Angela Merkel kann die neue Queen werden

Ist Markus Söder auf einer Briefmarke denkbar? Eher nicht. Wir müssten an dieser Stelle festhalten, dass es unserem bayerischen Finanzminister hierfür (noch) an Bedeutung mangelt. Womit wir bei der englischen Königin wären. Queen Elizabeth ist II. unfassbar berühmt. Sie darf als erfolgreichstes Briefmarken-Model der Weltgeschichte angesehen werden.

Die Regentin prangt seit ihrer Krönung im Jahr 1952 auf Postwertzeichen im gesamten Commonwealth. Ihr Profil wird in Australien genauso auf Briefe geklebt wie in Kanada oder Hongkong. Zu den Legenden der Philatelie zählt die 1-Penny-Marke von Somlialand aus dem Jahr 1996. So groß ist der Vorsprung von Elizabeth, dass sie selbst Diktatoren mit hohem Abstand zum Rentenalter wie Nordkoreas Kim Jong Un kaum erreichen werden.

Und gerade an den Briefmarken sieht man, was eine Frau wirklich bedeutend macht: Eine zeitlose Frisur, die in jedem Alter gut aussieht. Der vor 63 Jahren amtierenden Palast-Stylist von Buckingham war in diesem Sinne kein Haarkünstler, sondern ein Seher. Seine Welle war und ist perfekt.

Deutsche sind in Sachen Briefmarken-Präsenz bescheiden. Nur Bundespräsident haben das Recht, ihr Konterfei in den Postverkehr einbringen zu lassen. Ansonsten gilt der vorherige Tod als Grundbedingung. Tatsächlich gab es im Jahr 1982 einen Block mit den Köpfen der bis dorthin amtierenden Staatsoberhäupter von Heuss bis Scheel. Dann endete diese Mode, was gerade heute schade ist, wo wir doch einen formatfüllenden Quadratschädel im Amt haben.

Welche deutschen Persönlichkeiten haben ihre Briefmarke zu Lebzeiten bekommen? Papst Benedikt musste sein. Schließlich hat er es als Deutscher zum Oberhaupt eines anderen Staates gebracht. Helmut Kohl durfte, nach anfänglichem Widerstand von CDU-Chefin Merkel – im Jahr 2012 als Ehrenbürger Europas auf die Briefe dieses Landes. Freigänger Uli Hoeneß stürmt auf einer Sonderbriefmarke von 1974 der Fußball-Weltmeisterschaft entgegen, die Weltstars Mario Basler, Mehmet Scholl und Thomas Strunz jubeln auf einer Bayern-München-Meisterschaftsmarke von 1997. Ein wichtiger Prominenter mit Briefmarke war schließlich Eisbär Knut aus dem Berliner Zoo.

Aber haben wir eine Frau mit einer ewigen Frisur? Ja, es gibt sie. Angela Merkel, liebevoll gestylt von Udo Walz. Unsere Bundeskanzlerin wäre für eine dauerhafte Briefmarken-Präsenz geeignet. Sie könnte die neue Queen werden, zumindest in der Eurozone. Bloß beeilen müsste sie sich, denn 63 weitere Jahre Amtszeit sind ein überaus ambitioniertes Ziel.

Ob Markus Söder doch den Anfang machen sollte…

 

 

Fußball ist korrupt – G 7 ist verrückt

Jetzt ist die Bild-Zeitung aber wirklich böse. Unser Zentralorgan des gesundes Volksempfindens klärt uns darüber aus, wie viel Geld ARD und ZDF für die Übertragungsrechts für die nächsten Fifa-Fußball-Weltmeisterschaften in Russland und Katar zahlen: 432 Millionen Euro sollen es sein! Und das alles von unseren Gebühren!!! Gibt es noch Schlimmeres? Ja doch. Sein Name ist G 7.

