Hillary, zeig‘ uns deine Mails

Kaum zu glauben: Da hat Hillary Clinton bereits mit ihren Beratern darüber diskutiert, welches ihrer künstlichen Lächeln für ihre Vereidigung als US-Präsdentin am besten geeignet ist, da rammt ihr die Bundespolizei FBI ein moralisches Küchenmesser in den Rücken. Sie soll beim Umgang mit dienstlichen E-Mails allzusehr geschludert haben.

Bei einem Staat, der ganz selbstverständlich den Anspruch erhebt, auf sämtliche weltweit genutzte Daten zuzugreifen, wirkt das irgendwie lächerlich. Das Ungeheime kann dort doch kaum mehr als ein Kavaliersdelikt sein. Man denkt fast an den früheren Bundes-Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann und seinen Sturz über Einkaufswagen-Pfandsysteme.

Doch betrachten wir die Sache arbeitsrechtlich. Wenn ein Arbeitgeber das private Nutzen von E-Mails ohne Einschränkung freigibt, kann nichts passieren. Im Normalfall wird es aber Regeln geben. Üblich ist zum Beispiel, dass geschäftlichliche Dateien nicht in private Postfächer gesendet werden sollen. Wer da erwischt wird, riskiert die Kündigung. Für Hillary Clinton sähe es demnach auch ohne ihren Widersacher übel aus.

Allerdings widerspricht es jeglicher Lebenserfahrung, dass sich das Führungspersonal an solche Vorgaben hält, die es für seine Untergebenen formuliert hat. Wer oben ist, hält sich stets für freier. Und eine Frau, die für ein bisschen politisches Palaver fünf- bis sechsstellige Dollar-Honorare einzustreichen gewohnt ist, verortet sich selbst wahrscheinlich erheblich über dem Oben.

Wir dürfen von einem Unrechtsbewusstsein nahe der Nulllinie ausgehen, weshalb Hillary Clinton schwer verärgert sein dürfte, dass sie wegen solcher Peanuts in Not gerät. Sie findet es, ganz bestimmt, extrem ungerecht.

Bei der aktuellen Lage hilft nur eines: Schonungslose Offenheit. Wir wissen über Hillary Clinton ohnehin schon mehr, als wir schmerzfrei ertragen können. Also dürfen wir auch erfahren, was Hillary Clinton jemals irgendwem gemailt hat. Jeder kleine Satz muss ins Internet.

Vielleicht schrumpft der Skandal dann tatsächlich zu einem Affärchen. Denn was schickt eine erfolgreiche Frau an ihren pensionierten Pantoffelhelden? „Bill, hast Du an die Kartoffeln gedacht?“, „Wir tagen noch. Bitte fang‘ schon mal mit dem Essen an.“, „Wir müssen reden.“ oder einfach: „Wer ist die Schlampe?“

Zeig‘ es uns, Hillary. Und dann lasst diesen miesen Wahlkampf endlich enden…

 

Kurskorrektur: Was bedeutet das eigentlich?

„Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt’s einen, der die Sache regelt.“ Mit diesen Versen untermauerte Guido Westerwelle im Jahr 2001 seinen Anspruch auf die Führung der FDP. Zehn Jahre lang war er Kapitän der Liberalen, ehe er von seinen Parteifreunden zum Verzicht gedrängt wurde. Angela Merkel befindet sich im elften Jahr ihrer Kanzlerschaft. Und auch ihre Matrosen machen ihr zusehends das Leben schwer. „Kurskorrektur, Kurskorrektur!“ rufen sie immer lauter.

An die Spitze der Meuterer hat sich – und das erst nicht seit gestern – Horst Seehofer gesetzt. Er und seine CSU bringt beim Thema Flüchtlinge immer wieder griffige Schlagworte in die öffentliche Diskussion ein. Ob das nun Transitzonen sind, Obergrenzen oder Rechtsbruch. Man muss die Kanzlerin fragen, warum sie bei diesen notorischen Attacken so sehr Mutti und so wenig Chefin ist. Müssten in ihrem Kabinett im Falle eines kleinen Koalitionsbruches mit der CSU Entwicklungshilfe-, Agrar- und Mautminister ersetzt werden -wo wäre das Problem?

