Archiv der Kategorie ‘Gescheiterte Frauen’

März 30th, 2014

Das Rätsel der anderen Zeit

Na, auch so müde? Schon gestern beim Bäcker gab es an den Kaffeetischchen nur diese Fragen: Wird es jetzt früher hell oder später dunkel? Ist die Nacht länger? Was sagt die Katze, die ihr Fressen später bekommt? Oder kriegt sie es früher als sonst? Werden wir diese schwierige Situation gut überstehen? Richtig erkannt, es ging um die Sommerzeit.

Die alljährliche Zeitumstellung ist ein Rätsel. Wir haben uns mit so Vielem abgefunden: Damit, dass uns Angela Merkel bis 2025 regieren, dass nur noch Bayern München deutscher Meister werden und dass zwecks Klimawandel irgendwann die Welt untergehen wird. Aber bei der Sommerzeit ist das anders. Wir hadern und fragen, was in aller Welt das Ganze bringen soll.

Vielleicht ja, weil es bei diesem Thema Gewinner und Verlierer gibt. Wer im Frühtau zur Arbeit muss, grummelt darüber, dass es morgens wieder dunkel ist. Wer gerne nach Feierabend durch die Wälder joggt, freut sich darüber, dass er dabei die Wurzeln besser sieht. Eventuell wurmt es uns leistungsbereite Menschen nur, dass wir in einer Nacht Zeit verloren haben. Wenngleich nur eine Stunde.

Die Zeitumstellung überfordert uns aber auch ganz einfach. Nur wenige, vermutlich logisch Hochbegabte, können spontan erklären, wie sie sich auswirkt. Und das ist verständlich, denn Sommerzeit ist unlogisch. So hat Portugal die gleiche Uhrzeit wie England oder die Faröer-Inseln, obwohl in letzteren Gegenden die Sonne eine Stunde früher aufgeht. In Spanien wiederum ist die Zeit erst recht nach hinten verschoben. Daran sollten vor allem die bleichen deutschen Touristen denken, wenn sie in den Schatten flüchten. Nicht um 12 Uhr Ortszeit entgehen sie der stärksten Sonneneinstrahlung, sondern gegen 14 Uhr. Oder ist das eine Verschiebung nach vorne?

Geben wir auf. Sehen ir es positiv. Schön ist doch: Es ist gleich Mittag und wir haben nicht mal richtig Hunger. Nutzen wir die Chance. Starten wir eine Diät. Die neue Zeit macht es möglich.

 

 

 

März 18th, 2014

Energie gibt’s. Aber die Wende?

Da ich erstens fleißig und zweitens der Zukunft zugewandt bin, habe ich mich diese Woche in die Fortbildung gestürzt. Thema heute: Der Klimawandel als journalistische Herausforderung. Das ist er ohne jeden Zweifel. Schon deshalb, weil wir unsere weltberühmte Energiewende kaum hinbekommen dürften.

Man hofft ja, dass man sich nach einer Tagung anders fühlt als nach dem Konsum einer öffentlich-rechtlichen Talk-Show. Das ist nicht wirklich so. Zwar sind die Informationen fundierter, klüger, inhaltsschwerer. Man ist auch nicht durch Chips und Nüsschen abgelenkt. Aber am Ende bleibt – hier wie dort – dieses unbestimmte Gefühl, dass es vergebene Liebesmüh sein könnte, die Menschen im Detail zu informieren.

Ich habe gerlernt, dass sich Kohlendioxid-Moleküle in der Atmosphäre bewegen und deshalb Wärme auf die Erde zurückstrahlen. Das sei ein Hauptgrund für den Klimawandel. Dieses Wissen hilft mir kaum. Denn den meisten Leserinnen und Lesern wird das Thema an dieser Stelle zu kompliziert. Erst recht, wenn noch erklärt würde, ob ein Molkül-Hüpfen von links nach rechts schlechter ist als ein Molekül-Sprung von oben nach unten. Würde ich wiederum schreiben, dass der Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre aktuell bei 0,04 Prozent liegt, würden viele Leute sagen: “Und wegen diesem bisschen Dreck machen die so einen Aufstand. Deswegen schmilzt doch kein Nordpol.”

Weitere Auszüge aus meiner heutigen diffusen Informationswolke: Man wird sich in der EU nicht einig, weil die Polen auf Atomkraft setzen und die Briten für Fracking sind. Die Chinesen bauen die riesigsten Solaranlagen, kaufen aber immer mehr unserer Autos und verpesten damit die Atmosphäre. Wenn ein Wüstenbewohner einen Europäer auffordern würde, lediglich zehn Mal so viel Wasser zu verbrauchen wie er, würde der Europäer bestenfalls lachen. Die Weltklimakonferenz 2015 in Paris soll unbedingt ein Erfolg werden. Vertreter/-innen von 193 Staaten sehen aber die Dinge naturgemäß sehr unterschiedlich. Schwer zu beantworten ist die Frage, warum wir so fest daran glauben, dass ein Elektroauto Nullkommanull Abgas erzeugt. Und warum wir bei der Verzückung über den sauberen Energieträger Gas völlig ausblenden, dass auch dessen Förderung eine ziemliche Umwelt-Sauerei sein kann. Schließlich sind Parteien wie SPD und Linke eigentlich dem Fortschritt verpflichtet. Aber der Kohleabbau sichert die Arbeitsplätze der eigenen Klientel.

