Plastik ist nicht bloß Frevel

Wenn das Image als Wahrheit angesehen wird, gibt es Probleme mit der Logik. Die Diskussion über Plastik-Verpackungen ist so ein Fall.

Nachrichten und Fernsehbilder, wonach Plastiktüten halbe Weltmeere verseuchen und die Mägen von Blauwalen verstopfen, haben uns alarmiert. Das ist gut so, denn tatsächlich ist unser Verhältnis zum Müll merkwürdig. Wir erzeugen in Deutschland rund 30 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt, glauben aber irgendwie, dass Abfälle vom Erdball verschwunden sind, wenn man sie in die richtige Wertstofftonne geworfen hat. Das stimmt nicht, die Bilder von fernen Ozeanen erinnern uns daran.

Und so ist die Plastikhülle zur Alice Weidel des Verpackungswesens geworden. Vielleicht 15 Prozent geben noch öffentlich zu, dass sie diesen Werkstoff schätzen. Ansonsten greift Abscheu um sich. Wer heute mit einer klassischen Plastiktüte durch die Fußgängerzone läuft, gilt als ungebildeter Umweltfrevler.

Aber ist das auch gerecht? Zunächst einmal hat die Plastiktüte einen großen Vorteil: Sie ist haltbarer und kann häufiger verwendet werden. Sie reißt nicht so leicht durch wie die Papiertüte, man kann sie auch mit feuchtem oder nassen Material befüllen. Plastikfolie hält Lebensmittel frischer. Man kann seine Einkäufe auch besser schlichten und somit unversehrt nach Hause bringen. Plastikflaschen tragen sich leichter als Glasbehälter.

Die große Vorteil ist allerdings auch der Nachteil. Plastik, einmal in die Natur geworfen, bleibt dort sehr lange, weil es nicht so leicht verrottet.

Das bringt EU und Bundesregierung auf die Idee, den Verbrauch an Plastik zugunsten von Papier und Pappe zu verringern. Wir wollen ja Vorbild auch für jene Teile der Welt sein, in denen Plastikmüll massenhaft in Flüsse und Meere geschwemmt wird. Das freut im Idealfall die Umwelt. Bereits jetzt jubeln indes die mit diesem Material arbeitenden Firmen, hier und dort herrscht geradezu Goldgräberstimmung.

Dieser Text soll kein Plädoyer für Plastik sein. Wohl aber ein Hinweis, dass es nicht hilft, großen Parolen nachzulaufen. So wäre schon viel erreicht, wenn es mehr Wissen über Abfallvermeidung, aber auch darüber gäbe, welcher Müll in welche Wertstofftonne oder -säcke gehört. Bei einer Praxisstudie gab es ein Drittel Fehlwürfe. Und schließlich: Die Entsorgungsfirmen müssten ihre Recycling-Versprechen tatsächlich einlösen.

Wir Verbraucher haben schließlich dafür bezahlt. Aber das dachten wir bei angeblich sauberen Autos ja auch…

 

 

 

 

 

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