Ein Hoch auf die Queen – aber erspart uns Helmut

Groß ist unsere Sehnsucht nach Weisheit. Wir verehren Menschen, die selbst im größten Chaos schmunzelnd auf die Welt schauen. Die ihr Ding durchziehen, als käme niemand jemals nach ihnen. Bestes Beispiel: Die Königin von England. Heute wird sie 90.

Queen Elizabeth II. ist die großartigste Handwerkerin des Regierens. So wie Klempner oder Fliesenleger dann am besten sind, wenn sie mit Bedacht Schritt für Schritt ihrer Arbeit ausführen und uns die Gewissheit geben, dass am Ende alles passt. Das Oberhaupt des Vereinigten Königreichs regiert seit Februar 1952. Was immer seitdem die Welt bewegt hat, wie etwa Elvis Presley, der Mauerbau, das Tor von Wembley, der Flug zum Mond, das Ozonloch bis hin zur alles in allem unseligen Erfindung des Smartphones: Sie war da.

Diese Frau braucht keine Briefkastenfirmen in der Karibik. Sie ist Königin von Jamaika und Barbados. Nur missratene oder allzu eigenwillige Kinder oder Schwiegertöchter konnten sie in Krisen stürzen. Ansonsten ist sie außerordentlich beliebt. Sie läuft und läuft – so sympathisch wie ein Volkswagen vor dem Abgasskandal.

Wie schlimm steht es dagegen um uns! Der Verlust weiser Männer war zuletzt dramatisch. Hans-Dietrich Genscher, Helmut Schmidt oder Egon Bahr haben uns verlassen. Heiner Geißler oder Rita Süssmuth sind ruhig geworden, bei Altkanzler Gerhard Schröder wird man Weisheit nie vermuten.

Und nun droht Schlimmes: Helmut Kohl ist wieder da. Sein Treffen mit dem ungarischen Balkanabriegler Viktor Orbán hat ein unerklärlich großes Medienecho gefunden. Es gab ein Foto, wie es in jedem gut geführten Altenheim gemacht werden kann. Opa und Bub saßen nett zusammen, sie stellten sich hinter Angela Merkel, die sie zuvor kritisiert hatten. Schließlich gab es ein paar persönliche Weisheiten zu Europa, Flüchtlingen und zum Rest der Welt. Tatsächliche politische Relevanz? Nicht vorhanden.

Wir bitten und betteln: Bitte lasst Besuche beim alten Helmut nicht zur Mode nicht zu werden. Lieber ernennen wir Joachim Gauck zum Präsidenten auf Lebenzeit und setzen ihm eine Krone auf. Doch nichts übertrifft das Original. Deshalb: Happy Birthday, Majesty!

 

Der Fußball und die grenzenlose Gier

Aus der Geschichte kennt man den Begriff „Imperiale Überdehnung“. Dieser besagt, dass ein mächtiges Reich an seiner grenzenlosen Gier zugrunde gehen kann. Die alten Römer haben sich mit Eroberungen im Orient übernommen. Ein ähnliches Schicksal könnte dem Fußball drohen. Es wäre, wie Sportreporter gerne sagen, nicht unverdient.

Auf der Suche nach vermarktungsfähigen Spieltagen hat die Bundesliga den Montag entdeckt. Auch zum Wochenstart sollen die Fans und ihre bedauernswerten Angehörigen keine Ruhe finden. Ein Montagsspiel würde die unerhörte Lücke zwischen Champions League oder DFB-Pokal (dienstags/mittwochs), Europa League (donnerstags) sowie Bundesliga, Bundesliga und Bundesliga (Wochenende) schließen und weitere TV-Gelder in die Kassen spülen. Der Aspekt, dass auch Vormittage langweilig sein können, wir nicht näher verfolgt. Noch nicht.

