Archiv der Kategorie ‘Das Leben der Stars’
Das große Finale für Angela Merkel
Am 1. Juni rollt es nochmal so richtig, das runde Leder. Auf zahllosen Sofas werden die Menschen verfolgen, ob der FC Bayern München Geschichte schreibt, indem er das Gleiche schafft wie die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg: In einer Saison Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal zu gewinnen. Doch nach dem Abpfiff ist definitiv Schluss mit lustig. Dann wird es ernst für Angela Merkel. Denn dann schlägt die Stunde der Politik.
Schon unpraktisch, wenn in einem unrunden Jahr wie 2013 gewählt wird. Keine glanzvolle Fußball-WM oder -EM, kein deutscher Dreifach-Triumph beim olympischen Kanufahren, kein Dressurreiten zu “Glorious”. Neue Superstars und Top-Models sind schon gefunden, nur ein paar Bauern suchen noch eine Frau. Die Menschen, die sich zuletzt vor lauter Fußball so gar nicht über versemmelte Drohnen-Millionen, über die schleichende Enteignung durch Mini-Zinsen oder über das ungebremste Morden in Syrien aufregen konnten, sind jetzt nicht mehr abgelenkt. Sie können sich voll auf die Leistungen der Politik konzentrieren. Und werden vielleicht feststellen: Ähem, da ist ja gar nichts.
Gut, die Bild-Zeitung wird sich alle Mühe geben, damit Angela Merkel weiterhin weitgehend verdeckt operieren kann. Es werden sich schon ein paar unglückliche Promis für eine Schmerzensgeschichte finden lassen. Mit dem heutigen Aufmacher über einen “Malerfürsten”, der bei Rot über die Ampel gegangen und der Polizei in die Arme gelaufen ist, wurde der Doofheits-Level schon mal nach unten ausgelotet. Weiterer Krampf wird folgen. Wenn es sein muss, täglich.
Wenn all das nichts hilft, wenn sich kein Promi-Paar in Scheidung und Rosenkrieg stürzt, heißt es: Ring frei! Zu einem bislang ungleichen Kampf, bei dem – um im Fußball zu bleiben – Angela Merkel wie Jogi Löw und Peer Steinbrück wie Werner Lorant gewirkt hat.
Aber das kann sich ändern. Denn Geschichte wird immer wieder neu geschrieben. Warum eigentlich bloß durch Bayern München?
Eurovision Song Contest: Der Zeitgeist ist barfuß
Ist es denn die Möglichkeit? Der deutsche Beitrag belegt beim “Eurovision Song Contest” wieder mal einen richtig schlechten Platz. Und schon heißt es wieder “Bääääähhh, keiner mag uns.” Oder es wird gemutmaßt, die Sängerin von “Cascada” sei als Angela Merkels Stellvertreterin auf Showbühnen bewertet und mit “zero points” von fast überall abgestraft worden. Ach bitte: Jetzt tut das doch nicht hochsterilisieren, wie ein großer Fußballer mal gesagt hat.
Man muss Folgendes anerkennen: Das Lied “Glorious” war Mist. Es wurde letztlich ausgewählt von einer öffentlich-rechtlich bestellten Fachjury, wie sie schon manches Desaster bewirkt hat. Hinzu kommt, dass das Thema “Blondinen in superkurzen Kleidchen” bei Weißrussland erheblich besser aufgehoben war. Zumal es rätselhaft bleibt, warum sich eine Frau für einen Auftritt vor einem hundertfachen Millionenpublikum ein Stück vom Küchenvorhang an den Po tackert. Sah nicht gut aus, wirklich nicht.
Der früher gerne beschworene Ostblockeffekt war es aber nicht. Zwar schnitt ein Schnulzensänger aus einer Diktatur mit Platz zwei ab, obwohl er sich singend auf ein Gefängnis aus Plexiglas stellte. Aber Dänemark ist nicht Aserbaidschan. Sein Sieg zeigt vielmehr, dass der Zeitgeist nicht glitzert, sondern barfuß und ungekämmt daherkommt. Das zeigte sich auch beim Lied der Niederlande. Da fielen im Text Vögel von den Dächern. Was man sich normalerweise nur wünscht, wenn Tauben mit Dünnpfiff am eigenen Haus nisten. Das zweite große Thema war, der Krise die Stirn zu bieten. Wenn Griechen in Hockeydamen-Röcken “Alkohol ist kostenlos” singen, dann ist das genial trotzig. Seht her, uns geht’s beschissen. Aber wir haben mehr Spaß als Ihr mit Eurer Mutti Merkel.
