Kalte Macher werden nicht geliebt

Wie wird man ein tragischer Held? Zum Beispiel so: Markus Söder verwaltet nicht, er macht Politik, ist hochtourig unterwegs. Es hat den Anschein, als habe er in seiner Zeit als Finanzminister die geheimen Reserven des bayerischen Staatshaushaltes ausspioniert, um sie nun mittels eines gigantischen Investitionsprogramms aufzulösen. Völlig entgegen der Kämmerer-Regel, dass der Staat gerade in guten Zeiten sparsam handeln sollte.

Der Ministerpräsident düst mit dem Füllhorn übers Land. Hier gibt es 400 Millionen Euro für kleinere Wohneinheiten in Behinderten-Einrichtungen, dort wird zwecks Zukunftssicherung eine grandiose neue Universität geplant. Zwecks Traditionspflege gibt es einen Kreuz-Erlass, das Baukindergeld sorgt für ein besseres Auskommen für Immobilienmakler, es gibt – für was auch immer – eine neue Polizei-Pferdestaffel.

Schließlich wird, unvermeidlich für die CSU, eine bayerische Asylbehörde, bei deren Vorstellung dem zuständigen Innenminister Joachim Herrmann der administrative Orgasmus ein feistes Grinsen ins Gesicht zaubert.

Super-Markus kümmert sich um jeden und alles. Das ist die Botschaft. Bloß, das zeigen die Umfragen, bisher will ihm das nicht jeder glauben. Der Mann kann rennen und ackern wie er will: Sein CSU-Ergebnis wird wohl schlechter sein als jenes seiner Vorgänger. Und noch schlimmer: Gemäß einer neuen Umfrage gilt Söder als Deutschlands unbeliebtester Ministerpräsident. Nur 31 Prozent der Befragten in Bayern finden ihn gut.

Aber warum? Weil das Image des empathischen Kümmerers so offensichtlich nicht stimmt. Vieles, was jetzt in Gang gesetzt wird, dient leicht erkennbar dem Ziel, der CSU für die nächsten fünf Jahre so viel Macht wie möglich zu sichern. Deshalb das Verschleudern von Steuergeldern, das aufgesetzte Traditionsgebaren und die Anti-Flüchtlings-Kampagne.

Wer vor allem mit kaltem Herzen macht, wird vielleicht respektiert, aber nicht geliebt. Die Wähler_innen wollen auch wissen, wer der Mensch ist, dem sie ihre Stimme geben sollen. Und dieser authentischen Persönlichkeit möchten sie vertrauen. Wie es geht, zeigt Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Ihm nimmt man ab, dass er sich für die Menschen interessiert. Markus Söder dagegen erscheint als jemand, der sich erstens für sich und zweitens für seine Partei und drittens ganz allgemein für Macht interessiert.

So wird er wahrgenommen, so tritt er auf. Sympathien gewinnt der damit nicht. So viel er auch macht.

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