Was sagt uns das? Wir können es drehen und wenden wie wir wollen. Das Einzige, was wir zur Rettung der Welt beitragen können, ist Energiesparen. Das aber bedeutet Veränderung, das Investieren von oftmals nicht vorhandenem Geld und obendrein Verzicht. Vor drei Jahrzehnten hat man die Menschen dazu gebracht, es toll zu finden, wenn sie ihre Fischgräten und Milchtüten in der jeweils richtigen Tonne entsorgen. Wenn es um klimafreundliches Verhalten geht, werden die Glückshormone nicht ausgeschüttet. Irgendwie macht Energiesparen keinen Spaß. Den gilt es zu wecken. Sonst wird das nichts mehr mit einer lebenswerten Zukunft. Wahrscheinlich.

 

 

 

Dezember 2nd, 2013

Große Männer und die böse blonde Frau

Unfassbar, diese impertinente Person! So hätte man früher über die Fernsehjournalistin Marietta Slomka geschimpft. Unternahm sie doch den Versuch, den kommenden Vizekanzler Sigmar Gabriel am Nasenring durchs öffentlich-rechtliche Fernsehen zu führen. Mit der Frage, ob der von ihm ausgerufene SPD-Mitgliederentscheid zur Großen Koalition ein, pointiert ausgedrückt, Anschlag auf die Verfassung sei.

Stimmt schon, die Fragestellung war abseitig. Aber das erklärt nicht die irre Aufregung um das ZDF-Interview. Ich meine, es steckt mehr dahinter. Nämlich die Angst der großen Männer vor der bösen Frau.

Es hätte sich doch niemand aufgeregt, wenn ein Siegmund Gottlieb den SPD-Chef mit den identischen Fragen gemartert hätte. Man hätte “Typisch für die schwarze Föhnwelle” gesagt und das Interview abgehakt. Aber eine Frau mit stahlblauen Augen, die einen angehenden Groß-Staatenlenker vorführt? Das geht nicht. Da hebt selbst CSU-Chef Horst Seehofer schützend die bayerische Pranke über den Konkurrenten von der Magenta-Fraktion. Politiker dürften nicht wie Schulbuben dastehen, zürnt er. Wobei er sich den Hinweis, dass die oder der Slomka in Bayern fürderhin ausschließlich als Verlierer in der Arroganz-Arena gern gesehen sei, erstaunlicherweise verkniffen hat.

Die Angst funktioniert frei nach Sokrates, der seinerzeit erklärte: “Eine Frau, gleichgestellt, wird überlegen.” Und das gilt es zu vermeiden. Also ruhig mal einschüchtern, die Dame.

Und bei alldem wird übersehen, dass etwas anderes lebhafte Ablehnung verdient, nämlich komplett inhaltsleere, langweilige Interviews. Sie wissen, um wen es geht? Mag sein. Aber diese Frau M. hat ihren Sokrates längst hinter sich. Sie ist überlegen. An sie traut sich kein noch so großer Mann heran.

November 14th, 2013

Große Koalition ist großer Krampf

Hollerplotz, sie haben es gemerkt! Kurz vor Toresschluss ist bis an die SPD-Spitze durchgedrungen, dass es eine Alternative zur Großen Koalition gibt. Und zwar gemeinsam mit den Bösen, den Linken. Aber werden sie sich trauen?

“Opposition ist Mist”, meinte einst der Meister des Verbal-Twitterns, Franz Müntefering. Stimmt zwar, aber Große Koalition ist es auch. Wenn die Diskussion unter den großen demokratischen Parteien zwecks gemeinsamen Regierens entfällt, hilft das vor allem seltsamen Gestalten an den Rändern. Eine AfD etwa wird für ihre europafeindlichen Thesen noch mehr Gehör finden.

Die Große Koalition ist zudem die ideale Plattform für Merkel’sche Alternativlosigkeit. Über noch weniger Themen als bisher wird diskutiert oder gar gestritten werden. Man braucht sich schließlich, im Bund und in den Ländern. Schon die Koalitionsverhandlungen zeigen doch, was uns erwartet. Weitgehend ergebnisloses Gerede mit einer Chefin, die sich fein diskret im Hintergrund hält, so dass am Ende nur diejenigen dumm aussehen, die überhaupt etwas gesagt oder versprochen haben. Es gilt die Mikado-Politik: Wer sich bewegt, hat verloren.

Es muss doch inzwischen selbst dem ministeramts-strebsamsten Sozialdemokraten klar geworden sein, dass es die Kanzlerin blendend versteht, nichts zu sagen oder zu tun, aber den Verdruss darüber an sich vorbeirauschen zu lassen.

