Die SPD: Zeitweise quicklebendig

Ja es stimmt. Die SPD ist alt. Sie wurde im vorletzten Jahrhundert gegründet, und hat zuletzt bei Wahlen ziemlich alt ausgesehen.  Aber liegt sie im Sterben oder ist sie schon tot?

Wer eine der aktuellen Regionalkonferenzen erlebt hat, wird das nicht so sehen. Die alte Tante bietet ihren Mitgliedern spannende und  flotte Abende. 15 ganz unterschiedliche Kandidat*innen sind am Start – vom bayerischen Einzelkämpfer, über die Komunalpolitikerin aus dem Schwarzwald, über den langjährigen Multifunktionsminister,  bis zum rheinischen Medizinprofessor und zur zehnfachen Großmutter aus Ostdeutschland.

„Schön war’s“, jubelten die Genossinnen und Genossen, als sich die Matadoren nach ihrer Vorstellungs-Show an den Händen fassten und die Arme nach oben rissen. Ganz wie ein Theaterensemble nach einer gelungenen Premiere.

Tatsächlich hat die Vorsitzenden-Kür etwas von einer Künstler-Tournee. 23 Städte in 38 Tagen: Das schafft nicht einmal Florian Silbereisen mit seinem großen Schlagerrevue. Er bringt es in auf 17 Städte in 38 Tagen.  Der unverwüstliche Walzerkönig Andrea Rieu plant eine Tournee, während der er in 38 Tagen zehn Städte bespielen will.

Für die SPD-Kandidat*innen gilt demnach: Wer sich freiwillig solche Strapazen aufbürdet, muss den Parteivorsitz wirklich wollen. Ein Amt, das sich in der jüngeren Vergangenheit vor allem dadurch auszeichnete, dass jede neue begonnene Amtszeit ziemlich schnell vorbei war.

„Auf, auf zum letzten Gefecht“, lautet eine Textzeile des Refrains der Internationalen. Wenn das Herz richtig links schlägt, hat das keinen Schreicken. Man glaubt trotzdem an den Sieg.

Und vielleicht werden tatsächlich neue Stars geboren. die auch das Wahlvolk mag. Falls nicht: Dann war es doch eine prima Familienfeier mit mehreren tausend Gästen.

Man hätte „a schöne Leich'“ erlebt, wie die Wiener schwärmen würden. Aber so weit ist es noch lange nicht. Die SPD wirkt sehr lebendig. Zumindest in diesen Tagen.