Archiv der Kategorie ‘Gescheiterte Männer’

Mai 30th, 2013

Drohnen sind gar nicht so schlimm

Mit allem Nachdruck möchte ich diesen Beitrag einem missverstandenen Lebewesen widmen. Nämlich der Drohne, die ja gerade einem politischen Skandal ihren Namen gibt. Rund 600 Millionen Euro soll das Bundesverteidigungsministerium mit seinen verkorksten Versuchen zum Kauf von unbemannten Horch-Guck-und-Tötungsfliegern in den Sand gesetzt haben. Ich stelle hierzu Folgendes fest: Drohnen sind gar nicht so.

Aus feministischer Sicht sind Drohnen die wahrhaftigen Männer. Während andere schuften, sitzen diese fetten Viecher herum, lassen sich füttern und haben nur eines im Kopf: Sex mit der Königin. Sie sind genau diese nutzlosen Lustmolche, wie sie auf vielen Sofas dieser Republik lümmeln. Und weil es um spätrömisch dekadente Intimitäten geht, wenden sich auch die Gläubigen und Gelehrten von dieser Lebensform ab. In der Lyrik kommt die Drohne so gut wie gar nicht vor. Der englische Theologe und Baptistenprediger Charles Haddon Spurgeon formulierte am Ende des 19. Jahrhunderts voller Abscheu diese Sätze: “Besser wilde Feuer als gar kein Feuer. Besser ein Eiferer genannt zu werden, als eine Drohne im Bienenstock Christi.”

Damit lieferte der fromme Kämpfer aber auch den Beweis dafür, wie sehr der Drohne heute Unrecht zugefügt wird. Man darf davon ausgehen, dass diese männliche Biene ihre arbeitenden Artgenossinnen überhaupt nicht beobachtet. Nie käme es ihr in den Sinn, darauf zu achten, ob gewisse Honigbienen ihre Waben mit Minaretten oder anderen muslimischen Symbolen versehen. Der Bienenmann ist vielmehr ein wahrer Märtyrer. Selbstlos bis zum Letzten kümmert er sich um die Erhaltung seiner Art. Er opfert das Kostbarste, was er hat. Sobald er seinen Penis einsatzbereit gemacht hat, hat er sein Dasein verwirkt.

Somit ist die Existenz der wahren Drohne ganz und gar dem Leben und nicht dem Töten gewidmet. Gewiss wäre es ihr auch zutiefst zuwider, beim Akt der Königinnen-Begattung von einem kettenrauchenden Nerd gesteuert zu werden.

So könnte es weitergehen, wenn es nicht die Evolution gäbe. Sie hat es vermocht, die Unterart “Politische Drohne” hervorzubringen. Wie etwa Eckhart von Klaeden. Dieser CDU-Politiker, der immer wie einer wirkt, mit dem in der Kindheit keiner spielen wollte, wird als heute 47-Jähriger seit fast 20 Jahren als Bundestagsabgeordneter von der Gemeinschaft der Steuergelder reich genährt. Als Staatsminister im Bundeskanzleramt lebt und wirkt er seit Oktober 2009 im engsten Umfeld der Königin.

Um nun bekanntzugeben, dass er Ende dieses Jahres als Cheflobbyist zur Daimler AG wechseln wird. Er nimmt sein Wissen und seine Kontakte mit, lässt sich noch besser ernähren – und wird alsbald den Kommunikationspenis ausfahren, um staatliche Subventionen für Elektroautos zu fordern. Man darf fest davon ausgehen, dass er all das überleben wird. Ach, wie herzensgut ist doch die echte Drohne!

Mai 2nd, 2013

Die Gesellschaft der feinen Asozialen

Was sind Steuersünder wirklich? Fehlgeleitete Schafe, die man mit ausgebreiteten Armen liebevoll wieder in die Gemeinschaft aufnehmen sollte? Oder strunznormale Kriminelle, die den großen Vorteil haben, dass ihnen bei offiziell bekundeter Reue Straffreiheit winkt? Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß zählt sich selbst ganz klar zur ersten Kategorie. Und klagt deshalb von der Titelseite der “Zeit”: “Ich gehöre nicht mehr dazu.”

Er sieht sich also als Ausgestoßener. Da aber täuscht er sich radikal. Hoeneß wurde durch seinen Steuerbetrug eben nicht aus der Gesellschaft hinauskatapultiert. Er war gar nicht drin.

Reiche, mächtige und berühmte Menschen kreieren sich ihre eigene Gesellschaft. Sie basteln sich ihr persönliches Umfeld, in dem die Regeln der großen Masse nicht gelten. Der Golfplatz ist kein Wirtshaus, die Schweizer Privatbank keine Kleinstadt-Sparkasse. Und der FC Bayern München ist, nun ja, sowieso von Lichtgestalten bevölkert und mithin nicht mehr erdgebunden, sondern Zentralgestirn einer von allen Zwängen befreiten Lederhosen-Galaxie.

Einer wie Uli Hoeneß macht keine Fehler. Sie werden mit ihm gemacht. Wenn er jetzt im Interview darauf hinweist, dass er zum krankhaften Zocker geworden war, dann hat nicht er Mist gebaut. Er wurde durch die Sucht, durch die äußeren Umstände dazu getrieben. Diese Problembeschreibung kennt jede betrogene Ehefrau.

Aber ist dieser Fußball- und Bratwurstpräsident mehr als die Spitze des Eisbergs? Das wiederum nicht. Dazu gibt es zu viele Abzocker. Nehmen wir nur die vielen Unternehmen, die Dumpinglöhne bezahlen. Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor in Europa. Mehr als jede/r Fünfte wird auf geringem Niveau entlohnt.