Alsdenn, liebe SPD: Macht den Krampf nicht mit. Wenn Euch Rot-Rot-Grün zu heikel ist, dann lasst die Union regieren und stimmt von Fall zu Fall zu. Oder eben nicht. Ansonsten wird es in Zukunft heißen: Herzlichen Glückwunsch, zu etwas mehr als zwanzig Prozent.

 

 

November 4th, 2013

Gleichberechtigung heißt geteiltes Leid

Wir sind gescheitert. Wenigstens so ziemlich. Seit vielen Jahrzehnten bemühen sich kämpferische Frauen und wohlmeinende Männer um die Chancengleichheit der Geschlechter. Und? Sind wir alle glücklicher geworden? Nicht unbedingt.

Schauen wir auf die Frauen. Nach einer neuen Studie der Techniker Krankenkasse klagen immer mehr von ihnen über wachsenden Stress. Vor allem die Altersgruppe von Mitte 30 bis Mitte 40 sei davon betroffen. Das ist nachvollziehbar, denn der Druck auf diese Menschen nimmt zu. Frauen dieses Alters sollen Karriere machen, eine liebevolle Mutter und unbedingt sexy sein. Kochen sollen sie auch können – und bügeln. Der Überschuss an Forderungen ist eindeutig.

Und die Nachfahren Adams? Zum Weltmännertag am 3. November hatte die “Bild am Sonntag” die glorreiche Idee, das Thema “Männer-Mobbing” auf die Titelseite zu stellen. Immer mehr Kerle bekämen Probleme, weil sie so sind, wie sie zwecks Evolution sein müssten. Auch nicht verkehrt. Denn in der globalisierten Arbeitswelt schwindet die Akzeptanz dafür, dass jemand mit komplett von Gedanken entleertem Kopf in die Prärie schaut. Es darf aber auch angenommen werden, dass immer weniger junge Frauen Verständnis dafür haben, dass ihr Freund an jedem Wochenende vier Stunden mit dem Nachbau einer bolivianischen Anden-Eisenbahn verbringt. Früher war ein solches Hobby normal.

Nun ist es die gewisse Tragik des Weltmännertages, dass er von einem umstrittenen Menschen erfunden wurde. Michail Gorbatschow war bei uns als Russe ähnlich beliebt wie zeitweise Barack Obama. Aus Sicht seines Nach-Nachfolgers Waldimir Putin ist er freilich  das größte Weichei in der Geschichte des russischen Riesenreichs. Und tatsächlich geht es ihm mehr um die gesunde Prostata als um gesellschaftliche Umwälzungen.

Was aber läuft grundlegend schief in Sachen Gleichberechtigung? Wahrscheinlich, dass versucht wird, beiden Geschlechtern exakt die gleichen Lasten aufzubürden. Ist der Mann erfolgreich, weil er Überstunden macht, muss auch die Frau später nach Hause gehen. Beide besetzen also mehr als 2,0 Planstellen. Richtig wäre es, das Alltagsleid zu teilen. Also tagsüber Job-Sharing, der Rest des Lebens wird gemeinsam gestaltet.

Fragt sich bloß, wem in diesem Billiglohnland dann noch das Geld reicht. Es bleibt kompliziert. Auch nach dem Weltmännertag 2013.

September 14th, 2013

Mit Stinkefinger und Valium-Drohne

Stinkefinger? So geht's richtig.

Stinkefinger? So geht's richtig. Foto: Wikipedia

Dauernd frage ich mich in den aktuellen Wahlkämpfen: Geht’s noch dümmer? Es gäbe wirklich einiges Wichtiges zu debattieren. Doch worüber diskutieren wir? Über den Stinkefinger von Peer Steinbrück.

Hosianna! Wenn es wirklich möglich ist, dass ein ungewöhnliches Magazin-Foto eines Spitzenpolitikers die gesamte Republik als herausragendes Thema bewegt, dann habe ich hierfür zwei Erklärungen: Entweder sind wir mit richtiger Politik überfordert und lassen uns deshalb gerne von der Bild-Zeitung mit trivalem Mist zutexten (woraufhin die anderen Medien zuverlässig folgen). Oder es ist eine im Auftrag der Kanzlerin ausgesprühte Valium-Wolke über’s Land gezogen, so dass wir dem unvermeidlichen Wahltag halb ohnmächtig entgegen dämmern. Wer weiß es schon. Vielleicht testen unsere Rüstungskonzerne gerade neuartige Ritalin-Drohnen, welche dafür sorgen, dass auch erfolglose Regierende bis hin zum Despoten als nett und vertrauenswürdig wahrgenommen werden.

Peer Steinbrück hat sein Foto, das kurioserweise ausgerechnet  die Behelfs-Kabarettisten von der FDP geschmacklos finden, in den Umfragen nicht geschadet. Vielleicht schlägt Angela Merkel ja zurück. Indem sie einen Putzfrauen-Kittel anzieht und dem Mindestlohn den Vogel zeigt.

Was  den Konkurrenten zur Höchst-Provokation veranlassen würde, indem er auf seinem finalen Plakat genussvoll in der Nase bohrt. Das würde ihn vermutlich ruinieren – wenngleich er mit 96 Prozent der autofahrenden Männer auf einer Linie läge.