Warum ein rumänischer Dracula mit Kastratenstimme vier Mal so viele Punkte wie “Cascada” bekommen hat, muss man nicht verstehen. Vielleicht wegen der indirekten, marktwirtschaftlichen Botschaft: Zubeißen ist besser als jaulen. Und dieser seltsame Kinderarzt aus Malta…
Was soll’s: Nehmen wir den 21. Platz doch als gutes Signal für den gesamten Kontinent. Deutschland ist doch nicht unbesiegbar, es kann auch mal richtig eine aufs Dach kriegen. Lassen wir den anderen doch die Freude. Und wem dazu die innere Größe fehlt, weiß immerhin noch eines: Die Wahrheit ist auf’m Platz. Demnächst in Wembley.
Uli Hoeneß, der Dagobert vom anderen Stern
Es geht um ein “unvorstellbares Vermögen”. Die Nachricht ist aber sehr wohl vorstellbar. Uli Hoeneß, größter deutscher Fußballpräsident aller Zeiten, soll mehrere hundert Millionen Euro am Finanzamt vorbei in die Schweiz geschafft haben. Nun ist von Rücktritt die Rede. Was wiederum ziemlich unvorstellbar ist.
Man kann doch verstehen, dass dieser Mann im Geld nur so schwimmt. Schließlich steht er für zwei Produkte von Weltrang. Seine Mannschaft, der FC Bayern München, spielt gerade “Fußball vom anderen Stern”. Der Verein gilt als wirtschaftlich unvorstellbar gut gestellt. Wo sich andere Clubs wegen 20-jähriger Kurzpass-Götter in irrwitzige Schulden stürzen, zahlt ein Uli Hoeneß vom Festgeldkonto. 40 Millionen im Geldkoffer, mit einem kurzen Handschlag in einer VIP-Lounge überreicht? Kein Problem.
Auch sein zweites Projekt ist ein Welterfolg: die Rostbratwurst. Millionenfach verlässt sie die Hoeneß-Fabrik am Nürnberger Kanalhafen. Dank Bayern-Uli darf dieses in Schafsdarm gepresste Produkt als “Fast Food vom anderen Stern” bezeichnet werden. Eine ganze Stadt, ja eine Region profitiert von seiner Geschäftstüchtigkeit.
Ein Mann schenkt der Welt Tore und Wurst auf höchstem Niveau. Kann ein solcher Held tatsächlich in eine biedere Neid-Debatte verwickelt werden? Nein. Gerade die Fußballbranche kennt das nicht. Es ist das Spiel, für das auch arme Schlucker viel Geld übrig haben. Und dessen Hauptdarsteller bejubelt werden, selbst wenn sie noch mehr Geld verdienen als viele der für ihre Gier gescholtenen Manager.
Uli Hoeneß wird seinen Steuerskandal also überstehen. Wobei es zwei Möglichkeiten gibt. Entweder er bleibt Präsident des FC Bayern München, äußert in zahllosen Talkshows seine Reue und wird allenfalls von Franz Beckenbauer wegen seiner Selbstanzeige verhöhnt. Oder er kehrt Deutschland verbittert den Rücken und folgt seinem Geld in die Schweiz. Wo er den noch größeren Gauner, Fifa-Boss Sepp Blatter beerbt und dafür sorgt, dass die Fußball-WM 2028 auf den Cayman-Inseln stattfindet.
Stolz kann er schon jetzt sein. Er ist wieder mal ganz oben angekommen. Diesmal in der Champions League der Steuersünder.
Nix mehr Papst! Man kann’s verstehen

Die aktuelle Frage: Gibt es Rücktrittsberatung im Vatikan?
Die wahren Ursachen liegen doch auf der Hand. Für die katholische Kirche läuft es derzeit, mit Verlaub, beschissen. In Europa, und insbesondere in Deutschland, werden dauernd sinnlose Reformen gefordert. Zölibat abschaffen, Priesteramt für Frauen, Barmherzigkeit für Vergewaltigungsopfer, Verfolgung von Kinderschändern – alles ein furchtbares Gedöns, das den Blick von ewigen Wahrheiten ablenkt. “Katholiken fühlen sich gerade wie Fans von Schalke 04″, hat es die famose Fernsehwurst Johannes Benedikt Kerner gerade bei Günther Jauch auf den Punkt gebracht.
Immer mehr Katholiken laufen ihrer Kirche davon. In anderen Teilen der Welt werden Christen verfolgt, weil sie Christen sind. Schwierigkeiten, wohin das Auge blickt.