Zunächst aber zur WM. Die Summe wirkt gigantisch. Andererseits genießt das Recht auf TV-Fußball hierzulande Verfassungsrang. Zumindest informell. Und sicher: Man könnte mit diesem Geld unglaublich viel Gutes bieten. Flaue Serien mit Fritz Wepper oder Christine Neubauer zum Beispiel. Doch würde mit einem Boykott auch das Geschäft der falschen Leute betrieben. Zögen sich die öffentlich-rechtlichen Sender vom Fußball zurück – in den Chefetagen von Sky würden die Sektkorken knallen. Endlich wäre das allerbeste Produkt der Welt nur noch gegen Aufpreis greifbar.

Der finanzielle Aufwand für die großen Blatter-Shows relativiert sich sowieso, wenn man sieht, wofür ansonsten Geld verschleudert wird. So wird der G 7-Gipfel auf Schloss Elmau, dieses Klassentreffen der Regierungschefs der großen Industrienationen, nach neuesten Schätzungen rund 390 Millionen Euro kosten. Und das alles von unseren Steuergeldern!!!

Man muss schon fragen, wie jemand die hirnrissige Idee haben konnte, ein solches Hochsicherheits-Meeting in die oberbayerischen Alpen zu verlegen. Diese Gegend ist hierfür komplett ungeeignet. Schon deshalb, weil im Freistaat der freie Zugang zu den Naturschönheiten Verfassungsrang genießt. Aber die Milliarden, die Berichte aus der wunderschönen Gegend sehen werden? Tja. Bayern punktet im Ausland mit schönen Landschaften, aber auch mit seiner Gelassenheit. Endlose Zäune, Schlagstöcke und Wasserwerfer passen hier nicht hin. Oder will die Münchner Regierung Werbung für Rüstungsprodukte machen?

Man fragt sich sowieso: Wie groß muss die Angst der Mächtigen vor den Menschen sein, wenn sie sich derart abschotten müssen? Wenn über Demonstranten  mehr als potenzielle Gewalttäter denn als Leute gesprochen wird, die von einem Grundrecht Gebrauch machen wollen.

Idylle wird es während der G7-Gipfeltage nicht geben. Und das Schlimmste: Man ahnt schon jetzt, dass nicht viel rauskommt. Außer öde Verlautbarungen, verletzte Demonstranten und Polizisten, gereizte Augen und Hämatome. Da hätten wir wirklich lieber noch eine WM genommen…

 

 

Beten zum Fußballgott? Sinnlos, denn sein Name ist Sepp

Keiner mag ihn, jeder hasst ihn, alle dreschen auf ihn ein. Und trotzdem: Sepp Blatter bleibt Präsident des Weltfußball-Verbandes Fifa. Wie schafft er das bloß?

Zunächst einmal: Dieser Schweizer hat noch mehr Stehvermögen als seine teure Landeswährung. Er hat schon so viele Skandale an sich abperlen lassen, dass er sich jetzt, mit 79 Jahren, erst recht gelassen in jede Schlacht stürzt. Wobei das bei ihm schon lange so war. In diesem Blog wurde seine Karriere am 3. Dezember 2010 ausführlich beleuchtet. Und die zwangsläufige Überschrift lautete: Unser Präsident für die Ewigkeit .

Aber all die Skandale? Muss man nicht ernst nehmen. Bedeutende Fußball-Funktionäre sind als kleine Kicker in ihren Vereinen sozialisiert worden. Und dort geht es nicht immer sauber zu. Wer an seine Anfänge zurückdenkt, wird sich nostalgisch lächelnd an wilde Gefechte auf überschwemmten Hartplätzen erinnern. Ein Sumpf ist für echte Fifa-Männer also mehr Verheißung als Grauen.

Zudem pflegt einer wie Sepp Blatter “die Liebe zum Spiel” in dem festen Bewusstsein, dass er die Welt beglückt. Deshalb sieht er keinerlei Grund, sich vor irgend jemand zu rechtfertigen. Auch nicht vor dem Fußball-Gott. Denn er ist es selbst. Selbst Stoßgebete für die Fifa landen direkt beim Sepp.

