24 Türchen pure Dekadenz

Als Guido Westerwelle vor einigen Jahren das Wort von der „spätrömischen Dekadenz“ bei Hartz-IV-Empfängern in die Welt setzte, begann damit sein politischer Abstieg. Da beleidige einer die sozial Schwachen, eigentlich aber die gesamte, hart arbeitende Bevölkerung. Dekadenz? Wer könne sich das schon leisten? Es geht. Man muss nur Adventskalender kaufen.

Früher war es so heimelig. Kinder öffneten mit leuchtenden Augen die Kalendertürchen und wurden mit kleinen Schokoladenstückchen auf die Ankunft des Herrn eingestimmt. Gut, um Geschenke ging’s schon damals. Aber Weihnachten war mehr als zusätzliche Freizeit.

Heute sind die Dinge anders gelagert. Adventskalender  sind nicht bloß Kindersache. Da gibt es das mit Tannenbäumen verzierte Weindepot. Wir haben Werkzeug-Adventskalender für Handwerker und Teebeutel hinter Türchen für Gesundheitsbewusste. Gourmets verschaffen sich verzückt den Zugang zu Pfeffersäckchen und anderen Gewürzen.

Der Sexspielzeug-Kalender wendet sich an alle, die an Lust und Leidenschaft glauben. Völlig pervers hingegen ist hingegen der Spezial-Kalender mit 24 Coffee-To-Go-Bechern. Erstens umwelttechnisch, zweitens aber auch weil zwei Dutzend Mal das gleiche Produkt herauskommt.

Doch wer weiß, wenn Wünsche erfüllt werden –  vielleicht wär’s dem Herrn ein Wohlgefallen. Er schenkt gern, sogar das ewige Leben.

Aber: Der Adventskalender für Hunde ist dekadent. Hat je ein Mops an Gott geglaubt? Sind Terrier und Pudel als friedfertige Wesen im Umfeld der Krippe erwähnt? Nein,  kein Hund hat dort gebellt. Kalender gebühren Ochs und Esel. Sie kriegen aber nichts, weil sie Nutztiere sind. 

Wie aber sühnt man diese Sünde? Logisch, mit Geld. Auf jeden verkauften Haustier-Kalender werden zwei Euro Kirchensteuer erhoben. Schon erstrahlt der weihnachtliche Glanz.

Und übrigens: Die drei Männer mit den Paketen kommen nicht von DHL, Hermes oder DPD. Also beißt nicht zu. Es wäre dekadent.