Danke, Mark Zuckerberg. Aber die wahren Helden sind wir

45 Milliarden Dollar! Und das als Spende! Als unsereins jung war, hätten wir dies nur einer Person zugetraut: Dagobert Duck. Heute jedoch gibt es diesen Mark Zuckerberg. Der Facebook-Chef hat angekündigt, nahezu sein komplettes Vermögen für Gutes und Schönes herzugeben. Will er Steuern sparen? Ist er süchtig nach Ruhm? Ich sage: Loben wir ihn. Denn er macht uns alle zu Wohltätern.

In den USA gehört es zum guten Ton, dass reiche Menschen enorme Geldmengen spenden, um so die Welt wirksam mitzugestalten. Unter anderem kommt das von einer anderen Einstellung zum Vererben. Bei uns gehen Kinder sicher davon aus, dass ihnen das von ihren Eltern oder gar Großeltern erarbeitete Vermögen beziehungsweise deren Unternehmen irgendwann gehören. In Nordamerika gilt als normal , dass sich jeder selbst um sein Lebensglück kümmert.

Und so kann ein Mark Zuckerberg das Verteilen seines Vermögens ankündigen, just nachdem er Vater geworden ist. Dieser Mann ist ein Engel.

Allerdings ist er auch ein Schnorrer. Fragen wir uns doch, wem Facebook eigentlich gehört. Den Aktionären des Konzerns, stimmt schon. Aber stellen wir uns vor, Facebook wäre ein Auto. Das sähe dann so aus: MarkHerr Zuckerberg stellt uns das Fahrgestell und die Straßen zur Verfügung. Wie der Wagen letztlich ausschaut, chic, rassig oder hässlich, liegt an unseren kostenlosen Beiträge. Ohne diese Einzelteile wäre zudem jedes Stückchen Datenautobahn sinnlos. Denn wir sind ja nur deshalb auf Facebook unterwegs, weil wir uns mit anderen Menschen austauschen oder einfach nur sehen wollen, was diese so von sich geben.

Für all diese Inhalte bekommen wir keinen Cent. Facebook allerdings wertet diese aus und vermarktet sie offenbar so geschickt, dass riesige Gewinne auflaufen. Fazit: Es ehrt Mark Zuckerberg, dass er Geld spendet. Aber die eigentlichen Wohltäter, die wahren Helden sind wir.

Eine Spendenquittung gibt’s wahrscheinlich nicht. Aber: Das zu wissen, ist doch auch mal schön.

 

 

 

 

Angela Merkel ist die Supermacht

Der Zusammenbruch der großen deutschen Institutionen erschien in letzter Zeit unaufhaltsam, ja geradezu alternativlos. Unsere famose Autoindustrie, unsere Ingenieurskunst überhaupt, unser wunderbarer DFB – alles schien vom Niedergang bedroht. Jedoch, wir sind wer. Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel ist so mächtig wie kaum jemand anderer auf diesem Planeten. So behauptet es die US-Zeitschrift „Forbes“.

Demnach gibt es neben Gott, Allah und den anderen höheren Wesen nur einen, der ihr das Wasser reichen kann: Wladimir Putin, der vielseitig tätige Kriegsherr aus Moskau. Nun gut, er hat ein Riesenreich im Rücken und hat Olympische Spiele und Fußball-WM gleichermaßen eingekauft. Dieser Mann geht seinen Weg. Wenn es sind muss, auch brutal.

Die Kanzlerin wiederum ist schon seit Jahren hoch gelistet. Das macht uns stolz, schließlich würde für unsere 80 Millionen Einwohner im Weltmaßstab des globalen Dorfes eine untergeordnete Seitenstraße reichen. Aber diese Frau hat erkannt, womit auch Unternehmer heutzutage am erfolgreichsten sind. Es kommt nicht darauf an, klare Positionen zu beziehen und entsprechende Anweisungen zu geben. Sondern darauf, irgendwie da zu sein und einen Satz wie „Wir schaffen das“ zu sagen. Dann krempeln die Untergebenen die Ärmel hoch und strengen sich an, um die Herausforderung zu bewältigen. Geht es schief, lag es nicht an der Chefin. So läuft das. Da mögen die Seehofers noch so bellen.

