Die Berserker sind zurück

Wir hoffen, dass es mit der Menschheit immer besser wird. Wir wünschen uns, dass im Informationszeitalter Wissen wächst und dass dies letztlich in klügeres Handeln münden möge. Schön wär’s, aber vieles spricht dagegen. Die Berserker sind zurück.

Wir könnten darüber nachdenken, warum die Zahl der Ausrufezeichen hinter Hassbotschaften in den sozialen Netzwerken zunimmt. Oder darüber, dass immer häufiger Rettungskräfte beschimpft oder körperlich attackiert werden, weil sie es wagen, mit Rettungswagen oder Löschfahrzeug unseren Weg zur Arbeit zu behindern. Aber das alles ist harmlos.

Nein, wir kehren zurück ins die Zeit des römischen Reiches und des Mittelalters. Bei damaligen Kriegen war man mit in Bärenfellr gehüllten Kämpfern konfrontiert, die in ihrem Rausch keine Schmerzen oder Wunden wahrnahmen. Beim Anblick ihrer Feinde kannten diese Beserker kein Erbarmen. Ihre Raserei konnte erst gestoppt werden, wenn man sie überwunden, gefesselt oder getötet hatte.

Wir begegnen diesen zornigen Kriegern gerade wieder, wenn wir in den Fernsehnachrichten Donald Trump sehen. Der egomanische US-Präsident, der schon zutiefst beleidigt war, weil die dänische Regierungschefin seine Idee, Grönland zu kaufen, als absurd bezeichnet, reagiert immer zorniger auf den Versuch der Opposition, ihn seines Amtes zu entheben.

In Tweets feiert er seine Erfolge, zeigt Jubelbilder von seinen Kundgebungen, schreibt etwa von sechs Millionen durch ihn geschaffene Jobs. Einen mächtigen Gegner wie den Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff,  verunglimpfte er im Netzwerk als verrückten Hund. Inzwischen ist Trump so wild, dass er sich wahrscheinlich sogar mit Iran aussöhnen würde, falls ihm das dortige Regime belastendes Material gegen seinen aussichtsreichen Gegenkandidaten Joe Biden liefern würde. Progonose: Der Jähzorn wird noch wachsen.

Ein anderer Berserker ist der britische Premierminister Boris Johnson. Auf seinem Weg in ungeregelte Brexit-Chaos kennt er offensichtlich weder Schmerzen noch Wunden. Mit viel Gebrüll stampft er voran, als scheute er weder Tod noch Teufel. Und viele Briten finden das gut und ehrbar.

Was bleibt als Hoffnung? Eigentlich bloß der große Knall, das krachende Scheitern. Aus dem Fußball wissen wir, dass kontrollierte Offensive die größten Erfolge verspricht. Wer nur blind anrennt, kommt irgendwann aus der Puste, wird ausgekontert und fliegt raus.

Hoffen wir, dass es so kommt. Dann hat der Fortschritt eine Chance. Ansonsten grüßt – als nächster Schritt – die Steinzeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

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