Wie aber ist es möglich, dass die Nachfrage nach Fußball von Marketing-Experten als unendlich eingeschätzt werden kann? Weshalb gibt es massenhafte Verehrung so genannter Helden, die ihren Reichtum in Briefkastenfirmen in Panama verschieben oder bei einer nächtlichen Tour im Taxi ganz nebenbei 75.000 Euro verlieren? Warum stören uns Millionen-Gagen von Dax-Vorständen, nicht aber jene von gut trainierten jungen Leuten in kurzen Hosen?

Wahrscheinlich ist Fußball auch deshalb so populär, weil er die optimale Sportart für Bier und Chips ist. Bei einem durchschnittlichen Spiel sind 70 von 90 Minuten weitgehend ereignislos. Der Ball wird mehr oder weniger gezielt über den Platz getreten. Ab und zu fällt ein Kicker mit schmerzverzerrtem Gesicht um, wird sahneartiger Schaum auf den Rasen gesprüht oder beschimpft ein aufgeregter Typ einen anderen Mann, den sie „Vierter Offizieller“ nennen. Höhepunkt sind selten, man kann sie auch ruhig verpassen. Es gibt ja Zeitlupe, Superzeitlupe, Interviews, Analyse sowie Analyse der Analyse. Dazwischen kommt Bierwerbung, um an den eigentlichen Zweck des Geschehens zu erinnern.

Damit können andere Sportarten nicht mithalten. Handball ist zu aufregend für ruhige Sofasitzer, Eishockey und Bastketball sind zu schnell. Rugby ist als Männersport zu ehrlich. Beim Dressurreiten muss man auf die Feinheiten achten. Eigentlich bietet nur Skispringen ein vergleichbare Mischung aus Monotonie und Jubelstürmen.

Also, wird es noch ein bisschen dauern, bis die Fußball-Euphorie ihr Ende findet. Die nun geplanten Ausdehnung könnte allerdings der Beginn der Überdehnung werden. Wobei diese, bei näherem Hinsehen auch einen Vorteil hat: Die Zahl der Teilnehmer an Montags-Demos wird sinken. Na denn, dann spielt mal schön.

Erdogans Zorn – eindeutig Privatsache

In unseren naiven Momenten stellen wir uns vor, dass Beziehungen zwischen Staaten ausschließlich durch große, wirklich bedeutende Themen bestimmt werden. Aber so ist das wohl nicht. Die Politik ist auch immer die Bühne persönlicher Eitelkeiten. Wie wir gerade anlässlich der Affäre Böhmermann erleben.

Ein satirischer Beitrag in einem ZDF-Spartensender ist zu einer veritablen Krise zwischen Deutschland und der Türkei mutiert. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan fühlt sich durch ein vom Moderator vorgetragenes Schmähgedicht beleidigt. Er fordert nun von der Regierung die Bestrafung des Witzboldes.

Rein menschlich kann man Erdogan verstehen. Zwar hat er sich öffentlichen Spott redlich verdient. Er teilt selber gerne aus, nennt politische Gegner „Perverse“. Widerspruch bekämpft er brutal. Aber Böhmermann hat üble Geschmacklosigkeiten aneinandergereiht, von denen sich ein Mensch beleidigt fühlen kann. Nun war das miese Niveau ausdrücklich angekündigt und somit erklärter Teil der Satire. Aber man darf nicht gegen eine Hauswand pinkeln, nur weil man die Absicht vorher mitgeteilt hat.

Der türkische Präsident kann also Strafanzeige wegen Beleidigung stellen. Ein Gericht müsste darüber befinden.

Das muss es dann aber gewesen sein. Eine Regierung hat nicht darüber zu entscheiden, ob einem Menschen der Prozess gemacht wird. Majestätsbeleidigung ist ein Straftatbestand von gestern. Das muss auch ein noch so bedeutender Präsident akzeptieren lernen. Erst recht einer, der sich jegliche Einmischung von außen verbittet, wenn er Redaktionen stürmen oder Journalisten einsperren lässt.