Wie also geht es weiter? Der Fifa-Präsident wird weiter regieren, um sich am Ende seiner Amtszeit als alternativlos zu präsentieren. Auch 2019 werden die Zeiten schwer sein, auch dann wird der Lotse an Bord bleiben müssen. Gegenkandidaten werden schnell resignieren, was bedeutet: Ein Sepp Blatter bekommt immer eine Verlängerung. Ein Elfmeterschießen, also eine Kampfabstimmung, braucht er nicht.

Ändern könnten das nur die Fußball-Verbraucher weltweit. Indem sie das Produkt so stark boykottieren, dass geldgebende Konzerne die Lust verlieren. Machen wir den Test: Schauen wir uns eine ehrliche Amateur-Schlammschlacht auf einem Hartplatz an und fragen wir uns, ob ein solcher Kick Deutschland gegen Brasilien ersetzen kann. Tja, wahrscheinlich hat er uns im Griff. Der ewige Sepp.

 

Null ist gut. Es kann nur aufwärts gehen

Diese Schande! Null Punkte für Deutschland! Wo, bitteschön, kann und darf es so etwas geben? Ebendort, wo die Menschen darüber befinden, ob dieses Land in der Lage ist, neben schnellen Autos auch gute Unterhaltung zu produzieren. Nix war’s, der Eurovision Song Contest war ein Debakel.

So groß und heftig die Drama-Schlagzeilen auch sind, so darf man die Sache doch nicht zu eng sehen. Andorra zum Beispiel hat bei sechs ESC-Teilnahmen insgesamt null Punkte erreicht und die meisten letzten Plätze hat es für Norwegen gegeben. Es geht auch nur um eine Show. Zudem um eine, für die wir mit unseren Fernsehgebühren kräftig bezahlt haben. Wer großzügig zur Party einlädt, lässt bei der Tombola den anderen den Vortritt. Das Geld hat sowieso etwas Gutes: Deutschland war im Finale. Der ewige Rächer des Schlagers hingegen, Ralph Siegel, ist mit seinem Lied für San Marino im Halbfinale ausgeschieden. Platz 27 hätte er wahrscheinlich gerne gehabt.

Schlimm ist die Pleite für Franken. In vielen Belangen sind wir ein Landstrich der unerkannten Supertalente. Jetzt hat einer von uns, dieser Schrat Andreas K. aus Unterfranken, die Nation im Stich gelassen und auch noch die hoffnungsvolle Karriere einer netten jungen Frau beendet. Das gehört sich nicht.

Zu kritisieren ist zudem die planlose Arroganz, mit der wir in einen solchen Wettbewerb hineingehen. Wenn man schon weiß, dass uns die Liebe unserer Nachbarn fehlt, sollte man vorausschauend handeln. Warum hat man nicht einen Bus voller Rentner bezahlt, dessen Passagiere zum richtigen Zeitpunkt von einer Telefonzelle in San Marino aus ins Geschehen eingegriffen hätten? Für zehn Punkte hätten 50 Anrufer allemal gereicht. Und wo war Angel Merkel? Von ihr der Satz “Null Punkte unter Freunden. Das geht gar nicht” hätte bestimmt gewirkt.

Doch in jeder Krise liegt eine Chance.  Weniger geht nicht – also steht schon jetzt fest, dass es 2016 besser werden müsste. Schon ein Punkt würde, mathematisch gerechnet, eine Steigerung um den Faktor unendlich bedeuten. Der deutsche Adler wird zum Phönix. Ja Europa, so wird es  geschehen!

PS.: Wie bekannt geworden ist, sind die Stimmen in Montenegro und Mazedonien nicht sauber gezählt worden und werden im Endergebnis nicht berücksichtigt. Unser Abstand auf Schweden verringert so somit um zehn Punkte. Wie schön, ein Anfang ist gemacht.