Aber Merkel mächtiger als der auf Platz 3 abgerutschte Barack Obama? Mag sein, dass mancher diese Einschätzung für verschroben hält. Andererseits ist es so: Die Amtszeit des US-Präsidenten ist absehbar endlich, für die Kanzlerin ist noch lange nicht Schluss.

Romantisch ist die „Forbes“-Liste allerdings auch. Platz 4 von Papst Franziskus ist bei vernünftiger Betrachtung nicht zu belegen. Dieser Mann ist großartig. Er sagt wunderbare Dinge, die allerdings in seinem eigenen Laden zumindest bisher nicht sonderlich interessieren. Und auch sonst liegen die Analytiker wohl falsch. Unter den mächtigsten Zehn der Welt werden sieben Staatschefs aufgeführt, die Lenker weltweit operierender Konzerne kommen erst auf hinteren Plätzen.

Wir wissen, dass das eher umgekehrt ist. Aber das Ganze stammt ja auch von einem Magazin. Darin steht nie bloß, was ist. Sondern auch, was die Leute gerne lesen wollen. Wir jedenfalls nutzen die Chance, vergessen Winterkorn und Niersbach für den Moment und sagen: Danke, Forbes. Danke, danke, danke!

 

Die Fifa ist sauber – aber nur für 90 Tage?

Da geht er hin, der kleine, große Diktator. Sepp Blatter als Präsident des Weltfußballverbandes Fifa ist nicht mehr. So sehen und so glauben wir es gerne. Aber Vorsicht: Dieser Drops ist nicht gelutscht.

Man mag sich sowieso fragen, warum es uns so sehr interessiert, wer einen internationalen Sportverband führt. Der Radball-Weltvorsitzende war noch nie berühmt. Aber gerade die Fifa greift ins Leben vieler Menschen ein. Sie macht zweifelhafte Regierungen international hoffähig, sie lässt Schwellenländer teure Stadien bauen, die nach dem Turnier keiner mehr braucht. Wie aktuell in Russland sorgt sie dafür, dass auf den WM-Baustellen Arbeitsgesetze und Schutzvorschriften nicht beachtet werden. Und ihre Mitgliedsverbände schröpfen zusehends diejenigen, die deren Personal bei der Arbeit zusehen wollen.

Aber es ist auch so ein schönes Spiel. Mit guten und schlechten Seiten, welche sich mitunter gar nicht so klar definieren lassen. Stellen wir uns nur folgende Frage: Zerstört es Ehen, weil Papa zwecks Fußball nie Zeit hat? Oder rettet es Ehen, weil der Alte zuverlässig ruhig gestellt ist?

Doch zurück zu Blatter. Zum zentralen Wesen des Fußballs gehört es, dass man nie weiß, wie es ausgeht. Das ist eine Weisheit von Wundertrainer Herberger, sie hat somit den Rang der Unfehlbarkeit. Und nun sind der Fifa-Sepp und sein Sportsfreund Platini für 90 Tage suspendiert. Also weg vom Fenster, meinen da unbedarfte Zeitgenossen.

Jedoch: Zum Wesen des Fußballs, von der Weltmeisterschaft bis in die unterste Liga, gehört die Überzeugung, dass nichts einen Kicker, Trainer oder Funktionär mehr läutert, als wenn man ihm den Ball oder seinen Platz im Stadion wegnimmt. Foul, Tätlichkeit, Beleidigung – ein paar Wochen Sperre, und der Bösewicht ist einer neuer Mensch.

Unvorstellbar, dass einer wie Blatter das anders sieht. Es sollte auch genügend seiner Jünger geben, die ihn darin unterstützen. Der nächste Akt der Fifa-Geschichte könnte also lauten: „Er ist wieder da.“ Dann allerdings in Originalbesetzung.

