Die Mondlandung: Grießeln in der Nacht

In der heutigen Welt der Medien hat sich der Qualitäts-Begriff gewandelt. Früher hat man geglaubt, dass alleine der Inhalt für Interesse sorgen würde. Gemäß der Formel, spannende Story ist gleich großes Interesse.  Heute geht es um den guten Eindruck und das chice Aussehen. Dann verkauft sich auch das Nichts.

Gerade am 20. Juli 2019 gibt es ein Paradebeispiel für erstere These: Die Mondlandung vor 50 Jahren. Zwar kann man auch heute noch fragen, welchen tieferen Sinn es haben könnte, dass Astronauten auf unserem Trabanten herumhüpfen, Fahnen in den Boden rammen und Geröll einsammeln.

Aber es war eben ein großer Schritt für die Menschheit. Und so haben die Sender ihr Testbild ausgeschaltet und wir saßen mitten in der Nacht fassungslos staunend vor unserem Fernsehgerät. Wir freuten uns am Jubel im Kontrollzentrum und verfolgten diese Fernsehbilder, welche aus dem Weltall gefunkt wurden. Alles in Schwarz-Weiß und von einer grießelnden Nicht-Qualität, mit der sich heute nicht einmal ein dreijähriger Neu-Influencer ins Netz von Youtube trauen würde.

Erlebt wurde diese Idee, dass die Menschheit alle bisher gekannten Grenzen überwinden könne und dies auch tun sollte. Oberndrauf gab’s die Botschaft, dass der Kapitalismus eben doch das beste Wirtschaftssystem sei.

Und es läuft doch gut: Heute kann jeder auf Mond- und Marsmission gehen oder in den Sternenkrieg ziehen. Alles voll bunt, in 3 D und mit dreitausend Spezialeffekten.

Denn das ist die Medien-Botschaft von heute: Dich muss nicht kümmern, was passiert. Du kriegst das, was du willst. Die Grenzen sind weg – wenn du dafür bezahlst.

Anders ausgedrückt: Du musst nicht in der Realität landen. Wohlgelitten ist auch ein Leben hinter dem Mond.