Stattdessen springt uns die neueste Anti-Merkel-Parole über alle Kanälen entgegen. Eine Kurskorrektur, einen Kurswechsel soll es geben. Nur wohin? Und mit welchem Personal?

Man stelle sich vor, der für seine schnellen Meinungsänderungen berühmt-berüchtigte Horst Seehofer würde gemeinsam mit dem ebenfalls wenig geradlinigen Sigmar Gabriel auf der Brücke stehen. Würde dies Schiff dann in einem zackigen Links-Rechts-Kurs über das Wasser schlingern, um am Ende im selben Hafen anzukommen, den Angela Merkel angesteuert hat? Oder würde es wegen eines ständigen Kurswechsels in einem rechtsdrehenden Strudel in der Ostsee vor Schwerin  versinken?

Gab es denn nicht schon Kurswechsel? Fragwürdige Staaten wurden zu sicheren Herkunftsländern erklärt. Asylgesetze wurden verschärft, der Familien-Nachzug wurde ausgesetzt. Die Balkan-Route wurde dichtgemacht und mit einem Rücknahme- und Abhalte-Abkommen mit der Türkei gekoppelt. Deren Präsident Erdogan ist immer wichtiger geworden und wir hofiert. Die Botschaft ist doch sonnenklar: Fremde und vor allem Muslime sind unerwünscht. Alles Nähere regelt ein Gesetz.

Eine Kurskorrektur würde demnach bedeuten, dass man sich wieder den Flüchtlingen zuwendet. Was Angela Merkel in ihrer aktuellen Regierungserklärung auch getan hat. Dank des Abkommens mit der Türkei seien in der Ägäis deutlich weniger Menschen ertrunken, sagte sie. Anderswo im Mittelmeer waren es mehr, das sagte sie nicht.

Laut Unicef sind weltweit 50 Millionen Kinder auf die Flucht. Tja, falls uns diese Nachricht berührt, haben wir das Herz am rechten Fleck. Falls nicht, ist es uns in die Hose gerutscht. Die Kurskorrektur wäre dann vollstreckt.

 

 

 

 

Merkel und Seehofer – am Ende hilft die Biologie

„Wir haben wirklich alles versucht. Aber es ging nicht mehr.“ So äußern sich frisch getrennte Menschen, wenn sie ihren Bekannten davon erzählen, warum ihre Beziehung auseinander gegangen ist. Was aber würden Angela Merkel und Horst Seehofer sagen? Vielleicht das? „Wir haben uns beschimpft, beleidigt und verhöhnt. Aber wir können nicht ohne einander.“

Wer nun den Spruch „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“ aus seiner Zitatensammlung holt, liegt daneben. Es geht hier um die Welt der Politik. Und diese dreht sich nach anderen Regeln als ein normaler Planet. Es geht manchmal um die Sache, immer aber um die Macht. Was bedeutet, dass sich die angeblich befreundeten Akteure noch nicht einmal mögen müssen. Die Steigerungsformel „Feind – Todfeind – Parteifreund“ trifft in vielen Fällen zu. Bei unserem Traumpaaar der konservativen Politik sowieso.

Aber lässt sich dieses Zerwürfnis jemals kitten? Vermutlich nicht. Zwar hat Horst Seehofer gerade beteuert, dass er die Versöhnung mit Angela Merkel als „Chefsache“ betrachtet. Er will also auf Ilse Aigner als Paartherapeutin verzichten. Aber ganz ehrlich: Der CSU-Chef müsste schon ein ganz besonderer Mann sein, würde er sich nachhaltig um seine Beziehungskrise kümmern. Noch dazu mit dem Ziel, sich selbst zu ändern. Zumindest der private Seehofer hat sich auf diesem Feld bisher als Normalo erwiesen.