 

Ob Kermit oder Merkel: Die Promis sind arm dran

Manches, was uns heftigst bewegt, könnte uns genauso gut egal sein könnte. Nehmen wir die Prominachrichten. Mit einer Mischung aus Voyeurismus und Mitgefühl beobachten wir die Lebensdramen bedeutender Persönlichkeiten. Aber geht es uns wirklich um diese Menschen?

Gerade wurde das Ende einer weltberühmten Beziehung gemeldet: Kermit der Frosch und Miss Piggy haben sich getrennt. „Nach vorsichtigen Überlegungen, überlegten Betrachtungen und be­trächtlichen Kabbeleien haben wir die schwierige Entscheidung getrof­fen, unsere romantische Beziehung zu beenden“, teilten die Stars der „Mup­pet Show“ via Facebook und Twitter mit. Die berufliche Zusammenarbeit der beiden soll aber fortgesetzt werden.

Ernsthafte Zeitgenossen dürften die Meldung mit den Worten „Was soll der Krampf?“ kommentieren. Denn wie blöd muss die Menschheit sein, wenn sie sich jetzt schon mit dem Schicksal von Comic-Figuren befasst. Ereilen uns demnächst die Meldungen über die gescheiterten Homo-Ehen von Tom und Jerry und von Fix und Foxi? Wirft sich Minnie Mouse endgültig Gustav Gans an den Hals? Landet Idefix im Tierheim.

Andererseits ernährt sich ein beachtlicher Teil der Medienbranche davon, in seinen Zeitschriften oder Sendungen den Raum zwischen den Anzeigen mit sinnlosen Geschichten zu füllen. Aktuell ist die Ehe von Angela Merkel bedroht, es soll sogar ein Techtelmechtel mit dem Franzosen-Präsidenten Hollande gegeben haben. Eine schöne Frau bedroht das Leben von Prinz Harry, Entertainer Thomas Gottschalk hat eine heimliche Familien in Polen, der Schlagersänger Tony Marshall hat versehentlich eine falsche Tochter aufgezogen.

Die meisten dieser Geschichten stimmen nicht, aber was soll’s? Hauptsache, wir lesen sie. In der wohligen Gewissheit, dass wir weniger Ruhm oder Geld haben, aber im Großen und Ganzen die glücklicheren Menschen sind.

Bei Kermit und Piggy sind wir eh erleichtert. Denn wenn wir uns vorstellen, was herauskäme, wenn sich Frosch und Schwein paarten: Oh, mein Gott…

 

 

Angela Merkel kann die neue Queen werden

Ist Markus Söder auf einer Briefmarke denkbar? Eher nicht. Wir müssten an dieser Stelle festhalten, dass es unserem bayerischen Finanzminister hierfür (noch) an Bedeutung mangelt. Womit wir bei der englischen Königin wären. Queen Elizabeth ist II. unfassbar berühmt. Sie darf als erfolgreichstes Briefmarken-Model der Weltgeschichte angesehen werden.

Die Regentin prangt seit ihrer Krönung im Jahr 1952 auf Postwertzeichen im gesamten Commonwealth. Ihr Profil wird in Australien genauso auf Briefe geklebt wie in Kanada oder Hongkong. Zu den Legenden der Philatelie zählt die 1-Penny-Marke von Somlialand aus dem Jahr 1996. So groß ist der Vorsprung von Elizabeth, dass sie selbst Diktatoren mit hohem Abstand zum Rentenalter wie Nordkoreas Kim Jong Un kaum erreichen werden.

Und gerade an den Briefmarken sieht man, was eine Frau wirklich bedeutend macht: Eine zeitlose Frisur, die in jedem Alter gut aussieht. Der vor 63 Jahren amtierenden Palast-Stylist von Buckingham war in diesem Sinne kein Haarkünstler, sondern ein Seher. Seine Welle war und ist perfekt.

