Die innere Mitte wartet im Klo

Gute Vorsätze für das neue Jahr können sehr verschieden sein. Man kann, ganz idealistisch, die Welt retten oder immer nett zu anderen Menschen sein wollen. Sehr beliebt sind Formen der Selbstkasteiung, wie das Vorhaben, den Bauchumfang um fünf Zentimeter zu verringern oder konsequent von Rotwein auf Holnderbrause umzusteigen. Man kann sich aber auch danach streben, sich selbst etwas Gutes zu tun. In diesem Fall lautet die Devise: Stress abbauen, die innere Mitte finden.

All das geht, wenig davon gelingt in der Regel. Dabei gibt es Erfolgschancen. Wer sich etwa nach einer Raclette- oder Fondue-Silversterparty am Neujahrsmorgen auf die Waage stellt, wird derart zugelegt haben, dass er beim Nachwiegen vor dem nächsten Jahreswechsel zwischen 100 bis 500 Gramm leichter sein sollte.

Aber solche taktischen Tricks widersprechen dem Prinzip der guten Vorsätze. Schließlich geht es darum, in einem nächsten Lebensabschnitt redlich und mit reinem Herzen Veränderungen herbeizuführen. Kalte Berechnung schadet da bloß.

Doch denken wir mal an uns. Werden wir gelassener. Bloß wie? Ein gängiger Vorschlag lautet, man solle sein Auto in der Garage lassen und auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Somit könne man sich stau- und stressfrei zwischen Wohnung und Arbeitsplatz kutschieren lassen. Und ein Stück weit Weltenrettung schaffe man auch.

Die Idee ist vernünftig, doch vor übereiltem Handeln sei gewarnt. Der Übergang von Fahrersitz zur S-Bahn-Sitzbank will trainiert sein. Psychologische Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass die Fahrt im eigenen Auto mitunter als erholsam empfunden wird. Selbst im Stau ist man bei sich und hat bei allem Verspätungs-Ärger das Gefühl, sein Leben im Griff zu haben. Wer sich hingegen als Gewohnheits-Alleinfahrer plötzlich im ÖPNV-Getümmel wiederfindet, kann massive Stressprobleme erleiden. Gut möglich, dass sich der gute Vorsatz deshalb ganz schnell erledigt.

Suchen wir zunächst unsere innere Mitte. Und hierfür gibt es, zumindest für Männer, einen Ort: die Toilette. Bei einer Umfrage in Großbritannien hat ein Drittel von 1000 befragten Männern gestanden, sich im Bad zu verstecken, um ihre Ruhe zu haben. Wenn es zu Hause ungemütlich werde, weil die Partnerin meckert oder die Kinder nerven, wird der Fluchtort genutzt. Auch für den ungestörten Blick aufs Smartphone wird dieser Rückzugsort gerne genutzt. Alles in allem, dies ergab die Umfrage, verbringen Männer sieben Stunden pro Jahr auf der Toilette, ohne dass dies durch Aspekte der Verdauung gerechtfertig wäre.

Man sieht: Selbst bei besten Vorsätzen lauern im Detail häufig überraschende Probleme. Scheitern ist demnach keine Katastrophe. Aber Dranbleiben sollten wir. Beim Start ins neue Jahre auf jeden Fall.

 

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