Das Gewissen spendet mit

Das Grundgesetz sieht vor, dass unsere Abgeordneten nur ihrem Gewissen verpflichtet sind. Diese Vorgabe ist schön, kollidiert aber oft mit der Wirklichkeit. Fraktionszwang, Staatsräson, Karrieresicherung – all das sind schwierige Aspekte. Um so befriedigender, wenn man doch darf, wie man es für richtig. So, wie beim Thema Organspende.

Hier geht es darum, ob die Gesellschaft erwarten darf, dass ihre Bürger_innen bereit sind, anderen Menschen mit ihren Organen zu helfen. Der Bedarf ist groß. Es gibt viel mehr Hilfesuchende als Spender.

Ganz kühl gedacht, sollte eine Zustimmung leicht fallen. Niemand wird seine Organe nach seinem Tod brauchen. Atheisten müsste es ganz egal sein. Und christlich orientierte Menschen gehen davon aus, dass nach dem Tod die Seele übrig bleibt, der Körper jedoch zerfällt. Infarkte im Paradies sind undenkbar. Wer schon zu Lebzeiten kein Herz hatte, taucht dort gar nicht auf.

Andererseits verursacht die Vorstellung, dass Ärzte auf der Suche nach geeignetem Material den eigenen Körper durchsuchen, ein mulmiges Gefühl.

Schließlich stellt sich die grundsätzliche Frage, ob es eine wie immer geartete Verpflichtung gibt, mit seinen Organen zu helfen. Kann also der Staat erwarten, dass das Spenden eine Bürgerpflicht ist, von der man sich selbst befreien muss. Schwierig. Zumal man nicht weiß, wer sie bekommt. Es könnte ja ein unsympathischer Großkotz sein. Das muss jeder selber abwägen.

Vielleicht aber fehlt noch etwas: Wer seine Organe spendet, tut es aus Nächstenliebe. Vielleicht würde es uns leichter fallen, wenn sich auch die anderen Beteiligten so verhalten würden. Wenn wir zum Beispiel wüssten, dass es keine Zwischenhändler gibt, die mit unseren Nieren einen dicken Reibach machenb.

Das Gewissen spendet mit. Im Idealfall nicht bloß bei den Toten.

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