Und daheim in Rom ist es auch nicht mehr so schön. Man muss schließlich auch einem alten Papst zugestehen, dass er gelegentlich etwas Neues erleben möchte. Stattdessen: Immer die selben Rituale. Beten, Füße waschen, in 150 Sprachen die Welt grüßen. Der Papst hat vielleicht erkannt, dass er einer der größten Plagiatoren unter der Sonne ist. Und für die ist das Leben gerade nicht so leicht.
Aber wenden wir uns seinen eigenen Worten zu. Sofern den Journalisten die Übersetzung aus dem Lateinischen gelungen ist, sagte Benedikt XVI.: “Ich gehe zum Wohl der Kirche.” Das mag sein. Man weiß aber nicht, was nachkommt. Ihn drücke das Alter, sagte er weiter. Kann man verstehen. Aber bisher war das kein Argument. Fast alle Päpste sind direkt ins Jenseits abgetreten. Laut Wikipedia gibt es nur folgende Ausnahmen: 537 gab Silverius auf oströmischen Druck hin drei Wochen vor seinem Tod das Amt auf. Johannes von Velletri, 1059 als Benedikt X. inthronisiert, konnte sich kein Jahr halten und wurde obendrein exkommuniziert. Coelestin V. trat Ende 1294 zurück und starb 1296. Gregor XII. wurde schon 1409 abgesetzt, erklärte aber erst 1415 offiziell seinen Rücktritt.
Ein mutiger Schritt also. Bleibt die Frage: Wie kommt Papst auf dieses Rücktrittsdatum? Die Antwort: Im Dreikaiseredikt Cunctos populos von Thessaloniki schufen die Herrscher Theodosius I., Gratian und Valentinian II. am 28. 2. 380 das Fundament für das Christentum als römische Reichskirche.
Tja, das ist ein Pfund. Und die Bild-Schlagzeile nehmen wir auch gleich vorweg: “Nix mehr Papst!” Wetten, dass…?
Der Dschungel – unsere heimliche Liebe
Die heimliche Liebe ist besonders schön. Wer wollte diesem Satz lügenfrei widersprechen? Und so geht es gerade den Menschen in Deutschland. Millionen v0n ihnen sind dem RTL-Dschungelcamp verfallen. Aber zugeben wollen sie es nicht.
Dieses peinliche Verleugnen hat es schon immer gegeben. Wer sich das Bücherregal eines durchschnittlichen Bildungsbürgers näher anschaut, könnte Folgendes feststellen: Ganz vorne stehen die Prachtbände mit Lederrücken, dort ist der Platz für hochwertige Prosa, die jeden Gast beeindrucken werden. Wirklich interessant aber wird es in der hinteren Reihe. Dort stehen die Bücher, die wirklich gelesen wurden. Früher hieß ein solches “Dallas – Die ganze Geschichte”, heute sind es die Lebensbeichten von Bettina Wulff oder Daniela Katzenberger. Es gibt kaum Lustigeres, als sich am Sinnlosen zu ergötzen.
Genauso geht es uns mit dem Dschungelcamp. Dort sind so genannte Promis eingesperrt und müssen seltsame Ekel-Aufgaben lösen. Allesamt handelt es sich um Menschen, denen man das Gefangenen-Schicksal durchaus gönnt. Ab und zu blitzt auch bei den Camp-Bewohnern wahrer Witz auf, auch die unvermeidbare Superzicke sorgt für Vergnügen. Aber insgesamt handelt es sich um eine Ansammlung gescheiterter Gestalten. Und das tut uns gut.
Denn wir mögen die Krisen der Prominenten. Weil es tröstet, wenn auch dem Multimillionär die Frau davonläuft. Weil es sich gut anfühlt, wenn auch die vielfach operierte Hollywood-Diva irgendwann zugeben muss, dass sie alt geworden ist. Weil es uns hilft, wenn wir sehen, dass auch vermeintliche Superstars derart abstürzen können, dass sie durch Rattentunnel kriechen, in Schleim baden und ekliges Zeug essen müssen. Würde uns ja nie passieren.
Nein, das RTL-Dschungelcamp ist mega-in und noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Es fehlen nur noch drei bis vier “Wetten, dass…”-Sendungen. Dann heißt es: Lanz kocht Maden. Für seine Mitbewohner.
