Die große Freiheit kann ungesund sein

Ist das nicht wunderbar? Unsere Arbeitsministerin Andrea Nahles schwingt die Fackel der Freiheit. Die Menschen sollen sich aus den Fesseln der geregelten Arbeit lösen können Das Leben in digitalen Zeiten wird schön sein.

Sollen wir das wirklich glauben? Zumindest fällt das schwer, wenn man einen Ursprung der Initiative der SPD-Ministerin kennt. Nämlich ein Positionspapier des Bundesverbandes der Arbeitgeber. Darin wird mit Blick auf die Digitalisierung und die Zukunftschancen der deutschen Wirtschaft das Hohelied der Deregulierung gesungen. Acht-Stunden-Tag? Muss weg. Fünf-Tage-Woche? Ist von vorgestern. Denn merke: Schutzgesetze stören bei der bedarfsgerechten Ausbeutung des Humankapitals.

Also lädt man die Menschen zum Mitmachen ein. Und das gefällt den 30-Jährigen, die ihr Büro als Smartphone oder Tablet mit sich herumtragen. Arbeiten wo man will, wan man will, so oft man will – bis das aktuelle Projekt fertig ist.

Bloß: Nur wenige merken, dass clevere Arbeitgeber nur darauf warten, dass sich das flexible Arbeiten eingespielt hat. Dann werden Zielvorgaben Stüclchen für Stückchen weiter nach oben gesetzt. Was den jungen digitalen Helden der Arbeit erst dann bewusst wird, wenn sie mit 45 zum Burnout-Patienten geworden sind. Ob sie danach noch dabei sind, ist fraglich. Kranke oder Leistungsschwache sind in der Cloud nicht gerne gesehen.

Aber Flexibilität hilft uns doch, unser Leben zu organisieren. Sicher, und wer Freiheit geschickt nutzt, wird damit glücklich werden. Wer aber sicher ist, dass abhängig Beschäftigte ihren Chefs ganz selbstbewusst regelmäßig einen Korb geben werden, ist sehr optimistisch. Wahrscheinlicher ist: Wenn die Fackel der Freiheit richtig brennt, wird sie unter unseren Bürostuhl gestellt. Und das bringt uns – jede Garantie – so richtig auf Trab.

 

 

 

 

Sigmar, wir brauchen Dich!

Immer mehr Menschen verachten politische Rituale. Aktionen, bei denen Parteistrategen mutmaßlich Hand in Hand mit den  verbündeten Medien den Menschen inhaltsleeres Geschehen als spannend vorgaukeln. Die Kür des SPD-Kanzlerkandidaten ist so ein Fall.

Angela Merkel hat Ja gesagt. Und nun ist die vereinigte Presse hinter den Sozialdemokraten her. Diese können noch so sehr beteuern, dass sie ihren Spitzenmann erst Ende Januar küren wollen. Es wird ihnen nichts helfen. Schon bald wird man bei der SPD einsehen, dass eine Kandidatenkür zwar Interesse erzeugt, dass sich dieses aber schnell abnutzt, wenn die Sache offensichtlich geregelt ist.

Der Kanzlerkandidat wird Sigmar Gabriel heißen. Er hat das Feld für sich bereitet, indem er den beliebtesten Politiker seiner Partei, Frank-Walter Steinmeier, als künftigen Bundespräsidenten aufs realpolitische Altenteil bugsiert hat. Martin Schulz wäre als neuer Außenminister einer Großen Koalition mit seiner umfassenden EU-Erfahrung adäquat versorgt. Trotzdem wurde ein scheinbar ernsthaftes Bewerbungsrennen um die Kanzlerkandidatur inszeniert.

Weil aber Martin Schulz offenbar doch Blut geleckt hat, bringt der Parteitaktiker Gabriel mit dem Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz einen weiteren Kandidaten ins Gespräch. Scholz gegen Schulz – das müsste sich doch neutralisieren.

Wird es auch, denn es wäre irrational, würde Gabriel erneut verzichten. Er hat es ungewöhnlich lange an der SPD-Spitze ausgehalten. Er hat eine bisher alternativlose Gegnerin, welche in diesen Tagen müde und ideenlos wirkt. Wenn er Erfolg haben will, und sei es nur durch ein relativ gutes Ergebnis, dann bei der kommenden Wahl.

