Weihnachten, oder: Wenn Nordmann Seppälä geheißen hätte

Beim Gedanken an Weihnachten, fallen uns sofort diese Begriffe ein: Freude, Stille, Demut und Gesang. Klar, wir wissen um den alljährlichen Kaufrausch. Aber denken wir auch daran, wie unser Streben nach Luxus einen Kern dieses Festes trifft, nämlich den Weihnachtsbaum?

Wenn es um dieses Festtags-Schmuckstück für unsere Wohnzimmer geht, sind wir anspruchsvoll. Egal, ob wir ein christliches Leben führen oder wenigstens Kirchensteuer zahlen: Ein schöner Baum muss es sein. Harmonisch gewachsen, ohne kahle Stellen, so dass der Lichterglanz wirklich schön verteilt ist.

Die in den heimischen Wäldern vorkommenden Krüppelfichten oder -kiefern haben da keine Chance. Es darf schon eine Nordmanntanne sein, ein Gewächs, dessen Name nur sehr mittelbar mit Skandinavien und Polarkreis zu tun hat. Dieser Baum heißt so, weil er um 1840 von einem finnischen Biologen namens Alexander von Nordmann im Kaukasus entdeckt wurde.

Und wir teilen massenhaft die Verzückung über dessen Schönheit. Von rund 29,8 Millionen Weihnachtsbäumen, die in diesem Jahr in Deutschland  verkauft wurden, waren nach Angaben des Dachverbandes der Holzindustrie 75 Prozent Nordmanntannen. Hätte unser Gelehrter, wie etliche Finnen, Hikipää (Schwitzkopf) oder Seppälä (Schmied) geheißen – seine Tanne wäre werbetechnisch unten durch.

Doch ist es nicht sowieso eine unzeitgemäße Verschwendung, Bäume wie Casting-Popstars zu behandeln? Also als Produkte, die kurz bestaunt und gefeiert werden, um dann nach kurzer Zeit entsorgt und vergessen zu werden?

Unser Volk sagt Nein. Der Trend geht sogar zum Zweitbaum. Auch dies haben die Markbeobachter erkannt. Und verstehen muss man das. Neben der Indoor-Tanne für die innere Einkehr braucht es das Zusatz-Gewächs zwecks öffentlichem Herzeigen der Festtagsfreude auf dem Balkon oder im Vorgarten. 

Ein blinkender Plexiglas-Elch davor – und die Liebe wird ein Fest. Zwar nur bis zum Dreikönigstag. Aber was das angeht, sind wir schließlich bescheiden.