Die E-Scooter-Seuche ist vorbei

Erinnern wir uns noch? An die Tage und Wochen, in denen diese fiesen Eindringlinge unser Wohlbefinden gestört haben? Wie sehr es uns belastet hat, dass sie plötzlich als ungebetene Gäste überall in unserer Stadt waren? Und wie wir uns darüber gewundert haben, wie es nur sein könne, dass sich irgendjemand damit infiziert?

Ja, die E-Scooter. Sie waren die Seuche vor Corona. Wir waren verunsichert bis erbost. Wir hätten die Nutzer*innen dieses kindischen Gefährts am liebsten mit einer strengen Wegfahrsperre belegt. Und nun? Die Roller sind vergessen.

Tatsächlich ist die aktuelle Bedrohung um etliche Dimensionen größer als Andy Scheuers Mobilitäts-Geniestreich. Doch der Blick zurück lehrt uns auch, dass – und das sei dem Virus hiermit in aller Deutlichkeit gesagt – wir schnell vergessen werden, was uns gestern bedroht hat.

Die Corona-Krise wird nicht so viel verändern, wie manche meinen. Klar, da wird die Erkenntnis bleiben, dass Homeoffice möglich ist. Vielleicht bewahren wir uns die schöne Erfahrung, dass faules Daheimsein schöner sein kann als erlebnishungriges Herumrennen. Und dass der zweite Mensch auf dem Sofa, den wir sonst nur selten wahrnehmen, eigentlich ganz nett ist. Bei aktiven Zeitgenossen ist der Hund als Haustier populärer geworden.

Schließlich: Haben wir nicht gelernt, dass ein Menschenleben im Zweifel wichtiger ist als das Funktionieren der Wirtschaft? Bislang schon. Aber mit jeder neuen Firmenpleite und jedem Hartz-IV-Antrag eines Selbstständigen schwindet dieser Glaube. Er droht dem Drängen der Tatendurstigen zu weichen.

Doch wer so agiert, lebt letztlichin Angst. Ungeduld ist die Sorge, dass die Bedrohung auf Dauer bleibt. Also möchte man es schnellstmöglich so haben wie gewohnt. Einfach raus aus der verkorksten Lage.

Geduld ist die ungleich härtere Arbeit. Aber wir sollten sie leisten. Lassen wir den Menschen zählen, warten wir noch ein paar Tages ab. Und eines wird uns doch hoffentlich bleiben: Über den nächsten E-Scooter können wir lachen.