Die eigene Meinung ist erlaubt

Man dürfe in diesem Land nicht mehr sagen, was man denkt. So lautet eine beliebte Verschwörungstheorie. Und deshalb brauche es wenigstens eine Partei, die Wahrheiten schonungslos ausspreche. Viele glauben, dass dies die AfD sei. Und wohl auch deshalb hat sie bei der Landtageswahl in Thüringen hervorragend abgeschnitten. Aber stimmt die Theorie?

Zweifel sind erlaubt. Denn alleine schon die Behauptung, dass man nicht ehrlich reden dürfe, würde in einer echten Diktatur mit Straflager nicht unter zehn Jahren bestraft. Angebliche Wahrheiten zu hinterfragen und einen anderen Standpunkt einzunehmen, geht in Deutschland sehr wohl.

Nun sind  junge Leute anfällig für populistische Thesen. In der jüngsten Shell-Studie zur Stimmung unter Jugendlichen stimmten mehr als zwei Drittel der Aussage zu, dass man nichts Negatives über Ausländer sagen dürfe, ohne als Rassist zu gelten. Verbreitet ist in den unteren Altersgruppen ferne die Meinung, dass die Regierung den Menschen nicht die Wahrheit sage.

Es wäre aber überraschend, würden Jugendliche an die völlige Freiheit des Wortes glauben. Sie bekommen hier schon durch ihre Eltern, aber auch durch Lehrer und Chefs ihre Grenzen aufgezeigt. Manches, was auf der Zunge brennt, bleibt dort liegen. Aber das ist nichts Neues.

Zudem sollte es den scheinbar Unterdrückten zu denken geben, dass es nie so einfach war, aus politischen Gründen die Schule zu schwänzen. Hätten sich vor 30 Jahren Schüler*innen an jedem Freitag auf Marktplätze gestellt anstatt Mathe zu pauken, wäre wahrscheinlich spätestens nach der fünften Demonstration der Verweis von der Schule erfolgt.

Vielleicht ist es vor allem ein Gefühl. Jugendliche bewegen sich gerne in sozialen Netzwerken. Dort können sie ziemlich sicher sein, dass sie mit ihren Meinungen auf gleichgesinnte Freund*innen oder Follower*innen treffen. Da lassen sich trefflich Likes oder „Gefällt mir“-Herzen sammeln.

Wo der wahre Diskurs herrscht oder wo die Thesen steil werden, gibt es aber auch Widerspruch, gegebenenfalls sogar in einer heftigen Form. Hier muss man sich behaupten – und es im Zweifelsfall ertragen, dass die eigene Meinung als dumm enttarnt wird.

Es herrscht also Demokratie, aber echte Meinungsfreiheit beginnt jenseits der Verschwörungstheorie. Also darf man den Mund ruhig aufmachen. Dass es helfen kann, zuvor sein Gehirn zu benutzen, stimmt allerdings auch. Das strengt an, hilft aber auch gegen die schein-besorgten Parolen der Höckes. Haben wir Mut, seien wir offen. Die Lebenserfahrung regelt alles Weitere.

 

 

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