Wenn es für diese Menschen aber doch zum Leben reicht, dann durch das Aufstocken über Hartz IV. Das Geld hierfür kommt aus den Steuern und Sozialbeiträgen der Masse der Beschäftigten. Auch ein Uli Hoeneß lässt (selbstredend ausschließlich durch seinen Sohn) in seinem Familienbetrieb Niedriglöhne zahlen. Eine Bananenflanke von Ribéry ist zehntausend Mal mehr wert als eine sauber geschlachtete Sau.

Und so kommt es, dass feine bis feinste beziehungsweise wichtige bis wichtigste Persönlichkeiten unserer Wirtschaft in Wirklichkeit nichts anders als elende Schmarotzer sind, die sich ihren Profit über die Gemeinschaft sichern lassen. Der Bundespräsident liegt richtig, wenn er für die Abzocker das Wort “Asozial” verwendet. Gut für sie, dass es so viele fromme Schafe gibt.

April 28th, 2013

Wenn zwei das Gleiche tun…

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Ja, dieses Sprichwort ist abgedroschen. Aber es stimmt. Das erleben wir gerade am Beispiel der Affäre Hoeneß.

Zwar gibt es viele Stimmen, die nach Rücktritt rufen. Doch alles in allem ist die Reaktion auf seinen Steuerbetrug moderat. Weil Uli Hoeneß eine Reizfigur ist, die man trotz alledem nicht missen möchte. Er zählt zu den Oberhäuptern der einzigen weltumspannenden Religion, des Fußballs. Also ist mancher willens, dem kaiserlichen Steueroptimierer Franz Beckenbauer zu glauben, wenn dieser, wie auf Sky geschehen, dreist erklärt: “Na ja, der Uli. Der macht immer zehn Sachen gleichzeitig. Da hat er halt was vergessen.” Und so lernen Menschen, die in einem kompletten Arbeitsleben einen Bruchteil von dem verdienen, was der Bayern-Präsident an Zinsgewinnen einsackt, ein großes Wort aus der Welt der Justiz fehlerlos auszusprechen: UNSCHULDSVERMUTUNG!

Nehmen wir doch einmal an, Uli Hoeneß wäre ein unbeliebter Politiker. Bei der Klage gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geht es noch um ein paar hundert Euro. Aber weil die Bild-Zeitung die Jagd mit allem Nachdruck betrieben hat, wurde der blutleere Nicht-Kämpfer radikal zum Abschuss freigegeben. Was hätte ihm geblüht, wenn er einen Millionenbetrug begangen hätte. Lebenslänglich? Oder Vierteilung durch mit Ecstasy aufgeputschte Heidschnucken?

Andere Beispiele: Der zurecht vergessene Ex-Bundesverkehrsminister der Nachwendezeit, Günther Krause, stolperte darüber, dass seine Ehefrau eine Putzhilfe zu 70 Prozent aus Fördermitteln des Arbeitsamtes bezahlt hatte. Die Menschen fanden es gut. Dem FDP-Politiker Jürgen Möllemann machte im Jahr 1992 die so genannte “Briefbogen-Affäre” den Garaus. Mit dem Briefkopf des Bundesministeriums für Wirtschaft hatte er deutschen Handelsketten einen Chip empfohlen, der als Pfandmünze bei Einkaufswagen zum Einsatz kommen sollte. Ein solcher Chip wurde von der Firma eines seiner Verwandten vertrieben. Der Rücktritt wurde bejubelt.

Das war auch immer so, wenn gierige Manager in die Wüste geschickt wurden. Für den Ex-Vorstandschef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, hatte nach dessen Abgang wegen Steuerhinterziehung niemand mehr ein gutes Wort.

Volkes Sympathie macht jedenfalls den Unterschied. Als Bundesbildungsministerin Annette Schavan wegen einer teilweise abgeschriebenen Doktorarbeit den Hut nehmen musste, heulten nur einige Parteifreunde und das Volk nahm es eher gleichgültig auf. Dagegen wären dem dreisten CSU-Lügenbaron Karl Theodor zu Guttenberg vermutlich Hunderttausende gefolgt, wenn er dazu augerufen hätte, ihn per blutiger Revolution zurück ins Amt zu bringen.

Wie sehr ein entlarvter Gauner tatsächlich verachtet wird, hat also mehr mit dem persönlichen Image als mit dem Ausmaß seiner Tat zu tun. Verlassen kann man sich in dieser Situation wohl nur auf den Volksmund. Alsdenn, Sprichwort Nummer 2: “Bei großem Gewinn ist großer Betrug.” Stimmt.

April 22nd, 2013

Rettet die CSU-Politikerfrauen!

Angesichts der Steuerhinterziehung durch Uli Hoeneß, Fußballgott, ist für die Öffentlichkeit ein anderer großer bayerischer Skandal in den Hintergrund gedrängt worden: Es geht um das Schicksal von Frauen. Genauer gesagt, um das weitere Überleben der Frauen bedeutender CSU-Politiker.

Politischen Beobachtern ist seit langem klar, dass die CSU den Freistaat Bayern als ihr Eigentum betrachtet. Die meisten Wahlergebnisse der Vergangenheit haben – das sei der Partei zugestanden – diese Vermutung durchaus gestützt.
Was aber ist gerade los?

Alle Landtagsabgeordneten erhalten eine Pauschale, mit der sie Bürokräfte bezahlen können. Aber brauchen das Volksvertreter einer Partei, der aus Tradition sowieso sämtliche Ministerien treu und ergeben zuarbeiten? Also dachten sich alte Recken wie der Staatsminister für Unterricht und Kultus, Ludwig Spaenle und Fraktionsschef Georg Schmid, dass man dieses Geld doch auch in der Familien lassen könne. Man beschäftigt also, so wie das Oktoberfest-Wirte und Dönerbuden-Besitzer tun, die eigene Frau. Und entschädigt sie so nebenbei für die Entbehrungen an der Seite eines hauptberuflichen Weltenlenkers.

