Als Impfen noch süß war…

„Schluckimpfung ist süß. Kinderlähmung ist grausam.“ Ältere Menschen erinnern sich noch gut an diesen Slogan. Als Schulkinder waren sie ab den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgerufen, das Mittel gegen eine gefährliche Krankheit zu nehmen. Wobei der Herr Amtsarzt im langen Mantel tatsächliche, allerdings geschwächte Erreger auf ein Zuckerstück träufelte. Der Effekt: Ohne Pieks wurde Polio zurückgedrängt und zumindest in unseren Breiten besiegt.

Geht doch! Was also bewegt die Impfgegner, die so aggressiv auf unseren Plätze demonstrieren? In erster Linie ihr tiefes, eigenes Misstrauen. Es ist das Paradoxe an Impfungen per Spritze, dass der Körper verletzt wird, damit der Mensch auf Dauer unversehrt bleibt. Und die klassische Frage „Braucht es das wirklich?“ ist umso schwerer zu bejahen, je geringer die Zahl der Erkrankten ist. Erfolg wird zum Problem.

Auf der Flucht vor der Injektionsnadel wuchern also die Verschwörungstheorien. Da wird gestreut, dass Impf-Kampagnen in Wahrheit ein Konjunkturprogramm für die globale Pharmaindustrie seien. Bill Gates wird als schlimmer Diktator dargestellt. Sicher, sein Konzern zwingt der Welt Produkt-Updates von teilweise mäßiger Qualität auf. Aber im Kampf gegen ansteckende Krankheiten hat er sein Geld segensreich arbeiten lassen.

Eine weiteres Gerücht besagt, dass den Impf-Dosen Stoffe beigemischt würden, welche die Menschen dumm und gefügig machen. Bloß mit welchem Ziel? Damit sie im Fernsehen mehr sinnloses Zeug anschauen? Schließlich gibt es die Alltags-Philosophen. Die einen denken laut über die Frage nach, ob es dem Staat erlaubt werden dürfe, dass er darüber bestimme, wie freie Bürger*innen ihre Gesundheit schützten. Ihre Transparente folgen gar der Tradition des genialen Denkers Immanuel Kant. Dieser lehnte zu seiner Zeit eine Pocken-Impfpflicht ab, da diese Behandlung zum Tode führen könnte. Und Selbsttötung sei unethisch.

So hat jede*r einen Grund, dagegen zu sein. Was eigentlich nicht schlimm ist. Denn natürlich darf in einem freien Land jede*r für oder gegen etwas demonstrieren. 

Aber man möchte schon wissen: Was machen Impfgegner, die in exotische Länder reisen wollen? Nehmen sie das Risiko von Gelbfieber, Typhus oder Cholera in Kauf? Machen sie lieber Urlaub daheim?

Und was tun sie, wenn sie mit einer bösen Seuche infiziert werden? Verweigern sie die Behandlung, seufzen sie „Bitte lasst mich sterben!“?

Wir haben da eine Ahnung. Also sollten wir vielleicht zurück zur sanften Form, der Schluckimpfung. Medizin im Landbier? Impfserum im Prosecco? Corona-Immunität dank präparierter Gummibärchen? 

Es wäre ein Weg. Impfgegner, bleibt gesund! 

 

 

 

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