Alte Männer sind gefährlich. Ihnen bleibt keine Zeit

Es gab eine Zeit, in der wir gedacht hatten, alles würde besser. Wir hatten geglaubt, in der Politik kämen im Dutzend neue Talente ans Ruder. Hoffnungen hatten wir vor allem auf die Frauen gesetzt. Sie würden ihre Arbeit besser machen, weil sie das männliche Pfauengehabe nicht nötig hätten. Falsch gedacht: Die alten Grantler sind noch da. Und nerven gewaltig.

Gut, es gibt jugendliche Helden. Die Österreichern haben sich den 31-jährigen Sebastian Kurz als Bundeskanzler erwählt. In Frankreich wirkt Emanuel Macron durchaus ernüchtert, aber dennoch recht unverbraucht. Und die Frauen? Vermutlich niemand könnte begründen, inwieweit Theresa May erkennbar weiblich regiert. Das schafft Angela Merkel eher, wenngleich ihr Hang zum Unbestimmten mitunter furchtbar ist.

Aber für die großen Schlagzeilen sorgen die alten Männer. Da ist Donald Trump. Bei seinen jüngsten Auftritten in Europa hat er Glanzleistungen am laufenden Band abgeliefert. Er droht mit dem Austritt der USA aus der Nato, um anschließend zu erklären, dass das Verteidigungsbündnis dank  seiner zweitägigen Anwesenheit stärker denn je sei. Er fällt seiner angeblich besten Freundin Theresa May mit einem Interview zum Brexit in den Rücken, um seine abgedruckten Aussagen – trotz Tonband-Mitschnitt – zu Fake-News zu erklären.

Als er in einer Pressekonferenz zum Brexit befragt wird, fabuliert er über seinen Wahlsieg in Wisconsin und seine Besitztümer in Irland. Beim Versuch, einigermaßen gemäß der Etikette an der Seite der Queen eine Ehrenformation entlangzuschreiten, scheitert er grandios. Der Beobachter staunt und hat wieder einmal gelernt, dass man weder intelligent noch höflich sein muss, um die USA zu regieren.

Mächtig im Gerede ist der vom Asyl-Wahn besessene Horst Seehofer. Im gerne zitierten ZDF-Politbarometer rangiert er inzwischen an letzter Stelle, weit hinter Sarah Wagenknecht oder Cem Özdemir. Aber es scheint ihm zu gelingen, seinen verhassten Nachfolger Markus Söder in den Abgrund zu ziehen. Dieser ist Vorletzter.

Vielleicht ist das ja Seehofers Absicht. Denn eines macht alte Männer gefährlich: Ihnen bleibt keine Zeit. Sie hängen mehr am Leben als andere, ohne duldsam zu werden. Sie regeln Dinge kompromisslos, weil sie nicht mehr lange da sind. Auch Rache hat Eile.

Der wirklich alte Mann ist nicht viel mehr als eine Stimme und ein Schatten, schrieb shcon der antike Dichter Euripides. Dieses Schicksal kommt auch für Politiker. Aber sie können es, mit Wählers Hilfe, hinauszögern. und so gilt weiterhin: Irgendwann wird’s besser. Vielleicht.