Warum also zögert er, zumindest nach außen? Wahrscheinlich weil er gerufen werden will. Dieser Mann braucht Liebe, er möchte gerufen werden. Also, Ihr Genossinnen und Genossen, reißt Euch zusammen, reicht Euch die Hände und ruft: „Sigmar, wir brauchen Dich!“ Ihr werdet sehen, dann wird alles gut. Oder wenigstens ein bisschen besser…

 

 

Als Bayern modern war – anno 1946

Da hat die CSU dumm ausgeschaut: Unverbindliche Volksbefragungen wollte sie durchführen. Doch die höchsten Richter des Landes spielten nicht mit. Einfach mal fragen – das sei gegen die Bayerische Verfassung, stellten sie fest.

Wie? Bayern? Eigene Verfassung? Was soll das denn? So dürften viele fragen. Aber es gibt dieses Regelwerk für unser Zusammenleben. Und es ist gar nicht schlecht.

Gemäß dieser Verfassung geht alle Staatsgewalt vom Volke aus. Das klingt gut und anspruchsvoll, stimmt aber wohl eher kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals, als der Einfluss multinationaler Konzerne auf die Politik noch  gering war.

Als Staatsbürger sahen die alten Bayern jeden Menschen ab 18. Fragen wie ethnische Herkunft oder religiöse Ausrichtung sollten keine Rolle spielen. Schließlich sollte jedermann die Freiheit haben, „innerhalb der Grenzen der Gesetze und der guten Sitten alles zu tun, was anderen nicht schadet.“ Allerdings ist „die Bekämpfung von Schmutz und Schund“ als staatliche Aufgabe definiert.

Bayerns Verfassung sagt jedem Menschen eine angemessene Wochnung zu. Menschliche Arbeitskraft ist „als wertvollstes wirtschaftliches Gut eines Volkes“ vor Ausbeutung zu schützen, der Gebrauch von Eigentum hat – so die Verfassung – auch dem Gemeinwohl zu dienen.

Und dann gibt es noch diesen Artikel 105: „Ausländer, die unter Nichtbeachtung der in dieser Verfassung niedergelegten Grundrechte verfolgt werden und nach Bayern geflüchtet sind, dürfen nicht ausgeliefert oder ausgewiesen werden.“

So sah man die Dinge im Jahr 1946. Woraus wir lernen : Manchmal kann früher auch moderner sein. Klüger auf jeden Fall.

 

 

Lobet den Herrn! Die Retterin bleibt

Wir preisen den Herrn und alle guten Mächte dieser Welt. Sie bleibt! Angela Merkel, Bewahrerin des Guten und Schönen, Retterin der Demokratie, Schutzheilige der Nicht-Populisten, möchte auch nach dem Jahr 2017 Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende sein. Die Welt atmet auf.

Schließlich hat sie unser Lieblings-US-Präsident erst vor wenigen Tagen in der Rang der Alternativlosigkeit erhoben. Barack Obama ließ uns wissen, dass seine verlässlichste Partnerin weiterhin gebraucht würde. Wäre er Deutscher, wäre er Merkel-Anhänger. Das macht Eindruck.

Angesichts der Sonntags-Top-Nachricht von der nächsten Spitzen-Kandidatur darf man allerdings auch fragen: Wer hätte es denn sonst sein sollen? Jens Spahn, der eifrige Warner vor allzu verwöhnten Rentnern? Thomas de Mazière, der trübäugige Sicherheits-Herbeiredner oder Ursula von der Leyen, die Frau mit der Beton-Frisur, die trotzdem keine Mauern baut? Wolfgang Schäuble, der immer möglicher Kandidat für alles Mögliche war, aber darüber 74 Jahre alt geworden ist? Oder gar Markus Söder, der auf seinem langen Weg zum Bayerischen Ministerpräsidenten in ein paar Monaten dermaßen abserviert ist, dass er zur Not den Bundeskanzler macht?

Nichts von alledem. Angela Merkel hat die Reihen möglicher Konkurrenten dermaßen gelichtet, dass uns klar sein sollte, dass nur sie allein entscheiden wird, ob sie kandidiert oder nicht. Die Bewerbung für eine Amtszeit bis 2021 ist sowieso politisch korrekt. Denn so gibt die im Jahr 1954 geborene Kanzlerin der Rente mit 67 ein Gesicht.

Zusammengefasst bedeutet das: Die überragende Neuigkeit ist gar keine, der Überraschungswert geht gegen Null.

