Adieu Weihnachtsmann. Jetzt kommt das Christkind

Fachkräftemangel kennen wir, aber diese Nachricht schockt uns doch: In Deutschland herrscht akuter Weihnachtsmänner-Mangel. Verlischt also das Strahlen in den Kinderaugen?

Das kann wohl sein. Unsere Kleinen sind ja das folgende Ritual gewohnt: Da parkt so ein Mann mit weißem Bart und roten Mantel seinen Rentier-Schlitten auf dem Gehsteig, kommt in die Wohnung und gibt schwer definierbare Geräusche von sich. Durch sein Auftreten verbreitet er Angst, die sich jedoch mit Übergabe der Geschenke in wohlige Freude der lieben Kleinen verwandelt. Wie schön, das alles.

Doch dieser Brauch ist bedroht. Denn selbstverständlich existiert der Weihnachtsmann nicht als himmlischer  Abgesandter, sondern in Form von Darstellern. Ausgefüllt haben seine Rolle vorzugsweise Studenten, die sich auf diese Art und Weise ein nettes Zubrot verdient haben. Doch obwohl die Mieten immer mehr steigen, ist dieser lukrative Nebenjob nicht mehr gefragt. Die Weihnachtsmann-Seminare der Arbeitsagenturen sind schwach besucht, für potentielle Auftraggeber hagelt es Absagen. Die Geschenke-Lieferanten sind inzwischen ähnlich rar wie Klempner oder Fliesenleger.

Aber muss uns das bedrücken? Nein, gar nicht. Denn in der biblischen Geschichte kommt der Weihnachtsmann nicht vor. Nie war er einer der drei Könige. Er ist in seiner heutigen Erscheinung ein Produkt der US-amerikanischen Zuckersprudel-Industrie. Nämlich eine Erfindung von Coca-Cola, jener Limonade, die neuerdings selbst die AfD nicht mehr zur deutschen Leitkultur zählen mag.

Nehmen wir Abschied von ihm und nähern uns der wahren Weihnachtsgeschichte. Retten wir das Christkind! Lassen wir es in unsere Wohnzimmer einschweben, auch wenn sich unter dem wehenden Gewand eine Frau verbergen sollte.

Oder wir lösen das Problem in eigener Regie. Indem sich Papa oder Opa zu Ochs oder Esel machen. Darauf, dass sie das können, geben erfahrene Ehefrauen oder Großmütter Brief und Siegel. So singet denn und jauchzet sehr. Den Weihnachtsmann braucht keiner mehr.