Jetzt ist diese besondere Form der Arbeitsbeschaffung herausgekommen. Und sofort gab CSU-Chef Horst Seehofer die Büro-Gattinnen zum Abschuss frei. Spaenle kündigte seiner Frau zum 1. Mai, Schmid schickte seine Angetraute mit sofortiger Wirkung zur Arbeitsagentur.

Als überzeugter Gewerkschafter finde ich das unerhört. Wo bleibt der Aufschrei meiner Organisation? Sind nicht sechs Wochen zum Quartalsende die Mindest-Kündigungsfrist? Ist die Politik ein rechtsfreier Raum, in der langjährige Mitarbeiterinnen einfach auf der Straße gesetzt werden, weil irgendein Oberboss den Daumen senkt? Wo bleibt die Vorbildfunktion für andere Arbeitgeber?

Nach allem, was ich weiß, gibt es betriebsbedingte Kündigungen. Was bedeutet, dass ein Arbeitgeber jemand auif die Straße setzt, weil er sich die Beschäftigung dieses/dieser Mitarbeiter/-in nicht mehr leisten kann. Diese Stelle muss nach der Entlassung frei bleiben.

Ein Abgeordneter ohne Büro ist aber undenkbar. Somit bleibt nur die außerordentliche, sprich fristlose Kündigung. Hier muss sofort auf ein eklatantes Fehlverhalten reagiert werden.

Aber was könnten diese Frauen getan haben? Haben sie Horst Seehofer beleidigt? Haben sie beharrlich die Arbeit verweigert oder haben sie eine Krankheit vorab angekündigt? (Und heut’ Abend hab’ ich Kopfweh?) Haben sie Menschen für blöd erklärt, weil diese immer noch CSU wählen? Haben Sie die Rede für das Kaninchenzüchter-Jubiläum geklaut? Waren sie pampig zu Lobbyisten?

Diese und viele andere Fragen stehen im Raum. Mindestens ein Grund muss zutreffen. Ansonsten werde ich mich auf allen Ebenen meiner Gewerkschaft für eine massivst-mögliche Kündigungsschutzklage einsetzen. Wie? Was? Frau S. wurde in einem Bayern-Trikot in der Schweiz gesehen? Na gut, dann hat er recht, der Horst. So etwas geht wirklich nicht mehr…

Februar 26th, 2013

Silvio? Die Mörderpuppe ist nie ganz weg

Es lebe die Mörderpuppe!

Es lebe die Mörderpuppe!

Es gibt Lebewesen und Dinge, die man einfach nicht wegkriegt. Spinnen, Kakerlaken, Hundeflöhe, Gartenschnecken, Maulwürfe, aber auch Blut-, Rost- und Rote-Beete-Flecken. Und es gibt Silvio Berlusconi. Über ihn wissen wir jetzt endgültig, dass er nie ganz weg sein wird. So lange es in Italien Politik gibt.

Beim Anblick des Cavaliere, dem die Mimik inzwischen komplett aus dem Gesicht operiert worden ist, rauschen mir – passend eigentlich – 50 Jahre Fernsehgeschichte durch den Kopf. Berlusconi erinnert mich an einen Helden meiner Kindheit, den Springteufel Zebulon. Wenn die kleinen Fernsehzuschauer dachten, dass Ruhe im Karton ist, ging der Deckel hoch, und das seltsame Wesen sprang mit einem lauten “Turnikuti, Turnikuta, Zebulon ist wieder da!” aus der Schachtel. Das war Mitte/Ende der 60-er Jahre. Auch der Zonk aus der TV-Show “Geh aufs Ganze!” erinnert mich an unseren ewigen Zombie.

Aber das ist nicht richtig. Denn eigentlich ist das Problemäääh, dass wir Deutsche nicht wolle verstähä, was italienise Sääle bewägä tut.” In seiner Heimat ist Berlusconi nämlich ein Mischwesen aus zwei anderen Protagonisten der Fernsehunterhaltung. Des grimmigen Alles-Wegräumers Gernot Hassknecht aus der heute-show und des Glücksbringers im Postboten-Gewand, Walter Spahrbier. Des biederen Schutzheiligen der “Aktion Sorgenkind”.

Silvio, ein Glücksbringer? Kann nicht wahr sein – stimmt aber doch. Denn so sehr es sich bei Berlusconi um einen offensichtlichen Lumpen und altersgeilen Bock handelt, so clever ist er als Verkäufer in eigener Sache. Er gibt seinen Landleuten immer noch das Gefühl, dass er sie vor Angela Merkel, verückten Richtern, Dieben aller Art und dem Staat als solchem beschützt. Was weh tut, wird von Onkel Silvio geheilt. Deses Volk will in Freiheit glücklich sein. Oder wenigstens daran glauben.

Übersehen wird dabei ein wichtiger Aspekt. Berlusconi tut zwar so, als würde er seine Wahlversprechen mit Milliarden aus seinem Geldspeicher bezahlen. Daran aber denkt er gar nicht. Er macht Politik, um seine Reichtümer zu bewahren. Egal, wem das schadet. Arme Italiener, Ihr verehrt einen Filmstar, die Reinkarnation von Chucky, der Mörderpuppe. Wer das nicht glaubt, schaue auf das Bild zu diesem Beitrag. Er ist es. Und er kommt immer wieder.

Februar 11th, 2013

Nix mehr Papst! Man kann’s verstehen

Die aktuelle Frage: Gibt es Rücktrittsberatung im Vatikan?

