Parteiship, die Partnerbörse für die Politik

Beziehungen sind schwieriger geworden. Die Suchenden sind anspruchsvoller als früher. Um dies zu begreifen, muss man bloß die Slogans großer Online-Partnervermittlungen betrachten. Da gibt eine Firma vor, ausschließlich Akademiker und Singles mit Niveau verkuppeln zu wollen. Bei einer anderen „verliebt man sich“. Was ja schnell vorbei sein kann.

Schließlich gibt es den Werbespruch, wonach sich bei einem Portal alle elf Minuten ein Single verliebt. Beziehung erscheint also flüchtig. Weil ja, wenn’s mit der oder dem einen nicht klappt, schnell jemand anders zur Stelle ist.

Es wäre geradezu ein Wunder, wenn diese Veränderung in der Gesellschaft nicht auch auf die Politik ausstrahlen würde. Speziell bei großen Parteien mit den programmatischen Gemischtwarenläden, also jenen, die für jede*n etwas bieten wollen, läuft es beziehungstechnisch nicht mehr rund.

Früher war ein Parteivorsitz eine Lebensaufgabe. Ab der Wahl von Helmut Kohl wurde die CDU 46 Jahre lang von je zwei Männern und zwei Frauen geführt. Das beschleunigt sich gerade. Aber auch die stets regierende CSU kennt den Trend zum schnelleren Wechsel. Von 1961 bis 2007 hatte sie drei Parteivorsitzende, seitdem weitere drei.

Doch all das ist nichts im Vergleich zur SPD. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Sozialdemokraten bis 1991 von vier Männern geführt. Seitdem gab es 18 Chefinnen und Chefs, sechs davon kommissarisch. Es gab eben immer eine Krise. Noch schlimmer geht es allenfalls bei gewissen Fußballvereinen. So beschäftigt der 1. FC Nürnberg mit Jens Keller aktuell den 30. Übungsleiter seit 1991.

Und was blüht der  CDU? Friedrich Merz wird von manchen verehrt, ist aber gedanklich von gestern. Armin Laschet dürfte als Anführer einer aufgeregten Partei zu knuffig sein. Jens Spahn kann man nicht mögen. Norbert Röttgen sieht aus wie ein erfolgreicher Politiker, redet wie ein erfolgreicher Politiker, hat aber große Misserfolge im Lebenslauf stehen.

Am Ende dieser Wahl werden Zweifel stehen. Vielleicht ist es Zeit für Parteiship, die Führungskräfte-Börse für die Politik. Alle elf Sekunden verliebt sich ein Mitglied. Eine Geschäftsidee wär’s allemal.