36 Milliarden Euro geschenkt: Eine kleine Überstundenkunde

Ein erstaunliches Phänomen der Arbeitswelt sind die Überstunden. Also jene Arbeitszeit, die über die zwischen Chef und Mitarbeiter_in vereinbarte Beschäftigungsdauer hinaus geleistet wird. In Deutschland sind sie ein echtes Erfolgsmodell. Ihre Zahl steigt und steigt und steigt.

Statistisch hat es nach den Zahlen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Jahr 2017 jede_r Beschäftigte auf 53,2 Überstunden gebracht. Das waren elf Prozent mehr als ein Jahr zuvorund zwölf Prozent mehr als 2015.  Und gibt es dafür einen eindeutigen Grund? Natürlich nicht. Die Ursachen von Mehrarbeit sind so bunt wie die Arbeitswelt.

Es gibt die Projekt-Überstunde. Sie kann entstehen, wenn Digitalministerin Dorothee Bär überraschend schnell die Auslieferung ihres Flugtaxis fordert. Es gibt die Chaos-Überstunde. Sie tritt auf, wenn unfähige Vorgesetzte keinen Schimmer davon haben, welche Arbeit wie lange dauert und den Aufwand regelmäßig unterschätzen.

Wesentlich häufiger dürfte die Überforderungs-Überstunde sein. Anforderungen, insbesondere ans produktive Personal, werden immer weiter nach oben geschraubt, damit die Arbeit der Controller finanziert werden kann. Wir kennen auch die Bedeutungs-Überstunde. Sie wird von Arbeitnehmern geleistet, die auf diese Weise ihre relative Unverzichtbarkeit demonstrieren. Schließlich haben wir die zynische Mehrarbeit. Sie verlangt der Arbeitgeber einfach, weil er es kann. Vor allem, wenn Jobs nicht sicher sind.

„Wo ist das Problem?“, wird nun mancher fragen. Überstunden sei doch nichts anderes als ein zinsloser Kredit, den der Arbeitgeber irgendwann zurückzahlen müsse. Und satte Zuschläge gebe es obendrein.

Das stimmt, bloß längst nicht immer. Wie das IAB meldet, wurde 2017 nur rund die Hälfte der Überstunden bezahlt. Was laut Bundestagsfraktion der Linken bedeutet, dass die Unternehmen in nur einem Jahr 36 Milliarden Euro geschenkt bekommen haben. Das viel diskutierte bedingungslose Grundeinkommen: Für die Bosse ist es schon Realität.

Wer das ändern will, sollte erkennen: Unternehmer sind wie Kinder. Wenn Du ihnen keine Grenzen aufzeigst, tanzen sie dir auf der Nase herum. Alsdenn: Wer seine Freizeit liebt, muss handeln. Bravsein raubt bloß Lebenszeit.

 

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