Beifall hilft nicht wirklich

Es gehört zum Wesen von Krisen, dass wir entdecken, was schief läuft und was geändert werden müsste. Ebenso sicher erleben wir es, dass sich nach der Krise recht schnell der frühere Zustand einstellt.

In diesen Tagen entdecken wir, dass nicht bloß die gemeinhin als besonders wichtig angesehenen Persönlichkeiten dafür sorgen, dass der gesellschaftliche Notbetrieb funktioniert. Wie stellen fest, wie wichtig Krankenschwestern, Altenpfleger, Supermarkt-Kassiererinnen, Paketboten oder Bäckerei-Fachverkäuferinnen für uns sind.

Wertschätzung bricht sich Bahn. Deshalb stellen wir uns abends auf die  Balkone. Und klatschen Beifall für diese Menschen, die sich ihrer Aufgabe zuliebe einer größeren Ansteckungsgefahr aussetzen. Dies ist, alles in allem: Sehr nett.

Es tut den Alltagshelden bestimmt gut. Bloß: Wirklich geholfen ist ihnen damit nicht. Denn ihnen ist auch gemeinsam, dass sie in sehr vielen Fällen sehr schlecht bezahlt sind. Weshalb Applaus zwar Seelen streichelt, aber auch als Hohn wirken kann. Er bezahlt ja nicht die Miete.

Und so mag man hoffen, dass es ein Umdenken gibt, dass allgemein erkannt wird, wessen Arbeit wertvoll ist. Wer aber glaubt, dass es diese Erkenntnis auch noch drei Monate nach Corona gibt, braucht obendrauf noch eine Prise Gottvertrauen.

Klatscht ruhig! Aber vergesst nicht! Käme es so, es wäre wie ein kleines Wunder.

 

1 Kommentar in “Beifall hilft nicht wirklich

Kommentare geschlossen.