Die Liebe zum Fußball ist ewig. Doch das Glück flieht schnell

Die wilden Tage kommen. Es wird Dramen geben, Tragödien gar. Neue Könige werden gekrönt, einstige Helden müssen wieder von unten anfangen. Worum geht’s? Um den Endspurt in den Bundesligen. Ja, man wird Männer weinen sehen.

Wir dürfen davon ausgehen, dass die Emotionskurven in Münchens Bayern-Arena weniger stark ausschlagen werden. Ein einziger Titel pro Saison ist undiskutabel. Man wird sich fragen, wie es sein kann, dass der spanische Trainer-Messias weniger erfolgreich ist als der nette Jupp vom Niederrhein. Der fehlenden Begeisterung um die läppische Deutsche Meisterschaft könnte dadurch Rechnung getragen werden, dass man die diesbezügliche Weißbier-Dusche mit alkoholfreiem Weizen durchführt.

Aber was wird aus den anderen Menschen? Aus denen, die das Unerwartete erleben? Deren Mannschaft für ein Jahr im “europäischen Geschäft” mitmischen und sich in eine Zitterpartie gegen den albanischen Pokalsieger begeben muss. Was erleiden jene, deren Teams nicht mehr gegen München, Dortmund oder Schalke sondern gegen Sandhausen oder Bielefeld antreten müssen? Werden sie ein Jahr pures Glück oder eine Saison der tiefsten Depression erleben?

Die Antwort lautet Nein. Zwar ist die Treue eines Mannes zu seinem Fußballverein durch nichts und niemand zu steigern. Aber: Psychologen der Universität Konstanz haben festgestellt, dass Fußballergebnisse das Wohlbefinden von Zuschauern zwar kurzfristig ansteigen lassen aber kaum nachhaltig beeinflussen.

Im Zuge derWeltmeisterschaft in Brasilien haben die Psychologen über eine spezielle Smartphon-App ihren Studienteilnehmern vor und nach den Spielen der Gruppenphase Fragen zu ihrem persönlichen Wohlbefinden gestellt. Es zeigte sich, dass sich Fans der deutschen Elf danach besser fühlten.  Dieses steigerte sich bei Siegen mit einer höheren Tordifferenz. Aber dieser Anstieg war nur von kurzer Dauer. 100 bis 150 Minuten nach dem Spiel regierten die Glückshormone. Doch schon am Morgen nach dem 4:0-Sieg von Deutschland gegen Portugal hatte sich das zunächst markant gesteigerte Wohlbefinden um 23 Prozent reduziert und war damit gleich hoch wie an Tagen ohne Fußballspiele.

Die Liebe zum Fußball ist ewig, aber auch heißeste Herzen erkalten schnell. So wie die Tränen zügig trocknen.

Aber ist das nun schlecht? Gar nicht. Denn so gibt es Hoffnung, dass Sepp Blatter nicht Gott ist, sondern nur ein Schweizer, wie es keinen Schweizer mehr geben. Ein Dasein ohne Fußball mag sinnlos sein. Aber es ist möglich. Schlusspfiff! Das Leben geht weiter!

 

 

 

Baby Charlotte – die Rettung unserer Renten

Prima, wir sind wieder staatstreu. „Kinder sind das köstlichste Gut eines Volkes“, heißt es in der Bayerischen Verfassung. Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir allzuoft von den Kleinen genervt sind. Sei es wegen des unvermeidlichen Spielplatzlärms oder wegen der Dramen in den Quengelzonen der Supermärkte.

Zurzeit ist alles anders, dank Charlotte Elizabeth Diana von Cambridge. Die Zweitgeborene des britischen Thronfolger-Paares Kate und William begeistert die Menschen auch bei uns. Ach, so ein süßes Baby.

Und die königlichen Eltern sind geniale PR-Talente. Sie haben Namen gewählt, mit dem sie nichts falsch machen. Der Vorname Charlotte ist in vielen Ländern beliebt, in Deutschland landet er seit vielen Jahren regelmäßig unter den ersten 20 Plätzen der Beliebtheits-Charts. Unheimlich clever ist zudem die Idee, Uroma und Oma namensmäßig einzubinden.

