Was ist der Wert des Menschen?

„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ So wie Goethe haben sich zahllose Philosophen, Theologen oder Dichter den Kopf darüber zerbrochen, was uns wertvoll macht. Viel wurde da von Idealismus, von Treu‘ und Redlichkeit geredet und geschrieben. Ist das die Wahrheit?

Die Frage, was aus einem Menschen ein Vorbild macht, ist nicht eindeutig zu beantworten. Es ist relativ. In romantischen Momenten halten wir Zuwendung für andere und Hilfsbereitschaft für besonders ehrbar. Wer sich ohne Bezahlung für einen guten Zweck engagiert, gilt uns als kleiner Held.

Vorbild kann auch sein, wer noch sechs Monate nach einer Diät schlank ist. Jemand, der sich dem Klima zuliebe vom Rinderbraten ab- und dem Gründkernbratling zugewandt hat. Jemand, der sein Auto ganz bewusst stehen lässt, der repariert statt wegwirft. Jemand, der sein ganz persönliches Afrika-Projekt pflegt.

Wir suchen unsere wertvollen Menschen auch im Beruf. Das kann eine Kollegin sein, die eine gute Balance zwischen Arbeit und Leben gefunden hat. Es kann auch der umsatzstarke Kundenberater oder aber die konsequente Führungskraft sein. Die Aktionäre huldigen dem  Rendite-Optimierer.

Womit wir bei jenen sind, die mächtig genug sind, um ihren Wert selbst als überragend hoch zu definieren. Männer, die durch Wahlen zu Präsidenten geworden sind und nun ihre Armeen nach Belieben abziehen oder losschicken. Die töten lassen, weil es angeblich höheren Zielen dient.

Und da zeigt sich eine klare Formel für den Wert des Menschen: Wenn du zur falschen Zeit am falschen Ort geboren bist, zählst du für das Weltgeschehen gar nichts.

Es gibt da dieses Video einer kurdischen Mutter, die ihr kleines Kind im Arm wiegt, das bei einem Bombenangriff getötet worden ist. „Warum darf das sein? Wer hilft uns?“, schluchzt sie bei laufender Kamera. Sie bekommt keine Antwort. Und doch ist sie wertvoll, ist es auch ihr Kind.

Denn seine Mutter hält es noch im Arm, wenn sie es schon verloren hat. Es ist bloß kein Trost…