Mr. Bean, bitte helfen Sie!

„Wir sind das Volk!“ Mächtig klingt dieser Schlachtruf noch immer. Verheißt er doch, dass die freien Bürgerinnen und Bürger bessere Entscheidungen treffen könnten als die abgehobenen Berufspolitiker. Feine Idee. Aber dann: Brexit.

Die Abstimmung der Briten über den EU-Austritt ist ein Musterbeispiel dafür, wie es nicht laufen darf. Das Hurra-Geschrei der Nationalisten und Populisten übertönt jene Stimmen, die darauf hinwiesen, dass die Sache schädlich, mindestens aber sehr kompliziert sein dürfte. Viele ahnen nicht, was hinten rauskommt. Das Ergebnis fällt knapp aus.

Und dann reift die inzwischen wohl mehrheitsfähige Erkenntnis, dass die Aktion Blödsinn war. Eigentlich ist klar, dass es das Beste sei, die Abstimmung für nichtig zu erklären. Aber das geht nicht, weil es ja ein Dolchstoß ins Herz der Demokratie wäre. Weil es ein Kniefall vor dem Kontinent wäre, den das stolze britische Empire seinem Volk nie und nimmer zumuten dürfte. Die Geisterfahrt geht weiter. Aber Linksverkehr ist man ja gewohnt.

Tragisch ist der Brexit jetzt schon. Zeigt er doch, dass er reizvolle Gedanke von Volksabstimmungen enorme Risiken hat. Erst recht in Zeiten, in denen sich immer mehr Menschen nicht mehr mittels seriösen Quellen informieren, sondern nur zu gerne Dampfplauderern und Lügnern auf den Leim gehen. Die Voraussetzung für gute Entscheidungen, nämlich eine gemeinsame Wissensbasis, ist nicht gegeben.

„Das Volk ist ein Komödiant“, meinte schon der römische Satiriker Juvenal. Im Falle des Brexit wäre dies eine Hoffnung, handelt es sich doch bei der Komödie um ein Drama, das nach vielen lustigen Verwicklungen in aller Regel glücklich endet. Mr. Bean, bitte helfen Sie!