Maaßen beweist: Stolpern bringt vorwärts.

Die Theorie zu den aktuellen politischen beziehungsweise medialen Großereignissen liefert unser Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe: „Stolpern bringt vorwärts“, lautet seine Weisheit. Womit er sagen wollte, dass man an seinen Fehlern nicht verzweifeln darf. Denn nur so lerne man gut, nur so komme man voran.

Im Falle des bisherigen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen kommt zu Goethe der so genannte Treppenwitz. Jene, meist eher schlechte Pointe, die einem beim Verlassen des Hauses spontan einfällt. Zumeist handelt es sich um eine absurde Gedanken-Konstruktion, die den Adressaten des Gags ratlos zurücklässt.

Die Variante: Da stolpert einer und fällt die Treppe hoch. Ein ohnehin hoher Beamter liefert einer Boulevardzeitung Stoff für ihre, zart ausgedrückt, fremdenkritische Berichterstattung. Der oberste Verfassungsschützer redet von Mord statt Totschlag, womit er den Tätern Heimtücke unterstellt, er zweifelt, in Trump-Manier, die Echtheit eines Videos an. Und er sagt, dass es in Chemnitz keine Hetzjagden gegeben habe. Verzeihlich wäre Letzteres –  falls Hans-Georg Maaßen den Jagdschein besitzen sollte. Denn unter Waidmännern erfolgt die Hetzjagd zu Pferde.

Jedenfalls herrschte bald große Einigkeit dahingehend, dass dieser Mann nicht mehr tragbar sei. Aber was passiert? Er wird entlassen, wird aber nicht in den Vorruhestand geschickt oder degradiert. Nein, er bekommt einen  besser bezahlten, einflussreicheren Job im unmittelbaren Dunstkreis seines Dienstherrn, Kumpels oder Förderers. Was immer Innenminister Horst Seehofer auch für ihn ist. Und Kanzlerin sowie SPD-Chefin nicken das ab.

Es soll Menschen geben, die mit dem Kopf gegen die Wand rennen, weil sie diese Personalentscheidung irgendwie verstehen wollten. Inzwischen stolpern sie bloß noch, weil sie erschöpft sind. Aber dass es sie beim Begreifen vorwärts brächte, kann keiner sagen.