Gospodin Depardieu – der neue Russe
In dieser Welt stimmt gar nichts mehr. Früher sind bedrängte Steuerflüchtlinge in Gebiete gejettet, in denen ein grundsolider Glitzerkapitalismus herrschte. Aber keinem wäre damals jemand in den Sinn gekommen, seinen Reichtum in einem kommunistischen Land oder einem seiner Nachfolgestaaten zu verprassen. Man hätte es als degoutant angeschaut. Und heute? Gérard Depardieu, der Urtyp des genusssüchtigen Franzosen, will Russe werden.
Das entsprechende Angebot hat ihm – wohl erfolgreich – der Großkumpan aller Testosteronbündel, Russlands Präsident Waldimir Putin, gemacht. Aber warum bloß?
Wenn man den kleingewachsenen, durchtrainierten Judoka Putin anschaut, bekommt man keine Verbindung zum einzig wahren Obelix-Darsteller. Aus unserer Sicht. Rein optisch geht da Depardieu als Russe nie und nimmer durch. Er er ist zu dick, hat viel zu lange Haare und wirkt nicht brutal genug.
James-Bond-Darsteller Daniel Craig könnte man einbürgern – und kein echter Russe würde fremdeln. Dagegen Depardieu: Wenn er mit Öl hantiert, möchte er keinen englischen Fußballclub kaufen. Er will mit Olivenöl kochen. Und trinken will er Wein statt Wodka, wenn auch gegebenfalls mit einer höheren Gesamt-Alkoholmenge. Völlig unwahrscheinlich, dass er den eingesprungenen Spagat beim Kasatschok hinbekommt. Und obendrein ist er bei allem Hang zur Völlerei unrussisch geizig. Zumindest als Steuerbürger.
Nein, das diese neue Staatsbürgerschaft hat keinen Sinn. Es sei denn, dass es sich um eine Marketing-Aktion handelt. Dass der Kreml zeigen will, dass es auch ganz andere Landsleute gibt. Dick, gemütlich und immer lustig. Knuddel-Russen, wie es sie noch nie gegeben hat.
Klingt logisch, doch da gibt es dieses Depardieu-Zitat: “Das Leben ohne Frauen wäre fad und leer. Doch warum hat Gott ihnen die Sprache geschenkt? Wären sie stumm, könnte man sie viel mehr lieben.” Das wiederum hätte jeder Klischee-Russe nicht schöner sagen können. Halten wir also fest: Flüchte ruhig, lieber Gérard. Die Himmelsrichtung scheint zu stimmen.
Wie gerade gemeldet wird, will auch Brigitte Bardot Russin werden. Und zwar dann, wenn im Zoo von Lyon zwei kranke Elefanten eingeschläfert werden. Wie es scheint, ist in Russland auch die offene Psychiatrie hoch angesehen.
Obama, Du machst mich ratlos
Da sitze ich also. Und bin ratlos. Schuld ist US-Präsident Barack Obama. Ich möchte etwas zur großen amerikanischen Politik-Show schreiben. Aber es flutscht nicht, wie es so schön heißt.
US-Wahl 2008, das war für mich so etwas wie Mondlandung Nummer zwei. Ich musste nachts raus und möglichst viel miterleben. Nach der fürchterlichen Regierungszeit des kriegslüsternen Präsidentendarstellers George W. Bush war der Kandidat Obama eine Verheißung. Ein Politiker, der Massen begeistern konnte und einen Wandel zu mehr friedlichem Miteinander auf dieser Welt verhieß. Ihm habe ich zugetraut, dass er fast alles besser machen würde. Den Hinweis damaliger Skeptiker, dass auch dieses Staatsoberhaupt nicht über das Wasser werde gehen können, habe ich als ausgesprochen lästig empfunden.
Wie viel auch von anderen in diesen Mann hineininterpretiert wurde, zeigte die absurde Zuerkennung des Friedensnobelpreises. Danach haben wir gelernt, dass selbst der scheinbar coolste Präsident Kriege nicht einfach beenden kann. Sogar für das Beseitigen staatseigenen Unrechts, des Inselknasts von Guantanamo, fehlte ihm die Kraft.
Obama reloaded ist die Wandlung eines überragenden Heilsbringers zum kleineren Übel. Ich habe auf seine Wiederwahl gehofft. Allerdings vor allem wegen des Gegenkandidaten Mitt Romney, der mir auch deshalb suspekt war, weil er wirkte, als wäre er von einem Hollywood-Regisseur gecastet worden.
Richtig geprickelt hat es aber nicht, also ich heute das Gebrabbel und die Statistikkolonnen in den diversen Wahlsondersendungen verfolgt habe. Es war, trotz der famosen “Swing States”, mehr ein Sachsen- oder Hessenwahl-Gefühl.