Was ein Beleidigter mit seinem Zorn anfängt, ist seine Privatsache. Wer publiziert, muss mögliche Folgen aushalten. Und wie die sind, entscheidet die Justiz. Punkt.

 

 

 

 

Helfen wir Erdogan: EU-Beitritt jetzt!

Noch vor 30 Jahren waren Politiker bei uns etwas Besonderes. Wenn ein Bundeskanzler im Wahlkampf vorbeischaute, waren die Marktplätze voll, bei der Franken-Visite von Landesvater Franz-Josef Strauß sah man Fähnchen in Kinderhänden, der Landfrauenchor sang mit Hingabe. Nehmen wir also an, dass der türkische Präsident Erdogan gar nicht so schlimm ist, wenn er Journalisten wegsperren und wegen einer Fernseh-Satire beim deutschen Botschafter protestieren lässt. Er lebt vielleicht bloß in einem anderen Jahrzehnt.

Tatsächlich strotzt er in einem für mitteleuropäische Politiker unserer Tage unerhörtem Ausmaß an Testosteron. Er baut die längsten Brücken, die größten Flughäfen und die glitzerndsten Paläste. Stelle eine Aufgabe – dieser Mann wird sie lösen. Würde er sich bei Izmir ins Meer stürzen, käme er nicht mit verlorenen Schwimmwesten, sondern mit Kunstschätzen der Antike zurück. Ein von ihm handgeknüpfter Teppich würde fliegen. Und zwar mit Überschall, was selbst andere Voll-Hormoniker wie Wladimir Putin oder Donald Trump bestaunten würden.

Warum also ist dieser Mann, bei all seinen offensichtlichen Erfolgen, derart humorlos? Weil es sich nicht ziemt, den Sultan zu verspotten. Und weil es sich nicht gehört, ihm zu widersprechen. Er kämpft schließlich an vielen Fronten. Also gehören diese spöttischen Schmierfinken mindestens so lange kaltgestellt, bis es sich eines Besseres besinnt und endlich erkennt, was wirklich gut und böse ist.

Natürlich wissen wir, dass das der falsche Weg ist. Ein Politiker ohne Angst belächelt das Bellen der Pressehunde. Denn er weiß, dass die Karawane weiterzieht.

Doch wie erlöst man den Mann aus seiner Paranoia? Der radikalste und beste Schritt wäre die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union. Deren Wirtschaft würde wachsen und wachsen, Galatasaray gewönne die Champions League, die Teppiche erreichten Lichtgeschwindigkeit.

Dafür müsste er bloß ertragen, dass diese EU ein paar kleine Freiheitsrechte einfordert. Journalisten müssten schreiben dürfen was sie denken. Frauen dürften für Frauenrechte demonstrieren. Anwälte würden nicht mehr verprügelt, Kurden dürften Kurden sein wollen.

Irgendwann kommt der EU-Beitritt der Türkei sowieso. Also zögern wir nicht. An Fähnchen in Kinderhändchen beim Antrittsbesuch wird es nicht scheitern. Großes Ehrenwort.

„Seine Exzellenz“ Seehofer: Gemach, der Frankenkönig lauert

Seine Exzellenz! Ministerpräsident Horst Seehofer darf sich zwar in überragenden Zustimmungsquoten seiner Bayern, noch mehr aber der AfD-Anhänger sämtlicher Bundesländer sonnen. Aber um wirklich angemessen verehrt zu werden, muss er immer noch ins Ausland. Sein ungarischer Männerfreund Viktor Orbàn tat ihm jetzt den Gefallen. Anlässlich der jüngsten Begegnung in Budapest umschmeichelte er den CSU-Vorsitzenden mit dem wahrhaft edlen Titel.

