Wertschätzung ist der Schlüssel

Unsere Bauern sind sauer. Was für die Medien nicht die schlechteste Angelegenheit ist.  Denn die Männer in ihren Mega-SUV’s sind jenseits aller Fakten mindestens eine schönes Fotomotiv. Innenstädte voller Traktoren, das hat schon was.

Hoffentlich hilft es auch. Denn Anlass zur Wut haben die Landwirte. Sie sollen zwar dafür sorgen, dass Schnitzel, Milch oder Salate zu Dumping-Preisen zum Discounter unserer Wahl kommen, sollen dabei aber lieb zur Natur sein. Während Industriebetriebe wie selbstverständlich die Umwelt belasten, sollen sie betriebswirtschaftlich erfolgreich produzieren, aber dabei Bienen und Hummeln streicheln. Großstädter, die ihren Kindern nicht beibringen konnten, dass Kühe nicht lila sind, erklären ihnen, wie Felder zu bestellen und Tiere zu halten sind.

Den Landwirten fehlt an dieser Stelle etwas, das auch der Stadtbewohner von seinem Chef nie genug bekommt: die Wertschätzung. Jene Anerkennung, die Menschen dazu antreibt, ihr Bestes zu geben. Aber wie soll das bei Bauern gehen, wenn sie erleben, dass Verbraucher bei steigenden Preisen ganz schnell auf billige Importware ausweichen? Wie ist das Gefühl, wenn ein Kalb auf dem Fleischmarkt nicht einmal acht Euro bringt? Einen Preis, den der aufgeklärte Städter für sein T-Shirt verabscheuen würde, weshalb er Klamotten.Discounter meidet.

Und dann taucht in einer aufgeregten Debatte unsere famose Landwirtschaftsministerin auf. Julia Klöckner, die gerade noch auf der Grünen Woche in Berlin erklärt hat, dass Landwirtschaft egen der wachsenden Weltbevölkerung effektiver werden müsse, so dass Büllerbü kein Vorbild sei, sieht es nun auf Twitter ganz anders: Unter dem Hashtag #Dorfkinder malt sie ein idyllisches Bild vom wunderbaren Landleben. Und wo glückliche Kinder leben, ist das schöne Leben nicht fern.

Dass #Dorfkinder elend weite Wege in die Schule haben, dass sich sie zwecks Handy-Empfamg ans Ortsschild oder auf einen Hügel stellen müssen oder dass sie in ihrer Freizeit außer Saufen nicht viele Möglichkeit haben: Für die Ministerin ist das kein Thema.

Notwendig wäre etwas anderes: mehr Ehrlichkeit. Wer eine möglichst intakte Natur will, möge mehr für Fleisch oder Gemüse bezahlen oder weniger verbrauchen. Wer als Bauer auch für die ärmere Kundschaft produziert, sollte nicht pauschal geächtet werden. Wer an Weihnachten Erdbeeren aus Südafrika kauft, sollte nachdenken.

Die Welt ein bisschen besser machen. So könnte es gehen…