Die aktuelle Frage: Gibt es Rücktrittsberatung im Vatikan?

Jetzt sind die Grundfesten dieser Welt erschüttert. Endgültig. Für immer. Unser Wir-Papst Benedikt XVI. hat für den 28. Februar 2013 seinen Rücktritt angekündigt. Einfach so. Ihm fehle die Kraft, sein Amt weiterhin gut auszuüben. Als ob das für einen 85-Jährigen eine stichhaltige Begründung wäre.

Die wahren Ursachen liegen doch auf der Hand. Für die katholische Kirche läuft es derzeit, mit Verlaub, beschissen. In Europa, und insbesondere in Deutschland, werden dauernd sinnlose Reformen gefordert. Zölibat abschaffen, Priesteramt für Frauen, Barmherzigkeit für Vergewaltigungsopfer, Verfolgung von Kinderschändern – alles ein furchtbares Gedöns, das den Blick von ewigen Wahrheiten ablenkt. “Katholiken fühlen sich gerade wie Fans von Schalke 04″, hat es die famose Fernsehwurst Johannes Benedikt Kerner gerade bei Günther Jauch auf den Punkt gebracht.

Immer mehr Katholiken laufen ihrer Kirche davon. In anderen Teilen der Welt werden Christen verfolgt, weil sie Christen sind. Schwierigkeiten, wohin das Auge blickt.

Und daheim in Rom ist es auch nicht mehr so schön. Man muss schließlich auch einem alten Papst zugestehen, dass er gelegentlich etwas Neues erleben möchte. Stattdessen: Immer die selben Rituale. Beten, Füße waschen, in 150 Sprachen die Welt grüßen. Der Papst hat vielleicht erkannt, dass er einer der größten Plagiatoren unter der Sonne ist. Und für die ist das Leben gerade nicht so leicht.

Aber wenden wir uns seinen eigenen Worten zu. Sofern den Journalisten die Übersetzung aus dem Lateinischen gelungen ist, sagte Benedikt XVI.: “Ich gehe zum Wohl der Kirche.” Das mag sein. Man weiß aber nicht, was nachkommt. Ihn drücke das Alter, sagte er weiter. Kann man verstehen. Aber bisher war das kein Argument. Fast alle Päpste sind direkt ins Jenseits abgetreten. Laut Wikipedia gibt es nur folgende Ausnahmen: 537 gab Silverius auf oströmischen Druck hin drei Wochen vor seinem Tod das Amt auf. Johannes von Velletri, 1059 als Benedikt X. inthronisiert, konnte sich kein Jahr halten und wurde obendrein exkommuniziert. Coelestin V. trat Ende 1294 zurück und starb 1296. Gregor XII. wurde schon 1409 abgesetzt, erklärte aber erst 1415 offiziell seinen Rücktritt.

Ein mutiger Schritt also. Bleibt die Frage: Wie kommt Papst auf dieses Rücktrittsdatum? Die Antwort: Im Dreikaiseredikt Cunctos populos von Thessaloniki schufen die Herrscher Theodosius I., Gratian und Valentinian II. am 28. 2. 380 das Fundament für das Christentum als römische Reichskirche.

Tja, das ist ein Pfund. Und die Bild-Schlagzeile nehmen wir auch gleich vorweg: “Nix mehr Papst!” Wetten, dass…?

Februar 3rd, 2013

Der Mann schrubbt – leider oft vergebens

Männer, auch begabte Sexisten, müssen sich damit abfinden: Die einzige sichere Eigenschaft von Frau ist ihre Widersprüchlichkeit. Da läuft seit gut 30 Jahren unter dem Stichwort “Feminismus” ein riesiger gesellschaftlicher Feldversuch mit dem Ziel der Umerziehung des Mannes zu einem kooperativen, gerechten, sanften, hilfsbereiten Wesen. Und nun das: Ehemänner, die Hausarbeit leisten, verlieren die Lust auf Sex und werden von ihren Frauen als weniger attraktiv eingeschätzt.

Das behauptet Medien zufolge das Center for Advanced Studies am Juan-March-Institut in Madrid. Mittels einer Befragung von 7002 Teilnehmern will es herausgefunden haben, dass insbesondere das Erledigen von Arbeiten, die als typisch weiblich gelten, die Libido beeinträchtigen. Wogegen Männer, die im Garten arbeiten oder Rechnungen bezahlen, gemäß dieser Studie häufiger Tanzkarten verteilen.

Ich gebe zu bedenken: Hinter den meisten Umfragen steckt ein Auftraggeber. Und selbst Professoren sind bestechlich. Einen Geldgeber wird es auch hier gegeben haben, zumal es sich bei diesem bislang völlig unbekannten Institut entweder um eine frische Existenzgründung oder um eine betrügerische Briefkastenfirma handeln könnte. Wer weiß, vielleicht stecken die Baumärkte in der Umsatzkrise und wollen Hornbach-Erotik mit Nachdruck salonfähig machen. Eventuell wollen uns die darbenden Handelskonzerne einbleuen, dass das Abzeichnen von Quittungen ein majestätischer, mega-männlicher Akt ist. Oder die von einbrechenden Verkaufszahlen gebeutelte Autoindustrie wollen den Männern wieder klar machen, dass das Einseifen der verdreckten Karre schärfer macht als das Schrubben der Toilettenschüssel. Zumal Letzteres zwangsläufig den Anteil der Sitzpinkler steigert.

Vielleicht aber leben wir nur in seltsamen Zeiten. Wenn das RTL-Dschungelcamp für einen angesehenen Fernsehpreis nominiert wird, kann es ja sein, dass in unserer Wahrnehmung die Grenzen zwischen blöd und originell verwischen. Was auch für Umfragen gelten könnte.

