AfD-Parteitag: Der alte Käse mieft wieder

Sayn-Wittgenstein: Edel klingt dieser Name. Man denkt an Sekt, Wandbehänge mit Jagdszenen, Handtäschen für die Dame von Welt oder sorgsam veredelten Weichkäse. Mit Letzterem kommen wir der aktuellen Sache nahe. Doris von Sayn-Wittgenstein hat bei der #AfD dafür gesorgt, dass rechter Mief  erhalten blebt.

Der eigentliche Plan des Parteivorstandes war, den nicht so rechten Berliner Politiker und erklärten Höcke-Gegner Georg Pazderski zum Vorsitzenden zu wählen und damit Koalitionsfähigkeit zu signalisieren. Aber so etwas läuft nicht mit einer Frau, die den Namen eines der ältesten Geschlechter des deutschen Hochadels führt. So jemand fragt nicht, sondern übt Herrschaft aus. Im Originalton: „Ich wünsche nicht, dass ich Koalitionsgespräche anbieten muss, sondern dass die anderen um Koalitionsgespräche betteln.“

Das weckt selbst bei den ältesten Parteifreunden heiße Gefühle und eine große Vision: Das Deutsche hat gesiegt. Jetzt wird aussortiert. Was nicht reinpasst, wird beseitigt. Ganz so wie im Mittelalter beim Fürsten. Und wie ein paar Jahrhunderte später auch noch mal.

Die Aussage Sayn-Wittgensteins hat gepasst. Die Beinahe-AfD-Vorsitzende (49,39 Prozent) hat in ihrem Wahlkampf in Schleswig-Holstein „Heimat statt Multi-Kulti“ plakatiert. Sie hat die Facebook-Seiten der muslimfeindlichen Identitäten Bewegung sowie der ultrarechten Marburger Burschenschaft Germania mit Likes versehen. Wie sie die Situation mit Blick auf Zuwanderung sieht, hat die Tochter einer Heimatvertriebenen in einem Interview mit der Schleswig-Holsteiner Zeitung offenbart: „Seit zwei bis drei Jahren wird verriegelt und verrammelt.“ Früher hätten die Türen noch offen gestanden. Gerade bei gebrechlichen Menschen wachse Sorge und Angst.

Angst, die die rechte Hälfte der AfD schürt. Weil sie für ihre Erfolge braucht. Um diesen alten Käse muss wirklich niemand betteln.