Der große Glanz von Barack Obama ist für mich also weg. Aber wahrscheinlich ist das auch besser so. Wer andere zu sehr überhöht, macht Politik zur Religion. Und das hat sich noch nirgends bewährt.
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Dem Franken-Tatort auf der Spur
Franken bekommt endlich seinen Tatort. Und dieser Krimi wird bestimmt in düsteren Ecken spielen? Wer aber soll die wichtigsten Rollen übernehmen? Welche Todesart wird dem ersten Opfer zugedacht sein? Eine erste Spurensuche per Video – natürlich mit Ermittler-Hut…
Wenn Stars ihre Spuren hinterlassen

Komm, Loddar, erzähl uns was.
Es ist ein elementares menschliches Bedürfnis: Wenn man dereinst in den Himmel abberufen wird, möchte man wenigstens sicher sein, dass man auf Erden bleibende Spuren hinterlassen hat. Dann hat sich das Leben gelohnt. Am besten, man schreibt es auf. Das eigene Buch ist hoch modern.
Das zeigt sich zurzeit auf der Frankfurter Buchmesse. Das Dasein echter Stars, aber auch von Menschen, deren Lebensgeschichte unmöglich mehr als 50 Seiten füllen kann, gibt es gedruckt und gebunden für das edle Eichenholzregal. Wie etwa die Autobiographie von Bettina Wulff. Auf 224 Seiten berichtet eine wenig aufregende Frau über ihr Wirken an der Seite eines der langweiligsten Männer überhaupt. Was trotzdem für Platz 10 der Spiegel-Bestsellerliste reicht.
Da ist der fränkische Fußballgott Lothar Matthäus ein ganz anderes Kaliber. Alleine die Statistiken über seine Profieinsätze in aller Welt würden Brockhaus-Format erreichen. Für seine Beziehungsprobleme gäb’s ein pralles Taschenbuch als Dreingabe. Sexuell unersättlich, jedoch ungerecht behandelt – diesen Lesestoff bietet uns Jörg Kachelmann. Der Mann, der zwischen Azorentief und Saharahoch als “Die Fliese” Frauen reihenweise geliebt hat. Auch Arnold Schwarzenegger hat viel zu erzählen. War/ist er doch die größte Muskelmasse der Menschheitsgeschichte, Regent von Kalifornien, Schänder des Hauspersonals und Terminierer des Bösen auch aus den fernsten Welten.
Das ist wahrer Schicksalsstoff. Ganz anders als die Autobiographie von Edmund Stoiber. Er liefert uns vielleicht die Gebrauchsanleitung für’s Technokratendasein, erinnert an das Kriechen vor Übervater Franz-Josef Strauß oder schildert uns den Tag in seinem Leben, an dem er nicht einmal “Äääh” gesagt hat. Und er lässt uns erfahren, warum er seinen Sturz bis heute nicht begriffen hat.
Egal, für christsoziale Fundamentalisten ist auch er ein Held. Aber wer steht eigentlich auf Platz 1 der Sachbuch-Charts? Jawohl, ein Mann mit dem Autoschiebernamen Heinz Buschkowsky. Seine Botschaft lautet “Neukölln ist überall”. Oh nein, das kann doch wirklich keiner wollen. Bitte, liebe Stars jegleicher Kategorie: Schreibt, schreibt, schreibt. Damit wir auf andere Gedanken kommen.
Blasphemie? Der Papst ist kein Gott

Kämpfer gegen Blasphemie: Erzbischof Ludwig Schick.
Die Ferienzeit ist die Zeit der überflüssigen Nachrichten. Hauptsächlich bringt das so genannte Sommerloch absurde Ideen unbedeutender Politiker hervor. Aber was Parlaments-Hinterbänkler können, schafft auch ein Gottesmann: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat gefordert, Gotteslästerung unter Strafe zu stellen. Auslöser für seinen Vorstoß war ein Titelbild der Satire-Zeitschrift “Titanic”. Darauf war der Papst mit einem gelben Flecken auf der Soutane zu sehen.
Sicher, es ist geschmacklos, über eine mögliche Inkontinenz bei einem alten Mann zu spotten. Aber worüber redet Erzbischof Schick? Das griechische Wort Blasphemie steht für eine durch Taten und Worte offenbarte Ehrfurchtlosigkeit der Gottheit gegenüber. Ganz früher fühlte sich die Gemeinschaft von der Rache der verspotteten Gottheit bedroht. Das Schandmaul musste weg, üblicherweise durch Steinigung. So steht es bei Moses im Alten Testament.