Zumal es auch andere Studien gibt. Demnach hängt die Zufriedenheit von Frauen in der Ehe stark davon ab, ob und wie stark sich ihre Männer im Haushalt beteiligen. Tja. Frauen sind eben so – unbestimmt. Und für den Mann des 21. Jahrhunderts gilt wohl ein schöner fränkischer Satz. “Wäimers machd, is verkährd.” (Wie man es macht, ist es verkehrt) Und so putzen wir vergebens. Das ist die Tragik des Lebens.

Januar 25th, 2013

Der unbarmherzige Rosenkranz-Konzern

Ist doch famos: Kardinal Joachim Meisner, ranghöchster Erleuchtungsschauspieler im Kölner Dom und nach bisheriger Einschätzung der erzkonservativste Erzbischof dieser Republik, hat sich entschuldigt. Bei Frauen! Ja, diese Welt hat etwas ganz Besonderes erlebt. Papst wird der Mann nach dieser unerhörten Demutsgeste allerdings nicht mehr.
Zwei katholische Krankenhäuser in Köln hatten Probleme mit dem Behandeln eines Vergewaltigungsopfers. Der Kardinal fand das beschämend. Gut so! Doch im gleichen Atemzug machte er deutlich, dass es in den Kliniken seines Rosenkranz-Konzerns keinesfalls in Frage komme, einer vergewaltigten Frau die “Pille danach” zu verabreichen. Denn heilig sei die Leibesfrucht!
Es liegt wohl in den tiefsten Tiefen des katholischen Glaubens, dass das nicht möglich sein soll. Man verehrt ja die Jungfrau Maria, die sich als verheiratete Frau weigerte, ihrem Mann den eigenen Leib hinzugeben. Um ihm dann ein durch eine minimalinvasive Befruchtung entstandenes Kind zu gebären. Seitdem gilt sie als heilig. Von Josef redet keiner mehr.
Weil also eine ungewollte Schwangerschaft zum Markenkern des katholischen Glaubens gehört, wurde mit Blick auf die “Pille nach Gewalt” die ganze theologische Sachkunde in Gang gesetzt, um den Vorrang des soeben gezeugten Lebens vor dem Schutz des Vergewaltigungsopfers nachzuweisen. Priester, Domkapitulare, Theologieprofessoren forschten nach, und haben vielleicht herausgefunden, dass der damals unfehlbare Papst Zebulon der Vierunddreißigste im Gespräch mit Kaiser Karl dem Großen eine Bemerkung fallen ließ, die den weiblichen Bauch als solchen zum Eigentum der Kirche erklärte.
Wirklich wertvoll ist dieser Besitz aber nicht. Darüber wird nur ein paar Tage lang gestritten. Wenn es dagegen darum geht, kleinen Jungs ein Stück Vorhaut abzuschneiden, damit sie den Weg zu Gott leichter finden, diskutieren nicht nur die Theologen. Dann wird die komplette Gesetzesmaschinerie in Gang gesetzt, um auf höchster staatlicher Ebene festzustellen, dass Glauben vor Körperverletzung geht, wenn das maskuline Seelenheil zu sichern ist.
In großen Weltreligionen ist es also so: Den Männern gehört das Paradies. Das sündige Weib kehrt die Zufahrt oder fegt gleich den Vorhof zur Hölle. Wie langweilig. Streicht mich ruhig von Gottes ewiger Gästeliste.

Januar 24th, 2013

Das Igelchen beweist: Print wirkt

Das Igelchen zeigt Reue

Verrückt, verrückt: Da stöhnt und ächzt die Zeitungsbranche seit vielen Jahren angesichts der Krise. Immer weniger Leser, immer weniger Werbeerlöse, immer höhere Papierpreise. Blätter verschwinden vom Markt, ganze Redaktionen werden gefeuert. Und dabei gäbe es die Rettung. Nämlich durch großflächige Beziehungskrisen-Inserate.

Da hat also in den Nürnberger Nachrichten ein unbekannter Ehemann seiner “lieben Ehefrau” mit einer annähernd halbseitigen Anzeige mitgeteilt, dass es ihm leid tue. Und dass er es rückgängig machen würde, wenn es gehen würde. Die Anzeige ziert ein süßer Igel. Mit einer deutlich kleineren Anzeige verabschiedet sich der Inserent weiter unten auf der Seite von seiner Geliebten.

Der Effekt? Den Menschen zerreißt es das Herz. Eine ganze Region hat ein gemeinsames Gesprächsthema. Andere Medien sind aufgewühlt. Wer immer in Stadt und Region als Mitarbeiter der Verlags-Anzeigenabteilung bekannt ist, wird ausgefragt, wer denn dieser reumütige Gatte sei. Und was ihn seine Versöhnungsaktion gekostet habe. Ein Zeitungsleser forderte in einer eigenen Anzeige, dass “Igelchen” doch bitte öffentlich erklären möge, was denn da passiert sei. Ein lokaler Radiosender flehte in einem Inserat “Bitte melde dich”.

Letztlich beweist die Geschichte Folgendes: Print wirkt. Auch in diesen ultradigitalen Zeiten ist es möglich, mit einem gedruckten Text oder einer Anzeige einen riesigen Effekt zu erzielen. Den Verlagen wird somit von dieser Stelle in aller Vertraulichkeit angeraten, Projektgruppen für fingierte Beziehungskrisen-Inserate zu gründen. Diese wären beste Werbung für’s Produkt und bestes Entertainment für’s Volk.