Und Angela Merkel? Sie wurde von ihrem bayerischen Freund auf offener Bühne abgekanzelt. Wobei das angesichts der tatsächlichen Bedeutung beider Personen so ist, als würde die Kapitänin eines Hochsee-Dampfers von einem Binnenschiffer degradiert. Sie muss das nicht akzeptieren.

Doch sie muss damit leben, dass er ihr erhalten bleibt. Die GroKo ist zur MiKo, zur mittelgroßen Koalition geschrumpft, weshalb die Kanzlerin nur darauf hoffen kann, dass ihre jetzige Koalition gerade so über die Ziellinie robbt und vier Jahre weitermachen darf.  Seehofer wäre nur noch als biologisches Problem vorhanden.

Es gibt Hoffnung. Doch schon jetzt fragt die Physikerin Merkel ihren Physik-Professor Sauer: „Schatz, kann man Zeitmaschinen wirklich nicht bauen?“

 

Fast null ESC-Punkte. Es hätte schlimmer kommen können

Unsere Erwartungen haben eine große Macht über unser Empfinden und über das, was letztlich passiert. Diese These wurde jetzt durch eine aktuelle Studie der Universität Würzburg untermauert. Womit wir beim Eurovision Song Contest wären.

Den fränkischen Forschern haben belegt, dass wir Schmerzen besser aushalten, wenn man uns vorher verspricht, dass wir nicht viel spüren werden. So ist das auch mit dem großen Liederwettbewerb. Wir gehen, ganz egal wer da singt, fest davon aus, dass sich Deutschland vor 200 Millionen Zuschauern einmal mehr blamieren wird. Anders als bei Ballsportarten reden wir nicht vom Sieg, sondern davon, ob es diesmal vielleicht nicht der letzte Platz sein müsste. Diese Bescheidenheit hilft. Die große Niederlage lässt Volk und Regierung ziemlich kalt.

Richtig so, denn Deutschland gilt, trotz Beethoven, Wagner und Bohlen, der Welt als Land der Dichter und Denker, nicht aber als Nation der Komponisten. Wir bauen wunderbare Autos mit ungewissen Abgaswerten, haben die besten Kettensägen konstruiert und sind bei zahllosen Produkten Marktführer.

Besoffene Geselligkeit ist eines unserer weiteren Haupt-Kompetenzfelder. Weshalb der aktuelle Beitrag wohl auch verwirrend war. Das Kleid der Sängerin Jamie Lee würde bei  Trinkfesten und Trachtenpartys als Polyester-Designer-Dirndl durchgehen. Aber ein Titel wie „Ghost“ und der abgedrehte Kopfschmuck hätten besser zu Island gepasst. Oder zu anderen mystischen Gegenden. Was den einzigen Jury-Punkt aus Georgien erklären kann.

Doch was mit der Politik? Damit, dass sich Europa und sogar Australien gegen Russland verschworen haben? Traf uns nicht ein viel schlimmeres Komplott? Sagen wir so: Wir müssten uns nicht wundern. Wir exportieren neben famosen Produkten auch Arbeitslosigkeit, indem wir uns durch jahrelange Mini-Lohnerhöhungen und Hartz-IV-Gesetze mit weitaus ärmeren Ländern konkurrenzfähig gemacht haben.

Ja, die Rache ist gelungen. Wenn auch nicht perfekt. Der ESC muss in Europa ausgetragen werden. Hätte nun Australien gewonnen, hätten die anderen gewiss auf uns brave Gebührenzahler gezeigt. Dem Vernehmen nach war München als Austragungsort schon ausgehandelt. Dann aber wäre der Song-Wettbewerb mit der 27. Meisterfeier des FC Bayern zusammengefallen.

Sicherheitstechnisch ein unlösbares Problem. Wir hatten somit Glück im Unglück. Ein Hoch auf die Krim-Tartaren.

