass sich eine durch eine verkorkste Ehe mit Dieter Bohlen und durch Spinatwerbung berühmt gewordene Schönheit hier bei uns aus einem Luxusauto schälen würde. Uns entzückte die Anwesenheit von Schauspielern, wenngleich wir kaum sagen konnten, für welche Streifen sie für den Bayerischen Filmpreis nominiert waren.

Verona Pooth und Co. waren da. Wir aber waren kollektiv geadelt, und nutzten unsere Flanierkarten noch eifriger als die Läufer beim Indoor-Marathon in der Landesgewerbeanstalt.

Doch seit Jahren bleiben die Promis weg. Nicht mal Roberto Blanco mochte mehr kommen. Und so ist der Opernball als „gesellschaftliches Ereignis“ kaum bedeutsamer als ein mit rotem Plüsch veredelter Ball der Bäcker-Innung.

Wir sagen also „Ganz schee wor’s, oba rumm is rumm“ und vergessen das Ganze leichten Herzens. Doch: Was kann unser Rettungsanker sein. In diesen Zeiten, wo sie unseren 1. FC Nürnberg sogar in einem Kaff wie Heidenheim verhöhnen? Na klar, es ist der Tatort. Er kann unsere Seele streicheln. Aber nur, wenn die Einschaltquoten höher sind als beim München-Krimi. Hoffen wir das Beste…

Mit veganer Kost ins Mops-Nirwana

Nein, ich bin kein Hundefeind. Dank langjähriger Erfahrung mit Vierbeinern schätze ich mich selbst als einen der besten Zeckenherausdreher dieser Republik ein. Manchmal jedoch stößt meine Liebe zum Hund an Grenzen. Oder sagen wir besser, die Liebe zu den Herrchen und Frauchen.

Hunde sind ein Phänomen. Sie sind so etwas wie die Edith Piaf unter den Haustieren. Diese sang in einem Chanson: „Mein einziges Glück auf dieser Welt ist mein Mann. Er schlägt mich, er beklaut mich. Aber er geht mir sowas von unter die Haut.“ Das könnten auch unsere Vierbeiner hecheln, mit ihrer ungemeinen Fähigkeit, auch dem größten Trottel Zuneigung entgegenzubringen, wenn sie ihn denn als menschlichen Alpha-Rüden anerkannt haben.

Aber nicht jeder quält seinen Hund durch Prügel. Manche erdrücken ihn mental, indem sie ihn zu Ihresgleichen machen. So war diese Woche im Internet eine Fotostrecke zum Thema „Die lustigsten Hundetrachten auf der Wies’n“ zu sehen. Dass das Oktoberfest eine in verschiedener Hinsicht abartige Veranstaltung ist – geschenkt. Aber was bringt Menschen dazu, ihrem Rehpinscher ein Dirndl überzustreifen und das auch noch originell zu finden. Derselbe Versuch mit einer durchschnittlichen Hauskatze – und man wäre dank blutiger Hände schnell kuriert.

Der Gedanke, dass der beste Freund des Menschen selbst humane Züge aufweisen müsse, wird auch auf anderen Feldern gepflegt. Gerade hat eine Hundeexpertin in der Nürnberger Lokalpresse verlauten lassen, dass es für Welpen gesundheitsschädlich sein könnte, wenn sie mit veganer Kost aufgezogen werden. Wie dieses? Wo man sich doch selber als Pflanzenesser so gut fühlt?

Nein, dieser Trend ist nicht zu Ende geführt. Im Bemühen, aus unserem besten Freund einen sanften Gefährten zu machen, könnten wir beim Zahnarzt dessen Reißzähne weghobeln und die Backenzähne verbreitern lassen. Das würde das Kauen von Eisbergsalat nachhaltig erleichtern. Höchste Zeit ist es auch für die Teilnahme an Hunde-Yoga.

Beim gemeinsamen Dampfbad mit anschließender Pfotenzonenreflexmassage finden die Seelen von Mensch und Tier zueinander. So sehr, dass uns der Ratgeber „Zwölf Wege ins Mops-Nirwana“ dahin führt, dass unser Welpen-Veganer zum erleuchteten Wesen wird, welches fortan völlig ohne Nahrung auskommt.

Was, jedoch, denkt über all das unsere Rehpinscherin im Dirndl? Wahrscheinlich nichts. Sie ist ja bloß ein Hund.

Danke, so ein Kopftuchstreit tut gut

Ja, es ist wahr. In diesen elend schweren Zeiten mit Irak, Syrien, Ukraine, Ebola, AfD und 1. FC Nürnberg sehnt sich der Mensch nach überflüssigen Konflikten oder erträglichen Skandalen. Und die gibt ese. Aktuelles Beispiel: Kirchliche Einrichtungen dürfen ihren Mitarbeiterinnen das Tragen von Kopftüchern verbieten.

Durchgesetzt hat dies ein evangelisches Krankenhaus in Bochum vor dem Bundesarbeitsgericht. Tja, und da fragt man sich schon. Angenommen, man ist gerade mit dem Kopf gegen die Türkante gestoßen und möchte, dass die Platzwunde schnellstmöglich genäht wird: Achtet man dann darauf, ob die Putzfrau ein Kopftuch trägt, die sie als Reinigungsfachkraft ausweist, die grunsätzlich in Richtung Mekka kehrt? Würde ich mich bedroht fühlen, wenn die Assistenzärztin, die mir vor der Operation Blut anzapft, demonstrativ ihr Haar verhüllt? Fürchte ich salafistische Gehirnwäsche, weil die Erzieherin im Kindergarten als Muslima erkennbar ist? Belastet es mich als Altenheimbewohner, wenn die Küchenhilfe termingerecht den Gebetsteppich ausrollt.

Das ist doch Unsinn. Zumal der größte Feind des nach dem Paradies strebenden  Menschen, die lebenslustigen Atheisten sind. Jene Zeitgenossen, die frech behaupten, dass es die Auferstehung gar nicht gibt. Während andere mühsam daran arbeiten, durch irdisches Wohlverhalten einen Platz auf einer rosa Wolke zu bekommen. Hat man je gehört, dass Gottesleugner einheitliche Mützen tragen? Tja, und so dürfen die einen machen was sie wollen, während die anderen, die ihren Glauben zeigen, mit Repressalien und Jobverlust bestraft werden.

Richtig ist das auf gar keinen Fall. Denn nicht zuletzt ist es ja so, dass das Verhüllen des Haupthaares auch in christlichen Kreisen vorkommt. Sollen die Nonnen und Diakonissen jetzt wallende Mähnen tragen, damit die Welt wieder ins Lot kommt? Müssten nicht 80 Prozent aller Marienstatuen aus den Kirchen entfernt werden?

Oder schaffen wir den Kompromiss – mit Kopftüchern, die mit einem stilisierten Heiligenschein bedruckt sind? Darauf müssten sich doch Menschen aller Religionen einigen können. Am Ende ärgern sich nur noch die Atheisten. Aber die haben es ja auch verdient.