Und genauso wenig sollte es uns verwundern, dass es nach der nächsten Wahl eine neue GroKo geben wird. Das ist zugegebenermaßen außerordentlich öde. Andererseits: Vielleicht mögen wir gerade Langeweile – in diesen seltsamen Zeiten.

 

 

 

 

Fakten zählen? Nix da, das ist vorbei!

Postfaktisch. Das also ist der große Trend der Zeit. Jedenfalls hat der für seine richtungsweisenden Sprachbetrachtungen berühmte Verlag Oxford Dictionaries dieses Adjektiv zum internationalen Wort des Jahres 2016 gewählt. Weil immer Menschen auf Tatsachen pfeifen und stattdessen an etwas glauben, was ihnen besser ins eigene Weltbild passt. Wie man es aus dem Online-Handel kennt: Diese Meinung könnte Ihnen auch gefallen.

Verstehen kann man die Menschen. Die Wahrheit ist oft sehr vielschichtig und entsprechend lästig. Einfache Lösungen, wie man sie in Film und Fernsehen erlebt, also etwa Rettung vor Außerirdischen in knapp zwei Stunden, gibt es im realen Leben nicht. Das schürt Zorn auf jene, die man gewählt hat, damit sie Probleme schmerzfrei beseitigen. Und wertet jene Menschen auf, die einfache Lösungen anbieten.

Dann ist es egal, ob ein Donald Trump lügt, wenn er sich als Immobilienhai zum Anwalt der kleinen Leute macht und im Vorbeigehen das völlig absurde Versprechen von 25 Millionen neuen Jobs. Es juckt nicht, wenn sich nationale Alleingänge wie beim Brexit fatal auswirken können. Manche glauben sogar daran, dass die Bundesrepublik Deutschland als Staat gar nicht existiert. Man hat es ja „im Internet“ gelesen.

Nun soll allerdings niemand behaupten, dass unsere Politik immer nur „faktisch“ sei. Wenn die FDP behauptet, dass private Finanzkonzerne die Altersversorgung managen können, ist das genauso daneben, wie wenn jemand „Die Rente ist sicher“ plakatiert. Mancher fabuliert, dass man Probleme mit der Zuwanderung endgültig dadurch regeln könne, dass man eine Obergrenze festsetzt oder indem man einen Staatschef mit diktatorischen Zügen hofiert. Andere wollen mehr Steuergelder von Reichen, ohne Reichtum zu definieren. Und, und, und…

Man sieht: Fakten sind nicht alles. Die Gedanken sind frei. Und ja, man darf auch träumen. Aber: Muss es dann wirklich so oft, albtraumhafter Mist sein?

 

Politik ist schmutzig – auch beim Dieselauto

Politik ist ein schmutziges Geschäft. Selbst Donald Trump hat dies in seiner ersten Rede nach der Wahl festgestellt. Wir sagen gerne: Dieser Kerl ist ein Lügner. Solche Politiker gibt es bei uns nicht. Wirklich nicht? Dann denken wir mal an Dieselautos.

Seit Umweltproblemen immer offensichtlicher wurden, ist die Autoindustrie immer lebensbewahrender geworden. Zum Teil mit besserer Technik, zum Teil bloß in ihrer Werbung. Als Mitte der 80-er Jahre Katalysatoren auf den Markt kamen und schließlich mit reichlich Steuergeldern gefördert wurden, wurde den Autokäufern das gute Gefühl vermittelt, mit jedem Neuwagen drei Hektar Fichtenwald gerettet zu haben. Autos schienen endlich sauber zu sein. Unser Gewissen war rein.

Schon bald rollte die große Dieselwelle. Diese Motoren verbrauchten weniger Treibstoff, der Staat half mit einer niedrigeren Mineralölsteuer. Auch der Diesel wurde als Öko-Auto propagiert. Die deutschen Hersteller profitierten von diesem Image-Gewinn ganz besonders, denn die Konkurrenz aus Fernost war bei dieser Technik im Hintertreffen.

Inzwischen wissen wir: Die Firmenangaben hinsichtlich der Abgaswerte sind gelogen, selbst aus dem Auspuff eines Drei-Liter-Autos kommt reichlich giftiges Zeug. Speziell Feinstaub ist aus Diesel gemacht.

Wir wurden also schmutzig belogen. Was in einer Nation von Autofahrern Groll verursacht, und uns schwer glauben lässt, dass mit Kohlestrom betriebene Elektroautos abgasfrei fahren sollen.