Deutsche sind in Sachen Briefmarken-Präsenz bescheiden. Nur Bundespräsident haben das Recht, ihr Konterfei in den Postverkehr einbringen zu lassen. Ansonsten gilt der vorherige Tod als Grundbedingung. Tatsächlich gab es im Jahr 1982 einen Block mit den Köpfen der bis dorthin amtierenden Staatsoberhäupter von Heuss bis Scheel. Dann endete diese Mode, was gerade heute schade ist, wo wir doch einen formatfüllenden Quadratschädel im Amt haben.

Welche deutschen Persönlichkeiten haben ihre Briefmarke zu Lebzeiten bekommen? Papst Benedikt musste sein. Schließlich hat er es als Deutscher zum Oberhaupt eines anderen Staates gebracht. Helmut Kohl durfte, nach anfänglichem Widerstand von CDU-Chefin Merkel – im Jahr 2012 als Ehrenbürger Europas auf die Briefe dieses Landes. Freigänger Uli Hoeneß stürmt auf einer Sonderbriefmarke von 1974 der Fußball-Weltmeisterschaft entgegen, die Weltstars Mario Basler, Mehmet Scholl und Thomas Strunz jubeln auf einer Bayern-München-Meisterschaftsmarke von 1997. Ein wichtiger Prominenter mit Briefmarke war schließlich Eisbär Knut aus dem Berliner Zoo.

Aber haben wir eine Frau mit einer ewigen Frisur? Ja, es gibt sie. Angela Merkel, liebevoll gestylt von Udo Walz. Unsere Bundeskanzlerin wäre für eine dauerhafte Briefmarken-Präsenz geeignet. Sie könnte die neue Queen werden, zumindest in der Eurozone. Bloß beeilen müsste sie sich, denn 63 weitere Jahre Amtszeit sind ein überaus ambitioniertes Ziel.

Ob Markus Söder doch den Anfang machen sollte…

 

 

Fußball ist korrupt – G 7 ist verrückt

Jetzt ist die Bild-Zeitung aber wirklich böse. Unser Zentralorgan des gesundes Volksempfindens klärt uns darüber aus, wie viel Geld ARD und ZDF für die Übertragungsrechts für die nächsten Fifa-Fußball-Weltmeisterschaften in Russland und Katar zahlen: 432 Millionen Euro sollen es sein! Und das alles von unseren Gebühren!!! Gibt es noch Schlimmeres? Ja doch. Sein Name ist G 7.

Zunächst aber zur WM. Die Summe wirkt gigantisch. Andererseits genießt das Recht auf TV-Fußball hierzulande Verfassungsrang. Zumindest informell. Und sicher: Man könnte mit diesem Geld unglaublich viel Gutes bieten. Flaue Serien mit Fritz Wepper oder Christine Neubauer zum Beispiel. Doch würde mit einem Boykott auch das Geschäft der falschen Leute betrieben. Zögen sich die öffentlich-rechtlichen Sender vom Fußball zurück – in den Chefetagen von Sky würden die Sektkorken knallen. Endlich wäre das allerbeste Produkt der Welt nur noch gegen Aufpreis greifbar.

Der finanzielle Aufwand für die großen Blatter-Shows relativiert sich sowieso, wenn man sieht, wofür ansonsten Geld verschleudert wird. So wird der G 7-Gipfel auf Schloss Elmau, dieses Klassentreffen der Regierungschefs der großen Industrienationen, nach neuesten Schätzungen rund 390 Millionen Euro kosten. Und das alles von unseren Steuergeldern!!!

Man muss schon fragen, wie jemand die hirnrissige Idee haben konnte, ein solches Hochsicherheits-Meeting in die oberbayerischen Alpen zu verlegen. Diese Gegend ist hierfür komplett ungeeignet. Schon deshalb, weil im Freistaat der freie Zugang zu den Naturschönheiten Verfassungsrang genießt. Aber die Milliarden, die Berichte aus der wunderschönen Gegend sehen werden? Tja. Bayern punktet im Ausland mit schönen Landschaften, aber auch mit seiner Gelassenheit. Endlose Zäune, Schlagstöcke und Wasserwerfer passen hier nicht hin. Oder will die Münchner Regierung Werbung für Rüstungsprodukte machen?

