Lasset uns töten!

Lasset uns töten. Sonst sind wir sauer. Auf den Blick klingt das nicht so, als hätte es mit uns zu tun. Aber wenn es Schweine oder Rinder geht, dann stimmt’s.

Auf der Suche nach Wegen, das Weltklima zu retten, sind Politiker*innen auf die Idee einer Fleischsteuer gekommen. Auch eine höhere Mehrwertsteuer steht im Raum. Die Idee dahinter: Wenn Schnitzel und Currywurst teurer werden, muss weniger Masse produziert werden. Auf den Tellern landet mehr Qualität. Im Stall geht es den Tieren besser.

Die Logik ist nachvollziehbar. Massentierhaltung belastet die Umwelt erheblich, weniger davon wäre also gut. Viele von uns, Männer insbesondere, sind wegen ihrer Lust auf Tierisches zu dick und kriegen Gicht. Da ein geringerer Fleischkonsum freiwillig offenbar nicht hinzukriegen ist, greift der Staat zur Steuer. Weil er Verhalten steuern will.

Nun mag vermutlich kein Kunde daran denken, was sich Tag für Tag in unseren Schlachthöfen abspielt. Man pflegt lieber die Illussion, dass man selber mit dem tausendfachen Gemetzel nichts zu tun hat. Wobei uns hilft, dass eine Lende im gekochten Zustand nicht nach Tier aussieht und keine entsetzten Augen hat.

Es geht doch um die Freihheit. So schimpft Markus Blume, Generalsekretär der CSU: „Man fragt sich jeden Tag: Was kommt als Nächstes von der grünen Bevormundungspartei? Heute die Fleischsteuer, morgen vermutlich ein Grillverbot.“ Widerstand kommt auch von ganz rechts: Als ein Leipziger Kindergarten bekanntgab, Schweinefleisch nicht mehr zuzulassen, gab es Morddrohungen. Denn: Zwangs-Veganismus lehnen wir ab. Aber wenn ein Kniefall vor Muslimen hinzukommt, hört der Spaß endgültig auf. Unser Schweinebraten hat etwas Religiöses.

Tiere müssen sterben, damit wir wir sind. So lautet die absurde Formel. Oder, um einen berühmtem Werbeslogan zu zitieren: „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft.“ Und doch ist es wie immer: Man sollte es nicht übertreiben. Im besten Fall auch ohne Steuer.

 

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