In jedem steckt ein Pharisäer

Der Pharisäer ist in unserem Sprachgebrauch ein mit Rum und Schlagsahne getunter Kaffee oder ein Mensch, der nicht nach Regeln lebt, die er selber predigt. „Hütet Euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das ist die Heuchelei“, heißt es dazu im Lukas-Evangelium. Ein Satz, der ein Thema richtig gut trifft: Deutschland und seine Rüstungsexporte.

Es gibt den gesellschaftlichen Konsens, dass wir ein friedliebendes Land sind. Weil wir eine furchtbare Geschichte im Kreuz haben, gibt es die informelle Übereinkunft, wonach von Deutschland nie wieder ein Krieg ausgehen dürfe.

Und dann dieses: Mit Waffenlieferungen ins Ausland wurde im ersten Halbjahr 2019 ein Umsatz von 5,3 Milliarden Euro erzielt. Das ist mehr als im gesamten Jahr 2018. Damals waren es 4,8 Milliarden Euro. 

Wie passt das zusammen? Nehmen wir an, dass alle Waffen dieser Welt der Abschreckung dienten. Dies wäre das Paradies auf Erden. Wir könnten noch viel mehr exportieren. Blöderweise sind Waffen dafür gemacht, andere Menschen zu verletzen oder zu töten. Hierbei wiederum helfen Produkte unserer Rüstungsindustrie auch in diesen Tagen, so etwa im Jemen.

Gar schön ist die Moral. Aber es gibt auch das Fressen. Und hier ist zu sagen, dass gerade die so herzlich-gemütlichen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg blendend am Geschäft mit dem Tod verdienen. Waffenexporte mehren unseren Wohlstand sehr. Wer möchte darauf verzichten?-

Und so ist es mit den Waffengeschäften wie auch sonst im Leben. Wir machen Fehler, wir wissen um unsere Fehler – aber sie zu ändern, überfordert uns. Oder gelehrt ausgedrückt, mit den Worten des dänischen Philosophen Sören Aabye Kierkegaard: „Das ist die Verwirrung mit uns, dasss wir sowohl die Pharisäer sind und der Zöllner.“

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