Aber zurück zu “Igelchen”. Seine Chancen auf ein Herzerweichen bei der Angetrauten sind eher gering. Es fällt nämlich auf, dass seine Abschieds-Anzeige zwei wesentlich kleiner, aber dafür viel inniger formuliert ist. Wendet er sich oben als “Dein Ehemann” an die “Liebe Ehefrau”, so steht unten folgender Text: “Sommersprosse, Sonnenschein. Die Liebe ist vorbei. Die Liebe gehört meiner Frau. Ade Igelchen.”

Kommentar einer lieben Ehefrau, in diesem Fall meiner: “So ein Depp!”

Januar 10th, 2013

Glamour in Großburgwedel

Es ist so furchtbar: Abschied, Trennung, Niedergang, Phantomschmerz, wohin das Auge blickt. Barbie van der Vaart trennt sich von ihrem Fußballer, die FDP in Kürze von Philipp Rösler und Bettina Wulff vom früheren Bundes-Christian. Das Weibliche verstößt das Männliche.

Gerade bei letzterer Trennung frage ich mich, warum das überhaupt jemand interessiert. Angeblich – so wurde es zumindest über die Medien transportiert – handelt es sich bei den beiden um ein “Glamour-Paar”. Was bitte? Christian Wulff, der Mann mit der Kermit-Stimme, verstrahlt so viel Glanz wie eine Milchglasscheibe im sanften Gegenlicht. Manches wäre mir zu ihm eingefallen. Aber Glamour?

Hierbei handelt es sich laut Wikipedia um eine spezielle Attraktivität beziehungsweise ein Faszinosum. Zum Beispiel also ein besonders prunkvolles oder elegantes Auftreten in der Öffentlichkeit, welches sich von Alltag und Durchschnitt abhebt.

Nun mag seine verflossene Bettina, je nach Geschmack des Betrachters, eine hübsche Frau sein. Mehr aber doch nicht. Die glamourösesten Aspekte an ihr sind die Gerüchte über ihr Vorleben oder ihre Tätowierung.  Aber eigentlich würde sie nicht mal auf einem fränkischen Opernball  sonderlich auffallen.

Dieses Paar wird trotzdem glamourös genannt. Weil die interessierte Guckloch-Presse eine Bezeichnung braucht, die nach etwas Besonderem klingt. Ich bleibe lieber sachlich, und stelle im Einvernehmen mit mir selbst fest: Die Wulffs waren das glamouröseste Paar von Großburgwedel. Mehr Faszinosum war aber nicht.

 

 

 

Januar 2nd, 2013

Steinbrück, Thierse und “Das Gott”: Wir flehen um Gnade

Gnaaaadäää! Kann es denn wirklich sein? Krisen, wohin man schaut. Die halbe Welt fliegt uns um die Ohren. Doch unsere politischen Aufreger-Themen sind Pipifax der untersten Kategorie. Ich glaub’s nicht mehr.

Da gerät Peer Steinbrück – wieder mal – unter Beschuss, weil er zum falschen Zeitpunkt eine richtige Aussage macht. Nämlich, dass das Kanzlergehalt mit seinen 18.000 € monatlich im Vergleich zur Bezahlung anderer Führungskräfte zu gering sei. Das stimmt, wenn man sieht was mittelmäßige Bankdirektoren einstreichen. Von den Salären von Dax-Konzernchefs oder von Spitzen-Fußballern ganz zu schweigen. Und ist es nicht so, dass ein Bundeskanzler sowieso wie die Made im Speck lebt? Die Mordswohnung in Berlin ist umsonst, Essen und Trinken wird bei Sitzungen oder Empfängen ebenfalls gratis auf den Tisch gestellt.

Aber recht hat er trotzdem, der Kanzlerkandidat.

Noch eine Nummer blöder wird es angesichts der Empörung über eine Aussage von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Der Träger des talibaneskesten Vollbartes in unserem Parlament hat sich mächtig über das schamlose Auftreten integrationsunwilliger Schwaben in seinem Berliner Heimatbezirk Prenzlauer Berg aufgeregt. Es sei nicht gut, dass diese beim Bäcker Wecken statt Schrippen oder Pflaumendatschi statt Pflaumenkuchen bestellten, sagte Thierse, der eine schleichende Verspießerung seiner Weltstadt befürchtet.

Groß war die Aufregung, aber absolut doof war schließlich die Kritik an unser sagenhaft glücklosen Familienministerin Kristina Schröder. Sie hatte in einem Interview erklärt, dass man gegenüber einem Kind “Das Gott” anstelle von “Der Gott” sagen könne. Da zuckten sie gewaltig, die Blitze. Vor allem jene, die von den bibeltreuen Christen in der CSU ausgesandt wurden.

Und über all das diskutiert unsere Republik, als ob es auch nur ein bisschen mehr wäre, als ein Kleinstfurz im Weltgeschehen.

Wie das geht? Das ist allerdings klar. Was soll herauskommen in einem Land, in dem die Meinungsbildung maßgeblich von der “Bild”-Zeitung dominiert wird? Von einem Blatt, das uns dazu bringt, uns über Kleinigkeiten zu erregen, damit wir die wahren Schweinereien übersehen. Damit die Mächtigen, so weit es eben geht, in Ruhe regieren können.

Genau das gelingt. Und deshalb nochmal meine Bitte: Gnaaadäää!”

