Angela Merkel – noch längst nicht weg

Es wirkt geradezu mitfühlend. Seitdem Angela Merkel für viele Betrachter wankt, häufen sich die wohlmeinenden Ratschläge, sie möge doch die Gelegenheit nutzen, um als erste deutsche Regierungschefin überhaupt freiwillig abzutreten. Keiner ihrer Vorgänger habe dies hinbekommen. Noch für kurze Zeit könne sie selbst entscheiden, wie ihr Abschied von der großen politischen Bühne später in der Geschichtsbüchern geschildert werde. Bloß: Warum sollte sie?

Sicher, ein schön inszenierter Abschied macht Bella Figura. Doch genau das hat Angela Merkel noch nie interessiert. Wieso sollte sich eine Frau, die sich in 13 Amtsjahren die vor dem Rumpf geformte Raute als einzige persönliche Eitelkeit geleistet hat, auf ein solches Spiel einlassen? Gehen wir davon aus: Dieser Aspekt interessiert sie nicht.

Bleibt das Beben in Berlin. Und da gibt es beunruhigende Zeichen. Jens Spahn wurde im Weißen Haus empfangen. Warum man sich dort für unseren Pflegenotstand interessiert, ist schwer nachvollziehbar. Andererseits: Welche Rivalinnen oder Rivalen hat Angela Merkel in ihrem Umfeld noch? Peter Altmaier ist ein getreuer Diener, Julia Klöckner sollte man über Schweinemast und Weinbau hinaus tunlichst keine Verantwortung übertragen, Ursula von der Leyen hat von ihrer Truppe ein Moor in Brand setzen lassen und ist deshalb recht blass um die Nase. Wolfgang Schäuble ist gut für jedes Amt. Aber vielleicht doh etwas zu alt.

Bleibt Horst Seehofer. Aber er ist inzwischen selbst in den eigenen Kreisen derart unbeliebt, dass er Angela Merkel nicht mehr gefährlich werden kann. Sollte die CSU bei der Landtagswahl in Bayern tatsächlich weit jenseits der absoluten Meherheit landen, dann wird der CSU-Chef der Depp für alle sein.

Die Kanzlerin hat bisher alle aufmüpfigen Männer begleitet von herzlichen Vertrauensbeweisen selbst aus dem Weg geräumt. Nun demontiert sich einer selbst.

Für Angela Merkel gilt somit: Wer die Macht hat, hält sie fest. Und sollte die Union, nach dem Abgang des großen Störenfrieds, bis Jahresende wieder über 30 Prozent erreichen und auch nur eine kleine Chance auf eine nächste GroKo haben, bleibt sie uns noch lange erhalten. Wenn nicht, kommt ein Jens Spahn mit dem Dolch im Gewande. Aber ehrlich: Wer will ernsthaft seine Raute sehen?

 

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