Den Gipfel des Märchenhaften verkörpert aber die junge Mutter. In alten Erzählungen wird uns berichtet, dass Königinnen und Prinzessinnen übermenschliche Kräfte haben. Und so ist es bei Kate Middleton. Diese Frau bekommt ein 3700-Gramm-Baby und steht schon kurz darauf schlank, schön und frisch frisiert auf dem Balkon. Ganz so, als hätte sie die zurückliegenden Stunden nicht im Kreißsaal, sondern in einer Luxus-Wellness-Anlage für reiche Gattinnen verbracht.

Diese Bilder haben das Zeug, die Welt zu verändern. Zeitschriften eröffnen sie die Chance, Glamour und Niederkunft zusammenzubringen. Wir rechnen mit Titel wie InStyle-Mami oder Design-Mum mit Inhalten wie „Die besten Frisuren für’s Wochenbett“, „Schicke Kleider für danach“ oder „Schon morgen tanz’ ich im Club“.

Und wenn so der Niederkunft-Hype entfacht ist, haben nicht nur die darbenden Zeitschriften, sondern auch die Fernsehsender ein neues Thema. „Germany’s next top mummy by Hebamme Edith Müller-Blümlein“ setzt den neuen gesellschaftlichen Trend. Magersucht ist besiegt, unsere Geburtenquote schießt nach oben, die Renten sind wieder sicher.

Bleibt das Fazit: Kate und Charlotte, Euch schickt der Himmel. Und falls nicht, dann war es Norbert Blüm. Gut, dass es Euch gibt.

Gönnt dem Papst die Pizza

Ach ja, dieser Papst. Alle lieben Franziskus. Selbst dann, wenn er über würdevolle Ohrfeigen philosophiert. Möchte man also mit ihm tauschen? Also, ich nicht.
Am Ostersonntag wurde auf dem Petersplatz in Rom des Heilands Auferstehung gefeiert. Nun sollte man doch meinen, dass es sich beim Sieg über den Tod um ein freudiges Ereignis handelt. Die Geschichte von Jesus’ Wiederkehr eignet sich als Stoff für eine riesengroße Party. Meint man.
Die Fernsehbilder zeigen etwas anderes. Die Gesichter vieler Menschen sind todernst. Und ein älterer Herr redet von Kriegen, Folter, Kindsmissbrauch und religiöser Verfolgung. Seltsam freudlos, das Ganze.
Doch warum schreibe ich das überhaupt? Seit ich denken kann, kenne ich es nicht anders. Wahrscheinlich ist es zwar die Aufgabe eines Papstes, Hoffnung zu verbreiten. Aber offenbar so, dass den Menschen klar wird, dass es in Urbi und Orbi so viel Mist gibt, dass diese Zuversicht göttlich sein muss. Letztlich muss das alles so dosiert sein, dass die Menschen nicht noch verzweifelter nach Hause gehen, als sie zur Feier auf dem Petersplatz angekommen sind.
Ich möchte das nicht machen müssen. Aber Papst wäre sowieso nichts für mich, wenn ich lese, was er selber so sagt. Liebend gerne, so Franziskus gegenüber einem mexikanischen Fernsehsender, möchte er ab und zu aus dem Vatikan ausbrechen, um irgendwo in Rom eine Pizza zu essen. Da haben wir es doch viel einfacher. Zumal wir unseren mit Salami & Co, belegten Teigfladen nicht im weißen, im konkreten Fall also höchst verräterischen Gewand verzehren müssten.
Man muss den Papst nicht beneiden, aber er verdient unser Mitgefühl. Denn die Ärzte des Vatikans haben missmutig registriert, dass Franziskus seit seiner Wahl im Jahr 2013 ziemlich an Gewicht zugelegt hat. Die Mediziner haben dem Vernehmen nach zum teilweisen Pasta-Verzicht geraten.
So viel Leid weltweit, so wenig Hoffnung – und dann auch noch Diät? Nein, das ist zu viel für einen Menschen. Lieber Franziskus, bei der nächsten Calzone denken wir an Dich und beten, dass Du auch bald eine kriegst. Versprochen! Amen!