 

 

Dezember 16th, 2012

Der Seehofer ist dem Söder sein Freund

Warum schlägt Horst Seehofer bloß so um sich? Und haut den armen Söders Markus? Ist er nun ein Politiker von Format, der das freistaatliche Schiff durch die Wogen der bayerischen Flüsse und Seen lenkt? Oder ist er Crazy Horst, der ewige Punk? Der es, wenn unter dem zu engen Anzug das Brustwarzenpiercing zwickt, so richtig krachen lässt? Bitte glauben Sie mir: Der Horst weiß genau, was er tut. Er ist dem Markus sein bester Freund.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einen Menschen berühmt zu machen. Weg 1: Man lobt ihn ohn’ Unterlass. Für seine Freundlichkeit, sein großes Herz, für seine Offenheit, sein Toleranz undsoweiterundsofort. Irgendwann sind die letzten Skeptiker mürbe gemacht. Sie glauben, dass das alles stimmt. Der Held ist geboren – und kann damit beginnen, den Nachweis zu erbringen, dass Menschen ohne auch nur eine schlechte Eigenschaft nicht existieren. Zumindest nicht auf diesem Planeten.

Weg 2: Du greifst den künftigen Helden frontal an. Du sprichst seine schlechten Eigenschaften an. Dass er viel zu ehrgeizig, zu egoistisch ist. Dass er alle Konkurrenten gnadenlos aus dem Weg räumt. Egal, welche “Schmutzelei” es dafür braucht. Und dass er Macht gegebenenfalls skrupellos anwendet.

Wer so angegangen wird, kann einen nachhaltigen Imagewechsel schaffen. Denn er ist zum Opfer geworden. Und den Opfern gilt unsere Sympathie. Was vorher war, was – bei unfähigen Menschen – nicht war, interessiert dann nicht mehr. Das ist der Dienst, den der gute böse Onkel seinem Zögling leisten kann.

Wir können sicher sein: Horst Seehofer weiß, was er tut. Er hat Markus Söder als seinen Kronprinzen auserwählt. Über Schmutzeleien redet jetzt keiner mehr. Sondern darüber, dass der Markus einen neun Meter hohen Christbaum samt energiesparenden LED-Leuchten auf die Nürnberger Kaiserburg gestellt hat. Auf dass das Nadelgewächs  - höher als jedes Minarett dieser Welt – vom Christlichen in der Sozialen Union künden möge.

Eigentlich ist der Söder doch gar nicht so…

 

 

 

November 21st, 2012

Lothar, Du Sysiphus der Silikonhügel

Liebe Leute, Ihr könnt lästern, schwatzen und flüstern wir ihr wollt. Ich stecke den Sand nicht in den Kopf. Ein Hirndübel lässt sich seine Meinung nicht von der Schwarmintelligenz der Boulevardpresse diktieren. Für mich ist Lothar Matthäus ein Held. Ein tragischer zwar, aber er ist einer. Punkt. Aus. Ende.

Wie jetzt bekannt wurde, ist auch sein Dessous-Model Joanna Tuczynska nach gut eineinhalb Jahren gemeinsamer Zusammengehörigkeit beziehungstechnisch dahingeschieden. So wie vor ihr Ariadne, Liliana, Marijana, Maren, Lolita und Silvia. Wieder war es nix. Und was sagt Loddar dazu? “Wir haben uns einvernehmlich getrennt. Ich hege keinen Groll und wünsche Joanna alles Gute für die Zukunft.”

Genau das ist die dem Franken eigene Größe in Reinkultur. Schauen wir doch einmal herum, wie andere Männer reagieren, wenn sie verlassen werden. Sie randalieren, demolieren Autos,  zertrümmern Wohnungseinrichtungen, brechen die Nasenbeine der Nebenbuhler oder fallen in Suff und Depression. Gute Wünsche für die Ex? Nie und nimmer.

Wir lernen daraus: Lothar Matthäus geht mit verflossener Liebe extrem großzügig um. Er ist eine wahre Diva, gewissermaßen die Zsa Zsa Gabor des Weltfußballs. Nein, dieser Mann glaubt an sich und sein Glück. Er wird nie aufgeben, wird nie zweifeln – und doch immer wieder scheitern. Man könnte ihn auch den Odysseus der Schlauchbootlippen oder den Sysiphus der Silikonhügel nennen. Dieser unverbesserliche Romantiker steht parabelhaft für das Leben und Leiden von uns allen, für unser immerwährendes suchen, finden und verlieren.

Nur eines kann ihn erlösen: Wenn der Sexualtrieb der Altersweisheit weicht. Das dauert noch ein bisschen. Gebt ihm also erstmal einen netten Verein, wie etwa 1860 München. Loddar braucht jetzt Fußball. Denn wie heißt es so schön? Ein Tor würde dem Spiel gut tun.

 

 

 

 

November 19th, 2012

Rösler und die ungewisse Anschlussverwendung

Das hatte sich die FDP fein ausgedacht. Nachdem sie erkannt hatte, dass Philipp Rösler als Parteivorsitzender ein geradezu spätrömisch-dekadenter Fehlgriff war, hatte man sich darauf verlagert, den Vizekanzler in die dritte oder vierte Reihe zu stellen. Falls er in der Öffentlichkeit nur noch bei wirklich unvermeidbaren Gelegenheiten hergezeigt würde, müsste es doch wieder aufwärts gehen. Und tatsächlich: Die Liberalen sind in den Wahlumfragen von zwei auf vier Prozent gestiegen. Das rettende Ufer ist in Sicht.

Zumal eine weitere kluge Entscheidung Wirkung zeigt. Es war gut, den führenden FDP-Kabarettisten Rainer Brüderle als Maskottchen an die “heute-show” abzugeben. Und Spaßvogel Nummerzwei, der Schleswig-Holsteiner Querkopf Wolfgang Kubicki, hat dank seiner lässigen Art gerade bei Stefan Raabs Politshow “Absolute Mehrheit” ziemlich abgeräumt. Über 40 Prozent, hauptsächlich in der Gruppe der werberelevanten jungen Leute – was soll den Liberalen noch passieren.

