Das Schweigen am Lagerfeuer

Genießen Sie auch diese Pause? Das Fernsehprogramm läuft, aber keine Talkshow in Sicht. Maybritt Illner, Anne Will, Sandra Maischberger – sie alle machen Urlaub. Wir sind entspannt.

Doch sie kommen wieder. Die großen Analytiker, Welterklärer und Selbstdarsteller. Die Politiker,  Professoren, Verbandsvertreter und Schauspieler, die letztlich eines eint: Sie haben zu Allem einen klugen Kommentar parat.

Wer aber sitzt am häufigsten am politischen Lagerfeuer? Statistiker haben nachgeforscht. Ihr Ergebnis: Unsere Queen of Talk ist Sahra Wagenknecht. Elf Mal war sie im Jahr 2017 bei „hart aber fair“ und ähnlichen Sendungen dabei. Das kann man verstehen. Wagenknecht hat ja nicht nur spezielle Ansichten, sondern auch den niedrigsten Haaransatz weit und breit. Ein bisschen Femme Fatale – das sendet sich gut.

Platz zwei teilen sich fünf notorische Plauderer. Da sind Kanzleramtschef und Aushilfs-Finanzminister Peter Altmaier und der aalglatte SPD-Politiker Thomas Oppermann. Dazu drei Art- und Wesensgleiche unterschiedlicher Parteien: Grünen-Chef Cem Özdemir, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen von der CDU sowie der Versenker von Jamaika, Christian Lindner.

Gerade Letzteren ist nichts fremd. Sie sind in der Lage, ohne erkennbare Denkpause über jedes beliebige Thema zu dozieren. Würden sie die Politik aufgeben, könnten sie auch als Juroren bei einer Tanz- oder Kochshow auftreten.

Und dann hätten wir noch unseren mutmaßlich neuen Ministerpräsidenten Markus Söder. Er hat gemeinsam mit FDP-Vize Wolfgang Kubicki je neun große Auftritte hinter sich. Und er bleibt, angesichts neuer Aufgaben, bestimmt am Ball.

Festzustellen ist jedenfalls, dass die Show-Redakteure*innen den Liberalen mehr Unterhaltungswert zutrauen als den Sozialdemokraten. Das ist auch so. Angesichts der bald beginnenden Koalitionsverhandlungen wird sich das Verhältnis aber in Richtung Nahles und Schulz verschieben.

Sie finden das alles super-langweilig? Weil es immer die gleichen Gesichter sind? Da sollten sie gelassen bleiben. Talkshows müssen auch öde sein. Denn das vermittelt Niveau. Und in Unterhaltungs-Shows ist es genauso. Immer diesselben Jauchs, Schönebergers oder Fischers.

Genießen wir also ein paar Tage Urlaub. Mit angemessener Vorfreude. Die alten Bekannten sind bald zurück. Das Leben kann weitergehen.