Ein 2020 ist genug

Geflügelte Worte gehören zur Politik. Beim Blick nach vorne dürfen wir uns auf folgende Botschaft einrichten: „2020 darf sich nicht mehr wiederholen“. Verständlich, denn ein Leben mit der Seuche ist nicht schön – und demnach parteiübergreifend zu vermeiden.

Wahrscheinlich ginge das sogar. Wenn man sieht, welche astronomischen Summen zum Stützen und Auftauen der eingefrorenen Wirtschaft bereitgelegt sind, möchte man vermuten,  dass solche Kraftakte auch für die Verbesserung des Gesundheitssystems möglich wären. Wenn man denn wollte.

Wir müssten uns darauf verständigen, dass der freie Markt doch nicht alles bestens regelt. Und dass es Lebensbereiche gibt, in denen Profit zweitrangig zu sein hat. Wir bräuchten mehr Herz.

Aber ist das realistisch? Die vermutlich zutreffende Antwort liefert uns das ominöse Jahr 2015. Damals wurde uns die Angst, dass wir von Zuwanderern überrollt werden könnten, wie mit dem Holzhammer eingebläut.

In unserem Alltag sind unsere Neubürger keine Bedrohung.  Aber öffnet das unser Herz? Gerade wurde gemeldet, dass Deutschland 50 unbegleitete Kinder aus heillos überfüllten griechischen Flüchtlingslagern übernehmen.

50 Kinder, also zwei Schulklassen, für ein Land mit über 80 Millionen Einwohnern. Ja, wir haben  ein Herz. Aber ist eng und kalt.

Und was bedeutet das in Sachen Corona? Wir werden wenig lernen, aber die Angst wird bleiben. 

Wenigstens eines ist in neun Monaten gewiss: 2020 wird es nicht mehr geben.