Rechter Hass – eiskalt kalkuliert

Da waren sie wieder, die Kopftuchmädchen. In ihrer Rede zum Haushalt des Kanzleramtes holt die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel den durch Thilo Sarrazin bekannt gewordenen Begriff aus der Versenkung. Wohl noch selten wurde im Bundestag derart hasserfüllt und rassistisch gepredigt.

Man möchte diesen Auftritt am liebsten ignorieren. Vielleicht wäre das auch gut. Aber Weidel hat in frecher Offenheit einen Einblick in ihr rechtsextremes Denken gegeben. Und mit ihr ihre Fraktion, deren Mitglieder nach ihrer Rede begeistert in die Höhe sprangen.

Warum war die Rede extremistisch? Alice Weidel sprach davon, dass „Burkas, Kopftuchmädchen, Messermänner und andere Taugenichste“ den Sozialstaat Deutschland nicht würden bewahren können. Botschaft Nummer eins: Frauen, die Burka oder Kopftuch tragen, sind irreparabel dumm. Sie taugen im Weltbild der AfD-Hetzerin nur für Hilfsarbeiten, aber sie werden niemals nennenswerten Steuern zahlen, weil sie einfach zu wenig verdienen. Zwar käme niemand auf die Idee, einer gläubigen Katholikin die Befähigung zur Hochschulreife zuzugestehen. Aber bei einer Muslima ist das so.

Auch Weidels „Messermänner“ sind vor allem Hetze und Stammtischgebrüll. Sagt uns dieser Begriff doch, dass Zuwanderer primitiv sind, weil sie Metzgerswaffen verwenden. Der kultivierte Mitteleuropäer sticht nicht zu, er schießt.

Man sollte keinesfalls glauben, dass Alice Weidel durchgeknallt ist. Die AfD-Frau weiß, was sie tut. Wer ihre selbstverliebten Gesten während der Rede beobachtet hat, kann sicher sein, dass hier ein kalt kalkulierter Tabubruch stattgefunden hat. Man weiß von ihr auch, dass sie mit dem früheren Trump-Berater Stephen Bannon darüber gesprochen hat, wie ihre Partei die Bevölkerung über das Internet erfolgreich  erreichen kann. Die AfD richtet in ihren Büros  im Bundestag ein Fernsehstudio ein. Ihre Zukunftsvision beschrieb Weidel der Neuen Zürcher Zeitung so: „Die Menschen sollen AfD statt ARD schauen.“

Ob die Reaktion von Angela Merkel, Weidels Hassrede zu ignorieren und dem Hohen Haus bloß „Guten Morgen“ zu wünschen, ausreichend ist, muss bezweifelt werden. Hass aufwerten ist falsch, aber keinerlei Reaktion zu zeigen, könntr die Hetzer anstacheln. Hoffentlich heißt es nicht irgebdwann für uns alle „Guten Morgen“. Dann aber alarmiert fünf Ausrufezeichen.