 

 

Edel, hilfreich – Gutmensch

Diese Zeiten sind durchgeknallt. Da gibt es überall reichlich Bomben und Geschrei. Und dann werden diejenigen, die bedrängten Menschen helfen, auch noch beschimpft. „Gutmensch“ ist das Unwort des Jahres.  Trost ist selten – aber es gibt ihn.

Die Sprach-Jury hat zutreffend gewählt. Denn eigentlich dürfter unser Begriff keine Häme vermitteln. Er ist aus zwei positiven Worten zusammengesetzt (sofern man das beim Homo Sapiens so sehen mag) und beinhaltet erstrebenswerte Eigenschaften. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, ließ schon Goethe verlauten. Der große Dichter ging sogar so weit,  Texte unter dem Pseudonym „Gutmann“ zu veröffentlichen.

Woher also der Hass? Letztlich dürfte es ein psychologisches Phänomen sein. Die selbst ernannten Retter des Abendlandes wissen nur zu gut, dass dessen Leitreligion das Christentum ist. Dieses wiederum gibt seinen Gläubigen ein Mindestmaß an Barmherzigkeit vor. Auf Erden wird entschieden, wo man seine Ewigkeit verbringt. Auf der Wolke oder im Feuer.

Nun möchten auch Pegida-Leute in den Himmel. Daran arbeiten sie, indem sie sich den satanischen Botschaften der Lügenpresse mutig entgegenwerfen. Das mit der Nächstenliebe kriegen sie aber nicht so gut hin, weil ihnen dazu das Herz fehlt. Scheitern jedoch macht mürrisch und grantig auf jene, die zumindest neutestamentarisch betrachtet als Vorbilder gelten würden.

Also sagt man, dass es sich um naive, depperte Romantiker handelt, die für Dunkeldeutschland sorgen, da sie dauerhaft den Halbmond ins Land holen. Solche Leute gehören weggebrüllt.

Was ist der Trost? Die Schreihälse sind nicht die Mehrheit, sie sind bloß lauter. Beim Neujahrsempfang der Stadt Nürnberg gab es für die Rede des Oberbürgermeister immer dann spontanen Beifall, wenn er die Flüchtlingshelfer und alle anderen Menschen lobte, die ehren- oder hauptamtlich daran mitwirken, dass das Ankommen der Fremden in einer menschlichen Atmosphäre geschieht.

Man sieht, die guten Reflexe funktionieren noch. Und seien wir ehrlich: Ein Schlechtmensch zu sein – das kann niemand wirklich wollen.

 

 

VW-Affäre: Auch Herbie hat gestunken

Wer erinnert sich noch an Herbie? An diese sympathische Variante von „Das Auto“? Ein Volkswagen mit Startnummer 53, der seine Besitzer in Kinofilmen ab Ende der 60-er Jahre mit turbulenten Aktionen durch die Gegend kutschierte. Er bot autonomes Fahren mit Knuddelfaktor. Der Käfer war der Mops unter den Autos. Nicht sportlich, sondern ziemlich rund und nicht so wirklich praktisch. Aber treu, nett und lustig. Der ideale Begleiter für die Überquerung der Großglockner-Hochalpenstraße.

Bloß, mit einem solchen Modell war die Zukunft nicht zu gewinnen. Mit dem Golf ging es in die Richtung „nicht schön, aber praktisch“. Weniger Emotion, mehr Verstand, lautete die Devise. Und weil das zum Zeitgeist passte, wurde dieses Modell zur Gewinnmaschine. Das machte es möglich, dass man heute bei einem Autohändler, der früher bloß VW-Händler war, Fahrzeuge von acht Marken bekommst. Vom Kleinstwagen aus tschechischer Produktion, über die Ingolstädter Edel-Limousine bis hin zum Bugatti mit 1001 PS.

Aus diesem gewaltigen Rundum-Sortiment hat sich logisch der Anspruch ergeben, der größte und beste Autobauer der Welt zu sein. Derjenige, der zum Beispiel die von Staaten vorgegebenen Abgas-Grenzen am lockersten einhält.