Während sich aber diese Hinrichtungsart in verschiedenen islamischen Ländern derart bewährt hat, dass sie auch heute noch für weitaus harmlosere Delikte genutzt wird, gibt es bei uns den Paragraphen 166 des Strafgesetzbuches. Darin heißt es: “Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.”
Eine Strafandrohung existiert also, weshalb man mit den Worten von Fußballgott Giovanni Trappatoni fragen könnte: “Was erlaube Schick?”. Aber es geht noch um etwas anderes, nämlich um die Frage, ob Papstlästerung blasphemisch ist.
Selbstverständlich nicht. Benedikt XVI. ist nicht Gott, er wird vielmehr als Stellvertreter Christi auf Erden geführt. Nun war auch dieser kein voller Gott, sondern wenigstens ein halber Mensch. Joseph Ratzinger wiederum ist kein Heiliger. Er ist Vorstandsvorsitzender eines global agierenden Weltanschauungskonzernes, der allerdings in der Öffentlichkeit zumeist mit salbungsvoller Stimme spricht. Hinzu kommt: Da uns Gott selbst hat wissen lassen, dass er keine anderen Götter neben sich duldet, sollte man den Papst nicht mit ihm auf eine Stufe stellen.
Verlassen wir uns doch darauf, dass die unverschämten Satire-Redakteure durch Gott selbst gerecht und angemessen bestraft werden. Und sei es durch eine Verhandlung vor dem Jüngsten Gericht. Wenn man sich allerdings so anschaut, welche absurden und üblen Dinge tagtäglich auf dieser Welt passieren, könnte man sich auch vorstellen, dass sich der himmlische Zyniker die Hände reibt und sich diebisch darüber freut, dass seinem Bayern-Beni mal eine reingewürgt wurde.
Das aber wissen wir nicht. Wir wissen nur dies: Die Wege des Herrn sind unergründlich.
Kein Gold? Deutsche Roboter für Olympia!
Welch Leid, welch Leid! Ein ganzes Wochenende hat unsere Nation vergeblich gehofft und gebangt. Zum Olympia-Auftakt hat es keine einzige Goldmedaille gegeben. Doch wir haben Hoffnung: Setzen wir auf deutsche Ingenieurskunst.
Es ist das Wesen des Sportfans, dass er die kleinen Männchen und Weibchen, die da über seinen Bildschirm laufen, als Maschinen betrachtet. Für die Generation Playstation etwa unterscheidet sich ein virtueller Ronaldo kaum noch vom echten. Und so erwarten wir, dass diese Sportlerinnen und Sportler gefälligst funktionieren und gewinnen. Was aber, wenn sämtliche Schwimmer absaufen und wenn es nicht mal mehr in Randsportarten wie dem Tontaubenschießen oder dem Frauenradfahren zu Goldmedaillen reicht?
Es muss etwas geschehen. Denn der Anblick des Medaillenpiegels bohrt tief in unsere offenen Wunden. So lernen wir aus dieser Statistik, dass der Kommunismus tatsächlich die überlegene Gesellschaftsform ist. Und wir stellen fest, dass Klasse auch aus Masse entsteht. Ein Volk, das in der Fortpflanzung versagt, gerät irgendwann zwangsläufig ins Hintertreffen.
Wenn aber nicht einmal eine Ministerin wie Kristina Schröder einen Babyboom auszulösen vermag, bleibt uns nur noch der Blick auf die Olympischen Spiele für Roboter, die es in diesen Tagen gegeben hat. Dort treten Maschinen in sämtlichen olympischen Sportarten an und schneiden meist besser ab als die tollsten Menschen.
In China wird ein Schwimm-Teenager dank eines 2wissenschaftlichen Trainings” auf Männerzeiten hingezüchtet? Lächerlich! Das wird ihnen nichts mehr helfen, wenn die deutschen Athletinnen und Athleten direkt den Labors und Hallen des weltweit einmaligsten Maschinenbaus entspringen. Von wegen “Der Sozialismus siegt!”. Gehen wir es an – mit einer kleinen Ausnahme. Beachvolleyball der Damen sollte weiterhin von echten Menschen gespielt werden.
