Die Supermacht als kleiner Gauner

Mal ganz naiv gefragt: Wie sollte sich eine Supermacht verhalten? Ganz romantisch wissen wir die Antwort. Gerade, wer die Macht hat, sollte sich vorbildlich verhalten. Denn so gibt er der Welt ein gutes, überzeugendes Beispiel, das andere von einem redlichen Verhalten überzeugt. Das ginge. Aber nicht mit Donald Trump.

Der US-Präsident hält seine Glaubwürdigkeit gegenüber seiner Wählerschaft für viel wichtiger als die Hoffnung auf wenigstens ein bisschen Frieden in einer außer Kontrolle geratenen Region. Der so genannte Iran-Deal beinhaltet die Chance, dass der Dauerkonflikt im Nahen Osten nicht auch noch mit Nuklearwaffen eskaliert. Aber was kümmert es den alten Mann im Weißen Haus? Ein nuklearer Winter in Syrien wäre ja weit weg von den Golfplätzen Floridas.

Es ist ein Verhalten, wie man es Betrügern oder vielleicht noch jugendlichen Rotzlöffeln zuschreibt. Man erwirbt Vertrauen, man schließt Verträge, sagt aber dann einfach, dass man sich nicht mehr daran hält. Die Welt verarschen ist eine treffende, aber undiplomatische Beschreibung.

Doch was passiert nun? Tatsächlich zeigt Kanzlerin Merkel Widerstandsgeist. Sie hat mit Wladimir Putin telefoniert und möchte den Iran-Deal retten. Aber die Wirtschaftsbosse wimmern schon. Man dürfe keinen strafenden US-Präsidenten riskieren. Und so haben wir in Europa ein Mikadospiel: Wenn sich einer bewegt, bricht alles zusammen.

Geschichtsbewusstsein könnte helfen. Indem wir daran denken, dass Europa großartige Wirtschaftsbeziehungen in den Orient hatte, lange bevor es die USA gegeben hat. Wer – wie Iran und USA – nach zu viel Macht strebt, wirkt hässlich. Trotzdem: Der beste Schutz vor Bomben sind Wohlstand und sichere Lebensverhältnisse. Die Chance darauf darf niemand verbauen, auch nicht der große Dealmaker von Washington.

 

 

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