Wir Konsumenten haben all das gerne geglaubt. Ein VW war Baldrian für’s Umwelt-Gewissen. Wir waren sicher, dass bei einem deutschen Qualitäts-Diesel-Auto schon wegen des geringen Verbrauchs hinten kaum was rauskommt. Stickstoffdioxid im Diesel-Abgas? Erhöhte Lungenkrebsrate entlang unserer Hauptverkehrsstraßen? Nie gehört. Mega-Smog in Peking? Kommt von den offenen Wok-Küchen ohne Dunstabzugshauben.

Verabschieden wird uns doch von unserer Illusion. Autos waren und sind nie so sauber, wie sie hochglanzpoliert auf der IAA stehen. Wirklichen Fortschritt wird es hier nur geben, wenn wir Konsumenten kritischer werden. Vergessen wir nicht: Auch Herbie hat gestunken.

Merkel zeigt: Politik ist kein Job für große Gefühle

Zu den größten Belastungen für menschliche Beziehungen zählt der so genannte Forderungsüberschuss. Man hofft, dass sich Partner oder Partnerin in jeder Situation gemäß der eigenen Ideale verhalten. Man erwartet, dass sie reges Interesse für all das zeigen, was einem selbst wichtig ist. Anders kommt es oft.  Wenn aber die Wunschvorstellung gar nicht klappt, ist die Enttäuschung riesengroß.

In eine solche Situation ist Angela Merkel hineingeraten. Ein weinendes Flüchtlings-Mädchen aus Rostock namens Reem hat sie aus der Fassung gebracht. Die Inszenierung einer Schülersprechstunde hat nicht nach Plan geklappt. Die Bundeskanzlerin streichelte das Mädchen unbeholfen – und wird nun der emotionalen Eiseskälte verdächtigt. Unter dem Hashtag #merkelstreichelt tobte im Internet rasch der Shitstorm. Ist Angela Merkel also böse?

Von Joschka Fischer stammt der Satz: „Das Amt verändert den Menschen mehr als der Mensch das Amt.“ Das gilt nicht nur für Spitzenpolitiker, das gilt bis hin zum ehrenamtlichen Vereinsvorstand. Wer zeit- und arbeitsintensive Aufgaben übernimmt, wird nur selten den offenen und freundlichen Blick für seine Umgebung bewahren können. Wer selbst Teil des Programms ist, wer die Erwartungen des Publikums/der Kundschaft kennt, wird seine Rolle spielen. Je höher das Amt, desto kälter wird es. Selbst der Papst hat nicht immer gute Laune.

Also sollten wir nicht zu anspruchsvoll sein. Wer von Politikern spontane – und glaubwürdige – Empathie verlangt, fordert Übermenschliches. Echte Gefühle sind in diesem Geschäft die ganz große Ausnahme.

Immerhin: Ein gewisser Dirk W. Eilert, Berufsbezeichnung Gesichterleser, erklärte zur Begegnung von Reem und Kanzlerin: „Merkel neigt den Kopf leicht zur Seite, die Augenbrauen-Innenseiten zieht sie hoch. Dies ist der kulturübergreifende Gesichtsausdruck für Mitgefühl und zeigt, dass sie entgegen der Meinung der meisten Menschen in den sozialen Medien nonverbal empathisch reagiert hat.“

Ist doch schön. Und die Umfragewerte für die CDU sind über’s Wochenende auch gestiegen.

Zum Abendbrot bei Dschihadistens

Niemand sollte behaupten, dass er in seinem Leben niemals richtig blöd gewesen wäre. Die uns Menschen gegebene Spanne von klug und edel bis zu saudumm und böse hat ab einem gewissen Alter jeder irgendwann mal ausgelotet. Wir sollten also tolerant sein. Doch gelegentlich stößt man an Grenzen.