Warten wir einfach ab. Das wahre Wort zum Thema kommt indes aus dem Senegal. Dort sagt ein Sprichwort dieses: “Ohne die Finger wäre die Hand ein Löffel.” Das sollten wir nie vergessen.

September 8th, 2013

Angela Merkels größte Wahlkampflüge…

“Deutschland geht es so gut wie lange nicht.” Mag sein, dass Angela Merkel  diesen Satz in den vergangenen Wochen so oft gesagt hat, dass sie ihn inzwischen selbst glaubt. Aber es hilft nichts: Diese Behauptung der Kanzlerin ist ihre größte Wahlkampf-Lüge überhaupt.

Das hat gerade der zweite „World Happiness Report” der Vereinten Nationen aufgedeckt. In dieser weltweiten Glücks-Studie, die an der Columbia University in den USA erstellt wird, rangiert unser Musterland auf Platz 26. Deutschland auf Rang 26???? Das akzeptieren wir zähneknirschend im Vergleich der Geburtenraten oder beim Eurovision Song Contest. Aber sonst? Leute, wir haben die mächtigste Frau der Welt, den klügsten Wirtschaftsminister auf diesem Erdball, wir bauen die besten Autos, spielen den kreativsten Fußball und sind Weltmarktführer bei schätzungsweise 33.000 Produkten. Aber glücklich, das sind wir nicht!?

Auf den ersten drei Plätzen der aktuellen Rangliste liegen Dänemark, Norwegen und die Schweiz. Und das ist doch verrückt. In diesen drei Ländern ist das Leben unheimlich teuer, zumindest in Dänemark sind die Steuern viel höher als bei uns. Während bei uns ein “Sale” den nächsten jagt, während bei uns der Preis für Schweineschnitzel so gut wir lange nicht ist, legen unsere Nachbarn lässig einen Geldschein drauf und grinsen noch dabei. Auch Norwegen und die Schweiz sind – für uns – als Urlaubsziele kaum noch denkbar.

Niedrigpreise machen also nicht nicht glücklich. Aldi und Lidl sind keine Tempel der Endorphine.

Und wer uns sonst noch überholt hat. Die Iren, die von der Finanzkrise wirklich heftigst gebeutelt worden sind, landeten auf Platz 10. Wir schuften für Europa, aber diese Grün-Insulaner drehen uns eine lange Nase und spülen den Euro-Stress mit ein paar Guiness hinunter. Besser als bei uns ist das Lebensgefühl selbst in Spanien und in Mexico, obwohl dort alle paar Minuten ein Mensch auf offener Straße erschossen wird. Der Frauenunterdrückerstaat Saudi-Arabien weist gleichfalls bessere Glücks-Werte auf, weshalb wir froh sein müssen, dass wenigstens die asiatische Diktatur Turkmenistan auf Platz 28 gelandet ist.

So weit haben uns Schwarz-Gelb also tatsächlich gebracht. Wir haben gelernt, das es Deutschland schlecht geht. Wenigstens mental. Aber gibt es etwas, das uns hilft? Ich sage Ja – und gebe einen Tipp: Es ist ein Kreuz…

(Falls jemand die Studie überprüfen möchte. Hier geht’s lang: http://issuu.com/earthinstitute/docs/world-happiness-report )

Mai 20th, 2013

Eurovision Song Contest: Der Zeitgeist ist barfuß

Ist es denn die Möglichkeit? Der deutsche Beitrag belegt beim “Eurovision Song Contest” wieder mal einen richtig schlechten Platz. Und schon heißt es wieder “Bääääähhh, keiner mag uns.” Oder es wird gemutmaßt, die Sängerin von “Cascada” sei als Angela Merkels Stellvertreterin auf Showbühnen bewertet und mit “zero points” von fast überall abgestraft worden. Ach bitte: Jetzt tut das doch nicht hochsterilisieren, wie ein großer Fußballer mal gesagt hat.

Man muss Folgendes anerkennen: Das Lied “Glorious” war Mist. Es wurde letztlich ausgewählt von einer öffentlich-rechtlich bestellten Fachjury, wie sie schon manches Desaster bewirkt hat. Hinzu kommt, dass das Thema “Blondinen in superkurzen Kleidchen” bei Weißrussland erheblich besser aufgehoben war. Zumal es rätselhaft bleibt, warum sich eine Frau für einen Auftritt vor einem hundertfachen Millionenpublikum ein Stück vom Küchenvorhang an den Po tackert. Sah nicht gut aus, wirklich nicht.

Der früher gerne beschworene Ostblockeffekt war es aber nicht. Zwar schnitt ein Schnulzensänger aus einer Diktatur mit Platz zwei ab, obwohl er sich singend auf ein Gefängnis aus Plexiglas stellte. Aber Dänemark ist nicht Aserbaidschan. Sein Sieg zeigt vielmehr, dass der Zeitgeist nicht glitzert, sondern barfuß und ungekämmt daherkommt. Das zeigte sich auch beim Lied der Niederlande. Da fielen im Text Vögel von den Dächern. Was man sich normalerweise nur wünscht, wenn Tauben mit Dünnpfiff am eigenen Haus nisten. Das zweite große Thema war, der Krise die Stirn zu bieten. Wenn Griechen in Hockeydamen-Röcken “Alkohol ist kostenlos” singen, dann ist das genial trotzig. Seht her, uns geht’s beschissen. Aber wir haben mehr Spaß als Ihr mit Eurer Mutti Merkel.

