Und raus bist Du…

Wir sind Zeugen eines klaren Trends. Jobs, um die sich Menschen früher gerissen haben, will keiner mehr. In der Politik gilt das für herausragende  Aufgaben, in denen schnelles Scheitern möglich ist. Es sei denn, man heißt Boris.

Ganz generell gibt es immer weniger Bewerber*innen für anstrengende Jobs. Wenn man sieht, wie es die digitalisierte Jugend danach drängt, auch im Berufsleben vor dem Computer sitzt, kann es uns schwummrig werden. Wer soll später einmal Salat anbauen, Wurst herstellen oder Brot backen, wenn die heutigen Produzenten das Rentenalter erreicht haben? Wer pflegt die Kranken und Alten?

Sogar Pfarrer werden Mangelware. Womit wir bei der SPD wären. Deren Vorsitz sei das zweitschönste Amt nach dem Papst, sagte noch im vergangenen Jahrzehnt der damals neue Parteichef Franz Müntefering. Nun fällt es schwer, sich den Pontifex als glücklichen Menschen vorzustellen. Franziskus ist mit hervorragenden Botschaften gestartet. Geholfen hat es nicht viel, weshalb er zusehends verbittert klingt. Aber er wird einen Nachfolger bekommen. Beim Konklave in Rom gibt es kein Davonlaufen.

Vielleicht wäre das eine Idee für die SPD. Alle potentiellen Kandidat*innen versammeln und erst nach Hause lassen, wenn weißer Rauch aufgestiegen ist. Denn momentan gibt es reihenweise Absagen. Nach dem tragischen Abgang von Andrea Nahles mag keine*r an die Spitze der Partei. Die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns erscheint zu groß.

Andere Parteien sollten aber nicht zu hämisch sein. Denn ihnen geht es, zurzeit mit Ausnahme der Grünen, nicht besser. Bei der Union ist inzwischen klar, dass Annegret Kramp-Karrenbauer nicht das Zeug zur Kanzlerin hat. Da wird bis zur nächsten Wahl noch etwas passieren. Doch auch hier die Frage: Wer könnte es machen? Will Jens Spahn in  jungen Jahren Verlierer sein? Oder möchte er lieber als Retter nach der Pleite auftauchen?

Bei der FDP verblasst der Glanz von Christian Lindner immer mehr. Und die AfD? Was ist, wenn Alexander Gauland endlich anerkannt, dass er in zwei Jahren 80 Jahre alt wird? Wer ist bereit, seine Hundekrawatten aufzutragen? Auch bei den Linken sind die Sorgen groß.

Ein Parteivorsitz war früher das Sprungbrett nach ganz oben. Heute lauert der Abgrund.

Aber es gibt ja noch Menschen wie Boris Johnson. Sein Ziel, der Parteivorsitz der britischen Konservativen, ist ein wahrscheinliches Himmelfahrtskommando. Er kann eigentlich bloß scheitern, trotzdem rangelt er mit zehn anderen Bewerber*innen um dieses Amt.

Absurde Vorbilder, eigentlich. Aber die Briten mögen das wohl. Der Brexit ist’s ja auch.