Man fragt sich sowieso: Wie groß muss die Angst der Mächtigen vor den Menschen sein, wenn sie sich derart abschotten müssen? Wenn über Demonstranten  mehr als potenzielle Gewalttäter denn als Leute gesprochen wird, die von einem Grundrecht Gebrauch machen wollen.

Idylle wird es während der G7-Gipfeltage nicht geben. Und das Schlimmste: Man ahnt schon jetzt, dass nicht viel rauskommt. Außer öde Verlautbarungen, verletzte Demonstranten und Polizisten, gereizte Augen und Hämatome. Da hätten wir wirklich lieber noch eine WM genommen…

 

 

Beten zum Fußballgott? Sinnlos, denn sein Name ist Sepp

Keiner mag ihn, jeder hasst ihn, alle dreschen auf ihn ein. Und trotzdem: Sepp Blatter bleibt Präsident des Weltfußball-Verbandes Fifa. Wie schafft er das bloß?

Zunächst einmal: Dieser Schweizer hat noch mehr Stehvermögen als seine teure Landeswährung. Er hat schon so viele Skandale an sich abperlen lassen, dass er sich jetzt, mit 79 Jahren, erst recht gelassen in jede Schlacht stürzt. Wobei das bei ihm schon lange so war. In diesem Blog wurde seine Karriere am 3. Dezember 2010 ausführlich beleuchtet. Und die zwangsläufige Überschrift lautete: Unser Präsident für die Ewigkeit .

Aber all die Skandale? Muss man nicht ernst nehmen. Bedeutende Fußball-Funktionäre sind als kleine Kicker in ihren Vereinen sozialisiert worden. Und dort geht es nicht immer sauber zu. Wer an seine Anfänge zurückdenkt, wird sich nostalgisch lächelnd an wilde Gefechte auf überschwemmten Hartplätzen erinnern. Ein Sumpf ist für echte Fifa-Männer also mehr Verheißung als Grauen.

Zudem pflegt einer wie Sepp Blatter „die Liebe zum Spiel“ in dem festen Bewusstsein, dass er die Welt beglückt. Deshalb sieht er keinerlei Grund, sich vor irgend jemand zu rechtfertigen. Auch nicht vor dem Fußball-Gott. Denn er ist es selbst. Selbst Stoßgebete für die Fifa landen direkt beim Sepp.

Wie also geht es weiter? Der Fifa-Präsident wird weiter regieren, um sich am Ende seiner Amtszeit als alternativlos zu präsentieren. Auch 2019 werden die Zeiten schwer sein, auch dann wird der Lotse an Bord bleiben müssen. Gegenkandidaten werden schnell resignieren, was bedeutet: Ein Sepp Blatter bekommt immer eine Verlängerung. Ein Elfmeterschießen, also eine Kampfabstimmung, braucht er nicht.

Ändern könnten das nur die Fußball-Verbraucher weltweit. Indem sie das Produkt so stark boykottieren, dass geldgebende Konzerne die Lust verlieren. Machen wir den Test: Schauen wir uns eine ehrliche Amateur-Schlammschlacht auf einem Hartplatz an und fragen wir uns, ob ein solcher Kick Deutschland gegen Brasilien ersetzen kann. Tja, wahrscheinlich hat er uns im Griff. Der ewige Sepp.

 

Null ist gut. Es kann nur aufwärts gehen

Diese Schande! Null Punkte für Deutschland! Wo, bitteschön, kann und darf es so etwas geben? Ebendort, wo die Menschen darüber befinden, ob dieses Land in der Lage ist, neben schnellen Autos auch gute Unterhaltung zu produzieren. Nix war’s, der Eurovision Song Contest war ein Debakel.

