Aus GroKo wird MiKo

Sag mir, wo die Wähler sind. Dieses melancholische Lied werden nun jene Parteien anstimmen, die früher das „Volks“ zurecht im Namen trugen. Vor allem die Sozialdemokraten fragen sich, wo ihre endgültige Talsohle ist. Ihnen geht es wie dem Wanderer, der sich am Ziel wähnt, dann aber immer wieder vor einem neuen Abhang steht.

Es ist eben so: Wer Wandel ignoriert, wird aufgefressen. Die Liste einstmals berühmter, heute aber vergessener Produkte ist lang. Die SPD reiht sich hier zumindest derzeit ein. Sie kämpft redlich, regiert durchaus energisch – aber man mag sie nicht mehr. Unsere Sozialdemokratie, das ist wie Deutschland im Eurovision Song Contest. Ordentlicher Auftritt, aber am Ende keine Punkte.

Woran könnte es liegen? Einerseits an einem Dilemma, über das viele Menschen froh sein sollten. Die SPD ist jene Partei, die sich mit einer Regierungsoption am energischten für die Rechte von Arbeitnehmern und Rentnern einsetzt. Dabei wirkt sie aber oft auch grau.

Und wenn man den Vergleich mit Grünen zieht: Dort wurden bedeutende Persönlichkeiten ausrangiert, um neuen Köpfen zu folgen. Das funktioniert. Bei der SPD hingegen: GroKo Zwo, „Ernerung“ und „Es darf kein Weiter so geben“ – bloß damit dann altbekannte Figuren wieder aufmarschieren.

Zudem lehrt gerade ein vielgeklicktes YouTube-Video, dass Leidenschaft und Emotion in der politischen Debatte nicht schaden. Und was hat die SPD? Olaf Scholz, den Frostblütigen und Andrea Nahles, die bei Gefühlsausbrüchen dummerweise meistens peinlich wirkt.

Das alles riecht nach Neuanfang. Genauso wie bei der CDU, die unglaublich hilflos zusah, wie sie ein junger Mann namens Rezo mit seinen Argumenten an die Wand nagelte. Jahrelang sediert von der Merkel-Raute, weiß man nicht mehr, was man tun soll.

So bleibt dann doch ein Trost, vielleicht sogar eine Verheißung: Für GroKo 3 wird es nicht mehr reichen. Es braucht Erneuerung, am besten glaubwürdig. Denn auch der älteste Rentner stirbt irgendwann.

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