Der Wohlgeföhnte vom Automarkt

Schauen wir uns Andreas Scheuer doch an. Famose Föhnwelle, schicke Designerbrille, saloppe Kleidung, jugendlicher Habitus – ein Typ, so smart wie Christian Lindner. Einer, bei dem man die Gretchenfrage „Würden Sie diesem Mann einen Gebrauchtwagen abkaufen?“ auf der Stelle und uneingeschränkt mit „Ja! Ja! Ja!“ beantworten würde. Die Pointe: Unser Bundesverkehrsminister ist Autoverkäufer.

Man muss nur überlegen, was ein unabhängiger Verkehrsminister alles sein könnte: Bewahrer der Umwelt, Beschützer der Konsumenten, Rächer der Betrogenen. Stattdessen arbeitet der Scheuers Andy, wie ihn seine Freunde nennen, treu und ergeben im Sinne der Autoindustrie. Und rät den Dieselfahrern, sich mit kostenlosen Hardware-Nachrüstungen und ähnlichen sozialistischen Ideen nicht aufzuhalten. Viel wichtiger für Tiere, Pflanzen, Gesellschaft und Arbeitsplätze sei doch die „Erneuerung der Flotte“.

So etwas Ähnliches, Volkes Beitrag zur Flottenerneuerung, hatten wir schon einmal: unsere Sektsteuer. Im Jahr 1902 wurde vom Reichstag die Schwaumweinsteuer beschlossen, mit dem Zweck, die kaiserliche Marine zu finanzieren. Dieses finanzielles Opfer ist uns geblieben, denn Steuern oder Solidarbeiträge werden, einmal beschlossen, nicht mehr abgeschafft.

Die Kriegsschiffe unserer Tage heißen SUV’s. Und wieder sind wir aufgerufen, ein Opfer für das große Ganze zu bringen. Weil es der Minister mit dem Autoverkaufen aber nicht zu plump treiben darf, nutzt er die Dienste seines Kraftfahrtbundesamtes. Sie ist sozusagen Scheuers Verfassungsschutz, mutmaßlich unabhängig, jedoch sehr oft auf seltsamen Pfaden. Ganz offen macht es Werbung für die Rabattaktionen der deutschen Hersteller.

Und spätestens hier müssen wir dem Wohlgeföhnten böse sein. Wissen wir doch, dass es immer irgendwelche Rabatte gibt und das wirklich clevere Händler stets vor  Beginn der Rotstiftaktionen ihre Preise erhöhen. Politik kann falsch sein, abwegig, schräg. Aber wenn sie die Menschen verkohlt, ist sie nicht mehr tragbar.

Verehrter Herr Scheuer, gerade macht sich ein Minister Ihrer Partei auf, irgendwie und irgendwann seinen Hut zu nehmen. Wenn er geht, gehen Sie bitte mit. Auch bei politischer Flottenerneuerung sollte niemand abseits stehen.