Der Franke und sein Herz aus Sandstein

Der Franke gilt als “Gewürfelter”. „Sich wenden, sich drehen, im Leben bestehen”, sehen Heimatforscher als seine typischen Eigenschaften. Der Franke mag langweilig erscheinen. Aber er überrascht immer wieder mit Wendigkeit, Witz und Widersprüchlichkeit. Selbst dann, wenn er singt.

Einem großen Millionenpublikum war die fränkische Neigung zu extremen Hochs und Tiefs bisher aus dem Fußball bekannt. Der 1. FC Nürnberg, auch bekannt als “Der Club”, wurde Deutscher Meister – und stieg bei nächster Gelegenheit ab. Er wurde Pokalsieger – und war ein Jahr später weg vom Fenster. Der Fahrstuhl des Lebens ist des Frankens Stammplatz.

Jetzt ist ein gewisser Andreas Kümmert grandios in die Fußstapfen der ruhmreichen Kicker vertreten. Mit Pilsbar-Outfit, Zauselbart, aber toller Stimme siegte der Unterfranke beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest. Hashtag #USFÖ” (Unser Song für Österreich). So sicherte er sich die Chance, vor noch mehr Zuschauern aufzutreten, als es der Glubb jemals geschafft hat. Sogar Australien schaut diesmal zu. Doch im entscheidenden Moment wurde sein “Heart of Stone” weich wie Sandstein und rutschte ihm tief in die ausgebeulte Jeans.

“Ich bin nur ein kleiner Sänger”, seufzte er nach seinem Sieg ins Mikrofon und gab den Fahrschein nach Wien an eine Kollegin ab, die ein Lied über schwarzen Rauch schreit. Warum – darüber darf gerätselt werden. Vielleicht hat ihn zwecks hohem Fieber die fränkische Bescheidenheit übermannt. Es gab da aber auch das Gerücht, er habe bei einem Konzert Frauen als Schlampen beschimpft und sie zum Oralverkehr aufgefordert.

Einem Rockstar, das wissen wir, könnte das nicht schaden. Beim durchgeknallten Glitzer-Contest gehört sich das natürlich nicht. Wien sagt: “Was kümmert uns Andreas?”. Und nach diesem überragenden Absturz gilt. Wer sich so schnell in die vierte Liga schießt, kommt nur ganz, ganz schwer nach oben.

 

 

WM in Katar: Joseph wird kein Messias mehr

Diese Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, dass Profi-Fußball immer und überall ist. In manchen Wochen wird an jedem Nachmittag oder Abend gekickt. Aber der wahre Belastungstest kommt erst noch: Die Fifa will die Weltmeisterschaft 2022 in die Vorweihnachtszeit legen. Am 23. Dezember soll Finale sein. Unser Advent als Zeit der stillen Besinnungslosigkeit bekommt einen weiteren Stressfaktor.

So ist sie eben, die Fifa. In ihrer unermesslichen Geldgier hat sie die WM versehentlich in ein Emirat vergeben, in dem es zwecks größter Hitze blödsinnig erscheint, überhaupt Fußball zu spielen. Außerdem müssen die ganzen Stadien auf eine Fläche passen, die nur eineinhalb Mal größer als Mittelfranken ist. Was schon fast wie eine Aufforderung zu gemäßigten Eroberungskriegen wirkt.

Wirkliche Sinnkrisen wird aber der Termin auslösen. Nehmen wir bloß den Einzelhandel. Traditionell waren große sommerliche Sportereignisse ein guter Anlass um für neue Fernsehgeräte das Urlaubsgeld zu verpulvern. Wie machen wir das 2022? Im November kaufen, aber das Geschenk erst nach Weihnachten bezahlen? Verschenken wir Fußballtrikots, Kamelschrei-Tröten und schwarz-rot-goldene Bohrturm-Mützen bereits zu Halloween? Startet der Sale schon Anfang Dezember? Und: Wann, bitteschön, sollen Männer Einkaufen gehen? Der 24. Dezember 2022 ist zwar ein Samstag – doch zwecks Restalkohol könnte dieser Weg kein leichter sein.