So lief das. Bis heute. Denn nun werden die Scheinwerfer wieder auf Philipp Rösler gerichtet. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat bekanntgegeben, dass der von ihm verwendete Begriff “Anschlussverwendung” das Zeug zum “Unwort des Jahres” hat.

“Anschlussverwendung”, wir erinnern uns, ist in Zusammenhang mit der Schlecker-Pleite gefallen. Rösler benutzte ihn, als er über die nunmehr zahlreichen arbeitslosen Frauen philosophierte. Er sprach darüber, wo sie neue Arbeit finden könnten. Nun ist dieser Begriff für Soldaten ganz normal. Aber passt ein Begriff, bei dem raue Kämpfer gehorsamst salutieren, auch für ein Heer von Frauen, die zuvor Geschirrspülmittel und Badesalz verkauft haben?

Seinerzeit war die Empörung über des Ministers Sprache groß. Und nun holt sie Philipp Rösler wieder ein. Er wird wieder ins Rampenlicht gerückt, und das wieder nur in einem unerfreulichen Zusammenhang. So wie einst Guido Westerwelle.

Das kostet in der Wählergunst nicht nur ein paar Promille. Weshalb die Delegierten beim FDP-Bundesparteitag im kommenden Jahr wissen, wie sie ihren Chef zu behandeln haben: Anschlussverwendung ungewiss. Sehr ungewiss…

Oktober 27th, 2012

CSU-Affäre, oder: Die Macht der Problembären

Wie können die bloß so blöd sein? Angesichts der Drohanruf-Affäre der CSU schießt einem diese Frage ganz zwangsläufig durch den Kopf. Spätestens seit Christian Wulffs Absturz hätte eigentlich klar sein sollen, dass derartige Aktionen gegen die Pressefreiheit äußerst gefährlich sein können. Warum ist es trotzdem passiert?

An Übereifer beim bisherigen CSU-Sprecher Hans Michael Strepp glaube ich nicht. Trotz aller Dementis. Denn der Versuch, durch “gut gemeinte Hinweise” Einfluss auf Medien zu nehmen, ist seiner Partei keineswegs fremd. So hat Markus Söders Ex-Sprecherin Ulrike Strauß beim Bayerischen Rundfunk erfolgreich gegen einen Beitrag interveniert. Vor allem aber lokale Medien werden das bestätigen.

Dazu muss man wissen, dass die CSU ihrem Wesen nach keine Großstadtpartei ist. Typische Themen oder Probleme der Zentren – Ablehnung von Institutionen, Vereinzelung, hoher Ausländeranteil, Arbeitslosigkeit, Straßenkriminalität, unkontrollierte Kreativität – sind ihr zuwider. Toleranz steht im Wertesystem der CSU nicht ganz weit oben. Sie ist mehr die Partei des “gesunden Menschenverstandes”, der mit Geranien geschmückten Eigenheime, der eifrig genutzten Beichtstühle und der Feuerwehrfeste. Laptop ja, aber bitte mit mentaler Lederhose. Dort, wo erfolgreiche Milchviehhalter Vip-Status haben, atmet der Geist der Christsozialen besonders frei. Ihr Generalsekretär Alexander Dobrindt stammt aus Peißenberg. 12.500 Einwohner hat diese Marktgemeinde. Das passt perfekt.

In solchen Umgebungen ist es normal, dass einer Partei wie der CSU nicht nur der verfassungsgemäße Beitrag zur politischen Meinungsbildung zukommt. Vor allem dort, wo sie unangefochten regiert, bestimmt sie auch gerne mit, was in der Zeitung steht. Die Ermahnung an Journalisten, dass man doch das Wohl der Stadt sehen möge, ist wohlbekannt.

Wir haben es also mit einem Problem der Mentalität und dem Verhältnis zur Macht zu tun. Die CSU war nach ihrer Wahlpleite von 2008 bescheidener geworden. Wenn aber, wie jüngst, die Umfragewerte nachoben gehen, werden die alten Denkmuster neu stimuliert. Und dann wird es gefährlich.

Das können Menschen treffend beschreiben, die das Innenleben der CSU bestens kennen. Wie etwa die allgemein kaum mehr ernstgenommene frühere “schöne Landrätin” Gabriele Pauli. Sie hat zum aktuellen Geschehen Pressemitteilungen verschickt. Ich leiste mir den Luxus, daraus zu zitieren:

“‘Wenn Horst Seehofer die CSU als ‘bärenstark’ bezeichnet, fallen mir sofort die Probleme mit dem ‘Schadbären’ Bruno aus dem Jahr 2006 wieder ein. Man weiß ja, wie die Sache damals ausging, selbst der starke Bär wurde erlegt. Die Partei lullt sich derzeit mit bestellten honigsüßen Umfragen selbst ein. Die Partei hat nach wie vor ein grosses Frauenproblem und viele männliche ‘Problembären’. Erst maulen sie über Monate hinweg lauthals gegen Merkels Europapolitik und fordern das Zudrehen des Geldhahns für Griechenland. Aber wenn die Kanzlerin beim Parteitag im Saal spricht, wirken Seehofer, Dobrindt und Söder wie kuschelige Teddybären und tanzen nach Merkels Taktstöckchen.”

Und zur Anrufaffäre lässt Pauli verbreiten: “Die CSU von 2012 unterscheidet sie in ihrer Skrupellosigkeit nicht von der CSU unter Edmund Stoiber. Sie ist machtvergessen und machtversessen. Die DDR wurde nicht aufgelöst, in Bayern lebt sie noch.” Paulis Fazit zum missratenen Telefonat: “Das ist der Anfang vom Ende der CSU bei der Landtagswahl 2013.”

Interessante Analyse, verwegene Prognose. Würde beides stimmen, wär’s ein Wunder.