Wie aktuell berichtet wird, steigt die Zahl junger Frauen, die in die Kampfgebiete Syriens fahren, um dort einen Kämpfer des Islamischen Staats zu heiraten. Das wirft Fragen auf: So kommt man ins Grübeln darüber, ob unsere Art zu leben wirklich so sinnentleert und unattraktiv ist, wie es zu sein scheint. Die jungen Frauen können hier shoppen, Eis essen, sich mit Gleichaltrigen treffen oder an einem Weiher in aller Seelenruhe Enten füttern. Sie können einen Beruf lernen und Geld verdienen. Stattdessen wollen sie in die Wüste. Dorthin, wo täglich Bomben fallen.

Gut, auch Spätpubertät verwirrt enorm. Aber stellen diese IS-Bräute das Denken komplett ein? Sie könnten sich doch zum Beispiel fragen, was das für ein Paradies sein soll, wenn die sicherste Eintrittskarte massenhafter Mord ist? Winkt da ein himmlischer Schlachthof, in dem gebenedeite  Ex-Kämpfer im Beisein ihrer Familien Ungläubige von der Wolke schießen dürfen?

Was beglückt junge Frauen an der Vorstellung, dass sie durch das gebärfreudige Ertragen auch der fahrlässigsten Penetration wenigstens zur Erstfrau und somit zum Menschen zweiter Klasse werden können? Wie muss man sich die Abendbrot-Gespräche bei Dschihadistens vorstellen?

So etwa? „Schatz, wie war dein Tag?“ „Ach normal. Fünf Ungläubige erschossen, drei enthauptet. Passt schon.“ „Ach, ich bin ja so stolz auf dich!“. „Schön, so lass‘ uns dem Kalifen ein Kind zeugen.“ Und wenn der Kleine im Vorschulalter ist, schicken die Freunde ein Bobbycar. Daran kleben die Eltern Spielzeug-Dynamitstangen und Papa sagt: „So, mein Sohn, so wirst du später auf den Marktplatz fahren.“

Wenn man sich diesen Irrsinn zusammendenkt, erkennt man, dass man in eine Situation geraten ist, in der allenfalls eine sofortige Urschrei-Therapie noch hilft. Vielleicht. Wahrscheinlich aber nicht mal das.

Man kann sich ausmalen, wo der Hass herkommt. Aber wie kann er so groß sein? Darf man zugeben, dass man ratlos ist? Ja. Denn es gelingt mir nicht anders.

Supermärkte: Die Quengelzonen unserer Fettzellen

„Denk‘ ich ans Wiegen in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht.“ Vielleicht, nein wahrscheinlich würde der große Heinrich Heine so dichten, wenn er in diesen Zeiten einer von uns wäre. Denn tatsächlich: Deutschland ansich interessiert uns weniger stark als unsere falsch positionierten Pölsterchen oder Polster. Jedoch, gibt es ein Entrinnen? Theoretisch unbedingt, in der Praxis kaum. Denn wer kauft nie im Supermarkt?

Unser Glaube an die Theorie des Schlankwerdens spiegelt sich in der Vielzahl von mehr oder weniger qualvollen Diäten. Die Liste reicht von A wie Atkins- und Ayurveda-Diät über G wie Gylx-Diät und M wie Mittelmeer-Diät bis hin zu W wie Weight-Watchers- und X wie xx-well-Diät. All diesen Konzepten ist gemeinsam, dass man auf etwas Falsches verzichten soll. Das gelingt in Einzelfällen durchaus. Allzu oft jedoch ist der Jo-Jo-Effekt treuer  Begleiter von Abschmelz-Aktionen.

Vielleicht haben wir die ultimative Strategie bloß noch nicht erkannt: die Tante-Emma-Diät. Was sich aber ändern könnte. Forscher der Göttinger Georg-August-Universität wollen nämlich herausgefunden haben, dass das Einkaufen im Supermarkt dick macht. Die Wissenschaftler haben sich bei ihrer Studie in Kenia umgeschaut. Dort, wie auch in Schwellenländern Asiens, sind traditionelle kleine Lebensmittelläden auf dem Rückzug. Sie werden – wir haben das auch erlebt – durch Supermärkte ersetzt. Und es zeigte sich: In Städten mit einer vergleichsweise großen Zahl von Einkaufszentren gibt es nachweislich mehr dicke Menschen.