Wichtig: Die Initiative kam von den Ungarn. Wäre es anders gewesen, müsste sich Horst Seehofer den Vorwurf der Hochstapelei gefallen lassen. Als „Exzellenz“ werden nämlich nach dem heutigen Protokoll die Staatsoberhäupter beziehungsweise Regierungschefs fremder Staaten angesprochen. Dies gilt nicht für Teilstaaten, wenngleich zu konstatieren ist, dass Bayern weiten Teilen Deutschlands fremd geworden ist. Weitere Exzellenzen sind der Apostolische Nuntius, katholische Bischöfe und orthodoxe Vikariatsbischöfe.

Auch Persönlichkeiten mit dem Rang Großkreuz oder Großkomtur eines Ritterorden werden mit diesem Titel untertänigst begrüßt. Das kommt der Sache nahe, schließlich haben sich in Budapest zwei veritable Ritter des Abendlandes die Pranken gereicht.

Horst Seehofer war der Titel „Seine Exzellenz“ gewiss nicht peinlich. Bereits 2007 war als „Botschafter des Bieres“ so geehrt worden. Jenes Bieres, dessen Reinheitsgebot vor 500 Jahren in seiner Heimatstadt Ingolstadt ausgerufen worden ist. Als CSU-Ministerpräsident sieht er sich zudem sowieso  in direkter Linie mit dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher, welches über Jahrhunderte hinweg das schöne Bayern regiert hat. Haltung und Selbstbewusststein entscheiden, weshalb die mögliche Unterbrechung der Erbfolge durch demokratische Wahlen vernachlässigt werden darf.

Gerade in diesen Tagen bezieht sich der CSU-Chef auf die Wurzeln der Wittelsbacher. Einer ihrer Urväter, Arnulf der Böse, wurde im Jahr 919 zum deutschen Gegenkönig gewählt, unterwarf sich aber in letzter Konsequenz Heinrich von Sachsen. Die Bayern und die Ossis – man kennt das.

Wirklich unschön für den Landesvater ist allerdings der Ursprung von „Seine Exzellenz“. Zuerst führten diesen Titel unter anderem die Franken-Könige. Horst Seehofer kann die Grenzen noch so mutig schützen – diesen Markus Söder kriegt er nicht mehr richtig von der Backe.

Danke, Mark Zuckerberg. Aber die wahren Helden sind wir

45 Milliarden Dollar! Und das als Spende! Als unsereins jung war, hätten wir dies nur einer Person zugetraut: Dagobert Duck. Heute jedoch gibt es diesen Mark Zuckerberg. Der Facebook-Chef hat angekündigt, nahezu sein komplettes Vermögen für Gutes und Schönes herzugeben. Will er Steuern sparen? Ist er süchtig nach Ruhm? Ich sage: Loben wir ihn. Denn er macht uns alle zu Wohltätern.

In den USA gehört es zum guten Ton, dass reiche Menschen enorme Geldmengen spenden, um so die Welt wirksam mitzugestalten. Unter anderem kommt das von einer anderen Einstellung zum Vererben. Bei uns gehen Kinder sicher davon aus, dass ihnen das von ihren Eltern oder gar Großeltern erarbeitete Vermögen beziehungsweise deren Unternehmen irgendwann gehören. In Nordamerika gilt als normal , dass sich jeder selbst um sein Lebensglück kümmert.

Und so kann ein Mark Zuckerberg das Verteilen seines Vermögens ankündigen, just nachdem er Vater geworden ist. Dieser Mann ist ein Engel.

Allerdings ist er auch ein Schnorrer. Fragen wir uns doch, wem Facebook eigentlich gehört. Den Aktionären des Konzerns, stimmt schon. Aber stellen wir uns vor, Facebook wäre ein Auto. Das sähe dann so aus: MarkHerr Zuckerberg stellt uns das Fahrgestell und die Straßen zur Verfügung. Wie der Wagen letztlich ausschaut, chic, rassig oder hässlich, liegt an unseren kostenlosen Beiträge. Ohne diese Einzelteile wäre zudem jedes Stückchen Datenautobahn sinnlos. Denn wir sind ja nur deshalb auf Facebook unterwegs, weil wir uns mit anderen Menschen austauschen oder einfach nur sehen wollen, was diese so von sich geben.