So groß und heftig die Drama-Schlagzeilen auch sind, so darf man die Sache doch nicht zu eng sehen. Andorra zum Beispiel hat bei sechs ESC-Teilnahmen insgesamt null Punkte erreicht und die meisten letzten Plätze hat es für Norwegen gegeben. Es geht auch nur um eine Show. Zudem um eine, für die wir mit unseren Fernsehgebühren kräftig bezahlt haben. Wer großzügig zur Party einlädt, lässt bei der Tombola den anderen den Vortritt. Das Geld hat sowieso etwas Gutes: Deutschland war im Finale. Der ewige Rächer des Schlagers hingegen, Ralph Siegel, ist mit seinem Lied für San Marino im Halbfinale ausgeschieden. Platz 27 hätte er wahrscheinlich gerne gehabt.

Schlimm ist die Pleite für Franken. In vielen Belangen sind wir ein Landstrich der unerkannten Supertalente. Jetzt hat einer von uns, dieser Schrat Andreas K. aus Unterfranken, die Nation im Stich gelassen und auch noch die hoffnungsvolle Karriere einer netten jungen Frau beendet. Das gehört sich nicht.

Zu kritisieren ist zudem die planlose Arroganz, mit der wir in einen solchen Wettbewerb hineingehen. Wenn man schon weiß, dass uns die Liebe unserer Nachbarn fehlt, sollte man vorausschauend handeln. Warum hat man nicht einen Bus voller Rentner bezahlt, dessen Passagiere zum richtigen Zeitpunkt von einer Telefonzelle in San Marino aus ins Geschehen eingegriffen hätten? Für zehn Punkte hätten 50 Anrufer allemal gereicht. Und wo war Angel Merkel? Von ihr der Satz „Null Punkte unter Freunden. Das geht gar nicht“ hätte bestimmt gewirkt.

Doch in jeder Krise liegt eine Chance.  Weniger geht nicht – also steht schon jetzt fest, dass es 2016 besser werden müsste. Schon ein Punkt würde, mathematisch gerechnet, eine Steigerung um den Faktor unendlich bedeuten. Der deutsche Adler wird zum Phönix. Ja Europa, so wird es  geschehen!

PS.: Wie bekannt geworden ist, sind die Stimmen in Montenegro und Mazedonien nicht sauber gezählt worden und werden im Endergebnis nicht berücksichtigt. Unser Abstand auf Schweden verringert so somit um zehn Punkte. Wie schön, ein Anfang ist gemacht.

Die Liebe zum Fußball ist ewig. Doch das Glück flieht schnell

Die wilden Tage kommen. Es wird Dramen geben, Tragödien gar. Neue Könige werden gekrönt, einstige Helden müssen wieder von unten anfangen. Worum geht’s? Um den Endspurt in den Bundesligen. Ja, man wird Männer weinen sehen.

Wir dürfen davon ausgehen, dass die Emotionskurven in Münchens Bayern-Arena weniger stark ausschlagen werden. Ein einziger Titel pro Saison ist undiskutabel. Man wird sich fragen, wie es sein kann, dass der spanische Trainer-Messias weniger erfolgreich ist als der nette Jupp vom Niederrhein. Der fehlenden Begeisterung um die läppische Deutsche Meisterschaft könnte dadurch Rechnung getragen werden, dass man die diesbezügliche Weißbier-Dusche mit alkoholfreiem Weizen durchführt.

Aber was wird aus den anderen Menschen? Aus denen, die das Unerwartete erleben? Deren Mannschaft für ein Jahr im „europäischen Geschäft“ mitmischen und sich in eine Zitterpartie gegen den albanischen Pokalsieger begeben muss. Was erleiden jene, deren Teams nicht mehr gegen München, Dortmund oder Schalke sondern gegen Sandhausen oder Bielefeld antreten müssen? Werden sie ein Jahr pures Glück oder eine Saison der tiefsten Depression erleben?

Die Antwort lautet Nein. Zwar ist die Treue eines Mannes zu seinem Fußballverein durch nichts und niemand zu steigern. Aber: Psychologen der Universität Konstanz haben festgestellt, dass Fußballergebnisse das Wohlbefinden von Zuschauern zwar kurzfristig ansteigen lassen aber kaum nachhaltig beeinflussen.