Warum ein rumänischer Dracula mit Kastratenstimme vier Mal so viele Punkte wie “Cascada” bekommen hat, muss man nicht verstehen. Vielleicht wegen der indirekten, marktwirtschaftlichen Botschaft: Zubeißen ist besser als jaulen. Und dieser seltsame Kinderarzt aus Malta…

Was soll’s: Nehmen wir den 21. Platz doch als gutes Signal für den gesamten Kontinent. Deutschland ist doch nicht unbesiegbar, es kann auch mal richtig eine aufs Dach kriegen. Lassen wir den anderen doch die Freude. Und wem dazu die innere Größe fehlt, weiß immerhin noch eines: Die Wahrheit ist auf’m Platz. Demnächst in Wembley.

Mai 7th, 2013

Was macht die Gsell, wie geht’s der Pauli?

Zu den allseits beliebten journalistischen Produkten zählt die Rubrik “Was macht eigentlich…..?”. Man erinnert damit an berühmte Menschen, die in Vergessenheit geraten sind. Man schreibt zum Beispiel darüber, dass der große Kriegstreiber Georg W. Bush heute Bilder von Hundebabys malt. Aber bleiben wir in Franken, und fragen: Was machen zwei große Heldinnen dieses Blogs, nämlich Tatjana Gsell und Gabriele Pauli?

Als ich kürzlich an Tatjana Gsell gedacht habe, war das vermutlich eine Vorahnung. Denn tatsächlich: Sie ist wieder da. Die einstmals teuerste Frau der Welt hat eine Hauptrolle in der quotenstarken RTL2-Serie “Promi-Frauentausch” bekommen. Sie präsentiert sich dort, wie es heißt, dank einer konsequenten Champagner-Botox-Diät völlig faltenfrei und mit einer Oberweite, die nach den Gesetzen der Schwerkraft den aufrechten Gang unmöglich macht. Aber gut, auch Hummeln können fliegen. Wie das Fernsehpublikum mittlerweile erfahren hat, lebt die berühmte Witwe heute mit zwei Männern in London. Wobei einer von beiden deutlich jünger ist und in der Wohnung Waschbären und Leguane hält. Das alles klingt nach ganz großem Drama.

Bei Gabriele Pauli ist die Sache anders gelagert. Sie hat, erstens, gerade den Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, erfolgreich auf eine persönliche Wahlkampfkostenerstattung von 4600 € verklagt. Sie hat, zweitens, ein Buch geschrieben. Es soll im Sommer 2013 erscheinen und neben autobiographischen Inhalten auch Vorschläge für eine moderne Politik enthalten.

Wir sollten es lesen. Klar, es stimmt, dass Gabriele Pauli nach ihrer nahezu im Alleingang betriebenen Demontage des Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zeitweise allzu stark in die Welt der Modestrecken und der spirituellen Grenzerfahrungen abgedriftet ist. Die vormals schöne Landrätin wurde deshalb irgendwann als absurde Politikerin wahrgenommen.

Aber kann man es ihr verdenken? Sie hat sich ja mit dem am besten funktionierenden politischen Beziehungssystem überhaupt angelegt. Wenn man bloß überlegt, wie erfolglos sich die komplette Opposition in Bayern an der CSU abarbeitet, war doch klar, dass die Rache der Staatspartei fürchterlich sein würde. Zumal sich die feigeren (oder klügeren?) Mitstreiter nach dem Putsch eiligst in die Büsche geschlagen hatten. Der alte Edmund Stoiber wurde parteiintern rehablitiert. Er ist sogar als künftiger Präsident des FC Bayern München im Gespräch. Eine Funktion, die im Lederhosen-und-Laptop-System als papstgleich gelten darf.

Fassen wir zusammen, kommen wir zum Fazit. Wie in der “Zeit” zu lesen war, ist in unserer Gesellschaft der Platz von Uli Hoeneß für eine frühere Heldin frei geworden. Klare Wahl: Vergeben wir ihn an Gabriele Pauli. Vielleicht hilft es irgendwann doch noch was.

Februar 10th, 2013

Der große Trend: Anonym killt gut

Es ist ein uralter Menschheitstraum: Die Idee, zumindest zeitweise unsichtbar zu sein, um andere Menschen ungestört beobachten oder aber gefahrlos erledigen zu können. Für Nibelungen-Siegfried gab es eine welt-exklusive Tarnkappe bei Giftzwerg Alberich. Heute ist diese Vision für viele Menschen wahr geworden. Dank Computertechnik liegt anonymes Attackieren voll im Trend.

