Zu wenig Gold? Beim Sport der Zukunft wird geklickt

Oh, welches sportliche Leid. Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in London ist Deutschland dramatisch untergegangen. Nur zehnter Platz im Medaillenspiegel, hinter der Mannschaft der „Neutralen Sportler“. Aber ärgern wir uns nicht. Es passt zu uns. Und es wird besser.

Dieses Land war einmal eine Leichtathletik-Weltmacht. Das galt, noch mehr als für Westdeutschland, für die DDR. Reihenweise Fabelrekorde wurden von deren Sportlern aufgestellt. Weitspringer, Kugelstoßer oder Hürdenläufer wurden gezielt geformt, wie es wohl nur in totalitären Systemen möglich ist. Doping wird auch geholfen haben. Aber ohne Pillen wird eben aus einem kleinen Mädchen kein Bauernschrank für den Kugelstoß-Ring.

Heute ist alles anders. In Sachen Sport wird lieber geklickt als geschwitzt. Gemäß einer Studie eines internationalen Forscherteams, an dem auch die Uni Heilbronn beteiligt war, beschäftigen sich Jugendliche in ihrer Freizeit lieber mit Smartphone, Tablets und portablen Spielkonsolen als mit echtem Sport. 10,3 Stunden Medienkonsum an Wochentagen und 12 Stunden an den Wochenenden stehen im Durchschnitt 5,1 Stunden Sport gegenüber. Ein internationales Forscherteam hat dazu 391 Heranwachsende im Alter zwischen 10 und 14 Jahren untersucht. Zwar in Tirol, aber das Verhältnis dürfte stimmen.

Medienkonsum gehört total zum jungen Leben. Im Durchschnitt verfügt jeder der Heranwachsenden über 5,6 der folgenden Geräte: Fernsehen, Mobiltelefon, Smartphone, Tablet, PC/Laptop, stationäre und portable Spielkonsolen, CD-Spieler, MP3-Player und Radio. 31,1 Prozent gaben an, sie könnten ohne Smartphone nicht leben. Die soziale Schicht spielt dabei keine Rolle.

Bezahlt wird der ständige Medienkonsum mit einem hohen Body-Mass-Index, harter Sport ist nicht mehr drin.

Aber ist das wirklich so schlimm? Vielleicht huldigen wir bloß den falschen Disziplinen. Wer die berühmtesten Dart-Spieler der Welt auf der Straße sieht, wird sie kaum als Sport-Millionäre einschätzen. Und überhaupt: Wer präzise Finger mit einem guten Auge vereint, hat auch das Zeug, berühmt zu werden. Computer-Spiel-Events finden schon seit längerem in ausverkauften großen Hallen statt. Auch virtuell werden Heldengeschichten geschrieben.

Alsdenn: Sofa statt Laufbahn, das ist wohl ganz realistisch die Zukunft. Wir sind so. Auch wenn ein echter 100-Meter-Lauf viel schöner ist.