Ganz grundsätzlich hätte man von einem Menschen, der wie Blatter Joseph heißt, so viel Respektlosigkeit gegenüber dem christlichen Kommerz nicht erwartet.  Doch das halten wir aus. Die Bibel hat den Fußball vorhergesehen. “Viele blieben erschlagen liegen bis an das Tor”, kommentierte das zweite Buch Mose das Elfmeterschießen bei großer Hitze. “Sie umgeben mich von allen Seiten; aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren”, sagt Psalm 118 über den Widerstand bei Powerplay. Und wer der erste Torwart war, wissen wir auch, denn: “Gott sprach: Noah, geh in den Kasten, ich lass es stürmen.”

Den WM-Gastgebern wiederum müsste ihre Zusammenarbeit mit der Fifa eigentlich peinlich sein. Denn islamische Gelehrte sehen Fußball keineswegs positiv. Sie wünschen sich sportliche Betätigungen, die keine Schäden für Körper und Geist verursachen und weder Neid noch Hass schüren. Das ist in diesem Sport undenkbar.

Aber das ist den islamisten-freundlichen Scheichs an dieser Stelle wurscht. Sie reiben sich die Hände, wenn es im Abendland vor Weihnachten noch mehr Zwist und Streit gibt als ohnehin gewohnt. Und der Blatter Sepp hilft eifrig mit. Er mag im Geld schwimmen, bis er ein U-Boot braucht. Aber Messias wird er keiner mehr.

 

 

Ekel-Essen macht uns nur noch stärker

Also sprach meine ehrenamtliche Medienberatung: “Wenn du Klicks willst, musst du über das Dschungelcamp schreiben.”Ja, stimmt schon. Aber irgendetwas in mir sträubt sich. Ich habe nämlich von der aktuellen Staffel nur 15 Minuten gesehen. Sachkunde vorzutäuschen, hieße demnach Lügenpresse sein.

Die wahrhaftige Dschungelcamp-Presse ist die Bild-Zeitung. In ihr habe ich als vermutlich nicht gelogene Meldung gelesen, dass eine gewisse Maren Gilzer einfach alles runterschluckt. Die somit zur Dschungelköniging Gewordene war in den 80-er Jahren eine ausgesprochende Katalog-Schönheit. Nach dem Start des Privatfernsehens drehte sie in einer Sendung namens “Glücksrad” Buchstaben um. Sie war die Händlerin, bei der man ein “E” kaufen konnte. Auch ich fand sie damals nicht unsexy.

Ihr Dschungelcamp-Auftritt ist nicht würdevoll, aber lehrreich. Wir erfahren nämlich, dass den essenden Menschen nahezu nichts umbringt. Auch die ekligsten Körperteile ekliger Tiere haben irgend einen Nährwert. Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter.

Und um das zu wissen, brauchen wir keinen Dschungel. Eine Pute aus einem ostwestfälischen Mega-Stall ist wohl kaum gesünder als eine Kakerlake aus australischer Freilandhaltung. Also haben wir uns doch nicht so. Probieren wir etwas Neues.

Zumindest eines ist sicher: Der Glaube, dass ein hoher Preis für Qualität bürgt, ist zumindest unter Männern nicht so weit verbreitet. Gemäß einer aktuellen Statistik ist das billige Oettinger das beliebteste Bier der Deutschen. Es siegte knapp vor Krombacher. Jenem Bier, dessen Verkauf schon mal der Aufforstung des brasilianischen Dschungels diente.

Fazit: Wir bleiben uns treu. Vielleicht ekeln wir uns manchmal. Aber wenn, dann bitte bodenständig.