Wenn Finale, dann fliegt Merkel
So, und jetzt mal die Lauscher aufgestellt: Hört man noch was? Von Diktatur, von Korruption, von Menschenhandel – von unterdrückten Demokraten? Eher mal nicht. Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine, konzentrieren wir uns längst wieder auf das Wesentliche. Auf Poldi und Miro, auf Super-Mario und Jogi. Am ersten fußballfreien Tag wird klar: Sport ist Sport. Und das andere ist die böse Welt.
Zunächst hat es schon so ausgesehen, als würden wir während dieses Sportturniers ganz genau hinsehen. Als würde jeder Fan mit einem Menschenrechts-T-Shirt auf der Tribüne. Frau Timoschenko hat uns da einfach zu leid getan. Ein Merkel-Besuch in der Ukraine? Galt zunächst als völlig undenkbar.
Inzwischen hat die Stimmung umgeschlagen. Der deutsche Fußballfreund klatscht rhythmisch in die Hände und brüllt alle zehn Sekunden „Sieg!“. Und nichts wird die Kanzlerin vor einer peinlichen Dienstreise retten können, außer einer rechtzeitigen Niederlage der deutschen Elf vor dem Finale. Schließlich werden am 1. Juli in Kiew Bilder für die Geschichtsbücher gemacht.
Soll man nun verzweifeln, schimpfen, jammern? Nein, denn wer in Sachen Ukraine wegschaut und die nach-sowjetische Art der Demokratie für in Ordnung befindet, folgt größtmöglichen Vorbildern. So ist bekannt geworden, dass sich Deutschlands beliebstester Steuerflüchtling, der “Kaiser” Franz Beckenbauer, einen Nebenverdienst bei der Russian Gas Society gesichert hat. In deren Auftrag wird er zum Beispiel für die in Russland stattfindende Fußball-WM 2018 werben.
Die Gas-Gesellschaft ist eine Tochter des Gazprom-Konzerns, welcher durch Aufkäufe und andere Nettigkeiten die russischen Medien im Sinne des großen Präsidenten Wladimir Putin zurechtformt. Wenn sich solche Lichtgestalten verbünden, was bleibt da noch dem kleinen Fan? Klar, er klatscht in die Hände und brüllt “Sieg!”.
EM-Orakel: Ein göttlicher Funke steckt in jedem Tier

Hirndübel-Orakelhamster Gerd rechnet in Sachen Fußball-EM auch mit dem Unerwarteten.
Als Orakel galt uns früher eine göttliche Offenbarung, die in Form eines Zeichens Aufschluss über die Zukunft geben soll. Je nach Religionszugehörigkeit dachte man, dass uns ein jeweils allwissender Herr mitteilen würde, was uns oder anderen Menschen in nächster Zeit blüht. Doch wo früher ein göttlicher Funke war, regiert in unserer profanen Zeit der tierische Instinkt. Zur Fußball-Europameisterschaft wird jedes Viech wird zum Propheten.
Angefangen hat das alles im Jahr 2010 mit Krake Paul. Einem Tier, das aufgrund seiner körperlichen Besonderheiten durchaus als Torwart geeignet wäre. Der alte Fisch löste seine Aufgaben mit Bravour. Er lag immer richtig.
Und jetzt bricht die Tier-Orakel-Flut über uns herein wie einst der EHEC-Virus. Es gibt höchst sympathische Hellseher wie Mops Otto von nordbayern.de oder Bayern 1-Mini-Bulldogge Xaver. Ziege Traudl tippt für eine obayerbayerische Molkerei, in der Ukraine wiederum grunzt ein dicker Eber in den visionären Futtertrog.
Auch Otter, Seehunde, Möwen und eine Elfantenkuh aus Krakau sind im Einsatz. Und schließlich die einstige Fluchtkuh Yvonne. Sie hat ihrem Ruf, ein eigenwilliger Charakter zu sein, bereits alle Ehre gemacht und auf einen Sieg von Portugal gegen Deutschland getippt.
Mir sind diese reinen Futtervorhersagen allerdings viel zu untranszendentral. Mir fehlt da das Übersinnliche. Deshalb würde ich gerne den erschossenen bayerischen Problembär Bruno einschalten. Vom weltberühmten Löffeltöter Uri Geller spiritistisch befragt, müsste sich vor dem Bären der jeweils passende Ländernapf unter heftigen Vibrationen verbiegen. Bruno wiederum, der ja wie alle Mordopfer nächtens als verlorene Seele am Tatort umherstreift, bekäme nach dem fünften Treffer die ewige Erlösung geschenkt.
Aber geht das überhaupt? Können Tiere zu uns sprechen? Das wiederum glaube ich sehr wohl. Als ich jüngst vor einer Currywurst gesessen bin, habe ich ganz eindeutig die Worte “Du wirst mich essen! Jetzt!” vernommen. Und sehet, genauso ward es!
