Wer stoppt die Wiederkehr des Bösen?

Mit dem Älterwerden lernt der Mensch vor allem eines: Die Ereignisse wiederholen sich. Selbst dann, wenn sie furchtbar waren, werden  Neuauflagen nicht wirksam verhindert. Stattdessen gilt das Schema: Aufschrei – Trauer/Empörung – Ruf nach verschäftem Handeln/Gesetzen – Wegschauen/Vergessen – nächster Aufschrei.

Man möchte hoffen, dass das nach dem versuchten Massaker in der Synagoge in Halle anders sein möge. Doch zu viel spricht dagegen. Denn es kann doch niemand so tun, als sei das jetzt ganz überraschend gekommen, als habe man von den Umtrieben der Neonazis nichts gewusst . Wir hatten die NSU-Attentate, wir sind auf immer mehr Reichsbürger gestoßen, in der praktisch in allen Parlamenten vertretenen AfD sind üble Rechtsextreme gern gesehene Festredner beziehungsweise Einpeitscher.

Tatsächlich agierten die braunen Menschenfeinde lange Zeit eher im Untergrund. Aber sie sind dreister geworden, treten immer offener in Erscheinung. Und wie es scheint, manifestiert sich folgende Arbeitsteilung: Oben wird gehetzt, unten morden die Fanatiker.

Politik und Sicherheitsbehörden haben zu lange zugesehen. Und es wurde taktiert. Bei entsprechender politischer Strömung hat man es als hilfreicher angesehen, die rechte Bedrohung herunter- und die linke Bedrohung hochzuspielen. Das Duo Seehofer/Maaßen agierte hier in allerfeinster Symbiose. Letzterer hat seine Gesinnung inzwischen hinreichend enttarnt, Ersterer zeigt in diesen Tagen Anzeichen von Lernfähigkeit.

Aber wer stoppt die Wiederkehr des Mordens? Die Antwort: Nur wir gemeinsam. Indem wir Haltung zeigen und uns gegen braune Hetze wehren. Schaffen wir das? Unsere Erfahrung sagt „eher nicht“. Aber andererseits:  Altgewordene kennen das Phänomen der schönen Überraschung.  Auch daran lässt sich glauben.