Für all diese Inhalte bekommen wir keinen Cent. Facebook allerdings wertet diese aus und vermarktet sie offenbar so geschickt, dass riesige Gewinne auflaufen. Fazit: Es ehrt Mark Zuckerberg, dass er Geld spendet. Aber die eigentlichen Wohltäter, die wahren Helden sind wir.

Eine Spendenquittung gibt’s wahrscheinlich nicht. Aber: Das zu wissen, ist doch auch mal schön.

 

 

 

 

Angela Merkel ist die Supermacht

Der Zusammenbruch der großen deutschen Institutionen erschien in letzter Zeit unaufhaltsam, ja geradezu alternativlos. Unsere famose Autoindustrie, unsere Ingenieurskunst überhaupt, unser wunderbarer DFB – alles schien vom Niedergang bedroht. Jedoch, wir sind wer. Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel ist so mächtig wie kaum jemand anderer auf diesem Planeten. So behauptet es die US-Zeitschrift „Forbes“.

Demnach gibt es neben Gott, Allah und den anderen höheren Wesen nur einen, der ihr das Wasser reichen kann: Wladimir Putin, der vielseitig tätige Kriegsherr aus Moskau. Nun gut, er hat ein Riesenreich im Rücken und hat Olympische Spiele und Fußball-WM gleichermaßen eingekauft. Dieser Mann geht seinen Weg. Wenn es sind muss, auch brutal.

Die Kanzlerin wiederum ist schon seit Jahren hoch gelistet. Das macht uns stolz, schließlich würde für unsere 80 Millionen Einwohner im Weltmaßstab des globalen Dorfes eine untergeordnete Seitenstraße reichen. Aber diese Frau hat erkannt, womit auch Unternehmer heutzutage am erfolgreichsten sind. Es kommt nicht darauf an, klare Positionen zu beziehen und entsprechende Anweisungen zu geben. Sondern darauf, irgendwie da zu sein und einen Satz wie „Wir schaffen das“ zu sagen. Dann krempeln die Untergebenen die Ärmel hoch und strengen sich an, um die Herausforderung zu bewältigen. Geht es schief, lag es nicht an der Chefin. So läuft das. Da mögen die Seehofers noch so bellen.

Aber Merkel mächtiger als der auf Platz 3 abgerutschte Barack Obama? Mag sein, dass mancher diese Einschätzung für verschroben hält. Andererseits ist es so: Die Amtszeit des US-Präsidenten ist absehbar endlich, für die Kanzlerin ist noch lange nicht Schluss.

Romantisch ist die „Forbes“-Liste allerdings auch. Platz 4 von Papst Franziskus ist bei vernünftiger Betrachtung nicht zu belegen. Dieser Mann ist großartig. Er sagt wunderbare Dinge, die allerdings in seinem eigenen Laden zumindest bisher nicht sonderlich interessieren. Und auch sonst liegen die Analytiker wohl falsch. Unter den mächtigsten Zehn der Welt werden sieben Staatschefs aufgeführt, die Lenker weltweit operierender Konzerne kommen erst auf hinteren Plätzen.

Wir wissen, dass das eher umgekehrt ist. Aber das Ganze stammt ja auch von einem Magazin. Darin steht nie bloß, was ist. Sondern auch, was die Leute gerne lesen wollen. Wir jedenfalls nutzen die Chance, vergessen Winterkorn und Niersbach für den Moment und sagen: Danke, Forbes. Danke, danke, danke!

 

Die Fifa ist sauber – aber nur für 90 Tage?

Da geht er hin, der kleine, große Diktator. Sepp Blatter als Präsident des Weltfußballverbandes Fifa ist nicht mehr. So sehen und so glauben wir es gerne. Aber Vorsicht: Dieser Drops ist nicht gelutscht.