Aber so ist das eben. Politik dient nicht allein der Wahrheit. Sie dient der Wirtschaft, den Arbeitsplätzen, dem Export. Und flunkert deshalb, lügt oder verschweigt, was nicht zu diesen Zielen passt.

Jedoch, ist das ein Skandal? Sicherlich. Andererseits hat der Bürger, der mündig sein will, die Pflicht, selbst nach der Wahrheit zu suchen. Wir haben nicht den Himmel oder die Hölle auf Erden, wir haben die Erde auf Erden. Sie hat schmutzige Ecken, aber wir können sie säubern, wenn wir falschen Propheten nicht vertrauen.

Es kann besser oder sogar gut werden. Aber es liegt sehr an uns.

 

 

Trump ist da. Wir hoffen auf Joschka Fischer

Alle waren gegen Donald Trump. bis auf die Mehrheit. So lässt sich die Wahl des neuen US-Präsidenten kurz und knackig bilanzieren. Die Zwielicht-Gestalt ist ganz oben angekommen. Was nun?

Ganz sicher wissen wir im Moment nur eines: Das Leben geht weiter. Das US-amerikanische Volk hat sich bei der Wahl unter zwei Unsympathen für die männlichen Variante entschieden. Was das auslösen wird, muss man noch sehen. Steht Donald Trump zu seinen Versprechen, kann er nicht viel Schaden anrichten. 25 Millionen Jobs will er schaffen. Das sollte ihn für einige Zeit beschäftigen. Außerdem plant er den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Logisch, mit hässlichen Bauwerken kennt er sich aus.

Aber hat dieser Wahlausgang vielleicht doch etwas Gutes? Ja doch. Zwar wirkt es absurd, dass sich die Benachteiligten und Verarmten ausgerechnet hinter einem stinkreichen Immobilien-Mogul versammeln. Aber es zeigt doch, dass die Politik die mitunter so bezeichnete Unterschicht nicht unterschätzen sollte. Die gesellschaftliche Ungleichheit in den USA ist erheblich größer als bei uns, die Konditionen für zig-tausende Jobs sind die Schlechtesten in der westlichen Welt, die Gefahr, komplett abzustürzen, ist Normalität.

Unsere Politik wird schnell begreifen, dass sie sich schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb schleunigst den Verlieren zuwenden muss, wenn sie nicht abgewählt werden will. Gerechtigkeit wird auf der politischen Agenda nach vorne rücken.

Ansonsten ist die US-Wahl ein ziemlicher Jammer. Halten wir uns also an unseren letzten Hoffnungsträger, den früheren Vizekanzler und ganz früheren Steinewerfer Joschka Fischer. „Das Amt verändert den Menschen mehr, als der Mensch das Amt“, lautete sein bekanntester Lehrsatz. Möge es bei Präsident Trump so geschehen…

 

Esst Fleisch. Salat macht Bäuche dick

Worüber soll man bloß schreiben, in diesen potenziellen Vor-Trump-Zeiten? Wir sind gelähmt, selbst der Dax zittert angstvoll im Angesicht des Milliardärs. Krisenstimmung herrscht – und dazu passt diese Nachricht: Pflanzenfressene Säugetiere haben dickere Bäuche als Fleischfresser.

Das sägt an tragenden Säulen unseres Weltbildes. Hatten wir doch die Hoffnung, dass wir, wenn alle Diäten versagt haben, immer noch Veganer werden können. Dann, so unsere Vorstellung, würden die Pfunde einfach so dahinschmelzen.

Freunde von Currywurst und Bier stellen sich ja Veganer immer auffallend schlank, hohlwangig und schulterknochig vor, chronisch unterernährt eben. Dicke Menschen bringen sie mit Kohlrabi und Spinat niemals in Verbindung.

Aber die Wahrheit ist eine andere. Wie Forscher aus Berlin und Zürich herausgefunden haben, ist pflanzliche Kost vergleichsweise schwer verdaulich. Deshalb braucht das Essen größere Zwischenlager im Körper. In der Tierwelt führt das dazu, dass Vegetarier in der Regel nicht nur dicker, sondern auch deutlich größer sind als Fleischfresser. Schlimm für den, der, wie so viele, eh schon untergroß ist.