Das prominenteste Opfer dieser Tage ist die bisherige Hochschulministerin Annette Schavan. Der offenbar richtige Vorwurf, sie habe beim Schreiben ihrer Doktorarbeit allzu großzügig abgekupfert, ist anonym aus dem Internet aufgetaucht. Ab diesem Moment hatte die Ministerin kaum noch eine Chance. Den Mitteilungen geheimer Ermittler wird gerne geglaubt. Selbst von Menschen, die das weltweite Netz ansonsten als Tummelplatz für Betrüger und andere Gauner ansehen.

Früher hätten sich Medien geweigert, Geschichten zu veröffentlichen, die auf unbekannten, nicht überprüfbaren Quellen beruhen. Zumal von Menschen, die nicht unmittelbar betroffen sind und somit getrost zusehen können, wie ihre Giftpfeile wirken. Man kann darüber streiten, ob die anonymen Attacken gegen sie verdienstvoll oder feige waren. Aber letztlich geht es in diesem Fall nur um eine einzelne Person.

Anlass zur Empörung haben unsere Regierungs-Politiker/-innen jedenfalls nicht. Setzen sie doch selbst auf den virtuellen Hinterhalt, wenn sie sich daran machen, für die Bundeswehr unbemannte Drohnen anzuschaffen. Also fliegende Tötungsmaschinen, die von Menschen gesteuert werden, die irgendwo auf der Welt vor Computer-Bildschirmen sitzen. Menschen, die mit dem von ihnen ausgelösten Sterben genauso wenig zu tun haben, wie der Teenager, der auf seinem Laptop ein Vernichtungsspiel spielt. Sie arbeiten effizient, risiko- und gefühlsfrei. Eine überlegene Technik, die es leicht macht, Krieg zu führen.

Unterm Strich gibt es einen großen Trend: Das offene Visier ist von gestern. Erfolg hat, wer nicht erkannt wird, wer nichts zu befürchten hat. Es lebe die Tarnkappe!

Februar 6th, 2013

Wenn der Doktortitel zum Fluch wird…

Schlimm, schlimm: Annette Schavan, Forschungsministerin im Kabinett von Angela Merkel, darf ihren Doktortitel nicht mehr tragen. Dieses Ereignis wird an einer bedeutenden Säule unserer Gesellschaft rütteln. Doktortitel verlieren an Glanz. Sie entwickeln sich zum Fluch, tragen die Gefahr in sich, irgendwann im Leben zum Makel zu werden.

Früher platzten die Familienoberhäupter vor Stolz, wenn es Tochter oder Bub zum Doktor gebracht hatten. War es doch der Beweis, dass die eigenen Gene intelligenztechnisch in Ordnung waren und dass die Erziehung des Kindes im Großen und Ganzen in Ordnung war. Ein “Dr.” im Pass war etwas Seltenes, etwas wirklich Vorzeigbares. Heute aber herrscht Inflation, werden in Deutschland pro Jahr 25.000 Doktorarbeiten eingereicht. Wobei das oft zwanghaft geschieht. So ist vielen Geisteswissenschaftlern bewusst, dass sie ohne akademischen Grad beruflich nur schwer über das Herumschubsen von Einkaufswagen hinauskommen. Andererseits gibt es Familien, in denen der Doktortitel zum guten Ton, gewissermaßen zur Grundausstattung der Abkömmlinge gehören. Ein gewisser Karl Theodor zu Guttenberg fällt in diese Kategorie.

Während man bei diesem stets perfekt lackierten Landbaron schnell daran geglaubt hat, dass er ein eitler Blender ist, ist uns das bei Frau Schavan sehr schwer gefallen. Sie sieht eben nicht so aus wie eine Frau, die sich fröhlich und kokett über Regeln hinwegsetzt. Nicht mal vor 33 Jahren, als sie ihr Werk mit übergroßer Hornbrille geschrieben hat. Annette Schavan wirkte auf uns wie der Prototyp der korrekten Pflichterfüllerin.

Aber kann sie jetzt Forschungsministerin bleiben? Grundsätzlich ja. In der Politik war es noch nie erforderlich, dass Menschen in Spitzenämtern eine nachgewiesene Vorbildung mitbringen. Schon mancher Minister hat lustig von heute auf morgen die Stühle gewechselt. Philipp Rösler etwa, der als Arzt zum Gesundheitsminister geworden war, wechselte aus persönlichen und politischen Gründen ins Wirtschaftsressort. Heute gilt er als Blinddarm der FDP. Markus Söder, bayerischer Finanzminister und erfolgreiches Marylin-Monroe-Double, schrieb seine Arbeit über das Thema “Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818″. Die schlechte Benotung spricht übrigens gegen ein Plagiat.

Nein, in der Politik ist es nicht notwendig Doktor zu sein. Dagegen spricht zum Beispiel der famose Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, der Doktor ist. Dagegen spricht aber auch Kristina Schröder, ihres Zeichen promovierte Soziologin. Muss sie als Politikerin wirklich sein? Wohl nicht. Ministertitel werden aber nicht von Universitäten aberkannt. Sondern von Angela Merkel oder von den Wählern. So lasst es bald geschehen.

