Gift im Ei: Der Schrecken ist schon bald verdaut

Sind meine Nudeln in Ordnung? Darf ich meinen Eierlikör noch trinken? Wie immer bei Lebensmittelskandalen gibt es Fragen über Fragen und ein bisschen Panik. Die Prognose ist allerdings auch klar: Der Schrecken wird bald verdaut sein. Ändern wird sich nichts.

Aktuell geht es um Hühnereier aus den Niederlanden, die mit dem Insektizid Fibronil vergiftet sind. Man erfährt davon – und wundert sich. Kann es tatsächlich sein, dass es um Millionen von Eiern geht? Ist es möglich, dass aus Holland nicht nur Käse, Tomaten und Tulpenzwiebeln kommen, sondern in rauen Mengen auch ein Lebensmittel, welches vor unserer Haustüre produziert wird. Wir haben selber Hühner. Das muss doch reichen.

Da ist es wieder, unser schizophrenes Verhältnis zum Essen. So gerne würden wir es mit Genuss zelebrieren, finden dafür aber nicht die Zeit. Wir kaufen uns teure Küchen, aber wir kochen fast nie. Wir spenden für den Tierschutzverein, aber wir wollen Schnitzel und Braten, weil man sich ja sonst nichts gönnt.

Wir schauen auf Bio-, Umwelt- oder Regionalsiegel, die manchmal genauso verlogen sind, wie die Abgaswerte aus den Autoprospekten. Aber so haben wir wenigstens das Gefühl, dass die Turbokuh im Milchkarussell Spaß hat und dass so manches Mastschwein gerne stirbt. Mit Liebe soll unser Essen entstehen, doch die gibt es nicht mal ansatzweise für die Menschen, die in unseren Schlachthöfen arbeiten.

Begabte Zyniker sehen die Sache sowieso anders. Sie finden, dass wir Massentierhaltung brauchen. Denn das senkt die Preise und füllt den vielen Menschen die Bäuche, die in Billigjobs für unseren Wirtschaftsaufschwung sorgen. Ein voller Magen macht zufrieden.

Fazit: Mit Qualitäts-Bewusstsein und Verzicht ginge alles besser. Aber Massenware dominiert. Dann bekämpfen wir das Gift, zum Beispiel mit Alkohol. Darauf einen Eierlikör! Salute, Fibronil!