Ob Biene oder Wolf: Tiere machen Politik

Unsere frei lebende Tierwelt ist bekanntlich auf dem Rückzug. Ratten, Waschbären und Kakerlaken vielleicht ausgenommen. Aber die Politik schaut darauf, was da so kreucht oder fleucht. Denn man kann mit Tieren Stimmen fangen.

Bestes aktuelles Beispiel: Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Bayern. Dessen Macher_innen haben sich das bestmögliche Symboltier für ihr Anliegen, einen möglichst schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen, ausgesucht.

Die zum Teil schon arg dezimierten Pflanzenbestäuber bringen viel Gutes mit. Sie sind nützlich, klug, gesellig, fleißig und aufopferungsvoll. Für ihr Volk geben sie alles und schwimmen, anders als die ebenfalls gelb-schwarzen Wespen, nur selten im Bier.

Man muss sie einfach mögen, weshalb es Zustimmungsquoten jenseits aller Erwartungen gab. In Mittelfranken zum Beispiel haben 20,6 Prozent der Wahlberechtigten zugestimmt. Die CSU hatte im gleichen Gebiet bei der Landtagswahl rund 27 Prozent bekommen. Die Partei hatte aber Briefwahl und ein dichtes Netz an Abstimmungslokalen zur Verfügung, konnte also die Bequemen gut versorgen.

Umso erstaunlicher ist der Erfolg dieses Volksbegehrens. Wenngleich man zweifeln darf, dass wirklich alle wussten, was sie da unterschrieben haben. Nur eine Minderheit dürfte den Text des Gesetzentwurfes durchgelesen haben. Aber das tut ja bei Wahlprogrammen der Parteien auch keiner.

Jedenfalls geht es uns, so heißt es, um Artenvielfalt. Aber ist es wirklich so?

Testen wir es doch mit einem anderen politischen Tier. Ein weiteres Volksbegehren mit dem Titel „Retter den Beutegreifer! Finger weg vom Wolf!“ kann Aufschluss geben. Erreicht es auch nur knapp über zehn Prozent, war die Sache mit der Artenvielfalt ernst gemeint.

Dann können wir anfangen. Es hieße: „Naturschutz, wir kommen! Wir fürchten uns nicht!“