Januar 15th, 2013

Schlecker-Frauen? Mein Unwort ist Zeitungssterben

Heute passiert es. Zumindest glauben alle dran. Eine neue Unterart der Spezies Mensch dürfte endgültig in die Geschichtsbücher eingetragen werden: die Schlecker-Frauen. Sie sind zumindest die heißen Favoritinnen für das Unwort des Jahres 2012. Ich hätte einen anderen Vorschlag.

Ja, “Schlecker-Frauen” hätte den Preis für den ärgerlichsten Begriff des Jahres 2012 verdient. Nicht so brutal wie das Vorjahres-Unwort Döner-Morde, aber ebenfalls menschenverachtend.

Suggeriert diese Bezeichnung doch, dass Frauen, sobald sie einige Jahre lang für einen schwäbischen Ausbeuter Deodorants und Zahnpasta verkauft haben, im Leben zu nichts anderem mehr fähig sind. Als würden sie, sobald sie die Welt der Weichspülerregale verlassen, orientierungslos durch ihr Dasein taumeln. Diese vermeintliche Ausweglosigkeit hat uns alle aufgewühlt. Erst recht, als sich unser beliebter Wirtschaftsminister Philipp Rösler an der Suche nach einer, wie er sagte, “Anschlussverwendung” beteiligen wollte. Viel hat er nicht erreicht, der große Verbündete erwerbsloser Frauen.

Ich hätte trotzdem einen anderen Vorschlag: Zeitungssterben. Ehrlich, ich kann diesen Begriff nicht mehr hören, lesen oder sonstwie ertragen. Und begegne ihm, als Journalist, doch immer wieder. Auch hier wirkt es so, als sei ein unerbittliches Schicksal am Werk. Als sei der Tod bei seinen Rundgängen im Blätterwald einem marderartigen Blutrausch erlegen. Als wäre der Zeitungs-Mann der wahre Geselle der Schlecker-Frau.

Liebe Leute, es mag ja sein, dass Zeitungen, weil die Werbung zurückgeht, in Zukunft dünner werden. Und trotzdem mehr kosten. Fest steht aber doch, dass es ohne guten Journalismus nicht geht. Auch dann noch, wenn Nachrichten oder Reportagen nicht mehr auf Papier gedruckt, sondern auf Tablet und PC gefunkt werden sollten. Seien wir also nicht so verzagt, machen wir Zeitungssterben zum Unwort und haken es ab.

Am Rande: Ich bin trotz alledem ein absoluter Fan des Raschelmediums. Warum? Das zeigt der kleine Film…

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Januar 2nd, 2013

Steinbrück, Thierse und “Das Gott”: Wir flehen um Gnade

Gnaaaadäää! Kann es denn wirklich sein? Krisen, wohin man schaut. Die halbe Welt fliegt uns um die Ohren. Doch unsere politischen Aufreger-Themen sind Pipifax der untersten Kategorie. Ich glaub’s nicht mehr.

Da gerät Peer Steinbrück – wieder mal – unter Beschuss, weil er zum falschen Zeitpunkt eine richtige Aussage macht. Nämlich, dass das Kanzlergehalt mit seinen 18.000 € monatlich im Vergleich zur Bezahlung anderer Führungskräfte zu gering sei. Das stimmt, wenn man sieht was mittelmäßige Bankdirektoren einstreichen. Von den Salären von Dax-Konzernchefs oder von Spitzen-Fußballern ganz zu schweigen. Und ist es nicht so, dass ein Bundeskanzler sowieso wie die Made im Speck lebt? Die Mordswohnung in Berlin ist umsonst, Essen und Trinken wird bei Sitzungen oder Empfängen ebenfalls gratis auf den Tisch gestellt.

Aber recht hat er trotzdem, der Kanzlerkandidat.

Noch eine Nummer blöder wird es angesichts der Empörung über eine Aussage von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Der Träger des talibaneskesten Vollbartes in unserem Parlament hat sich mächtig über das schamlose Auftreten integrationsunwilliger Schwaben in seinem Berliner Heimatbezirk Prenzlauer Berg aufgeregt. Es sei nicht gut, dass diese beim Bäcker Wecken statt Schrippen oder Pflaumendatschi statt Pflaumenkuchen bestellten, sagte Thierse, der eine schleichende Verspießerung seiner Weltstadt befürchtet.

Groß war die Aufregung, aber absolut doof war schließlich die Kritik an unser sagenhaft glücklosen Familienministerin Kristina Schröder. Sie hatte in einem Interview erklärt, dass man gegenüber einem Kind “Das Gott” anstelle von “Der Gott” sagen könne. Da zuckten sie gewaltig, die Blitze. Vor allem jene, die von den bibeltreuen Christen in der CSU ausgesandt wurden.

Und über all das diskutiert unsere Republik, als ob es auch nur ein bisschen mehr wäre, als ein Kleinstfurz im Weltgeschehen.

Wie das geht? Das ist allerdings klar. Was soll herauskommen in einem Land, in dem die Meinungsbildung maßgeblich von der “Bild”-Zeitung dominiert wird? Von einem Blatt, das uns dazu bringt, uns über Kleinigkeiten zu erregen, damit wir die wahren Schweinereien übersehen. Damit die Mächtigen, so weit es eben geht, in Ruhe regieren können.