„Kalorien sind im Supermarkt billiger als in traditionellen Geschäften“,  lautet eine Begründung der Göttinger Ernährungsforscher. Und wenn wir ehrlich sind, stimmt es doch.

Löst unsere Fleischereifachverkäuferin mit der Frage „Darf’s a bissl mehr sein?“ einen sanften Völlerei-Alarm aus, so hauchen uns die Produkte in den Auslagen der Einkaufszentren ein vielstimmiges „Nimm mich!“ zu.  Während innere Stimmen gleichzeitig „Greif zu!“ rufen.

Natürlich werden wir schwach. Die Supermärkte sind die Quengelzonen unserer Fettzellen. Woanders kaufen wäre ein Weg. Alsdenn: Denk ich an Lidl in der Nacht…

Auch am Herd lauert die Depression

Die Widersprüchlichkeit ist fester Bestandteil der menschlichen Existenz. Sie zeigt sich in vielfältigen Schatteriungen und Erscheinungsformen. Sogar am heimischen Herd. Man sieht uns dort seltener als man denken sollte. Wir sind annähernd Anti-Weltmeister.

Gibt es nichts Wichtigeres als das Kochen? Sicher, in diesen Tagen könnte man sich auch anders über unser Thema auslassen. Zum Beispiel mit Blick auf diejenigen Menschen, die stolz von ihrem Burn-Out als Beleg ihrer besonderen Leistungsbereitschaft erzählen. Die aber zugleich sicher sind, dass Depression unheilbar ist, weshalb ein solches Leiden zur Verbannung aus dem Berufsleben führen müsste.

Aber lassen wir das. Das Nürnberger Meinungsforschungsinstitut GfK will herausgefunden haben, dass durchschnittliche Deutsche nur knapp fünfeinhalb Stunden am Herd stehen. Pro Woche! Dabei seien notorische Nichtkocher schon herausgerechnet.

Das wundert uns. Denn im Fernsehen laufen jede Menge Kochshows. Nicht, dass es diese anderswo nicht auch gäbe. Im arabischen Raum etwa genießt der TV-Koch von Dubai einen vorzüglichen Ruf. Doch wenn man sich denkt, auf wie vielen Kanälen es bei uns gart, brutzelt oder zischt, müsste mehr passieren. Schließlich darf das Verbreiten von Wissen als Sinn kulinarischer Telekollege gelten. Und es werden Monat für Monat so viele Rezepte verbreitet, dass es jeweils für ein halbes Menschenleben reichen würde.

Mit Hingabe gekocht wird anderswo. Ukrainer und Inder arbeiten laut Studie 13 Stunden pro Woche am Essen gearbeitet. Die größte Leidenschaft für’s Kochen äußern Italiener und Südafrikaner. 43 und 42 Prozent der in diesen Ländern haben daven geredet, bei uns waren es nur 26 Prozent. Am ödesten sieht es in Sachen frische Kost in Südkorea aus. In ostasiatischen Tigerstaaten ist das Leben eben komplett dem Bruttosozialprodukt gewidmet.

Was aber sagen uns unsere mäßigen Zahlen? Vielleicht hätte bei der Auswertung über die Kochdauer die Statistik über die Verbreitung von Induktions-Kochfeldern berücksichtigt werden sollen. Unsere Autos sind die Schnellsten, die Küchentechnik ist bestimmt besser als in Indien.

Wahrscheinlicher ist aber, dass wir Kochshows zuschauen, aber eigentlich nicht wissen, wovon die Leute reden. Wir haben eben keine Ahnung von der Sache. Was es, wenn man es genau betrachtet, bei ernsteren Themen auch geben soll…