Man mag sich sowieso fragen, warum es uns so sehr interessiert, wer einen internationalen Sportverband führt. Der Radball-Weltvorsitzende war noch nie berühmt. Aber gerade die Fifa greift ins Leben vieler Menschen ein. Sie macht zweifelhafte Regierungen international hoffähig, sie lässt Schwellenländer teure Stadien bauen, die nach dem Turnier keiner mehr braucht. Wie aktuell in Russland sorgt sie dafür, dass auf den WM-Baustellen Arbeitsgesetze und Schutzvorschriften nicht beachtet werden. Und ihre Mitgliedsverbände schröpfen zusehends diejenigen, die deren Personal bei der Arbeit zusehen wollen.

Aber es ist auch so ein schönes Spiel. Mit guten und schlechten Seiten, welche sich mitunter gar nicht so klar definieren lassen. Stellen wir uns nur folgende Frage: Zerstört es Ehen, weil Papa zwecks Fußball nie Zeit hat? Oder rettet es Ehen, weil der Alte zuverlässig ruhig gestellt ist?

Doch zurück zu Blatter. Zum zentralen Wesen des Fußballs gehört es, dass man nie weiß, wie es ausgeht. Das ist eine Weisheit von Wundertrainer Herberger, sie hat somit den Rang der Unfehlbarkeit. Und nun sind der Fifa-Sepp und sein Sportsfreund Platini für 90 Tage suspendiert. Also weg vom Fenster, meinen da unbedarfte Zeitgenossen.

Jedoch: Zum Wesen des Fußballs, von der Weltmeisterschaft bis in die unterste Liga, gehört die Überzeugung, dass nichts einen Kicker, Trainer oder Funktionär mehr läutert, als wenn man ihm den Ball oder seinen Platz im Stadion wegnimmt. Foul, Tätlichkeit, Beleidigung – ein paar Wochen Sperre, und der Bösewicht ist einer neuer Mensch.

Unvorstellbar, dass einer wie Blatter das anders sieht. Es sollte auch genügend seiner Jünger geben, die ihn darin unterstützen. Der nächste Akt der Fifa-Geschichte könnte also lauten: „Er ist wieder da.“ Dann allerdings in Originalbesetzung.

 

Ob Kermit oder Merkel: Die Promis sind arm dran

Manches, was uns heftigst bewegt, könnte uns genauso gut egal sein könnte. Nehmen wir die Prominachrichten. Mit einer Mischung aus Voyeurismus und Mitgefühl beobachten wir die Lebensdramen bedeutender Persönlichkeiten. Aber geht es uns wirklich um diese Menschen?

Gerade wurde das Ende einer weltberühmten Beziehung gemeldet: Kermit der Frosch und Miss Piggy haben sich getrennt. „Nach vorsichtigen Überlegungen, überlegten Betrachtungen und be­trächtlichen Kabbeleien haben wir die schwierige Entscheidung getrof­fen, unsere romantische Beziehung zu beenden“, teilten die Stars der „Mup­pet Show“ via Facebook und Twitter mit. Die berufliche Zusammenarbeit der beiden soll aber fortgesetzt werden.

Ernsthafte Zeitgenossen dürften die Meldung mit den Worten „Was soll der Krampf?“ kommentieren. Denn wie blöd muss die Menschheit sein, wenn sie sich jetzt schon mit dem Schicksal von Comic-Figuren befasst. Ereilen uns demnächst die Meldungen über die gescheiterten Homo-Ehen von Tom und Jerry und von Fix und Foxi? Wirft sich Minnie Mouse endgültig Gustav Gans an den Hals? Landet Idefix im Tierheim.

Andererseits ernährt sich ein beachtlicher Teil der Medienbranche davon, in seinen Zeitschriften oder Sendungen den Raum zwischen den Anzeigen mit sinnlosen Geschichten zu füllen. Aktuell ist die Ehe von Angela Merkel bedroht, es soll sogar ein Techtelmechtel mit dem Franzosen-Präsidenten Hollande gegeben haben. Eine schöne Frau bedroht das Leben von Prinz Harry, Entertainer Thomas Gottschalk hat eine heimliche Familien in Polen, der Schlagersänger Tony Marshall hat versehentlich eine falsche Tochter aufgezogen.

