Polit-Rumpelfüßler trüben den WM-Genuss

Immer wieder behauptet die CSU, dass sie das einzig wahre Ankerzentrum in Sachen abend- und alpenländischer Leitkultur sei. Und dann führt sie mit riesigem Getöse einen Streit über die Asylpolitik und lässt dabei jeglichen Respekt vor dem eigentlich größten, aufregendsten und wichtigsten Ereignis dieser Tage vermissen: Sie lenkt ab von der Fußball-Weltmeisterschaft.

Bisher war die sportlich-politische Geschäftsordnung eindeutig. Während der Weltmeisterschaft hat alle Aufmerksamkeit dem Fußball zu gelten. Regierung und Parteien haben zu schweigen, allenfalls dürfen sie flüstern. Eine Absprache, die auch der Politik geholfen hat. Denn im Windschatten der WM konnten kontroverse Themen geräuschlos im Bundestag verabschiedet werden.

Doch es ist Wahlkampf in Bayern. Die CSU kriegt keine absolute Mehrhheit mehr. Also gelten bisherige Gewissheiten nicht mehr. Horst Seehofer hat dem Volk in erfolgreicher Kooperation mit der AfD und noch extremeren Faschisten dem Volk erfolgreich eingebläut, dass es nichts Wichtigeres gibt als Flüchtlinge und Asyl. Das Thema wird er nicht mehr los. Weshalb er mault und mault und mault und mault.

Dumm ist bloß, dass das Vorgehen der CSU so gar nicht zu den Ansprüchen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft passt. Es wirkt ja doch, als würden holzende Rumpelfüßler versuchen, mit der Brechstange zum Erfolg zu kommen. Wäre die absolute Mehrheit ein Tor, es würde versucht, den Ball zu bomben, zu hämmern, zu dreschen, zu nageln oder ins Netz zu zimmern.

Jogis Jungs hingegen zaubern, lupfen, chippen, schnippeln, schnuckeln, zwiebeln. Ja sie buttercremen das Leder ins Herz des Gegners.

Aber all das geht nur bei sozialen oder kulturellen Themen. Bei politischen Fragen, die mit Eleganz behandelt werden. Doch die Zeiten sind andere. Und so bleibt uns nur ein einziger Trost: Fußball-WM und bayerische Landtagswahl fallen erst im Jahr 2038 wieder zusammen. Erstmal müssen wir da durch.