Auch ein Schnitzel verdient Respekt

Die Krise ist stets auch ein Spiel von Entdecken, Erinnern und Vergessen. Sie gibt uns Hinweise auf notwendige Veränderungen, sie führt uns Missstände vor Augen. So wie jetzt das grausame Geschehen in unseren Schlachthöfen. Wo nicht nur Tiere nach strengen betriebswirtschaftlichen Vorgaben getötet und zerlegt werden. Sondern wo auch arbeitende Menschen ihrer Würde beraubt werden. Müssen wir also Vegetarier werden? Nein, zwingend ist das nicht.

Sollte uns Tierschutz auch jenseits unserer schnurrenden Hauskatze ein Anliegen sein, müssten wir unablässig aufheulen. Die Gesetze erlauben uns, Tiere so stark zu quälen, wie es unbedingt erforderlich ist. Da es zur Natur des Menschen gehört, Fleisch zu essen, darf also geschlachtet werden. Denn das Volk muss ernährt werden.

Jedoch, wie? So, wie es in großen Schlachthöfen geschieht, ist es Tag für Tag ein grausames Gemetzel. Tiere werden in Todeszonen getrieben, in denen sie mit einem Bolzenschuss gegen den Schädel getötet werden. Danach werden sie von schlechtest bezahlten Arbeitern in ihre Einzelteile zerlegt. Viele Osteuropäer sind im Einsatz. Denn die Löhne, die Deutschen zu niedrig sind, helfen ihnen für ein besseres Leben in ihrer Heimat.

Einer Heimat, die sie für längere Zeit verlassen müssen. In Rumänien etwa gibt es das Wort von den EU-Waisen. Kinder, die bei ihren Großeltern oder Tanten aufwachsen, weil die Mutter alte Menschen pflegt. Und weil der Vater Spargel sticht oder eben Schweine schlachtet.

Aber muss man sich den Metzger als Henker denken? Einen, der am Fließband mordet, um den Akkord einzuhalten. Oder müsste ein Fleischer  nicht jemand sein, der seinen Beruf mit Respekt vor dem Tier ausübt? Dem es darum geht, möglichst viel von jedem getöteten Schlachtvieh zu vermarkten und nicht bloß den Billigstpreis, sondern auch gute Qualität für seine Kunden zu erreichen?

Das gibt es. Aber schon kommt der Zweifel: Können sich ärmere Menschen diese Ware überhaupt leisten? Müssen wir nicht hochindustriell töten, damit möglichst alle satt und zufrieden sind?

Faktisch ist das nicht so. Die Ironie unserer Ernährungsindustrie ist doch, dass es fast allen Beteiligten helfen würde, wenn weniger, aber dafür besseres Fleisch gegessen würde. Das viel zitierte Tierwohl hätte schon im Stall eine reale Chance. Wir hätten weniger Wohlstandskrankheiten, wären schlanker und würden vielleicht sogar ein ganz normales Schnitzel als Genuss erleben. Ein besseres Gewissen hätten wir obendrein.

Die einzigen Verlierer wären jene, die mit Massenware Profite machen. Aber müssen wir denen wirklich helfen? Bestimmt nicht. Denn Wirtschaft wandelt sich, wenn es die Kundschaft wirklich will.

Verändern müssen wir also erstmal nur uns selbst. Das ist die schwierigste aller Übungen. Aber sie lohnt sich doch.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *