Die Ära der Extrem-Nesthocker

Keiner entkommt der Evolution. Menschen können in verschiedenen Regionen leben, an verschiedene Götter glauben oder unterschiedliche Hautfarben haben. Sie sind doch Menschen. Und als solche hat sie die Natur zu sekundären Nesthockern, den so genannten Traglingen, gemacht. Sie bleiben bei ihren Eltern länger als jedes andere Lebewesen. Das ist in Ordnung, neuerdings nimmt es jedoch krasse Züge an. Wir leben im Zeitalter der Extem-Nesthocker.

Wie das Statische Bundesamt meldet, leben 60 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren bei ihren Eltern. Das ist zunächst einmal ein Kompliment für die Alten. Offenbar geht von ihrer Anwesenheit in der gemeinsamen Wohnung keine seelische Belastung aus. Es gibt Harmonie unter den Generationen. Nie war mehr Love and Peace am Küchentisch.

Aber sehr hoch ist die Quote doch. Zumal bei jungen Männern, die es sich noch häufiger im angestammten Nest bequem machen. Sie sind allerdings  auch pflegeleicht. Man gebe dem Jüngling Laptop, Smartphone und Großbildbildschirm, man gebe ihm ein Sky-Bundesliga-Abo, E-Sport-Software und ein paar Links zu günstigen Sex-Seiten – und er ist unter Umständen tagelang nicht mehr zu sehen.

Nicht zu vergleichen mit der jungen Frau, die auf dem Weg zur Wochenend-Party zu einer Uhrzeit duscht, föhnt und mit Schminksachen klappert, zu der die Eltern schon im Halbschlaf auf dem Sofa liegen. Hier ist das Konfliktpotenzial höher, man geht sich öfter auf die Nerven. Sie wird schneller flügge.

Doch warum wird die geistige Nabelschnur so schwer gekappt? Da helfen Politik, die Wirtschaft im Allgemeinen und Spekulanten im Besonderen mit. Wer als Gesetzgeber die sachgrundlose Befristung so leicht macht, darf sich nicht wundern, wenn sie Firmen eifrig nutzen. Wenn die Digitalisierung nach höherer Qualifizierung verlangt, kommen Menschen in einem höhren Alter in die Jobs, ist der früher häufige 15-jährige Lehrling eine aussterbende Spezies. Und vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass Männer früher mittels Wehr- oder Ersatzdienst gezwungen waren, nach der Schule ins richtige Leben hineinzuschnuppern.

Wer werden niemals wie Reptilien sein, die gleich nach der Geburt davonrennen. Das wünscht sich niemand. Aber zur Dankbarkeit gegenüber den Alten gehört es auch, dass man geht, wenn es dafür Zeit ist. Das Jugendzimmer ist kein Eigenheim. Es ist viel zu eng. Also: Keine Angst. Ihr schafft das.

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