Die Angst geht um, die Gründe fehlen

Manche meinen, die Deutschen seien irre eworden. Weil sie sich unsicher fühlen, obwohl die Zahl der Straftaten sinkt. Weil sie hinter jeder Ecke einen Räuber vermuten, obwohl da keiner steht. Aber man tut den Menschen unrecht. Sie sind nicht verrückt. Sie wurden und werden verrückt gemacht.

Nach einer aktuellen bundesweiten Umfrage werden vor allem die Muslime als Bedrohung angesehen. Man solle ihnen, so die annähernde Mehrheitsmeinung, die Einwanderung verbieten. „Kopftuchmädchen und Messermänner“, wie das die AfD-Salonfaschistin Alice Weidel formuliert, hätten in unserem Land nicht zu suchen. Zumal sie ohnehin nur kämen, um unsere Sozialsysteme auszunutzen.

Die Frage ist: Kann man wirklich ernsthaft meinen, dass sie nur deshalb böse sind, weil sie nicht an den christlichen Gott glauben?

Ja, aber das Jahr 2015, heißt es dann. Da müsse man die Sorgen doch verstehen. Und ja, Migranten haben Verbrechen begangen. Doch die Angst vor dem Islam hat eigentlich viel früher begonnen, nämlich am 11. September 2001. Seit den Anschlägen auf das World Trade Center lautet die Parole Muslim ist gleich Terrorist. Und das hat sich mit den Wirren im Nahen Osten immer mehr verstärkt.

Kaum jemand kennt einen Flüchtling persönlich, doch wahrscheinlich gerade das sorgt für Bedrohungsgefühle. Zu viele sehen in diesen Einwanderern eine homogene Gruppe, die mit gemeinsamen, bösen Absichten kommt. Also hält selbst in Nürnberg, wo die Zahl der Straftaten auf einen Tiefstand gesunken ist und die Aufklärungsquote der Polizei den höchsten Wert seit 15 Jahren erreicht hat, gemäß einer Umfrage ein Fünftel der Einwohner ihre Stadt für unsicher, nur 53 Prozent erklären, dass sie hier angstfrei leben.

Probieren wir es doch anders. Erkennen wir, dass Flüchtlinge genauso unterschiedlich sind. wie wir selbst. Seien wir neugierig – und gelassen. Auch wenn man uns mit Angstparolen bombardiert.