Im Zuge derWeltmeisterschaft in Brasilien haben die Psychologen über eine spezielle Smartphon-App ihren Studienteilnehmern vor und nach den Spielen der Gruppenphase Fragen zu ihrem persönlichen Wohlbefinden gestellt. Es zeigte sich, dass sich Fans der deutschen Elf danach besser fühlten.  Dieses steigerte sich bei Siegen mit einer höheren Tordifferenz. Aber dieser Anstieg war nur von kurzer Dauer. 100 bis 150 Minuten nach dem Spiel regierten die Glückshormone. Doch schon am Morgen nach dem 4:0-Sieg von Deutschland gegen Portugal hatte sich das zunächst markant gesteigerte Wohlbefinden um 23 Prozent reduziert und war damit gleich hoch wie an Tagen ohne Fußballspiele.

Die Liebe zum Fußball ist ewig, aber auch heißeste Herzen erkalten schnell. So wie die Tränen zügig trocknen.

Aber ist das nun schlecht? Gar nicht. Denn so gibt es Hoffnung, dass Sepp Blatter nicht Gott ist, sondern nur ein Schweizer, wie es keinen Schweizer mehr geben. Ein Dasein ohne Fußball mag sinnlos sein. Aber es ist möglich. Schlusspfiff! Das Leben geht weiter!

 

 

 

Baby Charlotte – die Rettung unserer Renten

Prima, wir sind wieder staatstreu. „Kinder sind das köstlichste Gut eines Volkes“, heißt es in der Bayerischen Verfassung. Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir allzuoft von den Kleinen genervt sind. Sei es wegen des unvermeidlichen Spielplatzlärms oder wegen der Dramen in den Quengelzonen der Supermärkte.

Zurzeit ist alles anders, dank Charlotte Elizabeth Diana von Cambridge. Die Zweitgeborene des britischen Thronfolger-Paares Kate und William begeistert die Menschen auch bei uns. Ach, so ein süßes Baby.

Und die königlichen Eltern sind geniale PR-Talente. Sie haben Namen gewählt, mit dem sie nichts falsch machen. Der Vorname Charlotte ist in vielen Ländern beliebt, in Deutschland landet er seit vielen Jahren regelmäßig unter den ersten 20 Plätzen der Beliebtheits-Charts. Unheimlich clever ist zudem die Idee, Uroma und Oma namensmäßig einzubinden.

Den Gipfel des Märchenhaften verkörpert aber die junge Mutter. In alten Erzählungen wird uns berichtet, dass Königinnen und Prinzessinnen übermenschliche Kräfte haben. Und so ist es bei Kate Middleton. Diese Frau bekommt ein 3700-Gramm-Baby und steht schon kurz darauf schlank, schön und frisch frisiert auf dem Balkon. Ganz so, als hätte sie die zurückliegenden Stunden nicht im Kreißsaal, sondern in einer Luxus-Wellness-Anlage für reiche Gattinnen verbracht.

Diese Bilder haben das Zeug, die Welt zu verändern. Zeitschriften eröffnen sie die Chance, Glamour und Niederkunft zusammenzubringen. Wir rechnen mit Titel wie InStyle-Mami oder Design-Mum mit Inhalten wie „Die besten Frisuren für’s Wochenbett“, „Schicke Kleider für danach“ oder „Schon morgen tanz‘ ich im Club“.

Und wenn so der Niederkunft-Hype entfacht ist, haben nicht nur die darbenden Zeitschriften, sondern auch die Fernsehsender ein neues Thema. „Germany’s next top mummy by Hebamme Edith Müller-Blümlein“ setzt den neuen gesellschaftlichen Trend. Magersucht ist besiegt, unsere Geburtenquote schießt nach oben, die Renten sind wieder sicher.

Bleibt das Fazit: Kate und Charlotte, Euch schickt der Himmel. Und falls nicht, dann war es Norbert Blüm. Gut, dass es Euch gibt.