Anstrengungsreiche Armut? Braucht niemand.

Zerbröselt die Mitte der Gesellschaft? Deutliche Anzeichen hierfür hat eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung geliefert. So habe sich die Einstellung gegenüber Flüchtlingen verschlechtert, rechte Populisten hätten inzwischen eine verlässliche Kundschaft. Aber woran liegt es? Vielleicht ja daran, dass vielen Menschen immer weniger Geld zum (schönen) Leben bleibt. Und dass anstrengungsreiche Armut keine reizvolle Option ist.

Laut offiziellen Zahlen des Bundessozialministeriums verdienen rund 3,4 Millionen Menschen in Deutschland trotz Vollzeitjob weniger als 2000 Euro im Monat. Selbst in Bayern, dem abgeblichen Vorhof zum Paradies, sind es zirka 400.000. Vor allem Reinigungskräfte, Arbeitnehmer im Tourismus sowie in Hotels und Gaststätten gehören laut Ministerium zu den Geringverdienern. Dort, wo es für andere sauber und schön ist, ist das Geld also besonders rar.

Und nun stelle man sich vor: Eine alleinerziehende Mutter hat eben diese 2000 Euro Lohn. Selbst wenn sie eine Tariferhöhung bekommen sollte, wird diese nicht reichen, um Mieterhöhung oder Benzinpreis-Anstieg auszugleichen. Unsere Frau ist in der Gesellschaft nicht nur sehr weit unten, sie rutscht weiter ab.

Wer in einer solchen Situation nicht mit seiner Lage hadert, sondern auf eine bessere Zukunft vertraut, ist entweder gnadenlos optimistisch, hat sich einen romantischen Glauben an unser Wirtschaftssystem bewahrt oder wird absehbar eine größere Erbschaft machen. Das also soll es geben.

Andererseits kann es nicht verwundern, wenn jemand, der wirtschaftlich nicht mehr zur Mitte der Gesellschaft gehört, in seiner Enttäuschung offener wird für politische Parolen, die vorgaukeln, dass die Misere durch Flüchtlinge ausgelöst worden sei. Und dass „die da oben“ kein Interesse an sozialen Notlagen hätten.

Dabei ist die Sache nicht so schwierig. Die Devise muss lauten: Wer arbeitet, muss von seinem Einkommen leben können, ohne betteln gehen zu müssen. Was bedeutet: Mehr Geld sowieso. Insbesondere aber die Erkenntnis, dass ein Mindestlohn von nicht einmal zehn Euro pro Stunde viel zu wenig ist. Es muss mehr geben. Nur so wird die Mitte nicht weiter schrumpfen, nur so bleibt sie Garant für eine stabile Demokratie.

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