Genau das gelingt. Und deshalb nochmal meine Bitte: Gnaaadäää!”

 

 

November 11th, 2012

Claudia Roth, Du armes Schwesterle

Also, das war echt gemein. Da haben alle Grünen ihre Spitzenkandidaten für den Bundestag wählen dürfen, und dann schubsen sie jene Frau aus dem Rennen, die ihnen das überhaupt ermöglicht hat. Claudia Roth darf nicht Spitzenkandidatin, also auch nicht Außenministerin werden. Es ist ein Jammer!

Wenn man diese Angelegenheit parteiintern betrachtet, handelt es sich um ein typisches Mutterschicksal. Claudia Roth hat den Laden als Vorsitzende gut zusammengehalten. Selbst in Krisensituationen konnte sie jovial und verständnisvoll sein. Und wie eine richtige Mama war sie ihren Schützlingen immer wieder mal peinlich. Und sei es nur aufgrund ihres Hangs zu schrillen optischen Dissonanzen bei Haarfarbe und  Kleidung.

Als Außenstehender muss man es auch als Verlust empfinden, wenn Claudia Roth noch hinter Kampfzwerg Renate Künast auf Platz vier der bedeutendsten Grünen unserer Tage gerückt wird. Als lustiger Talkshowgast ist sie immer eine Bereicherung. Legendär etwa war das öffentliche Outing ihrer Duzfreundschaft mit CSU-Spitzenmann Günther Beckstein in der ARD-Sonntagsabend-Runde. Auf ihre Art war und ist das authentische Pendant zu Rainer Brüderle bei der FDP. Also das grüne Schwesterle, sozusagen.

Wenn es nun mit der Spitzenkandidatur nicht geklappt hat, ist das aber nicht wirklich tragisch. Merkel-Bashing kann der grimmige Jürgen besser. Die Antwort auf die Frage wiederum, ob Gespräche mit einer Außenministerin Claudia Roth bei Taliban-Kriegern die Neigung zu Selbstmordattentaten verringern oder steigern würden, ist so klar wie unaussprechlich.

Also, Claudia: Das Leben geht weiter. Bleib uns bitte erhalten!

 

 

 

Oktober 12th, 2012

Wenn Stars ihre Spuren hinterlassen

Loddar, erzähl uns was.

Komm, Loddar, erzähl uns was.

Es ist ein elementares menschliches Bedürfnis: Wenn man dereinst in den Himmel abberufen wird, möchte man wenigstens sicher sein, dass man auf Erden bleibende Spuren hinterlassen hat. Dann hat sich das Leben gelohnt. Am besten, man schreibt es auf.  Das eigene Buch ist hoch modern.

Das zeigt sich zurzeit auf der Frankfurter Buchmesse. Das Dasein echter Stars, aber auch von Menschen, deren Lebensgeschichte unmöglich mehr als 50 Seiten füllen kann, gibt es gedruckt und gebunden für das edle Eichenholzregal. Wie etwa die Autobiographie von Bettina Wulff. Auf 224 Seiten berichtet eine wenig aufregende Frau über ihr Wirken an der Seite eines der langweiligsten Männer überhaupt. Was trotzdem für Platz 10 der Spiegel-Bestsellerliste reicht.

Da ist der fränkische Fußballgott  Lothar Matthäus ein ganz anderes Kaliber. Alleine die Statistiken über seine Profieinsätze in aller Welt würden Brockhaus-Format erreichen. Für seine Beziehungsprobleme gäb’s ein pralles Taschenbuch als Dreingabe. Sexuell unersättlich, jedoch ungerecht behandelt – diesen Lesestoff bietet uns Jörg Kachelmann. Der Mann, der zwischen Azorentief und Saharahoch als “Die Fliese” Frauen reihenweise geliebt hat. Auch Arnold Schwarzenegger hat viel zu erzählen. War/ist er doch die größte Muskelmasse der Menschheitsgeschichte, Regent von Kalifornien, Schänder des Hauspersonals und Terminierer des Bösen auch aus den fernsten Welten.

Das ist wahrer Schicksalsstoff. Ganz anders als die Autobiographie von Edmund Stoiber. Er liefert uns vielleicht die Gebrauchsanleitung für’s Technokratendasein, erinnert an das Kriechen vor Übervater Franz-Josef Strauß oder schildert uns den  Tag in seinem Leben, an dem er nicht einmal “Äääh” gesagt hat. Und er lässt uns erfahren, warum er seinen Sturz bis heute nicht begriffen hat.

Egal, für christsoziale Fundamentalisten ist auch er ein Held. Aber wer steht eigentlich auf Platz 1 der Sachbuch-Charts? Jawohl, ein Mann mit dem Autoschiebernamen Heinz Buschkowsky. Seine Botschaft lautet “Neukölln ist überall”. Oh nein, das kann doch wirklich keiner wollen. Bitte, liebe Stars jegleicher Kategorie: Schreibt, schreibt, schreibt. Damit wir auf andere Gedanken kommen.