Vielleicht passt die Tier-Studie aber nicht zum modernen Menschen. Denn wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir viel zu vegetarisch leben. Wir sitzen herum, schauen in die Fernseh-Landschaft und kauen ohne Pause. So wie es Pflanzenfresser tun.Vom Leben der Raubtiere, die schlank sind, weil sie der Beute nachrennen müssen, ist bei uns nicht mehr viel übrig. Am Einkaufswagen verbrennt man keine Kalorien.

Was aber hat das alles mit Donald Trump zu tun? Gemäß der Studie gilt die Bauch-Regel nicht bei den Dinosauriern. Da waren Fleisch- und Pflanzenfresser von Natur aus gleich dick. Und ein 70-jähriger Jobbewerber kann schon so gesehen werden.

 

Lieber Gott, rette das Establishment!

Wie geht es weiter mit dieser Welt? Genau weiß das keiner, aber der 8. November wird uns schlauer machen. Sollte dieser Donald Trump nämlich Präsident werden, ist zumindest eines klar: Der Niedergang der Institutionen oder des „Essdäblischmends“, wie der US-Amerikaner sagt, wird nicht mehr aufzuhalten sein.

Unser vulgärer Schreihals verstärkt aber nur einen längst vorhandenen Trend. Bei einer Studie zur Lebenswelt der 18- bis 34-Jährigen gaben 71 Prozent der Befragten an, dass sie der Politik nicht vertrauen. 50 Prozent gaben an, überhaupt kein Vertrauen in religiöse Institutionen zu haben. Die Medien kommen mit einer Misstrauensquote von 25 Prozent noch relativ gut weg.

Diese Stimmung bereitet den Nährboden für seltsame Gestalten. So stellen wir erstaunt fest, dass so genannte „Reichsbürger“ oder „Germaniten“ deutlich zahlreicher sind als weiße Einhörner. Menschen, die ihr Haus und Grundstück zu einem eigenen Hoheitsgebiet erklären und die Existenz der Bundesrepublik Deutschland als Staat leugnen. Deshalb zahlen sie keine Steuern und drohen Gerichtsvollziehern Schläge an.

Aber lassen wir uns nicht täuschen: Diese Leute sind nicht aufrichtig. Wären sie es, müssten sie in ihrem Fernsehsessel verhungern. Sie dürften ja auch keine indirekten Abgaben, also etwa Mehrwert- oder Mineralölsteuern zahlen. Aktionen nach dem Motto „Wir schenken Ihnen 19 Prozent!“ veranstalten nur Möbelhäuser und Elektrogroßmärkte. Die Erwartung, dass der Metzger Schnitzel und Leberwurst an einer Duty-Free-Theke verkauft, ist abseitig. Der Hungertod müsste von Reichsbürgern billigend in Kauf genommen werden.

Zerstört werden Institutionen aber auch aus dem herrschenden System heraus. Nehmen wir die Wahl des neuen Bundespräsidenten: Honorige Persönlichkeiten zeigen zwar Bereitschaft, aber nur, wenn vor der Abstimmung sicher ist, dass sie es auch werden. Da fragt man sich doch, ob es wirklich so ein unattraktiver Job ist, zwischen zwei richtungsweisenden Ansprachen mit dem Staatschef von Burundi Antilopenbraten zu essen. Müsste um dieses Amt nicht mit Leidenschaft gerungen werden?

Und dann noch die Clowns. Gerade ist der große Oleg Popov gestorben. Ein Spaßmacher der leisen Töne und im richtigen Leben ein herzensguter Mensch. Doch gute Institutionen bröckeln. Neuzeitliche Grusel-Clowns springen aus dunklen Ecken und ihr amerikanischer Kollege braucht nicht mal eine Maske, um uns zu erschrecken.

Wir schauen zum Himmel und flehen: Lieber Gott, lass‘ wenigstens diesen Kelch an uns vorübergehen. Darum bitten wir. Auch wenn Du zum Establishment gehörst.

 

 

 

Luther und die Kräuterbutter

Und hier mein Beitrag zum Reformationstag:

Der Reformator Martin Luther

aß sehr gerne Kräuterbutter

á la Hildegard von Bingen

es brachte ihn sehr laut zum Singen

Dem Papst in Rom, dem platzte schnell

das göttergleiche Trommelfell

Und aus der guten alten Bibel

wurde eine deutsche Fibel

alsbald gab es in teutschen Landen

jede Menge Protestanten

Was Kräuterbutter uns gebiert

mit Mettwurst wär‘ es nicht passiert.