Die meisten dieser Geschichten stimmen nicht, aber was soll’s? Hauptsache, wir lesen sie. In der wohligen Gewissheit, dass wir weniger Ruhm oder Geld haben, aber im Großen und Ganzen die glücklicheren Menschen sind.

Bei Kermit und Piggy sind wir eh erleichtert. Denn wenn wir uns vorstellen, was herauskäme, wenn sich Frosch und Schwein paarten: Oh, mein Gott…

 

 

Angela Merkel kann die neue Queen werden

Ist Markus Söder auf einer Briefmarke denkbar? Eher nicht. Wir müssten an dieser Stelle festhalten, dass es unserem bayerischen Finanzminister hierfür (noch) an Bedeutung mangelt. Womit wir bei der englischen Königin wären. Queen Elizabeth ist II. unfassbar berühmt. Sie darf als erfolgreichstes Briefmarken-Model der Weltgeschichte angesehen werden.

Die Regentin prangt seit ihrer Krönung im Jahr 1952 auf Postwertzeichen im gesamten Commonwealth. Ihr Profil wird in Australien genauso auf Briefe geklebt wie in Kanada oder Hongkong. Zu den Legenden der Philatelie zählt die 1-Penny-Marke von Somlialand aus dem Jahr 1996. So groß ist der Vorsprung von Elizabeth, dass sie selbst Diktatoren mit hohem Abstand zum Rentenalter wie Nordkoreas Kim Jong Un kaum erreichen werden.

Und gerade an den Briefmarken sieht man, was eine Frau wirklich bedeutend macht: Eine zeitlose Frisur, die in jedem Alter gut aussieht. Der vor 63 Jahren amtierenden Palast-Stylist von Buckingham war in diesem Sinne kein Haarkünstler, sondern ein Seher. Seine Welle war und ist perfekt.

Deutsche sind in Sachen Briefmarken-Präsenz bescheiden. Nur Bundespräsident haben das Recht, ihr Konterfei in den Postverkehr einbringen zu lassen. Ansonsten gilt der vorherige Tod als Grundbedingung. Tatsächlich gab es im Jahr 1982 einen Block mit den Köpfen der bis dorthin amtierenden Staatsoberhäupter von Heuss bis Scheel. Dann endete diese Mode, was gerade heute schade ist, wo wir doch einen formatfüllenden Quadratschädel im Amt haben.

Welche deutschen Persönlichkeiten haben ihre Briefmarke zu Lebzeiten bekommen? Papst Benedikt musste sein. Schließlich hat er es als Deutscher zum Oberhaupt eines anderen Staates gebracht. Helmut Kohl durfte, nach anfänglichem Widerstand von CDU-Chefin Merkel – im Jahr 2012 als Ehrenbürger Europas auf die Briefe dieses Landes. Freigänger Uli Hoeneß stürmt auf einer Sonderbriefmarke von 1974 der Fußball-Weltmeisterschaft entgegen, die Weltstars Mario Basler, Mehmet Scholl und Thomas Strunz jubeln auf einer Bayern-München-Meisterschaftsmarke von 1997. Ein wichtiger Prominenter mit Briefmarke war schließlich Eisbär Knut aus dem Berliner Zoo.

Aber haben wir eine Frau mit einer ewigen Frisur? Ja, es gibt sie. Angela Merkel, liebevoll gestylt von Udo Walz. Unsere Bundeskanzlerin wäre für eine dauerhafte Briefmarken-Präsenz geeignet. Sie könnte die neue Queen werden, zumindest in der Eurozone. Bloß beeilen müsste sie sich, denn 63 weitere Jahre Amtszeit sind ein überaus ambitioniertes Ziel.

Ob Markus Söder doch den Anfang machen sollte…