Buch und Bier: Das rat‘ ich Dir

Große Momente der Fortentwicklung unserer Gesellschaft erleben wir immer dann, wenn es gelingt, Unvereinbares zusammenzubringen oder wenigstens friedlich nebeneinander existieren zu lassen. Am 23. April ist dies gelungen: Geichzeitig wurden der Welttag des Buches und der Tag des Bieres gefeiert.

Klare Sache, würden ältere Menschen sagen. Das Buch den Frauen. Das Bier den Männern. Genau so könne man einen Tag in Frieden verbinden. Denn klar sei doch, dass Lesen eine weibliche Domäne darstelle. Allenfalls begleitet von einem Glas Prosecco.

Der Genuss von Bier hingegen gehe oft viel zu schnell in Saufen über. Mit der Folge, dass allenfalls noch das Lesen von Großbuchstaben einer Getränkekarte oder aber das zutreffende Interpretieren der Bilder von Spielkarten möglich sei.

Jedoch: Unsere Welt ist divers geworden. Zwar befindet sich das klassische Pils in einem Abschwung wie die Volksparteien. Dafür reüssieren Brauereien mehr denn je mit Mischgetränken oder aber mit alkoholfreiem Gerstensaft. Einem Produkt, das von Biertrinkern noch vor einigen Jahren als böse Verirrung des Geistes bezeichnet wurde. Aber wen stört das noch, wenn fleischlose Wurst in den Regalen unserer Einkaufsmärkte liegt?

Jedenfalls hat sich das Buch recht gut gehalten. Zwar werden Romane oder Sachbücher genauso wie aktuelle Printmedien digital verbreitet, doch wird die Wertigkeit eines schön gedruckten und gestalteten Buches viel höher eingeschätzt. Gute Texte lesen -das gilt als edle Freizeitbeschäftigung.

Doch das Bier ist nicht verloren. In Supermärkten findet sich immer häufiger spzieller Gerstensaft, zum Teil in schlanken Weinflaschen abgefüllt. Der Versuch, aus einem Alltagsgesöff etwas Besonderes zu machen, ist längst angelaufen.

Vielleicht gibt es an einem 23. April der nächsten Jahre die finale Versöhnung beider Produkte. Der Liebesroman „Es geschah im Hopfengarten“, genußvoll gelesen bei einem alkoholfreien Prosecco-Weizen.

Und unsere Gesellschaft wäre wieder ein bisschen diverser.