Wer wischt, hat Erfolg

Wer sich die Menschen an einer ganz normalen Bushaltstelle anschaut, fragt sich vielleicht, wie diese wohl sein mögen, wenn sie ausnahmsweise nicht auf ihr Smartphone-Display schauen. Strahlen ihre Augen? Schauen sie teilnahmslos? Gücken sie böse? Wer also sind all jene Leute, die freiwillig Teile ihrer Lebenszeit in gekrümmter Haltung verbringen?

Die Antwort: Es sind nicht die Schlechtesten. Das behauptet zumindest das US-amerikanische Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center, welches – man möchte „endlich“ sagen – den Prototyp des Smartphone-Nutzers wissenschaftlich definiert hat.

Die erste Erkenntnis, dass sie vergleichsweise jung sind, wird nicht überraschen. Wer miterlebt hat, wie insbesondere junge Frauen mit ihren Daumen in stenographischer Geschwindigkeit über das Display sausen, wird die Überlegenheit der Digital Natives anerkennen. In hochentwickelten Gesellschaften hat gemäß unserer Studie jeder Mensch unter 35 Jahren sein eigenes Smartphone. Allerdings: Die Alten holen auf. In Deutschland nutzen zwei von drei über 50-Jährigen Handy oder Smartphone.

All das reicht nicht zum Spitzenplatz. Die höchste Nutzungsquote bei Smartphones und Handy gibt es mit 100 Prozent in Südkorea. Was nicht verwundert in einem Land, in dem schon Säuglinge erleben, dass es in den Straßen dauernd leuchtet, blinkt oder blitzt. Israel und die Niederlande folgen in der Tabelle. Wir liegen auf Platz 8.

Interessant ist, dass Smartphones und Handy geschlechtslose Produkte sind. Sie werden von Frauen und Männern im etwa gleichen Umfang genutzt.

Gibt es hier also Gleichmacherei? Vielleicht ja. Denn angeblich sind notorische Smartphone-Nutzer gebildeter als die Rest-Bevölkerung. Nun wissen wir allerdings, dass das Internet nicht bloß schlauer macht. Insbesondere sorgen hilfreiche Apps dafür, dass evolutionäre Errungenschaften wie der Orientierungssinn auf dem Rückzug sind.

Und nicht zuletzt: Das Erlebnis, mit realen Menschen von Auge zu Auge zu reden, wird seltener. Es muss nicht, kann jedoch etwas sehr Schönes sein. Wir mögen jung, gebildet und wohlhabend sein: Aber diesen Gedanken sollten wir nicht wegwischen.