Gleichstellung? Gibt’s im Weltall

Der Fortschritt ist manchmal eine Schnecke. Wir haben das gerade beim Weltfrauentag erlebt. 100 Jahre Frauenwahlrecht haben wir gefeiert, am Anteil weiblicher Abgeordneter im Parlament hat sich seitdem nur wenig geändert. Und dann auch noch dieses: Daniel Eich, Ehemann der Austronautin Insa Thiele-Eich, wurde von einer dem gesellschaftlichen Fortschritt verpflichteten westfälischen Großbäckerei zum „Spitzenvater 2019“ gekürt.

Sein Verdienst: Wenn seine Frau im kommenden Jahr zur Raumstation ISS fliegen und dort tausendfach die Erde umkreisen wird, will er ein Jahr lang eine Auszeit vom Beruf nehmen und auf die Kinder aufpassen.

Wäre Daniel Eich eine Frau, fände das niemand ungewöhnlich. Eher schon gäbe es Kritik. Denn mit einem Jahr Elternzeit wäre der Spitzenvater eher Rabenmutter.

Die Realität sieht ja so aus: Der durchschnittliche Mann nimmt zwei Monate Elternzeit. Damit gilt er seiner Umgebung als vorbildlich am Nachwuchs interessierter Vater. Mütter verlassen ihren Job zwei oder drei Jahre lang, arbeiten hinterher in Teilzeit. Und der ehrliche Beobachter denkt sich: „Schade um diese Karriere. Sie war so talentiert.“

Die Idee, dass Kinder genauso lange bei ihren Vätern sein könnten, ist hingegen exotisch. Diese Männer würden als verweichlichte, faule Arbeitsverweigerer angeschaut, die es sich auf dem Sofa bequem machen, anstatt sich den wahren Kämpfen des Lebens zu stellen.

Aber bräuchten wir nicht genau das? Mütter und Väter verständigen sich auf gleich lange Elternzeiten. Diese dürften der Karriere nicht schaden, sondern würden als Pluspunkt gewertet.

In Skandinavien denkt man so, bei uns dürfte es dafür noch ein paar Jährchen oder Jahrzehntchen dauern. Für Frauen, die echte Gleichstellung erleben wollen, ist der Flug ins All bis auf Weiteres die bessere Option.