Der welke Held und sein Finale
Wenn Helden verwelken, wird es gerne mal dramatisch. Gerhard Schröder hat nach seiner Abwahl herumgemotzt, Lothar Matthäus suchte nach immer jüngeren Frauen. Ein Dieter Bohlen ist (noch) anders. Er kämpft um seinen Ruhm. Notfalls gegen ein ganzes Land.
“Das klang wirklich wie ein offenes Raucherbein.” Wer so über andere herzieht, sollte ein bisschen Spott aushalten. Zum Beispiel eine ironische Zigarettenwerbung. Aber es läuft nicht mehr für den Dieter. Mit ihm als Oberjuror wäre früher jeder noch so sinnlose Wettbewerb zum Publikumserfolg geworden. Und was hat dieser Mann nicht alles gecastet? Sänger, biegsame Akrobaten, Schwertschlucker, besoffene Frauen, Panflötenspieler, tanzende Hunde und vieles mehr.
Jetzt aber schafft die neunte Staffel seiner Show mit den Superbubis nicht einmal mehr fünf Millionen Zuschauer. Weil offenbar der letzte Träumer bemerkt hat, dass hier niemals eine echte Karriere beginnen wird.
Die Spannung ist raus. Doch das Finale steht an. Was also tun? Logisch: Es braucht einen großen, aufsehenerregenden Skandal. Denn ein Titan macht keine Scherzchen.
Also zieht er gegen Deutschland vor den Europäischen Menschengerichtshof. Weil der Bundesgerichtshof die Spott-Werbung erlaubt hat. Die Beschwerden liegen schon seit 2009 beim Gericht. Aber es ist eben das wenig gefragte Finale. Welch Zufall, dass “Bild” gerade jetzt ganz groß berichtet.
Vielleicht bringt das nochmal eine Million Zuschauer, aber auf langer Sicht wird es nicht helfen. Dieter Bohlen wird, wie vor ihm Thomas Gottschalk oder Harald Schmidt, in den Ruhestand verschwinden. Und wenn er dann in einer Oldie-Show auftreten darf, wird ein Jung-Juror mit Dieters Worten vielleicht dieses sagen: “Wenn ich Auto fahre, und dich im Radio höre, da würde ich doch sofort bremsen und gucken, ob ich ‘ne Katze überfahrn habe.” Wie treffend.
Ganz menschlich: Nach dem Triple kommt der Frust
Welch Glück! Bayern München hat das Unfassbare geschafft, das Triple! Ein 68-jähriger Trainer und seine Fußballer sind zu so genannten Legenden geworden. Man surft jubelnd mit der Erfolgs-Flatrate. Ich, als Nicht-Fan dieses Vereins, sage ganz gelassen: Lasst sie ruhig feiern. Sie werden sich noch umschauen.
Gäbe es ein Individual-Triple aus beruflichem Erfolg, Liebesglück und konstantem Fettabbau – ich möchte es gar nicht haben. Denn das Glück rächt sich, wenn es zu perfekt geworden ist. Unser Menschen-Dasein ist ja so angelegt, dass wir zumindest auf dieser Welt nie ganz zum Ziel kommen. Wir streben etwas an und kommen dem Idealzustand im besten Fall ganz nahe. Den Rest regelt das Paradies.
Wenn es allzu gut läuft, wird es gefährlich. Wer kennt sie nicht, die Geschichten von abgestürzten Lotto-Hauptgewinnern? Wem fallen nicht Sängerinnen ein, die sich kurz nach dem lange erträumten Platin-Album mit Kokain oder Alkohol zugedröhnt haben? Sind alle Oscar-Gewinner/-innen glückliche Menschen? Man kennt es anders.
Glück macht unglücklich, wenn es nicht mehr gesteigert werden kann. Wenn es fast sicher nur schlechter werden kann. Welche Freude sollte ein Golfspieler noch an seinem Sport haben, wenn er in einem Turnier alle Löcher mit nur einem Schlag getroffen hat? Ich meine, keines mehr.
Auch für die reichen Münchner Kicker gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder es wird schlechter, und der Frust ist groß. Oder man bleibt ganz oben und beginnt, sich und andere zu langweilen. Fußball vom anderen Stern? Nein, den will auf Dauer keiner sehen. Also feiert. So ein wunderschöner Tag, der dürfte nie vergeh’n. Aber er tut’s. Ganz bestimmt.