Liebe SPD, jetzt sag doch mal was

Jeder kennt das: Zwei sitzen am Tisch und beschimpfen sich. Eigentlich ist da noch jemand, der auch etwas zu sagen hätte. Dieser schweigt jedoch lieber, damit die Angelegenheit nicht noch mehr eskaliert. Er hofft bloß, dass der sinnlose Streit vorübergeht. Dieser Jemand heißt SPD.

Während auf der Bühne der große Streit tobte, saßen die Sozialdemokraten im Abstellraum. Was sie zu sagen hatten, interessierte niemand. Obwohl das angebracht gewesen wäre. Schließlich stellt die SPD nicht bloß wichtige Minister, sondern ist selbst mit ihren aktuellen Umfragewerten immer noch mehr als doppelt so stark wie die CSU. Doch deren Chef Horst Seehofer darf, umringt von Dutzenden Fotografen, sein AfD-Förderprogramm durchziehen.

Schließlich einigt sich die Union, was die SPD in das Dilemma bringt, dass sie eigentlich bloß noch zustimmen kann. Die Partei war aus humanitäten Gründen immer gegen das Einsperren von Flüchtenden in Sammellagern. Nun kann ihre Vorsitzende nur noch an einer Sprachregelung feilen, die dem Volk vermitteln soll, dass Seehofers Pläne zwar schlimm, aber vielleicht doch nicht so ganz schlimm sind.

Geht’s wirklich nicht anders? Klar, es gibt einen Rechtsruck in Deutschland und Europa, aber es gibt auch Erfolge von Politikern mit anderen Botschaften. Wer oder was hindert die SPD daran, klar zu sagen, dass nicht jeder Mensch, der neu ins Land kommt, Wohlstand und Kultur der Einheimischen vernichten will. Warum setzen nicht auch die Sozialdemokraten der Kanzlerin ein Ultimatum? Etwa des Inhalts, dass die CSU bis Sonntagabend aus der GroKo zu schmeißen ist?

Es ist das große Rätsel, warum diese Partei mit ihrer stolzen Geschichte so zaghaft ist und immer noch nach Kompromissen sucht. Sie wollte sich doch erneuern und öfters klare Kante zeigen. Ist es Ratlosigkeit? Das könnte man bei jemand, der mit Horst Seehofer zu tun hat, gut verstehen.

Oder ist es doch so, dass das Regieren eine Droge ist, von der man nicht gerne lassen mag?  Verständlich wäre das, akzeptabel ist es nicht.  Also, liebe SPD: Sag was. Und sag das Richtige.

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